Sonntag, 31. Januar 2010

Wie rekrutieren Jesuiten "Gruppenleiter für Jugendliche"?

Der katholische Priester und die Jugend (Filmszene, siehe: Tagesspiegel)

- Und woher kommt die Vorliebe für Männerbünde in rechtskonservativen Kreisen?

In seiner berühmten "Secret-Society"-Rede vom 27. April 1967 hat sich John F. Kennedy zwei Jahre vor seiner Ermordung ganz grundsätzlich gegen Geheimdienste, gegen geheime Gesellschaften, gegen geheime Eide und gegen geheime Vorgehensweisen in der Politik ausgesprochen (1). Menschen, die sich in der Nachfolge des großen Demokraten John F. Kennedy mit den Themen Geheimdienste, Geheimpolitik, gelenkte Demokratie, politischer Mord und mit den Thesen der 9/11-Wahrheitsbewegung beschäftigen, haben ihre Aufmerksamkeit bisher nur sehr selten auf das Wirken des politischen Katholizismus gerichtet. Dabei wird bei diesen Themen immer wieder auch das Hineinspielen von "vatikanischer Politik" deutlich, etwa beim Thema "P2-Loge" in Italien.

Der Mann hinter Adenauer

Und umgekehrt erfahren Katholiken ihre Institution immer wieder als eine, in der so gehandelt wird, als wäre das Erringen von Macht über Menschen von großer Bedeutung für wahrhafte Religiosität. Allerdings scheinen die Methoden dabei - zumal in der Jugenderziehung - oft immer noch sehr "eigene" zu sein.

Auch "Studium generale" ist erst durch eine neue zeitgeschichtliche Dokumentation über Hans Maria Globke, den "Mann hinter Adenauer", der Einfluß wieder voll bewußt geworden, den der politische Katholizismus nicht erst seit der Gründung der westdeutschen Demokratie in Deutschland, sondern letztlich seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges auf den Geschichtsverlauf ausgeübt hat (2). Und eine der wesentlichsten Speerspitzen dieses politischen Katholizismus war seit jeher, das wird einem durch die derzeitige Berichterstatttung über drei "Elite"-Gymnasien in Berlin, in St. Blasien und in Hamburg wieder bewußt gemacht (s.u.): der Jesuitenorden. (Wikip.)

Die Männer hinter Kaiser Ferdinand II.

Ein anschauliches Beispiel für das Wirken des politischen Katholizismus allgemein und des Jesuitenordens im Besonderen ist die Regierungszeit des Kaisers Ferdinand II. (1578 - 1637), des deutschen, Habsburgischen Kaisers während des Dreißigjährigen Krieges. Dieser war es, von dem überliefert ist, daß er lieber eine Wüste, als ein Land mit Ketzern beherrschen wollte. Er war durch Jesuiten erzogen worden und Jesuiten waren Zeit seines Lebens seine Beichtväter. In seiner Regierungszeit wurde nicht nur Österreich rekatholisiert und unter Wallensteins Armeen Böhmen. Nein, Wallensteins Armeen drangen schließlich bis zur Ostsee vor. Erst da wachte der "Löwe aus dem Norden", König Gustav Adolf von Schweden, auf und wurde zum Verteidiger des Protestantismus in Europa - freilich mit Armeen, die dann wiederum vor allem Deutschland verwüsteten.

Als schließlich deshalb sogar so ein brutaler katholischer General wie Wallenstein zum Frieden neigte, wurde er ohne Widerspruch des Kaisers in Eger ermordet (siehe zeitgenössische Grafik rechts). Von dem Kaiser, in dessen Regierungszeit dieser Tiefpunkt der deutschen Geschichte fiel, heißt es dann auf Wikipedia:
Er war (...) unselbständig in seinen Meinungen und ganz abhängig von seinen Räten und Beichtvätern, von denen insbesondere der Jesuitenpater Wilhelm Lamormaini großen Einfluss auf den streng gläubigen Kaiser hatte - Ferdinand II. soll ihm "bis zum blinden Gehorsam" vertraut haben. Dies ist nicht verwunderlich, da Ferdinand II. der Kirche und ihren Dienern mit Fanatismus ergeben war und der Sieg der katholischen Religion über die Ketzer sein höchstes Ziel gewesen ist.
Der Dreißigjährige Krieg, so mag mancher sagen, ist lange her. Man weiß aber auch von der tiefen Feindschaft des politischen Liberalismus im 19. Jahrhundert gegen den Jesuitenorden. Man denke etwa an das Gedicht "Jesuitenzug" von Gottfried Keller aus dem Jahr 1843.

Und man weiß auch von der tiefen Feindschaft eines antiliberalen, konservativen Katholizismus gegen das Reich Otto von Bismarcks und von dem dadurch ausgelösten Kulturkampf. Man weiß, wie es insbesondere der Jesuitenorden war, der das in weiten Teilen protestantisch gewordene Polen zurück in den Schoß der römisch-katholischen Kirche führte und damit insbesondere in Frontstellung zum protestantisch gebliebenen, preußischen Nachbarreich brachte.

Der Geist der Gegenreformation nach 1945

Wer sich über das Wirken des Geistes der Gegenreformation auch noch lange nach 1945 kundig machen möchte, kann auch das Buch "Nicht nur die Steine sprechen Deutsch" des Journalistenehepaares Elisabeth und Peter Ruge aus dem Jahr 1985 lesen (3). Die Ruges haben mehrere Jahre in Warschau gelebt und haben in ihrem Buch sehr genau den Geist der Gegenreformation geschildert, auf den sie damals noch in Ostpreußen oder Schlesien gestoßen waren, wo die vormals deutschen, protestantischen Kirchen in einem triumphalen Gestus wiederum in katholische umgewandelt worden waren oder zu jener Zeit immer noch wurden.

Ein ausgesprochener Vertreter des politischen Katholizismus mußte das Jahr 1945 ganz allgemein als ein Jahr des größten Triumphes der Geschichte der Gegenreformation erleben: Ein Kernland des Protestantismus, Preußen, war zerschlagen worden, die preußischen Kernländer des Protestantismus waren rekatholisiert worden. Dazu paßt, daß die Adenauer-Zeit eine Zeit rheinisch-katholischer, anti-preußischer Restauration in Deutschland genannt werden muß. Heute ist es auch in der Zeitgeschichtsforschung allgemein anerkannt: Konrad Adenauer war gegen die Wiedervereinigung, weil er katholisch und damit anti-preußisch und anti-protestantisch war. Immer noch galt - vielleicht in leichten Abwandlungen - das Wort: Lieber eine Wüste beherrschen, als ein Land mit Ketzern. Noch heute ist Ostpreußen im Vergleich zu der Zeit vor 1945 in weiten Teilen verwildertes, wüstes Land. Trauer oder Entsetzen wird darüber selten bis nie geäußert.

Nicht nur die osteuropäischen Juden haben bis 1945 beim Vatikan nicht ausreichende Fürsprecher gefunden. Desselbe gilt auch für die deutschen Vertriebenen, die ebenfalls Opfer in Millionenhöhe zu beklagen hatten. Ebenfalls neben dem Heimatverlust selbst.

Auffällig ist bei der Beschäftigung mit dem Thema Hans Maria Globke auch besonders (2), daß Konrad Adenauer, obwohl er dadurch für politische Gegner so deutlich erpreßbar geworden war, so eisern an dem so stark durch seine NS-Aktivitäten diskreditierten Hans Maria Globke festgehalten hat. Das scheint noch unbekannte Ursachen zu haben. Globke könnte trotz seines unauffälligen Auftretens als ein viel bedeutenderer Mann angesehen worden sein von Adenauer und von Kräften im Vatikan, als das nach außen hin deutlich gemacht worden ist und deutlich geworden ist bis heute. Wer weiß, in welchen bislang geheim gebliebenen "Bindungen" er stand.

