Donnerstag, 21. August 2014

"Veränderungen störend und unerheblich"

Ein Reaktionär aus Graz ist gestorben - Er hielt eine wichtige Schaltstelle im geistigen Leben unserer Zeit besetzt

Vor zwei Monaten ist Hans Becker von Sothen (1959-2014), der Verlagsleiter des Ares-Verlags in Graz, mit 55 Jahren gestorben. Und zwar sehr plötzlich. Dies soll kein Nachruf im herkömmlichen Sinne sein, sondern im folgenden sollen nur einige "Eindrücke" zusammen gestellt werden. Ich hatte in den letzten Jahren mancherlei Anlass, mir über ihn, seine Rolle und sein Umfeld so meine eigenen Gedanken zu machen. Über sein rechtskonservatives Umfeld ist ja hier auf dem Blog schon manches veröffentlicht worden. Er hielt mit seinem Ares-Verlag, wie ich bis heute finde, einen wichtigen Verzweigungspunkt im geistigen Leben unserer Zeit besetzt. Diesem stand ich anfangs auch mit großer Aufgeschlossenheit gegenüber.

Abb.: Bestseller "The Bell Curve" (1994)
Er war, wie ich gerade feststelle, nur sieben Jahre älter als ich. Als ich ihn 2006 oder 2007 auf der Buchmesse in Frankfurt am Main ansprach, schien er mir jedoch schon "uralt" zu sein. Gefühlte zwanzig Jahre älter als ich.

Hans Becker von Sothen hat im Stocker- und im Ares-Verlag bis zuletzt viele gute Bücher herausgebracht. Philippe Rushton ("Rasse, Evolution und Verhalten") oder Volkmar Weiß ("Die IQ-Falle") zum Beispiel. Oder Andreas Vonderach ("Anthropologie Europas") oder - erst kürzlich - eine Neuauflage der Ludendorff-Biographie von Franz Uhle-Wettler, die ja auch in derjenigen von Manfred Nebelin anerkennende Beurteilung gefunden hat. 

2011 hat der Ares-Verlag das Buch von Stephan Berndt über "Astrologen und Hellseher im Dienste der Macht" herausgebracht, für das der Autor zuvor keinen anderen Verlag gefunden hatte. Es ist ja hier auf dem Blog so wichtig geworden zwischenzeitlich, hat aber sonst kaum Aufsehen erregt. Der Verlag scheint wenig Werbung für das Buch gemacht zu haben und auch das engere Umfeld des Verlages scheint dieses Buch bis heute kaum beachtet zu haben.

Auf die naturalistische Wende im Menschenbild nicht oder kaum reagiert

Damals, 2006 oder 2007, habe ich Becker von Sothen darauf hingewiesen, dass doch eigentlich noch viel mehr Bücher auf der Linie von Philippe Rushton ins Deutsche übersetzt werden müssten. Ich nannte insbesondere den kalifornischen Evolutionären Psychologen Kevin MacDonald. Becker von Sothen zeigte sich "interessiert" und wollte mit mir im Email-Kontakt bleiben. Seine Visitenkarte habe ich immer noch. Der Kontakt schlief aber sehr bald ein. Antwortete er überhaupt einmal? So interessiert scheint er dann doch nicht gewesen zu sein. Kevin MacDonald ist auf Deutsch erst viele Jahre später herausgekommen, nun in einem deutlich "rechteren", NPD-näheren Verlag, als es der Ares-Verlag ist (Libergraphix). Ohne Frage hat auch das - natürlich - "Methode".

Von zwei Autoren, deren Bücher er herausgebracht hat oder hat herausbringen wollen, habe ich selbst negative Erfahrungen erzählt bekommen über die Zusammenarbeit mit ihm. Die Umschlaggestaltung und Bewerbung der jeweiligen Bücher fanden sie grottenschlecht und ihren Büchern unangemessen. Einer zog sein Manuskript noch rechtzeitig zurück ... Und die Umschlaggestaltung von vielen erschienenen Bücher ist ja auch oft so aufsehenerregend wie ein Schluck Wasser.

