Dienstag, 21. Februar 2012

Meine Facebook-Freundin Nina

Nina Hagen ist gegen Okkultismus und für Jesus Christus - also was denn nun?

So wird es sein: Jesus lebt und Nina Hagen hat sich schon mit 17 Jahren von ihm nach einem Nahtoderlebnis erretten lassen - Höret alle die Botschaft und folget ihr nach im Namen des Herren heute, morgen und immerdar: Jesus Christus in Ewigkeit, AMEN!!!!

Ich hoffe, ("Skandalnudel") Nina hat nichts dagegen, wenn ich mal  unsere  kleine Facebook-Konversation von vor ein paar Tagen auch hier auf meinem Blog festhalte. Wie könnte man einer sich vor Fernsehkameras häufig so hochgradig nervös und unernst gebenden Frau gegenüber immer nur so tun, als wäre alles "Friede, Freude, Eierkuchen"? Da hatte ich also auf meiner Facebook-Seite vor einigen Tagen geschrieben:
Liebe Leute, da ich seit dem letzten Jahr viel über Satanismus und Okkultismus blogge, erhalte ich immer wieder Freundschaftsanfragen von Okkultgläubigen. Da glaubt doch wohl nicht jemand, ich wäre von ihrem Geiste? Meinetwegen nehme ich die Anfragen an. Aber ich finde den Austausch mit Christen und Okkultgläubigen sehr oft, mit Verlaub, ... mühsam. Christentum und Okkultismus sind die Dinge, an denen unsere Welt krankt.
- - - Scheinbar fühlte sich nun - unerwarteterweise! - von diesen Worten auch Facebook-Freundin Nina angesprochen, die freundlicherweise zuvor auf ihrer Facebook-Seite diverse Artikel meines Blogs zum Thema Satanismus verlinkt hatte. Sie schrieb zu meinen zitierten Worten:
Ingo, wenn es mein Nahtod-Offenbarungserlebnis mit Jesus nicht gegeben hätte, als ich 17 Jahre alt war, wäre ich ein selbstmordgefährdeter, lebensmüder Teenager gewesen, wahrscheinlich schon längst mausetot, aber durch mein Vertrauen und meine Liebe zu Jesus, bin ich ein lebensfroher Mensch geworden. Ich bin für die friedliche Coexistenz aller Menschen, Kulturen, Religionen! http://www.council-of-world-elders.de/interviews.html
Darauf ich:
Friedliche Koexistenz gut und schön. Aber wenn, wie wir doch immer mehr herauskriegen, hinter dem Dritten Reich der Okkultismus stand - und wer weiß, wohinter noch alles, wenn, wie wir wissen, hinter dem Dritten Reich auch alle christkatholischen Kirchen standen, wie sie diverse hübsche Diktatoren überall in der Welt toll gefunden haben, dann wird es nicht gerade sehr humanistisch sein, wenn man diese "Koexistenz" gar so unkritisch betrachtet. Mit einem Papst in Rom, der ins Gefängnis gehört, finde ich "friedliche Koexistenz" nicht gar so toll - es sei denn, er sitzt dort, wohin er gehört. - Jesus ist okkulter Gotteswahn wie jeder andere okkulte Gotteswahn. - Mit Jesus käme man nur vom Regen in die Traufe - oder von der Traufe in den Regen, wie man's nimmt. - Manchmal helfen auch Placebo's - aber irgendwann sollte man sie auch als solche durchschauen, nämlich dann, wenn man über's Teenager-Alter hinausgewachsen ist. - Wie soll man friedlich koexistieren mit Leuten, die "kein Gott außer Gott" toll finden? Dieses Prinzip stellt von vornherein - wie die Weltgeschichte gelehrt hat - jede friedliche Koexistenz infrage. - Ein langes Thema!
Sie:
Ingo, der Name von Jesus Christus wird von diesen Institutionen missbraucht, ich hoffe du scherst nicht alle Christen über einen Kamm !!!
Ich:
Ja, aber auch jemand, der Blinde wieder sehend gemacht haben will und übers Wasser gelaufen sein will, FÖRDERT Okkultismus, also jenes verblödende Machtmittel, mit dem wir heute unterdrückt werden. Ich bin gegen Gotteswahn in jeder Form. Das Buch der Natur ist das Buch der Bücher. Nicht die Bibel. Abgesehen davon, daß Jesus gekommen ist, das Gesetz (des Alten Testamentes) zu erfüllen, nicht, es aufzuheben. Und abgesehen davon, daß er mal so eben vom Stapel gelassen hat einen Satz, der zu Mißbrauch jeder Art förmlich einlädt: "Und jene meine Feinde, die nicht wollen, daß ich über sie herrsche, bringet vor mich und erwürget sie vor mir." Das IST jener Geist des Alten Testamentes, den er damit 150%ig erfüllt. - Davon abgesehen gibt es sicherlich Millionen Christen, die ich nett finde ;-)
Und noch mal ich:
Aber ich finde, die germanischen Heiden hatten nicht GAR so unrecht, als sie Missionare erschlagen haben. Was mit dem Christentum an Seelenmord durch die Weltgeschichte getragen wurde und immer noch getragen wird, das paßt auf keine Kuhhaut. Dieser Seelenmord geht jeden von uns an. ERST mordet das Christentum Seelen - wie vielleicht auch Deine in der Pubertät - und dann bietet es sich als Retter an. Ganz typisch jesuitisches Vorgehen übrigens (Schwarze Pädagogik).
Darauf antwortet sie grad noch mal, während ich dies hier schreibe, mit einem Zitat aus dem Alten Testament, das sie also auch gut findet: 
ich jedoch würde Gott suchen und ihm meine Sache darlegen, denn er tut große, unerforschliche Dinge und Wunder, die nicht zu zählen sind.
Hiob 5, 8-9
http://www.scribd.com/doc/81816377/Was-gilt-Gottes-Wort-oder-Kirchenlehre-Offenbarungen-oder-Menschenwerk-Propheten-mit-dem-Inneren-Wort-Ein-Auszug-aus-fast-2000-Jahren-Wirken-Got
... Schön also, daß wir drüber geredet haben. Manche Leute kleben am Alten wie die Pechmarie am Pech. (Und warum fällt mir die Pechmarie grade bei Nina Hagen ein?)

Mittwoch, 15. Februar 2012

"Leben gegen Schatten" - aber gegen welche? - Der Jesuitenpater Martin Bormann

Einen vielleicht etwas spezielleren, vielleicht aber wieder doch gar nicht so speziellen Fall von "Elitenkontinuität im 20. Jahrhundert" scheint der Fall "Martin Bormann junior" darzustellen.

