Donnerstag, 24. November 2016

Gerwald Claus-Brunner - Starb er als ein Gegner der Berliner Freimaurerei?

Starb er als Gegner freimaurerischer "Raub- und Beutegemeinschaften"?

Gestern erhielten wir zu unserem vorletzten Blogbeitrag folgenden anonymen Kommentar:
Ich bin ein Mitarbeiter des im Zusammenhang mit Hr. Brunner genannten Betriebes. Schaue bitte auf die ehemaligen Eigentümer dieses Betriebes !! Diesen wurde das leistungslose Einkommen genommen. In der Zeit der Holding waren die BWB ein Tummelplatz gewisser Logenbrüder, die auf Kosten des Betriebes in einem extremen Luxus lebten. Teuerste Fahrzeuge und Partys wurden vom Berliner Wassergebührenzahler bezahlt. Sein inszenierter Tod ist als Zeichen zu sehen.
Mit diesen wenigen Worten werden Zusammenhänge benannt, auf die wir von selbst so konkret nicht gekommen wären. Es stellt sich aufgrund dieses Kommentars für uns zum ersten mal sehr konkret die Frage: Welche Rolle spielen Freimaurerlogen in der Berliner Politik? Wir können schon lange nicht glauben, dass sie keine Rolle spielen würden. Aber in diesem Kommentar hört man zum ersten mal etwas sehr Konkretes darüber.

Abb. 1: Gerwald Claus-Brunner 2011 (Wiki)
Die Aussagen klingen auf den ersten Eindruck hin sehr echt und plausibel, da sie sehr konkret sind. Und lässt man sie länger auf sich wirken, fällt einem ein, dass uns schon vor Wochen gesagt wurde, dass ein weiteres Familienmitglied von Gerwald Claus-Brunner Freimaurer ist und deshalb unter gewissen Zwängen stünde. Da stellt sich ja dann die Frage: In welchem Verhältnis stand Gerwald Claus-Brunner selbst zur Freimaurerei? Da Gerwald Claus-Brunner schon sehr gereizt und empört reagierte, als sich der Völklinger Kreis an ihn wandte und anzubiedern versuchte, wird man sich wohl so seinen eigenen Reim machen können, wie er auch zu Zusammenschlüssen wie der Freimaurerei stand. Aber gibt es dazu womöglich konkrete Äußerungen?

Eine gewisse - zumindest ideologische - Nähe zur Freimaurerei könnte man in der Tatsache sehen, dass er - womöglich auch mit Verweis auf seine jüdische Großmutter - auf sein Twitter-Profil schrieb "Ich bin Jude" und sich einen Davidstern um den Hals hängte. Auch die Kernideologie der Freimaurerei - Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem - ist bekanntlich jüdisch, alttestamentarisch.

Und übrigens war Claus-Brunner ja an zahlreichen Großbauprojekten - auch in Israel selbst - tätig (Jüd. Allg. 11.11.2011). Er sagte zu seinem "Palästinensertuch" (Welt, 3.11.2011):
Er habe das Tuch 1995 von der Gastfamilie geschenkt bekommen, während er als Elektriker im Hafen von Haifa einen Kran repariert habe. (...) „Im Nahen Osten ist das Tuch ein praktisches Kleidungsstück. Es dient als Witterungs- und Sonnenschutz."
Beziehungsweise (TAZ, 5.5.2012):
Im Jahr 1995 hat ein Kollege ihm auf einer Baustelle in Israel, in der Nähe von Haifa, das Palästinensertuch geschenkt (...). „Auf dem Bau hat jeder dort so ein Tuch auf dem Kopf: Gegen die Sonne“, erklärt Claus-Brunner.
Er sagte das, nachdem er von Charlotte Knobloch vom Zentralrat der Juden in Deutschland angegriffen worden war. Und er verhielt sich geradezu so, als würde er - als Widerspenstiger - wie in einem Familienstreit agieren mit der Aussage: Ich gehöre doch zu euch. Allerdings als ein Widerspenstiger, der zugleich weiß, wie weit er gehen kann und darf und dass er nicht zu weit gehen darf.

In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch erwähnenswert, dass Gerwald Claus-Brunner unter anderem am Bau des Gotthard-Basistunnels mitgearbeitet hat, der 2002 begonnen wurde (Wiki) und dessen Einweihungsfeier am 1. Juni 2016 unter Beteiligung der europäischen Regierungschefs ja dadurch von sich Reden machte (Blick, 2.6.2016),
dass es wie eine okkulte Sex-Orgie aussah,
weil sie zahlreiche krass-satanistische Elemente enthielt (SRF, 2.6.2016). So dass viele Anlass hatten, von einer "Illuminaten-Zeremonie" zu sprechen.

"Bauopfer" beim "Tempelbau Salomons"?


War die politische Arbeit von Gerwald Claus-Brunner auch als ein solches "Bauprojekt" konzipiert worden, bei dem es gerne auch einmal Bauopfer (Wiki) geben würde? Dürfen wir das heraushören, wenn wir erfahren: "Sein inszenierter Tod ist als Zeichen zu sehen" - ? Und daran schließt sich die Frage an: Welche Rolle spielte und spielt die Freimaurerei auch in der Piratenpartei Deutschlands, bzw. Berlins, bzw. in der Piraten-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses? Inzwischen ist ja dankenswerter Weise darauf hingewiesen worden, dass zahlreiche Fraktionsmitglieder das von den Piraten hoch gehaltene Transparenz-Prinzip selbst nicht eingehalten haben (siehe Blog: "Die verborgenen Geschichten hinter den Schlagzeilen", 4.10.2016).

Offenbar hat man sich ja in den letzten Jahren häufiger über viele "Verschwörungstheorien" von Gerwald Claus-Brunner lustig gemacht innerhalb - und außerhalb - seiner Fraktion. In vielen seiner "Kleinen Anfragen" spürt man, wenn man es nun so konkret anhand des Eingangszitates hört, heraus, dass er freimaurerähnlichen Filz in vielen Zusammenhängen der Berliner Politik vermutete und unterstellte. Noch in seiner letzten kurzen Rede im Berliner Abgeordnetenhaus vom 23. Juni 2016, in der er am Ende seinen baldigen Tod voraussagte, hatte Gerwald Claus-Brunner im Zusammenhang mit dem neuen Berliner Zeiss-Großplanetarium und seinem Leiter Tim Florian Horn gesagt:
Hier ist offensichtlich sehr viel im Schwarzen, was da auch bleiben soll, (spürbar) anhand der Macht und der Kraft, die investiert wird, um mich in diesem Zusammenhang ruhigzustellen und kleinzuhalten. Das find ich unerhört.
Tim Florian Horn ist Leiter des Zeiss-Großplanetariums geworden aufgrund von persönlichen Beziehungen zu Berliner Staatssekretären, wie man hört, ohne jedenfalls den dafür nötigen Studienabschluss zu besitzen. Hier hatte Gerwald Claus-Brunner in zahlreichen Anfragen "Licht ins Dunkle" bringen wollen, auch auf den merkwürdigen Umstand hingewiesen, dass das Zeiss-Großplanetarium, das einstmals von Erich Honecker eröffnet worden war, ausgerechnet am Geburtstag von Erich Honecker wieder eröffnet worden ist (siehe voriger Blogbeitrag).

Ich kann mich noch gut erinnern, wie im Jahr 2010 oder 2011 auf einem Parteitag der Piraten eine Zuhörerin jemanden öffentlich fragte, ob er für den Geheimdienst arbeite oder ähnlich. Sie wurde von den Zuhörern ausgelacht, was man schon damals sehr bezeichnend finden konnte, und wozu man sich damals schon sagte: Wenn man bei den Piraten für eine solche Frage ausgelacht werden kann, dann kann man von dieser Partei nicht viel erwarten. Diese Partei hat es also zwischenzeitlich bei ihren Mandatsträgern nicht durchgesetzt, dass sie alle Zugehörigkeiten zu Geheimdiensten und -gesellschaften offenlegen.

Im weiteren Blogartikel haben wir einmal begonnen, unser Wissen über den politischen Lebensweg von Gerwald Claus-Brunner chronologisch zusammen zu stellen. Diese Chronologie ist natürlich bislang sehr unvollständig. Sie soll künftig nach und nach durch weitere relevante Angaben vervollständigt werden.

Im Oktober 2009 wurde Gerwald Claus-Brunner Mitglied der Piratenpartei (Berl. Ztg., 22.9.2016).

Im Jahr 2010 gab es eine Auseinandersetzungen rund um die Teilnahme der Piraten am Christopher Street Day in Berlin, Christopher Lauer agierte schon damals, so wird von mehreren Seiten berichtet, als ein ausgesprochener Gegner von Gerwald Claus-Brunner (S. Lange, 19.9.16).

Im Jahr 2011 kommen die Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus.

Mai 2012: Gerwald Claus-Brunner reagiert äußerst gereizt auf eine anbiedernde Einladung an ihn von Seiten des Völklinger Kreises. Er verbittet sich von diesem "Kreis" jede weitere Kontaktaufnahme. Er zeigt klare Kante. Ein solches Verhalten ist bislang von kaum einem anderen deutschen Politiker bekannt geworden. Derzeitige AfD-Politiker zum Beispiel fühlen sich sehr geehrt und gebauchpinselt, wenn sie von diesem "Völklinger Kreis" eingeladen werden. Es ist für sie eine Art "Eintrittskarte" in das etablierte Establishment, ein Zeichen dafür, dass sie künftig Erfolg haben werden. Womit man dann sehr viel weiß. Wenn nicht alles ....

4. Dezember 2012: "Die Raub- und Beutegemeinschaft der (teil)privatisierten Berliner Wasserbetriebe"


Am 4. Dezember 2012 schreibt die Berliner Fraktion der Grünen als Pressemitteilung auf ihrer Internetseite zu den Erörterungen rund um die Berliner Wasserbetriebe (Bündnis 90/ Die Grünen „Sonderausschuss Wasserverträge ist gescheitert“ vom 14.12.2012; Hervorhebung nicht im Original):
Durch die von der großen Koalition im Jahr 1999 beschlossene Teilprivatisierung wurde eine Raub- und Beutegemeinschaft von privaten Investoren und dem Land Berlin vereinbart. Sie geht zu Lasten der Berliner Wasserkunden und wurde oft und lautstark kritisiert und gerichtlich beklagt. Die öffentliche Empörung über die Teilprivatisierung und die vereinbarten Gewinngarantien kulminierte in der erfolgreichen Volksabstimmung. Unzweifelhaft war die Intention des Wassertisch-Gesetzes und der abstimmenden Bevölkerung darauf gerichtet, die Nachteile der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe nicht weiter zu ertragen. Dazu hätten die Verträge der Teilprivatisierung aufgelöst werden müssen. Die SPD- und CDU-Fraktionen waren und sind offensichtlich nicht gewillt, die Raub- und Beutegemeinschaft aufzukündigen. Stattdessen wurden die Anteile eines der privaten Investoren übernommen, um das Land weiter im bestehenden Vertragsgefüge zu belassen. Gerade vor dem Hintergrund der Preissenkungsverfügung des Bundeskartellamts muss die politische Entscheidung von SPD und CDU als Entscheidung gegen die Interessen der Berlinerinnen und Berliner angesehen werden. 
Am 9. April 2013 tickt Christopher Lauer in einer Fraktionssitzung gegenüber Gerwald Claus-Brunner aus. Dies ist Anlass für einen TAZ-Artikel. In dieser Fraktionssitzung ging es erst um die Organklage der Piratenpartei Berlin beim Verfassungsgericht Berlin mit Unterstützung des Berliner Wassertisches, zum zweiten um den fahrscheinlosen öffentlichen Nahverkehr. Siehe Youtube: ab etwa der 5. Minute referiert Gerwald Claus-Brunner, ab 24'10 spricht Christopher Lauer, ab 54. Minute äußerst sich Lauer ungehalten über die Dauer der Debatte, ab der 60. Minute spricht Sigrun Franzen vom Wassertisch, ab 1 Std., 48 Min. ist plötzlich der Ton weg während Christopher Lauer zum nächsten Thema spricht, nämlich dem kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, zu dem Claus-Brunner ebenfalls sehr engagiert ist. Ab 1 Std. 50 Min. schlägt Christopher Lauer dabei mit den Fäusten auf den Tisch. Und die TAZ fragt mit recht, warum hier plötzlich der Ton weg ist.

April 2013: Organklage der Piratenpartei Berlin beim Verfassungsgericht Berlin

September 2013: Parteiordnungsverfahren gegen Sigrun Franzen

Oktober 2014, Gerwald Claus-Brunner twittert:
Es darf gelesen werden: sigrun-franzen.de Text spricht für sich alleine.
Ende 2014: Jan Mirko L. kündigt seine Stelle im Abgeordnetenbüro von Gerwald Claus-Brunner (Stern, 30.10.2016).

3. Oktober 2015: Parteiordnungsverfahren gegen Sigrun Franzen wird zurückgenommen

15. Dezember 2015: Wahlkampfvorbereitungen für Berlin mit langen Redebeiträgen von Gerwald Claus-Brunner (s. Youtube), an denen erneut erkennbar wird, wie aktiv und engagiert er ist, und wie sehr er in der Partei anerkannt ist.

Januar 2016: Antrag auf Ausschluss von Gerwald Claus-Brunner aus der Fraktion. Als Grund wird auch sein Twitter-Verweis auf die Internetseite von Sigrun Franzen angeführt. Außerdem (Focus, 21.9.16):
Auf dem Aufstellungsparteitag für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im Januar (2016) wurde Claus-Brunner schließlich abgestraft. Einen Platz zwischen 1 und 7 auf der Landesliste hatte er sich gewünscht. Er landete auf Listenplatz 26 von 29. „Damit hatte er nicht gerechnet. Die Partei hat einen großen Teil seines Lebens ausgemacht“, sagt ein Vertrauter. Die positive Bestätigung, die seine Partei dem 44-jährigen immer gegeben hatte, war weg. Dass er durch den tiefen Fall der Piratenpartei zudem sein Mandat und somit seine Einnahmequelle im September verlieren würde, war schon länger klar.
19. Mai 2016: Geburtstagsfeier von Gerwald Claus-Brunner, sein Freund, vormaliger Büromitarbeiter und zeitweiliger Lebenspartner Jan Mirko L. ("Wuschelkopf") ist anwesend (Stern, 30.10.2016).

1. Juni 2016 (Stern, 30.10.2016):
Am 1. Juni zeigte der Pirat (Gerwald Claus-Brunner) Jan Mirko L. wegen Verleumdung an. "Die Anzeige dient meinem Selbstschutz, um den falschen Verdächtigungen etwas entgegenzusetzen, weil damit meine Reputation und Leumund nachhaltig beschädigt wird", gab der Politiker bei der Berliner Polizei zu Protokoll. Claus behauptete, Jan Mirko L. würde herum erzählen, dass er "mehrfach" in dessen Wohnung eingebrochen sei und "dort Spionage/Videokameras installiert" habe. Er denunzierte Jan Mirko L. als Verrückten: "Herr Mirko L. sollte ob dieser paranoiden Wahnvorstellung einen Facharzt aufsuchen, da hier offensichtlich eine schwere Persönlichkeitsstörung vorliegt."
Den gleichen gehässigen "Ratschlag" - zum Arzt zu gehen - sollte Gerwald Claus-Brunner von Alexander Morland während seiner Rede im Abgeordnetenhaus bekommen. Die Fotos, die mit solchen Spionagekameras erstellt werden können, haben offenbar auch andere Mitarbeiter von Claus-Brunner auf dessen Computer gesehen.

