Mittwoch, 26. Oktober 2011

"Deutsche Journalisten sind A - - -"

Der isländische Humangenetiker Kári Stefánsson über die Art, wie deutsche Journalisten Forschungsergebnisse aus der Humangenetik behandeln

"In Deutschland gibt es ebenso viele Islandponys wie in Island ..."

Dass es Henryk M. Broder war, der das Interview geführt hat, aus dem im folgenden zitiert werden soll, tut nicht viel zur Sache. Für Broder war das Interview natürlich eine ganz, ganz große Stunde. Darüber geben wir uns gar keinem Zweifel hin. - - - Aber was nun der isländische Humangenetiker Kári Stefánsson, der Nachfahre isländischer Wikinger in diesem Interview sagt, dem könnte man wirklich fast klassische Größe zusprechen. Nicht nur im Hinblick auf unseren Götz von Berlichingen. Es hat streckenweise die klassische Größe eines Friedrich Hölderlin:
Insbesondere sein Urteil über den allseits beliebten Berufsstand der Journalisten in Deutschland ist - nun, einfach nur: vernichtend. Wir können sein Urteil leider nicht korrigieren, wünschten aber, er könnte sich auf unseren Blogs ein wenig ausruhen, wo wir auch die Arbeiten seines Institutes schon häufig und durch und durch positiv gewürdigt haben (z.B.: 10/07, 08/08, 09/08). So wie es in der Zeitung steht, soll das Interview mit ihm im folgenden gebracht werden. Solche Wahrheiten sind auch Deutschen zumutbar. Auch dann, wenn sie aus dem abgelegenen Land der Islandponys kommen (Welt, 23.10.11): 
Henryk M. Broder: Man hört, Sie können deutsche Journalisten nicht ausstehen. Warum ist Ihnen unsere Truppe so unsympathisch?

Kári Stefánsson: Das liegt einfach daran, dass sie offensichtlich andere Anstandsregeln haben als die Journalisten im Rest der Welt. Deutsche Journalisten verstellen sich. Sie haben keine Skrupel zu täuschen und zu verschleiern, auf was sie in Wahrheit hinauswollen. Wenn Sie mit einem angelsächsischen oder einem skandinavischen Journalisten sprechen, wird er Ihnen immer klar sagen, was er wissen will, worauf er hinauswill, was der Fokus seiner Geschichte ist. Deutsche Journalisten sind leider in kultureller Hinsicht ignorant. Ich erinnere mich an einen Artikel, den einer Ihrer Kollegen über Island geschrieben hat. Er trug den Titel „Peepshow im Land der Wikinger“. Doch wo war die Peepshow? Die Leidenschaft der Isländer in Sachen Genealogie wurde kurzerhand dazu gemacht. Island führt einen Stammbaum der ganzen Nation – dies wurde als Peepshow abqualifiziert. Aus der Tatsache, dass unsere Nation es in Ordnung findet, zu wissen, wer mit wem verwandt ist, wurde eine exhibitionistische Zurschaustellung gemacht. In meiner Erfahrung mit deutschen Journalisten gab es leider keine einzige Ausnahme. Ich habe mit Journalisten aller großen deutschen Tageszeitungen und fast aller Fernsehsender gesprochen. Und wirklich jeder einzelne von ihnen verhielt sich gleich.

Broder: Sie wissen wenig und wissen dabei alles besser?

Stefánsson: Ich will mir kein Urteil über das Fachwissen deutscher Journalisten erlauben. Ich möchte nur sagen, dass sie alle ohne Ausnahme A- - - („pieces of shit“) sind. Vielleicht sind sie sehr gebildete A- - -, aber das ist mir gleich.
Broder: Und Ihnen ist noch nie jemand begegnet...

Stefánsson: Ich habe noch keinen anständigen deutschen Journalisten kennengelernt! Das ist wirklich seltsam ...

Broder: Könnte das etwas mit dem deutschen Nationalcharakter zu tun haben?

Stefánsson: Es ist eigenartig. Wenn Sie die deutsche Kultur betrachten – wir haben ihr so viel zu verdanken. Wir haben ihr unsere Weltanschauung zu verdanken. Wenn wir die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts betrachten – da gab es diese ungeheure Kreativität in den Wissenschaften. Im Grunde haben die Deutschen unser heutiges Weltbild erschaffen. Ihnen haben wir einen großen Teil der musikalischen Werke zu verdanken und einiges an guter Literatur. Deutschland hat viel Gutes hervorgebracht. Natürlich gab es auch einige weniger glückliche, von Arroganz und Selbstgerechtigkeit geprägte Beiträge zu unserer Kultur, einige Weltkriege zum Beispiel. Heute gibt es viel Positives in Deutschland. Die Kunstszene in Berlin. Berlin ist die Kunsthauptstadt der Welt geworden und hat damit New York und London abgelöst. Ihr seid also nicht ohne Vorzüge. Obwohl mir die Welt ohne euch besser gefallen würde.

Broder: Na toll. Gibt es noch was Gutes über die Deutschen zu sagen?

Stefánsson: Die Deutschen haben sehr viel isländische Literatur übersetzt. Sie sind sehr angetan von unserer Literatur. Und in Deutschland gibt es ebenso viele Islandponys wie in Island. Vielleicht sogar mehr. Wenn man sich eine Nation wie die Deutschen ansieht – eine sehr gebildete Nation relativ kluger Menschen –, so lebt sie immer noch im Schatten des Zweiten Weltkrieges. Deshalb ist jeder so bemüht, sich politisch korrekt zu verhalten. Deswegen wirkt das Verhalten der Deutschen in vielerlei Hinsicht so unnatürlich. Sie sind katholischer als der Papst und ziemlich verklemmt. Adolf hat sie immer noch fest im Griff.

Broder: Hat diese Einstellung auch einen Einfluss auf die Wissenschaft?

Stefánsson: Eigentlich hat die Wissenschaft in Deutschland ihre Krise überwunden. Lange Zeit konnte gerade in meiner Disziplin, der Genetik, nicht gearbeitet werden, weil Genetik ein Schimpfwort war. Jahrelang haben die Deutschen Ethikkonferenzen abgehalten, die einzig und allein dazu dienten, mich einzuladen und dann mit faulen Eiern zu bewerfen. Das ist eigentlich merkwürdig, weil Humangenetik im Prinzip eine rein deskriptive Disziplin ist. Man verändert nichts, man beschreibt nur, wie der Mensch aufgebaut ist – basierend auf den Informationen, die im Genom enthalten sind.

Broder: Manche nennen Sie den Einstein des 21. Jahrhunderts. Andere behaupten, Sie wären Frankenstein. Wie sehen Sie sich selbst?

Stefánsson: Das meiste davon hat nichts mit mir zu tun. Es hat mit den Kontroversen um das Thema Genetik zu tun. Während man vor 14, 15 Jahren darüber stritt, ob man Populationsgenetik betreiben soll, haben wir einfach begonnen, auf diesem Gebiet zu forschen. Ich habe vorgeschlagen, Populationsgenetik in einer Großstudie zu erforschen. Das hat vorher außer uns noch keiner getan und seither auch nicht.

Broder: Niemand tritt in Ihre Fußstapfen?

Stefánsson: Jetzt versuchen es viele – auf der ganzen Welt versuchen sie zu reproduzieren, was wir hier geleistet haben. Aber als ich das Projekt vorschlug, hielten es die Leute für eine Zukunftsvision von George Orwell. Man befürchtete, dass Menschen ausgebeutet würden, dass Menschen damit geschadet werden könnte, dass wir die Privatsphäre von Menschen ausspionieren und sie ausnutzen würden. Nichts davon hat sich in den letzten 15 Jahren bewahrheitet.

Broder: Wie sieht es mit Designer-Babys aus?

Stefánsson: Das ist ein extrem kompliziertes Thema, weil es hier um Selektion geht. Es geht um die Frage, ob es richtig ist, eine Meinung darüber zu haben, wie Menschen zu sein oder nicht zu sein haben. Der Gedanke, Erkenntnisse aus der Genforschung zur Verbesserung von Menschen einzusetzen, beunruhigt uns. Der Begriff der Eugenik wurde von Galton geprägt, der ein Schüler Darwins war. Dann kam Herr Adolf daher und veränderte die Art und Weise, wie man diesen Begriff betrachtete. Ich finde die „Zucht“ von Menschen geschmacklos. Und ich denke, dass es biologische Gründe dafür gibt, keine an die heutige Welt hervorragend angepasste Herrenrasse zu züchten. Einmal angenommen, wir würden den perfekten Menschen definieren ...

Broder: ... einen Allzweckmenschen, in Einheitsgröße ...

Stefánsson: Ja, das gab es schon. Es ist klar, dass man den perfekten Menschen über die Umwelt, wie sie heute ist, definieren würde. Ein Mensch, der in der heutigen Umwelt funktionieren und überleben könnte. Und dann würde es so einen Vulkanausbruch geben, der alles verändert. Wenn alle Menschen gleich wären, dann wären wir schlecht auf die nächste Katastrophe vorbereitet. Der beste Weg, uns Menschen, unsere Spezies, auf das Überleben der nächsten Katastrophe vorzubereiten, ist, uns auf dem Globus zu verteilen. Uns so vielen verschiedenen Umweltbedingungen wie möglich auszusetzen. Der perfekte Mensch würde eine unglaublich langweilige Welt hervorbringen.

Broder: Glauben Sie an Gott?

Stefánsson: An Gott zu glauben ist keine Lösung für mich. Wenn ich durch den Glauben an Gott eine Antwort auf die Frage nach dem Ursprung hätte – das wäre natürlich sehr praktisch. Die Frage, wie alles anfing, ist ein erkenntnistheoretischer Albtraum. Wir können uns nicht vorstellen, wie aus Nichts etwas werden konnte. Deshalb ziehe ich es vor, im Rahmen meiner Arbeit das Leben zu erforschen, nachdem es entstanden ist, und nicht zu untersuchen, was geschehen ist, bevor Leben entstand oder, wenn Sie an Gott glauben, bevor es erschaffen wurde.

Broder: Warum sind Sie nach Island zurückgekehrt, nachdem Sie lange in den USA gearbeitet und geforscht haben?

Stefánsson: Meine Familie lebt seit 1100 Jahren hier. Und meine Familie ist einigermaßen gut an diesen Ort angepasst. Das bedeutet nicht unbedingt, dass ich diesen Ort liebe. Ich gehöre einfach hierher. Ich könnte Ihnen lang und breit erklären, was mir an Island alles missfällt. Dies ist eine popelige, kleine Nation.

Broder: Auch nicht popeliger als größere Nationen.

Stefánsson: Durch die Nähe zueinander kann man sich schlecht verstecken. Es ist schwer, über gewisse Dinge hinwegzusehen, wenn man so dicht beieinander lebt.
 Im  Dreck wälzen ...*)
Auch was Stefánsson aus seiner fachwissenschaftlichen Sicht über Eugenik sagt, ist beachtenswert. Wobei er offenbar selbst immer noch zu wenig die Vielfalt der unterschiedlichen Kulturen auf der Welt als Selektionsfaktor zu berücksichtigen scheint, sondern vor allem die Vielfalt der natürlichen Lebensräume auf der Erde.

Trotzdem. Für diese so notwendigen Worte, die auch fast an die gesamte deutsche Wissenschaftsblogszene gerichtet empfunden werden könnten: Dank nach Island. Gesagt werden musste es mal.



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*) ... müssen sich auch Islandponys manchmal, um sich danach wieder einigermaßen sauber fühlen zu können.

Montag, 24. Oktober 2011

Priesterdiktaturen zwischen Europa und Asien

Keine Parteipolitik ohne Priester, ob in Europa oder im Orient

In Ergänzung zu unserem letzten Artikel über die von zahlreichen Geheimdiensten geduldete, geförderte oder begrüßte "Priesterdiktatur im Iran": Der Politikwissenschaftler Ali Arbia von "Zoon politikon", offenbar ein Schweizer mit doppelter (sprich zusätzlicher tunesischer) Staatsbürgerschaft, hat gerade einen erhellenden Vergleich zwischen der Parteipolitik in der Schweiz und in Tunesien aufgestellt. Fazit: Keine Parteipolitik ohne Priester, ob in Europa oder im Orient. 

Vereint voran für einen "europäischen Islam"!
Daß Priesterkasten nicht im Vormarsch wären, ob im Orient oder bei uns, der Beweis für eine solche kühne These steht also einstweilen immer noch aus. Und wenn sich Herr Winfried Kretschmer und der Papst einig sind darin, daß in Deutschland mit Steuergeldern Islamlehrstühle eingerichtet werden sollten ..., 
Kretschmer: Unseren neuen Tübinger Lehrstuhl, wo Imame und islamische Religionslehrer ausgebildet werden, hat der Papst sehr positiv gewürdigt, weil auch die Hoffnung besteht, dass sich eine Art europäischer Islam entwickeln kann.
... dann sind dem Papst und Herrn Kretschmer wohl ebenfalls Priester lieber als keine Priester, egal welche ...  Und sind ihnen ein europäischer Islam lieber als gar keine Religion!!! Und wo doch die Imame von Indien bis Marokko und Norwegen alle an denselben Gott glauben wie der Papst und Herr Kretschmer - Jehova sei's gepriesen und gepfiffen!