Der älteste Sohn des Kirchenhassers Martin Bormann, Martin Adolf Bormann, geboren 1930, ist nach dem Zweiten Weltkrieg von einer Tiroler Bauernfamilie aufgenommen worden und später in den Jesuitenorden eingetreten. War nun der Schritt von seiner faschistischen familiären Vergangenheit und Jugend hin zum Jesuitenorden ein echter "Neuanfang"?

Nein. Auch er - - - auch er hat 12-jährigen Klosterschülern Anfang der 1960er Jahre in Salzburg schwere bis schwerste physische Gewalt angetan, darunter auch sexuelle (ORF 2010). Seine Autobiographie hat er "Leben gegen Schatten" genannt, womit die Leserschaft an den Schatten seines Vaters denken sollte. Die übelsten Schatten in seinem eigenen Leben und aus eigener Verantwortung hat er darin mit keinem Wort sonst angedeutet ...

Abb. 1: Martin Bormann junior, S.J. - in der Messe - 1950er Jahre
Würde man nicht die vielen parallelen Fälle von Gewalt an Kindern und Jugendlichen in der Psychosekte Jesuitenorden kennen (siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog), würde man die Berichte gerade über diesen Jesuitenpater Martin Bormann insbesondere als "Sensationsmache" empfinden und abtun. Das scheint aber doch nicht zu gehen, da das ganze "pädagogische Klima", in dem sich Bormann, auch Bormann in Salzburg als Lehrer bewegte, mit Gewalt getränkt war. Im folgenden nur Auszüge aus Erinnerungen Überlebender dieser Gewalt (Profil 2011):
Der heute 63-jährige Victor M.* war Anfang der sechziger Jahre in einem Elitegymnasium der Herz-Jesu-Missionare in Salzburg Zögling und Bormann sein Erzieher.  (...) Seine ehemaligen Mitschülern zeichnen das Bild eines Nachkriegsregimes hinter Klostermauern, in dem Buben neben ständiger religiöser Disziplinierung körperlicher Gewalt und militärischem Drill ausgeliefert waren. „Es tut immer noch sehr weh. Sie sehen, daß mir beim Erzählen ­Tränen kommen, obwohl ich eine Psychotherapie gemacht habe“, sagt ein heute 62-jähriger Ex-Zögling. Bormann, damals 30, war sportlich-gestählt, geheimnisumwittert, eitel, von jähzorniger Härte und brutal. Drei ehemalige Schüler berichteten profil, er habe Buben blutig geschlagen, einer blieb bewußtlos liegen.
Abb. 2: Bewußtlos geschlagen: M. Bormann jr. S.J.
Und:
Ihn selbst hatte Pater Bormann einmal beim ­Reden ertappt – im Schlafsaal herrschte Schweigegebot – und ihm von hinten seine Faust auf den Kopf gedonnert. Der Bub verlor das Bewußtsein und wurde von Bormann – „das Zamperl (Bayrisch für Schwächling, Anm.) werden wir wieder zum Leben bringen“ – mit kaltem Wasser übergossen. Ein anderes Kind habe Bormann mit solcher Wucht gegen eine Wand geknallt, daß sein Gesicht blutüberströmt war. Ein einziger Ort im Internat, das in einem ehemaligen erzbischöflichen Jagdschloß untergebracht ist, habe Zuflucht geboten. Es war das Krankenzimmer.
Und:
„Komisch“ erschien ihnen schon damals an Bormann einiges. Daß er mit ausgewählten Burschen eine mehrwöchige Sommerwanderung unternahm, über die es nachher hieß, im Zelt sei es zu Annäherungen des Paters an Schüler gekommen. Und schließlich sein besonderes Verhältnis zu seinem Lieblingsschüler, einem blonden, hochgewachsenen Münchner. Als ein Bub den Bormann-Liebling einmal beleidigte, forderte ihn der Erzieher zum Boxkampf heraus. Alle anderen mußten mitansehen, wie der Bub dem athletischen Ordensmann ängstlich auswich. „Bormann hat ihn dann vor uns niedergeschlagen. Das war für uns alle furchtbar“, sagt einer.
Was weder den heutigen Zeitungsberichten noch Wikipedia explizit zu entnehmen ist, was aber zu dem Wort "geheimnisumwittert" in den Berichten der Überlebenden paßt, ist einem alten Zeitungsbericht aus dem Jahr 1959 zu entnehmen (1):
Jetzt berichtet die französische Wochenschrift "Aux Ecoutes" (...), der Jesuitenpater Bormann sei ein wichtiger Mittelsmann zwischen Bonn und Pankow. Er besitze einen Sonderausweis mit ständiger Einreiseerlaubnis in die DDR.
Abb. 3: "Blutüberströmtes Gesicht": Martin Bormann Junior als Jesuit, 1960
Der Zeitungsbericht stammt aus eben jener Zeit, an der sich die ehemaligen Klosterschüler an Bormann als ihren Lehrer erinnern. Was an dem Zeitungsbericht dran ist, muß an dieser Stelle offen bleiben.

Auf Wikipedia ist noch über den weiteren Lebensweg Bormanns zu erfahren:
1969 hatte er einen schweren Autounfall und wurde von einer Mitschwester gepflegt. Anschließend ließen sich beide von ihren Gelübden entbinden und heirateten 1971.
Von Küssen zwischen Priestern und Nonnen wußten auch die Schüler auf dem Salzburger "Elite"-Gymnasium schon zu berichten. Diese Rosemarie Bormann berät heute ihren Ehemann bezüglich des Umgangs mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen.

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1. T.K.: Jesuit Bormann - ein politischer Agent? In: Volkswarte, 18.9.1959, S. 2

Montag, 6. Februar 2012

Der "große Schweiger" spricht!

Wenig bekannte Ton- und Bildaufnahmen von Bismarck bis Konrad Lorenz

In historischen Dokumentationen bekommt man wieder und wieder die Schreihälse Adolf Hitler, Josef Goebbels und ähnliche Gestalten zu sehen und zu hören, als hätte es in Deutschland niemals anderer Politiker gegeben als diese beiden und als wären nur von den Nazis Film- und Tonaufnahmen überhaupt überliefert.