Reaktion auf Priestermangel: Zusammenarbeit mit Laien

Was ist eigentlich alles über das Wirken des politischen Katholizismus unbekannt geblieben angesichts der "Proteuskünste", die der Jesuitenorden schon seit Jahrhunderten ausübt in vielen Ländern der Erde (siehe unten)? - Über den Jesuitenorden von heute lesen wir auf Wikipedia (Wikip.):
Mit knapp 19.000 Mitgliedern, Brüdern und Priestern, ist der Jesuitenorden zahlenmäßig der größte der katholischen Kirche. (...) Der Orden verlor seit den 1970er Jahren etwa ein Drittel seiner Mitglieder und ist derzeit von akuter Sorge um seine zahlenmäßige Vorrangstellung unter den Orden und im kirchlichen Einflussbereich gekennzeichnet. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Zusammenarbeit mit Laien wichtig geworden. Der Orden versucht deshalb, verschiedene Gruppierungen zu fördern, die in seinen Werken mitarbeiten oder auch andere inhaltliche Schwerpunkte des Ordens teilen. Zu diesen Mitarbeitern gehört die "Gemeinschaft christlichen Lebens", die ignatianischen Assoziierten, die Volunteers, sowohl die Jugendlichen, als auch die Senioren und andere.
Gerade diese "Gemeinschaft christlichen Lebens" rückt gegenwärtig in den Mittelpunkt der Presse-Berichterstattung über das Canisius-Gymnasium der Jesuiten in Berlin. Zeitgeschichtlich Belesene werden aufmerken, wenn ihnen mitgeteilt wird, daß die Vorgänger-Organisation dieser "Gemeinschaft christlichen Lebens" die "Marianischen Kongregationen" gewesen sind. Diese haben in den 1920er und 1930er Jahren im politischen Katholizismus eine große Rolle gespielt, eine Rolle, die sie nach 1945 auch so verrufen gemacht haben dürfte, daß man es für geraten ansah, den Namen zu ändern.

Reaktion auf Priestermangel: "Marianische Kongregationen"

Aber nun die entscheidende Frage: Wie rekrutieren die "Marianischen Kongregationen", bzw. heute die "Gemeinschaft christlichen Lebens" eigentlich ihre leitenden Mitglieder?

Dies ist einer Durchsicht von Presseberichten zu den derzeit bekannt werdenden Vorfällen in einem Elite-Gymnasium der Jesuiten in Berlin noch nicht sehr genau zu entnehmen. Zahlreiche Details sind aber schon bekannt geworden (BZ, 29.1., Bild, 29.1., St. Ztg., 29.1., Tagessp., 30.1., Stern, 30.1., BZ, 30.1., s.a. Video's beim RBB) und Umrisse zeichnen sich ab. Der eigentliche Hintergrund all dieser Mißbrauchsfälle scheint besonders den Berichten ehemaliger Schüler dieser Schule auf dem Internetblog "Spreeblick" (28.1.ff) entnommen werden zu können. Dort liest man nämlich im gestrigen 28. Leser-Kommentar:
Ich war in der betreffenden Zeit am Canisius-Kolleg und (...) ging auch zu den sogenannten “Gruppenstunden”.

Gemeint sind freiwillige, nachmittägliche "Gruppenstunden" der vormals "Marianischen Kongregation", heute der "Gemeinschaft christlichen Lebens", die von Jesuitenpatern angeleitet wurden. Also jener Organisation, die unter katholischen Laien den fehlenden Priesternachwuchs der katholischen Kirche allgemein und des Jesuitenordens im Besonderen kompensieren sollte.

Auswahlkriterium für "Elite": Bereitschaft, über Geschlechtliches zu sprechen

In diesen "Gruppenstunden" wurde zu "Einzelgesprächen" über das Geschlechtsleben der jugendlichen Schüler eingeladen und "individuelle Hilfe angeboten", so berichtet der ehemalige Schüler. Nahm man dieses Angebot aber nicht an, war das mit dem Nachteil verbunden, als "Gruppenleiter" nicht weiter infrage zu kommen.

Jesuitenpater erhalten in St. Blasien die Priesterweihe (2009) (Südkurier)

Der ehemalige Schüler schreibt, daß er diesen Einladungen dennoch nicht nachgekommen sei, weil er schon damals der Meinung gewesen ist, daß die Schule sein Geschlechtsleben nichts anginge. Er war auch evangelisch und gehörte wohl schon von daher nicht gerade zum Kern-Rekrutierungspotential der Jesuitenpater. Er schreibt jedoch über die Konsequenz seiner Entscheidung:

Damit waren meine Aussichten, zum Gruppenleiter für die Jüngeren zu werden, erledigt und ich verließ die Gruppe und dann nach zwei Jahren die Schule.
Man muß sich das einmal vorstellen. "Gruppenleiter für die Jüngeren" konnte nur werden, wer bereit war, mit den Jesuitenpatern offen über sein Geschlechtsleben zu sprechen. Weitere Einzelheiten kann man den Presseberichten entnehmen. Sie sind dem Autor dieser Zeilen zu blöde, als sie hier auszuwälzen. Aber was für ein Auswahlkriterium! Ganz und gar unglaublich. Und unter "PS" wird von dem ehemaligen Schüler weiter erläutert:

Ich wurde von meinem Gruppenleiter (älterer Mitschüler) sozusagen gewarnt, was da kommen würde, wenn ich denn selbst einmal eine Gruppe leiten wolle, dann müsse ich auch zu den Einzelberatungen gehen, sonst wird das wohl nichts.

Das heißt: Gruppenleiter bei der jesuitischen "Marianischen Kongregation", respektive bei der jesuitischen "Gemeinschaft christlichen Lebens" konnte nur werden, wer bereit war, in Einzelgesprächen über sein Geschlechtsleben zu sprechen. Da ist es schon sehr naheligend - was die Presseberichterstattung gerade beginnt wahrzunehmen (Berl. Mrgpst.) -, daß dieses Auswahlkriterium und auch die Methodik ("Einzelgespräche") auch von den Ordensoberen so festgelegt worden sind. Was dann die Benutzung der in diesem Zusammenhang schon oft verwendeten Vokabel "systematisch" erklären würde, die bislang unerklärt blieb:

Der Jesuitenorden verlangte von seinen Patern, die Jugendlichen über ihr Geschlechtsleben zu befragen. Wer weiß, was es da noch alles an Anweisungen gegeben hat.

Man bekommt angesichts dieser Tatsachen das Gefühl, daß man über den Jesuitenorden und seine Methoden, also seine spezielle "jesuitische Moral" und die Art der Sündenvergebung nach der Beichte noch viel zu wenig weiß - oder wieder vergessen hat -, um all diese Mitteilungen richtig in einen längerfristigen, historischen Zusammenhang einzuordnen. Dazu wird vielleicht noch einmal an späterer Stelle ein Beitrag hier auf dem Blog erscheinen. (Inzwischen weiteres zu diesem Thema: Spreeblick, Komm. 467, bzw. Berliner Ztg, 10.2.10: “Es war eine Gehirnwäsche wie in einer Sekte”.)

Die Fähigkeit zur "Proteuswandlung" der Jesuitenpater

Hier soll abschließend zunächst einmal nur noch der Kulturhistoriker Johannes Scherr (1817 - 1886) (Bild links) zitiert werden, ein liberaler Revolutionär von 1848, der sich intensiv mit der Auswirkung des Jesuitenordens auf die deutsche Kultur- und Sittengeschichte beschäftigt hat. Dies ist ja nicht das erste mal, daß dieser Orden außerordentlich harsche Kritik in der Öffentlichkeit erfährt.