Der Papst und Winfried Kretschmer: Priester zu haben, ist besser als keine Priester zu haben

Aber da wir kürzlich von "vereinnahmenden Synthesen" verschiedener asiatischer und westlicher priesterlicher Bestrebungen sprachen, die auch schon früh in der 1968er Bewegung wirksam waren und bis heute blieben (siehe Anthropophen-Freunde wie Otto Schily, Hans-Christian Ströbele oder Horst Mahler), kann man sich durchaus auch fragen, ob die Vatikantreuen nicht sogar Morgenluft wittern, was die letztendliche - offene, halboffene oder auch nur "unterirdische" - Unterordnung der islamischen Priesterkaste unter die römische betrifft.*)

Würde der Papst denn sonst einen "europäischen Islam" begrüßen anstatt wie frühere Päpste die europäischen Völker gegen den Islam aufzuhetzen? Am Ende hetzt der Papst lieber noch die islamischen Gottgläubigen und Priesterhörigen gegen die europäischen Ungläubigen und Priesterablehnenden auf. Das läge völlig in der Konsequenz von zweitausend Jahren Kriminalgeschichte des Christentums.

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*) Und die genannten Anthroposophen-Freunde erinnern in diesem Zusammenhang auch in vielerlei Hinsicht an "vereinnahmende Synthesen" gegenüber der tibetischen Priesterkaste, bzw. von seiten derselben, einer Priesterkaste, die nicht nur bei Jörg Haider auf viel Verständnis traf und trifft.

Priesterdiktatur im Iran

Vom 6. bis 8. Oktober fand an der Freien Universität Berlin der Jahreskongreß der "DAVO", der "Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient", statt. Und ich hatte dankenswerter Weise die Gelegenheit, mir dort einige Vorträge anhören zu können.

Dabei konnte man unter anderem viel über die inneren Verhältnisse des heutigen Irans lernten, in dem es ja - im Gegensatz zu den anderen Ländern der arabischen Welt - eine breite bürgerliche Schicht gibt. Diese bürgerliche Schicht ist aber zu großen Teilen emigriert. Man macht sich viel zu wenig bewußt, daß der Iran schlichtweg eine Priesterdiktatur ist. Oder man hat sich viel zu sehr daran gewöhnt als Weltöffentlichkeit, als daß man diesen Umstand noch großartig als erwähnenswert empfinden würde. Es herrschen schlichtweg die Priester. Es ist eine Theokratie. Und Mahmud Ahmadinedschad ist eine Figur, die nur von den Priestern geduldet wird, und der selbst theologisch argumentieren muß, um sich ihnen gegenüber zu halten.

Der Iran ist sicherlich ein gutes Anschauungsbeispiel dafür, was Einrichtung von Islamlehrstühlen letztlich auch in Deutschland bedeuten kann, über die sich der Papst und der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, der Katholik Winfried Kretschmer, so einig waren. Daß der Papst der Stellung der Priester im Iran grundsätzlich abgeneigt gegenüber steht, hat er das schon einmal irgendwo geäußert? Man hat solche Fragen in den letzten Jahren viel zu wenig in den Augen behalten. Als ob der Papst grundsätzlich etwas gegen die Unterordnung von Staatsmännern unter Priester hätte.

So jedenfalls hat er sich bei seinen "Staatsbesuchen" in England und Deutschland nicht verhalten und geäußert. Es stünde auch ganz im Gegensatz zu allen katholischen theologischen Lehrmeinungen und zur ganzen ... Kriminal- ... Geschichte des Christentums.

Wir wollen uns bemühen, künftig auch alle theokratischen Bestrebungen innerhalb des islamischen Bereiches hier auf dem Blog im Auge zu behalten. Wer glaubt, Priesterdiktaturen würden in der heutigen Welt keine Gefahr mehr darstellen und würden von Geheimdiensten und Lobbymächten nicht geduldet und gefördert oder gar begrüßt - der schaue sich den Iran an.

Der Iran, das einzige Land in der arabischen Welt, in dem es immer schon eine breite bürgerliche Schicht gab, die zum Teil auch lieber auf vorislamische Traditionen zurückgreifen wollte, die also - offenbar mit Priesterdiktatur, Krieg und Emigration - besonders davor "gehütet" werden mußte und muß, sich den großen globalisierenden "Fortschritten" von Weltreligionen und -ideologien in den Weg zu stellen. (So wie man einige Jahrzehnte zuvor schon bürgerliche Eliten in der westlichen Welt durch Priesterdiktaturen, Krieg und Emigration davor "behüten" mußte, auf vorchristliche Traditionen zurückgreifen zu wollen.) Bzw. in dem es bürgerliche Eliten gab, die man besonders dazu mißbrauchen konnte und kann, um diese auch religiös globalisierenden Fortschritte durch "Krieg, Krise und Strategien der Spannung", "Kämpfe der Kulturen" voranzutreiben.

Freitag, 21. Oktober 2011

"Die Anerkennung biologisch-kultureller Evolution mit allen ihren beobachtbaren Unterschieden gehört zum Wesen des Humanismus."

Lichten sich die Staubwolken rund um "Generation Giordano"?

Philipp Möller, GBS
Die Entwicklungen des gestrigen Tages in Sachen Facebook-Bewegung "Generation Giordano" sind zum Schluß doch noch einmal unerwartet spannend geworden.

Zunächst hatte der Berliner Frank Navissi vom "Humanistischen Pressedienst" - und zugleich Bloginhaber vom Blog "Nics Bloghaus" (jetzt kennen wir endlich seinen Namen) - seinen Artikel "Klargestellt" zu den Vorgängen rund um die Facebook-Gruppe "Generation Giordano" in einem weiteren Beitrag noch einmal "klargestellt". Dies geschah in Antwort auf einen Offenen Brief von Frank Berghaus auf "Wissen bloggt".

Daraufhin hat auch Andreas Müller vom Blog "Feuerbringer" sich zu Wort gemeldet. Aber der fast pessimistisch klingende Schluß seines Blogbeitrages, den wir hier zunächst hatten zitieren wollen, hat sich  inzwischen scheinbar ebenfalls wieder erübrigt.

Denn schließlich wurde ein Brief des Pressespechers der Giordano Bruno-Stiftung, also von Philipp Möller, bekannt. Diesen kann man als den wichtigsten Diskussionsbeitrag seit der Spaltung der Facebook-Bewegung "Generation Giordano" ansehen. Möller hatte sich ursprünglich auch als Pressesprecher dieser Facebook-Bewegung angeboten. Und dieser Brief steigt  erstmals - wenigstens ein wenig - auf die Sachebene herunter. Deshalb beginnt man, sich für diesen Berliner Grundschullehrer Philipp Möller näher zu interessieren. Und findet beispielsweise eine bravouröse Philippika gegen Matussek und Co. im Netz (siehe Video; mehr siehe: Disput-Berlin.com).

Da der Brief in Foren veröffentlicht ist, in denen jeder seine Mitgliedschaft beantragen kann, bzw. muß, und da nicht bekannt ist, inwieweit es erwünscht ist, wenn man diesen Brief vollständig veröffentlicht (was wir gerne täten), sollen hier zunächst nur einige der wesentlichsten Inhalte referiert werden.

Darf eine etwaige "Sarrazin-Keule" ein Totschlag-Argument sein?

Der wesentlichste Punkt ist, daß Möller die "tiefe weltanschauliche bzw. politische Spaltung", die es "unter den Mitgliedern der GG zu geben" scheint, beim Kragen faßt. Er sagt, daß die "Sarrazin-Keule" für einige offenbar immer noch als Totschlag-Argument gilt, und daß bei all dem doch offenbar der alte "Natur-Kultur-Konflikt" durchscheint: die einen meinen, der Mensch wäre ausschließlich das Produkt seiner Gene, während die anderen meinen, nur die Umwelt, die Kultur würden ihn prägen. Aus evolutionär-humanistischer Perspektive, so Möller - völlig im Sinne unserer Blogarbeit seit Jahren -, sollte allerdings klar sein, dass es gerade die Mischung aus Natur und Kultur ist, die uns prägt. Aber er sagt auch, daß diese Spaltung leider bis in das Umfeld von gbs und hpd hineinreichen würde.


Die Differenzen zu überwinden, würde eine "Heidenarbeit" geben. Wären sie aber überwunden, könnte sich die gbs durchaus auch offiziell hinter die Facebook-Bewegung "Generation Giordano" stellen, wodurch die humanistischen Anliegen doch deutlich an Zugkraft gewinnen könnten. Es müsse den verschiedenen Diskussionsparteien - wiederum ganz im Sinne unserer Blogarbeit seit Jahren! - klar gemacht werden, daß es in einem konsequenten evolutionären Humanismus weder Platz für Rechtspopulismus noch für überholtes Tabula-rasa-Denken gäbeMöller erwähnt auch heftige Diskussionen in der Berliner Regionalgruppe der gbs um Sarrazins Thesen, und daß einige gbs-Aktive auf einen Satz wie "Zum Wesen des Humanismus gehört die Anerkennung biologisch-kultureller Evolution mit allen ihren beobachtbaren Unterschieden.", heftig reagiert hätten. Er wünscht, daß diese Fragen um der Sache willen geklärt werden könnten und die Differenzen überwunden werden können.

Wir vermuten: Fortsetzung folgt.

Dienstag, 18. Oktober 2011

"Generation Giordano" - inmitten einer Wolke aufgewirbelten Staubes


"In erster Linie bin ich Humanist und Menschenfreund. Für mich gibt es keine Völker, sondern nur Menschen." (David Farago)

Die "Giordano Bruno-Stiftung" hat ein Kind bekommen. Und viele diskutieren, ob es ein eigenes Kind ist oder ein ihr untergeschobenes, ihr ungewollt vor die Tür gesetztes, ob es ein ehelich oder unehlich oder außerehelich gezeugtes und/oder geborenes Kind ist. Auch wir selbst schweben völlig im Dunkeln über die Elternschaft und geben im folgenden nur unsere ganz persönliche Sicht auf die Vorgänge.

Man kann das Kind natürlich wahrnehmen als eine Art inoffizieller, nicht anerkannter, wie gewöhnlich mit einigem Mißtrauen beäugter *Online-Jugendorganisation* der "Giordano Bruno-Stiftung" auf Facebook. Nämlich die Facebook-Gruppe "Generation Giordano" mit ihren zwischenzeitlich über 800 Mitgliedern. Sie hat allerhand Staub aufgewirbelt. Und zwar nicht nur wegen der ungeklärten Frage der "Erziehungsberechtigten". ;-)

Und die in den Diskussionen der letzten Tage gemachten Erfahrungen haben sicherlich viele Menschen - zumal im Umfeld der Giordano Bruno-Stiftung, aber auch weit darüber hinaus - nachdenklich gemacht (siehe etwa den "Humanistischen Pressedienst" hpd: "Klargestellt"). Der Gruppengründer der "Generation Giordano", Frank Berghaus, Bloginhaber von "Wissen bloggt" und zahlreiche Mitglieder der 800-Mitglieder-starken Facebook-Gruppe "Generation Giordano" haben keine Berührungsängste gegenüber den durch Thilo Sarrazin angesprochenen Themen (und arbeiten unter anderem auch schon verdienstvollerweise an "Aussteigerprogrammen" für Kommentatoren des mit Recht sehr umstrittennen Blogs "Political Incorrect").

Der Gruppen-Usurpator David Farago, der sich plötzlich in den Vordergrund gedrängelt hat und alle andere Administratoren ohne jede Absprache oder Ankündigung abgesetzt hat, erklärte in seiner ersten "Thronrede" am Sonntag Abend - auf die er bezeichnenderweise lange hatte warten lassen -, daß er in erster Linie "Humanist, also Menschenfreund" sei und es für ihn "keine Völker, sondern nur Menschen" gäbe. Leider gäbe es, was  Frank Berghaus betrifft, in manchen Bereichen keine Schnittmenge mehr mit dem Humanismus, was er erst festgestellt habe, nachdem er anfangen habe mit Frank Berghaus zusammenzuarbeiten.

"Im Hintergrund passiert zur Zeit viel ..."

Das ist natürlich ganz schön päpstlich, anderen Humanisten, die auf ihrem Blog viele bekannte Humanisten als Gastautoren haben, freiweg den Humanismus abzusprechen. Und in seiner heutigen zweiten "Thronrede" erklärt er aus seiner Sicht in ähnlicher Weise, daß "im Hintergrund" zur Zeit "viel passieren" würde, und daß ab jetzt Netzverweise in der Facebook-Gruppe "Generation Giordano" zum Blog "Wissen bloggt" nicht mehr geduldet werden sollten. Der Humanismus der Gruppe wäre "mißbraucht" worden, um für einen einzelnen Blog Werbung zu machen.

Nach dem Rückzug des Pressesprechers der gbs, von Philipp Möller, aus der Gruppe "Generation Giordano" glaubte Frank Berghaus dann nicht mehr auf "weiteres Wohlwollen" der Giordano Bruno-Stiftung setzen zu können.

Man kann aus den dort geführten Diskussionen viel lernen. Allen, die dem Projekt "Generation Giordano" von Anfang an mit Wohlwollen gegenüberstanden, muß doch bekannt sein, daß es viele in ihren Reihen gibt - wie die Blogger Frank Berghaus oder Andreas Müller -, die den naturalistischen Anliegen von Thilo Sarrazin grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Wenn sie also Wohlwollen entziehen, dann nicht wegen dieser grundsätzlichen Haltung, die schon seit vielen Monaten bekannt ist, sondern weil sie es plötzlich mit einer schnell wachsenden Facebook-Gruppe zu tun hatten. Sprich, solange die Dinge im "kleinen Winkel" bleiben, kann man ihnen mit Wohlwollen gegenüberstehen, erlangen sie aber größere Öffentlichkeit, muß Usurpatoren-gleich und erwachsene Menschen bevormundend eingegriffen werden.