4. Juni 2016: Noch hundert Tage bis zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses. Gerwald Claus-Brunner trägt ein Meterband, an dem er täglich einen Tag abschneidet. Er rechnet mit seinem baldigen Lebensende, sagt, dass ihm sieben Ärzte bestätigt hätten, dass er an einer unheilbaren Krankheit litte. Im Nachhinein erscheint es vielen Nahestehenden so, als ob dieses Maßband zugleich die letzten Tage bis zu seinem "vorgesehenen" Lebensende beinhalteten.

Man könnte sich vorstellen, dass ihm sein Tod angekündigt worden ist. Sollte Gerwald Claus-Brunner einmal kurzzeitig Mitglied einer Freimaurerloge gewesen sein, dann weiß er, dass Freimaurerlogen sich das "Recht" herausnehmen, über Leben und Tod von Mitbrüdern mittels Geheimgerichtsbarkeit zu entscheiden.

23. Juni 2016 - "Es wird viel Kraft investiert, mich ruhig zu stellen und klein zu halten"


Am 23. Juni 2016 hält Gerwald Claus-Brunner im Berliner Abgeordnetenhaus seine letzte kurze Rede, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wird nach seinem Tod darüber schreiben (FAS, 25.9.16):
Es wurde immer bizarrer. Claus-Brunner sah überall Verschwörungen und erhob haltlose Korruptionsvorwürfe, etwa bei der Stiftung der Berliner Planetarien und Sternwarten. Das war auch das Thema seiner letzten Rede im Parlament, in der er seinen Selbstmord andeutete.
Auffallenderweise wird diese Rede selten vollständig zitiert. Das soll deshalb im folgenden getan werden und dazu das Video der Rede selbst eingestellt sein:


Es ist schon hochgradig auffällig, was für eine hämische, höhnische Stimmung insgesamt in diesem Abgeordnetenhaus vorherrscht. Wer möchte sich einer solchen Stimmung eigentlich aussetzen? Wenn man sich die Reden anderer an diesem Tag ansieht, wird deutlich, dass sich diese respektlose, höhnische Stimmung nicht nur auf Gerwald Claus-Brunner bezog. Vielleicht sind Berliner Politiker vieler Parteien so. Der Zuruf "Geh mal zum Arzt" klingt jedenfalls nicht sehr besorgt. Er scheint aus Claus-Brunners eigener Fraktion zu stammen, womöglich von Alexander Morland. Jedenfalls sagt Gerwald Claus-Brunner laut des Sitzungsprotokoll (Parlament-Berlin) (leicht korrigiert entsprechend der Videoaufnahme) folgendes (Hervorhebung nicht im Original):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Senatoren beliebigen Geschlechts! Sehr geehrte Kollegen beliebigen Geschlechts! Sehr geehrte Gäste beliebigen Geschlechts!
[Zuruf von der CDU: Mein Geschlecht ist nicht beliebig!]
Es wird hier ein Gesetz beschlossen, bei dem ich schon seit zwei Jahren mit Schriftlichen Anfragen - 20 Stück an der Zahl - versucht habe, auch in diesem Bereich von Filz und Korruption Licht ins Dunkle zu bringen. Ich wurde dabei auch von der eigenen Fraktion, von den eigenen Kollegen angegriffen und diesbezüglich bezichtigt.
[Andreas Gram (CDU): Was?]
Das finde ich nicht in Ordnung. Und ich finde es auch nicht in Ordnung, dass über den Inhalt dieser Schriftlichen Anfragen hinweggesehen wird, dass der Senat die Schriftlichen Anfragen teilweise ungenügend beantwortet hat, sodass mehrfach Nachfragen mehrfach notwendig waren und trotzdem hier kein Licht ins Dunkle gebracht werden konnte. Hier ist offensichtlich sehr viel im Schwarzen, was da auch bleiben soll anhand der Macht und der Kraft, die investiert wird, um mich in diesem Zusammenhang ruhigzustellen und kleinzuhalten. Das find ich unerhört. Und dementsprechend ...
[Zuruf von Alexander Morlang (PIRATEN)]
- Sei still, Alex! Das kannst du ein anderes Mal machen. Ich finde das nicht in Ordnung von dir. So.
[Unruhe]
Gerade du! So. Im Allgemeinen möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die hier im Haus mit mir zusammengearbeitet haben. Ich werde ...
[Zuruf: Geh mal zum Arzt!]
- Ja, mach mal weiter so! Könnt ihr gerne alles machen. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ihr werdet ab dem 18. 9. es noch bereuen, dass es diese Fraktion, der ich angehöre, nicht mehr geben wird.
[Dr. Manuel Heide (CDU): Da bin ich nicht so sicher!]
Doch, ich tue das, seitdem ich in den letzten Tagen zur Kenntnis nehmen konnte, welchen geraden politischen Lebensweg Gerwald Claus-Brunner bis zu seinen letzten Lebenstagen hinter sich brachte und wie viel Anerkennung dieser Umstand auch innerhalb seiner Partei fand, wenn auch nicht - offenbar - innerhalb seiner Fraktion. Weiter sagt er:
Das werde ich euch so sagen. Und ihr werdet auch in der laufenden Legislaturperiode für mich am Anfang irgendeiner Plenarsitzung mal aufstehen dürfen und eine Minute stillschweigen. - Vielen Dank, das war's!
[Beifall von Dr. Uwe Lehmann-Brauns (CDU)]
Vizepräsidentin Anja Schillhaneck: Vielen Dank, Herr Abgeordneter! - Eine kurze Anmerkung: Zwischenrufe wie „Geh mal zum Arzt!“ oder Ähnliches sind wirklich unangemessen!
[Beifall bei der SPD, der CDU und den GRÜNEN]
Das sollten Sie bitte unterlassen!
Über den Satz von Claus-Brunner "Es wird viel Kraft investiert, mich ruhig zu stellen und klein zu halten," sollte man nicht mit Flüchtigkeit hinweg gehen, auch nicht über die hier wahrnehmbare zutiefst hämische Stimmung im Berliner Abgeordnetenhaus im Allgemeinen und in der Piratenfraktion im Besonderen. - Wie kann eigentlich die Staatsanwaltschaft Berlin nach 48 Stunden die Ermittlungen zu den Umständen seines Todes einstellen, wenn ein solcher Satz Bestandteil seiner letzten Rede ist?

Wie ist im übrigen die Formulierung "in der laufenden Legislaturperiode" einzuordnen in Verbindung mit der Formulierung "irgendeine Plenarsitzung"? Grob finden zwei Vollversammlungen, also Plenarsitzungen, pro Monat statt. Allerdings stand am 23. Juni die Sommerpause bevor und am 18. September war Neuwahl, also konnten eigentlich nicht mehr gar so viele Plenarsitzungen "in der laufenden Legislaturperiode" erwartet werden. De facto hat in der damaligen laufenden Legislatur nach dieser Plenarsitzung vom 23. Juni nur noch eine Plenarsitzung stattgefunden, nämlich die 85. am 8. September 2016. Am 27. Oktober 2016 folgte dann die konstituierende Sitzung der nächsten Legislaturperiode (siehe als Übersicht etwa: RBB Abgeordnetenhaus). Darf man dieser Äußerung entnehmen, dass Gerwald Claus-Brunner - trotz des genannten Maßbandes - doch nicht ganz so konkrete Gedanken darüber hatte, wann genau er in den nächsten Monaten sterben würde?

23. Juni 2016: Am gleichen 23. Juni 2016 taucht ein gefälschtes Facebook-Profil von Jan Mirko L. auf (Stern, 30.10.2016), durch das sich dieser "verfolgt" ("gestalked") fühlt. Gibt es Beweise dafür, dass Gerwald Claus-Brunner selbst dieses Profil erstellt hat?

27. Juni 2016: Jan Mirko L. stellt Strafanzeige gegen Gerwald Claus-Brunner wegen Nachstellung. (Stern, 30.10.2016). Von dieser Anzeige hat Gerwald Claus-Brunner womöglich nie etwas erfahren.

7. Juli 2016: "Sie hatten die Pest an Bord"


Der Journalist Johannes Schneider schreibt darüber in einem Artikel mit dem zutiefst hämischen Titel "Sie hatten die Pest an Bord", Tagesspiegel digital, 5.6.16 [sic!, wohl falsch datiert, wohl eher: 5.7.2016]):
Ein zitierfähiges Beispiel für verkommene Sitten: Da kommentiert Gerwald Claus-Brunner - das ist der mit dem Kopftuch und der Latzhose - im Abgeordnetenhaus ein Gesetz zur Zusammenführung der Planetarien und Sternwarten in eine Stiftung. Es ist Claus-Brunners letzte Wortmeldung im Parlamentsplenum vor der Sommerpause und mutmaßlich die letzte hier in seinem Leben. Im September wird gewählt, Claus-Brunner steht auf Platz 26 der Landesliste der Piraten, die in Meinungsumfragen zuletzt zwischen nicht messbar und drei Prozent lagen. Er spricht von seinen Mühen, mit schriftlichen Anfragen - 20 an der Zahl - „in diesem Bereich von Filz und Korruption Licht ins Dunkle“ zu bringen. Leider seien die aber unzureichend beantwortet worden. So richtig verständlich machen, wo das Problem liegt, kann Claus-Brunner in dem kurzen Beitrag nicht. Auch nach fast fünf Jahren im Parlament wirkt er am Rednerpult seltsam deplatziert, wibbelt in der Hüfte, während er schematisch zwischen abgelesenen Phrasen und strengen Blicken ins Publikum wechselt.
Kann der Autor dieser Zeilen so nicht wahrnehmen. Es ist einfach ein Mensch, der - womöglich - nicht so stromlinienförmig agiert und spricht wie alle anderen. Sonst äußert er immer, wo man ihm auch zuhören kann, sehr klare, kluge, durchstrukturierte Gedanken. Weiter Johannes Schneider über die Blicke von Claus-Brunner:
Die treffen auch die eigene Fraktion: Auch sie habe ihn nicht unterstützt, angegriffen gar. „Geh mal zum Arzt!“, ruft irgendwann Alexander Morlang, Sprecher für Forschung und Technologie mit langen Haaren und offenkundig kurzer Zündschnur, und bekommt daraufhin von Parlaments-Vizepräsidentin Anja Schillhaneck zu hören, dass „Geh mal zum Arzt!“ ja wohl „mal gar nicht“ gehe. Tage später wird Schillhaneck sagen, sie habe da eine Fraktion am Tiefpunkt erlebt. 
Johannes Schneider portraitiert am Ende seines Artikels 10 der 15 Mitglieder der Piratenfraktion, im Grunde recht wohlwollend. Gerwald Claus-Brunner ist nicht dabei.

17. August 2016, Jan Mirko L. lernt auf dem Elblichtfestival bei Magdeburg eine neue Freundin kennen: Anne W. (Stern, 30.10.2016).

Ende August soll Gerwald Claus-Brunner, was in der Boulevard-Presse ("Bild-Zeitung") genüsslich breit getreten worden ist (wozu aber der "Bildblog" sehr kritische Worte fand) ein Gerät bestellt haben, das im Geschlechtsleben manches Homosexuellen eine Rolle spielen mag, zudem aber in einer Größe, die sonst nicht hergestellt wird (Promiflash, 27.9.16):
Der Auftrag sollte so schnell wie möglich geliefert werden.
Man kann nur wenig konkrete Schlussfolgerungen aus dieser Angabe ziehen, jedenfalls muss man nicht zwangsläufig solche aus ihr ziehen, wie sie in der Boulevard-Presse nahegelegt werden. (Schließlich kann ein solches Gerät auch rein symbolischen Charakter haben.)

Donnerstag, den 15. September 2016


Über den Todestag von Jan Mirko L., Donnerstag, den 15. September 2016, wird berichtet (Stern, 30.10.2016):
Am Morgen des 15. September fuhr er zu der Flüchtlingsfamilie, passte auf die afghanischen Kinder auf. Mittags kehrte er zurück, aß mit Anne. "Er war gut drauf" , sagte sie später. Gegen 14 Uhr ging L. erneut aus dem Haus, er wollte zu einem Freund, Tischtennis spielen. Anne W. blieb allein zurück, verließ die Wohnung gegen 17 Uhr. Die beiden hatten sich für den späteren Abend lose verabredet. Noch war nicht klar, wer bei wem übernachten würde.
Nachmittags war Gerwald Claus-Brunner an seinem Wahlkampfstand. Seine große Kiste benutzte er schlicht für den Transport der Materialien seines Wahlkampfstandes. Kurz nach 18 Uhr kaufte er in einem Kiosk ein (FAS, 25.9.16):
Drei Stunden später stand er vor der Wohnungstür seines Opfers. Ein Nachbar gab an, erst einen erstaunten Ruf gehört zu haben und dann einen dumpfen Knall. Laut Staatsanwaltschaft starb Jan Mirko L. an stumpfer Gewalt gegen den Oberkörper. (...) Zwei Stunden später trug Claus-Brunner die Leiche in jenem schwarzen Kasten aus dem Haus und transportierte sie auf der Sackkarre in seine elf Kilometer entfernte Wohnung. 
Fotos von der Wohnung von Jan Mirko L. zeigen nicht auf, dass in dieser irgendwelche körperlichen Auseinandersetzungen stattgefunden haben. Das Bett sieht schlicht so aus, als ob da gerade jemand aufgestanden sei. Weiter wird berichtet (Stern, 30.10.2016):
Spätabends las eine Piraten-Mitarbeiterin einen Tweet von Gerwald Claus auf Twitter. "Mein Herzmensch wurde heute in Berlin totgeschlagen." Wenig später war der Tweet gelöscht.
Hier spricht Gerwald Claus-Brunner in der dritten Person: "wurde erschlagen", also so, als ob er dabei gewesen wäre aber nicht der Täter selbst wäre. Gab es Zeugen, die beim Abtransport der Kiste durch das Treppenhaus eine zweite Menschenstimme hörten?

Freitag bis Sonntag, 16. bis 18. September 2016


Am Freitag, den 16. September 2016 veröffentlicht Gerwald Claus-Brunner die Twitter-Nachricht:
Echter Kacktag heute, übertrifft sämtliche schlechten Tage, die ich je erlebt hatte bisher. Hoffe, das Wochenende macht's besser. 
Dieser Nachricht ist die Erwartung des Weiterlebens zu entnehmen. Wenn er selbst nicht der Täter war, den Täter aber zugleich decken wollte, vielleicht musste, würde es womöglich Sinn machen, so zu schreiben. Außerdem wird berichtet (Berl. Ztg., 22.9.2016):
Am selben Tag soll er Bekannten gesagt haben, dass er sich in die Psychiatrie einweisen wolle.
Auch wenn er nur Mitwisser eines Mordes war, hätte er dazu natürlich Grund sehen können. Vielleicht hätte die Psychiatrie dann auch ein Schutz für ihn sein können. Am Nachmittag veröffentlichte er auf Twitter ein Foto von Jan Mirko L. in der S-Bahn und schrieb dazu:
Meine Liebe, mein Leben, für dich lieber Wuschelkopf, für immer und ewig!
Spätestens am Samstag, den 17. September 2016, können der Abschiedsbrief und das Abschiedspaket bei der Post aufgegeben worden sein. Am Sonntag, den 18. September 2016, fand die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin statt. Es wird berichtet (Berl. Ztg., 22.9.2016):
Am Sonntag, dem Wahltag, setzte Claus-Brunner mit einem Stromschlag seinem eigenen Leben ein Ende. 

