Sonntag, 27. Dezember 2009

BZÖ in Kärnten - übertriebene mediale Aufmerksamkeit?

Ein Politiker stirbt unter widersprüchlichen Todesumständen

Wenn der führende - und auch nicht unpopuläre - Politiker eines Landes, der gerade in Verhandlungen über eine Regierungsbildung in diesem Land steht und noch zwei Stunden vorher aufgeräumte Interviews gegeben hat, unter äußerst widersprüchlichen Umständen stirbt (siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog), dann hat die Öffentlichkeit allen Anlaß, solchen Vorgängen gegenüber mit großer Aufmerksamkeit und energischer, kritischer Fragehaltung gegenüber zu stehen. Das alles bloß in einen oberflächlichen Hohn über einen solchen Tod auslaufen zu lassen, nur weil es sich um einen politischen Gegner handelt und weil man das Verhalten dieses Politikers zuvor als gesellschaftlich schädlich angesehen hat, ist nicht nur menschlich völlig unangemessen, sondern viel mehr noch: politisch und vom Standpunkt der Rechtssicherheit.

Nimmt eine Gesellschaft hier Unklarheiten auf längere Dauer hin - wie das Deutschland z.B. gegenüber dem Mordfall Uwe Barschel schon seit Jahrzehnten tut -, drängt sie nicht auf baldige und restlose Klärung, ist doch in gar keiner Weise auszuschließen, daß - auch - künftig führende Politiker unter Mordandrohnungen anderes machen, als sie es ohne solche Mordandrohungen gemacht hätten. Man braucht dann künftig von entsprechender Seite nur mit entsprechendem Gesichtsausdruck den Namen eines früh verstorbenen Politikers raunen und der betreffende Politiker - - - "weiß Bescheid". Und "richtet" sich "danach".

Selbstverständnis des Gemeinwesens infrage gestellt

Das demokratische und rechtsstaatliche Selbstverständnis eines Gemeinwesens kann doch gar nicht an einem noch neuralgischeren Punkt infrage gestellt sein. Durch welches politische Ereignis sollte das denn noch übertroffen werden?

Diesen Fragen gegenüber muten die derzeitigen Auseinandersetzungen rund um das "politische Erbe Jörg Haiders" wie "Stellvertreterkriege" an. Weil offenbar niemand von den politisch und rechtlich Verantwortlichen die entscheidenden Fragen und Forderungen in Richtung Aufklärung stellen will.

Aber auch als solche "Stellvertreterkriege" können sie noch sehr erhellend sein. Nicht weil es hier etwa um bestimmte politische Inhalte gehen würde, die man ablehnt oder denen man zustimmt, sondern um der eingangs genannten viel allgemeineren Umstände willen. Schon im letzten Beitrag hier auf diesem Blog am zweiten Weihnachtsfeiertag befaßten wir uns deshalb mit der derzeitigen "Groteske um das Erbe Jörg Haiders".

Die Vorgänge hinter den Kulissen

Daß der diese "Groteske" auslösende, "putschende" Uwe Scheuch heute einsieht, viele Fehler gemacht zu haben und daß er und seine Familie derzeit viele, auch persönliche Angriffe auszuhalten hat, und daß er auch an ein Ende seiner politischen Karriere zu denken fähig ist, ist einem heutigen Interview mit ihm zu entnehmen: --> Kronen-Ztg..

Einen Tag nach dem auslösenden "Putsch der Brüder Scheuch" in Kärnten, am 17. Dezember 2009, hatte der in Wien arbeitende Parteichef des BZÖ, Josef Bucher, dem Wiener --> "Standard" ein überaus erhellendes Interview gegeben, das zeigte, in welcher Weise dieser "Putsch" hinter den Kulissen vorbereitet wurde. - Und auch aus welchen Gründen und Motivenlagen heraus. Bucher sprach nämlich auch mit sehr deutlich vielsagendem und maliziösem Lächeln über die Zusammenhänge dieses "Putsches" mit der Kärntner Bankenkrise.

Die Angehörigen Jörg Haiders als einflußreicher politischer Faktor

Ein erstes deutlicheres Anzeichen für einen allgemeinen Meinungsumschwung hinsichtlich dieses "Putsches" stellte dann das Interview mit der Mutter und der Schwester Jörg Haiders am 27. Dezember dar --> Kronen-Ztg.. Und da die Stimmen der Angehörigen von Jörg Haider in diesen Fragen offenbar doch als politisch gewichtig einzuschätzen sind, was Wähler- und Parteimitglieder-Stimmungen betrifft, wurde dann der sich anbahnende Meinungsumschwung von Hans Rauscher im --> "Standard" am 29. Dezember 2009 mit dem Tenor kommentiert:
... Nun bleibt dem BZÖ-Hinterbliebenen Josef Bucher doch noch die Chance, eine "rechtsliberale" Honoratiorenpartei (..) auf die Beine zu stellen.
(Hervorhebung nicht im Original.) Was spricht aus einem solchen Tenor? Nun bleibt ihm "doch noch die Chance"? Ja, was denn? War es darum gegangen? Hatte eine solche Chance denn etwa vor allem verhindert werden sollen? Wo man dem BZÖ doch gar keine "Chancen" mehr hatte eingeräumen wollen? Ohne Jörg Haider? Oder tat man das nur nach "außen" hin? War man sich dessen doch nicht so sicher gewesen?

Bestehen für ein unabhängiges BZÖ "Chancen" oder nicht?

Bei diesem - doch offenbar - aus dem Hintergrund heraus auch von der ÖVP gesteuerten "Putsch der Brüder Scheuch"? Und waren damit auch Wünsche der durch den "Standard" vertretenen politischen Mitte und der politisch Etablierten in Österreich verbunden? Und wenn ja: Warum eigentlich? Warum würde man sich dort - offenbar - über eine Stärkung der Partei H.C. Strache's freuen, nicht aber, wenn das BZÖ "noch eine Chance" bekäme? Was fürchtet man denn an einem BZÖ? Was ist für eine politische Mitte an dem BZÖ anders als an der Strache-Partei? Gar: Was ist an ihm (noch?) schlechter als an jener?

Oder schwingen hier nicht auch Motivlagen mit, die auch bei jenen mitgeschwungen haben könnten, die Entscheidungen in jene Richtung hin veranlaßt haben könnten, daß eben jener Jörg Haider überhaupt hatte sterben müssen? "Müssen." - "Damit" eine Partei wie das BZÖ eben "keine Chance" mehr bekäme? Solange die Widersprüche der Todesumstände nicht lückenlos aufgeklärt sind, muß es erlaubt sein, solche Fragen zu stellen. - - -

Außerhalb Österreichs wenig bekannt: BZÖ

Über die außerhalb Österreichs wenig bekannte Geschichte des BZÖ konnte man sich zwischenzeitlich auf --> Youtube einen Eindruck verschaffen. Und über den politischen Lebensgang Jörg Haiders insgesamt informiert - aus gegebenem Anlaß - heute auch die aktuelle Ausgabe der steiermärkischen "Kleinen Zeitung" in einer ganz brauchbaren zusammenfassenden Grafik:

Nicht erst am 31.Dezember 2009 kristallisierte sich dann immer mehr heraus, daß die dem Putsch bislang zustimmenden Amtsinhaber des BZÖ in Kärnten von der Basis schrittweise stärker zu einem Umdenken veranlaßt werden --> Kl. Ztg..

Claudia Haider legt ihre Stimme in die Waagschale

Und heute nun, am 3. Januar 2010, legt Frau Claudia Haider, die Witwe von Jörg Haider ihre - von vielen mit Spannung erwartete - politisch also auch als gewichtig erachtete Stimme in die Waagschale. Und zwar deutlich früher als bislang vermutet. Und diese Stimme ist eindeutig. --> Kl. Ztg..

Ebenso wie schon zuvor die "Kämpfer des Lichts" Josef Bucher und Stefan Petzner fordert nun auch sie auf dem anberaumten Kärntner BZÖ-Parteitag eine Urabstimmung. Das heißt, nicht nur eine Abstimmung der - wie inzwischen vielen klar geworden ist - durch ihr Amt in Abhängigkeit von der Landesregierung stehenden Kärntner Partei-Repräsentanten. So wie es bislang vorgesehen war auf dem von den Scheuchs anberaumten entscheidenden Parteitag.

Claudia Haider ist aber darüber hinaus - politisch eigentlich sehr klug - zurückhaltend in der Beurteilung der Repräsentanten der beider einander befehdenden Richtungen. Sie sagt, das politische Erbe Jörg Haiders ließe sich nicht beseitigen, ganz egal, wie der derzeitige "Putsch" ausginge. Nur gegenüber Landeshauptmann Gerhard Dörfler wird eine etwas deutlichere Aversion spürbar. Und sogar die Option, selbst in die Politik zu gehen, hält sie sich in diesem Interview offen.

Und die CSU in Bayern ...

Und zugleich schwappt von Horst Seehofers schwer angeschlagener Bayerischer CSU neuer Zündstoff nach Österreich hinüber. (Standard, s.a. Presse, Süddt. Ztg., ...) Wie kam die Kärnter Bankenkrise zustande? Viele reiche Familien Bayerns und Österreichs sind in sie involviert, viele, die zur politischen Mitte gehören, zu den Etablierten. BZÖ und ÖVP in Kärnten profitierten offenbar sehr deutlich von den Transaktionen, die zu ihr führten.Wer trägt nun präzise welche Verantwortung für die Bankenkrise? Wer wußte was? Überall wiegt "Mauern" vor ...

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Weihnachten lädt zum Volldusel ein

Das Schönreden der gegenwärtigen Lage ...