Das ist eine ziemlich inkonsequente Haltung und sie zeigt, auf welcher schiefen Ebene man sich derzeit in diesen Kreisen bewegt. Die Basis denkt vielfach anders als die einflußreichsten Leute. Ob das auf die Dauer gut geht? Wohl nicht in Facebook-Zeiten. In Vor-Facebook-Zeiten konnte so etwas noch gut gehen (siehe etwa die "Grünen"). Heute wohl nicht mehr.

Wölfe unter dem Schafspelz?

Jedenfalls wissen es jetzt viel mehr Leute als zuvor: Frank Berghaus und sein ideologiefreier Ansatz haben unter Humanisten sehr viel mehr Sympathisanten, als wahrscheinlich bis heute den meisten bewußt gewesen ist. Und es gibt noch viel mehr, die nicht verstehen, wie man seine Personalie so "ideologisieren" kann, wenn es doch insgesamt um viel weiter gefaßte Ziele geht (Laizismus und anderes). Da kann man an "Hintergründen" noch viel mutmaßen. Uns scheinen diese einigermaßen offensichtlich. Aber als gewöhnlicher, typischer Humanist, wie man derzeit auf Facebook diskutiert, glaubt man ja nicht an das Schlechte und Schlechteste unter seinen Mitmenschen, selbst unter seinen weltanschaulichen Gegnern. Man hat offenbar die "Kriminalgeschichte des Christentums" noch nicht gründlich genug studiert und wittert deshalb immer noch viel zu wenig "Wölfe unter dem Schafspelz".

Erst vor wenigen Jahren gab es bedeutendste evangelische Autoren und Theologen, die sich als Geheimkatholiken entpuppt haben, worüber sich Herausgeber der "Zeit" mit Recht hochgradig empört haben. Und da soll es unter Humanisten keine Geheimchristen und Geheimkatholiken geben? Keine Wölfe im Schafspelz geben? Das glaube wer will. Mit der Strategie von "Gutmenschen" hätten die christlichen Lobbymächte von heute gewiß nicht jene Macht, die sie haben. 

Ein weiteres Kapitel "Kriminalgeschichte des Christentums"?

Konsequent und folgerichtig jedenfalls hat der als Administrator abgesetzte Frank Berghaus heute eine neue Facebook-Gruppe gegründet "Generation Giordano - das Original" (siehe auch "Wissen bloggt"), wo man seine Mitgliedschaft beantragen kann ganz ebenso wie bei der alten. (Was ich auch weiterhin nur allen Bloglesern empfehlen kann! Einige sind meiner Empfehlung dankenswerter Weise schon gefolgt!) Dort habe ich selbst gerade folgenden wie ich hoffe weiterführenden Diskussionsbeitrag eingestellt. Allerdings weiterführend wohl eher in einer mittel- und längerfristiger Perspektive:
Die Gründung dieser Gruppe finde ich folgerichtig und konsequent. Aber wir sollten auch die alte Gruppe nicht aufgeben. Denn im Grunde setze ich mich lieber mit Leuten auseinander, die NICHT meiner Meinung sind, als mit Leuten, die meiner Meinung sind. Werden diese anderen auch hier herüberkommen? Die Gesamtheit der Erkenntnisse zum naturalistischen Menschenbild von heute war der Haken, an dem man in der alten Gruppe in der Diskussion hängen geblieben ist. Interessant genug, finde ich. Das kann also kein nebensächliches Thema sein. Für eine "Generation Giordano". Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht.
Bekanntermaßen hat die Inhumantität im 20. Jahrhundert GERADE am Thema der Ungleichheit von Kulturen und Völkern angesetzt und sie gegenseitig zu furchtbaren Verbrechen aufgehetzt. Wenn die Evolutionäre Anthropologie von heute wieder stärker als bislang bekannt eine etwaig gegebene UNGLEICHHEIT von Kulturen und Völkern im menschlichen Genom und in der menschlichen Psyche erkennt, dann sollten gerade Humanisten es als eines ihrer zentralsten Anliegen begreifen, daß endlich einmal darwinische Erkenntnisse NICHT in Sozialdarwinismus enden, sondern ein HUMANERES Zusammenleben von Menschen, Völkern und Kulturen bewirken. (Und damit dann auch eine weniger ideologisierte Gesprächshaltung, die ja vornehmlich aus der unbewältigten und deshalb durchaus berechtigten ANGST vor neuem Sozialdarwinismus genährt ist.)
Auf diesem Gebiet ist auch UNTER HUMANISTEN selbst, wie die letzten Tage gezeigt haben, viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Das heißt: Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig. Aber die inneren Auseinandersetzungen darüber, wie man die modernen anthropologischen Erkenntnisse mit einer humanistischen Moral verbindet, sind - längerfristig und auch ganz unabhängig davon, ob es Kirchen gibt oder nicht - wohl noch viel wesentlicher. Eine Schwerpunktlegung auf diese Themen würde es auch vermeiden, daß man sich als Humanist so stark von einem "Feindbild" her definiert, statt aus Eigenmotivation heraus Lösungsvorschläge für jene anstehenden gesellschaftlichen Probleme vorzubringen, die die derzeit Regierenden noch vornehmlich von einem "christlichen Menschenbild" ausgehend zu lösen bestrebt sind. 
Ja, in deren Angesicht sie einmal aufs Neue ihr "christliches Menschenbild" aus ihrer verquasteten Ideologiekiste hervorkramen, möchten wir hier noch ergänzen. Ganz zu recht wurde von einem zweiten abgesetzten Administrator dazu geschrieben, daß bei diesen Themen nicht alle Anthropologen und Biologen einer Meinung sind.

Nun, Frank Berghaus oder Andreas Müller haben sich über diese Themen auch begründete Urteile bilden können, ohne Experten zu sein. Das ist durchaus auch Laien möglich. Ja, die Sarrazin-Debatte fordert ja Laien geradezu dazu heraus, sich auch auf diesen Gebieten eine Urteil zu bilden. Wie auch sonst, ist hier eben das Grundanliegen des Humanismus angesagt: Aufklärung. Und Wissenschaftsnähe. Auch auf diesem Gebiet. Unsere Blogs arbeiten an dieser Aufklärung ja schon seit vielen Jahren.

Auch ein Forum hat sich gebildet: "Generation-Giordano.de", wo sich jeder registrieren und mitdiskutieren kann. Man darf auf den Fortgang der Erörterungen und Entwicklungen außerordentlich gespannt sein.

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PS (19.10.2011): Dieser Beitrag wurde nach dem Kommentar von "Bruder Spaghettus" auf Paperblog etwas umgschrieben.

Samstag, 15. Oktober 2011

"V1", ein "Weißmagier", hat "nichts mit dem Lamaismus/Buddhismus zu tun" ...

... weiß aber über gegenseitig sich vereinnahmende "Synthesen" zwischen Jesuitismus, Buddhismus, Freimaurerei und Anthroposophie

Der kenntnisreicher Blogkommentator/Gastblogautor "V1" - wie er selbst seinen Namen gelesen wissen will: "Vertretung 1" (- Vertretung von wem? - oder eher "Vatikanum 1"? - siehe unten) - hat bei Paperblog  unter anderem folgende Kommentare eingestellt und in ihnen auch auf unseren Blogbeitrag geantwortet.

Jutta Ditfurth - Buchtitel
(12.07.11:) Goethe verhöhnte Schiller mit diesem Gedicht "Bei Betrachtung von Schillers Schädel". Schillers Totenschädel war ein Souvenir auf Goethes Schreibtisch. Schiller weigerte sich zeitlebens bei den Illuminaten und Freimaurern mitzumachen.  Mehr dazu bei Jürgen Schings: Die Brüder des Marquis Posa. Schiller und der Geheimbund der Illuminaten.
Was "V1" von Jutta Ditfurth zitiert, erscheint uns - wieder einmal - sehr bemerkenswert, obwohl durch solche allgemeinen Bezüge allein seine sehr konkreten Thesen zu Lafontaine, soweit wir sehen, noch nicht besonders bekräftigt sind (Hervorhebung nicht im Original):
(13.10.11:) Naja, also Blogs werde ich keine schreiben. Aber wenn es nichts ausmacht, werde ich ein paar gedankliche Einwürfe machen.

Allein schon wie Lafontaine mit dem Begriff Jesuiten in diesem Interview mit der Welt-Online geschäkert hat, sagt für mich mehr als tausend Worte. An den vom Saulus zum Paulus geläuterten Bilderberg-Politiker Lafontaine glaub ich nicht. Für mich ist Lafontaine ganz klar kontrollierte Opposition. Wie es läuft, wenn jemand zu viel Einfluss in das politische Geschehen bekommt, zeigt ein Interview mit Jutta Ditfurth:

SPIEGEL ONLINE: Klingt nach Verschwörungstheorie.

Ditfurth: Ich habe die Einflussnahme der US-Regierung auf hiesige Politiker ja selbst erlebt: Als ich Bundesvorsitzende der Grünen war, wollte das US State Department Kontakt zu mir aufnehmen. Ich sagte: kein Interesse. Bei meiner Vortragsreise 1987 durch die USA haben sie es trotzdem versucht. In der Jesuiten Georgetown University in Washington stand ich plötzlich vor einem geladenen Publikum - darunter jede Menge Uniformträger und CIA-Mitarbeiter. Wir haben uns lautstark gestritten - ein ehemaliger Stadtkommandant von Berlin brüllte los: "Wenn wir gewollt hätten, hätte es die Grünen nie gegeben!" Mein Gastgeber von der Universität versuchte nach der Veranstaltung, mich dazu zu überreden, an einer Studie über die Grünen mitzuschreiben. Da hätten auch schon andere Grüne zugesagt - "gute Freunde" wie Otto Schily und Lukas Beckmann.

Die Gründungsmitglieder des CIA waren allesamt Malteserritter. Es ist schon irgendwie verwunderlich, wenn manche 0815 Herrmann Goedsche Verschwörungs-Anhänger glauben, dass die Weltpolitik einzig und allein von verrauchten Synagogen aus gesteuert werden soll. Die Urfassung der Weisen von Zion geht übrigens auf französische Jesuiten zurück. Und selbst 33rd degree AASR Fremason Henry Ford wurde, nachdem er die Protokolle in den Staaten publizierte, Ehrenmitglied in der Zion Lodge No 1.

Auch heute noch ist Schiller's Figur in Don Karlos, der Malteserritter Marquis von Posa, brandaktuell. Noch im zehnten Brief über Don Karlos konstatierte Schiller, dass er weder Freimaurer noch Illuminat sei. So etwas verdient Respekt. Schiller starb viel zu früh und sein angeblicher Freund Goethe schmähte ihn mit diesem widerlichen freimaurerischen Ritualgedicht "Bei Betrachtung von Schillers Schädel".
Leider werden - wie so oft bei "V1" - kaum Literaturnachweise gegeben. Woher hat er sein Wissen? Aber daß 

1. in der CIA starke katholische Einflüsse vorliegen, davon haben wir uns inzwischen - gerade auch auf die früheren Anregungen von "V1" hin - selbst überzeugt. Wenn der Neffe von Allen Dulles einer der bedeutendsten Jesuiten - und damit per se Mißbrauchsvertuscher - Nordamerikas war, sagt das eigentlich alles. Und daher wird uns auch verstehbar, warum der Allen Dulles 1945 beim Anrücken der Sowjets Richtung Adriaküste und Vatikan - plötzlich - Unterhandlungen mit der SS in Italien betrieb ("Operation Sunrise"). Und so vieles mehr (vatikanische Rattenlinien, das Büro des späteren BND-Chef Gehlens über dem Amtssitz des Oberkatholiken Adenauer, die Zentrale des BND ausgerechnet eingerichtet in jenem Ort, wo sich auch die Zentrale der deutschen Jesuiten befand, nämlich in Pullach, etc. pp.). Auch bei Cathy O'Brien findet man über Jesuiten in amerikanischen Geheimdienstkreisen sehr viel, was zu dieser Priesterkaste, die sich inzwischen selbst als eine "Gewalttäter-Organisation", in der Gewalt "systemtisch" betrieben wurde, kennzeichnet (siehe früherer Beitrag) paßgenau paßt. - Was hier nun von "V1"

2. über die Protokolle von Zion geschrieben wird, ist ein Thema, das wir hier auf dem Blog noch nie behandelt haben und auch nicht behandeln wollen. Wir nehmen es ebenfalls einfach so hin. Erscheint uns ziemlich unwahrscheinlich. (- Aber wieviel erscheint einem auf diesem Gebiet auf den ersten Blick "ziemlich unwahrscheinlich" und ist es dann doch nicht? - Klar, warum sollten die Jesuiten einer konkurrierenden Lobbygruppe in gefälschten "Protkollen von Zion" nicht die eigenen Methoden unterschieben? Klingt zunächst einmal plausibel ...)

Warum ist Schillers "Malteserritter Marquis Posa" "brandaktuell"?