In seinem Buch "Letzte Gänge", 1887 posthum ein Jahr nach seinem Tod erschienen (1, Google Books), schrieb Johannes Scherr auf den Seiten XII bis XVII über die "Proteuswandlungen" der Jesuitenpater. Vielleicht auch über solche, wie sie angesichts der gegenwärtigen Vorwürfe wieder zu gewärtigen sind. Und darin schrieb er unter anderem auch über "eine Moraltheologie, welche durch ihre Klauseln und Vorbehalte leicht in ein Lehrbuch des Lasters sich verwandelte":
Der Jesuitismus wollte die ganze Erde zu einer Art Gottesstaat im Sinne des Katholizismus machen, dessen Verfassung das römisch-katholische Dogma war, zu einer Domäne des Papsttums, welche aber nur ein Werkzeug in den Händen des Ordens sein sollte und gewöhnlich auch war. Jedem zweifelnden und rebellischen Gedanken nicht nur, nein, dem Gedanken überhaupt auf den Kopf zu treten, an die Stelle des Denkens ein verschwommenes Fühlen zu setzen, mit unerhörtester Systematik und eiserner Folgerichtigkeit die Verdumpfung und Verknechtung der Massen durchzuführen, die gescheiten Köpfe, wie die Reichen und Mächtigen, die einflußreichen Leute jeder Art durch blendende Vorteile an sich zu fesseln, die vornehme Gesellschaft zu gewinnen mittels einer Moraltheologie, welche durch ihre Klauseln und Vorbehalte leicht in ein Lehrbuch des Lasters sich verwandelte, die Armen durch Beachtung ihrer materiellen Bedürfnisse zum Danke zu verpflichten, hier der Sinnlichkeit, dort der Habsucht, heute der Gemeinheit, morgen dem Ehrgeize zu schmeicheln, alles zu verwirren, um alles zu beherrschen, die Zivilisation mählich herabzudrücken zu einer bloßen Vegetation und die Menschheit schließlich umzuformen zu einer Schafherde: darauf ging die Gesellschaft Jesu aus. (...)

In vielfältiger Proteuswandlung und dennoch stets dieselbe, so führte sie nimmerrastenden Krieg gegen den neuzeitlichen Geist. Alles wurde auf diesen Zweck bezogen, und alles mußte demselben dienen. Der Jesuit war Gelehrter, Staatsmann, Krieger, Künstler, Erzieher, Beichtiger, Arzt, Jurist, Missionar, Krankenpfleger, Kaufmann, je nach den Umständen und dem Gutfinden seiner Oberen, aber allzeit blieb er Jesuit. Er verband sich heute mit den Fürsten gegen die Völker, um vielleicht morgen schon, wenn bei veränderter Konstellation der Vorteil seines Ordens es heischte, mit den Völkern wider den Fürsten zu stehen und zu gehen. (...) Die äußere Verwandlungsfähigkeit und das Anbequemungstalent des Jesuitismus waren in Anbetracht der Starrheit seines Prinzips doppelt erstaunlich. (...)

Er beruhigte das Gewissen des vornehmen Herrn, welcher seine Stieftochter verführt hatte, wie das der großen Dame, welche mit ihren Lakaien Ehebruch trieb. Für alles wußte er Rat oder Trost, für alles Mittel und Wege. Er entwarf mit gleicher Geschicklichkeit Staatsverfassungen, Feldzugspläne und riesige Handelskombinationen. Er war ebenso gewandt im Beichtstuhl, Lehrzimmer und Ratsaal, wie auf der Kanzel und auf dem Disputierkatheder. Er konnte die Nächte hinter Aktenfaszikeln verwachen, mit unbefangener Sicherheit auf dem glatten Parkett der Paläste sich bewegen und mit ruhiger Fassung die Pestluft der Lazarette einatmen. (...) Er vermochte abwechselnd als Zelot oder Freigeist, als Kuppler oder Moralist, sich aufzuspielen. (...) Überall war er daheim, denn er hatte kein Vaterland, keine Familie, keine Freunde, denn ihm mußte das alles der Orden sein, für welchen er mit bewunderungswürdiger Selbstverleugnung und Tatkraft lebte und starb. Nie, fürwahr, hat der Menschengeist ein ihm gefährlicheres Institut geschaffen, als den Jesuitismus, und nie hat ein Kind mit so rücksichtsloser Entschlossenheit seinem Vater nach dem Leben gestrebt wie dieses.
Jesuiten sind ein klassischer Fall von "geheimer Gesellschaft", das soll durch dieses Zitat vor allem bewußt gemacht werden. Denn sie waren noch nie verpflichtet, Ordenstracht zu tragen. Wenn sie in einem Land verboten waren - oder in bestimmten Kreisen "wieder einmal" einen schlechten Ruf weg hatten -, hielten sie ihre Mitgliedschaft zu ihrem Orden einfach geheim, übten einen weltlichen Beruf aus, waren oft sogar verheiratet und Familienväter. Und wirkten dennoch fanatisch für die Ziele ihres Ordens und für die gegenreformatorischen Ziele der katholischen Kirche. So ähnlich handelte ja auch Hans Globke, wie er später vorgab, unter den Nationalsozialisten. Er wäre gar nicht Nationalsozialist der Gesinnung nach gewesen, sondern habe nur als Kontaktmann für den Vatikan bei den Nationalsozialisten mitgearbeitet und um dort "Schlimmeres zu verhüten", wie es dann immer so schön heißt. Und warum sollte diese "Schutzbehauptung" nicht stimmen? Sie würde dann aber auch viel darüber aussagen, zu welcher Verstellung politisch engagierte Katholiken, insbesondere auch Jesuiten fähig sein könnten. Besonders schwer jedenfalls scheint es ihm nicht gefallen zu sein.

Vorliebe für das Thema "Männerorden"

Wenn ein Orden unbedingten Gehorsam von seinen Mitgliedern fordern kann ("Kadavergehorsam"), dann kann er natürlich von seinen fanatischen Angehörigen viel verlangen, was andere Organisationen von ihren Mitarbeiten und Angehörigen weder fordern können, noch vielleicht auch fordern wollen. All das will berücksichtigt sein bei der Beurteilung des Gebildes Jesuitenorden - auch heute.

So wie der politische Katholizismus immer schon in rechtskonservativen Kreisen einen Schwerpunkt seiner Anhängerschaft hatte, so kann das natürlich auch heute noch beobachtet werden. In diesen Kreisen wird immer auch mit besonderer Vorliebe über "Männerbünde" philosophiert - und zwar in der Beurteilung häufig wohlwollend-neutral, selten empört oder ausgesprochen kritisch und in aufklärerischem Geist. Man fühlt sich da sehr gerne noch dem Geist des Mittelalters stärker verbunden als dem Geist der Aufklärung.

Solche Dinge gelten auch für einen Autor wie Ernst Jünger, der über geheime Hintergründe in der Politik gerne "munkelte" und "raunte" oder schwülstig philosophierte, aber selten oder nie eine einfache und klare, deutliche Aufklärung gegeben hätte. So ähnlich handeln auch heute noch die große Mehrzahl seiner Anhänger.

Durch solche Umstände und weiterhin durch eine oft sehr "besondere" Einstellung gegenüber dem Weiblichen ganz allgemein ist die innere Ausrichtung solcher rechtskonservativer Kreise und ihrer "männerbündlerischen" Hintergründe wohl am ehesten gekennzeichnet. Und gerade um solcher Umstände willen geht von diesen Kreisen auch oft eine ungeheure Lähmung eines gesellschaftlichen Aufbruchwillens aus, von dem sie selbst behaupten, sie würden ihn - zumindest in Teilen - sogar verkörpern.