Nun, in meinem Gespräch mit ihm erwähnte er, dass er - zusammen mit Volkmar Weiß - versucht hatte, die Übersetzungsrechte von "The Bell Curve" (1994) zu bekommen, diese aber nicht hatte bekommen können. Deshalb erst habe Volkmar Weiß ein eigenes Buch zum Thema geschrieben. Bis heute ist "The Bell Curve" nicht ins Deutsche übersetzt worden! Was für ein so grundlächerlicher Umstand. (Für des Englischen mächtige Leser ist dieses Buch, das auch von dem deutschen IQ-Forscher Detlef Rost vollständig rehabilitiert worden ist, günstig zu bestellen. Es ist immer noch brandaktuell.)

An meinen Buchmanuskripten nicht interessiert

Nach meinem Gefühl lag allmählich irgendwie alles auf einer Linie, was dieser Hans Becker von Sothen machte oder was rund um ihn herum geschah. Ich hatte ihm damals auch von mir selbst Buchmanuskripte angeboten über die revolutionären Entwicklungen in der Evolutionären Anthropologie und Humangenetik, also über die naturalistische Wende im Menschen- und Gesellschaftsbild. Er ist nie darauf zurück gekommen. Ich kann mir schon denken, warum. Das ist alles nicht in Einklang zu bringen mit einem christlichen Menschenbild und kratzte deutlich stärker an ihm, als das noch Philippe Rushton's Buch getan hatte ...

2006 war im Ares-Verlag eine neue Aleister Crowley-Biographie erschienen, die damals, 2006 oder 2007, auf der Buchmesse in Frankfurt von ihm vorgestellt wurde. Damals hatte ich noch nicht die geringste Ahnung, wer Aleister Crowley ist. Und auch der dortige Kurzvortrag über dieses Buch weckte bei mir keinerlei Interesse für dasselbe, höchstens leichte Verwunderung darüber, warum der überhaupt so wichtig sein sollte ... Nur meine damalige Begleiterin, die einige Jahre jünger war als ich, schien sich der Bedeutung von Crowley schon damals so bewusst gewesen zu sein, wie ich es auch heute bin. Noch heute frage ich mich, woher sie dieses Bewusstsein eigentlich hatte. Ist das weiter verbreitet in dem Sympathisanten-Umfeld des Ares-Verlages als ich es bis heute mitbekommen habe?

Von Aleister Crowley über Hans Zehrer zu Helmut Roewer ...

Aber mehr als treffend und meinen Eindruck mehr als ergänzend und erweiternd finde ich gerade, was der rechtschristliche Verleger Götz Kubitschek über seinen Kollegen und - wie hier deutlich wird: sein Vorbild - Hans Becker von Sothen geschrieben hat. Dem braucht dann eigentlich auch nichts mehr hinzugefügt werden, denn diese Worte erklären eigentlich - fast - alles (Sezession, 27.6.2014):
Hans war ein Reaktionär, war jemand, dem Veränderungen störend und unerheblich erschienen und der revolutionäres Theoretisieren als Ausweis völliger Unreife abtat. Was bitte würde sich ändern, wenn man bloß wollte? Gott war fern, der Zeitgeist nicht bei uns, die in jeder Hinsicht Mächtigeren skrupellos und „das Volk“ zufrieden.
So sah er das, und was ihm blieb, war die Freiheit, Themen und Persönlichkeiten nachzugraben, die er verschüttet wähnte. So hielt er es bei der Jungen Freiheit, so hielt er es als Redakteur und Resortleiter beim Ostpreußenblatt und so hielt er es, als er Caspar v. Schreck-Notzings „Förderstiftung für konservative Bildung und Forschung“ betreute und eine maßgebliche Arbeit über Hans Zehrer vorlegte.
Alles passt ins Bild. Hans Zehrer. Auch an einer Einordnung seines Wirkens haben wir uns hier auf dem Blog ja schon versucht ... (1). Wir sollten doch noch mal in diese "maßgebliche Arbeit" hineinschauen ... (2). Hans Becker von Sothen hat übrigens auch einen so gruseligen Autor wie den ehemaligen Chef des Landesamtes für Verfassungsschutz in Thüringen Helmut Roewer vor der "Verschüttung" bewahrt (3).

