Montag, 20. August 2012

Der "kommende große Krach" - Soll er handlungsleitend sein?

Alte Revolutionäre mit langen Bärten sind - als "Propheten" - seit Jahrzehnten widerlegt

Im folgenden eine kleine Gedankenanregung für alle, die ständig auf den "großen Krach", den "Staatsbankrott", den Ausbruch des Dritten Weltkrieges und ähnliches warten. Mit dem sich alles ändern würde und der - womöglich, wenn alles gut ginge - auch alles wieder zu neuem Leben erwecken würde oder könnte. (Übrigens ein typisch okkultes Denken, durch "Krieg und Krise" irgend etwas Positives bewirken zu können nach dem Motto satanistischer Okkultlogen, das da lautet: "Sind nicht jene, die die Welt verderben, die Brüder der Tugendhaften?") - - -

Paul C. Martin (1983)
Neulich zog ich ein Buch aus dem Bücherschrank von einem Paul C. Martin, der, soweit man hört, zum Beispiel bei Leuten des "Gelben Forums" und ähnlicher Foren viel gilt. Der hoch anerkannt ist. Nun, ähm ... Das Buch stammt von meiner Großmutter. Ähm, diese ist 1996 gestorben. Und ähnlich ist auch sein Inhalt. "Großmütterlich". Titel: "Wann kommt der Staatsbankrott?" Erscheinungsdatum ... ähm ... 1983. Kapitelüberschrift von Seite 223: "Warum auch die Bundesrepublik Deutschland das Jahr 2000 nicht erreichen wird". - ... Ähm ... - Geistern einem da nicht Karikaturen im Kopf herum von altgewordenen Revolutionären mit bodenlangen Bärten und Krückstöcken, die immer noch heiß und mit jung gebliebenen Herzen auf die Revolution oder die gesellschaftliche Erneuerung warten?

Ich glaube, ein solches Buch sagt alles über derartige eschatologische oder quasi-eschatologische Erwartungen. Sterbende Kulturen - und auch Volkswirtschaften - haben ein langes Leben. Siehe nur die langen Jahrhunderte des Römischen Reiches in der Spätantike. Nicht wirtschaftliche Entwicklungen für sich bewirkten damals den endgültigen kulturellen Zusammenbruch. Sondern längerfristiger dahin schleichende demographische. 

Damals wäre man auch alt geworden über der Hoffnung, daß ein plötzlicher "großer Krach" wieder alles zum Leben erwecken würde, was auch damals noch vielen Menschen an der antiken Mittelmeerkultur wert und teuer war. Nein, Siechtum, wohin man schaute. Korruption wohin man schaute. Niedergang wohin man schaute. Aber über Jahrhunderte. 

Als handlungsleitend und -motivierend jedenfalls sollte man heute solche (quasi-)eschatologischen Erwartungen und "Prophezeiungen" nicht wählen. Das könnte nämlich auch von mancherlei mangelnder Aufbruchbereitschaft aus dem eigenen Inneren selbst heraus zeugen. Der "große Krach" für Deutschland und die Nordhalbkugel, auf den so viele warten, fand doch schon 1914, 1917, 1918, 1933 und 1945 statt. Und alle, denen das deutsche Volk, die deutsche Kultur und die Kulturen auch der Nordhalbkugel etwas wert sind, können sich nicht anders verstehen, als bewußte Träger der Folgen dieses "Krachs", dieses damaligen dreißigjährigen Krieges und aus diesem Bewußtsein heraus handeln. Sollte dieser Krach immer noch nicht handlungsleitend und handlungsmotivierend genug gewesen sein? Zumindest für jene Menschen, die Kraft für ihr eigenes Handeln aus dem eigenen Inneren heraus schöpfen können?