Diese Lähmung geschieht beispielsweise auch durch ein Herabspielen der Bedeutung der modernen naturalistischen Weltsicht oder durch Mißdeutungen derselben. Denn eine naturalistische Weltsicht ist natürlich mit Monotheismus nicht mehr zu vereinbaren. Sie gibt aber Anlaß, viele Dinge viel grundlegender zu durchdenken, als das bislang zumeist geschehen ist. All solche Umstände darf man nicht nur als unbedeutende gesellschaftliche Randerscheinungen abtun. An solchen Umständen können Gesellschaften auch zugrunde gehen. Mangelnde "Mindestproduktion von innovativem Wandel" ist das von dem amerikanischen Anthropologen Joseph A. Tainter schon im Jahr 1990 genannt worden (5).

Literatur

1. Bading, Ingo: "Schon das WORT Geheimhaltung ist abstoßend ...". John F. Kennedy wollte geheime Gesellschaften und Geheimdienste zerschlagen. Studium generale, 22.10.2009
2. Bading, Ingo: Hans Globke, der politische Katholizismus und Israel. Studium generale, 13.12.2009
3. Ruge, Elisabeth; Ruge, Peter: Nicht nur die Steine sprechen Deutsch. Polens deutsche Ostgebiete. Langen Müller, München 1985, 1993 (Bücher).
4. Scherr, Johannes: Letzte Gänge. W. Spemann, Berlin, Stuttgart 1887 (Faksimile 2006, frei zugänglich auf --> Google Books; s.a. Bücher)
5. Tainter, Joseph A.: The Collaps of Complex Societies. Cambridge University Press, 1990 (Bücher)

Dienstag, 26. Januar 2010

Margot Käßmann - inquisitorisch befragt im Ersten Deutschen Fernsehen

Die inquisitorische Art und Weise, in der Reinhold Beckmann am 11. Januar 2010 im Ersten Deutschen Fernsehen Margot Käßmann wiederholtermaßen gefragt hat, ob sie zu dem stehen würde, was sie über Afghanistan gesagt hat, erinnert einen "irgendwie" an eine andere inquisitorische Befragung durch einen anderen TV-Moderator. Damals ging es um eine andere Frau. (Eva Herman, befragt durch Johannes B. Kerner.)

Und man gewinnt den Eindruck, daß die dahinter stehende "Regie" und Absicht nicht nur äußerlich eine ähnliche ist. Man gewinnt den Eindruck, daß TV-Moderatoren von bestimmten politischen Kräften dazu benutzt werden, sich dazu benutzen lassen, Meinungen und Personen vor der Öffentlichkeit zu diskreditieren, "an den Pranger zu stellen", anstatt sie einfach als eine Meinung unter vielen zur Diskussion zu stellen.

Deshalb wird dieser Beitrag unter der Rubrik "gelenkte Demokratie" eingeordnet. Die "Befragung" in größerer Vollständigkeit hier:

Beckmann: Margot Käßmann (1/3)
Beckmann:Margot Käßmann (2/3)
Beckmann: Margot Käßmann (3/3)

An anderen Stellen dieser Befragung übrigens fühlt man sich an Prinzessin Diana erinnert, die in ihrem Leben auch an einer Stelle stand, an der eine "Scheidung" etwas eher "Unmögliches" war für die Öffentlichkeit. - Und drittens sollte man es bemerkenswert finden, daß sozusagen, wie Käßmann selbst erzählt, ihre religiöse und politische Erweckung in den frühen 1970er Jahren stattfand, als sie damals anhand des Vorbildes von Martin Luther King feststellte, daß gesellschaftspolitisches Engagement für mehr Gerechtigkeit aus dem religiösen Glauben selbst mehr oder weniger zwangsläufig folgt.

Die Amischen - einige Filmdokumentationen

Was für uns Europäer die naturverbundenen Alpenbewohner sind, die traditionell lebenden Bergbauern (soweit es sie noch gibt) mitsamt den ihnen eigenen "Postkarten-Idyllen", das sind für die US-Amerikaner die "Amish-People", genauer die "Old-Order-Amish" mit ihrer naturverbundenen Lebensweise, mit ihrer Pferde- und Fußgänger-dominierten Lebens- und Wirtschaftsweise, mit ihren vielen Kindern, eben: diese heile Welt.

Aber auch wer sich mit der menschlichen Religiosität aus evolutionärer Perspektive befaßt, der wird ziemlich bald auf den Zusammenhang von Religiosität und Kinderzahl stoßen, wie er insbesondere von dem Religionswissenschaftler Michael Blume thematisiert worden ist. Und auch auf dem Blog "Studium generale" ist das Thema Religionsdemographie schon sehr häufig behandelt worden. Auch etwa anhand der "religiösen Gruppierung" der Anthroposophen kann die Auswirkung von Religiosität auf überdurchschnittliche Kinderzahlen erforscht werden.

Eines der klassischen Beispiele jedoch für den Zusammenhang zwischen Religiosität, Kinderzahl und die Gruppen-stabilisierende Funktion von Religiosität ist die religiös-ethnische Gruppierung der Amischen, bzw. "Amish-People" in Nordamerika. Nach den "Hutterern" sind sie mit durchschnittlich sieben bis acht Kindern pro Frau, bzw. Mann die kinderreichste und sich am schnellsten verdoppelnde Bevölkerungsgruppe weltweit.

Leben in Mehrgenerationenhäusern auf dem Land

Und das, so möchte man sagen, "obwohl" sie Deutsche sind. Denn die sogenannten "Old-Order"-Amischen sprechen noch heute Deutsch als Muttersprache. Sie leben in "Mehrgenerationenhäusern" auf dem Land als Landwirte. Langzeitarbeitslose gibt es bei ihnen nicht. Auf einem Bauernhof, der nicht durchgängig mit modernen Maschinen betrieben wird, werden viele Arme gebraucht.

Sicherlich lebt die Mehrheit der Amischen in Nordamerika sinnvoller als die Mehrheit der Langzeitarbeitslosen und der alleinerziehenden Mütter in Deutschland. Darüber könnte auch einmal etwas gründlicher nachgedacht werden.

Auf "Studium generale" sind ja die Amischen schon häufiger behandelt worden (a, b, c, d, e, f, g). Auch Wikipedia gibt ausführlich Auskunft über diese interessante religionssoziologische Erscheinung.

Im Weltnetz sind nun in den letzten Monaten einige Dokumentar-Filme über die Amischen frei zugänglich geworden (s. a. Wikip.), auf die mit diesem Beitrag hingewiesen werden soll (1 - 5). Dokumentarfilme können oft noch einen besseren Eindruck von vielen Lebenszügen einer solchen Kultur wie der der Amischen vermitteln, als bloß Bücher, Berichte oder Fotos. Auch dann noch, wenn sie das Filmverbot der Amischen berücksichtigen und nur aus der Ferne filmen.

Die besten zugänglichen Dokumentarfilme sind leider auf Englisch. Dazu gehört "The Amish - A People of Preservation", eine Dokumentation, die offenbar schon in den 1970er Jahren entstanden ist (1). Dies ist ein sehr berührender Film. Er ist auch unter der Beratung des Soziologie-Professors John A. Hostetler entstanden, der das Standard-Werk zur soziologischen Erforschung der Amischen verfaßt hat. Und dieser Film ist offenbar, wenn man es recht versteht, im Jahr 2000 überarbeitet und aktualisiert worden (a, b, c).

Ein weiterer, sehr schöner Film, in dessen Mittelteil über längere Strecken die Geschichte der Amischen vielleicht allzu trocken rekapituliert wird - was man auch überspringen kann -, entstand 1998 (2). Auch er ist auf Englisch. Im gleichen Jahr entstand jedoch auch ein sehenswerter deutschsprachiger Dokumentarfilm (3).