3. Warum ein "Malteserritter Marquis Posa" heute "brandaktuell" sein soll, bleibt einem einstweilen verschlossen. Zumal es ja wohl kein antikatholischeres Bühnenwerk gibt, als den "Don Carlos". Weil der "Don Carlos" ein antikatholisches Bühnenwerk ist und weil die - katholischen (!!), vom Illuminatenorden mitinspirierten (??) - Malteserritter eine Art Konkurrenz zum Jesuitenorden darstellen? (-???) (Siehe dazu Kommentare und Anhang.)

Zu einem Paperblog-Beitrag über die Israel-Lobby, der nicht von uns ist, schreibt "V1":
Ich kenne entsprechende Stellungnahmen von jüdischen Historikeren wie Michael A. Hoffman, Henry Makow oder Noam Chomsky die sich sehr kritisch über den Zionismus äüßern. Aber sind die Aschkenasim die wirklichen Gatekkeeper hinter der Verschwörung, oder ist es vielmehr so, dass wir in einem römischen System leben, wo es Hofjuden schon immer gegeben hat? Rothschild war als Malteserritter Banker des Vatikans und der Rest des Rings der City of London wie Warburg, Schiff und Oppenheim sind auch als Knights of Maltas oder Knights of St. Gregory dem Papsttum verpflichtet. 

Der Name Castro ist zwar ein spanisch sephardisch Name, aber Raul und Fidel Castro sind definitiv keine Juden, sondern "brave" katholische Jesuitenzöglinge genau wie Robert Mugabe, Stalin und Co. Fra' Stalin ließ auch neben Trotzki auch andere Juden beseitigen, die an der Revolution beteiligt waren.

Die Historiker Shlomo Sand und Isreal Finkelstein und der Linguist Paul Wexler haben eigentlich schon bewiesen, dass sephardische Juden und Aschkenasim nichts mit dem Land Israel zu tun haben, sondern einfache Konvertiten sind. Da brauch ich nicht mal mit Arthur Köstlers "Der dreizehnte Stamm" zu argumentieren.
Der Inhalt des letzten Absatzes - insbesondere die These von Arthur Koestler - ist schon längst durch die moderne Humangenetik widerlegt, wie man - etwa - auf Wikipedia nachlesen kann. Ob Arthur Koestler selbst je daran geglaubt hat? Ob seine These nicht der Irreführung dienen sollte? Sollten die aschkenasischen Juden wirklich so sehr das Wissen um ihre eigenen ethnischen Ursprünge verloren haben? Und warum greift V1 diese überholte These auf? Warum ist sie ihm wichtig? Auch diese Kommentare lassen wir einfach einmal so im Raum stehen. Die Israel-Lobby ist hier auf dem Blog nicht ein Thema, das wir "in extenso" behandeln wollen. Dazu haben unserer Meinung nach Kevin MacDonald, John Hartung, James Watson, Noam Chomsky, Wolfgang Eggert und viele andere zunächst alles Wesentliche gesagt. Es würde uns langweilig, wenn wir das hier alles wiederholen wollten. 

"Vertretung Nr. 1" von ungenannten "Weißmagiern"?

Und zu unseren Vermutungen über "V1" schreibt er selbst (14.10.11):
V1 hat sicher nichts mit dem Lamaismus/Buddhismus zu tun, da mir insbesondere der Lamaismus mit seinem schwarz-magischen Einfluss und der autokratische Führungsstil des Gottkönig Dalei Lama zutiefst suspekt sind. Bei den Vertretern der jesuitisch apostolischen Sukzession finden sich allerdings einige Jesuiten die gleichzeitig Zenmeister sind. Bestes Beispiel ist der ehemalige Chef des Lassalle-Haus Niklaus Brantschen SJ, welcher wiederum engstens mit Hans Küngs Weltethos für interreligiöse Begegnungen verbunden ist. Küng ist bei der Deutschen Freimaurerei hochangesehenen ( http://www.freimaurerei.de/rede-von-hans-kueng.html). Küng, Walter Kasper, Karl Lehmann und Ratzinger waren Schüler des Überjesuiten Karl Rahner, der wiederum als Architekt für V2 (Vatikanum2) gilt. Selbst Ratzinger war damals als Konzilsmitglied bei Ausarbeitung von V2 dabei.
Annie Besant höchstselbst bezeichnete Rudolf Steiner als Jesuiten. Der ganze Rummel um die Theosophen Jiddu Krishnamurti, Alice Bailey, Nicholas Roerich, Helena Petrovna Blavatsky und Co interessiert mich nicht. Dessen ungeachtet ist die theosophische Bewegung sehr einflussreich. Aus der Umgebung der Sankt Petersburger Roerich-Gesellschaft werden nahezu alle wichtigen russischen Posten aus Geheimdienst, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik besetzt. Roehrich und die Jesuiten ist Kapitel für sich.
Daß es viele Überschneidungen, gegenseitige Unterwanderungen, Vereinnahmungen, vereinnahmende "Synthesen" und gleichzeitige Rivalitäten gibt zwischen Jesuitismus, Buddhismus und Freimaurerei, auch völkischer Freimaurerei (und auch Islam) (- da gliedert sich sicherlich auch die Verbindung zwischen dem Präsidenten eines "Schurkenstaates", Ahmadinejad, und deutschen Holocaust-Leugnern ein), natürlich spielt da auch die kabbalagläubige, also okkultgläubige Priesterkaste des orthodoxen Judentums mit hinein (siehe "Israels Geheimvatikan" von Wolfgang Eggert), wird uns selbst allmählich immer besser erkennbar. 

Jutta Ditfurth (Buchtitel)
Und auch von einer Petersburger Roerich-Gesellschaft haben wir einstweilen noch nie etwas gehört, betrachten diesen Hinweis zunächst als bedeutend und werden ihm nachgehen.

- Tja! "V1" agiert also, wenn wir ihn recht verstehen, als "Weißmagier" unabhängig von all solchen großen Lobbygruppen, bzw. Priesterkasten dieser Welt. Aber dafür "weiß" er unserer Ansicht nach zu viel. Als Vertreter Nr. 1 welches "Weißmagiers" sieht er sich denn dann selbst? 

"Antithese zu Alfred Rosenberg" ...?
Außerdem schreibt er noch (13.10.11):
Streicher und Rosenberg galten als Lutheraner. Rosenberg war neben seinem jesuitischen Rivalen Goebbels der Vorzeigeintellektuelle in der NSDAP. Aus Forschungszwecken habe ich auch Rosebergs "Der Mythus des 20. Jahrhunderts gelesen". Neben den rassistischen Äußerungen gibt Rosenberg in seinem Buch ein recht schwärmerisch-pathetische Sicht des Hellenismus und Herodots mystische Hyperborea wieder. Das Kapitel über die Jesuiten und rkK erzürnte Roms Titularbischof Alois Hudal so sehr, dass er das Buch auf den Index setzte. Just dieser Alois Hudal war für die Ausreise der Kriegsverbrecher Priebke, Barbie, Eichmann, Mengele und Co verantwortlich. Es würde mich nicht wundern, wenn der Illuminat Bormann und Hitler auch nach Südamerika entkommen sind.
Rosenberg erhoffte viel von einem "Fünften Evangelium", das auch in vielen Okkultkreisen damals eine Rolle spielte. (Ob heute noch, weiß ich nicht.) - Hm, wen das mit "Hitler in Südamerika" "nicht wundern" würde, der stellt sich natürlich auch hier in eine Reihe mit zahlreichen okkultgläubigen ("weißmagischen") Menschen, die das auch: "nicht wundern" würde. Weiter schreibt "V1":
Als Antithese zu Rosenberg lohnt es sich den Junghegelianer und Mentor von Marx Moses Hess "Rom und Jerusalem" zu lesen.
Sicherlich ein guter Ratschlag. Gerne mehr davon. - Aber Antithese zu welcher These? Nun, steht wohl in diesem genannten Buch drin. Keine Ahnung. - Nanu? Warum braucht man eigentlich eine "Antithese zu Rosenberg"? Jedenfalls: Um so mehr wir uns mit diesen Dingen beschäftigen, um so mehr stoßen wir auf Zusammenhänge, auf die wir "im Leben nicht gekommen wären". Zum Verständnis der derzeitigen Vorgänge in Europa und Asien werden sie aber mehr als wesentlich sein. Siehe deshalb auch die beiden Folgebeiträge "Priesterdiktatur Iran" und "Priesterdiktaturen zwischen Europa und Asien".

(leicht überarbeitet: 01.12.2011)

Anhang (Ergänzung vom 01.12.2011)

Das Buch "Die Brüder des Marquis Posa" von Hans-Jürgen Schings (1), auf das man oben von "V1" hingewiesen worden ist, macht einen eigentlich nicht wirklich schlauer. Oder müßte man es noch gründlicher lesen? Es wird von Schings zwar angesprochen, daß Schiller den Marquis Posa ausdrücklich "zum Ordens-, zum Malteserritter erhebt" (1, S. 6). (Aha, man wird "erhoben" dadurch!) Aber es wird nicht erörtert, warum gerade zum Malteserritter. Was brachte Schiller dazu, den Marquis Posa zu einem Malteserritter zu machen? Das ist ja auch offenbar nur im Verzeichnis der handelnden Personen am Anfang von "Don Carlos" erwähnt und spielt sonst keine Rolle (?). Es wird nur erwähnt, daß der Malteserorden damals - in Bayern - in Konkurrenz zum Jesuitenorden gestanden hätte, und daß seine Einführung in Bayern von den Illuminaten gefördert worden sei.

Und der Illuminatenorden ist dann das Hauptthema des Buches. Und wie er "Jagd" auf Schiller machte, um ihn zum Mitglied zu gewinnen, ihn aber nicht gewinnen konnte. Im vorletzten Satz des Buches von Schings heißt es noch einmal als eine Art Resümee: "... Noch einmal verabschiedet Schiller den 'Ordensgeist'."

All das scheint weitgehend in Übereinstimmung zu stehen mit dem, was Mathilde Ludendorff über Schillers Leben schreibt (nicht über seinen Tod, über den "V1" zwar Andeutungen macht, der aber von Schings nicht behandelt wird - ?). Allerdings scheint Schings M. Ludendorff nicht selbst gelesen zu haben, wenn er unter Berufung auf Eugen Lennhoff's "Freimaurerlexikon" fälschlicherweise unterstellt, M. Ludendorff hätte behauptet, Schiller wäre Illuminat gewesen (1, S. 14f). Das haben Hermann Ahlwart und andere vermutet, wie M. Ludendorff selbst schreibt, sie selbst aber weist diese Vermutung - mit Begründung - zurück (2, S. 87). Und darin stimmen ja offfenbar der Autor Schings und "V1" mit ihr überein.


Schiller war ja nie Nobelpreisträger. Und hatte denn auch den "Ordensgeist" - im Gegensatz zu Nobelpreisträger Hermann Hesse - schon in Bezug auf den "Don Carlos" "verabschiedet", wie M. Ludendorff anhand eines Zitates aufzeigt (2, S. 85). Schiller sagt nämlich, daß er anhand des "Don Carlos" hatte zeigen wollen,
"wie auf viel kürzerem und vollkommenerem Wege das durch eine einzelne Persönlichkeit zu erreichen wäre, was die Maurerlogen zu erstreben vorgeben".
- "... was die Maurerlogen zu erstreben vorgeben"! Ist damit nicht alles gesagt? Warum der Marquis Posa also gerade als Malterserritter heute "brandaktuell" sein soll, muß einstweilen auch nach der Querschnitt- Lektüre des von V1 erwähnten Buches "Die Brüder des Marquis Posa" unklar bleiben.

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  1. Schings, Hans-Jürgen: Die Brüder des Marquis Posa. Schiller und der Geheimbund der Illuminaten. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1996
  2. Ludendorff, Mathilde: Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller. Ein Beitrag zur Deutschen Kulturgeschichte. Ludendorffs Verlag, München 1936 (56. - 59. Tsd.)

Mit Facebook-Demokratie wider die Macht von Lobbygruppen!

Priester fürchten heute ausdrücklich fast nichts so sehr wie "Facebook-Demokratie" (so der oberste Benediktiner Österreichs wörtlich). Um so mehr Grund, sich dieses Machtmittels zu versichern. Es wird ja immer besser sichtbar: So wie die Reformation von Martin Luther mit der Druckerpresse von Johannes Gutenberg aus Mainz gesiegt hat, so siegen wohl heute viele Lobby-ferne Bestrebungen mit dem Internet. Und da gibt es wieder einmal einige neue Entwicklungen zu vermelden.


Die "Giordano Bruno-Stiftung" (GBS) haben wir hier auf dem Blog schon häufiger behandelt. Ihr Ketzer-, Philosophen- und Naturwissenschaftler-Name ist Programm. Die GBS verfolgt bewußt kein ("fundamentalistisch"-)atheistisches Programm, sondern spricht bewußt wie Karlheinz Deschner oder Richard Dawkins auch alle kirchenfreien Religiösen an, die nicht an übernatürlichen Okkultismus glauben. (Im Grunde ist der Gott der heutigen christlichen Theologen selbst Okkultismus wie vieles, was an Religiosität aus Asien kommt.) Nach meinem Eindruck hat der Geschäftsführer der GBS, Michael Schmidt-Salomon, auf der Antipapstdemonstration in Berlin die beste Rede gehalten (siehe früherer Beitrag). Nachdem er sich aber in der Vorbereitung des Papst-Besuches auffallend lange mit entschiedenen und konkreten Forderungen zurückgehalten hatte. Auch hier scheint man mehr zu "reagieren" als zu agieren.