Jedem Zeitalter die Verlagsleiter, die es verdient. - Oder was soll man noch sagen? Einen gesellschaftlichen Aufbruch jedenfalls scheint dieser Verlagsleiter nicht verkörpert zu haben.
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  1. Bading, Ingo: Hans Zehrer - Ein Logen-Ideologe verführt zur Diktatur. Wie die Axel Springer-Leute vor 1933 ihre "Neue Wirklichkeit" von 1945 herbeiführten. Auf: GA-j!, 10. September 2012
  2. Hans Becker von Sothen: Hans Zehrer als politischer Publizist nach 1945. In: Frank-Lothar Kroll (Hrsg.), Die kupierte Alternative. Konservatismus in Deutschland nach 1945. S. 125-178. Duncker & Humblot, Berlin 2005
  3. andere Nachrufe, mit Portraitfotos: Euro-SynergiesUnzensuriert

Montag, 18. August 2014

"Die Gleichförmigkeit der deutschen Presse auflockern"

Wie der Schriftsteller Ehm Welk sich öffentlich gegen den Wahrheitsminister Joseph Goebbels stellte

Es könnte ja sein, lieber Leser, dass beim Titel dieses Aufsatzes der Eindruck entsteht, es könnte sich um die deutsche Presse der Gegenwart handeln. - Kleiner Scherz am Rande: Nein! Die zitierten Worte des Titels stammen von einem Mann Joseph Goebbels. Und dieser äußerte sie im April 1934! - Und sie wurden zum Anlass dafür, dass ein deutscher Schriftsteller sich über sich selbst so ärgerte, dass er Joseph Goebbels einen öffentlichen Brief schrieb.

Aber alles der Reihe nach. Im folgenden soll es um diesen Joseph Goebbels gehen und um einen deutschen Schriftsteller namens Ehm Welk (1884-1966), der aus Anlass dieser Worte wider den Stachel löckte und, ach naja, halt: im Konzentrationslager landete. Joseph Goebbels hatte nämlich im April 1934 die wahrhaft glorreiche Idee, dass er die "Gleichförmigkeit der deutschen Presse" auflockern wollte. Jene Gleichförmigkeit, die durch Entlassungen, Morde, Drohungen, Einweisungen in Konzentrationslager, Drängen zur inneren und äußeren Emigration und zahlreiche sonstige Einschüchterungsmaßnahmen herbeigeführt worden war von ihm selbst, bzw. die die deutsche Presse eingenommen hatte in vorauseilendem Gehorsam diesen Drohungen und Einschüchterungen gegenüber. Nachdem ihre katholischen und liberalen politischen Führer für das Ermächtigungsgesetz gestimmt hatten und Logen- und Kirchenvorgesetzte hinter den Kulissen ihre Stichworte ausgegeben hatten darüber, ähm, nun halt: wie man als Fett immer oben schwimmt ....

Abb. 1: Ehm Welk nach einer Karikatur seines Freundes Willi Steinert (wohl aus dem Buch "Mustafo")  (aus 1, S. 367)
Selbst einem Joseph Goebbels war sie nun zu "gleichförmig" geworden durch so viel vorauseilenden Gehorsam. Und das sollte ja dann doch etwas heißen. Der Pressediktator und peitschenschwingende Zirkusdirektor im Reichspropagandaministerium sah kaum noch "Nuancen" in den einzelnen Programmpunkten seiner Show. Und gar so krass sollte die geistige Uniformität und Sklaverei in Deutschland nun doch nicht aussehen. Die Äußerung dieser glorreichen Idee durch Herrn Goebbels brachte aber nun für den deutschen Journalisten und Schriftsteller Ehm Welk das Fass zum Überlaufen. Er hatte - als Begründer und Leiter der ersten deutschen Sonntagszeitung, der bei Ullstein erschienenen "Grünen Post" - seit der Machtübernahme unter innerem Aufbäumen versucht, sich "gleichzuschalten", "gleichförmig" zu werden, geistig Uniform anzuziehen.

Doch damit war nun Schluss. Insbesondere dass auch die von Goebbels bei seinem Vorhaben erneut so offen zynisch Gedemütigten und Gemaßregelten die glorreiche Idee ihres peitschenschwingenden Zirkusdirektors beklatschten, ließ Ehm Welk speiübel werden. Er verließ die Veranstaltung des Herrn Goebbels mitten in der Rede, setzte sich zu Hause hin und schrieb seinen Leitartikel

"Herr Reichsminister, ein Wort, bitte!"

Ein Artikel, um dessentwillen er gleich nach Veröffentlichung desselben für eine Woche im Konzentrationslager landete und um dessentwillen er Jahre langes Berufsverbot erhielt.