Wenn der religiöse Gruppenzusammenhalt verloren geht ...

2008 und 2009 sind nun außerdem noch eine deutschsprachige und ein englischsprachige Dokumentation entstanden (4, 5), die vor allem über Familien berichten, die im Umbruch stehen zwischen einem traditionellen, gemeinschaftsbetonten "Old-Order-Amischen" Lebensstil, den eine neue Generation innerhalb dieser Familien in Teilen kritisch sieht, und dem modernen Lebensstil. Zwischenstufen zwischen beiden gibt es interessanterweise immer weniger.

Es rühren einen die hier dargestellten Probleme unglaublich "modern" an. Mit einem Schlag ist die Welt nicht mehr "amisch", sondern anders.

Diese Filme vermitteln dann also nicht mehr nur jene rundum "heile Welt", den die älteren Dokumentationen vermittelt haben, und die man auch einmal in ihrer Wirkung für sich stehen lassen könnte. Denn die Zahl der Abtrünnigen bei den "Old-Order"-Amischen ist in den letzten Jahren eher zurückgegangen denn gestiegen (siehe ältere Beiträge). Insofern dürften diese beiden letzten Dokumentationen nicht repräsentativ für die Old-Order-Amischen von heute sein. Nur lassen sich eben noch heute "abtrünnige" Amische eher interviewen, als solche, die nicht abtrünnig sind. Schon dieser Umstand für sich selbst berührt einen schmerzhaft: So redselig wie diese Abtrünnigen sind wir ja alle.

Dazu mu3ß man nicht mehr "Amischer" sein ...


Film-Dokumentationen (1975 - 2009):

1. Ruth, John L.: The Amisch - A People of Preservation. Film, 56 Min., Heritage Productions 1975, 1991, 2000. Auf: Veoh.com, auch auf Folkstreams. [24.1.10]
2. Gattuso, James A. Jr.: Reflections of Amish Life. Film, 59 Min., E.I.V. Book & Video Productions, 1998. Auf: Veoh.com. [26.1.10]
3. Berger, Eva-Maria: Die Amish. Ein Bauernhof für unsere Kinder. Film, 59 Min., ORF/3Sat, 1998. Auf: Veoh.com. [26.1.10]
4. Wegner, Wolfgang: Gottes stille Rebellen. Die Amish in den Rocky Mountains. Film, 28 Min., DOC-Team-Productions (ARD/MDR) 2008. Auf: Veoh.com. [26.1.10]
5. Tait, Andrew: Trouble in Amish Paradise. Film, 60 Min., BBC 2, 2009. Auf: Veoh.com. Siehe auch eigene --> Netzseite zu diesem Film.

Sonntag, 24. Januar 2010

Bravo, Frau Landesbischöfin!

"Mehr als fromme Wünsche"

Ein Mensch, der an repräsentativer Stelle wie ein ganz normaler Mensch denkt, redet und handelt. Sie meinen, ein solcher Mensch sei schwer zu finden? Der einfach nur "normal" ist, ohne Über-, aber auch ohne Untertreibungen? Ein Mensch an repräsentativer Stelle, der Jobcenter besucht, sich dort beraten läßt und dort nicht nur gedankenlos zuhört, der Kitas besucht, mit den Menschen dort redet, der Kontakt hat mit Langzeitarbeitslosen und über ihre Situation "etwas" "normaler" reden kann, "etwas" normaler, als mit all den hohlen Phrasen, mit denen man ständig aus Politiker- und "Experten"-Mund buchstäblich zusammen geschlagen wird?

Vielleicht liegt es einfach daran, daß hier ein Mensch zwar auch über Geld redet - aber eben nicht nur? Merkwürdig. Solche Menschen gibt es noch? Und der auch dann, wenn er einmal nicht über Geld redet, noch Glaubwürdiges zu sagen hat? Früher wollte man noch einen Horst Köhler zu dieser Menschengruppe zählen. Aber auch von ihm hört man immer weniger, was die sozialen und emotionalen Brennpunkte unserer Gesellschaft betrifft, und wobei dann einmal auch "mehr als" als bloß "fromme Wünsche" geäußert werden.

Zwischenschub: Ein solcher Mensch erzählte von einem in Afghanistan traumatisierten deutschen Soldaten, der miterlebte, wie zwei seiner Kameraden starben, und der sich fragt: Bei Robert Enke nahmen Zehntausende Anteil. - Und als die Zinksärge seiner Kameraden aus Afghanistan kamen? Oder wenn sie wieder kommen werden?

Ein Mensch also, der an den sozialen Brennpunkten vor Ort ist und der die sozialen Probleme, von denen er hier erfährt, auch in eine Sprache transformieren kann, in einen Diskurs übersetzen kann, den sich viele anhören - vielleicht nicht wollen - aber doch offenbar anhören: müssen? Sogar solche sich äußerlich so C-hristlich ("Partei-christlich") gebende Frauen wie Angela Merkel oder Ursula von der Leyen? Sogar sie? Die noch mehr deutsche Soldaten nach Afghanistan senden möchten, diese Frauen einer Kriegsregierung? Bravo, Frau Angela Merkel? - ?

Von der fortwirkenden, geschichtlichen Kraft des deutschen Protestantismus

"Studium generale" möchte auch meinen, daß ein solcher Mensch schwer zu finden sein sollte - zumindest eben an repräsentativer Stelle. Immer seltener werden dort solche Menschen. Außerhalb dieser erlauchten, aber immer schablonenhafter, "abgezirkelter" redenden Personenkreise findet man solche Leute ja schon häufiger ...

Gestern abend nun jedoch hat auch "Studium generale" einmal wieder im Radio zufälligerweise ein Interview mit einem solchen seltenen Menschen an repräsentativer Stelle gehört. Und wie man sogleich dabei miterfahren konnte - und wie es sich für einen solchen Menschen an repräsentativer Stelle offenbar heute auch "gehört" - bekommt er derzeit die ganze Breitseite der Kritik der vielen, viel zu viel gewordenen Etablierten, Angepaßten und Opportunisten ab.

Wie heißt nun dieser Mensch? Der in solchen Kontroversen steht und doch "streitbar" bleibt? Nicht gleich "klein bei" gibt? Er ist eine "sie". Und sie heißt: Margot Käßmann. Geborene Schulze. Geboren 1958 in Marburg an der Lahn. (Siehe auch die vier Fotos dieses Beitrages.) Die Eltern dieser "sie" waren ein KFZ-Mechaniker und eine Krankenschwester.

Heute ist sie Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Und sie hat das Ohr am Volk, nirgends sonst. - Und einmal erneut ist man erstaunt über die immer noch fortwirkende, historische Kraft des deutschen Protestantismus. Die historische Kraft eines Martin Luther und der "Freiheit eines Christenmenschen". Wäre das nicht einmal ein Anlaß, daß sich auch Peter Sloterdijk mit dieser historischen Kraft etwas genauer beschäftigt im Zusammenhang mit "Zorn und Zeit"? (s.a. St. gen. a, b)

Das gestrige, hörenswerte Interview führte - fast ein wenig zu unverbindlich - Ingo Kahle im "Info-Radio" des RBB. Man kann es sich dankbarerweise vollständig im Netz anhören. (Da sind die Rundfunkgebühren einmal gut angelegt.)


Man muß nicht alle ihre Meinungen in vollem Umfang teilen, z.B. zur Familienpolitik, um dennoch zu sagen, daß man es hier endlich einmal wieder mit einem Menschen zu tun hat, der nicht schablonenhaft redet, der mithin einfach nur "normal" ist, und der dem gesunden Menschenverstand eine Stimme verleiht.