Dies liegt wohl daran, daß die GBS vor Jahren sehr bewußt als eine eher "elitäre" Vereinigung gegündet worden ist. Nicht auf Massenwirkung hatte man den Schwerpunkt gelegt, sondern auf Spaß-Kirchenkritik und Spaß-evolutionäres Denken. - Der Deutschlandbesuch des Papstes und das aufgesetzte Reden von "Generation Benedikt" allerseits hat die Papstgegner mit großem Recht so aufgebracht, daß sich innerhalb von wenigen Tagen auf Facebook eine 800-Personen umfassende Gruppe "Generation Giordano" (GG) gebildet hat, die sozusagen der GBS eine organisierte "Massenorganisation" an die Seite stellen will, und in der - in Diskussionen auf Facebook - eine kräftige Aufbruchstimmung herrscht. Man will dort sehr bewusst und endlich offenbar ausreichend tatkräftig die derzeitige Macht der Kirchen in Deutschland erörtert sehen mit zielgerichteter Öffentlichkeitsarbeit.

Live-Internet-Diskussion - morgen, Sonntag, 10 Uhr bis 11.30 Uhr

Diese Macht ist ja auch wirklich gar zu fragwürdig geworden. Beispielsweise wird mit großem Recht gefordert, dass es neben Rundfunkübetragungen von "Worten zum Sonntag" von Seiten von Priestern auch humanistische Worte zum Sonntag geben solle. Und vieles andere mehr.

Wenn das naturalistische, durch moderne Humangenetik informierte Menschenbild dort diskutiert werden sollte, das unserer Meinung nach sich als das stärkste Gegengewicht gegen alle elitären Globalisierungsbestrebungen herausstellen wird, werden wir versuchen, uns dort in die Diskussion einzuklinken.*) Bisher sind wir nur zuschauendes Mitglied dieser Gruppe.

Für den morgigen Sonntag gibt es nun eine Einladung für eine Live-Internet-Diskussion, die - vom Einsatz der neuen technischen Möglichkeiten her - sehr interessant zu werden verspricht (mit Chat und Webcam, um 10 Uhr bis 11.30 Uhr).**) Vielleicht hat der eine oder andere Blogleser Lust, dort hineinzuschauen, um sich auch selbst mit dieser Technik vertrauter zu machen.

Dazu braucht man offenbar auch ein Google Plus-Profil (die neue Konkurrenz von Facebook). Ob man sich ohne Einladung bei der Gruppe GG und dann bei der Internet-Konferenz anmelden kann, ist mir vorläufig nicht bekannt, da ich ja selbst zu beidem dankenswerter Weise eingeladen worden bin. Einfach probieren!

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*) Ergänzung, 16.10.2011, 16 Uhr: Das geschah wesentlich schneller als gedacht! Der Gründer der Facebook-Gruppe "Generation Giordano" ist gestern Nacht seiner Administratoren-Rechte beraubt worden, weil er nach Meinung seines technischen Helfers David Farago zu stark die Thesen von Thilo Sarrazin befürwortet. Die Gegenseite tritt wieder einmal kräftig gegen die Schienenbeine anderer. 800 Mitglieder bei einer solchen Facebook-Gruppe - das ist zu viel, als untätig bleiben zu können. Die Diskussion auf Facebook ist im vollen Gang und wir haben dort auch unseren Senf dazu gegeben.
**) Übrigens war auch die hier angekündigte Live-Diskussion sehr anregend und regt zu zahlreichen Nachahmungen und Wiederholungen an! 

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Unterwandern Jesuiten reformerische Kräfte in Bildung, Politik, Medien, Staat und Gesellschaft?

Ein Blogbeitrag unseres "Gastautors" und Kommentators "V1"

Obwohl unser Blog-Kommentator mit dem militaristischen Pseudonym "V1" auf einem zu diesem Pseudonym sehr gut passenden, unserer Meinung nach Satanismus-nahen, ekelhaften Forum ("Executor57") sich offenbar schon seit Jahren "sauwohl" fühlt und wir deshalb den Anliegen, die er insgesamt vertritt, mit dem allergrößten Mißtrauen gegenüberstehen, haben wir schon zu früheren Zeitpunkten seinen gelegentlich informativen Bemerkungen - insbesondere zu vatikantreuen Einflüssen auf Politik und Geschichte des Dritten Reiches oder der USA - allerhand Bedeutung zugemessen und hatten gelegentliche Kommentare auf dem genannten Forum hier auf dem Blog als Kommentare eingestellt. 

V1 im Raktenmuseum Peenemünde
Gerne also würden wir ihn hier auf unserem Blog auch als eine Art "Gastautor" aufnehmen, weil er offenbar wirklich Dinge zu sagen hat, die unsere Blogarbeit nahtlos ergänzen mit einem Wissen, das uns zunächst so nicht zur Verfügung steht. Wobei allerdings auf unsere vermutungsweise hintergrundpolitische Einordnung dieses "V1" in dem letzten Beitrag hingewiesen sei.

Gestern also hat "V1" wieder den folgendem längeren Kommentar auf unserem Parallelblog bei Paperblog geschrieben. Informative Kommentare hat es dort sonst noch vergleichsweise wenige gegeben, siehe jedoch einen Überblick über die dortigen Kommentare, der ergibt, daß der von uns totgeglaubte okkult-katholisch-freimaurerische Kommentator und frühere Amazon-Rezensent Stephen Boy/Jerry mitunter von den Toten aufersteht. :-) Nun aber "Gastautor" "V1" mit seiner dortigen folgenden "Rakete":
Getreu der jesuitischen Maxime "Der Zweck heiligt die Mittel" liegt der Modus Operandi der Jesuiten ganz klar in der Unterwanderung von Bildung, Politik, Medien, Staat und Gesellschaft.
Dabei werden reformerische Kräfte wie z.B. Attac gezielt unterwandert und lahmgelegt. Gemäß der typischen jesuitischen Anwendung von Kasuistik und Hegelscher Dialektik wurden nach dem massiven Zuspruch von Attac gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm gezielt Soldaten der Compania de Jesus wie Prof. Friedhelm Hengsbach SJ und Dr. Heiner Geißler in das globalisierungskritische Netzwerk entsandt. Es ist ja allein schon ein riesiger Widerspruch in sich, wenn Mitglieder einer international, intellektuell und global agierenden Elite genannt Societas Jesu - SJ auf einmal überzeugte Antiglobalisten werden. Noch befremdlicher wirkt es auf mich, wenn ein Norbert Blüm als Schüler des Überjesuiten Oswald von Nell-Breuning SJ im TV ignatianische Übungen vorturnt, oder wo Jesuiten Koadjutoren wie Geißler, Lafontaine und Gysi in Talkshows ein Millionenpublikum zum Narren halten. Hier ein Auszug aus einem Interview der Welt-Online, wie über das Thema gescherzt wird:
WELT ONLINE: Wer war der Gott dieser Religion? Lafontaine: Der schnöde Mammon. Ist das jetzt eine bibelfeste Antwort? WELT ONLINE: Ich dachte, Sie waren bei den Jesuiten auf der Schule? Lafontaine: Das ist ein Irrtum der Biografen. Ich habe Vorlesungen von Jesuiten gehört. (Es klopft, und Gregor Gysi steckt den Kopf herein) Lafontaine: (lacht) Der ist auch ein verhinderter Jesuit. Gregor Gysi: Ich bin kein verhinderter Jesuit, ich bin Jesuit. (Macht Tür wieder zu) 
Lafontaine verdankte im wesentlichen wie Kretschmann der römisch katholischen Kirche seine Polit-Karriere. Über das streng religöse Regino-Gymnasium kam er als Stipendiat in die katholische Kaderschmiede Cusanuswerk. Die Jesuiten dürften Lafontaines Redetalent recht bald erkannt haben und ihn zu einer Polit-Karriere ermuntert haben. Galt doch der oben genannte Nell-Breuning als einer der geistigen Väter des Godesberger Programms. Die Früchte für Lafontaines treuer Arbeit für die rkK genießt er heute in seiner neuen Luxus-Villa. Von außen zeigt er sich in einem antikatholischen und sozialistischen Mäntelchen und von innen gilt er als stets devot-loyale Feuerwehr der Jesuiten. Das passende Pendant zu Lafontaine findet man in den jesuitischen Gebrüder Castro. In diesem zum geistigen Stillstand gekommenen Land namens BRD finden sich zwar Parteien, aber mit ziemlicher Sicherheit keine Opposition.
Merkwürdigerweise sind wir gerade auch von einem früheren Freund auf die jesuitischen Hintergründe von Oskar Lafontaine hingewiesen worden. Natürlich hätte Oskar Lafontaine schon längst noch grundlegendere Fragen in der Politik stellen können - und deshalb müssen - als er sie stellt. Das allein aber ist für uns noch nicht genügend Anhaltspunkt, daß er ausgeprägt unselbständig und - etwa - am Gängelband irgendwelcher Hintergrundmächte agieren würde. Gerade er ist einer, von dem ich das am wenigsten vermute. Denn der Gegenwind, den er zu spüren bekommt, ist doch wirklich sehr breit und sehr intensiv. So intensiv bekommt man nicht Gegenwind, wenn man vor Lobbymächten kuscht, egal vor welcher.

Aber sonst hören wir uns die Kenntnisse und Mutmaßungen dieses "V1" gelegentlich doch sehr gerne an, weil sie einen über vieles neu nachdenken lassen und vieles neu einordnen lassen, was man zuvor in dieser Weise noch gar nicht beachtet hatte. Hat er doch an früherer Stelle auch schon auf die vatikantreuen Einflüsse innerhalb des Nationalsozialismus hingewiesen und insgesamt auf Themen, die auch sonst noch immer viel zu selten behandelt werden.  

Horst Mahler, deutsche Geheimdienste und der jesuitisch-buddhistisch-satanistische "Orden der Ordnung"

Ein wenig "Spekulation" - aber anhand zahlreicher recht handfester Anhaltspunkte

Denken ist erlaubt. Und Kombinieren ebenfalls. Und jede größere Wahrheit ist zunächst als Hypothese, Vermutung geäußert worden.

Die Kontakte von Horst Mahler zu Geheimdiensten sind vor einigen Wochen in der Öffentlichkeit thematisiert worden (3). Wir selbst hatten auf die geheimpolitischen Hintergründe von Horst Mahler zuletzt im April dieses Jahres aufmerksam gemacht (1). Es war uns schon längst (2) auffällig geworden, daß der "scharfe" Kritiker des "herrschenden Systems" nie besonders ausgesprochen das Wirken der Geheimdienste kritisiert hat. Der erste Verdacht kam uns, als wir eine Schrift lasen, in der der "Selbstmord" der Stammheim-Inhaftierten der Baader-Meinhoff-Gruppierung bezweifelt wurde. Von solchen Zweifeln, so ging es einem durch den Kopf, überhaupt von Kritischem, hatte man von prominenten Anwälten dieser Inhaftierten ja selten etwas gehört. Merkwürdig!

Obwohl doch jeder, der sich nur ein wenig mit der Geschichte der RAF beschäftigt hat, weiß, wie tief alle Arten von Geheimdiensten mit der Geschichte der RAF und des europäischen Linksterrorismus allgemein verfilzt und verstrickt sind. Und ein Verdacht, der sich gegenüber Horst Mahler ergibt, ist leicht zu extrapolieren auf seine beiden "Anwalt-Kollegen" Otto Schily und Hans-Christian Ströbele und umgekehrt. Niemand von ihnen hat sich jemals besonders kritisch über die These des Selbstmordes der RAF-Leute in Stammheim geäußert.

Stattdessen versucht Horst Mahler sogar heute noch, aus ihnen, also aus der RAF so etwas wie "Helden" zu machen, die in der Tradition der SS gestanden hätten. Na toll! Sollte einen das nicht nachdenklich machen? - SS? Nach allem, was wir bisher hier auf dem Blog über die okkulten Hintergründe des Dritten Reiches und zugleich über Geheimdiensthintergründe von Terrorismus erfahren haben? Und nach all dem, was wir hier schon an Anhaltspunkten gesammelt haben über Elitenkontinuitäten? In Geheimdiensten und Ministerien?

Und auch jetzt noch, nach den letzten öffentlichen Debatten, scheint es niemand auffällig zu finden, daß die Möglichkeit von Geheimdienst-Kontakten eines Horst Mahler, eines Otto Schily, eines Hans-Christian Ströbele Jahrzehnte lang so wenig Thema gewesen sind.

Journalist Andreas Förster von der Bundeskanzlerin torpediert

Den letzten Stand der bisherigen Kenntnisse faßt offensichtlich der - auch sonst verdienstvolle - geheimdienstkritische Berliner Journalist Andreas Förster zusammen (3). (Er wollte ja eine Arbeit schreiben über die Zusammenarbeit zwischen der Stasi und dem Mossad, was sogar aus dem Bundeskanzleramt heraus, also von Angela Merkel aus, torpediert wurde, indem von dort aus die Telefonüberwachung von Förster durch den BND "toleriert" wurde, wofür der BND vor einiger Zeit zu einer lächerlichen Strafzahlung verurteilt wurde, ohne daß jemand im Bundestag an Frau Merkel eine Rücktrittsaufforderung gerichtet hätte!!!) Nach diesem Beitrag (3) war Horst Mahler - trotz seiner Dementis - Informeller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Nach dem Mord von - in Anwesenheit von Herbert Wehner zum Stasi-Mitarbeiter rekrutierten - Karlheinz Kurras an Benno Ohnesorg hat sich Mahler sofort bei der Witwe von Benno Ohnesorg als Anwalt angeboten (4).