Dabei kann man sich doch z.B. an Interviews von Politikern aus der Weimarer Republik während seines Geschichtsunterrichts in den 1980er Jahren erinnern, die doch irgendwie sehr authentisch herüberkamen und die ein sehr vielfältiges Bild vom Denken der damaligen Politiker geliefert hatben. Soweit man es in Erinnerung hat, waren die Politiker gefragt worden, wie sie sich Deutschlands Zukunft vorstellen. So blieb einem die kurze und knappte Antwort eines bayerischen Politikers - wohl des Ministerpräsidenten Held? - , in Erinnerung, der in etwa sagte: "Deutschlands Zukunft? Zeugende Männer, säugende Frauen." Was deutlich macht, daß das sehr andere Zeiten gewesen sein müssen.

Solche scheinbar seltenen Aufnahmen finden sich auch derzeit offenbar noch nicht im Internet und man hat auch sonst nie wieder etwas von ihnen gehört. Außer Reden von Nationalsozialisten scheinen auch heute noch außerordentlich wenige Reden von deutschen Politikern anderer politischer Richtungen vor 1945 im Internet zu finden zu sein. Allerdings sind inzwischen - siehe unten - sehr viele Reden aus dem Dritten Reich und kurz danach - nicht nur der beiden "Hauptagitatoren" - im Internet zugänglich.

Daß derzeit gerade durch die Presse geht, daß alte Tonaufnahmen von Otto von Bismarck und Helmuth von Moltke aus dem Jahr 1889 aufgetaucht sind (Epoc, 2.2.2012), war Anlaß für die Zusammenstellung des vorliegenden Blogartikels. Eine vielleicht reichlich willkürliche Zusammenstellung von Ton- und Bilddokumenten der letzten 100 Jahre deutscher Geschichte - dennoch vielleicht von Interesse. 

Bismarck 1889



Die genauen Texte, die Bismarck hier aufsagt - und im nächsten Video Helmuth von Moltke -, kann man unter anderem hier nachlesen. Daß Bismarck hier so wenig "gewichtige" Worte spricht, liegt einfach daran, daß das die ersten Experimente mit Tonaufnahmen überhaupt waren und Bismarck wohl einfach aus dem Stegreif irgendetwas daraus gesprochen hat.

Moltke 1889


Im zweiten Teil dieses Videos - ab 1'20 - sind auch die Aufnahmen von Helmuth von Moltke enthalten, die in Kreisau entstanden sind. Es ist schon interessant, daß hier jener Mann, der als der "große Schweiger" in die Geschichte eingegangen ist mit seinem Leitwort "Mehr sein als scheinen!" doch auffallend viel redet! Er sagt und wiederholt dabei den ersten Absatz, weil er erst vom Telephon, statt vom Phonographen gesprochen hatte:
Diese neueste Erfindung des Herrn Edison ist in der Tat staunenswert. Der Phonograph ermöglicht, daß ein Mann, der schon lange im Grabe ruht, noch einmal seine Stimme erhebt und die Gegenwart begrüßt.
"Ihr Instrumente spottet mein
Mit Rad und Kämmen, Walz' und Bügel;
Ich stand am Thor, ihr solltet Schlüssel sein;
Zwar euer Bart ist kraus, doch hebt ihr nicht die Riegel.
"Geheimnissvoll am lichten Tag
Lässt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag.
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben."
Wilhelm II. 1914

Was aber die beiden Deutschen Bismarck und Moltke nicht verhindern konnten, ein neuer Krieg, dem sie immer besorgt entgegengesehen hatte, dieser sollte Anlaß geben, um Worte des Kaiser Wilhelm II. vom 6. August 1914 technisch aufzubewahren.

Weitere interessante zugängliche historische Aufnahmen aus jener zeit stammen von Kaiser Franz Josef aus dem Jahr 1915, vom österreichischen Thronfolger Karl aus derselben Zeit. Und von Generalfeldmarschall von Hindenburg aus dem Jahr 1917.

Von Politikern der Weimarer Republik findet man, wie gesagt, nicht so leicht Tondokumente. Ganz willkürlich sei hier nur auf eine Rede des Reichskanzlers Heinrich Brüning vom April 1932 verwiesen, nach der das Deutschlandlied gesungen wird und auf eine kurze Sequenz mit Albert Einstein vom Juni 1932. Auch von Hindenburg gibt es wieder eine Rede aus dem Jahr 1932.

Hindenburg 1933


Und schließlich gibt es noch mindestens zwei Reden Hindenburgs aus dem Jahr 1933. Die oben ist gehalten im Lustgarten in Berlin.

Ludendorff 1935

Schon in einem anderen Beitrag ist darauf hingewiesen worden, daß die "Deutsche Wochenschau" vom 9. April 1935 Aufnahmen von der Feier des 70. Geburtstages des Generals Erich Ludendorff brachte, bei dem die Wehrmachtführung unter Oberbefehlshaber Blomberg Ludendorff in seinem Haus in Tutzing besuchte und ihm zu Ehren eine Parade abgehalten wurde (Criticalpast). Nach Hindenburgs Tod suchte die Wehrmacht Ludendorff als Gegengewicht zu Hitler zu gewinnen.

Bei diesen Aufnahmen fällt unter anderem auf, daß Erich Ludendorff nach seiner Rede - ähnlich wie oben Hindenburg - keineswegs mit Hitler-Gruß "Sieg Heil!" ruft - wie es zum Teil die Menge tut -, sondern daß er drei mal den Arm nach oben schwenkt und dabei bloß "Heil!" ruft, wie es wohl auch schon in Kaiserszeiten üblich war, zumindest aber in der frühen völkischen Bewegung, bei der Ludendorff ja bis 1925 dabei gewesen war. Außerdem konnte man zuvor schon während der "Sieg Heil!"-Rufe der großen Menge in der Nähe der Filmkamera jemanden sehr deutlich "Heiho, Heiho!" rufen hören.

Zugehörige Filmaufnahme auf: "Criticalpast"
Ob das eine Verhöhnung der "Sieg Heil!"-Rufe durch Ludendorff-Anhänger gewesen sein sollte, in welcher Form das eine Art Nonkonformität, eine Art kleiner Protest gegen das damalige Massenverhalten darstellte, kann mit letzter Sicherheit nicht gesagt werden. "Heiho!" war damals der Titel einer der Ludendorff-Bewegung nahestehenden Jugendzeitschrift, die ein Fritz Hugo Hoffmann herausgab (ZVAB).