Hören Sie selbst. Insbesondere auch ihre Meinungen über den Zweiten Weltkrieg. Sie sind nicht schablonenhaft. Sie wagt ein eigenes Urteil. Sie wagt, selbst zu denken! 60 Jahre nach Kriegsende. Ungeheuerlich! Aber zumindest über diese Frage will sie sich künftig nicht mehr öffentlich äußern, weil sie deshalb, auch deshalb angegriffen wurde, weil sie die Frage gestellt hat, warum der deutsche Widerstand gegen Adolf Hitler vom Ausland vor und nach 1939 so wenig unterstützt worden ist. Gute Frage! Nächste Frage!

Und natürlich ebenso ihre Meinungen über den Afghanistan-Krieg. Sie fragt, warum nicht versucht wird, den Drogen-Anbau in Afghanistan, über den sich die Taliban offenbar zu großen Teilen finanzieren (- ach ja?), warum da nicht Maßnahmen ergriffen werden.

Nachdem sich Oskar Lafontaine offenbar aus der Bundespolitik zurückzieht, seine Partei weiter davor warnend, ebenso "systemkonform" zu werden, wie es inzwischen die "Grünen" geworden sind, wird eine Margot Käßmann um so wichtiger. Ihre --> Bücher (s.a. rechts) dürften manche weitere lesenswerte Inhalte haben.

Mittwoch, 20. Januar 2010

"Haiti IQ 72"

Durch das furchtbare Erdbeben ist der Inselstaat Haiti derzeit in aller Munde. Auch wird derzeit wieder einmal der Umstand beleuchtet, daß dort seit Jahrzehnten Entwicklungshilfe hineingesteckt worden ist ohne erkennbare Erfolge. Alle rätseln herum und hüllen sich in Worthülsen. Niemand spricht es aus, das Thema, das hier besprochen werden muß: IQ.

Natürlich hat eine Naturkatastrophe wie ein Erdbeben oder eine Flutkatastrophe nichts mit der durchschnittlichen angeborenen Intelligenz einer Bevölkerung zu tun, die es trifft. Eine IQ-starke Bevölkerung wie Japan kann es genauso unvermittelt treffen wie eine IQ-schwache Bevölkerung wie eben die von Haiti oder die von New Orleans. Und das Mitgefühl gehört den Menschen hier wie dort gleichermaßen.

Philippe Rushton, Steve Sailer, Jared Diamond

Aber sucht man gegenwärtig das Netz nach der Behandlung des Zusammenhanges zwischen der Wirtschaftskraft und dem durchschnittlichen IQ der Haitianer durch ("Haiti IQ"), lassen einen selbst die diesbezüglich relevanten Autoren im Stich. Philipp Rushton schrieb schon 2004 über Haiti - aber nur in der Überschrift. (Der Artikel ist natürlich nicht schlecht.) Der über die IQ-Forschung seit Jahrzehnten bestens informierte und informierende Journalist Steve Sailer schreibt derzeit auch über Haiti und über Jared Diamond's "Kollaps", in dem die Leistung vollbracht wird, über hunderte von Seiten hinweg über die Problematik Haiti zu schreiben, ohne das Thema IQ zu erwähnen. Und das als der informierte Anthropologe, als den man Jared Diamond sonst kennt. Aber auch Steve Sailer selbst hat derzeit offenbar die Lust verloren, das von ihm schon vielbehandelte Thema hier einmal erneut auf den Punkt zu bringen. (a, b)

Das ist man von Steve Sailer nicht gewohnt.

"Haiti IQ 72"

Aber schließlich wird man doch noch fündig, auf einer Diskussionsseite antwortet "Gast" "Chen019" auf die Fragestellung

"Why the discrepancy between the Dominican Republic & Haiti?"

Different average cognitive ability may be a factor.

Unterschiedliche intellekutelle Fähigkeiten könnten ein Faktor sein, gewiß. Er wird sogar der ausschlaggebende Faktor sein. Und nach der Nennung einiger akuteller IQ-Literatur, die für den Neuling sicherlich lesenswert ist, sagt "Chen019":

Averages (based on 2006 PISA score):

Dominican Republic IQ 84

Haiti IQ 72

http://www.v-weiss.de/table.html

Die nordamerikanischen Schwarzen haben einen IQ von grob 85. Sie haben aber ihre weißen Mitbürger in der Geschichte offenbar bislang noch nicht so abgemurkst und aus dem Land geekelt wie die Haitianer. Die Schwarzen in Afrika haben einen IQ von grob 65. Haiti liegt also dazwischen. Ein paar weiße Vorfahren haben sich auch hier mit eingemischt, wodurch der durchschnittliche IQ der Haitianer gehoben worden sein wird.

Außerdem wird auf Haiti ein afrikanisch geprägtes Kreolisch gesprochen, kein europäisch geprägtes. Dieser Umstand braucht auch nicht unwichtig sein. Denn Muttersprache prägt nicht ganz unbedeutend Wahrnehmung, Motivation und Verhaltenstendenzen einer Bevölkerung. - Weshalb wir übrigens auch mit unserer eigenen Sprache nicht so ganz achtlos umgehen sollten.

Dienstag, 19. Januar 2010

Füße

Abb. 1: Füße von kenianischen Jugendlichen, die noch niemals in ihrem Leben Schuhe getragen haben - die aber täglich rund 20 Kilometer laufen.

Füße von Menschen, die seit Geburt nie anders als barfuß gelaufen sind, wurden wissenschaftlich untersucht in "Nature", 28.1.10 (a,b):
Ihre Füße sind gesund und kräftig. Und bis vor kurzem sahen die Füße aller Menschen so aus.
Und die Schweizer Seite "Laufanalyse" faßt zusammen:
Laut einer Studie in Fachmagazin "Nature" ist Barfusslaufen gesünder als mit Schuhen. Denn Barfussläufer landen meist mit der vorderen Partie des Fusses, was den Druck besser abfedert. Dagegen kommen drei Viertel der Läufer mit Schuhen auf der Ferse auf, die bei jedem Schritt auf einer nur münzengrossen Fläche das Zwei- bis Dreifache des Körpergewichts auffangen muss. Selbst gute Laufschuhe können den entstehenden Schock nicht abfedern, was zu Abnützungserscheinungen führt.
Abb. 2: Links ein Kalenjin-Mädchen ohne Schuhe (Vorderfuß), rechts ein Kalenjin-Junge mit Schuhen (Ferse) (Die Kalenjin sind die besten Langstreckenläufer der Welt.)

(Siehe auch NZZ.)

Montag, 18. Januar 2010

Das konspirative Schweigen des Westens

... gegenüber dem Völkermord in Tschetschenien

Herausgearbeitet in einem Film über Tschetschenien, 58 Min.. Dieser Film entstand im Jahr 2001 in Frankreich. Er wurde 2004 auf Arte ausgesendet: "Es war einmal in Tschetschenien".

Alle sechs Teile auch --> hier.

Und das politische Kabarett sagt zu diesem Thema zwar - in seltenen Fällen - rundum die Wahrheit. - Aber nur, um die Leute zum Lachen zu bringen, nicht um einzugreifen - ein schwer hinnehmbarer moralischer Tiefstand:

Sonntag, 17. Januar 2010

"Demokratie inszeniert wie von Machthabern totalitärer Staaten"

Vorbemerkung: Dieser Blog hat zu der politischen Richtung der derzeitigen "Freiheitlichen" in Österreich keine wirkliche Meinung. Hier gibt es - wie überall - "solche und solche". Manchen inhaltlichen Positionen kann man vielleicht zustimmen. Vielen nicht. Aber um der vielen Anhaltspunkte dahingehend willen, daß der Tod von Jörg Haider ein politischer Mord gewesen sein könnte (siehe zahlreiche frühere Beiträge auf St. gen.), sind viele derzeitige politische Vorgänge in Österreich rund um sein "Erbe" von größerer, quasi "exemplarischer" Bedeutung, als sie es ohne diese Umstände wären. Darum ein neuerlicher Beitrag zu diesem Thema, das man ansonsten als eher randständig ansehen müßte.