Montag, den 19. September 2016: "Was er zusagt, hat er sehr ernst genommen" 

Die weiteren Ereignisse am Montag, den 19. September 2016 (Tagesspiegel, 21.9.16):
Am Montagvormittag soll laut dem Vorsitzenden der Berliner Piraten, Bruno Kramm, ein Abschiedsbrief Claus-Brunners in einem Parteibüro angekommen sein. Ein Mitarbeiter habe den Brief geöffnet und die Polizei benachrichtigt.
Und (Stern, 30.10.2016):
Am 19. September ging gegen Mittag ein Brief im Büro der Berliner Piratenpartei ein. "Wenn Ihr das hier lest, bin ich tot. Bitte informiert die Polizei und gebt ihr den Wohnungsschlüssel, den ich beigelegt habe." Die Feuerwehr öffnete die Tür zu Claus' Wohnung und fand die Leichen von Gerwald Claus und Jan Mirko L. Im Flur stand ein Müllsack mit Kabelbindern, mit denen das Opfer offenbar für den Transport im Koffer gefesselt wurde. Bei der Obduktion stellten die Gerichtsmediziner fest, dass Jan Mirko L. neun gebrochene Rippen hatte. Sie gehen davon aus, dass Gerwald Claus auf dem Brustkorb seines Opfers kniete, als er es erwürgte.
Über die ersten Reaktionen innerhalb der Piratenpartei wird berichtet (Tagesspiegel, 21.9.16):
Noch vor Bekanntwerden der Mordvorwürfe hatte sich Kramm betroffen geäußert. Er stehe in Kontakt mit Brunners Bruder in den USA, um ein mögliches öffentliches Begräbnis vorzubereiten. „Parteimitglieder aus ganz Deutschland haben mich kontaktiert, weil sie sich persönlich von Faxe verabschieden wollten“, sagte Kramm. „Faxe“ war der Spitzname Claus-Brunners. Bereits am Montagabend hatten Claus-Brunners alte Parteifreunde zu einer Trauerfeier vor seinem Bürgerbüro in Steglitz aufgerufen. „Obwohl wir die Einladung spontan verschickt haben, sind viele Menschen gekommen, haben getrauert und sich an die gemeinsame Zeit mit Faxe erinnert“, sagte Kramm.
Auf Twitter meldeten sich zahlreiche Menschen zu Wort, die Gerwald Claus-Brunner kannten. Eine "Natalie" @Mermaid_ip schrieb über Gerwald Claus-Brunner, der auf Twitter den Namen @RealDeuterium hatte (Twitter):
Auf dem BPT11 vertraute mir @RealDeuterium an, der politische Kampf sei das einzige, was ihn am Leben hält - das klang ernst. #Faxe 
2011 fanden zwei Bundesparteitage statt, am 14./15. Mai in Heidenheim an der Brenz und am 3./4. Dezember 2011 in Offenbach am Main. Letzterer schon nach dem Einzug der Berliner Piraten ins Abgeordnetenhaus. Womöglich hatte Gerwald Claus-Brunner also schon 2011 mit dem Leben abgeschlossen und wollte nur noch so viel als möglich politisch aus diesem herausholen. Ein Buck Rogers schrieb (Twitter):
@piratenberlin -- Faxe hatte es schwer, seine Auffassung gegen 14 MdA. Echte Freunde hatte er wenige. Wir haben echten Piraten verloren.
Jessica Miriam Zinn ‏@JeZ_Zc (Twitter):
Auf #Faxe konnte man sich immer verlassen. Was er zusagt, hat er immer gemacht und das sehr ernst genommen. Er hat gute Arbeit abgeliefert. So viele Aktionen von #Faxe haben mich erfreut, soviel wo er einfach angepackt hat, anstatt lang zu diskutieren. Soviel was wir so schätzten.

Mittwoch, 21. September 2016: Claus-Brunner war "eine sehr schwer geführte Persönlichkeit"


Am 21. September 2016 wird ein schriftliches Geständnis von Gerwald Claus-Brunner bekannt (Stern, 30.10.2016):
Zwei Tage später überließ ein Exfreund von Gerwald Claus der Polizei ein ungeöffnetes Päckchen, das der Abgeordnete ihm vor seinem Tod geschickt hatte. In dem Päckchen fand die Kripo ein paar Geldbündel, das Testament des Politikers - und sein Geständnis: "Ich habe am 15. September um ca. 22 Uhr Mirko im Affekt getötet. Ich kann ohne ihn nicht leben und folge ihm."
Diese Mitteilung liest sich, wenn man möchte, etwas merkwürdig. Warum soll in einem solchen Schreiben kurz bevor man sich selbst das Leben nimmt, noch eine so genaue Zeitangabe wie "um ca. 22 Uhr" wichtig sein? - - -

Kriminologe Prof. Lorenz Böllinger

Am selben 21. September 2016 veröffentlicht die "Welt" ein kurzes Interview mit dem Kriminologen Prof. Lorenz Böllinger. Er hat erstaunlich schnell eine Deutung parat. Und dabei gebraucht er, wenn man möchte, doch ein wenig auffällige Formulierungen. Er sagt (Welt, 21.9.2016):
Es muss sich hier um eine sehr schwer geführte Persönlichkeit handeln mit einer Spaltung zwischen dem Leben in der Öffentlichkeit als Politiker einerseits und einem Privatleben, in dem's ihm ging wie vielen anderen Menschen auch, dass es nämlich ganz gravierende Beziehungsschwierigkeiten gibt.
Es fällt einerseits auf, dass der Sprecher die Betonung auf das Wort "Spaltung" legt. Ein weniger stark belegtes Wort hätte das Wort "Doppelleben" sein können. Denn als Kriminologe sollte man doch von einer psychischen "Persönlichkeitsspaltung" nur dann reden, wenn von eben dieser Krankheit selbst die Rede ist oder sein kann. Schon in unserem ersten Blogartikel zur Gerwald Claus-Brunner hatten wir davon berichtet, dass ein Mitglied der Berliner Piraten-Fraktion von eben dieser Krankheit mit Bezug auf Gerwald Claus-Brunner sprach. Eine Krankheit im übrigen, an der zahlreiche Menschen leiden, die zugleich berichten, dass sie in freimaurerischen Zusammenhängen entstanden ist durch die Folter- und Gewaltpraktiken des rituellen Satanismus. Die ansonsten hier angesprochene Unterteilung zwischen Berufs- und Privatleben kennt jeder Mensch und es besteht bestimmt kein Anlass, für eine solche Trennung gleich den Begriff "Spaltung" zu verwenden. Im übrigen machen insbesondere die hier auf dem Blog schon zitierten Erinnerungen von "Lily" Gabelmann deutlich, dass es eine so strikte Trennung zwischen Berufs- und Privatleben - oder gar eine "Spaltung" zwischen beiden - im Leben von Gerwald Claus-Brunner gar nicht gegeben hat. Menschen, denen er vertraute und die Verständnis zeigten, teilte er sehr offen und ehrlich auch sehr private Einzelheiten aus seinem persönlichen Leben mit.

Nicht zuletzt deshalb ist weiterhin auch die Formulierung "sehr schwer geführte Persönlichkeit" ein wenig auffallend. Es mag wohl gemeint: ein "sehr schwer geführtes" "Doppelleben". Aber warum nennt es der Kriminologe dann nicht so? Bei einer Formulierung wie "sehr schwer geführte Persönlichkeit" hört man eigentlich zunächst etwas ganz anderes heraus. In der Regel werden nämlich Mitarbeiter und Vertrauensleute von Geheimdiensten - - - "geführt". Ebenso werden auch Logenangehörige "geführt" (durch "Nacht zum Licht"). Aber es mag in der Tat manche Angehörige solcher Dienste oder Logen geben, die es im Nachhinein bereuen, sich auf eine solche "Führung" eingelassen zu haben, und die dann in der Tat zu "sehr schwer geführten Persönlichkeiten" mutieren können. Man möchte meinen, das politische Wirken von Gerwald Claus-Brunner könnte mit solchen Worten - aus Sicht von organisierten Hintergrundmächten - sehr gut gekennzeichnet sein.

In dem Artikel zu dem Video heißt es (Welt, 21.9.2016):
Der Polizei gilt das Geständnis als Beweis dafür, dass es keine weiteren Mittäter gibt. (...) Wie die „Welt“ zudem aus Ermittlerkreisen erfuhr, hat der Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner einem seiner Fraktionskollegen vor seinem Tod einen Brief geschrieben, in dem er die Tat komplett zugibt. Der Polizei gilt das Geständnis als Beweis dafür, dass es keine weiteren Mittäter gibt. Die Ermittlungen werden aufgrund des Briefes demnächst eingestellt werden. (...) Für weitere Tatbeteiligte soll es nach Informationen der „Welt“ bisher keine Anhaltspunkte geben.
Es ist hochgradig auffällig, wenn die Staatsanwaltschaft im Fall des Todes eines Politikers, der so viele Gegner in der Politik hatte und der mit so vielen brisanteren Fällen von Filz und Korruption befasst war in seinem politischen Leben nach 48 Stunden die polizeilichen Ermittlungen nach den Hintergründen des Todes dieses Politikers einstellen lässt. Das wundert auch manchen engeren Mitarbeiter von Gerwald Claus-Brunner und mutet ihnen komisch und merkwürdig an. Schließlich gäbe es doch gerade in einem solchen Fall noch allerhand zu ermitteln, bevor man wirklich Abschließendes sagen könnte.

Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Berlin, Oberstaatsanwalt Martin Steltner

Des weiteren gibt Oberstaatsanwalt Martin Steltner, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Berlin, eine Erklärung ab. Hatte dieser sich nicht auch schon zum Fall Kirsten Heisig geäußert - - - ? Richtig, hier auf dem Blog waren wir mit ihm schon befasst (GA-j!, 22.11.2010). Nachdem man den damaligen Blogartikel über Kirsten Heisig gerade noch einmal gelesen hat, kommt man zu dem Ergebnis, dass man der Berliner Staatsanwaltschaft bei "Selbstmorden" von guten Leuten im politischen Leben Berlins gar nichts glauben sollte. Gar nichts. (Wie sieht es eigentlich aus mit den Hintergründen zu dem Hubschrauberabsturz jenes mit der Berliner Immobilienbranche beschäftigten Menschen, von dem vor einigen Jahren berichtet wurde? Auch in diesem Fall sicher keine neuen Ergebnisse bislang, wie man vermuten darf ...)

Am selben 21. September 2016 lehnte sich Stephan Urbach, bis 2013 prominenteres Mitglied der Piratenpartei, danach fröhlicherer Gesprächspartner von Karl-Theodor zu Guttenberg und Sibylle Berg (Wiki), recht weit aus dem Fenster, als er über Gerwald Claus-Brunner schrieb:
Schuld sind übrigens die, die ihn seit Jahren gedeckt haben und noch immer decken.
Also die Idealisten in der Piratenpartei, wenn man es recht versteht, die Aufrechten und Geradlinigen sind schuld, so meint er. In der Berliner Zeitung vom Folgetag steht (Berl. Ztg., 22.9.2016):
In der Pressestelle der Fraktion will der Sprecher am Mittwoch nichts sagen. Auch nicht auf die Frage, warum Gerwald Claus-Brunner eigentlich seit Jahren keinen regulären Sitz in einem Parlamentsausschuss mehr hatte. Es sei zu schwierig, darauf eine Antwort zu geben, dafür bitte er um Verständnis. (...) Es gibt Leute, die bezeichnen den Umgang der Fraktion mit Claus-Brunner als Mobbing. Doch ... (...) Im Parlament muss man taktisch sein, zu Kompromissen bereit. Und das war Gerwald Claus-Brunner nur selten. Anfangs lief es gut, er saß in dem Sonderausschuss, der die Rekommunalisierung der Wasserbetriebe begleitete, ein Kernthema der Piraten. Auch im Finanzausschuss hatte er einen Sitz. Aber es funktionierte nicht auf Dauer. „Hinter harmlosen Fragen witterte er Verschwörungen“, sagt ein Fraktionskollege. Immer wieder stimmte Claus-Brunner gegen die Fraktion. Vertreter anderer Parteien beschwerten sich über sein Verhalten. Schließlich beriefen die Piraten ihn ab. Was ihm blieb, war ein Vertreterposten im Petitionsausschuss. Dort engagierte er sich mit Herzblut. „Die Fraktionszugehörigkeit spielt im Petitionsausschuss keine Rolle, es geht immer um die Sache“, sagt die Grünen-Abgeordnete Anja Kofbinger. „Ich denke, das hat ihm sehr gefallen.“
Es war früh von den Piraten - vielleicht von Claus-Brunner selbst - der Gedanken ins Gespräch gebracht worden, ob sich die Abgeordneten überhaupt getrennt nach Fraktionen im Parlament hinsetzen müssten. Wie man finden kann, ein schöner Gedanke. Er wurde freilich abgeschmettert. Es würde ja viel zu "unübersichtlich", säßen die Politiker nicht "in Formation". Na klar! Und interessant auch, dass sich vor allem "Vertreter anderer Parteien" über sein Verhalten beschwerten. Dann muss er ja doch wohl gute Piraten-Politik gemacht haben, wenn sich Nichtpiraten über ihn beschweren - ? Was, es gab Piraten-Politiker im Abgeordnetenhaus, über die sich Vertreter anderer Parteien nicht beschwert haben? Was?!?!