Mit "Heiho!" fing damals auch ein unter Neuheiden populäres antichristliches, antipäpstliches Lied an: "Heiho, die Heidenfahnen weh'n, sie grüßen unsere Schar ...". Es enthält unter anderem die Strophe: "St. Peters Felsen wanket schon, bestürmt ihn, bis er bricht / wenn fällt der letzte Priesterthron, dann wird's in Deutschland licht." HAuch diese Worte empfand man als gegen den Nationalsozialismus gerichtet, der oft von Kirchenkritikern als romhörig empfunden worden ist.

Weitere Aufnahmen aus dieser Zeit sind etwa ein Interview des Kronprinzen Wilhelm aus dem Jahr 1934 (in Englisch), eine Ansprache des Gauleiter Gorlitzer aus dem Jahr 1934 und eine Rede von Julius Streicher im Jahr 1935a, b (natürlich mit dem Thema Antisemitismus).

Max Planck 1942


Natürlich gibt es aus dem Dritten Reich auch sonst viele Aufnahmen. Allerdings findet man doch auch manches Individuelle in ihnen wieder, etwa in den folgenden: Erwin Rommel, Okt. 1942Alfred Rosenberg 1943 a, b (er spricht im baltendeutschen Dialekt von seinem Leben).

Schließlich: Karl Dönitz am 1. Mai 1945 oder etwa der Spezialkommando-Führer Otto Skorzeny am 2.8.1945 bei seiner Vernehmung in Dachau. Von den Prozessen in Nürnberg im Jahr 1946 gibt es inzwischen zugängliche Aufnahmen, die einem ebenfalls vieles Individuelle mitteilen können, etwa von: Julius Streicher, Konstantin von NeurathFranz von Papen, Wilhelm Keitel (gesteht geschichtliche Schuld ein), Alfred Rosenberg a, b (wieder im baltendeutschen Dialekt), Alfred Jodl und anderen.

Konrad Lorenz und Karl Raimund Popper 1983


Es gibt inzwischen auch viele interessante Tonaufnahmen von Werner Heisenberg im Internet, auch - etwa - von Agnes Miegel. Aber schließlich sei an den Schluß - ganz willkürlich - gestellt eine Aufnahme, die man sehr mögen kann, da sie zwei Exzentriker im "altersweisen" Gespräch miteinander zeigt: Den Philosophen Karl Raimund Popper mit dem Verhaltensforscher und Philosophen Konrad Lorenz, beide aus Wien stammend.

An dieser Aufnahme wird vielleicht deutlich, was für ein weiter Weg zurückgelegt worden war - seit Moltke und Bismarck im Jahr 1889. 

"Durchaus sympathisch" - Lenin und Stalin

Der Salonbolschewist, Kriegshetzer und Freimaurer Friedrich Hielscher

Gleich nach der Wende des Jahres 1989 nahm die Geschichtswissenschaft neue Bewertungen auch des historischen Wirkens des Freimaurers Eduard Benesch (1884 - 1948) vor, 1918 bis 1935 Außenminister, 1935 bis 1938 Staatspräsident der Tschechoslowakei, von 1938 bis 1945 einflußreicher Exilpolitiker in London, von 1945 bis 1948 nochmals Staatspräsident der Tschechoslowakei (1 - 4).

Abb. 1: Lagerzaun Workuta
Schon in der Krise des Jahres 1938 hatte er auch für sein eigenes Land keine Sorgen gegenüber einer "Sowjetisierung Osteuropas", ja, er hat die Sowjets schon im Februar 1936 indirekt zur Sowjetisierung Mitteleuropas aufgefordert (2, S. 551). Und schon am 31. Januar 1939 sagte Benesch in London in diesem Sinne zum Beispiel die einprägsamen Worte (zit. n. 2, S. 579):
„Rußland wird in Mitteleuropa das Wort haben ... Geographisches Gesetz ... Hitler verhilft uns zur Nachbarschaft mit Rußland. Nach den künftigen Katastrophen muß das Ziel sein, daß Rußland in Uzhorod stehen wird, Presov in Rußland liegen wird ... Die Grenze mit Rußland so lang wie möglich auch mit Hinsicht auf Polen ...“
Dieses Zitat ist auch deshalb so auffällig, weil ein solches Denken des Freimaurers Eduard Bensch (spätestens ab 1936) und das Denken des Freimaurers Friedrich Hielscher (spätestens seit 1927; offiziell Freimaurer wurde er erst 1951) in vielerlei Hinsicht gegenseitig erläuterendes Licht aufeinander werfen - und damit wohl auf die Freimaurerei insgesamt. Dieses Zitat scheint nur das noch offener auszusprechen, was Friedrich Hielscher sich schon in seinen Veröffentlichungen seit 1927 gewünscht hatte (siehe gleich). Der Historiker Ivan Pfaff führte aus (2, S. 579): Benesch
„war schon vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges fest davon überzeugt, daß die UdSSR früher oder später in den Krieg mit Deutschland eingreifen und schließlich nach Mitteleuropa vordringen werde.“
Und im Dezember 1939 führte Benesch aus (2, S. 580):
„Rußland wartet ab und sobald es auf Grund der deutschen Kriegsführung für sich allseits die möglichst stärkste Position gewonnen hat (die Baltischen Staaten, Polen, Finnland, Bessarabien, offenbar Bulgarien und Nordtürkei und -persien), wird es alles Erdenkliche zum Sturz des heutigen Deutschland tun und dort wie auch überhaupt in Mitteleuropa eine Revolution mit Sowjetregimes hervorrufen.“ 
In ähnlichen Gedankengängen formulierte Benesch am 12. Juli 1941 (zit. n. 4, S. 555):
„Wenn der Krieg in Europa vorüber ist, werden nur Deutschland und Rußland übrig sein. Deutschland wird zerstückelt sein und im Osten und - wie ich hoffe, in Zentraleuropa ebenso - wird Rußland die entscheidende Rolle spielen.“
"Rußland wird in Mitteleuropa das Wort haben ... Geographisches Gesetz ..."

Die gleiche Sorglosigkeit, ja, Sympathie gegenüber der Sowjetunion, wie sie Benesch an den Tag legte, legte auch ein Vordenker des sogenannten "Neuen Nationalismus" und der sogenannten "Konservativen Revolution" in Deutschland rund um Ernst Jünger schon ab 1927 an den Tag. Ein Vordenker, der Zeit seines Lebens den "Männerbund" glorifizierte, schon 1925 die Jesuitenexerzitien praktizierte und 1951 auch offiziell Freimaurer wurde. Während in den Kreisen der "Konservativen Revolution" noch heute ein Eduard Benesch oder ein Walter von Seydlitz (Nationalkommitee Freies Deutschland) äußerlich auf das heftigste abgelehnt werden, vielfacher deutscher militärischer Geheimnisverrat an die Sowjetunion schwer verurteilt wird (Martin Bormann, Rote Kapelle, Wilhelm Canaris ...) (5 - 7), bringt man einem Friedrich Hielscher noch heute in diesen Kreisen mitunter viel Sympathie entgegen.