Wobei sich ganz nebenbei die Frage aufdrängt: Wie stand eigentlich Horst Mahler zu Herbert Wehner? Gibt es da nicht Ähnlichkeiten in der Mentalität? Jedenfalls behielten - wohl - Geheimdienste - auch über Horst Mahler - alle Fäden der politischen Auswertung dieses von ihnen offensichtlich in die Wege geleiteten politischen Mordes in der Hand (4). Auch Hans-Christian Ströbele ist nun - mit nur allzu viel Berechtigung angesichts seiner laschen Geheimdienst-Kritik im Geheimdienstausschuß des Deutschen Bundestages - unter Stasi-Verdacht geraten. Ein Verdacht, den auch der verdiente investigative Historiker Hubertus Knabe äußert (5).

Okkulte, anthroposophische Kräfte im Hintergrund? 

Horst Mahler verstand sich gut mit der Witwe des lebenslangen ("Anwalt für Deutschland"-)Rudolf Steiner-Verehrers Werner Haverbeck, der bis zu seinem Lebensende einen "arischen Jesus" vertrat. Auch Horst Mahler vertritt so eine Art "arisches" Christentum, wenn man es recht sieht. Seit Horst Mahlers Wendung von "Linken" zum "Rechten" bekannt geworden war, im Grunde von Beginn an, war eine klare ideologische "Durchstilisierung" seines Denkens und Handels zu erkennen. Georg Friedrich Wilhelm Hegel war das einzige, was er gelten ließ, auch nach seiner ideologischen Wendung vom "Links-" zum "Rechtshegelianer".

Damit lag er offenbar stromlinienförmig auf der ideologischen Linie seines bigott-christlichen Gesprächspartners Günther Rohrmoser vom rechtskatholischen Studienzentrum Weikersheim, das nämlich jedes auch nur kleinste Flämmchen "abweichenden", nichtchristlichen Denkens ausgetreten hätte, wenn es gekonnt hätte. Und als solcher "durfte" dann Mahler überhaupt erst jene Presse bekommen, die er aus Anlaß seiner Wendung vom "Linken" zum "Rechten" dann doch in ganz erheblichem Maße tatsächlich bekommen hat. Wüßten Hintergrundmächte nicht, daß er ideologisch stromlinienförmig getrimmt war und ist, hätten sie ihm doch schon zu jenem Zeitpunkt diese Presse gar nicht gegeben.

Steht diese ganze Richtung etwa, so geht es einem inzwischen durch den Kopf, in der Tradition des "Ordens der Ordnung" des okkulten Hochgradfreimaurers Paul Köthner und dessen Nachfolger Friedrich Hielscher, die beide einen Mix von Jesuitismus, Buddhismus und - offenbar - Satanismus vertreten haben und als bedeutendere Vertreter okkulter Mächte hinter dem Dritten Reich standen? Hat dieser Orden zusammen mit der Fraternitas Saturnis und dem O.T.O. Traditionen innerhalb der Stasi ebenso wie innerhalb des bundesdeutschen Verfassungsschutzes, die beide - wie andere Geheimdienste - fördernd und vertuschend hinter dem RAF-Terror stehen?

Und es schließen sich weitere Fragen an: Steht auch Fraternitas Saturnis-Großmeister Ralph Tegtmeier als Erstverleger des Okkult-Bestsellers "Das schwarze Reich" in dieser Tradition? Wo doch sein Autor (möglicherweise er selbst) E. R. Carmin in anderen Buchveröffentlichungen so früh davon wußte, daß "die BRD" den RAF-Terrorismus "benutzen" würde (siehe frühere Beiträge)? Stehen also auch Teile, Untergruppen der "Fraternitas Saturnis" im Dienst dieses Mixes von gerne auch völkisch angehauchtem Buddhismus und Jesuitismus, zu dem andere Hintergrund-Mächte niemals deutlich auf Distanz gingen? (Natürlich kann man auch innerhalb dieser Okkultlogen Rangeleien um Einfluß unterstellen zwischen verschiedenen Untergruppierungen, etwa zwischen jesuitischer und - letztlich - tibetischer Priesterkaste. Bei der Fraternitas Saturnis gibt es Hinweise auf beide, auch die starken Aversionen eines "V1" und seiner Freunde gegen den Jesuitenorden sind hier ein Hinweis.)

Ordnet sich die Fraternitas Saturnis hier irgendwo ein?

Ist, so fragt man sich weiter, in diese Zusammenhänge etwa auch ein Historiker und Verfassungsschutz.Mann, also Geheimdienst-Mann wie Fritz Tobias einzuordnen, der öffentlich als "Historiker" Gestapo-Verbrechen vertuschte und mit zahllosen Gestapo-Verbrechern als "Historiker" korrespondierte (unter anderem mit Werner Best)? Und sind hier auch zahllose andere "Spiegel"-Historiker und -Vertuscher einzuordnen? Allmählich ergeben viele Puzzelteile ein ... "Bild" ...

Am 19. November 2009 war ein neuer Film in den deutschen Kinos angelaufen: "Die Anwälte" der Regisseurin Birgit Schulz. Und es wird Zeit, daß wir unsere damals verfaßten Gedanken veröffentlichen: Der Film handelt von den tollkühnen Brüchen und Kontinuitäten in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er vergleicht die parallelen Biographien der drei früheren prominenten RAF-Anwälte Otto Schily, Horst Mahler und Hans-Christian Ströbele. Leider haben wir ihn bisher noch nicht sehen können. (Inzwischen schon, mehr dazu --> hier.)

Aber er scheint nach allem, was man in Erfahrung bringen kann - und das hat sich zwischenzeitlich bestätigt - an keiner Stelle ausgeprägter die Geheimdienst-Hintergründe zu erörtern, die für den europäischen Links- und Rechtsterrorismus der 1960er Jahre bis heute ausgeleuchtet worden sind und weiter auszuleuchten sind. Diesbezüglich bleibt eigentlich nur noch die Frage offen, wie da die Kontinutitäten bis heute genau aussehen. (Siehe --> Bücher.)

Diese drei Anwälte sollten nie Geheimdienst-Kontakte gehabt haben? Und sprechen sie auch sonst darüber nicht? Obwohl sie einmal die Gesellschaft sehr grundlegend verändern wollten? Wie will man eine Gesellschaft zum Besseren verändern, so lange man den Geheimdiensten ihre unumschränkte Macht läßt? Warum haben sich die 1968'er bis heute nicht mit John F. Kennedy solidarisiert, der schon 1961 die Abschaffung aller geheimen Machenschaften und aller geheimen Gesellschaften forderte (siehe frühere Beiträge)? 

Der Film - ebenso wie auffälligerweise alle drei Anwälte - scheinen offenbar überhaupt nicht anzuzweifeln, daß die Stammheimer Angeklagten 1977 Selbstmord begangen hätten. Dabei gibt es starke Zweifel an dieser offiziellen Version. - Korrektur (6.3.12): Doch, sie tun das in dem Film. Aber sie tun es merkwürdig "weichgespült". Mehr dazu in einem aktuelleren Beitrag. Bis heute hat sich keiner von ihnen um vehemente Aufklärung dieser etwaigen Justizmorde gekümmert. Obwohl gerade Schily als Innenminister - nach seinem lächerlichen "Marsch durch die Insititutionen" (!!!!) in der allergünstigsten Situation dafür gewesen wäre ... Man verspürt derenthalben bei ihnen keinen Zorn mehr. Obwohl er heute mehr noch als damals angebracht wäre, schließlich wissen wir heute mehr als damals über all die Vorgänge!

--> Hier eine Liste von Kinos, in denen der Film zu sehen ist, --> hier der "Trailer", in dem man sich einen ersten Eindruck vom Inhalt dieses Filmes verschaffen kann. (Vollständig zu sehen ist er hier:  Yt ab). Die --> ARD stellt den Film noch etwas ausführlicher vor. Der --> Netzseite des Filmes sind noch einige weitergehende Informationen zum Film zu entnehmen. Die dortige Zeittafel beispielsweise ruft einem Dinge in Erinnerung, die man schon fast wieder vergessen hatte, die aber immer noch recht erschütternd wirken. So etwa zur gebrochenen Biographie des Herrn Otto Schily:
(...) 
16. Januar 1998: Der „Große Lauschangriff” wird vom Bundestag verabschiedet, akustische Wohnraumüberwachung zu Zwecken der Strafverfolgung erlaubt. Otto Schily ist empört, und auch Hans-Christian Ströbele kämpft mit allen Mitteln gegen den „Großen Lauschangriff“ - ohne Erfolg
Oktober 1998: Otto Schily wird als Bundesminister des Innern vereidigt; nun verteidigt er den Großen Lauschangriff (...)
11. September 2001: Terror-Anschläge auf Ziele in den USA. Innenminister Otto Schily bekennt sich zur uneingeschränkten Solidarität mit den Vereinigten Staaten
19. September 2001: Otto Schily legt ein Sicherheitspaket vor: Die Macht von Geheimdienst, Bundesgrenzschutz und Bundeswehr wird ausgebaut

14. Dezember 2001: Otto Schily legt ein zweites Anti-Terror-Gesetzespaket vor: Schärfere Bestimmungen für die Einreise von Ausländern, biometrischer Pass und stark erweiterte Kompetenzen für das Bundeskriminalamt
Otto Schily ist also ein schrecklicher Wendehals wie Joschka Fischer. Hans-Christian Ströbele kann hingegen offenbar mit seiner konsequenten Ablehnung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr, so weit man sehen kann, auf eine inhaltlich weitgehend geradlinige Biographie zurücksehen. Links im Bild ein recht hübsches Wahlplakat für ihn, das auf der Halbinsel Stralau noch vor wenigen Wochen (November 2009) zu sehen war.

- Und Horst Mahler? Was die Inkaufnahme von Unbeliebtheit betrifft, ist er sich selbst von allen dreien sicherlich am treuesten geblieben. Während sonst die Deutschen, was die heutigen Themen des Horst Mahler betreffen, von Tag zu Tag --> noch päpstlicher werden als der Papst.

"Die Anwälte"
Und noch ein letzter Gedanke: Kann man sich eigentlich sicher sein, daß sich Otto Schily, der RAF-, Anthroposophie- und Geheimdienst-Verteidiger oder dessen vormaliger Freund Horst Mahler, der RAF-Gründer, SS-Verteidiger und Freund des Steiner-Priesters Werner Haverbeck ("Anwalt für Deutschland") der geheimnisvollen okkulten "Magie" eines "Speeres des Schicksals" oder ähnlicher Dinge gänzlich entziehen konnten während ihres Lebens?

Auch die "alles verstehende" "Dialektik" des Philosophen Hegel, der besonders von Horst Mahler intensiv studiert worden ist, wird in okkultverblödeten Kreisen auf manche Sympathien stoßen und dort besonders leicht benutzt werden können, um ideologische Deutungshoheiten in Anspruch nehmen zu können.

Rechts im Bild drei "Anwälte" mit viel zu vielen Geheimdienstkontakten während ihres Lebens, als daß ein nicht ausreichend wirkungsvolles Kritisieren von Geheimdiensten von Seiten jener "Linken", die sie einstmals zu sein vorgaben, nicht auf völlig andere Zusammenhänge hinweisen könnte. Jedenfalls hat keiner der drei Anwälte Geheimdienste jemals wirkungsvoll kritisiert, obwohl kaum jemand wie sie dafür so viele Anlässe hätte gehabt haben müssen. Zumal nach allem, was wir inzwischen über die Geheimgeschichte der RAF wissen. Woher diese "vornehme" Zurückhaltung?

Hans-Christian Ströbele ist übrigens Sohn einer Anthroposophin und setzt sich für Homöopathie ein ... Da ist dann der Boden schon gut vorbereitet ...

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3. Förster, Andreas: Sammelsurium von Stasi-Vermerken. In: Berliner Zeitung, 11.8.2011
4. Kellerhoff, Sven Felix: Stasi warb Mahler kurz vor Tod von Ohnesorg an. Welt, 1.8.2011
5. Stasi-Vorwürfe bringen Grünen-Urgestein unter Druck. Handelsblatt, 3.8.2011

Samstag, 8. Oktober 2011

"Man muß den Teufel anbeten" (II)

Der Satanist Hermann Hesse

(Es folgt hier Teil zwei eines Aufsatzes, dessen erster Teil ---> hier zu finden ist.)

Die lebenslang benutzte, auffällige Schrift des Gusto Gräser (siehe viele Seiten in: 2; siehe auch Abb. 2) und die ständige Benutzung des fünfzackigen Sterns bei allen seinen Aufzeichnungen (2; s. auch Abb. 2) paßt nun ebenfalls zu nichts so sehr wie zu jenen satanistischen Hintergründen, die im Roman "Demian" von Hermann Hesse behandelt sind. Diese Art der Schriftzüge ist uns bislang nur in einem einzigen anderen Zusammenhang begegnet, nämlich - - - in den Schriftzügen der Titelseiten der 1925 erschienenen "Magischen Briefe" des Gründers und Großmeisters der freimaurerähnlichen Satanistenloge Fraternitas Saturni, nämlich von Eugen Grosche (6). Hat sich Eugen Grosche diese Schrift nur - etwa über seinen Kollegen, Herrn Reuss (siehe unten) -  abgeguckt? Oder hat er die Titelseiten der "Magischen Briefe" vielleicht sogar von Gusto Gräser selbst zeichnen lassen? Auch in diesen "Magischen Briefen" übrigens ist der ständig von Gusto Gräser benutzte fünfzackige Stern zu sehen.