Horst Opaschowski, Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg, Fachgutachter für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Berater der Bundesregierung und des Bundespräsidialamtes, sowie Gründer und Leiter des B·A·T Freizeit-Forschungsinstituts (!) kommt - unter anderem - zu folgender, schönklingenden Einschätzung der gegenwärtigen Situation unserer Gesellschaft (--> pdf., über Detlef Kahrs von der Xing-Gruppe "Prinzip Verantwortung":
Rückkehr der Verantwortung

Ein Wandel vom bowling alone zum bowling together, eine Wiederentdeckung des Gemeinsinns kündigt sich an im Sinne von mehr Gemeinsamkeit und weniger Egoismus. Damit kündigt sich der radikalste Wertewandel seit dreißig Jahren an: Die Rückkehr der Verantwortung als Antwort auf Verunsicherungen und Vertrauensverluste. Verantwortungsbereitschaft hat wieder eine größere Bedeutung als Durchsetzungsvermögen und wird zu einem der Schlüsselbegriffe für die Zukunft: Gemeint ist die Verantwortung für einander, für die Umwelt und für das Wohl der kommenden Generationen.
Die Phrase vom "Bowling Alone" ("allein Kegeln") bezieht sich auf eine wichtige Veröffentlichung des amerikanischen Sozialwissenschaftlers Robert D. Putnam "Bowling Alone - The Collaps and Revival of American Community" aus dem Jahr 1995 (Wikip., --> Bücher). Sie handelt also im Untertitel von dem "Zusammenbruch und der Wiederbelebung des amerikanischen Gemeinschaftslebens". Tatsächlich weiß auch Putnam, was die reine Faktenlage betrifft, nur von Zusammenbruch zu sprechen. Aber auch Opaschowski bleibt - wie Putnam - hoffnungsfreudig. Opaschowski:
Die Menschen entdecken langsam die Familie wieder, möglicherweise erreicht eine lange Phase der Kinderlosigkeit bald ihren Zenit und Familie wird wieder zum Wohlfahrtsverband. Während sich die Gesetzliche Rente mehr zu einer Art Zusatzversicherung zurückentwickelt, nimmt sie als verlässliche Vollversicherung ihren Platz ein.
Von solchen Menschen lassen sich Bundeskanzlerin und Bundespräsident und Leiter einer Gruppe "Prinzip Verantwortung" beraten, - - - "gut zureden"?

Entschuldigung. Aber das sind doch alles nur schöne, schnöde, hohle Worte. Das ist reines Wunschdenken. Und deshalb ist das nicht verantwortungsbewußt, sondern zutiefst verantwortungslos. Denn Verantwortungsbewußtsein erfordert als erste Voraussetzung Realitätsbewußtsein.

Diese Worte hingegen sind Ausdruck tiefster Hilflosigkeit und der klar erkennbaren, quasi auf den Nullpunkt herabgefahrenen Bereitschaft, diese Hilflosigkeit endlich einmal zu überwinden.

"Wohlfahrtsverband Familie", "Vollversicherung" - für Kinderlose?

Sagen wir es klar und deutlich: Nein, es gibt derzeit so gut wie keine Anzeichen für eine Wiederbelebung des deutschen oder des westlichen Gemeinschaftslebens oder des Gemeinschaftslebens auf der Nordhalbkugel. Und Opaschowski hat diesbezüglich auch nur Phrasen, keine handfesten Daten anzubieten.

Schönreden der Situation hilft nicht. Gar nicht. - Von der Ungeheuerlichkeit gar nicht zu reden, die in dem Phrasenschwall von dem "Wohlfahrtsverband Familie" anklingt, die eine künftige "Vollversicherung" darstellen könne. Wenn es (wieder) genügend Kinder gäbe, bräuchte man sich um das Funktionieren der Gesetzlichen Rente überhaupt keine Sorgen mehr zu machen. Wenn es diese allerdings nicht gibt, dann möchte man von dem guten Herrn Opaschowski gerne einmal wissen, welcher "Wohlfahrtsverband Familie" eigentlich für Kinderlose und Kinderarme eine Vollversicherung darstellen soll. Wie er sich das eigentlich konkret vorstellt?

Und daran wird insbesondere erkennbar: Das sind Worte von grotesker, besser erschreckender Hilflosigkeit.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Geheimdienst-Herrschaft

Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR

Wie die Stasi - zusammen mit Gregor Gysi und anderen - nach 1990 um ihr Überleben kämpfte, und wie sie zu diesem Zweck die "braune Gefahr" beschwor, zeigt - neben vielem anderen, die folgende Dokumentation:
Die dunklen Geheimnisse von Markus Wolf und der neuen Linkspartei Teil 1
Die dunklen Geheimnisse von Markus Wolf und der neuen Linkspartei Teil 2
Die dunklen Geheimnisse von Markus Wolf und der neuen Linkspartei Teil 3
Diese Dokumenation zeigt: Der führende MfS-General Markus Wolf wollte nach 1990 in Deutschland nicht wegen Landesverrat verurteilt werden, das war zunächst - merkwürdigerweise - der Hauptanklagepunkt. Und zwar: weil er von unzähligen Vorgängen des Landesverrats führender Politiker der Bundesrepublik Deutschland ihm - und der DDR - gegenüber wußte. Also noch zu seiner eigenen Verteidigung nutzte dieser Stasi-General die Erpreßbarkeit westlicher Politiker, mit denen das MfS Jahrzehnte lang so erfolgreich hatte zusammen arbeiten können. Wenn das keine Kontinuität ist? Zu diesen Politiker gehörten auch streng antikommunistische Politiker der CDU und CSU wie Franz Josef Strauß, Erich Mende, und viele andere mehr. Warum hätte dann gerade Politiker wie Herbert Wehner oder Willy Brandt überhaupt noch die geringsten Skrupel haben sollen?

Die dunklen Geheimnisse von Markus Wolf und der neuen Linkspartei Teil 4
Die dunklen Geheimnisse von Markus Wolf und der neuen Linkspartei Teil 5
Die dunklen Geheimnisse von Markus Wolf und der neuen Linkspartei Teil 6
...
Die Staatssicherheit der DDR unter Markus Wolf brachte zunächst Willy Brandt an die Macht. Und durch den Stasi-Spion Guilleaume wurde Willy Brandt dann auch wieder gestürzt. Was an der neuen Ostpolitik, für die die Regierungszeit von Willy Brandt ja vor allem steht, und die heute zu dem grundlegendsten Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland gehört, auch inzwischen nach dem Selbstverständnis der damaligen - ebenfalls zum Teil durch das MfS gesteuerten - Oppositionsparteien, was von dieser neuen Ostpolitik war damals eigentlich wirklich genuin westliche Politik? Und was wäre ohne östliche Einflußnahme damals sowieso niemals zustande gekommen? Wie tief prägt die DDR noch unser heutiges Denken? Auch im Westen? In welchem Umfang sind eigentlich selbst die grundlegendsten Selbstverständnisse der heutigen deutschen Demokratie von undemokratischen östlichen Einflußnahmen mitbestimmt worden, überhaupt erst hervorgerufen worden?

Wem gegenüber waren und sind deutsche Regierungen nicht erpreßbar?

Zusammen genommen mit dem früheren Beitrag über Globke (siehe St. gen.) stellt sich weiterhin die Frage: Welcher undemokratischen, politischen Kraft und Einflußnahme waren eigentlich die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland seit 1949 - und bis heute - gegenüber nicht erpreßbar?

Und weitere Fragen schließen sich an: Warum kennen wir eigentlich einen Mann namens Herbert Stauch nicht? So fragt der Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, in einem Vortrag bei der FDP Osnabrück im Mai 2009. Dieser sehens- und hörenswerte Vortrag ist im Netz zugänglich. Und über Herbert Stauch kann man sich zwar immer noch nicht bei Wikipedia, aber doch an --> dieser Stelle kundig machen.
1. Keine neue Stasi schaffen
2. Wie halten wir es eigentlich mit der Freiheit?
3. Wo liegen die Ursachen der Verklärung und des Schönzeichnens der DDR?
4. Wie wurde und wird eigentlich mit den Opfern der ehemaligen DDR umgegangen?
5. Wie wird die gesellschaftliche Debatte um die ehemalige DDR geführt?
6. Die Erben der DDR: Hinter den Kulissen der Linkspartei I
7. Die Erben der DDR: Hinter den Kulissen der Linkspartei II
Ein Schwachpunkt dieses Vortrages - wie der Publikationen von Hubertus Knabe überhaupt - ist ganz klar, daß isoliert nur ein einziger Geheimdienst weltweit grundlegend kritisiert und infragestellt wird, nämlich ein offiziell schon seit 20 Jahren abgeschaffter und ein - zumindest offiziell - schon verdammter. Viel brisanter würde es noch werden, wenn Knabe bei der Frage nach den Ursachen der Verklärung von Diktatur und Geheimdienstherrschaft sein Erkenntnisgebiet ausweiten würde und einmal grundlegender infrage stellen würde, ob die westlichen Demokratien selbst eigentlich Demokratien in dem nach außen hin dargestellten Sinne sind.

Und ob die von ihm kritisierten Kontinuitäten besonders deshalb so stark sind, weil sich Geheimdienste gegenseitig decken und die Geheimdienst-Verflechtungen zwischen Ost und West schon vor 1989 viel zu eng waren, als daß da mit der Wende 1989/90 sich auch für den Westen Grundlegenderes hätte ändern können. Die eigentliche "Wende", "Perestroika" und "Glasnost" was das Abwerfen von Geheimdienstherrschaft betrifft, steht weltweit noch allzu deutlich aus.

Sonntag, 13. Dezember 2009

"Antideutsche" "Antifaschisten", der europäische Linksterrorismus und die Gruppierung "Arbeiterfotografie"

Wie Geheimdienste Geheimdienstkritiker blockieren

Aus der Beschäftigung mit den Hintergründen des europäischen Linksterrorismus der 1960er und 1970er Jahre kann man lernen (Regine Igel und andere) (siehe auch frühere Beiträge hier auf dem Blog), daß der Linksterrorismus der Systemstabilisierung diente.

Die internen, geheimdienstlichen Stichworte dazu lauteten "Strategie der Spannung", "Stabilisierung durch Destabilisierung" und anderes mehr. Dies gilt also für die Sicht jener Geheimdienste, die diesen Linksterrorismus erst hervorgerufen, gelenkt, gefördert oder zumindest für ihre Zwecke umgelenkt und ausgenutzt haben. Und es gibt schlicht keinen bedeutenderen Geheimdienst in Ost und West, der darin nicht entscheidend involviert gewesen wäre. Alle Geheimdienste in Ost und West haben sich die Terroristen gegenseitig zugeschoben.