Wenn in Kreisen des "Neuen Nationalismus" und damit später auch des (z.T. sogenannten) deutschen Widerstandes schon seit 1927 so gedacht werden konnte, wie Friedrich Hielscher dachte, wird man Anlaß haben, viele Landesverrats-Handlungen des (z.T. sogenannten) deutschen Widerstandes noch aus ganz neuer Perspektive zu sehen. (Denn wie kann man einen "Widerstand", der anstelle des nationalsozialistischen Totalitarismus lediglich den kommunistischen Totalitarismus setzen wollte, noch aufrichtig "Widerstand" nennen anstatt Erfüllungsgehilfe von Totalitarismus?)

Nach Aufsätzen von Friedrich Hielscher wie "Der Draht nach Osten" von 1927 (S. 6), "Japan, Rußland und der Westen" von 1928 (S. 54) und "Die letzten Wochen. Moskau" von 1930 (S. 49f) vervollständigt die Soziologin Ina Schmidt in ihrer Dissertation über Hielscher unsere bisherigen Kenntnisse über seine volksverhetzenden Ansichten (8, 9) zusammenfassend folgendermaßen (10, S. 100):
Seit der Herrschaft Zar Peters I. sei auch das russische Seelentum der westlichen Überfremdung preisgegeben worden.
Abb. 2: Ukraine 1932
Zar Peter I. der Große (1672 - 1725), der Petersburg als westliche Stadt gründete und Rußland der westlichen Kultur und vor allem auch vielen deutschen Einflüssen öffnete, wird also von Hielscher negativ bewertet. Denn westliche Überfremdung ist ja im Weltbild des Friedrich Hielscher die Ursünde überhaupt. Derartiges hört man bezüglich "östlicher Überfremdung" bei ihm nie, im Gegenteil. Denn demgegenüber ("im Gegensatz dazu") zieht er keine geringeren als - - - Lenin und Stalin Peter I. folgendermaßen vor:
Lenin und Stalin seien nicht wirklich marxistisch eingestellt, da sie im Gegensatz zum Zarentum konform mit dem ursprünglich russischen Seelentum handelten, was Hielscher durchaus sympathisch findet. Erkennbar sei dies daran, daß sie die russischen Menschen ihrer Machtpolitik und der russischen Nation opferten.
(Vgl. Abb. 1 - 3.) Leider gibt Schmidt hier kein Originalzitat. Aber schon diese Paraphrase ist wohl eindeutig genug. Ob wohl Ina Schmidt selbst gemerkt hat, was für ein ekelhaftes Denken sie da referiert? Sie fährt noch krasser fort:
Stalin verhalte sich so, wie sich ein echter Nationalist verhalten solle, da er nur an die Stärke und den Erfolg der Nation denke. Der Bolschewismus sei nur Maske. Dies zeige sich darin, daß er Ordnung schaffe, regimefeindliche Akademiker ermorde und Zehntausende von Kulakenfamilien nach Sibirien schicke und dort sterben lasse.
All das findet Hielscher also toll! Er wünscht es sich offensichtlich auch für Deutschland. Das liegt ganz auf der Linie unserer bisherigen Beiträge zu Hielscher (8, 9).
Durch diese Opferung von Menschenleben habe er die Rüstung der Nation gestärkt.
Man möchte den Hielscher auf der Stelle selbst sofort in den Archipel Gulag schicken und verrecken lassen, wenn er so reden kann. Wie kann Papier so geduldig sein und wie konnten die damaligen Leser von Hielscher so geduldig sein? Die ganzen nationalpatriotischen deutschen Kreise lebten damals aus dem antikommunistischen Affekt heraus. Und Hielscher verherrlicht den Kommunismus und niemand hat ihm jemals gehörig die Meinung gesagt? An dieser Stelle erfolgt dann Verweis auf die oben genannten Origianl-Aufsätze. Und weiter:
Stalin sei kein Marxist, wie er immer noch denke, denn "Karl Marx hatte das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl gewollt, einen nicht sehr erhebenden, etwas muffigen, aber immerhin erträglichen Frieden auf Erden; und diese Erschießungen bedeuten Krieg, Willen zur Macht, Gleichgültigkeit gegenüber Menschenleben, Entschlossenheit zum Siege" 
wie Schmidt aus dem letztgenannten Aufsatz Hielschers von 1930 zitiert. Noch einmal: Eine solche Bejahung des stalinistischen Völkermordes findet man höchstens noch bei Winston Churchill. Sind von Adolf Hitler solche Äußerungen bekannt? Dann hätte wohl Ernst Nolte leichtes Spiel mit seiner These, der Nationalsozialismus sei im Wesentlichen eine Reaktion auf den Bolschewismus. Nolte sollte Friedrich Hielscher genauer studieren, dann wüßte er, "wer" "wie" auf den Bolschewismus reagiert hat.

"Durch diese Opferung von Menschenleben habe er die Rüstung der Nation gestärkt"

Die "Neuen Nationalisten", die "Konservativen Revolutionäre" haben gegen Hitler 1944 möglicherweise nicht gerade deshalb geputscht, weil sie "humaner" gesinnt waren, als er, sondern weil ihre dem deutschen Volk, dem russischen Volk und der westlichen Welt noch heute völlig unverständliche landesverräterische Kooperation mit der Sowjetunion, weil die gleichzeitige von ihnen ermöglichte Invasion in der Normandie und der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte in Rußland möglicherweise schon damals aufgeflogen worden wären, wenn die öffentliche Aufmerksamkeit nicht durch einen Putsch und durch ein Attentat auf Adolf Hitler abgelenkt worden wäre. (So könnte zumindest eine Hypothese lauten, die genauer verfolgt werden müßte. Denn um so mehr man von den landesverräterischen Umtrieben des deutschen "Widerstandes" erfährt, insbesondere auch gegenüber der Ostfront, um so mehr fragt man sich, welche Rationalität dann eigentlich noch hinter dem Stauffenberg-Attentat von 1944 stehen sollte.) - Doch bringen wir das Zitat von Ina Schmidt zum Abschluß (10, S. 100f):
Das typisch russische Seelentum kennzeichne ebenso wie das römische der große Abstand zwischen den als unwissend und niedrig betrachteten Beherrschten und der als wissend und gottgewollt empfundenen Führung. Diese werde von den Menschen Rußlands als notwendiges Übel zwecks Verteidigung nach außen hin akzeptiert.
An diesen Ausführungen ist ja insbesondere noch bemerkenswert, daß Hielscher in den Jahren von 1927 bis 1930 viel präziser als viele andere deutsche und westliche Beobachter in der Öffentlichkeit die damaligen inneren Vorgänge in der Sowjetunion in ihren tatsächlich vorliegenden Kausalzusammenhängen benennt. Im Grunde ist dies noch nicht einmal von Robert Conquest ("Ernte des Todes", 1986) so scharf und deutlich herausgearbeitet werden, sondern erst von Bogdan Musial ("Kampfplatz Deutschland", 2010), nämlich daß der ukrainische Hungerholocaust 1930 bis 1933 durchgeführt wurde, um ein gigantisches Rüstungsprogramm mit Getreideexporten finanzieren zu können. Genau das weiß auch Hielscher. Aber wer wußte das damals eigentlich in Deutschland noch ebenso präzise wie er?