Wenn wir solche Dinge in Rechnung stellen, wird uns vielleicht schon leichter verständlich, wie der "barfüßige Prophet" Gusto Gräser bei seinen vielen Wanderungen durch Deutschland und Europa quasi als "Bettelmönch" immer wieder überall Einlaß gefunden hat und Unterstützung. Es deutet sich eine ähnliche Art des Lebens an wie bei dem von uns schon behandelten "barfüßigen Propheten" Friedrich Hielscher. Dieser hat sich auch immer wieder von wohlhabenden Gönnern aushalten lassen und ist von einem zum nächsten gezogen.

Die satanistischen Schriftzüge - und Sterne - des Gusto Gräser

Satanistische Logen geben sich übrigens gerne sehr "naturverbunden", leben gerne nackt im Wald, feiern dort um Mitternacht ihre Kulte und berufen sich auf romantische Märchen und Erzählungen, etwa sogar aus dem alten Ägypten, die sie sehr unmittelbar auf sich selbst und besonders ihre Kinder beziehen. Siehe etwa den Bericht einer Überlebenden satanistischer Gewalt wie "Isis, Fürstin der Nacht" (7). Wenn man die satanistischen Aspekte in Hermann Hesse's "Demian" voll und ganz in Rechnung stellt, fällt es einem wahrscheinlich leichter, einen solchen Bericht wie den letztgenannten (7) rein von den psychologischen Voraussetzungen und dem offenbaren Wurzeln der darin beschriebenen Kulte in der Jugend- und Lebensreformbewegung der 1920er Jahre her zu verstehen. Das Buch spielt in Thüringen in der Nähe des Verlagssitzes von Eugen Diederichs. Von dem Verleger Eugen Diederichs ist nicht nur bekannt, daß er der Jugendbewegung sehr nahe gestanden hat, sondern auch, daß er Freimaurer war. Vielleicht gehört er auch in all diese Zusammenhänge hinein, zumal er sicherlich Verleger vieler Bücher war, die man auf dem Monte Veritas in den von Hesse genannten Kreisen verschlang.

Abb. 4: Mit Emmy Hennings und Hugo Ball (um 1920)
Mitgeteilt wird von Hermann Müller außerdem, daß von der Tänzerin Mary Wigman und ihrem Lehrer Rudolf von Laban 1917 auf dem Monte Verita bei Ascona "Gnostische Messen" gefeiert worden sind (2, S. 65). Es paßt halt alles "wie Faust auf Auge". Der Ausdruck "gnostische Messe" klingt zwar zunächst unverdächtig. Aber alle, die sich schon einmal mit Satanismus beschäftigt haben, wissen, daß "gnostische Messen" schlicht satanistische Messen sind! Und diese wurden also gefeiert zusammen mit jener Mary Wigman, die auf dem Monte Verita im Haus des "Gurus" von Hermann Hesse, nämlich von Gusto Gräser/"Demian" und seiner Frau, "ein und aus ging" (2, S. 65). Indem wir diesen Hinweisen nachgehen, machen wir eine weitere "Büchse der Pandora" auf, wie wir gleich sehen werden.

Ein mystisch-freimaurerischer Orden auf dem Monte Verita (1917)

Doch bringen wir zunächst den betreffenden Textabschnitt von Hermann Müller selbst  im Zusammenhang. Er stellt in seinem Buch viele Mutmaßungen darüber an, wie sich Inhalte aus Romanen und Erzählungen von Hermann Hesse ganz konkret auf dessen Erlebnisse auf dem Monte Verita beziehen könnten, ohne daß ihm scheinbar auffällt, daß im "Demian" über weite Strecken von Satanismus die Rede ist, und schreibt dann unter vielem anderem über die oben zuletzt gebrachten Zitate von Hermann Hesse (2, S. 65):
Mit den Mythen- und Mystikforschern kann sowohl auf die Theosophen und Anthroposophen des Monte Verita angespielt sein wie auf den Franz Baader-Forscher und Psychoanalytiker Johannes Nohl, der 1917/18 in Ascona Hesses Analytiker gewesen ist. Auch an einzelne Sympathisanten des Orientalischen Templerordens (O.T.O.), wie Rudolf von Laban und Mary Wigman wäre zu denken, an jenen mystisch-freimaurerischen Orden, der soeben - im Sommer 1917 - auf dem Berg einen "anationalen Kongreß" abhielt und dort seine Gnostischen Messen feierte. Laban scheint Hugo Ball in dessen Baader-Studien bestärkt und unterstützt zu haben und von Mary Wigman ist bekannt, daß sie wie Hesse im Hause Gräser freundschaftlich ein- und ausging.
Mit diesen "Sympathien" der Mary Wigman für Satanisten wird vielleicht auch ihr berühmter "Hexentanz" besser verstehbar, fällt uns hierbei als erstes auf. Und wir fragen uns: Kann man an der "Gnostischen Messe" einer Geheimloge wie des O.T.O., deren Leiter nach den Angaben vieler noch bis vor kurzem Rudolf Steiner war, teilnehmen, auch dann wenn man nur "Sympathisant" ist? Oder setzt eine solche Teilnahme nicht doch eine eigentlich nicht zu widerrufende Mitgliedschaft im O.T.O. als "Geheimnisträger" voraus? Und warum dann nicht auch gleich  eine Mitgliedschaft in einem solchen "mystisch-freimaurerischen Orden", wie ihn Hermann Hesse in "Die Geschichte der Morgenlandfahrer" und in "Die Glasperlenspieler" so überaus konkret und unhintergehbar geschildert hat?

Hermann Müller hatte uns widersprochen, als wir Hermann Hesse auch in diesen Dingen ganz und gar "wörtlich" genommen hatten (1). Dabei hatten wir nur seine eigene Methode, die er der Einleitung seines eigenen Buches von 1978 (2, S. 9) betont, ganz in seinem Sinne angewandt, nämlich - nach  einem Hesse-Zitat - die Inhalte der Texte von Hermann Hesse "so wörtlich wie nur möglich, Wort für Wort genau ergründet". Und sie eben nicht nur als "schöne Sprache" genommen.

Der O.T.O. entfaltet seine Tätigkeit auf dem Monte Verita (1917)

Und was erhalten wir nun zu dieser Thematik von unserem "alten Bekannten", dem Schweizer Peter Robert König für Auskünfte? Er schreibt über den Gründer der ältesten deutschen satanistischen Loge, den Freimaurer Theodor Reuss - und zwar über die Zeit, in der Hermann Hesse anfing, am "Demian" zu schreiben (8):
1916 zog Reuss in die Schweiz nach Basel. Während er sich dort aufhielt, stiftete er eine "Anationale Großloge und Mystischen Tempel" des O.T.O. und der Hermetischen Bruderschaft des Lichts auf dem Monte Veritá. Monte Veritá war eine utopistische Kommune in der Nähe von Ascona, die 1900 von Henri Oedenkoven und Ida Hofmann gegründet worden war und als Zentrum für eine Bewegung fungierte, die der Historiker James Webb später als "den Progressiven Untergrund" beschrieb.
Die Bezeichnung "Untergrund", die auf das "Subversive" aufmerksam macht, mag sehr treffend sein. Im übrigen ist es natürlich schon sehr hübsch, wenn man sich im Umfeld von satanistischen Okkultlogen für "progressiv" hält oder wenn man ein solches Umfeld als Historiker so nennt! - Aber weiter: 
Am 22. Januar 1917 gab Reuss ein Manifest für seine Anationale Großloge heraus, der er den Namen Veritá Mystica gab. Am selben Tage veröffentlichte er eine überarbeitete Fassung seiner O.T.O.-Konstitution von 1906 nebst einer "Synopsis der Grade" und einer gekürzten Fassung von The Message of the Master Therion (Die Botschaft des Meister Therion) als Anhang. Reuss übernahm in seiner überarbeiteten Fassung viele der Bestimmungen, die in Crowley's M∴M∴M∴-Konstitution von 1913 enthalten waren. Gleichwohl betonte Reuss in diesem Dokument, wie auch in vielen seiner anderen Dokumente zum O.T.O., den maurerischen Charakter des Ordens. 
Der Reuss muß also von Seiten der Leute auf dem Monte Verita viele Hinweise darauf bekommen haben, die es ihm mögen berechtigt erscheinen haben lassen, besonders in ihrem Umfeld "Morgenluft" wittern und Anhänger werben zu können. Flugs fühlt er sich motiviert, alte und neue "Konstitutionen" aufzulegen. Ob diese nicht auch zu den Schriften zählen werden, die "Demian" und "Sinclair" "im engeren Kreise" studiert haben? Wo doch gerade hinter ihnen so besonders deutlich der von ihnen verehrte Gott "Abraxas" steht? Oder auch der bisher noch nicht erwähnte, in diesen Kreisen viel genannte "Deus Optimus Maximus"? Oder welcher okkult-satanistische Gott oder Dämon(/Demian) auch immer? König weiter:
In Ascona richtete Reuss den "Anational Congress for organising the reconstruction of Society on practical cooperative lines" ("Anationalen Kongress für die Organisation der Wiederherstellung der Gesellschaft nach praktischen und gemeinschaftlichen Richtlinien") aus. Auf diesem Kongress, der vom 15. - 25. August 1917 auf dem Monte Veritá abgehalten wurde, fanden unter anderem (am 22. August) Lesungen von Crowley's Gedichten statt, und man rezitierte Crowley's Gnostische Messe (am 24. August - nur für O.T.O. Mitglieder). In der Ankündigung für diesen Kongress stand zu lesen: "Es gibt zwei Zentren des O.T.O., beide in neutralen Ländern, an die jene, die sich für das Ziel dieses Kongresses interessieren, Anfragen richten können. Das eine befindet sich in New York (U.S. of America), das andere in Ascona (Italienische Schweiz)." Crowley lebte zu dieser Zeit in New York; und so waren er und Reuss im Jahre 1917 augenscheinlich die einzigen aktiven Nationalen Oberhäupter des O.T.O. (...)

Reuss war zweifellos von Thelema beeindruckt. Crowley's Gnostische Messe, die Reuss ins Deutsche übersetzt hatte und die während seines Anationalen Kongresses auf dem Monte Veritá rezitiert worden war, ist ein explizit thelemisches Ritual. In einem undatierten Brief an Crowley (den er 1917 empfing) berichtete Reuss aufgeregt, er habe die Botschaft des Meisters Therion (The Message of the Master Therion) seiner Gruppe auf dem Monte Veritá vorgetragen, und er übersetze Das Buch des Gesetzes ins Deutsche. Er fügte hinzu: "Mögen diese Neuigkeiten Sie ermutigen! Wir leben in Ihrem Werk!!!"
Auf dem Monte Verita liest man Aleister Crowley's "Buch des Gesetzes" (1917)

Es ist ja ganz klar, daß Gedanken aus dem "Demian" diesem "Buch des Gesetzes" von Aleister Crowley entstammen. Gusto Gräser und Hermann Hesse werden also lange Gespräche mit diesem Theodor Reuss gehabt haben. Warum sollte sie da aus diesem Anlaß oder zu irgendeiner anderen Gelegenheit nicht Mitglieder des O.T.O. geworden sein? - Und Sperber bei lebendigem Leib verschlungen haben?
Am 24. Okt. 1917 stellte Reuss Rudolf Laban de Laban-Varalya (1879 - 1958) und Hans Rudolf Hilfiker-Dunn (1882-1955) eine Stiftungscharter für eine III° Loge des O.T.O. in Zürich aus, die den Namen Libertas et Fraternitas erhielt. Am 3. Nov. 1913 wurde de Laban Großmeister der Anationalen Großloge Veritá Mystica. Noch im gleichen Monat schloß er die Veritá Mystica und verlegte das Zentrum seiner Aktivitäten nach Zürich. Im März 1918 veröffentlichte Crowley die Gnostische Messe in The International. Reuss gab seine deutsche Übersetzung der Gnostischen Messe noch im gleichen Jahr heraus.
1917 war aber bei weitem nicht das erste Jahr, in dem Mitglieder des O.T.O. auf den Monte Verita kamen. Schon seit vielen Jahren zuvor war der Tanzlehrer Rudolf von Laban mit seiner Tanztruppe auf den Monte Verita gekommen. Und über diesen Rudolf von Laban, der schon mit zwölf Jahren von islamischen Geistlichen in Derwisch-Tänzen unterrichtet worden war, erhalten wir viele weitere Einblicke in das Denken der Leute vom O.T.O. auf dem Monte Verita (9, S. 13):
Theodor Reuß, der 1917 auf dem Monte Verita verweilte, gründete, wie bereits erwähnt, während seines Aufenthalts einen Ableger des O.T.O. in Ascona und organisierte den zehntätigen "anationalen Kongreß" vom 15. - 25. 8. 1917. (...) Laban war Mitglied der O.T.O.-Loge des Monte Verita, doch offenbar bestanden zwischen Laban und diversen freimaurerisch-okkulten, bzw. theosophischen Gruppierungen schon vor 1917 Verbindungen, "(...) so war die Integration des Tanzes in die O.T.O.-Maurerei bei Laban vermutlich kultisch orientiert, und der Schritt, die Tanztruppe selbst (...) als kultisch zu verstehen, lag nicht fern". Laban inszenierte das Tanzdrama, das vom Abend des 18.8. bis zum Morgen des 19.8. in drei Teilen unter dem Titel "Sang an die Sonne" in drei Teilen aufgeführt wurde.
Und  wir erfahren weiter (10):
Robert Landmann wertet den Kongress als Werbeveranstaltung. Er schreibt dazu:

"Ende Juni 1917 fand ein vierzehntägiger Kongress auf dem Monte Verità statt, bei dem durch eine geschickte Gedankenvolte Vegetarier und Freimaurer auf gemeinsamer Basis zusammengezogen wurden. Die Kombination bezweckte, einerseits die Mitgliederschaft des Ordens zu erweitern, andererseits den Monte Verità wieder flottzumachen. Mary Wigman und Rudolf von Laban waren mit ihren Schülern Glanzpunkte der nächtlichen Feste. Aus reiner Freude am Abenteuerlichen und mit unbekümmerter Ausgelassenheit beteiligten sie sich an Aufführungen und Fackeltänzen im Freien und schließlich auch an den dunklen Zeremonien der Loge."
(Robert Landmann: Ascona – Monte Verità. Auf der Suche nach dem Paradies. Von Ursula Wiese überarbeitete und ergänzte Ausgabe, unter Mitarbeit von Doris Hasenfratz. Neu herausgegeben mit einem Nachwort versehen von Martin Dreyfuss. Frauenfeld, Stuttgart, Wien 2000. S. 172.)
Freimaurer auf dem Monte Verita (1917)

Mary Wigman also beteiligte sich an den "dunklen Zeremonien der Loge". Wozu Frauen in Männerlogen gebraucht werden, die satanistisch orientiert sind, kann man ebenfalls vielen Berichten entnehmen, die wir hier nicht wiederholen wollen. Detaillierter ist über Laban erfahren, z.T. über seine Schülerin Mary Wigman selbst  (11):
Laban wurde 1879 im heutigen Bratislava (Pressburg) geboren, das damals zum Kaiserreich Österreich-Ungarn gehörte. Malerei, Musik und Theater interessierten ihn früh, aber er fand wenig Unterstützung für seine künstlerischen Neigungen, da sein Vater für ihn die Offizierslaufbahn vorgesehen hatte. Mit 12 Jahren reiste er unter dem Schutz eines Islamischen Geistlichen zum Balkan, um seinen Vater zu besuchen, der in Mostar als Offizier stationiert war. Von seinem Reisebegleiter wurde Laban in die Zeremonien und Übungen der Derwische eingeführt. Diese Erlebnisse hatten einen anhaltenden Einfluß auf seine Vision vom Tanz.
Im Wirbeln und Drehen finden die Derwische zu einer spirituellen Berührung mit dem Kosmos, wobei das Kreisen den Sternenreigen und den Tanz der Sphären darstellt. Bei einer mehr fakirhaften Variante der Tänze sah Laban einmal, "wie die Derwische in höchster Ekstase lange Nadeln und Nägel durch die Wange, durch Brust und Armmuskeln bohren konnten, ohne irgendein Anzeichen von Schmerz und, was noch wichtiger ist, ohne auch nur einen Tropfen Blut zu verlieren."
Übernatürliche heilende Wirkung konnte also vom Tanz ausgehen, was der Sinn vieler alter Waffentänze gewesen sein mag. Wichtiger als der Gedanke der "Hieb- und Stichfestigkeit" durch den Tanz war für ihn jedoch der tiefe Eindruck von Magie und Spiritualität, der in den Derwischtänzen vermittelt wurde. Es gab ein Geheimnis, eine kosmische Wahrheit im Tanz, die er ergründen musste.
Mystische Naturerlebnisse, die Laban in seiner Autobiographie beschreibt, bildeten die Grundlage für die Konzeption seines ersten Tanzwerks Die Erde. Erstmals 1914 in Teilen auf dem Monte Verità aufgeführt, entwickelte Laban Text und Idee bereits von 1897 an. Die Erde war im ersten Entwurf eher als Gesangs- und Musikwerk erdacht, entwickelte sich aber immer weiter bis zu einem chorischen Tanzwerk.
Die Lebendigkeit und Allbeseeltheit der Natur sollte in der Erde dargestellt und durch verschiedene Chöre zum Ausdruck gebracht werden. 
Okkulte Derwische und Rosenkreuzer in ihrem Einfluß auf den freimaurerischen Monteveritaner Rudolf von Laban

Und über Wien heißt es:
Außerdem kam er hier zum ersten mal mit Rosenkreuzern in Kontakt und versuchte seine Idee von einer "Tanzfarm" zu verwirklichen. Seine tänzerische Arbeit führte Laban später in München weiter. Dort gründete er 1910 eine Schule für Bewegungskunst. Die Wintermonate verbrachte er in München, die Sommermonate auf dem Monte Verità in Ascona, wo er seinen Traum von der "Tanzfarm", einer Künstlergemeinschaft auf bewegungsorientierter Grundlage, verwirklichen wollte.
Labans Sommerkurse auf dem Monte Veritá, dem "Berg der Wahrheit" im Tessin, zogen viele Tänzer nach Ascona, an einen Ort, der schon zu Beginn des Jahrhunderts von Anarchisten, Lebensreformern, Künstlern, Vegetariern, Theosophen, Emigranten und Utopisten bevölkert wurde.
Und:
Die Tendenz hin zu Reigenwerken mündet in die Werke Der schwingende Tempel und in das dreiteilige Sonnenfest (1917), in dem Tanz als Kult in nächtelangen ekstatischen Riten, mit beschwörungshaften Elementen, Trommelrhythmen und Fackeltänzen zelebriert wurde. Dieses Werk war der festliche Abschluss eines im Sommer 1917 veranstalteten "anationalen Kongresses" des Orientalischen Templerordens O.T.O., dessen Mitglied Laban war. Der O.T.O. ist ein mystisches Freimaurersystem, gegründet von Leopold Engel und Theodor Reuss. Später wurde Laban auch Großmeister eines ihm von Reuss übertragenen Ordens der "Johannisloge der alten Freimaurer vom Schottischen und Memphis und Misraim Ritus im Tale von Zürich" und äußerte sich häufiger zur Bedeutung der Kulte und Rituale: "Das Ritual entstammt aber nicht dem Geist eines einzelnen, es wird sogar, im Gegensatz zum Kunstwerk, von vielen geschaffen, durchdacht und geändert." Das Geheimbundwesen verlangt durch die Tatsache, dass es "durch alle Zeiten der Hort nichtreligiöser, also frei-eurhythmischer Kultspiele war, nähere Betrachtung." Eine enge Verbundenheit zu den Ideen der "kosmischen Runde" des Schwabinger George-Kreises ist in Anbetracht solcher Sätze und Arbeiten wahrscheinlich. Karl Wolfskehls mystische Texte über den Rausch und die Erkenntnis in der Dunkelheit oder Paul Thierschs Überlegungen zu Form und Kultus zeigen das: "Zur Mutter flüchten wir mit Weinlaub und roten Tänzergewändern - zur Mutter eilen wir mit Fackeln und den Rosen der Wonne". "Im kult erfassen wir das wesen der form, den geist und das leben des kosmosorganismus im gesetz. Das gesetz bedingt eine einheit als maass: das bild des menschen.".
Die Geheimbundzeremonien der Urvölker, die die Grundlage für die Mysterienreligionen bilden, sind in ihrem Wesen ekstatisch, rhythmisch, von beschwörendem Charakter gewesen. Kein Mysterienkult ist denkbar ohne Tanz. Labans Sonnentanz und Der Trommelstock tanzt waren auch Versuche, den Kult wieder in den Tanz einzuführen. Es ging ihm aber nicht um den religiösen Charakter, sondern um die Wiederbelebung des Rituals als Weg, den Rhythmus des Lebens zu erkennen und den Tanz zum Zentrum einer geistigen, seelischen und körperlichen Schulung des Menschen zu machen.
Und bei so viel okkultem, mysterienhaftem Geheimorden-Geraune darf die Kabbalistik nicht fehlen:
Laban unterscheidet zwischen den seiner Ansicht nach wenig empfehlenswerten "Erbauungsschriften und Theorien der religiösen und geheimbündlerischen Sektierer" und den interessanten und lehrreichen "Erziehungsmethoden und Zeremonien, die dem Tänzer als Fundgruben der Bildung und der Anregung dienen können." Freimaurerischen Zeremonien lag dabei immer Zahl und Maß zugrunde: "Die sakralen Zahlen, Formen und Proportionen, von denen uns eine uralte einheitliche Überlieferung spricht, begegnen uns in der Natur auf Schritt und Tritt. Drei Raumdimensionen geben uns die Raumvorstellung, drei Seiten hat das einfache Vieleck, wir kennen drei Naturreiche, drei grundlegende seelische Eigenschaften und noch viele andere Formen und Zeitgrößen, die der Dreiheit unterworfen sind." "Zahl ist nicht nur Maß, sie ist auch begriffsschwanger. Daraus ergibt sich eine Symbolik der Zahlen, der Proportionen und der Formen. Die Einheit erscheint dem Tänzer als Anfang, abgeschlossenes Ganzes, Vollkommenes. Die Zweiheit ist ihm Kampf, Halbheit, Widerstand, Ergänzung. Die Dreiheit ist die Raumform, der Ausgleich, das Resultat, der Abschluss des Kampfes der Zweiheit. Alle Gegensätze erzeugen ein Drittes. Alle Zahlen können als Derivate dieser drei einfachsten Zahlenvorstellungen in ähnlicher Weise durchdacht werden." Auch die geometrischen Formen leiten sich aus diesen Zahlenvorstellungen ab. "Unsichtbar über den Boden gebreitet, der Tänzerseele fühlbar, liegen Formen, Linien. Sie bauen sich kristallinisch empor: unsichtbare Paläste aus Schwüngen. Jede Bewegung des Tänzers wird zum Baustein der bewegten Architektur. Aus der Vermählung von Körper und Raum entsteht: die gerade Linie, der Kreis, die Acht, das Drei- Vier- und Fünfeck übereinander gelagert, sich kreuzend, einander durchdringend, als Kugel, Pyramide, Kubus dreidimensional erlebt."
Nicht Rudolf von Laban, sondern Mary Wigman beschrieb in obigem Zitat Labans Ideen.
Für alle Interessierten abschließend noch eine neunminütige Filmaufnahme eines Auftrittes der Tänzerin Mary Wigman etwa ---> aus dem Jahr 1929. Sie bringen vielleicht noch einmal dieses merkwürdige Gemisch zum Ausdruck, das zum einen tiefste Befremdung und zum anderen das Wahrnehmen von echt Schönem in uns auslöst, ein Gemisch, das wohl als besonders kennzeichnend genannt werden kann für viele Kunst- und Kulturwerke, die in jener Zeit im Umfeld von Okkultlogen - und von ihnen beeinflußt - entstanden sind, und von dem auch das Schaffen von Hermann Hesse mitbestimmt zu sein scheint.

Auf diesem Gebiet ist wohl noch längst nicht alles bekannt geworden, was bekannt sein müßte, um alle Zusammenhänge vollständigt zu übersehen und zu verstehen. 

Um aber auch an einen "ganz anderen", nicht-satanistischen und nicht-priesterhaft-würdeveollen Hermann Hesse mit braungebrannter "Denkerstirn" zu erinnern, sind diesem Beitrag noch zwei Fotos von ihm beigefügt worden , die ihn in ganz gelöster, heiterer, geselliger Stimmung zeigen, wie man ihn auf Fotos sonst seltener sieht.
__________________________________________
  1. Bading, Ingo: Hermann Hesse, Ernst Jünger und Kollegen - Mitglieder freimaurerähnlicher Gesellschaften? (I), (II), 19.9.2011
  2. Müller, Hermann: Der Dichter und sein Guru. Hermann Hesse - Gusto Gräser, eine Freundschaft. Gisela Lotz Verlag, Wetzlar 1978
  3. Lukas: Vier Jahre Hölle und zurück. Bastei Lübbe, Köln 1995 (18. Aufl. 2010)
  4. Heiner, Johannes: Hermann Hesses Weg nach innen. Auf: LyrikRilke.de, August 2006
  5. Hesse, Hermann: Demian. Die Geschichte von Emil Sinclaiers Jugend. Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt am Main 1974 (Erstveröffentlichung 1925)
  6. Bading, Ingo: Oswald Spengler - Mitglied der Fraternitas Saturni? GA-j!, 18.4.2011
  7. Jäckel, Karin: Isis, Fürstin der Nacht. Als Kind in den Fängen einer satanistischen Sekte. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2003 (7. Aufl. 2007)
  8. König, Peter Robert: Der O.T.O. unter Reuss und Crowley (3)
  9. Illerhaus, Florian: Gegenseitige Beeinflussungen von Theosophie und Monte Verità. Studienarbeit. GRIN-Verlag, München (Books on Demand, Norderstedt) 2009 (Google Bücher)
  10. Congrès Coopératif Anational. Auf: Lebensreform in der Schweiz, 6.5.2009
  11. Witzmann, Pia: Der Einfluss des Okkulten auf den Tanz. Auf: Atemzeit, 5.1.2010
  12. E.S. (Edith Sokollek?): Wege und Irrewege nach Innen - Zum 101. Geburtstag Hermann Hesses. "Mein Standpunkt" (herausgegeben von Hans Dirks, Westerstede; erschienen von 1961 bis 1981), 18. Jahrgang, Folge 7, Juli 1978, S. 100 - 103
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