Donnerstag, 22. September 2016: Der "korrupte, unehrliche Flügel der Piratenpartei"


Am 22. September 2016 schreibt Julia Schramm (geb. 1985), die inzwischen für die Amadeu Antonio-Stiftung arbeitet, und auf die viele Bürger deshalb so absolut gar nicht mehr zu sprechen sind, auf Facebook, worauf auch in "Die Welt" hingewiesen wurde:
In den Tagen nach der Wahl haben sich die Ereignisse bei den Piraten überschlagen. Nach der Wahlniederlage wurde bekannt, dass Claus Gerwald Brunner - Faxe - sich das Leben genommen hat. Schnell wurde eine Rede von ihm im Plenum öffentlich, wo er auf einen baldigen Tod anspielte. Diese Nachricht schockte mich und machte mich traurig. Faxe und ich waren nie Freunde, im Gegenteil, er beschimpfte mich gerne und regelmäßig, ich gehörte für ihn zum korrupten, unehrlichen Flügel, dem es nur um das eigene Wohl gehe. Ich habe die Partei irgendwann verlassen und sah Faxe seitdem auch nicht mehr. 
Aus diesem Anlass redet sie nun das Gesamtanliegen der Piratenpartei schlecht. Man möchte meinen, dass das kritisiert werden darf und dass eine solche undifferenzierte Sichtweise im Sinne jener Kräfte ist, denen eine echte Oppositionspartei niemals recht war und sein konnte:
Die Reaktionen der verbliebenen Mitglieder der Piratenpartei betrübten mich ebenso - wie eh und je übertrafen sie sich in Schuldzuweisungen und Bösartigkeiten, in Verschwörungstheorien und genereller Hyperaktivität. Als dann herauskam, dass es neben dem Suizid noch ein Verbrechen gegeben hat, dass Faxe ("wahrscheinlich") einen Menschen ermordet hat (die schaurigen Details entnehmt ihr bitte der Boulevardpresse) wurde mir klar, was die Piratenpartei und die damit verbundenen Dynamiken in den Sozialen Medien eigentlich für eine vollkommen irre Dimension haben und hatten. Mir wurde klar, dass dieser Wahnsinn, der sich Partei nannte, der aber vielleicht auch nur ein Phänomen des Zeitgeistes war, Menschenleben zerstörte und zerstört. Dass das alles kein Spiel ist, nie war und dass, im Namen politischer Differenzen, menschliche Tragödien nicht nur hingenommen wurden, sondern pathologisches Verhalten glorifiziert wurde, ignoriert, hingenommen wurde, dass zu Gunsten einer Harmonie und Parteiräson, die sowieso niemals real war, Menschen geschützt wurden, die schwer entrückt waren, die Hilfe gebraucht hätten, denen Hilfe angeboten wurde, die sie aber verweigerten, bis sie einem anderen Menschen das Leben nahmen.  Die Piratenpartei war eine krasse, eine lehrreiche Zeit, eine Zeit, die Menschen eine Plattform gegeben hat, die sonst vielleicht nie eine bekommen hätten. Sie war so groß wie die Abgründe tief waren. Wir können dankbar dafür sein, wenn wir lebend und gesund aus diesem Wahnsinn rausgekommen sind. RIP
Sie äußert sich ähnlich unkritisch zu den Todesfällen Claus-Brunner/Miro L. wie Alice Schwartzer sich unkritisch äußerte zu den Todesfällen Petra Kelly/Gert Bastian. Am gleichen Tag wird berichtet (Welt, 22.9.2016):
Wie Sprecher Martin Steltner sagte, hat Claus-Brunner ein Paket mit persönlichen Gegenständen und einem Brief an seinen früheren Lebensgefährten geschickt. In dem Schreiben habe der 44-Jährige die Tötung eines 29-Jährigen eingeräumt. Wie Steltner auf Anfrage sagte, gibt es keine Hinweise auf eine Tatbeteiligung anderer. Deshalb werde die Staatsanwaltschaft den Fall nicht weiterverfolgen. Und: „Gegen Tote wird nicht ermittelt.“ Das Paket sei bei dem früheren Lebensgefährten nicht angekommen und schließlich am Mittwoch der Polizei übergeben worden. - Details aus dem Brief unbekannt (Zwischenüberschrift) - Ob in dem Brief stand, wann und wie das Opfer starb, sagte der Sprecher nicht.
Und es wird noch über "weitere Todesopfer" gemutmaßt, sowie über weitere von Claus-Brunner angemietete Wohnungen und Räume in Berlin berichtet (Welt, 25.9.2016):
Die Piraten müssen sich nun schwere Vorwürfe gefallen lassen. "Schuld sind übrigens die, die ihn seit Jahren gedeckt haben und noch immer decken," twitterte der ehemalige Piratenpolitiker Stephan Urbach. In seinem Abschiedsbrief soll Claus-Brunner den Mord gestanden haben, der möglicherweise nicht der einzige war. Die Polizei will nicht ausschließen, dass es weitere Todesopfer geben könnte, denn nach Informationen der B.Z. sollte Claus-Brunner mehrere Wohnungen und Räume in Berlin angemietet haben, die nun von der Polizei durchsucht würden.
In dem Artikel zum Video steht:
Noch steht der Name des Täters an seinem alten Büro. „Das mussten wir so machen, aus rechtlichen Gründen“, erklärt ein Abgeordneter und betont: „Seit drei Jahren war der politisch nicht mehr in der Fraktion tätig.“ Die Berliner Piraten geben sich im Fall Claus-Brunner einsilbig, wollen nur noch ihre Sachen packen.
"Einsilbig", schon klar. Und es wird über die Piraten allgemein gesagt:
Politisch haben sie in den fünf Jahren wenig erreicht.
Das stimmt aber doch offensichtlich nicht. Zumindest die vom Berliner Wassertisch sehen das ganz anders und sie loben insbesondere einen dafür: Gerwald Claus-Brunner. - Merkwürdig!

Am 27. September 2016 stellt "Bildblog" fest über die Berichterstattung der Boulevardpresse fest (Bildblog, 27.9.16):
Wir haben heute noch einmal bei der Berliner Staatsanwaltschaft nachgefragt, und ihr Sprecher Martin Steltner hat uns bestätigt: Es gibt weiterhin keinen Nachweis dafür, dass der frühere Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner den Mann, der tot in seiner Wohnung lag, vor dessen Tod sexuell missbraucht hat. An den bisherigen Erkenntnissen dürfte sich auch nichts mehr ändern: Da sich Claus-Brunner später selbst das Leben nahm und gegen Tote nicht ermittelt wird, sind die Ermittlungen inzwischen eingestellt.
Auch "Bildblog" benutzt die neutrale Formulierung "der tot in seiner Wohnung lag". Hört man hier auch eine Kritik durch an der unkritischen Haltung der Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft gegenüber dem "Bekennerbrief"?

Vorläufig abschließende Überlegungen: Die resignative Haltung von Gerwald Claus-Brunner


Ein neuer Fall "Aktenzeichen XY ungelöst". Neben so vielen anderen Fällen. Allerdings darf eines gesagt werden: Der Mordfall Uwe Barschel wird inzwischen als gelöst gelten dürfen. Nur redet niemand darüber. Aber jeder kann ja Wikipedia und die dort genannte Literatur nachlesen (Wiki). Und er kann dort auch nachlesen, dass offizielle Versionen zu Todesfällen von Politikern gerne einmal sehr - - - "umstritten" sein können ... Sprich, schlichtweg erlogen sind.

Noch einige abschließende Überlegungen zu Gerwald Claus-Brunner. Es wird berichtet, dass er aus dem Kreis seiner Umgebung heraus dazu angeregt wurde, sich mehr auf die Hinterbeine zu stellen gegen seine Ausgrenzung aus der Fraktion, dass ihm dazu auch Unterstützung angeboten worden ist, dass Gerwald Claus-Brunner das aber wiederholt abgelehnt hat. Es wird hier ein gewisser Zug von Resignation erkennbar, den man ja auch sonst häufiger - etwa schon in den Jahren 2011 und 2012 - bei ihm heraus hört (etwa 2011: "der politische Kampf sei das einzige, was ihn am Leben hält - das klang ernst"). Einem Menschen, an dem in seiner Kindheit und Jugend versuchter Seelenmord begangen worden ist, wird man eine solche Haltung sicher nicht zum Vorwurf machen können.

Er hatte sich ein Stück weit auf die Hinterbeine gestellt - und das möglicherweise schon mehr als jeder andere heutige Abgeordnete in Deutschland (!). Und das auch mit einer gewissen Hartnäckigkeit, die manchem Bewunderung abnötigte. Und doch wollte er nicht weiter gehen, als er gegangen ist. Daran könnte sich die Überlegung anschließen: Kannte er so grob seine Spielräume? Und wusste er, dass er schon bei der bisherigen Art der Ausschöpfung seiner Spielräume für sich selbst nicht gerade lebensverlängernd tätig war? War ihm das angedeutet worden?

Eine wenig beantwortete Frage ist diejenige, warum so viele Politiker, wenn sie Morddrohungen oder -ankündigungen erhalten haben, mit diesen nicht sofort an die Öffentlichkeit gegangen sind, nicht die "Flucht an die Öffentlichkeit" angetreten haben. Von Alfred Herrhausen ist dieser Umstand bekannt, von Uwe Barschel und von vielen anderen mehr. Mitunter hat man das Gefühl, dass sie hier geradezu resignativ ein Spiel mitspielen. Und würde dies nicht auch aus dem Verhalten von Claus-Brunner herausklingen? Falls er Mordankündigungen erhalten haben sollte, hätte er ja sehr deutlich einen etwaigen Täterkreis gedeckt, wenn er gegenüber Parteimitgliedern von einer - offenbar gar nicht vorliegenden - unheilbaren Erbkrankheit sprach. Aber vollständig gedeckt auch wieder nicht, denn er sagte ja seinen Tod in seiner letzten Rede voraus. Aber auch hier wieder ganz ohne auf etwaige Täterkreise konkreter hinzuweisen. Ist das ein allgemeineres Muster in den Äußerungen von Claus-Brunner? Dass er wusste, was für ein Spiel gespielt wird, aber immer nur die Symptome ansprach, nicht die Wurzeln antastete? Im resignativen Tenor seiner Worte, die da lauteten:
Ja, mach mal weiter so! Könnt ihr gerne alles machen. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
Wobei er vielleicht meinte, dass diejenigen, die jetzt noch lachen, sich nach seinem Tod dafür würden rechtfertigen müssen dafür, dass er tot wäre und aufgrund welcher Umstände er in den Tod getrieben worden ist. Wobei er vielleicht noch nicht in Rechnung gestellt hatte, welche Version seines Selbstmordes der Öffentlichkeit dann präsentiert würde. Zugegeben, all das mag nach viel Spekulation klingen. Diese ist auch nur gerechtfertigt, wenn es Berechtigung gäbe, das Eingangszitat ernst zu nehmen, das da unter anderem lautete:
Sein inszenierter Tod ist als Zeichen zu sehen.

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  1. Küppers, Kirsten; Bergt, Svenja: Politik in Latzhosen - Pirat Gerwald Claus-Brunner sitzt seit Oktober im Berliner Parlament. In: TAZ, 5.5.2012, http://www.taz.de/!595043/ 
  2. Claus-Brunner, Gerwald: Antworf auf eine Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte. Abgeordnetenwatch, 2.9.2012, http://www.abgeordnetenwatch.de/gerwald_claus_brunner-652-47021.html#questions
  3. Geisler, Astrid: Berliner Piraten-Fraktion Lauer sehen statt hören Als in der Piratensitzung die Fetzen flogen, war Fraktionschef Lauer plötzlich stumm geschaltet. Nur eine „Tonpanne“, versichert die Landtagsfraktion. TAZ, 16.5.2013, http://www.taz.de/!5067294/
  4. Schwere Vorwürfe gegen Umarmerin Amma - Die indische Guru-Frau, die regelmässig in Winterthur auftritt, soll Mitarbeiter schlagen und ein Vermögen horten. Das Buch einer Ex-Mitarbeiterin hat es in sich. Tagesanzeiger, 03.02.2014, http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Schwere-Vorwuerfe-gegen-Umarmerin-Amma/story/27141074
  5. Franzen, Sigrun: Stellungnahme zum Parteiordnungsverfahren, das im September 2013 von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Dr. Benedict Ugarte Chacón gegen Sigrun Franzen in die Wege geleitet wurde. Vor Oktober 2014. Auf: Sigrun-Franzen.de, http://sigrun-franzen.de/gegenstand-des-ordnungsverfahrens/, http://sigrun-franzen.de/hintergrund/, http://sigrun-franzen.de/fazit/, http://sigrun-franzen.de/
  6. Schneider, Johannes: Sie hatten die Pest an Bord - Fünf Jahre Piraten im Abgeordnetenhaus. In: Tagesspiegel, 5.6.2016 [wohl falsch datiert, womöglich: 5.7.2016], http://digitalpresent.tagesspiegel.de/sie-hatten-die-pest-an-bord
  7. Gerwald Claus-Brunner - Piraten-Politiker tot aufgefunden. In: Handelsblatt, 19. September 2016, http://www.wiwo.de/politik/deutschland/gerwald-claus-brunner-piraten-politiker-tot-aufgefunden/14570578.html 
  8. Rebel, Wolfgang (vermutlich): Gerwald Claus-Brunner ist gestorben. Statt eines Nachrufes. Auf: Berliner Wassertisch - Wasser gehört in BürgerInnenhand, Berlin, 19.09.2016, http://berliner-wassertisch.info/statt-eines-nachrufs_gerwald_claus-brunner/
  9. Ute Elisabeth 'Lily' Gabelmann (Stadträtin für die Piraten in Leipzig): Seasons in the Sun (Ein persönlicher Nachruf), 19. September 2016, http://stadtraetin.piraten-leipzig.de/2016/09/19/seasons-in-the-sun-ein-persoenlicher-nachruf/, http://stadtraetin.piraten-leipzig.de/2016/09/21/programming-note/
  10. Jochen Schmidberger (Ulm): Faxe. 19. September 2016, https://piratlaser.wordpress.com/2016/09/19/faxe/
  11. Lange, Simon: Ciao Faxe! Auf: Simons Blog, 19. September 2016, http://simonlange.eu/2016/09/19/ciao-faxe/, http://simonlange.eu/2016/10/23/bribbelbrabbel/
  12. Behrendt, Michael: Gerwald Claus-Brunner gestand Tat in Brief an Fraktionskollegen. Welt, 21.9.2016, https://www.welt.de/politik/deutschland/article158297779/Gerwald-Claus-Brunner-gestand-Tat-in-Brief-an-Fraktionskollegen.html
  13. Joseph Hausner: Gerwald Claus-Brunner - Die dunklen Abgründe im Leben des Piraten-Politikers. In: Focus, 21.09.2016, http://www.focus.de/politik/deutschland/gerwald-claus-brunner-die-dunklen-abgruende-im-leben-des-piraten-politikers_id_5969822.html 
  14. Kneist, Sigrid; Beikler, Sabine; Hackenbruch, Felix: Ermittler - Opfer wurde wohl in Wedding getötet. In: Tagesspiegel, 21.9.2016, 13.45 Uhr, http://www.tagesspiegel.de/berlin/tod-von-piraten-politiker-gerwald-claus-brunner-ermittler-opfer-wurde-wohl-in-wedding-getoetet/14576296.html
  15. Rebel, Wolfgang (vermutlich): Offener Brief an den Tagesspiegel zur Berichterstattung im Fall Gerwald Claus-Brunner. Auf: Berliner Wassertisch, 22. September 2016, http://berliner-wassertisch.info/offener_brief_tagesspiegel_berichterstattung_claus-brunner/
  16. Andreas Kopietz, Frederik Bombosch: Gerwald Claus-Brunner - Die Anatomie eines Verbrechens. Berliner Zeitung, 22.09.16, 09:02 Uhr, http://www.berliner-zeitung.de/berlin/gerwald-claus-brunner-die-anatomie-eines-verbrechens-24783208
  17. Brunner verschickte Paket – Überraschung bei Obduktion. Welt, 22.9.2016, https://www.welt.de/vermischtes/article158314172/Brunner-verschickte-Paket-Ueberraschung-bei-Obduktion.html
  18. Michael Behrendt, Jan Lindenau: Gerwald Claus-Brunner, Menschenfreund und Mörder. Die Welt, 25.09.2016, https://www.welt.de/politik/deutschland/article158356014/Gerwald-Claus-Brunner-Menschenfreund-und-Moerder.html
  19. Rosenfelder, Lydia: Dann wurde „Pirat“ Claus-Brunner zum Mörder. FAS, 25.09.2016, http://www.faz.net/aktuell/politik/neue-details-zum-fall-claus-brunner-14451487.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
  20. Seine unheimlichen Vorlieben und Kontakte. Die Internet-Sex-Welt des Killer-Piraten. In: Bild, 25.9.2016, http://www.bild.de/bild-plus/news/inland/gerwald-claus-brunner/die-internet-sex-welt-des-killer-piraten-47993808,view=conversionToLogin.bild.html
  21. Kerstin Herrnkind, Dominik Stawski: Interview mit Claus-Brunner-Bruder: „Alarmsignale ziehen sich wie ein roter Faden durch Gerwalds Leben“. Stern 40/2016, 26. September 2016, online 30. September, abgerufen am 2. Oktober 2016, http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/claus-brunner-bruder---alarmsignale-ziehen-sich-wie-ein-roter-faden-durch-gerwalds-leben--7079216.html (Online am 26. September: http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/gerwald-claus-brunner--bruder-spricht-ueber-ihre-traumatische-nazi-kindheit-7077472.html)
  22. Juliane R.: Piraten-Politiker - Absurde Sextoy-Bestellung vor seinem Tod. Promiflash, 27. September 2016, https://www.promiflash.de/news/2016/09/27/absurde-sextoys-das-bestellte-claus-brunner-vor-seinem-tod.html
  23. Tschermak, Moritz: „Bild“ wühlt in Gerwald Claus-Brunners In­tim­sphä­re. Auf: Bildblog, 27.9.2016, http://www.bildblog.de/82218/bild-wuehlt-in-gerwald-claus-brunners-intimsphaere/
  24. kosmo168: Die Piratenpartei – Wolfszeit für die Piraten – Teil 1. Auf: Caro im Chaos ~ Die verborgenen Geschichten hinter den Schlagzeilen. 4.10.2016, https://caroimchaos.wordpress.com/2016/10/04/die-piratenpartei-wolfszeit-fuer-die-piraten-teil-1/
  25. Herrnkind, Kerstin: Gerwald Claus-Brunner Terror bis in den Tod. Stern, 30.10.2016, http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/gerwald-claus-brunner--terror-bis-in-den-tod-7121912.html
  26. Kompa, Markus: Halloween: Politgruselclown vs. Killerpirat. 31.10.2016, http://www.kanzleikompa.de/2016/10/31/halloween-politgruselclown-vs-killerpirat/