Die Vorgänge in Kärnten und Österreich rund um das "Erbe Jörg Haiders" nehmen immer gespenstischere Züge an. Der von Stefan Petzner schon am 23. 12. vorausgesehene "SED-Parteitag" (s. Yt., bzw. St. gen.) fand gestern statt. Die sich selbst so titulierenden "Krieger des Lichts" wurden brutal beiseite gefegt. Die Delegierten - nicht die Parteimitglieder - bestätigten den "bauernschlauen" Uwe Scheuch und die von ihm veranlaßte Rückkehr des BZÖ Kärnten zur FPÖ von Heinz-Christian Strache. Und zwar mit über 90 Prozent der Stimmen. Die Urabstimmung, die über tausend Parteimitglieder mit Unterschrift gefordert hatten, fand nicht statt.

Abb 1: Schon die visuelle Präsentation des gestrigen Parteitages (siehe Bild) gibt einem den Eindruck, daß hier richtiggehend eine "Operette" veranstaltet wurde, deren Dirigenten sogar außerhalb der Partei selbst sitzen könnten - z.B. in Form von "Politikberatern" und ähnlichem.

Wir lassen hier die Vorgänge in chronologischer Reihenfolge Revue passieren. Schon am 16. Dezember 2009, am Tag des "Putsches der Brüder Scheuch" in Kärnten (siehe voriger Beitrag), sprach BZÖ-Mann Ewald Stadler in der "Kleinen Ztg." davon, daß der Drahtzieher hinter diesem Putsch ÖVP-Mann Erwin Pröll ist:
"Ich erlebe so etwas ja nicht zum ersten Mal. Diese Abspaltung ist kein zeitlicher Zufall, sondern das Ergebnis der Nebenabreden des Hypo-Deals." Der Wähler müsse wissen, dass er es bei Scheuch und Strache mit Prölls "Marionetten" zu tun habe.
Welche "Nebenabreden" könnten das sein? Bestimmte Personen werden bezüglich von begangenen Ekelhaftigkeiten im Zusammenhang mit dem Hypo-Deals nur dann weiter "gedeckt", wenn sie sich mit Heinz-Christian Strache zusammentun? Das könnte eine realistische Version einer solche "Erpressung" sein, aufgrund der Gerhard Dörfler und Uwe Scheuch handeln könnten.

Ein "SED-Parteitag"

Nach Stadler jedenfalls ist Strache demnach nicht nur eine "Marionette" der SPÖ, wie zuvor schon behauptet (siehe frühere Beiträge), sondern nun auch der ÖVP. Das, was Josef Bucher selbst über sein Gespräch mit Uwe Scheuch am gleichen Tag im Interview berichtete (siehe voriger Beitrag), nach dem ihm ein Ministeramt in einer Koalition mit der ÖVP angeboten wurde, wenn er "Knall auf Fall" mit hinüber zu Heinz-Christian Strache wechsele, steht mit dieser Aussage von Ewald Stadler im Einklang. Solche Angebote müssen ja mit der ÖVP abgesprochen worden sein, von der Josef Bucher im übrigen, wie er selbst sagte, auch unmittelbar freundlicherweise angesprochen worden war.

Und solche Angebote zeigen, wie wichtig es bestimmten Kreisen war und ist, jenen Personenkreis im Bereich der politischen Einflußnahme zu isolieren und schließlich zu eliminieren, der - wie besonders Stefan Petzner - genauere Kenntnisse haben könnte über die Hintergründe des Kärntner Bankenskandals und damit auch über die Hintergrunde des plötzlichen Todes von Jörg Haider.

In Österreich geht es immer gespenstischer zu

Wie sehr es bei all dem immer wieder um Geld geht und um Bevorteilung durch Geld, erfuhr der Bürger dann am 7. Januar, als bekannt wurde, daß mit dem "Putsch der Brüder Scheuch" 1,2 Millionen Euro Parteienförderung von Kärnten an Heinz-Christian Strache nach Wien überwiesen worden sind. Es handelte sich um eben jenes Geld, das man sich vorher Jahre lang geweigert hatte, nach Wien zu überweisen (Kl. Ztg.). (Der Rest-BZÖ gab dazu eine Presseerklärung heraus.)

Am 10. Januar gab es dann bloß eine in der Sache nichtssagende Diskussion in der ORF-Sendung "im Zentrum" zwischen Uwe Scheuch, Stefan Petzner, Josef Bucher und Heinz-Christian Strache, bei der Uwe Scheuch einen guten Eindruck macht, während Stefan Petzner sehr gereizt wirkte. Stefan Petzner wirkt so, als habe er sich einschüchtern lassen. Denn ansonsten könnte er doch mit der fortgesetzten Forderung nach Aufklärung der Todesumstände von Jörg Haider politisch auf alle Beteiligten sehr viel mehr Druck ausüben, als er das derzeit tut. Es kann vermutet werden, daß er sehr bewußt diesbezüglich eingeschüchtert worden ist. Da er sich mit dem Hauptargument nicht mehr wehren kann, muß er so geradezu gereizt reagieren.


Aber am 13. Januar wird dann ein eklatanter Korruptionsvorwurf gegenüber dem sich nach außen hin so auffällig glatt gebenden "Saubermann" Uwe Scheuch bekannt (ORF Zib 2). Dieser wird am 15. Januar bekräftigt durch die Veröffentlichung des gesamten, damit in Zusammenhang stehenden Tonband-Mitschnitts, der die Korruptionsvorwürfe ausgelöst hat (News). Und dazu erfährt man dann wieder aufschlußreiche Dinge:
"Besonders das BZÖ in Kärnten steht aufgrund seiner massiven und finanziell aufwendigen Werbetätigkeiten seit langem unter Verdacht, Parteispenden von Gönnern und Lobbyisten im Hintergrund zu erhalten", meinte SPÖ-Landessprecher Rolf Holub.
Also auch hier wird eine umfangreiche finanzielle Förderung der Leute um Uwe Scheuch, grob gesagt durch "Etablierte", erkennbar. Die Gesprächsaufzeichnung enthält unglaublich unverhohlen die korruptesten Inhalte, die da im Ton fast der selbstverständlichsten Alltäglichkeit geäußert werden. (Zum Verständnis des Gesamtinhaltes muß man wissen, daß Österreichisch "no na net" auf Hochdeutsch so etwas ähnliches wie "selbstverständlich" heißt.) Scheuch jedenfalls sagt in einer zentralen Passage folgendes über einen vorgeblichen ausländischen, russischen Investor:
Ich will, falls der Investor kommt, in irgendeiner Form davon auch profitieren können für die Partei. In Form einer Spende. Und wie groß das ist, die Größenordnung von dem, was ich sonst weiß, das geht je nachdem wie viel sie hingeben, irgendwo in der Größenordnung zwischen fünf und zehn Prozent, würde ich amol sagen.
Also, wenn man Uwe Scheuch hier recht versteht, gibt es für solche Absprachen - wirtschaftliche Bevorteilung gegen Parteienfinanzierung - schon "Gewohnheits-Regeln". Unverhohlener kann man Korruption nicht betreiben. Das ist eine Selbstherrlichkeit einer regierenden Partei, eine Einflußnahme auf die Politik, eine Bestechlichkeit, die einem schon manche Schamesröte ins Gesicht treiben müßte. Wenn man Scham noch kennen würde.

Zwar ergeben dann Probeabstimmungen im Vorfeld des Parteitages noch Mehrheiten gegen den Putsch der Bruder Scheuch --> Kl. Ztg..

