Samstag, 26. Februar 2011

Franz Wegener - Die Frage nach satanistischen Wurzeln des Nationalsozialismus und der Russischen Revolution

Unsere Beschäftigung mit dem Bestseller "Das schwarze Reich" ließ uns in den letzten Wochen hier auf dem Blog immer verschärfter nach satanistischen Hintergründen der SS und des Nationalsozialismus fragen. Nun sind wir - über Google Bücher (5) - auf einen neuen Autor gestoßen (1 - 6), der in den letzten Jahren schon viele ähnliche Fragen gestellt hat: Franz Wegener, geboren 1965. Im folgenden Beitrag soll kurz zusammengestellt werden, was über seine Schriften im Netz zu erfahren ist, auch wenn wir diese größtenteils selbst noch nicht gelesen haben.

"Menschenopferkulte und Gnosis"

Franz Wegener, M.A.
Eine Schriftenreihe zur politischen Religion des Nationalsozialismus (1 - 6) geht laut Netzseite von Franz Wegener (ebenso: 5, S. 27) (von hier auch das Foto von ihm rechts) der Fragestellung nach, ob sich im Nationalsozialismus
die Fusion zweier uralter und praxiserprobter religionsphilosophischer Strömungen
andeuten würde:
Menschenopferkulte und Gnosis. Das Ergebnis: Ein gnostischer Lichtkult, angefeuert von permanenten Menschenopferungen, motiviert von einer tiefen Sehnsucht nach dem mütterlichen Ursprung. Ich habe den Einzelmodulen dieser denkbaren Synthese jeweils ein Buch gewidmet.
Der Nationalsozialismus als Mittel zum (satanistischen, völkischen) Selbstmord?

Eine Amazon-Kundenrezension gibt den Inhalt der Schrift "Das atlantidische Weltbild"  von Franz Wegener (3) folgendermaßen wieder (Hervorhebung nicht im Original):
Die Anhaenger der Atlantissaga in der Zwischenkriegszeit hatten ein eigenes, "atlantidisches" Weltbild, das von Todessehnsucht gekennzeichnet war; der Nationalsozialismus war dann Mittel zum Selbstmord. Dies in etwa ist die Hauptthese des Autors. (...) 
Er biete
einen Streifzug durch die Theorie des Mythos im Allgemeinen, die These, das Bild der untergehenden Insel sei uns genetisch einprogrammiert, die weltanschauliche Abgrenzung zwischen Nationalisten und Nationalsozialisten ...
Das scheint auf eine These hinauszulaufen, von der man zumindest in dieser Form zuvor noch nie etwas gehört hatte. Aber wenn man bedenkt, daß der zeitgleiche Bestseller-Autor Oswald Spengler mit seinem Buch "Der Untergang des Abendlandes", das insbesondere in rechtskonservativen und nationalistischen Kreisen gelesen wurde, ähnliche Vorstellungen bediente, und zwar bis heute!, dann wird man diese These von vornherein nicht gleich als gar zu abseitig zurückweisen wollen.


Oswald Spenglers hat noch heute unter Sympathisanten der "Konservativen Revolution" viele Anhänger, die es als letzten Sinn ihres Daseins als Deutsche erachten, stolz, aufrecht und ehrenvoll mit historischer Notwendigkeit als Volk untergehen zu müssen. Da lassen sich sehr viele Parallelen zu diesen Atlantis-Vorstellungen herstellen. Und kann eine solche sich möglicherweise "selbst erfüllende Prophezeiung" dann nicht auch mit allem Recht als ein Selbstmord-Programm angesprochen werden? Es gibt gerade auch unter Nationalisten nicht nur okkult beeinflußte Menschen, deren Persönlichkeitsstruktur als ausgeprägt willensschwach angesprochen werden muß, und die gerade erst aufgrund ihrer Willfährigkeit solchen "Prophezeiungen" und Propheten gegenüber dieselben herbeiführen. (Wenn sie nicht im bewußten Dienste Satans überhaupt noch ganz anderes betreiben sollten.)

Nach dem Motto: Gerade das Helle, Leuchtende, Glänzende, Edle "muß" untergehen.

Ein im Nationalsozialismus eingebautes (satanistisches) Selbstmordprogramm?

Die Wewelsburg
Von Überlebenden satanistischer Gewalt und von "CIA-Sklaven" (Mind Control-Opfern) wissen wir, daß ihnen auch Selbstmord-Programme "einprogrammiert" worden sind (siehe etwa "Vater unser in der Hölle"). Wie ja überhaupt Menschen, die sich von "Dämonen" ("Zombies") besessen, in Besitz genommen glauben, von ihnen gesteuert glauben, mitunter glauben, sie müßten sich umbringen. Und nicht wenige haben das dann oft auch schon tatsächlich getan oder zumindest versucht.