Samstag, 19. November 2016

"Sie haben Dich Jahre lang wie den letzten Dreck behandelt"

Die Piraten-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses in ihrem Verhalten gegenüber Gerwald Claus-Brunner

Abb. 1: Gerwald Claus-Brunner 2011 (Wiki)
Am 15. September 2016 ist der vormalige Mitarbeiter des Abgeordnetenbüros von Gerwald Claus-Brunner, Jan Mirko L., durch brutale Gewalt ums Leben gekommen. Vier Tage später, am 19. September, auch Gerwald Claus-Brunner selbst. Die Polizei behauptet, Gerwald Claus-Brunner habe sich in einem Abschiedsbrief zu Mord und Selbstmord bekannt. Der Wortlaut dieses Abschiedsbriefes scheint nicht bekannt zu sein. Und wie umfangreich die Echtheitsprüfungen dieses Abschiedsbriefes waren, ist wohl auch nicht bekannt. Die Polizei hat schon nach 48 Stunden alle Ermittlungen zu den beiden Todesfällen eingestellt. Im folgenden Beitrag sollen - ergänzend zum letzten Blogbeitrag - noch allerhand weitere recherchierbare Auskünfte über Gerwald Claus-Brunner zusammengestellt werden. Im "Focus" wurde berichtet (1):
Auf dem Aufstellungsparteitag für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im Januar (2016) wurde Claus-Brunner schließlich abgestraft. Einen Platz zwischen 1 und 7 auf der Landesliste hatte er sich gewünscht. Er landete auf Listenplatz 26 von 29. „Damit hatte er nicht gerechnet. Die Partei hat einen großen Teil seines Lebens ausgemacht“, sagt ein Vertrauter. Die positive Bestätigung, die seine Partei dem 44-jährigen immer gegeben hatte, war weg. Dass er durch den tiefen Fall der Piratenpartei zudem sein Mandat und somit seine Einnahmequelle im September verlieren würde, war schon länger klar.
Im "Stern" wurde über seinen vormaligen Mitarbeiter und seine "große Liebe" berichtet (2):
... Jan Mirko L. lebte fortan von Hartz IV. Er pflegte seine über 90 Jahre alte Großmutter. Ab und an fuhr er in ein Meditationszentrum der Anhänger von Mata Amritanandamayi, einer Inderin, die Weltfrieden und Nächstenliebe predigt. Über das Zentrum hatte er eine afghanische Flüchtlingsfamilie kennengelernt. Er passte auf die Kinder auf, wenn die Mutter zum Sprachkurs musste. Ging mit dem Vater einkaufen.
Mata Amritanandamayi (geb. 1953) ist eine Näherin aus Indien, die seit ihrem 22. Lebensjahr "Visionen" hat, von Gott "erleuchtet" ist und spirituelle Lehren gibt. Letztes Jahr hat sie auch den Papst besucht. Sie "verschenkt" "Umarmungen" in Massenveranstaltungen in vielen Städten Deutschlands und weltweit. Und sie unterstützt obdachlose Familien (Wiki):
Die Anhänger Ammas sind in lokalen Satsang-Gruppen organisiert, die sich meist zwischen einmal pro Monat bis einmal pro Woche treffen. Daneben gibt es einige Dutzend Brahmacharis und Sannyasis, die in von Amma organisierten Gemeinschaften leben und sowohl Männer als Frauen umfassen. Die Ordensregel wurde von den Ramakrishna-Mönchen übernommen, die auch die erste Mönchsweihe übernahmen.
Der "Amma-Treff Berlin" befindet sich in Wundtstr. 13 in Berlin-Charlottenburg und schreibt über sich:
Das Amma-Treff Berlin ist ein Ort der Begegnung für Menschen, die auch nach Ammas Veranstaltungen in Kontakt bleiben und regelmäßig spirituelle Praxis ausüben oder sich ehrenamtlich engagieren möchten (...). An mehreren Tagen der Woche finden Treffen zum gemeinsamen Singen spiritueller Lieder (Bhajans) und zum Meditieren statt.
Dienstags und Donnerstags jeweils um 17.30 Uhr:
Die Berliner Amma-Gruppe ist in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich aktiv: Unterstützung von aus Krisengebieten nach Berlin geflüchteten Menschen 
und anderes. Es werden auch Kurse zum Erlernen einer speziellen Meditationspraxis angeboten. 2013 veröffentlichte die früheste Anhängerin der "spirituellen Lehrerin", genannt "Amma", eine Australierin, ihr Buch "Heilige Hölle", in der sie von Gewalt und sexueller Gewalt in nächster Umgebung ihrer "spirituellen Lehrerin" berichtet, ebenso von Mißbrauch von Spendengeldern in Millionenhöhe (9, 10). Die Beschuldigte wies alle Behauptungen zurück. Aus dieser Sekte jedenfalls wollte Gerwald Claus-Brunner Mirko L. "befreien", der allerdings seinerseits zur Polizei ging, weil er sich von ihm verfolgt und belästigt fühlte (Stalking). Einerseits also war Gerwald Claus-Brunner privat mit dieser Thematik befasst, während er sich politisch noch ganz anderen Auseinandersetzungen stellen musste.

"Sie mobbten dich täglich"


Bei weitergehender Recherche erfährt man, dass der vormalige Piraten-Abgeordnete Christopher Lauer schon ab einem sehr frühen Zeitpunkt nicht zu den Freunden von Gerwald Claus-Brunner gehörte (4):
Der Möchtegern-Politiker Christopher Lauer, der von Axel Springer für irgendwas Geld bekam und plötzlich das Leistungsschutzrecht töfte fand, hat offenbar auch Spaß am Medienrecht. Neulich erinnerte ein Berliner Pirat ungebeten an Lauers schäbiges Verhalten von 2010 gegenüber einem Pirat (...): Gerwald Claus-Brunner. Der wollte damals für die Piratenpartei einen Wagen beim Berliner CSD anmelden, was an der vom Veranstalter geforderten Kaution von 1.000,- € zu scheitern drohte. Nachdem die Berliner Piraten nicht in die Gänge kamen, wandten sich Claus-Brunner und andere an den Bundesvorstand und boten persönliche Bürgschaften für den Fall an, dass nicht genug Spenden zusammenkämen. Der Bundesvorstand beschloss daraufhin ad hoc die Teilnahme mit dem Truck. Als dies Lauer zu Ohren kam, fühlte sich die Diva übergangen. Daher bewegte der Intrigant den Bundesvorstand zur Rücknahme der Beauftragung, indem er die Einbringlichkeit der Bürgschaften in Zweifel zog.
Die damaligen Äußerungen sind noch Jahre später Anlass für juristische Auseinandersetzungen wie man an dieser Stelle erfährt. Es wird aber noch konkreter. Ein Freund von Gerwald Claus-Brunner - auf dessen Nachruf im eben gebrachten Zitat Bezug genommen war - berichtet in diesem (5):
Ich weiß von all den hinterfotzigen Aktionen, die bereits 2010 gegen Dich liefen, als Christopher Lauer Dich erst im Landesverband Berlin verleumdete und diese Verleumdung dann auch in den Bundesvorstand von Bingen 2010 weiter trug. (...)

Niemand hielt es damals für nötig, Dir mitzuteilen, warum Dein Antrag für die Teilnahme am Christopher Street Day in Berlin abgelehnt wurde, weder im Landesvorstand oder im Bundesvorstand. Christopher Lauer machte es sich damals zur persönlichen Aufgabe, gegen Dich zu hetzen, hinten rum, so wie er es halt gerne hat. (...) Du gingst zur nächsten Landesvorstandssitzung der Berliner Piraten, knalltest 1000 Euro in Bar mitten auf den Tisch und fragtest nur trocken aber für Dich typisch laut "Fragen!?" Der CSD Antrag wurde dann doch positiv beschlossen. (...) Tja und als Du dann 2011 mit 14 weiteren Parteikollegen in das Berliner Abgeordnetenhaus einzogst, war es eben jener Christopher Lauer wieder, der Dich von Anfang an auf dem Kieker hatte. (...)

Als Du jetzt von uns gingst, meinten die @15Piraten sich als besonders harmonisch, gar sozial darstellen zu müssen und heuchelten etwas von Anteilnahme an Deinem Tod. Ich (...) will mich beherrschen, aber es fällt mir unheimlich schwer, diese unfassbare Heuchelei unkommentiert stehen zu lassen. (...)

Dein Steckenpferd war von Anfang an die Arbeit in den Ausschüssen. Du warst immer ein Arbeitstier und Du arbeitetest Dich in viele komplexe Themenfelder erfolgreich ein und vertratest stets eine sehr piratige Sichtweise auf vorhandene Probleme. Leider warst Du aber bestimmten Kollegen mit sehr egomanen Partikular-Interesen ein Dorn im Auge und so dauert es nicht lange, dass Deine werten Kollegen in der Fraktion Dich beinahe täglich mobbten! Sie machten sich über Deine Art und Weise, wie Du sprichst lustig, Deine bisweilen steife Körperhaltung, Deinen leichten Autismus, über die Jahre ekelten sie Dich nach und nach aus allen Ausschüssen heraus und es ging bis hin zu haltlosen Ordnungsmassnahmen und einem versuchten Fraktionsausschluss! Stets waren die Hauptakteure hinter all diesen menschenverachtenden Vorgängen die Herren Delius, Herberg und Lauer. Und weil Du praktisch alleine in der Fraktion Dich wehren musstest, weil die übrigen Kollegen meist wegschauten und den Mund hielten, batest Du oft auch bei mir um Hilfe bei der Recherche in den sozialen Medien. (...) Und wir erinnern uns noch gut wie der aktuelle Landesvorstand in Berlin bei den einzelnen Fraktionsmitgliedern Druck machen musste, damit man Dich nicht rauswirft.

Und nach all den Jahren, nach 5 Jahren beständigen Hasses gegen Dich, Mobbing gegen Dich und all dies durch die 15 Piraten bzw. insbesondere Delius, Herberg und Lauer. Ausgerechnet DIE wagen es nun, Anteilnahme zu heucheln? Sicher, es gibt wenige Ausnahmen bei den 15 Piraten. Menschen wie Graf, glaube ich die ehrliche Anteilnahme, aber die prominenten Akteure der 15 Piraten haben Dich immer wie den letzten Dreck behandelt und ich könnte Stahlkotzen, wenn ich deren Tweets zu Deinem Tod lese. Ihr Verhalten gegen Dich, das ständige Mobbing hat Deiner Krankheit und Deinem Lebensmut sicherlich auch nicht gerade gut getan.
Nichts, gar nichts von all dem liest man in den "Qualitätsmedien", auch nicht, was hervorgehoben sei: in der TAZ. Also auch nicht in jener Zeitung, die ihm in den Anfangsjahren noch manche verständnisvollere Aufmerksamkeit zugewandt hatte. Zeitungen, die aber alle um so lieber angebliche "Gruselvideos" des "Killerpiraten" Gerwald Claus-Brunner genüßlich zelebrieren, während in der Öffentlichkeit scheinbar niemand nachprüfen kann - und womöglich noch nicht einmal die Polizei gründlich nachgeprüft hat - ob der Brief, in dem sich Gerwald Claus-Brunner angeblich zu den angeblichen letzten Taten seines Lebens "bekannt" hat, wirklich von ihm selbst geschrieben worden ist und was darin genau geschrieben steht. Spätestens seit dem angeblichen Selbstmord der Kirsten Heisig (1961-2010) muss man in Berlin nicht mehr alles glauben, was Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden so alles ermitteln, bzw. nicht ermitteln.