Adolf Hitler zumindest nicht. Sonst hätte er das gigantische Rüstungsprogramm Stalins nicht so stark unterschätzt, wie er es 1942 gegenüber dem finnischen General Mannerheim eingestand. Sprich: Die deutsche "Abwehr", der deutsche militärische Geheimdienst unter Wilhelm Canaris, Reinhard Gehlen, Alexis von Roenne, zusammen mit Leuten wie Hans von Dohnanyi, Justus Delbrück und Karl Ludwig Freiherr von Guttenberg (7, S. 67) hatten diese Dinge ebensowenig weitergegeben, wie offenbar das Außenministerium z.B. seine Konsulatsberichte aus Kiew aus dem Jahr 1932 an die Öffentlichkeit weitergab. (Der eben genannte Guttenberg ist übrigens der Großonkel des 2011 zurückgetretenen korrupten Verteidigungsministers, der ebensogerne wie sein Großneffe "Guttenberg'sche Lügenteppiche" webte und sich in ihnen "verhedderte", wie seine Tochter in ihrer Biographie schreibt. Offenbar also eine familiär weiterverbte Eigenschaft der Lügenbarone von Guttenberg.)

Ina Schmidt scheint die Ungeheuerlichkeit der Gedankengänge des Friedrich Hielscher nicht vollumfänglich bewußt zu werden, unter anderen offenbar auch deshalb, weil sie sich der freundschaftlichen Verbindungen der "Neuen Nationalisten" zu jenen nicht bewußt ist, die genau die politische Moral eines Friedrich Hielscher von 1933 bis 1945 gelebt und umgesetzt haben. Beim gegenwärtigen Kenntnisstand am besten personifiziert im "dritten Mann hinter Himmler und Heydrich", in Werner Best, den ebenso wie Hielscher in Deutschland bis 1989 niemals verurteilten, lebenslangen Freund von Ernst Jünger und Friedrich Hielscher. Einer der vielen aus dem Hielscher-Kreis, der um 1933 herum zum Männerorden SS wechselte.

Da paßt es auch durchaus, wenn der Sekretär Ernst Jüngers, Armin Mohler, Berater von Franz Josef Strauß war, der möglicherweise als einer der Auftraggeber des Staatsterrorismus der RAF und damit des Mordes an Siegfried Buback gelten muß (siehe früherer Beitrag). Der Mordmoral einer RAF mußte ein Hielscher, wenn er konsequent war, völlig positiv gegenüber stehen. Ebenso wie dies bis heute Horst Mahler tut, wenn er sie als Verlängerung der "Heldentaten" der Werner Best- und Hielscher-SS anspricht. Alle diese Personen scheinen aus der gleichen "asiatisch-brutalen" geheimpolitischen und geheimideologischen Ecke eines Hielscher zu kommen.

Hielscher kannte die Hintergründe des Hungerholocausts in der Ukraine 1932

Abb. 3: Ukraine 1932
Nachdem Hielscher in seinen Aufsätzen und Büchern bis 1933 viele "Herren"-Gedanken geäußert hatte, wie sie unter den elitären völkisch-freimaurerischen Okkultlogen und Herrenklubs seiner Zeit Gang und Gäbe waren, nachdem sein Gesinnungsgenosse Werner Best schon lange vor 1933 Mitglied des Skaldenordens geworden war, nachdem sein Gesinnungsgenosse Ernst Jünger in seinen Büchern viel über die "Herren der Probleme" raunte, "mit denen sich die Zeitgenossen beschäftigen", und die sich offensichtlich in Logen und Geheimdiensten bewegen (siehe früherer Beitrag), zögerte Hielscher im Jahr 1951 nicht, sich den Degen auf die nackte Brust setzen zu lassen, ohne Schuh durch den "dunklen Gang" der Freimaurer zu stolpern und ähnliche Mätzchen mit sich machen zu lassen, um Mitglied der Freimaurerloge "Brudertreue am Main" zu werden, der er dann über vier Jahrzehnte lang bis zu seinem Tod angehören sollte (10, S. 136). Da war dann quasi endlich auch offiziell "zusammengewachsen", was schon lange "zusammen gehört" hatte ... Und als er 1954 Martin Buber seine soeben erschienene Autobiographie sandte (10, S. 137),
in der er betonte, daß Buber ihm "den Weg von der Gerechtigkeit zur Güte" gezeigt und die Augen für "Israel" geöffnet habe,
- diese Worte muß man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen: "von der Gerechtigkeit zur Gute" - und diese Worte aus dem Munde eines Kriegshetzers vom Schlage Friedrich Hielscher - konnte dieser Herr Buber lächerlicherweise in seiner Antwort befriedigt feststellen, daß in diesem "lebendigen" Buch viele weltanschauliche Veränderungen dokumentiert waren und eine Selbstkritik an seinen vergangenen nationalistischen Positionen:
"Auch bekommt man jeweils ein Stück eines sehenswerten Wegs zu sehen, der aus dem 'Reich' in die Welt führt. Ihnen und Ihrer Frau alles Gute!"
Martin Buber kann ja wohl "Das Reich" nicht zitieren, ohne es gelesen zu haben! Unglaublich, daß er da noch von einem "sehenswerten Weg" fabulieren kann. Entweder man sagt sich "Elitäre unter sich" oder man sagt sich: Jetzt weiß ich endlich, wie ich die merkwürdig fremdartige Stimmung in "Gog und Magok" aufzufassen habe, nämlich dahingehend, daß man aus dieser heraus in dem Buch "Das Reich" nichts mehr "merkwürdig" und "fremdartig" empfindet, sondern vielmehr: "sehenswert".