Da diese CIA-Sklaven in diversen CIA-Programmen nach 1945 (MK Ultra, Artischoke, Bluebird etc.) mit solchen Vorstellungen, trauma-konditionierten Verdrängungen "ausgestattet" worden sind (siehe übrigens auch: 7), ist es naheliegend zu vermuten, daß manche Okkulte oder Satanisten im Nationalsozialismus selbst rituell ein Selbstmordprogramm subjektiv oder objektiv eingebaut gesehen haben könnten. Oder zumindest - falls so konditioniert - so gehandelt haben könnten als ob. Und sei es letztlich auch nur im Sinne der Vorstellungen Oswald Spenglers, daß man wie die Nibelungen "heroisch" in den Untergang gehen müsse (und vielleicht noch möglichst viele Opfer auf dem Weg mit sich hinunter ziehen müsse). Oder eben im Sinne des untergegangenen Atlantis. (Oder der untergegangen Katharer, die unter Okkulten in der SS eine große Rolle spielten.)

"Das tiefste Glück des Menschen besteht darin, daß er geopfert wird." (Ernst Jünger)

Im Rahmen eines solchen Konzeptes jedenfalls würde ein Lebensweg wie der des (von uns gemutmaßten Freimaurers) Ernst Achenbach (Wikip.) all seine äußere, krasse Widersprüchlichkeit verlieren. Diese besteht darin besteht, daß er 1933 als NS-Parteigenosse und Träger des Goldenen Parteiabzeichens unter deutschen Industriellen Parteispenden für Adolf Hitler sammelte, später eine Karriere machte unter dem bekennenden Freimaurer und Bundesjustizminster Thomas Dehler und 37 Jahre nach 1933, 1970, zusammen mit dem mutmaßlichen Hochgradfreimaurer und ehemaligen NS-Parteigenossen Walter Scheel den Abschluß der Ostverträge anbahnte, also die Endgültigkeit des Untergangs der deutschen Ostgebiete vertraglich festlegte.

Ernst Achenbach bildete - unter anderem mit Werner Best und Hugo Stinnes - im Umfeld der FDP von Nordrhein-Westfalen Anfang der 1950er Jahre eine klare nationalsozialistische Seilschaft (Naumann-Kreis), bis dieselbe ausgehoben worden ist. Sind es solche Persönlichkeiten, die sozusagen als die Personfizierung eines in den Nationalsozialismus eingebauten "Selbstmordprogramms" angesprochen werden können?

Auch der lebenslange Freund des dritten Mannes hinter Himmler und Heydrich, nämlich Werner Bests, Ernst Jünger, wird von Franz Wegener zitiert (4, S. 103) mit dem in diese  Zusammenhängen so treffend hineinpassenden Satz: "Das tiefste Glück des Menschen besteht darin, daß er geopfert wird." Wohlgemerkt: "geopfert wird", nicht sich selbst als Opfer darbringt, als wie man in früheren Zeiten den Soldatentod aufgefaßt hat. Was will uns Ernst Jünger damit sagen? Dessen eigener Sohn aufgrund unbedachter, jugendlicher Äußerungen von den NS-Schergen zum Tode verurteilt wurde, aufgrund des Einflusses von Jünger aber nur in eine SS-Bewährungseinheit gesteckt wurde, wo er in Italien von einer Partisanenkugel tödlich getroffen wurde: "Das tiefste Glück des Menschen besteht darin, daß er geopfert wird." - ??? "Wird"? Ist der - der auch? - ein Anhänger des Gottes Saturn, der seine eigenen Kinder aufgefressen hat?

Völkische Logen unter Rechtskonservativen und Nationalsozialisten Träger des satanistischen Gedankens?
 
Im Klappentext zu dem Buch über Heinrich Himmler (5) heißt es (laut Amazon) (Hervorhebung nicht im Original):
1925 bekundete der spätere Reichsführer-SS Heinrich Himmler gegenüber einem Münchner Astrologen, er könne ihm Schriften eines „Bundes der Guten“ übersenden, der von einem Mann mit dem Decknamen „Weishaar“ geführt werde.

Um was für eine Organisation handelte es sich bei diesem mehrere tausend Mitglieder starken „Bund der Guoten“, wie er später genannt wurde, und dem ihm angeschlossenen geheimen „Deutschen Herren-Orden“?