Ausschnitte aus den politischen Aktivitäten von Gerwald Claus-Brunner (2012/13)


Im Mai 2012 hieß es noch (TAZ 5/2012):
Die Piraten scheinen die politische Konkurrenz nervös zu machen. Aber je mehr sie von den Gegnern zu Außenseitern gemacht werden, desto höher könnten ihre Werte in den Umfragen steigen. Das Bedürfnis nach irgendeiner Art von Anti-Establishment-Partei scheint riesig.  In Berlin muss Gerwald Claus-Brunner unterdessen lernen, wie man als Oppositionspolitiker Politik macht. "Parteien sind letztlich auch nur Teil des Systems, das man eigentlich ändern will", knurrt er jetzt manchmal. "Mir ist das alles viel zu angepasst."
Schon im Mai 2012 also. Zur gleichen Zeit, am 17. Mai 2012, schrieb ein Christoph Müller-Holtz an Gerwald Claus-Brunner über Abgeordnetenwatch die folgenden bemerkenswerten Dinge (6):
Ich möchte Sie dafür loben, Anliegen aller Art von Verbänden aller Art nur über Fachausschüsse anhören zu wollen. Es bliebe zu wünschen, würde diese für einen Volksvertreter eigentlich selbstverständliche Haltung Schule machen. Und erst recht bliebe zu wünschen, dass Abgeordnete nicht als gleichzeitige Verbandsvertreter ihr Brot von beiden Seiten geschmiert bekommen. Frage: Gedenken Sie, über Ihr persönliches Beispiel hinaus im Abgeordnetenhaus diese beklagte Einheit von Mandat und Partikularinteresse zum Thema zu machen? Wenn Ja: Was gedenken Sie, konkret zu unternehmen?
Gerwald Claus-Brunner antwortete am 19. Mai 2012:
Dazu müsste ich zuerst einmal die genaue Rechtslage erforschen lassen, was ich in naher Zukunft auch machen werde, ich vermute aber mal, dass das freie Mandat eines Abgeordneten in diesem Bereich greift und somit dann auch eine Verfassungs/gesetzesänderung nötig wäre, zudem die jeweiligen Mehrheiten definitiv nicht gegeben sind. Somit bleibt nur mein persönliches Handeln und eigenes Vorbild.
Ich denke, hier hat ein Politiker einmal begriffen, worauf es ankommt in der Politik, wenn er sagt: "Somit bleibt nur mein persönliches Handeln und eigenes Vorbild." Man hört schon hier heraus, dass er mit dieser Haltung schon im Frühjahr 2012 sehr isoliert in seiner Fraktion gestanden zu haben schein. Dass es selbst zu dieser Frage keinen Konsens gab in der Piraten-Fraktion. - Wirklich nicht? Ebenfalls im Mai 2012 wurde darüber berichtet, dass Gerwald Claus-Brunner darauf verzichtete, eine Einladung des illustren "Völklinger Kreises" anzunehmen. Von diesem eingeladen zu sein, rechneten sich im Herbst 2016 viele Berliner AfD-Kommunalpolitiker als Ehre an und als Zeichen, dass sie allmählich im Establishment, sozusagen, ankommen. Gerwald Claus-Brunner scheint da schon vier Jahre zuvor viel weiter gewesen zu sein. Schon im Mai 2012 schlug ihm deshalb Kritik entgegen, beispielsweise von einem Herrn R. Schwertfeger, der dazu neben vielem anderem schrieb (6):
Sie werden im Tagesspiegel mit der Auffassung zitiert, der Völklinger Kreis repräsentiere "Bessergestellte". Woran machen Sie das fest?
Gerwald Claus-Brunner antwortete darauf im September 2012 insgesamt sehr eingängig, unter anderem schrieb er (6):
Der Völklinger Kreis ist ein Zusammenschluß von Führungskräften, somit keinesfalls repräsentativ für die gesamte Bevölkerung und stellt für mich auch keinen Ansprechpartner dar, dazu gibt es in unserer Demokratie andere Parteien, die auf die Zielgruppe, die der Völklinger Kreis darstellt (repräsentiert), besser zugeschnitten sind. Führungskräfte sind im Arbeitsleben bessergestellt als der normale Mitarbeiter, somit also einfache Tatsache, wenn ich von einem Kreis der Bessergestellten rede. Insgesamt hat mir das Geschrei und die tatsachenverdrehende Berichtserstattung die vom VK initiert wurde, mich darin bestätigt, dass ich erstens richtig gehandelt habe und zweitens erst recht nicht mehr mit dieser Organisation ein Wort wechseln werde.
Gibt in meiner Fraktion aber genug Strömungsgünstige, die da eher zugänglich sind, wenden Sie sich in Zukunft an diese.
Wow. Was für Sätze. So wünscht man sich Politiker. Klare Kante. Wow. Ich kenne keinen weiteren Politiker, der zu so etwas fähig war und ist. Oder sie sind schon lange nicht mehr in der Politik tätig. Vielleicht in den Anfangsjahren der "Grünen". Vielleicht Petra Kelly und Gert Bastian ... Um so mehr man sich mit diesem Gerwald Claus-Brunner beschäftigt, um so begeisterter ist man von ihm. Und um so mehr lernt man - insbesondere - über die TAZ, wenn sie diesem Politiker - ausgerechnet nach dem Artikel vom 5. Mai 2012 (?!!!) (TAZ, 5.5.2012) - nicht mehr so zugewandte Aufmerksamkeit gewidmet hat wie bis dahin.

Das "Handelsblatt" bestätigt den oben zitierten Bericht des Freundes, wenn es schrieb (7):
Bereits nach der ersten Zeit im Abgeordnetenhaus - und nach einigen internen Querelen bei den Piraten - hatte Claus-Brunner geklagt, er sei moralisch und seelisch am Ende. Später sagte er: „Ich halte durch, weil ich sicher bin, dass ein großer Teil der Basis hinter mir steht.“
Ein Jahr später, im Mai 2013, tickte Christopher Lauer gegenüber Gerwald Claus-Brunner aus und die TAZ berichtete damals noch, dass im regulär angefertigten Videomitschnitt dazu fehlt ganz "zuuuufälligerweise" der Ton fehlte (TAZ 5/2013): 
Fraktionschef Christopher Lauer und Gerwald Claus-Brunner (Markenzeichen Latzhose und Palästinenser-Kopftuch) gerieten derart aneinander, dass die wöchentliche Sitzung unterbrochen wurde. (...) Im Netz findet sich zwar ein Videomitschnitt der Sitzung, doch der Ton bricht plötzlich ab, als sich Fraktionschef Christopher Lauer wegen eines Antrags des Kollegen Claus-Brunner in Rage redet. Im Chat zur Sitzung fragt jemand: „Was ist das? Ich kann es echt nicht fassen, dass die so ausgetickt sind.“ (...) Sollte hier ein Eklat nachträglich „unter den Tisch gekehrt werden“, wie im Blog Popcornpiraten gemutmaßt wird? Christopher Lauer bestreitet das. ...
Soweit übersehbar, wurde danach von den innerparteilichen, bzw. -fraktionellen Angriffen, von Mobbing und Ausgrenzung gegenüber Claus-Brunner in den Zeitungen - und auch nicht in der TAZ - nicht mehr berichtet: Wer steckt da mit wem unter einer Decke?

"Erich-Honecker-Gedenkplanetarium" in Berlin? (September 2016)


Vorläufig abschließend noch ein paar weniger wichtige Dinge. Aber als kritischer Bürger - der in vielen Fällen die Arbeit der Kriminalpolizei übernehmen muss in heutiger Zeit, muss man ja nach vielen Richtungen hin ermitteln. Und deshalb sei im folgenden auch noch dem Umstand nachgegangen, dass Gerwald Claus-Brunner noch eine Woche vor den Geschehnissen rund um sein Lebensende, nämlich unter dem Datum des 6. September 2016, drei schriftliche "Kleine Anfragen" an das Berliner Abgeordnetenhaus verfasst hat, die am 9. September 2016 dort eingegangen sind, und deren Beantwortung just an jenem 15. September 2016 veröffentlicht worden sind, an dem die letzten Tage seines Piraten-Freundes und seiner selbst anbrachen (8).

Im Vorbeigehen müssen wir an dieser Stelle sogar den "Qualitätsjournalismus" der Bild-Zeitung korrigieren, die am 22. September 2016 (Bild, 22.9.2016) großspurig davon berichtete, dass Gerwald Claus-Brunner unter dem Datum des 14. Juli 2016 seine letzte "Kleine Anfrage" an das Berliner Abgeordnetenhaus gerichtet hatte als angeblich "letzte Amtshandlung". Falsch, liebe Bild-Zeitung, die letzten drei uns bis jetzt bekannt gewordenen "Kleinen Anfragen" stellte Claus-Brunner wie gesagt unter dem Datum des 6. September 2016, also knapp acht Wochen später. Wäre das nicht eine neue Schlagzeile wert, liebe "Bild-Zeitung"? Immerhin, in der letzten Zeile des genannten Artikels spricht die Bild-Zeitung von der Möglichkeit späterer Anfragen auch noch. - - -  

Gerwald Claus-Brunner war schon in mehreren Jahren zuvor in vielen seiner Anfragen mit dem Geschehen und den Personalien rund um die Berliner Planetarien beschäftigt. Warum er sich auf dieses Thema so eingeschossen hat und unter anderem auch so kritisch auf den Leiter des Zeiss-Großplanetariums Tim Florian Horn, wäre interessant zu erfahren. Jedenfalls gab er der ersten seiner drei letzten Anfragen zu der von Tim Florian Horn organisierten Wiedereröffnung des Zeiss-Großplanetariums am Prenzlauer Berg am 25. August 2016 den Titel "Ein Erich-Honecker-Gedenk-Planetarium für 13 Millionen € - Geschichtsvergessenheit beim Senat?". Und er stellte folgende Fragen (8):
Ist dem Senat bewusst, dass der 25. August der Geburtstag Erich Honeckers ist? Wer hat den Eröffnungstermin festgelegt? Aus welchem Grunde wurde das Zeiss-Großplanetarium ausgerechnet am Geburtstag Honeckers wiedereröffnet? Ist dem Senat bekannt, dass der Bau und der Betrieb des Zeiss-Großplanetariums ein Lieblingsprojekt Honeckers war? Ist dem Senat weiterhin bewusst, dass das Planetarium nach dessen Errichtung am 9. Oktober 1987 - dem Jahr der 750 Jahrfeier Berlins - von Erich Honecker persönlich eröffnet wurde? (...) Planen der Senat und/oder der derzeitige Leiter des ZGP weitere unbedachte Aktionen dieser Art?
(Dem Autor des vorliegenden Blogartikels fiel diese Thematik ins Auge, weil er selbst schon über die großen Interessen Hitlers und Mussolinis für Großplanetarien recherchiert hat. Unter anderem, weil anhand dieser Interessen inzwischen von der Wissenschaft klar und deutlich herausgearbeitet worden ist, dass Hitler ein Anhänger der okkulten Welteislehre von Hörbiger gewesen ist. Und wer fähig ist, an diese zu glauben, war - wie viele Zeitgenossen Hitlers - auch fähig, an Astrologie zu glauben.) In der Antwort jedenfalls, die unter dem Datum des 15. September 2016 verfasst und veröffentlicht wurde (Eingang im Abgeordnetenhaus am 21. September) wird nur ganz oberflächlich und wegwerfend auf diese sehr konkreten Fragen eingegangen. Die zweite Kleine Anfrage betitelte Gerwald Claus-Brunner "Wissenschaftstheater für die breite Öffentlichkeit sieht anders aus! Ausgrenzung durch zu hohe Preise am neuen Zeiss-Großplanetarium". In dieser Anfrage kritisierte er die festgelegten Eintrittspreise von 8 Euro, ermäßigt 6 Euro:
Wurden die Preise gezielt so hoch angesetzt, um die soziale Teilhabe und Bildungsmöglichkeit  aller Berlinerinnen und Berliner zu verhindern? Wenn ja, warum? Ist der Senat der Ansicht, dass vor allem einkommensschwache Familien durch die hohen Preise ausgegrenzt werden und so deren Kinder das einmalige Erlebnis Wissenschaftstheater, welches der derzeitige Leiter des ZGP in aufreibender Kleinarbeit errichtet hat, verwehrt bleiben wird? Wenn ja, was wird der Senat gegen diesen Missstand unternehmen? Wenn nein,warum nicht? Nimm der Senat es in Kauf, dass Kinder aus einkom- mensschwachen Familien bei ZGP-Besuchen durch ihre Klasse oder Kita-Gruppe durch die Nicht- Teilnahme  aufgrund des hohen Preises von 4 €/Kind innerhalb der sozialen Gruppe ausgegrenzt und diskriminiert werden?
Die dritte Anfrage "Ein rauschendes (doppelt durchgeführtes) Eröffnungsfest zur Wiedereröffnung des ZGP?" zielte auf die Kosten der Eröffnungsfeier und die Teilnehmer derselben. Sie wurde dahingehend beantwortet, dass 338 geladene Gäste daran teilnahmen und dass sich die Kosten der Feier auf 32.324 Euro beliefen.

Insgesamt hat Gerwald Claus-Brunner zwischen 2011 und 2016 ungefähr 276 Kleine Anfragen gestellt, das sind pro Woche grob eine. Er war mit den unterschiedlichsten Themen befasst (etwa auch mit dem Verlust des Oberdecks der Wannsee-Fähre), immer wieder aber auch mit Anfragen zu den Berliner Planetarien. Eine Anfrage vom 15. April 2015 erbrachte als Antwort (KlAnfr), dass der Leiter des Zeiss-Großplanetariums Tim Florian Horn, weder einen naturwissenschaftlichen, noch einen pädgagoischen Studienabschluss besitzt, und dass sich unter den 13 Bewerbern für die Leitung desselben überhaupt nur vier Personen mit einem naturwissenschaftlichen Studienabschluss befanden. Claus-Brunner bohrte in dieser Sache noch in mehreren Folge-Anfragen weiter nach, erhielt aber nie eine Auskunft darüber, welche wissenschaftlichen Qualifikationen Tim Florian Horn nun wirklich aufzuweisen hat, außer dass er praktische Erfahrungen in Video-Projektionen gesammelt hat.

2014 stellte Gerwald Claus-Brunner auch eine Anfrage zur Verlängerung der Studienzeit durch die Einführung der Bachelor/Master-Studiengänge im Bereich Maschinenbau (KlAnfr). Eine Durchsicht seiner Kleinen Anfragen erbringt aber wohl noch keinen guten Überblick über seine tatsächliche fünfjährige politische Arbeit im Abgeordnetenhaus. Es wäre gut, wenn man darüber noch einmal einen umfassenderen Überblick irgendwo finden könnte.
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  1. Joseph Hausner: Gerwald Claus-Brunner - Die dunklen Abgründe im Leben des Piraten-Politikers. In: Focus, 21.09.2016, http://www.focus.de/politik/deutschland/gerwald-claus-brunner-die-dunklen-abgruende-im-leben-des-piraten-politikers_id_5969822.html 
  2. Herrnkind, Kerstin: Gerwald Claus-Brunner - Terror bis in den Tod. In: Stern, 30.10.2016, http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/gerwald-claus-brunner--terror-bis-in-den-tod-7121912.html
  3. Jan Herrmann,Tasja Klusmeyer: Piraten-Politiker besuchte die CJD-Realschule - Gerwald Claus-Brunner tötete einen Mann und sich selbst. In: Haller Kreisblatt, 06.10.2016, http://www.haller-kreisblatt.de/lokal/versmold/20939275_Piraten-Politiker-besuchte-die-CJD-Realschule.html
  4. Kompa, Markus: Halloween: Politgruselclown vs. Killerpirat. 31.10.2016, http://www.kanzleikompa.de/2016/10/31/halloween-politgruselclown-vs-killerpirat/
  5. Lange, Simon: Ciao Faxe! Auf: Simons Blog, 19. September 2016, http://simonlange.eu/2016/09/19/ciao-faxe/, http://simonlange.eu/2016/10/23/bribbelbrabbel/
  6. Claus-Brunner, Gerwald: Antworf auf eine Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte. Abgeordnetenwatch, 2.9.2012, http://www.abgeordnetenwatch.de/gerwald_claus_brunner-652-47021.html#questions
  7. Gerwald Claus-Brunner - Piraten-Politiker tot aufgefunden. In: Handelsblatt, 19. September 2016, http://www.wiwo.de/politik/deutschland/gerwald-claus-brunner-piraten-politiker-tot-aufgefunden/14570578.html 
  8. Claus-Brunner, Gerwald: Kleine Anfragen an das Abgeordnetenhaus. https://kleineanfragen.de/berlin/17/19067, https://kleineanfragen.de/berlin/17/19068, https://kleineanfragen.de/berlin/17/19069
  9. Schwere Vorwürfe gegen Umarmerin Amma - Die indische Guru-Frau, die regelmässig in Winterthur auftritt, soll Mitarbeiter schlagen und ein Vermögen horten. Das Buch einer Ex-Mitarbeiterin hat es in sich. Tagesanzeiger, 03.02.2014, http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Schwere-Vorwuerfe-gegen-Umarmerin-Amma/story/27141074
  10. Gail Tredwell: Holy Hell - A Memoir of Faith, Devotion, and Pure Madness. Wattle Tree Press 2013

Freitag, 18. November 2016

Gerwald Claus-Brunner - Er hatte starke innerparteiliche Gegner - Warum redet niemand über sie?