Die Terroristen waren entweder "nützliche Idioten", die von den Geheimdiensten benutzt wurden: Sie waren jung und unerfahren. Sie waren - oft - drogenabhängig. Sie wollten - oft - nicht ausreichend nachdenken, die Dinge zu Ende denken. Obwohl sie vieles ahnten. Sie wollten auch einfach "Krawall", "Krach" machen und gar nicht groß darüber nachdenken, in wessen Dienst sie das eigentlich machen würden.

Terroristen als nützliche Idioten

Oder sie wußten sogar sehr deutlich von ihrer Geheimdienstlenkung und wurden zu ihrer Tätigkeit - zum Teil - erpresst. Oder sie arbeiteten sogar sehr bewußt im Auftrag von Geheimdiensten, weil sie dafür gut bezahlt wurden. Hier sind in jedem Einzelfall viele Facetten denkbar. Ein ausgeprägtes "Wissensgefälle" zwischen allen Beteiligten, mit dem Geheimdienste besonders gern arbeiten, macht all dies möglich. Übrigens erfordert der Umgang mit Wissensgefälle von seiten der Geheimdienste eine unglaublich aufwendige Planung und ein aufwendiges strategisches und psychologisches Durchdenken der Situation jedes einzelnen Beteiligten. Victor Ostrovsky berichtet vom Mossad, daß dieser eine sehr große Abteilung von Psychologen beschäftigt und daß deren Beurteilungen entscheidend in die Planungen mit einfließen.

Ähnliche Zusammenhänge wie für den Linksterrorismus gelten in weiten Teilen auch für den europäischen Rechtsterrorismus. Zuletzt hat man es daran gesehen, daß ein Parteiverbot der NPD allein deshalb nicht durchzuführen war und ist, weil die NPD in zu weiten Teilen schlichtweg ein "Produkt" des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist. Beziehungsweise weil es zu schwierig ist, das, was dort vom Verfassungsschutz "produziert" wurde, von dem zu trennen, was es dort auch ohne ihn gäbe. Welch ein Hohn! Alle wissen es - und niemand wird dadurch zum Nachdenken gebracht. Außer einigen Randgruppen.

Sie sehen, daß es um den derzeitigen sogenannten islamischen Terrorismus auch nicht anders bestellt ist, als um den Links- und Rechtsterrorismus.

Die Gruppierung "Arbeiterfotografie"

Und nun wird die politisch linksstehende, aufklärerische Gruppierung "Arbeiterfotografie" von Anneliese Fikentscher und anderen, die sehr vorbildlich und voraussetzunglos über derartige Hintergründe des Links- und Rechtsterrorismus, des islamischen Terrorismus und von Kriegen weltweit aufklärt, von anderen politisch Linksstehenden angegriffen. Über Einzelheiten kann man sich auf der Netzseite von Arbeiterfotografie informieren und in zahlreichen Presseartikeln. Es sind die üblichen Totschlag-Argumente und -Vorwürfe des Antisexismus, des Anitsemitismus, des Antiamerikanismus.

In Frankfurt am Main sollte im Oktober eine Veranstaltung von "Arbeiterfotografie" im "Club Voltaire" verhindert werden, jenem Veranstaltungsort, an dem sich "Linke und Demokraten" seit Jahrzehnten versammeln. Auch der Verfasser dieser Zeilen nahm dort schon an Veranstaltungen teil.

Rechtfertigung der Kriegsverbrechen Israels und der USA durch "Linke"

Hier nur ein kleiner Ausschnitt aus einem Interview der "Berliner Umschau" mit Anneliese Fikentscher, das die hier vorliegende, groteske Diskussionssituation zwischen Arbeiterfotografie und ihren linken Gegnern wohl recht deutlich auf den Punkt bringt (Arbeiterfotografie):
Frage: Aus welcher Ecke kamen denn die Personen, die ja wohl de facto die Veranstaltung verhindern wollten?

Das ist nicht mit hundertprozentiger Gewißheit zu sagen. Mit Sicherheit waren aber zahlreiche Personen aus dem so genannten anti-deutschen Spektrum dabei. Das sind - einfach gesagt - Leute, die sich gegen die Großmachtinteressen Deutschlands richten, aber die Kriegsverbrechen Israels und der USA rechtfertigen. Über die Frage, was sie dazu bringt, auf der einen Seite gegen gefährliche Entwicklungen Front zu machen, auf der anderen Seite sich aber zum Erfüllungsgehilfen von imperialen Interessen und den damit verbundenen Verbrechen machen zu lassen, läßt sich nur spekulieren. Denkbar ist, daß es viele Mitläufer gibt. Denkbar ist aber auch, daß bezahlte Kräfte darunter sind, die im Auftrag handeln.
Diese Entwicklungen sollte man sehr nachhaltig im Auge behalten. Denn Geheimdienste müssen eine Sache am meisten fürchten. Im Grunde ringen sie mit diesem Phänomen schon seit Jahrzehnten, spätestens seit dem Mord an Olof Palme: Nämlich daß politisch Linksstehende wirklich in breiterer Front ihre Existenz anfangen sollten, infrage zu stellen.

Und das wird so ziemlich der einzige Grund sein, warum die Gruppierung Arbeiterfotografie derzeit so stark angegriffen wird. Mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten (siehe auch Foto).

"Verschwörungsideologie blockieren. Kein Raum für Sexismus, Antisemitismus, NS-Relativierung und irrationale Verzerrung der Wirklichkeit."
So stand es auf den Spruchbändern der Veranstaltungsgegner. Sollte den Argumentenschreibern aus den Geheimdiensten wirklich nichts Besseres mehr einfallen? Man muß "irrationale Verzerrung der Wirklickeit" "blockieren"? Welche Hilflosigkeit spricht aus diesen Worten.*)

Da die Zusammenarbeit zwischen Mossad, CIA und BND eine viel zu enge ist, als daß durch Geheimdienst-Tätigkeiten jemals die Interessen Israels in entscheidender Weise geschädigt werden könnten, sondern eher das Gegenteil (wie man am Mord an Olof Palme oder Uwe Barschel erkennen kann), ist der Vorwurf des Antisemitismus gegen jene, die über solche Tätigkeiten aufklären, ein recht leicht hervorziehbarer.

Wie lange noch?

Andererseits aber könnte an dieser Diskussionssituation und den Argumentationsmustern beider Seiten auch deutlich werden, daß es unter politisch Linksstehenden derzeit immer schwerer wird, eine glaubwürdige Argumentationskette gegenüber Geheimdienstkritikern aufzustellen und als solche auch durchzuhalten. Weshalb man auch lieber "blockiert" als diskutiert.

Nützliche Idioten jedoch gibt es immer wieder und überall. Sie haben auch noch mit den blödesten Argumenten Erfolg. Spätestens seit Joschka Fischer in Frankfurt am Main aktiv geworden ist, wird man Frankfurt als ein Zentrum - soll man sagen: eine Schlangengrube - dieser nützlichen Idioten ansehen dürfen. Kein Zweifel. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch: Das Erbe eines Joschka Fischer ist fruchtbar noch. Daran kann es kaum einen Zweifel geben.

Linksterroristen können zu Kriegsminister werden (Joschka Fischer). Und ihre anwaltlichen Verteidiger (siehe Bild und Film) zu Sicherheitsministern (Otto Schily). Oder zu bislang nur äußerst lauwarmen Geheimdienstkritikern (Hans-Christian Ströbele). Oder hätte ein Horst Mahler, dieser sich heute als so mutig und tabulos gerierende Mann, jemals Geheimdienste scharf angegriffen und infrage gestellt? ... War er denn nicht ... "auch", "auch" bei der NPD, dieser Außenabteilung des Bundesamtes für Verfassungsschutz? Und war er nicht der erste, der sich vom Verfassungsschutz Waffen in die Hand hat drücken lassen, damals, 1968?

- Wie lange noch?
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*) Jürgen Elsässer und Christoph Hörstel müssen sich übrigens - von örtlichen Antifa-Gruppen - ähnliche Vorwürfe gefallen lassen, die allerdings der örtliche Verfassungsschutz nicht bestätigt ... (Ostthüringer Ztg. 11.12.09)

Hans Globke, der politische Katholizismus und Israel

Im Jahr 2008 wurde vom WDR in Zusammenarbeit mit Arte eine 52-minütige Dokumentation mit dem Titel "Der Mann hinter Adenauer - Hans Maria Globke" produziert. Von den Journalisten Jürgen Bevers und Bernhard Pfletschinger. 

In dieser Dokumentation wird ein Blick in die "reichhaltige" Geschichte des deutschen, politischen Katholizismus während des 20. Jahrhunderts gewährt. Es wird zu recht darauf hingewiesen, daß der Nationalsozialismus in Deutschland gar nicht an die Macht gekommen wäre, ohne die Einwilligung des politischen Katholizismus, also ohne die Stimmen des katholischen "Zentrums". Dafür ließ sich der Vatikan das Reichskonkordat von den Nationalsozialisten versprechen, das dann 1934 abgeschlossen wurde.

Hans Globke wirkte an der Kommentierung der Rassegesetzgebung der Nationalsozialisten mit. Wie er im Nachhinein sagte, nicht aus Überzeugung, sondern um als Katholik im Dritten Reich "Schlimmeres zu verhüten" und um als Kontaktmann des Vatikan im Reichsinnenministerium fungieren zu können.

Und dieser Hans Globke wurde dann nach 1945 die "rechte Hand" von Konrad Adenauer. Da Konrad Adenauer während seiner ganzen Amtszeit an Hans Globke festhielt - es wird eigentlich gar nicht so recht verständlich, warum - war er aufgrund dieser Personalie Globke erpreßbar, wie im Film erläutert wird.

Gelenkte Demokratie Bundesrepublik Deutschland

Mit Willy Brandt gab es einen "Deal": Wenn Willy Brandt die Personalie Globke nicht zum Wahlkampfthema machen würde, würde die CDU Willy Brandt nicht als den Vaterlandsverräter aus Schweden während des Wahlkampfes brandmarken, als den sie ihn ansonsten geneigt war zu brandmarken. - Egon Bahr weiß davon heute nichts mehr, wie er im Film sagt.