Der Historiker Franz Wegener hat die Geschichte dieses an die Organisation der Freimaurer angelehnten und nach dem Kriege vollkommen in Vergessenheit geratenen Bundes untersucht und kommt zu überraschenden Erkenntnissen:

Der Geheimbund entwickelte aus der jüdischen Geheimlehre der Kabbala rassengnostisch motivierte Menschenzuchtvisionen und begann bereits mit deren praktischer Umsetzung.
Das erinnert an die These des NS- und Freimaurer-Gegners Erich Ludendorff, der 1932 anklangend von einer "Dressur zu alttestamentarischer Blutrache" innerhalb der Hochgrade der Freimaurerei sprach, in einer Zeit, als er immer wieder auf die Boxheimer Dokumente von Werner Best bezug nahm ("Gewalttätige Unterführer").

Es wird notwendig sein, dieser Thematik genauer nachzugehen. Von Werner Best, dem "Bluthund von Boxheim", behauptete sein hessischer Gauleiter 1933/34, er sei Mitglied des "Herrenclubs" gewesen (vgl. Ulrich Herbert/Best). Es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieser "Club" identisch ist mit dem "Herren-Orden", der ja ebenfalls im Umfeld des Germanenordens angesiedelt ist, in dem sich Werner Best laut eigener Aussage ebenfalls bewegte. Auf seiner Netzseite schreibt Franz Wegener noch etwas konkreter zu seinem Buch über Heinrich Himmler (Hervorhebung nicht im Original):
Da der Gründer des ariosophischen Bundes, Kurt Paehlke, der unter dem Decknamen "Weishaar" agierte, zuvor Mitglied im Germanenorden war (dessen Aushängeschild die Thule-Gesellschaft darstellte), lag es nahe, dass er bei Gründung seines eigenen Geheimbundes viele Ideen des Germanenordens adaptiert haben könnte. Da die Quellen über den Germanenorden nicht allzu umfangreich sind, bot sich hier die Chance über die Betrachtung des "Bundes der Guoten" mehr über Geheimbünde als Träger der gnostischen Idee in Erfahrung zu bringen. Und tatsächlich: Auf der Basis der alten jüdischen Geheimlehre der Kabbala entwickelte der Bund Visionen zur Menschenzucht und begann bereits mit deren praktischer Umsetzung.
Ist von hierher auch der Buchtitel "Memetik. Der Krieg des neuen Replikators gegen den Menschen"  von Franz Wegener (1) zu verstehen? Ideen (Richard Dawkins' "Meme") können auch gegen das (genetische) Überleben von Menschen arbeiten. Ideen als Selbstmordprogamme von Kulturen. (Das gleiche wird man übrigens vom Kommunismus und etwaigen satanistischen Hintergründen sagen können.)

"Kultischen Geheimbünde der Germanen" - satanistisch?

In seiner Schrift "Kelten, Hexen, Holocaust" (5, S. 77) gibt Wegener anhand des Beispiels des SS-Ahnenerbe-Mitarbeiters Otto Höfler geradezu eine exakte Darstellung satanistischer Rituale, wie sie offenbar gerne auch in der SS favorisiert worden sind, und wie sie genau so von dem Fachkollegen Otto Höflers, Bernhard Kummer, so scharf innerhalb der SS bekämpft worden sind (zu B. Kummer siehe früherer Beitrag hier auf dem Blog):
Der Germanist Otto Höfler (1901 - 1987), Mitarbeiter des SS-Ahnenerbes, legte 1934 in seinem Buch "Kultische Geheimbünde der Germanen" ein Konzept vor, das begeistern mußte: Demnach standen im Zentrum der germanischen Kultur Männerbünde, die einem heroisch-dämonischen Totenkult fröhnten. Abgeleitet etwa aus dem Schweizerischen Brauchtum des Posterli- und Streggelejagen und deutschen wie skandinavischen Sagen über Wilde Jäger und die von ihnen gehetzten Frauen schließt Höfler auf wilde Männerbünde, maskiert als Tote und Dämonen, mit Stehlrecht, die in ekstatischer Besessenheit Opfertiere verschwinden ließen und sakrale Verstümmelungen sowie Altentötungen vorgenommen hätten. Die von ihnen verfolgten Weiber seien Dämonen gewesen. Damit erklärt ein der SS nahe stehender Germanist die Hexenverfolgungen des Mittelalters zum Ausdruck germanischen Glaubens.
Daß eine solche Germanenauffassung hochkantiger Stuß ist und daß dieselbe viele christ-katholische Dämonisierungen des germanischen Heidentums durchblitzen läßt, braucht hier gar nicht weiter ausgeführt zu werden. (Es ist das Wesen des Monotheismus, in den so krassen Gegensätzen von Gott und Teufel zu denken, und zwar auch im Denken über andere Religionen, wie dies kaum eine andere Religion aufweist.)