"Er meinte es ernst mit seinem Mandat. Er blieb seinen Zielen treu. Er hielt seine Zusagen ein."

Abb. 1: Gerwald Claus-Brunner 2011 (Wiki)
Der eines unnatürlichen Todes gestorbene Berliner Kommunalpolitiker Gerwald Claus-Brunner (1972-2016) (Wiki) hat von Seiten der Internetseite Berliner-Wassertisch.info, dessen Autor vermutlich Wolfgang Rebel ist, einen tadellosen Nachruf erhalten (1). Dieser Nachruf rüttelt einen ziemlich auf. In diesem Nachruf steht ein so entscheidender Satz wie der folgende: 
Ohne ihn (also ohne Gerwald Claus-Brunner) wäre die vollständige Rekommunalisierung (der Berliner Wasserbetriebe) vermutlich nicht geglückt.
- Warum wusste man das bisher nicht? In der Berichterstattung rund um den Tod von Gerwald Claus-Brunner stand darüber nichts. Auch auf seinem Wikipedia-Artikel steht bis heute darüber so gut wie gar nichts. Und es steht in dem Nachruf ein solcher Satz wie dieser:
Er hat mehr für die Stadt getan, als manche seiner Kollegen, die im Politbetrieb mehr Erfolg hatten und haben.
Warum wusste man auch darüber bisher nichts? Auch darüber findet man in der Berichterstattung rund um seinen Tod so gut wie nichts. Was ist hier los? Das heißt doch: Gerwald Claus-Brunner war ein kommunalpolitischer Faktor in Berlin. Das hat man in der gesamten Presseberichterstattung rund um seinen Tod nirgendwo lesen können. Dieser Umstand ist schon einmal hochgradig merkwürdig. Er sei deshalb im vorliegenden Beitrag auch ausführlicher dokumentiert. Um so schöner, wenn dieser Blog dabei auch einmal einen Seitenblick auf die verdienstvolle Arbeit des "Berliner Wassertisches" werfen kann. Zunächst soll der Nachruf von Wolfgang Rebel (Berliner-Wassertisch.info) hier fast vollständig zitiert werden (1):
Es ist uns ein Bedürfnis, seine politische Arbeit, soweit sie uns betraf, zu würdigen, weil sie in mancherlei Hinsicht herausragte. Wer unsere Pressemitteilungen und zuletzt unser Redemanuskript für den Piraten-Bundesparteitag im August gelesen hat, weiß, dass sein Beitrag für die Rekommunalisierung der Berliner Wasserbetriebe unersetzlich war. Zu diesem Herzensanliegen von uns und von der überwältigenden Mehrheit der Berliner Bürger haben sehr viele beigetragen – doch ohne ihn wäre die vollständige Rekommunalisierung vermutlich nicht geglückt. Die Wasserprivatisierung hatte die Berliner bekanntlich mehrere Hunderte Millionen Euro gekostet – insofern hat er mehr für die Stadt getan, als manche seiner Kollegen, die im Politbetrieb mehr Erfolg hatten und haben.  Es ist jedoch nicht nur die unersetzliche sachliche Unterstützung gewesen, für die wir ihm dankbar sind. Viel mehr noch hat es uns beeindruckt, dass Faxe einer der wenigen Politiker war, der es ernst meinte mit seinem Mandat. Elitärer Dünkel lag ihm fern. Faxe war angetreten, die Politik wieder bürgernaher zu machen und das tat er auch. Selbst als es ungemütlich wurde, als ihn seine Gegner mit einer Mitleidlosigkeit bekämpften, die auf den Nicht-Politiker monströs wirkte, als er auch in den Medien übermässig in die Schusslinie geriet, als er politisch mehr und mehr kaltgestellt wurde, blieb er seinen Zielen treu und hielt seine Zusagen ein. Eigenschaften, die uns menschlich sehr berührt haben und die wir nicht häufig angetroffen haben.
"Als ihn seine Gegner mit einer Mitleidlosigkeit bekämpften, die auf den Nicht-Politiker monströs wirkte ..." Woher kam dieser Haß? Etwa, weil einer aufrecht blieb? Geradlinig? Und darum auf das Handeln aller anderen schon allein deshalb ein "unbequemes" Licht warf? Jetzt versteht man auch, weshalb er als Leitwort auf seine Twitter-Seite geschrieben hatte "Battle without hounour and humanity". Wenn ein Politiker, der eines unnatürlichen Todes stirbt, von Freunden einen solchen Nachruf erhält, erhalten kann, kann es nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn die Polizei die Ermittlung der Todesumstände nach 48 Stunden einstellt und wenn in der Presseberichterstattung nach seinem Tod kein gutes Haar mehr an diesem Politiker gelassen wird, wenn sie jede Ausgewogenheit verliert. Noch nicht einmal die TAZ, die den politischen Lebensweg von Claus-Brunner bis zum Jahr 2012 mit viel Anteilnahme begleitete, unternimmt auch nur irgend etwas, um hier wieder etwas ins Gleichgewicht zu bringen. In den Medien hatte Gerwald Claus-Brunner ganz offensichtlich im Herbst 2016 keine Freunde mehr. Ein solcher Nachruf hebt sich viel zu deutlich aus den sonstigen Stellungnahmen und der Berichterstattung aus Anlass des Todes von Gerwald Claus-Brunner ab, als dass man nicht einen großen Verdacht in Richtung Parteilichkeit der Presseberichterstattung zu hegen gezwungen ist. Und genau damit hat es Wolfgang Rebel vom Berliner Wassertisch in einer zweiten Stellungnahme in dieser Sache auch zu tun.

Parteiordnungsverfahren von Benedict Ugarte Chacón gegen Sigrun Franzen (2013 bis 2015)


Am 18. September 2011 hatte die Piratenpartei in der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 8,9 Prozent der Stimmen erreicht und war damit in das erste Landesparlament in Deutschland eingezogen (Wiki). Sigrun Franzen vom Berliner Wassertisch berichtet über die Aktivitäten des engen Mitarbeiters des Piraten-Fraktionschefs Martin Delius, nämlich von Benedict Ugarte Chacón, da sie und damit Teile des Berliner Wassertisches von diesem "wissenschaftlichen Mitarbeiter" schwer angegriffen worden ist. Die folgenden Texte wurden wohl vor dem Oktober 2014 veröffentlicht, als man schon absah, dass die Piraten nicht mehr so wie früher in der Wählergunst standen. Sie schreibt (3):
Die Piraten haben sich vor der Abgeordnetenhauswahl für eine Rekommunalisierung der Wasserbetriebe und für eine Klage gegen die Wasserverträge ausgesprochen. Außerdem gab es eine Liquid-Feedback-Abstimmung der Parteibasis, bei der auch mehrere Abgeordnete für die Klage stimmten. Schließlich hat die Fraktion der Piratenpartei eine Organklage eingereicht, woraufhin der letzte verbliebene Wasserkonzern Veolia seine Beteiligung an den BWB zurückgegeben hat. (...)

Im Juli 2012 verbreitete Benedict Ugarte Chacón eine Email auf der Mailingliste des berliner-wassertisch.net, der am Mehringdamm tagt. Dort behauptete er, dass keine Fraktion des Abgeordnetenhauses vorhätte, eine solche Organklage einzureichen. Statt einer juristischen Aufarbeitung riet er zu Aktionen zivilen Ungehorsams zur Durchsetzung der Rekommunalisierung. Meiner Ansicht nach griff Ugarte Chacón damit der Entscheidung der Piratenfraktion in unzulässiger Weise vor und untergrub die Versuche des berliner-wassertisch.info, eine Klage gegen die Wasser­privatisierungs­verträge zusammen mit Mitgliedern der Piratenfraktion auf die Beine zu stellen (zudem war sein Aufruf zum „zivilen Ungehorsam“ geeignet, durch misslungene Aktionen den Ruf des Wassertischs in der Öffentlichkeit zu diskreditieren).

Da Herr Ugarte Chacón zu diesem Zeitpunkt bereits Fraktions­mitarbeiter war, musste die Bürgerinitiative davon ausgehen, dass Bemühungen für das Klagevorhaben zwecklos sein müssten. Deshalb denke ich, dass die Parteimitglieder ein Recht darauf hatten zu erfahren, dass Benedict Ugarte Chacón in Bürgerinitiativen den tatsächlichen Meinungsbildungsprozess der Piraten falsch wiedergibt.
Sie schreibt dann weiter:
Diese Organklage wurde im April 2013 beim Verfassungsgericht Berlin von der Piratenfraktion eingereicht und richtete sich gegen die Beschneidung des Budgetrechts von Abgeordneten durch die Gewinngarantie in den Wasser-Privatisierungsverträgen von 1999. Damit bestand die letztmalige Chance, die mit der Teilprivatisierung verbundene und bis zuletzt zugunsten privater Wasserkonzerne weitergeführte Politik juristisch aufzuarbeiten. Auch hätte im Erfolgsfall versucht werden können, durch eine Rückabwicklung der Verträge den ehemaligen privaten Anteilseignern einen Teil der durch Preissmissbrauch erlangten Profite doch noch wieder abzunehmen.
Das konnte aber verhindert werden. Sigrun Franzen:
Letztlich führte die Klage zwar aus verschiedenen Gründen nicht zu dem gewünschten juristischen Erfolg vor dem Verfassungsgericht, aber es war sicherlich kein Zufall, dass der letzte verbliebene Anteilseigner der BWB, der Wasserkonzern Veolia, ausgerechnet in dem Monat, in dem die Klage beim Verfassungsgericht einging, seine Meinung geändert und seinen Rückzug aus den BWB bekannt gegeben hat. Die Organklage kann also als ein großer Erfolg der Berliner Piratenpartei bei der Rekommunalisierung der Wasserbetriebe betrachtet werden. Herr Ugarte Chacón hat zu diesem Erfolg sicherlich nicht beigetragen.
In einer privaten E-mail schrieb Sigrun Franzen damals,
dass ich der Ansicht bin, dass Ugarte Chacón die juristische Aufarbeitung der Teilprivatisierung der BWB behindert. (...) Ich behaupte in ihr nichts, was nicht schon vorher andernorts im Internet viel deutlicher veröffentlicht worden wäre. Der “Wasserpresseblog” hatte die journalistische Tätigkeit von Ugarte Chacón im Hinblick auf seine Wasserbericht­erstattung genauer unter die Lupe genommen. Er kam zu dem Schluss: “Herr Ugarte Chacón schreibt in seiner Berichterstattung systematisch gegen die juristische Überprüfung der Wasserverträge und die Rekommunalisierung durch Vertrags-Rückabwicklung an.” Zu seinen Mitteln stellten sie fest, dass Herr Ugarte Chacón in seinen „Artikeln seine Absichten nicht durch objektive Berichterstattung und argumentative Auseinandersetzung, sondern durch Missbrauch seiner journalistischen Tätigkeit, mittels Unterdrückung von Infor­matio­nen und falschen Tatsachen­behaup­tungen“ durchsetzt. Und weiter: „Dabei schreckt Herr Ugarte Chacón offensichtlich auch nicht davor zurück, andere Personen zu beleidigen oder zu verleumden.“  Herr Ugarte Chacón hat – seinen Angaben auf Twitter zufolge – die Aussagen des Wasserpresseblogs juristisch prüfen lassen. Offensichtlich erfolglos. Juristische Schritte wurden nie eingeleitet. (...)

Seine schrägen Mittel hat Ugarte Chacón eingesetzt, um seine eigenen politische Interessen durchzusetzen. Ugarte Chacón hat bereits, bevor er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Piratenpartei wurde, versucht, die juristische Aufarbeitung der Wasserverträge zu behindern. Diese Absicht hat er aus der Piratenfraktion heraus weiterverfolgt, als die Fraktion schon längst die Organklage beschlossen hatte. Damit hat er meiner Ansicht nach eindeutig die Interessen der Piratenpartei verletzt. Ob er sich damit qualifiziert hat, die Aufklärung im BER-Ausschuss zu befördern, wage ich zu bezweifeln.

Wenn die Piraten bei der nächsten Wahl nicht ins Abgeordnetenhaus gewählt werden, dann liegt dies meiner Meinung nach auch daran, dass Leute wie Ugarte Chacón das Ansehen der Partei schädigen und die Fraktion nicht in der Lage oder willens ist, wirksam gegen solche Aktivitäten vorzugehen.
Durch die beiden erwähnten Mails fühlte sich Benedict Ugarte Chacón von Sigrun Franzen "verleumdet" und konnte es sogar erreichen, dass der Vorstand der damaligen Berliner Piraten im September 2013 ein "Parteiordnungsverfahren" gegen Sigrun Franzen einleitete. Um sich gegen dieses zu wehren, richtete Sigrun Franzen ihre Internetseite ein. Auf dieser schreibt sie auf der Titelseite:
Auf der Landesmitgliederversammlung der Piratenpartei am 3. Oktober 2015 wurde die Ordnungs­maß­nahme zurückgenommen. Der Justiziar des Bundesvorstandes Christian Reidel sagte dazu öffentlich, dass dieses Verfahren „… kompletter Murks von vorn bis hinten“ war. Ganz herzlich möchte ich mich beim Bundesvorstand und beim Landesvorstand, die die Ordnungsmaßnahme überprüft und zurückgenommen haben, und bei allen anderen bedanken, die mich in dieser Angelegenheit unterstützt haben.
Im Zusammenhang mit ihrer Dokumentation bringt sie auch das folgende Zitat, das manches Licht auf die Aktivitäten dieses Ugarte Chancon zu werfen scheint (4):
Zur Person von Ugarte Chancon ließe sich noch einiges sagen, zum Beispiel zu seiner unrühmlichen Schlüsselrolle beim Untergang des Sparkassen-Volksbegehrens. Fest steht: Jede Bewegung hat ihre Spitzel, Maulwürfe und Intriganten und die Piraten wären gut beraten, genau hinzusehen, wen sie sich in ihre Reihen holen bzw. wer aus welchen Gründen welche Personen einschleust.
Warum wird all dies an dieser Stelle so ausführlich dokumentiert?