Wie gut ist doch Erpreßbarkeit! Wie gut, wenn man Dinge hat, mit denen man Politiker erpressen kann.

Mit dem Staat Israel gab es weitere "Übereinkünfte": Israel verzichtete auf die Einbeziehung Globkes als Zeugen im Prozeß gegen Adolf Eichmann - die Eichmann gefordert hatte (Adolf Eichmanns Gefängnisaufzeichnungen befinden sich übrigens im Besitz der deutschen Bundesregierung, sind von dieser jedoch bis heute nicht veröffentlicht worden!). Dafür setzte sich Globke weiterhin für Wiedergutmachungszahlungen an Israel ein.

Wie gut ist doch Erpreßbarkeit. Wie gut, wenn man Dinge hat, mit denen man Politiker erpressen kann.

In jüdischen Kreisen, so betont eine interviewte Dame, war es bekannt, was Globke im Dritten Reich für eine Rolle gespielt hatte. Aber aufgrund seiner Bestechlichkeit war er - dennoch - "gut für Israel" (und Adolf Eichmann "schlecht") und man hängte den einen und schützte den anderen vor Bloßstellungen.

Israel, Willy Brand, der BND und der CIA

Der "Bundesnachrichtendienst" unter Reinhard Gehlen wurde für verschiedene Aktionen genutzt, die Bloßstellungen von Hans Globke verhindern sollten. Es sollte das Erscheinen eines Buches verhindert werden. Wie oft ist eigentlich in der Geschichte der Bundesrepublik schon das Erscheinen von Büchern verhindert worden. Gab es da nicht auch einen Skandal rund um das Institut für Zeitgeschichte und das Thema "Reichstagsbrand" ...? Ja, und der BND ließ sich - natürlich - für solche Zwecke benutzen.

Man suche überhaupt gegenwärtig einmal im Netz und bei Youtube unter dem Stichwort "BND". Es gehen einem die Augen über. Man wird überflutet von Information. Von ... nicht so schöner ... Information. Niemand wird also später sagen können, er hätte es nicht wissen können.

Politischer Katholizismus und Geheimdienstkontakte

Die Geschichte des politischen Katholizismus kann - wie an diesem Film nicht zum ersten mal deutlich wird - nicht geschrieben werden, ohne die Geheimdienst-Kontakte zu berücksichtigen, die einflußreiche Vertreter des politischen Katholizismus - wie eben Hans Globke, Konrad Adenauer oder der ebenfalls interviewte Guilio Andreotti in Italien - hatten. Was all das mit Religion noch zu tun hat, ist da dann freilich sowieso nur noch eine Seitenfrage. Eine Frage, die einen kaum noch interessiert ..., angeekelt, wie man sowieso schon ist.

Die früheren Chefs des CIA für ganz Deutschland und für Berlin wissen viele Dinge über diese Kontakte zu sagen und lassen sich auch entsprechend interviewen. - Altersschwach wie sie sind, traut ihnen niemand mehr etwas Böses zu und es stellt ihnen niemand mehr "beleidigende" Fragen. Das gleiche gilt natürlich für den Nachfolger von Hans Globke, den guten Egon Bahr. Er hat heute mancherlei Lobenswertes über die "Leistungen" Konrad Adenauers und Hans Globkes zu sagen ... Paßt es da nicht sehr gut dazu, daß er von einer geheimen Übereinkunft mit Willy Brandt vorgibt nichts zu wissen? Er? Der Nachfolger von Hans Globke im Bundeskanzleramt? Er soll davon nichts zu wissen bekommen haben?

Karl-Heinz Kurras und Herbert Wehner

Und da wir schon beim Thema sind: Wußten Sie's schon, lieber Leser? Haben Sie es mitbekommen? Der Mörder von Benno Ohnesorg, der Westberliner Polizist und das gleichzeitige SED-Mitglied Karl-Heinz Kurras behauptet, daß bei seiner Verdingung durch die DDR-Staatssicherheit kein geringerer als - - - Herbert Wehner anwesend gewesen sein soll. Und daß er sich ohne dessen gute Zusprache darauf gar nicht eingelassen hätte. Ganz unmöglich! Herbert Wehner? Ganz unmöglich! (- So jedenfalls der "Frankfurter Rundschau" vom 18.11. zu entnehmen.)

Die Genossen. Wer sagt's denn? Entweder sie geben altersschwache Lügen von sich oder sie haben es unglaublich gerissen "drauf" gehabt. Dann wäre es wohl nicht vornehmlich der CDU zuzuschreiben, die - wie sie von sich behauptet - all die Jahre die Wiedervereinigung so kraftvoll vorangetrieben hätte. Nein, es könnten vor allem Leute wie Herbert Wehner gewesen sein (!!!), die gesamtdeutsche Koalitionspartner nie aus dem Auge verloren haben. Koalitionspartner, wie sie heute wieder von der SPD in Brandenburg stark favorisiert werden. Freilich: mit einigem Holterdiepolter. Aber auch das - - - auch das ... "bringen wir schon noch hinter uns".

Gesamtdeutsche Koalitionspartner?

Wenn man sich einmal in die Thematik der Geheimpolitik und der gelenkten Demokratie - und was waren die geheimen Absprachen rund um und mit Globke denn anderes als "gelenkte Demokratie"? - eingearbeitet hat, dann kommt man mit der Informationsflut kaum noch zurecht, die da über einen hereinbricht. Eine Fülle von Skandalen rund um den BND und Journalistenkontakten spielen sich derzeit ab, in die auch die Bundesregierung unter Angela Merkel verstrickt ist. Also nicht nur bezüglich des Falles Kundus ist diese Regierung und die Bundeskanzlerin selbst stark belastet. Sie wußte auch von der Bespitzelung deutscher Journalisten durch den BND.

Und worum ging es da? Zum Beispiel hatte der investigative Berliner Journalist Andreas Förster privat die Absicht geäußert, ein Buch über die Kontakte zwischen Mossad und die DDR-Staatssicherheit zu verfassen. Für solche Bücher scheint sich der BND und die deutsche Bundeskanzlerin außerordentlich stark zu interessieren. Solche Themen sind offenbar Themen, die noch heute auf höchster politischer Ebene angesiedelt sind.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Deutsche Geschichte im Technischen Museum Berlin

In den Abteilungen "Schiffahrt" und "Luftfahrt" des Technischen Museums Berlin wird man mit eindrucksvollen Zeugnissen aus der Geschichte der zivilen Schiffahrt, des Seekrieges, der zivilen Luftfahrt und auch der Geschichte des Luftkrieges während des Ersten und des Zweiten Weltkrieg konfrontiert.

Es finden sich Nachbildungen der 1919 bei Scapa Flow versenkten deutschen Kriegsschifflotte. Der U-Boot-Krieg während des Zweiten Weltkrieges wird dokumentiert. Für den Ersten Weltkrieg wird sehr ausführlich der Kult um die "Fliegerasse" auf beiden Seiten der Kriegführenden dokumentiert, etwa um Manfred von Richthofen und viele andere.

Eine "Ju 52"-Verkehrsmaschine ist zu besichtigen:

Sie war die erste, vielbenutzte Linienflugmaschine der deutschen Lufthansa in den 1930er Jahren. Man erhält einen Eindruck von den ersten Frauen in der zivilen und auch militärischen Luffahrt, etwa von Elly Beinhorn und anderen.

"Flieger, grüß mir die Sonne"

Hier lernt man auch, daß das Lied "Flieger, grüß mir die Sonne" gar kein Lied der "Neuen Deutschen Welle" aus dem Jahr 1980 ist (auf der gleichen Linie wie "Hurra, hurra, die Schule brennt") - wie man das vielleicht bisher törichterweise geglaubt hatte. Sondern daß es sich um eines der populärsten Lieder von Hans Albers aus dem Jahr 1932 handelt (-->Yt. 1, 2, 3):
...
Piloten ist nichts verboten,
drum gib Vollgas und flieg’ um die Welt.
Such Dir die schönste Sternenschnuppe aus
und bring sie Deinem Mädel mit nach Haus.
...
Eine nur in Teilen erhaltene "Ju 87" ist zu besichtigen, der damals sehr bekannte, bedeutende deutsche Sturzkampfbomber:

Der militärisch erfolgreichste Flieger dieses Flugzeugtyps war der Oberst Hans-Ulrich Rudel. Das ausgestellte Wrack mußte am 2. Juli 1942 auf nordrussischem Gebiet notlanden. 1994 wurde es geborgen und gelangte über England und Neuseeland 1997 "zurück" nach Berlin. Auf ähnliche Weise kamen mehrere der ausgestellten Flugzeug-Wracks in das Technische Museum Berlin.

Ein Flugzeug des berühmten Typs "Messerschmidt Me 109" ist zu besichtigen:


Es war das wichtigste deutsche Jagdflugzeug des Zweiten Weltkrieges. Ebenso ist ein Bruchteil des wichtigsten russischen Jagdflugzeuges des Zweiten Weltkrieges, der "Iljuschin II2" zu besichtigen.

Sodann ein eindrucksvolles, riesiges Bruchteil des meistbenutzten britischen Bombers während des Zweiten Weltkrieges, eines "Lancaster", mit dem die deutschen Städte in Schutt und Asche gebombt wurden:

Erläuternd werden dazu Farbfilm-Aufnahmen des großen Brandes von Hamburg 1943 gezeigt, die einen sehr dicht an die Geschehnisse heranführen. Kinderleichen liegen auf den Straßen. Der ausgestellte Bomber war im September 1943 südlich von Berlin abgeschossen worden und in den Wünstorfer See gestürzt. Aus diesem wurde das ausgestellte, riesige Bruchteil 1997 geborgen.

Es wird eine vielbenutzte deutsche "8,8 Flak", ein Flugabwehrgeschütz, ausgestellt, mit dem viele angloamerikanische Bomber abgeschossen worden sind, und das auch im Bodenkampf zum Abschuß von Panzern benutzt wurde:

Hier im Hintergrund noch einmal das Wrackteil der 1943 abgeschossenen "Lancester". Es wird auch über die deutsche Raktenforschung in Peenemünde informiert, wo unter Wernher von Braun die V1 und die V2 entwickelt wurden.