Gestern, 16. Januar, fand der mit Spannung erwartete Parteitag statt

Doch gestern, am 16. Januar, kommt es zum "Showdown". Der ORF berichtete von der Lage direkt vor Beginn des Parteitages (s.a. Vienna.at).

Abb 2: Die Gegner des Putsches veranstalten am 16. Januar vor Parteitagsbeginn eine Demonstration

Die Masse der anwesenden Putsch-Gegner dürfen, da sie "nur" Parteimitglieder sind, keine Delegierten, nicht in den Saal des Parteitages. Sie müssen ihn vom Foyer aus beobachten.

Aufgrund der Vorauswahl der Delegierten durch Uwe Scheuch und seine Freunde verläuft der Parteitag nach einer ziemlich schlichten Regie ab (Presse, Kurier, ORF, Standard, Kl. Ztg.). Wie fein abgestimmt die "Regie" dieses Parteitages ist, zeigt sich besonders, als der gegenüber dem Putsch nicht "linientreue" Josef Bucher an das Mikrophon tritt:
Die Videoübertragung, die bisher bei jedem Sprecher für die Anwesenden vor den Pforten des Festsaales liefen, ist vorübergehend zu Ende, auch das Mikrofon wurde für Bucher leiser gedreht. (...) Scheuch bleibt in der Mitte der Bühne stehen, Bucher muss vom Rand reden.
Grotesk. Inhaltlich Neues erfährt man dann vor allem, als sich Stefan Petzner zu Wort meldet (Standard):
Uwe Scheuch habe in einem Vier-Augen-Gespräch zu ihm gesagt: "Strache wollte dich nicht, weil du immer die Speerspitze des BZÖ warst. Und uns ist es auch eher egal, was du jetzt machst."
In anderer Lesart (ORF) sagte Petzner über jenen Tag des Putsches, den 16. Dezember:
Scheuch habe ihm an jenem Tag gegen Mitternacht telefonisch ausgerichtet, dass FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ihn, Petzner, nicht in der Partei haben wolle, und ihm selbst sei es auch eher egal. Petzner: "Mich hat mein eigener Parteichef vor die Tür gesetzt."
Abb 3: Stefan Petzner nach seiner Rede, im Hintergrund Uwe Scheuch

Der Haider-Partei sollte die "Speerspitze" genommen werden

Diese Worte machen klar, was man schon vorher geahnt hatte, nämlich daß sich der ganze Putsch vor allem gegen den vormaligen Haider-Intimus Stefan Petzner richtete, gegen die "Speerspitze" der Haider-Partei, gegen jenen, der von Jörg Haider selbst als sein Nachfolger angesehen worden war.

Denn selbst Josef Bucher machte man, wie schon in früheren St.gen.-Beiträgen berichtet worden ist, ja mehr Angebote als ihm. So wie Jörg Haider nun aus der Politik ausgeschaltet ist, soll nun durch diesen Putsch auch derjenige aus der Politik ausgeschaltet werden, der am offensten und vehementesten eine Aufklärung der Todesumstände von Jörg Haider forderte und denn Mumm hatte, den allseits vorhandenen Vermutungen Richtung Mord schließlich auch als Politiker eine Stimme zu geben. Gerade solche Politiker scheinen also besonders unerwünscht zu sein. - Ist es so?

All diese Umstände sind jedenfalls bezeichnend. Und sie werfen ein Licht auf die derzeitigen ärgsten Feinde des Stefan Petzner. Diese heißen, wenn man die bisherigen Äußerungen richtig verstanden hat: Erwin Pröll, Heinz-Christian Strache, Gerhard Dörfler (in dessen Gewahrsam sich übrigens der Unfallwagen von Jörg Haider befindet, dessen gründliche Untersuchung zur Aufklärung der Todesumstände von Jörg Haider, mancherlei beitragen könnte, wie viele meinen) und natürlich der mit Korruptionsvorwürfen belastete Uwe Scheuch.

Dieser Uwe Scheuch erwiderte Stefan Petzner vor der Abstimmung noch einmal in einem Redebeitrag:
Petzner habe das Angebot gehabt, wieder nach Kärnten in den Landtag zu wechseln, aber "der wollte ja lieber in seiner Werbeagentur in Monaco bleiben", so Scheuch. Bucher ruft dazwischen: Petzner sitze schließlich im Nationalrat und könne nicht so einfach wechseln.
Auch damit kann Scheuch also in keiner Weise entkräften, daß sein Putsch, der monatelang hinter dem Rücken von Petzner und Bucher vorbereitet worden war, sich vor allem gegen die Personalie Stefan Petzner gerichtet hatte. Warum wäre auch sonst die ganze Heimlichtuerei zuvor nötig gewesen?

Abb. 4: Der sich nach seiner Wahl "bubihaft" freuende Uwe Scheuch und der - merkwürdige - Herr Dörfler

Reinhard Rohr von der SPÖ Kärnten sagt zu diesem inszenierten Parteitag mit 90 Prozent Zustimmung für den mit Korruptionsvorwürfen belasteten Uwe Scheuch:
Wer Demokratie organisiert wie Machthaber in totalitären Staaten des ehemaligen Ostblocks, der weiß natürlich, dass das Ergebnis vorprogrammiert ist.
Wie wahr hier - möglicherweise - gesprochen wird, machen sich viele wahrscheinlich noch gar nicht ausreichend klar. In den "gelenkten Demokratien" des ehemaligen Ostblocks herrschen heute die Geheimdienste, weitgehend unverhohlen. Oft sogar schon mit dem eigenen Personal und nicht mehr nur mit Leuten, die sie nach außen hin "vorschieben".

Und in den Vorgängen rund um das Erbe des unter unaufgeklärten Umständen ums Leben gekommenen Jörg Haider sollte nun alles ganz anders sein? Auch Josef Bucher sagt (lt. News):
Über die Inszenierung des Parteitages müsse sich jeder selber ein Bild machen.
Allseits ist nun in der Berichterstattung davon die Rede, daß durch diesen Parteitag die Politikverdrossenheit in Kärnten und Österreich noch um vieles verstärkt worden ist. Heute würden die "Freiheitlichen" in Kärnten nur noch die Hälfte jener Stimmen bekommen, die sie kurz nach dem Tod von Jörg Haider bekommen haben: Das Ergebnis eines erbarmungslos weitergehenden Gemetzels gegenüber Offenheit und Vertrauenswürdigkeit in der Politik.

Gelangweiltes (?) Warten auf einen neuen "Ostrovsky"?


Vielleicht wird ein künftiger "Victor Ostrovsky" auf wenigen Buchseiten einmal wieder alles das erklären, was uns jetzt so schleierhaft vorkommt rund um die Vorgeschichte, das Ereignis und die "Nachbereitung" des Todes von Jörg Haider. So wie das Victor Ostrovsky hinsichtlich der Umstände des Todes von Uwe Barschel in seinem Buch "Geheimakte Mossad" getan hat: Eine sehr detaillierte Version, gegen die keine bekannte Tatsache spricht, für die aber viel zu viel spricht, als daß man sie selbst von seiten deutscher Staatsanwaltschaften hätte unberücksichtigt lassen können. (- Man möchte betonen: "selbst". Denn von deutschen Staatsanwaltschaften ist man schon manches gewohnt.)

Will der Bürger gelangweilt auf solche Bücher warten, die genau dann veröffentlicht werden, wenn sich sowieso niemand mehr aufregt und kaum jemand noch abschließende, definitive Klärung des Falls, Bewertung des Falls fordert und daraus zu ziehende Schlußfolgerungen einklagt?

Die Parole "Nie wieder Krieg" hat sich als obsolet erwiesen. Würde die Parole "Nie wieder Geheimdienst", "Nie wieder geheime Machenschaften" durchschlagender sein? Unplausibel ist das nicht.
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