Humangenetische Wende im Menschen- und Gesellschaftsbild

Im übrigen kann man spätestens seit dem Jahr 2006 auch zu der Überzeugung kommen, daß mit dem Erscheinen der drei Bücher über die gruppenevolutionäre Psychologie von Judentum und Antisemitismus von Kevin MacDonald (1994, 1998) und der sie bestätigenden humangenetischen Wende im Menschenbild (2000) auch den eschatologischen Erwartungen des orthodoxen Judentums die Spitze abgebrochen worden ist. Jedenfalls kann man dies den zahllosen Äußerungen von führenden Vertretern des amerikanischen, israelischen und deutschen Judentums, etwa auch von Abbe Foxman, von Deborah Lipstadt, von Steven Pinker und vielen anderen zu dieser Thematik seit dem Jahr 2006 entnehmen. Man kann dies auch entnehmen der Fürsprache des israelischen Botschafters in Berlin für Thilo Sarrazin anläßlich der Sarrazin-Debatte in Deutschland.

Und warum die Spitze abgebrochen? Das jüdische Volk ist nicht nur - wie die katholische Kirche - "Kirche" und "Religionsgemeinschaft". Und es steht und fällt deshalb auch nicht (allein) mit den Eigenschaften seiner Religion, seiner Doktrin (in diesem Fall des Alten Testamentes). Sondern es ist schlicht und einfach auch "Volk". Ein Volk muß nicht - wie eine bloße Kirche oder eine bloße Religionsgemeinschaft - untergehen, wenn sich seine bisher gelebte Religiosität als überholt erwiesen hat. Als nicht mehr zeitgemäß. Die genetische Kontinuität eines Volkes kann auch solche tief einschneidene Kulturumbrüche überstehen. Dies können das chinesische Volk zeigen oder auch die ungebrochene genetische Kontinuität seit der Bronzezeit in Mitteleuropa. 

Und wohl deshalb auch kann man immer wieder Versuche des Anknüpfens religiöser Menschen im jüdischen Volk an vorbiblische Religiosität beobachten. Sie sind sehr verhalten, aber es gibt sie. Denn schlicht als Volk will auch das jüdische Volk - dafür gibt es doch viele Anzeichen - etwaige künftige weltweite kulturelle (und damit auch gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische) Umbrüche überstehen. 

Seine Rabbiner geben sich in ihrer Mehrheit nicht (mehr) einer solchen eschatologischen Erwartung hin wie offenbar immer noch die katholische Kirche, deren "Wahrsager" dem heutigen Papst vorausgesagt haben, daß er "über Leichen" aus dem Vatikan fliehen muß (siehe früheren Beitrag hier auf dem Blog). Wobei man der katholischen Kirche jederzeit die Gesinnung zutraut, daß sie mit sich alles in den Abgrund reißen will. So jedenfalls mutet bislang noch allseits das Handeln dieser katholischen Lobby an, die nur die genetische Kontinuität eines Volkes gelten läßt, nämlich des jüdischen. Der genetischen Kontinuität anderer Völker steht die katholische Lobby nur dann rückhaltlos positiv gegenüber, wenn dieses Volk papsttreu ist bis auf die Knochen.

Und wenn überhaupt, gibt es solche Völker doch eigentlich heute nur noch auf der Südhalbkugel. In den Verlautbarungen christlicher Priesterkasten hört man jedenfalls über den demographischen Niedergang des russischen Volkes oder auch der katholischen Völker Südeuropas wenig Sorge. Von den ehemals protestantischen Völkern Nordeuropas ganz zu schweigen. Eher bezieht sich die Sorge in ihren Verlautbarungen auf den Rückgang des ihnen so kostbaren Priesternachwuchses, der aber nicht im wesentlichen im Demographischen beschlossen liegen dürfte ...

Aber ganz abgesehen von solchen Überlegungen und Einschätzungen: Unter sich verantwortlich fühlenden, den Werten der Aufklärung verpflichteten und nicht bloß hedonistisch denkenden Menschen wird ein "Warten", das - ähnlich wie die Schicksalsgläubigkeit eines Adolf Hitler - darauf setzt, sich "vom Schicksal", von "der Vorsehung" tragen lassen zu können, anstatt selbst das Schicksal handelnd in die Hand zu nehmen, sowieso nicht mehr als unserem heutigen Weltbild angemessen empfunden werden können.
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  1. Martin, Paul C.: Wann kommt der Staatsbankrott. Wirtschaftsverlag Langen-Müller/Herbig, München 1983
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