Des Eindrucks des Unheimlichen und Grauenvollen, das von all diesen Objekten einer gar nicht so lange vergangenen Geschichte ausgeht, kann man sich nicht entziehen.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Jörg Haider und seine "Brüder"

Einer der derzeit prominentesten Vertreter einer fast schon vergessen geglaubten politischen Richtung in der Welt, nämlich eines streng konservativen, politischen Katholizismus, ist in Österreich der "parteifreie BZÖ-Kandidat" Ewald Stadler. Er steht wohl in vielen Dingen dem Bischof Richard Williamson nahe, der Zweifel an der offiziellen Version des Holocaust geäußert hatte. (Diese wiederum hatten die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zu servilen Äußerungen veranlaßt, die man nur mit den Worten "päpstlicher als der Papst" kennzeichnen kann - siehe frühere Beiträge dazu --> 1, 2.)

Ein politischer Bundesgenosse von Bischof Williamson über die Situation in Österreich

Am 24. September 2008, vier Tage vor der letztjährigen österreichischen Nationalratswahl und zwei Wochen vor dem Tod Jörg Haiders, hat Ewald Stadler dem katholischen Internet-Fernsehsender "Gloria TV" ein Interview gegeben, in dem er viele Dinge noch etwas genauer erläuterte, die man schon seinem Vortrag aus dem März 2007 (Yt. 1, 2) hatte entnehmen können (siehe auch St. gen. 1, 2). Die wichtigsten Aussagen:
0.52': Frage: Sie haben in der Vergangenheit auch Jörg Haider scharf angegriffen. Unter anderem haben Sie gesagt, er sei ein Handlanger der Freimaurer.

Stadler: Ich habe gesagt, er hat ein "Agreement" mit der Freimaurerei geschlossen, als er wieder Landeshauptmann wurde. Ich muß fairerweise dazu sagen: Das hat er mir auch angekündigt, daß er das machen wird, wenn er wieder Landeshauptmann wird. Er hat es auch gemacht. Ich habe einen alten Konflikt mit der Freimaurerei. Aber er hat damals gesagt: Er tut sich diesen Konflikt nicht mehr an. Ich bleibe dabei.
Der Freimaurer Jörg Haider und seine Brüder

Daraus geht doch hervor, daß auch Jörg Haider nicht gerade glücklich war über das "Agreement" mit der Freimaurerei, sondern daß er sich nur eine Gegnerschaft von dieser Seite, wie er sagt, "nicht mehr antun" wollte. Man darf also annehmen, daß Jörg Haider sowieso nur Landeshauptmann geworden war, weil dem die Freimaurerei zugestimmt hatte.

Das zeigt mehreres gleichzeitig: Zum einen zeigt es die Macht der Freimaurerei. Zum anderen zeigt es, daß Jörg Haider über lange Zeit hinweg bereit gewesen ist, sich dieser Macht zu beugen. Und zum dritten wird sehr deutlich, daß Jörg Haider für die Freimaurerei schon zuvor oft sozusagen ein "unsicherer Kandidat" gewesen sein muß, was man aber offenbar lange Zeit billigend scheint in Kauf genommen zu haben. Vielleicht um im "kleinen Österreich" mit politischen Möglichkeiten zu "experimentieren", sie auszuloten und zu ventilieren, die die Freimaurerei und der CIA hier und anderswo weder zum ersten mal ausgelotet haben, noch auch dies zum letzten mal werden getan haben.

Bekanntlich werden von diesen mitunter auch Diktaturen und Militärdiktaturen für "opportun" gehalten. Aber offenbar ist diesen Hintergrundmächten dieses regional begrenzte "Experiment" mit Jörg Haider ab einem bestimmten Punkt, nämlich nach der Nationalratswahl von 2008, aus der - von ihnen vorgesehenen - Kontrolle geraten.

Welcher Art war die warme Freundschaft zu Stefan Petzner?

Die Frage schließt sich an, welche Rolle in diesem Zusammenhang der nahe politische Weggefährte Stefan Petzner spielte. Ist er auch Freimaurer geworden? Oder trat er mehr und mehr an die Stelle der früheren "Brüder" Jörg Haiders, wurde er - sozusagen - ihr "Konkurrent" bei Jörg Haider? Emanzipierte sich Jörg Haider etwa gar von den anderen "Brüdern" aufgrund seines Verhältnisses zu Stefan Petzner?

- Weiter sagte Ewald Stadler vor einem Jahr vieles, was natürlich auch heute noch gültig sein wird:
7.14': (...) Was ich für die noch größere Gefahr halte, ist eine Koalition unter dem Hochgradfreimaurer und Bundeskanzler Faymann, eine Koalition mit dem Freimaurer und Vizekanzler van der Bellen und eine Koalition mit einer Justizministerin Heide Schmidt, die vom Hochgradfreimaurer Haselsteiner finanziert, gefördert und geschubst wird.
Über die nur allzu deutliche Verfreimaurerung der österreichischen Politik ist ja von Autor Guido Grandt ein neues Buch für Anfang 2010 angekündigt. (St. gen.) Und was für Österreich gilt, kann angesichts der Umstände rund um den Tod von Uwe Barschel für Deutschland nicht ausgeschlossen werden. Wohl für kaum ein Land auf der Erde kann es ausgeschlossen werden.

Ein Persilschein für Haider-Nachfolger Heinz-Christian Strache?

Besonders interessant ist weiterhin, was Ewald Stadler über Heinz-Christian Strache, den typischen, opportunistischen, politischen Erben eines ermordeten Politikers, sagt:
11.38': (...) Strache hat mit den Roten eine Arrangement. Und das lautet wie folgt - das ist die alte Kreisky-Doktrin: So lang Blau mit Schwarz nicht koaliert und nichts gemeinsam mit Schwarz macht, ist Rot immer im Spiel. Und Kreisky hat immer gesagt, wir müßten drauf achten - also: die Roten müßten drauf achten, daß Blau nie mit Schwarz zusammen arbeitet, weil es dann keine Regierungsbildung ohne Sozialdemokraten gibt. Das sei die große Lehre der Sozialdemokraten aus den 30er Jahren. Und das gilt dort als Dogma. Und genau hier spielt Strache mit. (...) Die fatale Situation wird ermöglicht durch den antifaschistischen Persilschein, den ihm die höchsten Kreise von den Roten ausgestellt haben bis hinauf zum Bundespräsidenten. (...) Der hat den antifaschistischen Persilschein. Und dafür ist er bereit, den Roten Handlangerdienste zu leisten zum Machterhalt.
Also möglicherweise auch Strache ein Freimaurer, der von ihnen ähnlich gefördert und ventilliert wird, wie über lange Jahre hinweg Jörg Haider selbst? - Man muß Ewald Stadler in keinem einzigen Punkt seiner inhaltichen politischen Positionen zustimmen, wenn man ihn für einen Beobachter der politischen Landschaft hält, der sich nicht - wie so viele andere - die Augen verwischen läßt. Der nicht wie ein "tumber Thor" durch die Gegend läuft, sondern sich die politische Urteilsfähigkeit auch bezüglich von unverfroren agierenden Hintergrundmächten erhält.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Für Wladimir Putin der rote Teppich, für Iwan Demjanjuk die Anklagebank

Ein ukrainischer, 89-jähriger, zweimaliger Holocaust-Überlebender (a, b) - aus Cleveland, Ohio/USA - wird von jüdischen, einmaligen Holocaust-Überlebenden (c) der Mittäterschaft an einem Holocaust (c) verdächtigt.

Der Ukrainer Iwan Demjanjuk. (--> ZDF) Er wurde 1920 in der Ukraine geboren und 1941 als Soldat gegen die Deutschen eingesetzt. Dabei geriet er in Kriegsgefangenschaft, die Millionen sowjetischer Soldaten nicht überlebten (b). Als Hilfswilliger wurde er von den Deutschen eingesetzt. Als solcher könnte er sich selbst mitschuldig gemacht haben an einem Holocaust (c). Seine deutschen Vorgesetzten sind jedoch in den 1960er Jahren wegen ihrer eigenen Mitschuld an diesem Holocaust von der deutschen Justiz sehr glimpflich behandelt worden.

Die Absicht geht heute dahin, an dem 89-jährigen, ukrainischen, zweimaligen Holocaust-Überlebenden Iwan Demjanjuk ein "Exempel" zu statuieren, das man in den 1960er Jahren angeblich verpaßt hatte, an seinen eigenen, unmittelbaren deutschen Vorgesetzten zu statuieren. Und zwar nun durch deutsche Richter, nachdem dies sogar die israelische Justiz von sich gewiesen hat.

Schauprozesse sind wichtig ...

Es gibt Vermutungen, daß die ursprünglichen Anklage-Dokumente gegen Iwan Demjanjuk vom sowjetischen Geheimdienst produziert worden waren. Amerikanische Behörden sind wegen Amtsmißbrauch verurteilt worden, weil sie seinen Fall zum Zwecke der Aberkennung der amerikanischen Staatsbürgerschaft so zurecht geschustert hatten, daß Iwan Demjanjuk schließlich nach Israel überführt werden konnte.

Dort wurde er vor israelische Richter gestellt, die Söhne und Enkel sowohl von Opfern wie von Tätern eines der drei Holocauste gewesen sein könnten - theoretisch -, mit denen Demjanjuk in seinem Leben zu tun gehabt hat. 1993 wurde er aber von dem Obersten Gerichtshof Israels einstimmig freigesprochen. (--> Wikip.)

16 Jahre später wird er vor deutsche Richter gestellt, die Söhne und Enkel von Tätern des Holocaust sein könnten, an dem sich Demjanjuk mitschuldigt gemacht haben könnte und auch von Opfern jenes Holocaust, an den kaum noch jemand erinnert werden möchte (d). Diese Richter könnten - theoretisch - wiederum sogar Söhne und Enkel der Vorgesetzten von Iwan Demjanjuk gewesen sein oder jener Richter, die seine Vorgesetzten in den 1960er Jahren so glimpflich behandelten.