Fraktionsausschlussverfahren gegen Gerwald Claus-Brunner (Januar 2016)


Nun, Gerwald Claus-Brunner wies auf diese Internetseite von Sigrun Franzen vor dem Oktober 2014 auf Twitter hin mit den Worten:
Es darf gelesen werden: sigrun-franzen.de Text spricht für sich alleine.
Abb. 2: Wolfgang Rebel 2015 (Yt bzw. Yt)
Und dieser simple Twitter-Beitrag wurde ihm von Teilen der Piratenfraktion so sehr zum Vorwurf gemacht (2), dass er Bestandteil des Vorwurfskatalogs wurde, mit Hilfe dessen Gerwald Claus-Brunner aus der Fraktion ausgeschlossen werden sollte. Und hieran wird erkennbar, welcher massiven Feindschaft Gerwald Claus-Brunner innerhalb seiner eigenen Fraktion gegenüberstand. Und das womöglich hinter dieser Feindschaft nicht nur persönliche Animositäten standen. Dies illustriert also ein wenig die Worte des eingangs zitierten Nachrufs. Berliner-Wassertisch.info schreibt (2):
Der Antrag wurde im Januar dieses Jahres (2016) wegen fraktionsschädigenden Verhaltens gestellt. Angeblich seien der „Frieden und die Abläufe“ der Piratenfraktion erheblich gestört worden. Da ein Fraktionsausschluss ein gravierendes Instrument ist, das nur selten angewandt wird, müssten dort also sehr gravierende Verstöße benannt sein. Was findet man dort tatsächlich? (...)

Bei der auf dem Blog des Piratenmitglieds (Sigrun Franzen) mit abgehandelten juristischen Aufarbeitung der Wasser-Privatisierung machten auch vier der Antragsteller (Delius, Herberg, Höfinghoff, Weiß) keine gute Figur. Genau genommen wurde bei dem Antrag 
auf Fraktionsausschluß von Gerwald Claus-Brunner
also weniger über ,psychologisch-auffällige‘ Tweets Gerwald Claus-Brunners, sondern über die juristische Aufarbeitung der Wasserprivatisierung seitens der Piraten und Ex-Piratenfraktionäre abgestimmt.
Was aber geschah parallel zum Antrag auf Fraktionsausschluss von Gerwald Claus-Brunner? Nun, jene, die ihn betrieben, seilten sich zu jener Zeit gerade von der Piratenpartei ab:
Im Hinterzimmer liefen bereits die Verhandlungen von drei Piraten-Abgeordneten (Delius, Höfinghoff, Weiß) und mehreren Fraktionsmitarbeitern (u.a. die beiden Fraktionsmitarbeiter, um die es in dem Antrag ging) mit dem Linken-Parteichef Klaus Lederer (die Ankündigung erfolgte mit einem großen Interview im Tagesspiegel).
Es wurde damals angebahnt, was inzwischen geschehen ist, nämlich dass sie zur Linkspartei wechselten. Da man die erforderliche Stimmenanzahl zum Fraktionsausschluss allerdings nicht erreichte, blieb Gerwald Claus-Brunner in der Fraktion, musste aber übelstes Mobbing über Twitter aushalten, das auch zitiert wird (2). Er wird da von Ugarte Chacón, bzw. dessen Umfeld - Stephan Urbach - ohne Umschweife mit dem A-Wort bedacht (2):
Gerwald Claus-Brunner hatte nach unseren Informationen gegen Urbach wegen dieses Tweets Anzeige erstattet.
Es wird dann gefragt (2):
Ist es wirklich glaubhaft, dass es den Abgeordneten und Mitarbeitern mit dem Ausschluss-Antrag gegen Gerwald Claus-Brunner um den „Frieden“ in der Piratenfraktion ging? (...) War es nicht eher der Versuch einiger der Antragsteller, die eigene politische Arbeit zu rechtfertigen und gleichzeitig der ungeliebten Fraktion zusätzlichen Schaden zuzufügen? (...) Tatsache ist aber auch, dass sie damit ihren Fraktionskollegen Gerwald Claus-Brunner öffentlich vorgeführt und persönlich stark getroffen haben. Einen Einblick in den begleitenden Twitter-Shitstorm gab der Tweet von Stephan Urbach. Welchen Psychostress ein solcher Vorgang bei dem Betroffenen auslöst, kann man sich kaum vorstellen. Wir würden dieses Vorgehen als politisch motiviertes Mobbing bezeichnen. Es war nicht der einzige Vorfall, der unter diese Rubrik fällt.
"Politisch motiviertes Mobbing". Und es ist da schon hochgradig auffällig, dass in der großen Presse über "alles" rund um Gerwald Claus-Brunner berichtet wird, nicht aber über den Umstand, dass er gerade in den Monaten zuvor erst ein Opfer von "politisch motiviertem Mobbing" seiner eigenen Fraktion geworden war! Dass auch, soweit übersehbar, die TAZ darüber nichts berichtete, zeigt, dass sie längst auf seiten der innerparteilichen Gegner von Gerwald Claus-Brunner stand und steht. Man spürt es förmlich: Wenn hier nicht irgend ein großer Elefant im Raum steht, ohne dass jemand ihn zu sehen gewillt ist, wo denn dann? Ist wirklich alles über die Hintergründe dieser beiden Todesfälle bekannt? Über die Presseberichterstattung wird sicherlich ganz richtig gesagt (2):
Wer diesen Antrag (auf Fraktionsausschluss) als Hauptbeleg für eine vermeintliche grundsätzliche Unzurechnungsfähigkeit für ihn (Gerwald Claus-Brunner) verwendet, setzt unserer Ansicht nach eine Parteiintrige fort. Diese Zeilen sollen Gerwald Claus-Brunner nicht zum Heiligen stilisieren. Die Umstände seines Todes und der weiteren Person haben uns in mehr als einer Hinsicht erschüttert und sind nicht zu entschuldigen.
Wir wollen aber doch festhalten: Zu den Umständen seines Todes hat die Polizei nach 48 Stunden alle Ermittlungen eingestellt. Man kann auch sagen, dass dann weiterhin die Unschuldsvermutung gelten muss. Claus-Brunner ist vor keinem Gericht dieser Welt zum Mörder verurteilt worden. Das ganze Geschehen erinnert viel mehr an die Todesfälle in einer anderen einstmaligen Oppositionspartei, die auf Linie zu bringen war, nämlich an die Todesfälle von Gert Bastian und Petra Kelly. Auch diese hatten innerparteiliche Gegner. Und hinter diesen standen starke politische Interessen (Atomlobby, Waffenlobby, etc.). Auch die Hintergründe ihres Todes sind abschließend nie geklärt worden. Auch hier gab und gibt es meinungsstarke Vorverurteilungen, etwa durch eine Alice Schwarzer .... Aber ganz richtig gilt weiterhin (2):
Es ist offensichtlich, dass hier ein Mensch im Ausnahmezustand gehandelt hat. Den Versuch, ausgehend von dieser Tat aus sein gesamtes politisches Wirken zu diskreditieren und zu pathologisieren, betrachten wir – gelinde ausgedrückt – als Fehlgriff.
Dem kann zugestimmt werden. Die ungeklärten Umstände des Todes eines Menschen können niemals sein gesamtes vorheriges Leben diskreditieren, zumal wenn in diesem Leben wertvolle Dinge geschehen sind. Dass man aber darauf innerhalb der Presseberichterstattung schamlos spekulierte, sagt über diesen Fall eigentlich schon alles.

Außerdem noch ein weiterer Gedankengang. Seit 2012 war öffentlich bekannt, da in der TAZ darüber berichtet worden ist, dass Gerwald Claus-Brunner Überlebender sexueller Gewalt in seiner Kindheit war, also Überlebender von versuchtem Seelenmord. Wenn die Todesumstände der beiden "Piraten" also tatsächlich so stattgefunden haben, wie offiziell dargestellt, dann sind diese einzuordnen in Folgeerscheinungen dieses versuchten Seelenmordes. Warum ist auch das in der Presseberichterstattung nicht geschehen? Warum lässt man es der Bild-Zeitung durchgehen, wenn sie in krass das bis zu seinem Lebensende stattfindende "politisch motivierte Mobbing" gegen Gerwald Claus-Brunner fortsetzt und von "Gruselvideos" des "Mörderpiraten" spricht? Ist das nicht eine Ungeheuerlichkeit?

Zwei Nachrufe von Freunden


In einem lesenwerten, weil sehr berührenden Nachruf vom 19. September 2016 von seiten einer Leipziger Parteifreundin heißt es (5):
Faxe hat für uns alle fünf Jahre dieses riesige Abenteuer Abgeordnetenhaus durchgehalten, obwohl es ihm Partei, Fraktion und andere Abgeordnete vom ersten Tag an nicht nur nicht leicht, sondern denkbar schwer gemacht haben. Was er dafür vernachlässigt hat, war sein Privatleben, genauer gesagt: den Wuschelkopf. Der Wuschelkopf war, so habe ich Faxe immer verstanden, seine große Liebe. Die, das hat Faxe immer am meisten zu schaffen gemacht, irgendeiner obskuren Sekte anheimgefallen war, ...
- es handelt sich, wie im folgenden Blogbeitrag noch genauer erläutert wird, um die Anhänger der indischen Näherin Mata Amritanandamayi (geb. 1953), die nach der Ordensregel der Ramakrishna-Mönche leben, und über die 2013 die früheste, erste Anhängerin, die Australierin Gail Tredwell, ihr Erinnerungsbuch "Holy Hell" veröffentlicht hat. In diesem berichtet sie von Gewalt, sexueller Gewalt und schamloser Bereicherung an Spendengeldern in Millionenhöhe. Alles sicherlich genug Gründe, dass Gerwald Claus-Brunner die Anhängerschaft an einen solchen Mönchsorden "zu schaffen machte". Und auch unter Kenntnisnahme dieser Umstände konnte die Polizei nach 48 Stunden ihre Ermittlungsbemühungen zu den Hintergründen des Todes eines Anhängers dieses indischen Mönchsordens beenden?
... während sich Faxe für uns im Abgeordnetenhaus abstrampelte und doch so viel lieber seine Kraft eingesetzt hätte, um den Wuschelkopf aus den Fängen dieser Sekte zu befreien. Die Sorge um ihn verleitete Faxe in den letzten Monaten dazu, seine Kandidatur und seine Zeit im Abgeordnetenhaus zu bereuen, weil er das Gefühl hatte, dort unerwünscht zu sein, nichts zu bewirken und gleichzeitig glaubte, den Wuschelkopf retten zu können, wenn er nur mehr Zeit für ihn und weniger Zeit für die Politik verwendet hätte. Daß selbst ein seelenloser Stahlbolzen gegen eine Sekte machtlos ist – das hat Faxe mir nicht geglaubt.
Gerwald Claus-Brunner nannte sich selbst gern "seelenloser Stahlbolzen", was zeigt, womit sich ein Überlebender versuchten Seelenmordes innerlich auseinanderzusetzen hat. "Lily" Gabelmann weiter:
Daß jemand so eigenständiges, eigensinniges und eigenwilliges wie Faxe mir vertraute, mir Dinge anvertraute – es macht mich stolz. Ich habe nie als selbstverständlich empfunden, daß er zu mir so viel Vertrauen faßte, daß wir uns über Themen abseits der Politik unterhalten konnten. Umso mehr erschütterte mich, wenn nachts das Handy klingelte und ein weinender Faxe sich alle Sorgen um den Wuschelkopf von der Seele redete. Faxe, unerschütterlicher Fels in der Piraten-Brandung – er konnte einen ganz schön hilflos machen. (...)

Unser letztes Beinahe-Treffen fand (nicht) statt, als er den Wuschelkopf zu einem seiner Sekten-Seminare nach Leipzig begleitete und mich um ein Kaffeetrinken bat. Als ich mitbekam, daß er gar nicht allein hier war, sondern sich für mich eine Stunde abknappsen wollte, sagte ich ihm, er solle doch lieber Zeit mit dem Wuschelkopf verbringen, die ihm doch so wichtig war. Ich sagte ihm, wir würden uns schon demnächst noch mal irgendwie sehen.
Eine Amma-Regionalgruppe in Leipzig ist auf der Internetseite derzeit nicht verzeichnet (Amma). Um was für ein Seminar es sich gehandelt hat, wäre noch einmal zu eruieren. - Ein anderes Parteimitglied schreibt (6):
Faxe war für mich immer der Prototyp eines Piraten.
Unangepaßt.
Nervig.
Und immer mit guten Argumenten in sachlichen Diskussionen.
Er hat gemacht.
Nicht geredet.
Ein Faxe, ein Wort.
Immer verläßlich.
Er hat mit den Menschen geredet.
Nicht über sie.
Er hatte Argumente.
Er war keine begnadete Labertasche wie z.B. Christopher Lauer.
Aber er hat auch mehr als heiße Luft produziert.
Er hat – immer charmant – politische Gegner mit Fakten auflaufen lassen.
Nicht mit Witzchen.
Und er ist sich immer treu geblieben. Und den Piraten. Der Idee hinter den Piraten. Ganz egal, was „Parteifreunde“ oder „Fraktionskollegen“ ihm antaten. Er war Faxe, er ist Pirat. (...) Und allen Hatern und Mobbern, die Faxe weder als Mensch noch als Politiker sahen – spart Euch Eure verlogenen Beileidsbekundungen, Eure geheuchelte Betroffenheit!
Vielleicht lebte Gerwald Claus-Brunner - als Überlebender versuchten Seelenmordes in seiner Kindheit - ein Leben, in dem er immer nur verlieren konnte. Wenn man es aus dieser Perspektive betrachtet, hat er in seinem Leben viel erreicht. Der Autor dieser Zeilen hat das Gefühl, dass er erst nachdem er sich von der Berichterstattung der großen Medien in diesem Fall abgewendet hat, und nachdem er den vorliegenden Blogbeitrag zusammen gestellt hat, die angemessene Perspektive auf das Leben von Gerwald Claus-Brunner gewonnen hat. Und damit bleibt die Frage: Was hat die große Presse zu vertuschen, wenn sie über ihn nicht ausgewogen berichten kann?
___________________________________________
  1. Rebel, Wolfgang (vermutlich): Gerwald Claus-Brunner ist gestorben. Statt eines Nachrufes. Auf: Berliner Wassertisch - Wasser gehört in BürgerInnenhand, Berlin, 19.09.2016, http://berliner-wassertisch.info/statt-eines-nachrufs_gerwald_claus-brunner/
  2. Rebel, Wolfgang (vermutlich): Offener Brief an den Tagesspiegel zur Berichterstattung im Fall Gerwald Claus-Brunner. Auf: Berliner Wassertisch, 22. September 2016, http://berliner-wassertisch.info/offener_brief_tagesspiegel_berichterstattung_claus-brunner/
  3. Franzen, Sigrun: Stellungnahme zum Parteiordnungsverfahren, das im September 2013 von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Dr. Benedict Ugarte Chacón gegen Sigrun Franzen in die Wege geleitet wurde. Vor Oktober 2014. Auf: Sigrun-Franzen.de, http://sigrun-franzen.de/gegenstand-des-ordnungsverfahrens/, http://sigrun-franzen.de/hintergrund/, http://sigrun-franzen.de/fazit/, http://sigrun-franzen.de/
  4. Wassertisch setzt Desinformationspolitik durch gezielte Falschinformationen fort. http://berliner-wasserbuerger.de/?page_id=2009 
  5. Ute Elisabeth 'Lily' Gabelmann (Stadträtin für die Piraten in Leipzig): Seasons in the Sun (Ein persönlicher Nachruf), 19. September 2016, http://stadtraetin.piraten-leipzig.de/2016/09/19/seasons-in-the-sun-ein-persoenlicher-nachruf/, http://stadtraetin.piraten-leipzig.de/2016/09/21/programming-note/
  6. Jochen Schmidberger (Ulm): Faxe. 19. September 2016, https://piratlaser.wordpress.com/2016/09/19/faxe/
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