Im übrigen: Der "innere Mohr" des Friedrich Hielscher, dieser brutal-totalitaristische, diktatur- und kriegsverherrlichende, menschenverachtende, völkermordbegrüßende hatte ja eh seine Schuldigkeit getan. Jetzt konnte Hielscher, nachdem sich das von ihm vorausgesehene "eiserne Schicksal" vollzogen hatte, zu seinem inneren Mohr - offenbar sagen: Der Mohr kann gehen. Und alle waren's zufrieden.

Und seit dem darf jeder Hielscher-Verehrer sich seinen eigenen Hielscher zurechtstoppeln. Je nach Laune mehr Dosierung von dem "Hielscher vor 1933" oder dem "Hielscher vor 1945" oder dem dosiert "selbstkritischen Hielscher nach 1945". Wobei natürlich reineweg klar ist, daß Hielscher "Widerstand" im Dritten Reich geleistet hat. Hielscher! Lächerlich!

Heutige Odin-Anhänger finden Hielscher Klasse

Auf dem Blog eines Julian Jurek (möglicherweise Pseudonym), offensichtlich einem Odin-Anhänger (11), der so gut in die "arische Internationale" eines Friedrich Hielscher paßt, wird das nicht-naturalistische Weltbild des Friedrich Hielscher noch einmal sehr hübsch deutlich herausgearbeitet:
Seine Einstellung zu Volk und Nation wird in seinem ideologischen Grundlagewerk „Das Reich“ deutlich, daß 1931 im Fundsberg-Verlag erschien. Dort postulierte er, daß ein Volk  aus der Gemeinschaft von Schicksal und Bekenntnis entstehe. Das Blut erhält seinen Rang durch eine Entscheidung und nicht durch die Biologie. Deutschtum/Deutschheit leiten sich nicht durch Abstammung und staatliche Definition ab, sondern aus Gesinnung und Glauben. Der Reichsbegriff wird vom politischen zum religiös-metaphysischen, in der Geschichte wirkenden Prinzip einer föderativen Ordnung Europas – unter Führung des preußischen Geistes. Die Nationalstaaten sollten sich in Stämme und Landschaften auflösen, und aus diesen verkleinerten Einheiten war etwas Größeres zu schaffen, das über die Nationalstaaten hinausging.
Also wie noch an anderer Stelle aufgezeigt werden wird, wunderbar kompatibel zu der traditionellen freimaurerischen - und übrigens auch christlichen und buddhistischen - Weltsicht. Über die Tätigkeit Hielschers als Religionsgründer heißt es:
Von größerer spiritueller Bedeutung war die 1933 nach dem Umzug nach Potsdam erfolgte Gründung der Unabhängigen Freikirche UFK als heidnisch-pantheistischer Glaubensbewegung auf indogermanischer Grundlage: „Ich glaube an Gott den Alleinwirklichen. Ich glaube an die ewigen Götter. Ich glaube an das Reich.“ Heidnische Elemente aus der deutschen Klassik und Romantik wurden mit dem ketzerischen Pantheismus eines Johannes Scotus Eriugenas, Nietzsche und dem überlieferten keltisch-germanischen Volksglauben zu einer für Außenstehende äußerst schwer zu erfassenden theologischen Einheit verknüpft. Die Theologie der UFK war kein statisches Gebilde, sondern wie „Das Reich“ eine dynamisch weiterzuentwickelnde Aufgabe.  
Interessant auch, wo und wie man den Aktualitätssbezug von Friedrich Hielscher heute sieht:
Dabei ist gerade für uns Polytheisten interessant, daß die UFK gut und gerne als Vorreiter der modernen Neuheidentum-Bewegung gelten kann. Obwohl ihre Wurzeln in einem konservativ-reaktionären Milieu lagen, stand sie doch im starken Kontrast zu den ariosophischen Orden und Zirkeln der Vorkriegs-Zeit. Auch mit dem Rassismus und Antisemitismus der theosophisch-beeinflussten SS Himmlers hatte sie nichts gemein. Wie bereits erwähnt, war Hielscher der Überzeugung, daß das Deutschtum eine Sache der Geisteshaltung, und weniger der Abstammung sei. Deutschtum und polytheistische „Frömmigkeit“ waren für ihn untrennbar, allerdings ohne dabei chauvinistische Dünkel zu hegen.
Nur eines scheint dieser "Odin-Anhänger" da übersehen zu haben. Nämlich, daß die Mordmoral eines Hielscher völlig mit der Mordmoral der Werner Best-SS in Einklang stand. Daß das totalitaristische Menschen- und Gesellschaftsbild eines Hielscher in vielem wohl sogar noch das sehr der allgemein in der SS und in der NSDAP verbreitete übertraf. - Da haben also heutige "Odin-Anhänger" offenbar den ihnen genehmen Vordenker gefunden. Auf der Wewelsburg, im Völkerschlachtdenkmal von Leipzig und anderswo: Über Schlachtfelder zu Gott und zur okkulten, grausamen Priesterdiktatur im Sinne eines Friedrich Hielscher und seines Freundes Werner Best, des "Bluthundes von Boxheim".

... Damit sind wir mit dem Herrn Hielscher aber noch längst nicht am Ende und es wird noch mindestens ein Beitrag über ihn kommen, der schon in Arbeit ist. Das Buch von Ina Schmidt hat über 300 Seiten und enthält vieles, was zum Verständnis von Vergangenheit und Gegenwart nicht ganz unwichtig sein dürfte.