... Dafür braucht man Angeklagte

All das geschieht ganz offensichtich in Ermangelung anderer Menschen, die man für Schauprozesse noch "benutzen" könnte, um "Erinnerungen" wach zu halten, bzw. - richtiger: um Bevölkerungen in der als geeignet angesehenen psychologischen "Spannung" zu erhalten.

Diese Anklage gegen einen 89-Jährigen aus Cleveland, Ohio, wird also sehr wichtig sein. Und sicherlich werden sich deutsche Gerichte irgendwann einmal auch mit jungen und agilen, weltbekannten Völkermördern, die keineswegs nur Handlanger gewesen sind, sondern die an der Spitze von Staaten stehen, beschäftigen. Und sicherlich wird man in Deutschland auch einmal einen Wladimir Putin statt über rote Teppiche vor den Kadi führen ...

... Wenn er 89 Jahre alt geworden sein wird und die Ermordeten in Tschetschenien und unter den russischen Journalisten und Menschenrechtlern niemanden mehr wehtun.
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a. 1932/33: Hunger-Holocaust an den Ukrainern (1) - etwa 10 Millionen Tote (Wikip. 1, 2).
b. 1941/42: Hunger-Holocaust an den sowjetischen Kriegsgefangenen (Wikip.)
c. 1941 bis 1944: Holocaust an Polen, Juden und anderen (Wikip.)
d. 1945 bis 1946: Vertreibungs-Holocaust an den Deutschen mit - etwa - 2 Millionen Toten (Wikip.1, 2).

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1. Conquest, Robert: Ernte des Todes. Stalins Holocaust in der Ukraine 1929 - 1933, Ullstein Taschenbuch, 1988

Leistungsträger und Opportunisten

Peter Sloterdijk fordert - siehe voriger Beitrag - einen "Aufbruch der Leistungsträger". Können die eigentlichen Leistungsträger einer Gesellschaft überhaupt aufbrechen, solange Geheimdienste über Leben und Tod gerade der leistungsstärksten und integersten Politiker einer Epoche entscheiden?

Leistungsträger bei den Linken und den Sozialdemokraten

Es hätten einen Worte von Peter Sloterdijk interessiert zu vorbildlichen Leistungsträgern bei den "Linken" und bei den Sozialdemokraten. Zu denken wäre an Oskar Lafontaine oder Christa Müller, die bisher noch überlebt haben - auch schon einen Mordanschlag (1990). Oder zu Politikern wie Olof Palme (siehe Bild) und Anna Lindh, die beide Mordanschläge nicht überlebt haben (1986 und 2003).

Bei Olof Palme gibt es - wie bei Uwe Barschel - viele Indizien in Richtung israelischem Mossad als dem eigentlichen Auftraggeber, bzw. Ausführenden des Mordes an ihm. Diese Leistungsträger sind jeweils durch opportunistische Konkurrenten ersetzt worden und man versucht es weiterhin. Man denke an Leute vom Schlage Björn Engholm oder Gerhard Schröder. Und es ist bis heute mehr von den opportunistischen Konkurrenten und Nachfolgern dieser Leistungsträger die Rede als von den eigentlichen, integeren Politikern, die ermordet worden sind. Sie hätten - wahrscheinlich - eine bessere Politik gemacht als ihre Nachfolger. Ist es denn da überhaupt noch ein Wunder, wenn es mit der Sozialdemokratie bergab geht?

Leistungsträger im Umfeld von "Bündnis 90" und den "Grünen"

Es hätten einen Worte interessiert zu Leistungsträgern bei den "Grünen" und in ihrem Umfeld. Wie Rudi Dutschke (1968/1979), Petra Kelly und Gert Bastian (1992), Rudolf Bahro (1997), Gerulf Pannach (1998) und Jürgen Fuchs (1999). Sie alle sind eines unnatürlichen Todes gestorben. Und die Todesursachen sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Auch hier machen die opportunistischen Überlebenden jeweils heute mehr von sich Reden, als die integren Ermordeten. Also solche Figuren wie Kriegsbefürworter Joschka Fischer oder Geheimdienstförderer Otto Schily. Die Ermordeten hingegen scheinen längst vergessen.

Das Ausschalten solcher integerer Persönlichkeiten aber hat den heutigen Zeitgeist sehr stark mitbeeinflußt. Das merkt man schon allein daran, daß man heute solche integeren, idealistischen Persönlichkeiten im öffentlichen Leben gar nicht mehr antrifft. Das ist ein klares Anzeichen dafür, daß sich sehr vieles derzeit keineswegs zum Besseren hin entwickelt: ganz im Gegenteil.

Leistungsträger bei den Liberalen und Freiheitlichen

Es hätten einen Worte interessiert zu Leistungsträgern bei den Liberalen und Freiheitlichen wie Heinz-Herbert Karry (1981), Jürgen Möllemann (2003) und Jörg Haider (2008) - auch schon alle wieder vergessen in unserer schnellebigen Zeit, ersetzt durch solche offensichtlichen Opportunisten vom Schlage Guido Westerwelle in Deutschland oder vom Schlage Heinz-Christian Strache in Österreich.

Leistungsträger in der "konservativen Mitte"

Es hätten einen Worte interessiert zu Leistungsträgern der "konservativen Mitte" wie Hanns-Martin Schleyer (1977), Uwe Barschel (1987) und Alfred Herrhausen (1989), alle Helmut Kohl und der CDU zumindest sehr nahestehend. Sie hätten an der Stelle von solchen Opportunisten wie Gerhard Stoltenberg, Helmut Kohl, Angela Merkel und Wolfgang Schäuble stehen können und dabei wahrscheinlich eine wesentlich glaubwürdigere Politik gemacht als diese jeweiligen überlebenden Opportunisten, die stattdessen von sich Reden machen. Ähnliches ist übrigens von Aldo Moro und Italien zu sagen. Im Bild rechts das Flugzeug, mit dem Uwe Barschel abgestürzt ist: Barschel überlebte diesen Flugzeugabsturz und ließ sich dennoch nicht einschüchtern.

Leistungsträger in den USA, Großbritannien und Rußland

Es hätten einen Worte interessiert zu Leistungsträgern in den USA wie den Feind geheimer Gesellschaften, den Demokraten John F. Kennedy (1963). John F. Kennedy fand solche unglaublichen Opportunisten als Nachfolger wie Jimmy Carter, Bill Clinton und Barak Obama. Oder man denke an den Vater John F. Kennedy's, an die Geschwister John F. Kennedy's und an andere Angehörige der Kennedy-Familie. Der gemeinsame Nenner des vielgenannten "Fluches" der Familie Kennedy wird schlicht in Geheimdienst-Machenschaften liegen. Die Carter's, Clinton's und Obamas machen allesamt heute mehr von sich Reden als der integre und glaubwürdige Politiker John F. Kennedy und auch als viele andere Angehörige seiner Familie.

Es hätten einen Worte zu Leistungsträgern in Großbritannien interessiert wie Prinzessin Diana (1997), die in der öffentlichen Aufmerksamkeit ersetzt wurde durch Opportunisten wie ihre unkönigliche Schwiegermutter und den unköniglichen Vater ihrer beiden Söhne.

Es hätten einen Worte interessiert zu Leistungsträgern in Rußland wie Natalja Estemirowa (15. 7. 2009) (siehe Bild links), Alexander Litwinenko (23. 11. 2006) und Anna Politkowskaja (7. 10. 2006). Sie sind weitgehend vergessen. Geheimdienst-Offiziere, Opportunisten und Verbrecher wie Wladimir Putin oder Ramsan Kadyrow jedoch treiben weiter ihr Unwesen, gelten als integere Gesprächspartner im politischen Raum.

Und solche Förderer des Sturzes von Michail Gorbatschow durch frühere KGB-Mitarbeiter, wie der britische "Medientycoon" und Mossad-Mitarbeiter Robert Maxwell, erhalten in Israel Staatsbegräbnisse (1991). (Mehr zum Fall des letzteren siehe u.a.: Victor Ostrovsky/Geheimakte Mossad).

Nur die Spitze des Eisberges

Diese Liste von echten Leistungsträgern, die ermordet oder kalt gestellt, beiseite gedrängt worden sind und die durch unglaublich opportunistische "politische Erben" ersetzt worden sind, könnte noch um unzählige Namen verlängert werden. Und die hier genannten Mordfälle sind nur die Spitze des Eisberges. Nicht nur daß ein aufsehenerregender politischer Mord oft viele weniger beachtete Morde nach sich zieht: Bekanntlich erreichen Geheimdienste, für die Geld "keine Rolle spielt", und die mit der Freimaurerei und anderen Lobbygruppen eng zusammenarbeiten, mittels Drohungen und Korruption aller Art das allermeiste auch schon ohne Mord.

Die Stasi arbeitet weiter

Über eine Art "Reinhard Gehlen Italiens", über den italienischen Geheimdienst-General, Freimaurer und CIA-Agenten Giovanni De Lorenzo (1907 - 1973) (Wikip. dt., ital.) berichtet das so wichtige Buch von Regine Igel (1):
Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts (...) erklärt der (...) Leiter der ersten parlamentarischen Untersuchungskommission zur Geheimpolitik am 21. Dezember 1990 (...), daß General Giovanni de Lorenzo die Mehrheit der politischen Klasse in der Hand gehabt habe und diese Mehrheit sich seinen Drohungen auch fügte. (...)

In 157.000 Dossiers zu sage und schreibe 157.000 Persönlichkeiten hält de Lorenzo nicht nur politische Vorlieben und Verhaltensweisen fest. Von Interesse ist alles, was sich über das Privatleben der observierten Personen herausfinden läßt. (...)