Wichtig ist aber, daß ein solches Bild von "gejagten Frauen" usw. zu hundert Prozent anschlußfähig ist an fast jedes satanistische Ritual, von dem man in den Erlebnisberichten Überlebender ritueller Gewalt aus den letzten Jahrzehnten lesen kann. Und dieser Umstand läßt uns mit diesem Otto Höfler den bislang vielleicht direktesten Blick in die satanistischen Vorstellungswelten innerhalb der SS und innerhalb des Nationalsozialismus werfen.*)


*) SS: Rituelle Morde an jüdischen Kindern? 

Aufgrund der Spärlichkeit der Angaben, weiß man nicht, was man von bestimmten Bemerkungen auf Internetforen halten soll. Wir wollen sie hier aber dennoch ergänzend anführen, vielleicht steckt ja doch etwas hinter ihnen. Auf dem Forum "Allmystery" gibt es einen Strang "Okkulte Praktiken der Nazis", der im Mai 2004 von  dem Diskutanten "zyanose"  mit folgender Frage eingeleitet wurde (Rechtschreibung um der Authentizität willen nicht verbessert):
Aus einem Buch habe ich entnommen das die SS an gewissen Schlössern schwarze Messen gefeiert hat. Ich wollte einfach mal wissen wie ihr darüber denkt. 
Hitler hat sich auch sehr für eine okulte Ausstellung interessiert.  (...)
die Ausstellung von der Hitler so begeistert war war in Österreich und die anderen Informationen habe ich aus einem Dachbodenfund. Ein altes Buch in Leder gebunden
Und auf die Nachfrage, um welches Buch es sich handeln würde:
das buch habe ich mit einem freund entdeckt als wir bei ihm auf dem dachboden waren es war mit einem ledereinband aber leider nicht mehr zu erkennen von wem es verfasst wurde
es wurde beschrieben das eine jüdische familie in ein schloss gebracht wurden von ss offiezieren und dann in son festsahl haben diese leute das kind von dieser familie geopfert  
naja ich denke so krank wie die nazis sind kann das gut sein und ss woher kommen dann die totenköpfe auf den uniformen ???
Leider ist sonst weiter nichts Konkretes in diesem Diskussionsstrang dazu geäußert worden. Grundsätzlich kann man sich aber schon denken, daß die SS als jene "Gegenloge" gegen die Freimaurerei, als die sie von manchem Thule- und Tibet-Anhänger innerhalb der SS konzipiert gewesen sein mag, als "Gegenritual" jüdische Kinder rituell opferte, so wie man den Juden Ritualmorde an "arischen" Kindern unterstellte.


_________________

1. Wegener, Franz: Wer tötete Helmut Daube? Der bestialische Sexualmord an dem Schüler Helmut Daube im Ruhrgebiet 1928. Kulturfoerderverein Ruhrg, 2000 [ein Kriminalfall, der im Umfeld von Röhm und Hitler angesiedelt war]
2. Wegener, Franz: Memetik. Der Krieg des neuen Replikators gegen den Menschen. KFVR, Kulturförderverein Ruhrgebiet, Gladbeck 2001, 2009 [bezieht sich sehr fortschrittlich auch auf die Mem-Vorstellungen von Richard Dawkins.]
3. Wegener, Franz: Das atlantidische Weltbild. Nationalsozialismus und Neue Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis. Kulturförderverein Ruhrgebiet e.V., 2. leicht veränderte Auflage, 2003 [gibt es ein eingebautes memetisches Selbstmordprogramm im Nationalsozialismus?]
4. Wegener, Franz: Kelten, Hexen, Holocaust. Menschenopfer in Deutschland. KFVR - Kulturförderverein Ruhrgebiet e.V 2004
5. Wegener, Franz: Heinrich Himmler. Deutscher Spiritismus, französischer Okkultismus und der Reichsführer SS. Kulturförderverein Ruhrg; 2004 (Google Bücher) [fragt auch nach satanistischen Hintergründen der Russischen Revolution]
6. Wegener, Franz: Weishaar und der Geheimbund der Guoten. Ariosophie und Kabbala. Kulturförderverein Ruhrg, 2005
7. Schalleck, Martha: Rotkäppchens Schweigen. Die Tricks der Kindesmissbraucher und ihrer Helfer. Lumen Verlag und Autorenverlag ARTEP, 2006

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