(Erster Entwurf: 30.12.2011)
__________________________________________

  1. Bading, Ingo: Wie kam Stalin in die Mitte Europas? - Kriegsziele der westlichen Demokratien seit 1941. Magisterarbeit, Universität Mainz 1993 (pdf.)
  2. Pfaff, Ivan: Stalins Strategie der Sowjetisierung Mitteleuropas 1935 - 1938. Das Beispiel Tschechoslowakei, In: VfZG 4/1990, S. 543 – 587
  3. Hübner, Eckehard: Neues Licht auf die sowjetische Außenpolitik vor dem Zweiten Weltkrieg? Zum Aufsatz von Ivan Pfaff, In: VfZG 1/1992, S. 79 – 94
  4. Mastny, Vojtech: The Czechoslowak Government-in-Exile During World War II. In: Jahrbücher für die Geschichte Osteuropas 27 (1979), S. 548 – 563
  5. Beer, Hugo Manfred: Moskaus As im Kampf der Geheimdienste. Die Rolle Martin Bormanns in der deutschen Führungsspitze. Hohe Warte (3., erw. Aufl.), Pähl 1984
  6. Georg Friedrich: Verrat in der Normandie. Eisenhowers deutsche Helfer. Grabert Verlag, Tübingen (2. Aufl.) 2007, (4. Aufl.) 2011 
  7. Georg, Friedrich: Verrat an der Ostfront. Der verlorene Sieg 1941 - 42. Grabert Verlag, Tübingen 2012
  8. Bading, Ingo: "Diese Zuversicht, welche die kommende Vernichtung bejaht ..." Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, 3.6.2011
  9. Bading, Ingo: Okkulte Priesterdiktatur für den "deutschen Raum" und Ausrottung des "verhurten Gesindels"  - Zu Friedrich Hielschers Buch "Das Reich" aus dem Jahr 1931. GA-j!, 5.8.2011
  10. Schmidt, Ina: Der Herr des Feuers. Friedrich Hielscher und sein Kreis zwischen Heidentum, neuem Nationalismus und Widerstand gegen den Nationalsozialismus. (Diss. Hamburg 2002) SH-Verlag, Köln 2004
  11. Jurek, Julian: Friedrich Hielscher – Heidnischer Vordenker oder NS-Wegbereiter? Teil I, 9.5.2010; Teil II, 16.5.2010; Teil III, 26.5.2010.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Eugenik in der SPD - Von 1930 bis 2011

Eine zu ergänzende Zitatensammlung

So langsam lohnt es sich, einen ständig zu aktualisierenden Sammelbeitrag über Stimmen aus der SPD zum Thema Eugenik anzulegen. Über einen Kommentar auf Paperblog wird man auf das aufmerksam, was etwa Klaus von Dohnanyi  schon im Juli 2011 in der FAZ zu Protokoll gegeben hatte (FAZ, 17.7.2011):
Eckart Lohse und Markus Wehner für die FAZ: Mit der Debatte um die Thesen von Thilo Sarrazin und das Ausschlussverfahren gegen ihn hat die SPD für Aufsehen gesorgt. Sie waren als Sarrazins Rechtsbeistand mit der Sache eng befasst. Wie bewerten Sie den Umgang Ihrer Partei mit Sarrazin?
Klaus von Dohnanyi: Die Haltung der SPD war geprägt von der irrigen Annahme, die eugenische Idee der Nationalsozialisten entspringe einer deutschen Quelle. Die Eugenik stammt aber aus den angelsächsischen Ländern. In den Vereinigten Staaten, aber auch in Skandinavien hat man noch bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Zwangssterilisationen durchgeführt – während man es in Deutschland bis 1933 nicht gemacht hat. Die Engländer haben im 19. Jahrhundert ständig von „the english race“ geredet, als in Deutschland niemand über eine „deutsche Rasse“ gesprochen hätte. Wir haben also nicht die Geschichte, die da unterstellt wird. Wir haben ein großes Verbrechen, den Holocaust, der mit der Wahnsinnsidee von Rassismus begründet worden ist. Aber der Rassismus stammt nicht aus Deutschland.
Also hat die SPD sich in der Bewertung von Sarrazins Thesen geirrt?
Und zwar gewaltig. Sigmar Gabriel hat behauptet, man dürfe nicht über genetische Themen reden, obwohl man das überall in der Welt tut. Das war ein grober politischer Fehler.
Warum hat die Debatte um Eugenik solch eine Aufregung erzeugt in der SPD?
Es ging ja gar nicht um Eugenik. Das habe ich Sigmar Gabriel auch geschrieben: Wenn die SPD aber der PID, der Präimplantationsdiagnostik, zustimmt – das ist Eugenik. Wenn man jedoch sagt, dass 40 Prozent der Frauen in gehobenen Positionen in Deutschland keine Kinder mehr bekommen, dann ist das etwas ganz anderes. Und wenn man hinzufügt, dass man etwas tun sollte, damit auch diese Frauen wieder Kinder bekommen, dann ist das nicht Eugenik, sondern eine völlig normale Form von Bevölkerungspolitik.
Naja. Das ist schon Eugenik, ganz klar. Herr von Dohnanyi sollte mal genauer erklären, wie er den Begriff "Eugenik" definiert.
Gut, aber die Aufregung kam daher, dass Sarrazin etwa das Wort „Judengen“ in einem Interview verwendet hat.
Diese Aussage Sarrazins war richtig. Es gibt in Israel und in Amerika umfangreiche Studien darüber, dass die Juden auch durch gemeinsame Gene bestimmt werden, weil sie so eng untereinander heiraten. Das zu wissen und es zu sagen kann nicht strafbar sein.
Der Blogbeitrag "Der Advokat des Biologismus'" eines "Roberto de la Puente" zu diesem Interview, ebenfalls aus dem Juli 2011, liest ja da doch einigermaßen gereizt, wenn er auch in der Sache dazu - wie das so üblich ist - nur wenig Handfestes zu sagen hat.

Prof. Alfred Grotjahn (1869 - 1931)
Und dann hatte der Cicero im Oktober 2011 folgendes zu Protokoll gegeben (Cicero, 2011):
‎"Der Berliner Sozialhygieniker Alfred Grotjahn (SPD) sorgte sich – hier gleichsam in der Manier eines frühen Thilo Sarrazins – um den Bestand der kulturtragenden Bevölkerung, der ihm bei einem weiteren Rückgang der Geburten ernsthaft gefährdet schien. Auch dem Sozialismus drohten nach Auffassung Grotjahns von der willkürlichen Beschränkung der Kinderzahl Gefahren; die bewusst klein gehaltene sozialistisch-proletarische Familie gerate dadurch gegenüber der christlichen Familie auf Dauer ins Hintertreffen. (...) Die Eugenik hatte in der Linken eine eigene und spezifische Tradition, welche auch bzw. wohl vor allem in der Konsequenz der Moderne und des Fortschrittsdenkens lag."  
Wenn man solche nicht unwichtigen Aussagen schon als reine Zufallsfunde macht, was würde man erst alles zusammenstellen können, wenn man einmal systematischer Suchen würde?

Und: Wann besinnt sich auch die SPD wieder auf ihr altes naturalistisches, evolutionäres Fortschrittsdenken?
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