Es ist nicht das erste und nicht das letzte mal, daß in der Spionage Datensammlungen dieser Art als hervorragendes Mittel zur Zähmung und zur Erpressung nicht ganz linientreuer Personen genutzt werden. (...)
Man kann von Italien leicht auf Deutschland hochrechnen. Wenn der CIA für ein Land wie Italien mit 60 Millionen Einwohnern 157.000 Personen mit waschechten Stasi-Methoden kontrolliert und kontrollieren läßt, dann hat er in einem Land wie Deutschland mit 82 Millionen Einwohnern 215.000 Personen - ebenfalls mit waschechten Stasi-Methoden - unter Kontrolle. Man hört Telefone ab, kennt die Kontostände von Journalisten, läßt sie ausspähen, um sie kontrollieren zu können (--> Berliner Ztg. 17.5.06). Da macht es nichts, wenn man einmal, wie soeben geschehen, als BND mit einer Zahlung von 10.000 Euro bestraft wird. (Spiegel)

Mindestens 215.000 Menschen werden in Deutschland von der CIA kontrolliert - mit Stasi-Methoden

Nachdem man von der Jahrzehnte langen engen Zusammenarbeit zwischen CIA, BND und dem MfS (Markus Wolf u.a.) Kenntnis genommen hat (siehe Alexander von Bülow und andere), wird einem bei diesen Tatsachen schlagartig klar, worum es 1989 bei der Wiedervereinigung eigentlich ging. Doch nicht um die Abschaffung der Macht von Geheimdiensten. Nein, es ging um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Geheimdiensten. Es ging darum, die Geheimdienstpartner in Osteuropa leichter mit besseren Computern und einfach auch mit besseren, nach außen hin demokratisch getarnten, das heißt "moderneren" politischen Methoden ausstatten zu können. - Leben wir denn in einer Demokratie, die diesen Namen verdient? Oder herrschen von Geheimdiensten gelenkte "Blockparteien"? Die politischen Morde der letzten Jahrzehnte lassen doch ganz klar werden, daß von Geheimdiensten gelenkte und massiv eingeschüchterte "Blockparteien" herrschen.

Vieles spricht dafür, daß die "Aktion Wiedervereinigung" von der CIA von langer Hand vorbereitet worden ist. (Siehe auch den Bericht von Alfred de Zayas über seine CIA-Kontakte vor 1989 oder "Spiegel"-Osteuropa-Korrespondent Fritjof Meyer über sein frühzeitiges Voraussehen und Hinwirken auf dieses Ziel*). Auch die Biographie von Markus Wolf gibt so ihre Hinweise.) Daß ein paar Menschen auf der Straße 1989/90 für ein paar Monate, ja, sogar für Jahre etwas "glücklicher" wurden, das war eine von den Geheimdiensten in Kauf genommene "Nebenerscheinung". Sie braucht keineswegs in der Absicht dieser Aktion gelegen haben. Und die "Strategie der (Ost-West-)Spannung" konnte ja - spätestens 2001 - leicht umgewandelt werden in eine "Strategie der (Islam-West-)Spannung".

Daß die Stasi weiterarbeitet, haben übrigens viele DDR-Bürgerrechtler von Anfang an vermutet. Etwa Jürgen Fuchs in seinem biographischen Roman "Magdalena".

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*) Wolfram Baentsch läßt in "Doppelmord an Uwe Barschel" übrigens deutlich werden, daß die Zusammenarbeit zwischen dem "Spiegel" und diversen Geheimdiensten eine seit langem eingespielten Sache sein muß. So wie der BND frühere NS-Seilschaften nach 1945 übernommen hat, so hat auch die "Spiegel"-Redaktion parallel frühere NS-Seilschaften übernommen. Daß sich hier zeitgleich parallele Entwicklungen vollzogen, läßt einen mehr als eine äußere Zufälligkeit vermuten.
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1. Igel, Regine: Terrorjahre. Die dunkle Seite der CIA in Italien. Herbig, München 1997, 2006, S. 85

Donnerstag, 3. Dezember 2009

"Aufbruch der Leistungsträger"

Aber mit welcher Moral?

Peter Sloterdijk ist einer der wenigen selbständigeren, geistreicheren Denker, Kultur- und Gesellschaftskritiker im heutigen Deutschland. Immer wieder einmal ist es lohnend, sich mit seinen Gedanken auseinanderzusetzen. Im November-Heft des "Cicero" ist sein neuester Aufsatz unter dem Titel "Aufbruch der Leistungsträger" veröffentlicht. - War es Sloterdijk selbst oder war es die "Cicero"-Redaktion, die diesen Aufsatz im Untertitel aufgepäppelt hat zu einem "bürgerliche(n) Manifest" (siehe Bild rechts)?

Und gibt das dieser Text her?

Einer der wesentlichsten Kritikpunkt an diesem Text ist sicherlich die inkonsequente, ja, fast gedankenlose Verwendung des Begriffes "Leistungsträger" durch Peter Sloterdijk. Sloterdijk unterscheidet - wie die meisten Denkenden heute - zu wenig zwischen gesellschaftsstabilisierenden und -weiterführenden Leistungen, die in einer Gesellschaft erbracht werden und "Leistungen" des Opportunismus, die den Fortbestand und die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft existentiell gefährden. Er scheint sich noch davor zu scheuen - wie so viele andere ebenfalls - sich einmal selbst und anderen zu verdeutlichen, wie hoch eigentlich der Anteil der bloßen Opportunisten unter der von ihm definierten Gruppe der "Leistungsträger" ist. Jedenfalls findet man zu diesem Thema auch nicht ansatzweise Abschätzungen in seinem Text.

Daß Sloterdijk durchaus ein ganz klares Gefühl für die gesellschaftsschädigende Wirkung der Opportunisten unter den Leistungsträgern hat, wird ja schon gleich im ersten, aufsehenerregendsten Abschnitt seines Textes deutlich. Da spricht er doch ebenfalls von jenen "Leistungsträgern", die er in den hinteren Abschnitten so herausstellt. Oder etwa nicht? Aber im vorderen Teil in einem ganz anderen Tonfall, als im hinteren. Macht sich Sloterdijk das denn nicht ausreichend klar? Warum bezieht er die im ersten Abschnitt gewonnenen Erkenntnisse über die vorherrschende Feigheit unter den heutigen "Leistungsträgern" nicht mit ein in sein Raisonement in den späteren Abschnitten?

"Leistungsträger" Axel Weber

Im ersten Abschnitt zeigt er anhand des Beispiels eines nicht unwichtigen "Leistungsträgers" in unserer Gesellschaft, nämlich anhand von Axel Weber, des Chefs der Deutschen Bundesbank, und anhand seines Verhaltens gegenüber seinem Kollegen Thilo Sarrazin:

... Auch die Leitung der Deutschen Bundesbank erweist sich gegen die Epidemie des Opportunismus als nicht immun. (...) Statt sich gelassen vor seinen Kollegen zu stellen (...), statt irgendetwas Souveränes, Aufheiterndes, gut Ventiliertes zu sagen, spricht Axel Weber (...) die allgemein erwartete Sklavensprache (...). Er kommt nicht auf den Gedanken, seine eigene entkernte Haltung, sein serviles Vorwegnehmen von eingebildeten Nachteilen, sein Floaten mit dem Tageskurs der Empörerei könnten die wirkliche Gefahr für das Ansehen seines Unternehmens bedeuten.

(Hervorhebungen nicht im Original.) Hier spricht Sloterdijk nicht nur von einer Gefahr für die Deutsche Bundesbank, sondern von Gefahren für die deutsche Gesellschaft überhaupt. Und ausgerechnet solche gefährlich-opportunistischen "Leistungsträger" soll man bei einer allgemeinen Beurteilung von "Leistungsträgern" in die gleiche Kategorie stecken wie jene - wenigen? - anderen "Leistungsträger", die nicht opportunistisch sind, nicht lethargisch sind und darum - nach Meinung von Sloterdijk - nicht die "Zukunft blockieren"?

Erst wenn man "Leistungsträger" nicht mit "Besserverdienenden" gleichsetzt und wenn man aus der Gruppe der Besserverdienenden (ebenso wie aus der Gruppe der weniger gut Verdienenden) jeweils den Anteil der Nicht-Opportunisten als einen speziellen Fall betrachtet, wird es doch sinnvoll, von einem "Aufbruch der Leistungsträger" überhaupt zu sprechen. Wollen wir denn einen Aufbruch in Bezug auf die "Leistungen" auf dem Gebiet des Opportunismus? Auf dem Gebiet der Feigheit? Auf dem Gebiet der (altchinesischen) Lethargie? Die entscheidende Frage ist doch: Wer sind denn die eigentlichen Leistungsträger in einer Gesellschaft?

Wo werden gesellschaftsstabilisierende Leistungen erbracht?

Erkennt man sie etwa - wie plump! - an dem Gehalt, das sie aufgrund ihrer "Leistungen" - etwa gar auf dem Gebiet des Opportunismus (?) - auf ihr Bankkonto überwiesen bekommen?

Nein. Die wichtigste gesellschaftsstabilisierende und -weiterführende Leistung ist es heute - "Studium generale" machte schon häufiger darauf aufmerksam -, wenn Eltern Kinder groß ziehen. Das kann doch nicht so schwer zu verstehen sein. Sollte das einem so klugen Kopf wie Peter Sloterdijk nicht endlich auch irgendwann einmal zugänglich sein? Daß zu aller Motivation, zu aller Fähigkeit für Leistung ein heiles Elternhaus die beste Grundlage ist?

Wer wenn nicht Eltern würden - zumindest doch ihrem eigenen Ideal nach - sogar jene "thymotischen Tugenden" des großzügigen Gebens alltäglich leisten, die Peter Sloterdijk so ganz richtig in unserer Gesellschaft - ansonsten - so sehr vermißt? Eines der Hauptprobleme unserer Gesellschaft ist doch, daß wir noch nicht einmal mehr großzügig genug sind, um überhaupt genügend Kindern das Leben zu schenken. - Oder sollte man diese thymotischen Tugenden wiederum ausgerechnet bei den vielen Opportunisten unter den "Besserverdienenden" suchen? Wie viele unter den Besserverdienenden gehören nur deshalb zu ihnen, weil sie insbesondere einer einzigen "Tugend" folgen, nämlich dem Opportunismus und dem eigenen Vorteil?

Auch Peter Sloterdijk läßt - wieder einmal - die entscheidendste, gesellschaftsstabilisierende Leistung außen vor. Obwohl er andererseits - wie Thilo Sarrazin - herrlich davon reden kann, wie schwierig es ist, die Kinder von Menschen anderer Kulturen zu integrieren. Also die Kinder jener, die zu den aus dem Ausland eingeführten "Streikbrechern" gezählt werden müssen, die den deutschen Geburtenstreik brechen. Aufgrund dieser ständigen Nachfuhr von Streikbrechern muß der offenbar so notwendige, schon Jahrzehnte lang anhaltende "Geburtenstreik" unter den Deutschen in Wirkungs- und Folgenlosigkeit verpuffen. Womit kein ausreichender Veränderungsdruck wirksam werden kann in Richtung einer Verbesserung der Lebensbedingung von Eltern, von in Lebenspartnerschaft lebenden Menschen und von Single's, die sich Kinder wünschen. Also insgesamt von grob sechs bis acht Millionen Menschen, die sich derzeit ihren vorhandenen Kinderwunsch - aufgrund von erforschbaren Ursachen - nicht erfüllen. (siehe St. gen.)

Wenn man dieser Gruppe von Leistungswilligen und Leistungsträgern nach jeder Richtung hin gerecht geworden ist, dann darf man sich - gerne - auch auf andere Gruppen, etwa auf die besondere Gruppe der Leistungsträger unter den Besserverdienenden konzentrieren.

Welcher Moral entspringen gesellschaftsstabilisierende und -weiterführende Leistungen?

Aber hat sich eigentlich Sloterdijk ausreichend klar gemacht, wie Leistungen auch im beruflichen Bereich überhaupt zustande kommen? Wie eigentlich die menschlichen Motivationssysteme beschaffen sind, die - auf die eine oder andere Weise - gesellschaftsstabilisierende und gesellschaftsweiterführende Leistungen hervorbringen? Oder konkreter: Woher stammt die Motivation, kein Opportunist zu sein, nicht in der einen oder anderen Weise nur angepaßt zu sein, mitzuschwimmen im Strom? Das ist doch die entscheidende Frage.

Und: Kann diese Motivation überhaupt mit Geld bezahlt werden? Mit Steuervergünstigungen? Mit dem Abbremsen von Steuererhöhungen? Was für eine Trivialmoral wird hier wiederum vertreten?

Über die menschlichen Motivationssysteme kann man sich informieren bei Joachim Bauer oder bei Konrad Lorenz. Auch ein Nachdenken über die protestantische Ethik und ihre geistesgeschichtlichen Wurzeln (Rechtfertigungslehre von Martin Luther) könnte viel zu Tage bringen: Ist es allein die auch von Peter Sloterdijk umsonnene, schon im Alten Testament und im Mittelalter favorisierte "tit-for-tat"-Moral und ihr möglichst reibungsloses Funktionieren, die unsere Gesellschaft voranbringen wird?

Herr Peter Sloterdijk! Hören Sie, womit Sie mit Ihren "thymotischen Energien" noch hinkommen, wenn Sie diese einmal konsequent zu Ende denken? Sie rufen nach einer neuen "Reformation". Also nach einem neuen Martin Luther. Welcher Art waren die "thymotischen Energien", die Martin Luther zur Entfaltung brachte? Entsprangen sie im tiefsten Kern der "tit-for-tat"-Moral?

Wie kam nach Martin Luther der Mensch mit sich selbst ins Reine? Indem er Gutes tat, um in den Himmel zu kommen? Nein, indem er das Gute um seiner selbst willen tat. Allein um des Guten selbst willen. Um keines anderen Grundes willen. Und das ist doch die große, "thymotische Großzügigkeit" im guten Handeln, nach der Sie suchen. Muß man bibelgläubig sein, um eine solche Moral leben und allgemeingültiger formulieren zu können?

Dienstag, 1. Dezember 2009

Arbeitslosigkeit - ein Grund zum Heulen?

Hartz IV - das Überbleibsel christlicher und materialistischer Wirtschaftsordnung

"Hartzen" ist zum Jugendwort des Jahres 2009 erklärt worden. (Welt) Heinz Buschkowsky, der inzwischen schon fast deutschlandweit bekannt gewordene Bürgermeister des "Berliner Problembezirkes" Neukölln, sagt:
Wenn man Jugendliche fragt, was wollt ihr werden, antworten sie: Ich werde Hartzer.
Unsere Gesellschaft hat - offenbar - ein Problem. Sie kann mit freier Zeit nicht sinnvoll umgehen. Sie hat - immer noch - richtiggehend ein schlechtes Gewissen bezüglich des Umstandes, daß Menschen freie Zeit haben. Insbesondere: "Zu viel" freie Zeit. Es sind - offenbar - die gleichen Probleme, die lebenslange Sklaven haben, wenn sie aus ihrer Sklaverei befreit werden. Mit ihrer Freiheit können sie nichts anfangen. Die äußeren Ketten haben sich längst in innere Ketten umgewandelt.

Warum freuen wir uns nicht darüber, daß wir - endlich - weniger arbeiten müssen und doch eine Wohnung haben und uns satt essen können und uns ausreichend kleiden können und uns vieler sonstiger Annehmlichkeiten einer fortgeschrittenen Gesellschaft erfreuen können? Warum flößen wir uns selbst und anderen dauernd so ein schlechtes Gewissen ein, wenn wir "nur" das sind: Mensch. Woher kommt dieses: "nur"?

Hier steht eine Gesellschaft auf dem Kopf. - Woher kommt das?

Könnte so das Ergebnis einer Jahrtausende langen sozialpsychologischen Dressur in christlicher - das heißt in mittelalterlicher, benediktinischer und in neuzeitlicher, protestantischer - Arbeitsethik aussehen?*) Und haben sich selbst jene von dieser Dressur innerlich noch nicht befreit, die inzwischen schon lange - aber eben vielleicht doch nur äußerlich - zu "Atheisten" geworden sind? Versteht sich: zu materialistischen Atheisten?

Warum freuen wir uns eigentlich nicht über Arbeitslosigkeit? Warum jubeln wir darüber nicht? Warum sehen wir in der aktuellen Ausgabe der Gewerkschaftszeitung von "Verdi" --> weinende Menschen, wie man sie bei der Insolvenz eines solchen Arbeitgebers wie "Quelle" fotografieren kann. Zumindest - offenbar - in Nürnberg? Was für eine Sklavensprache spricht aus derartig scheußlichem Weinen? Und aus einer solchen Gewerkschaftszeitung?

Warum diese "Mißtrauensgesellschaft"?

Dabei sind viele Berufe, die bei "Quelle" ausgeübt wurden, nach mehreren offiziellen Gutachten - wie sogar der gleichen Ausgabe der Gewerkschaftszeitung zu entnehmen ist - gesundheitsschädlich und inhuman. 80 Prozent derjenigen, die sie bislang ausgeübt haben, wollen diese Tätigkeit deshalb auch nicht bis zur Rente fortsetzen. So etwa die Tätigkeit eines "Call Center Agenten" (s. S. 22 der aktuellen Verdi-Zeitung). Sollten es wirklich die vielen Call Center Agenten sein, die bei der Insolvenz von "Quelle" das große Heulen bekommen haben?

Was für eine phantasielose Gesellschaft, die bei der Arbeitslosigkeit anderer Menschen oder bei der eigenen ein schlechtes Gewissen bekommt. Für die Arbeitslosigkeit ein Grund zum Weinen ist. Eine Gesellschaft, die ein schlechtes Gewissen dabei hat, den Menschen ein ordentliches, auch von Bundespräsident Horst Köhler als erwägenswert erachtetes, bedingungsloses Grundeinkommen, ein Erziehungsgehalt - oder auch nur ein Betreuungsgeld - zu zahlen.

Eine Gesellschaft, die als die eigene Handlungsleitlinie und die anderer noch überall die biblische Lohn-Straf-Moral vorauszusetzen scheint: Man tue das Gute nur, wenn man dafür - ordentlich - bezahlt wird, bzw. wenn man ausreichend kontrolliert wird (im Diesseits oder im Jenseits). Und wenn man nicht bezahlt wird, nicht kontrolliert wird, tue man das Gute Bitteschön auch nicht. Man sei doch - Bitteschön - kein "Idiot". Oft "darf" man - nach regulärer Gesetzeslage - Gutes gar nicht tun, ohne sich dafür bezahlen zu lassen. Denn man könnte ja dann Menschen eine Arbeit wegnehmen, die diese nur leisten, wenn sie etwas dafür bekommen. Wie viele Dinge stehen hier denn eigentlich gleichzeitig Kopf? Wieviele menschliche Verbiegungen, Verkrüppelungen verbergen sich denn hinter derartigen Einstellungen?

Ist es vor allem das (altruistische?) Bestrafen, das unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt aufrecht erhält?

Nirgends in der Gesellschaft gibt es Stellen, die andere, lebensfrohere, lebensfröhlichere Einstellung fördern als diese von so typisch christlichem Mißtrauen in die menschliche Natur geleiteten Menschenbilder. Selbst die von zumeist atheistischen Wissenschaftlern angebotene "Evolutionäre Ethik" hat da bislang nur wenig zu bieten. Muß man sich da wundern, daß Mißtrauen und schlechtes Gewissen hochkommen, wenn von Geldleistungen die Rede ist, die "bedingungslos" sind? Und wenn von guten Taten die Rede ist, die "bedingungslos" sind?

Wie soll Vertrauen in die eigene Menschlichkeit und in die anderer entstehen, wenn wir uns ständig gegenseitig weiter im Teufelskreis, im Hexenkessel des Mißtrauens und des Materialismus belauern? Wenn wir uns gegenseitig belagern, begaunern und ausbeuten, da auch der Mißtrauen-geleitete "Third-Party-Punishment"-"Altruismus" die Gesellschaft insgesamt nicht mehr zusammenzuhalten und funktionsfähig zu erhalten scheint? (Zu letzterem siehe frühere Beiträge auf St. gen..)

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*) Der römische Historiker des 1. Jahrhunderts n. Ztr., P. C. Tacitus, berichtet in seiner "Germania", daß die Germanen seiner Zeit kein schlechtes Gewissen hatten, wenn sie faulenzend auf ihren Bärenfellen lagen. Die Christianisierung bewirkte hier einen klaren Wertewandel. Aber soll dieser Wertewandel auf dem Gebiet der Arbeitsethik der letzte Wertewandel der Geschichte bleiben? Auch heute?
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