Ehm Welk zog sich in die "innere Emigration" aufs Land zurück, woher er einstmals gekommen war, und für das er in seiner Sonntagszeitung auch Jahre lang geschrieben hatte. Und er überließ dem Asphaltliteraten und -schreier Joseph Goebbels - gezwungenermaßen - das Feld. Für die deutsche Literatur war das kein Verlust, sondern ein Gewinn. Es scheint das gewissermaßen die richtige Entscheidung des Ehm Welk gewesen zu sein. Denn schon drei Jahre später kam er mit jenem Roman heraus, um dessentwillen er heute überhaupt noch bekannt ist.

Auf dem Höhepunkt der ersten großen deutschen Kirchenaustrittsbewegung des Jahres 1937 trafen seine "Heiden von Kummerow" den Geist der Zeit. Sie sollten noch während des Zweiten Weltkrieges Ehm Welk zum Auflagenmillionär machen. In Feldausgaben an der Front und in der Heimat wurde sein ländlicher Roman zu Hunderttausenden gelesen. Und auch in DDR-Zeiten und bis heute hat er von seiner Popularität nichts verloren.

Der Diktator also hatte seine Untergebenen aufgefordert, sich zu räuspern. Einer hatte es getan - und war im Konzentrationslager gelandet. Er hatte Berufsverbot bekommen, das freilich wieder aufgehoben wurde, als er sich auf unpolitische, aber zeitlose Romane konzentrierte. Ein typisches "Märchen aus modernen Zeiten"?

Und wie ich hier darauf überhaupt komme? Nun, mitunter macht man doch auf Grabbeltischen noch so den einen oder anderen Fund. So fand ich dort die Ehm Welk-Biographie (1) von Konrad Reich (1928-2010), die erstmals 1967 in der DDR erschienen ist. Und es gibt bis heute, wie schnelle Recherche feststellen lässt, keine andere Biographie über Ehm Welk als diese. Was angesichts der Reichhaltigkeit und Vielfältigkeit dieses Lebens doch Erstaunen erweckt. Doch diese eine Biographie hat bis zum Ende der DDR zahllose Auflagen erlebt, weshalb sie auch gegenwärtig günstig zu haben ist.

Der "behördlich gelieferte Spaten" - Ehm Welk und die Gleichschaltung

Die Anschaffung lohnt sich in jedem Fall. (Vielleicht noch mehr die letzte Überarbeitung derselben durch den Autor selbst aus dem Jahr 2008 [2].) Und eines der spannendsten Kapitel darin ist das über den genannten offenen Brief von Ehm Welk an Joseph Goebbels Ende April 1934 "Herr Reichsminister, ein Wort, bitte!". Welk stammte aus dem Kleinbauerntum in Brandenburg und fühlte sich, wie man seinen Romanen leicht entnehmen kann, der Lage der sozial Benachteiligten allezeit verpflichtet. Er neigte deshalb auch früh - allerdings niemals konsequent - kommunistischen Anschauungen zu. Von diesen findet sich nun gar nichts in seinem öffentlichen Brief an Goebbels vom 29. April 1934. Denn Ehm Welk dachte nicht in Kategorien von Parteidoktrinen. Dazu hatte er viel zu viele Seiten. Seiten, die ihn fast als einen Vorläufer moderner politischer "Querfrontler" erscheinen lassen.


Da nun dieser berühmte Brief von Ehm Welk derzeit nirgendwo im Internet zugänglich ist, soll er hier einmal vollständig zitiert werden. Auch soll die Vor- und Nachgeschichte desselben dokumentiert werden. Joseph Goebbels hatte vor Pressevertretern eine Rede gehalten, die sich auch Ehm Welk anhörte. Goebbels bezeichnete sich in dieser Rede als "ein Freund der schönen Künste und des freien Wortes", und warf der Presse "charakterliche Gleichförmigkeit und Langweiligkeit" vor. So viel Zynismus in so wenigen Sätzen findet sich selten. Goebbels sagte dann aber noch weiter:
Ich kann doch nichts dafür, wenn Zeitungen, die früher gegen die nationalsozialistische Bewegung Sturm gelaufen sind, heute päpstlicher sein wollen als der Papst. Wir zwingen sie doch nicht zur Charakterlosigkeit. Wir verlangen doch nicht, dass sie hurra schreien, wenn ihnen nicht zum Hurraschreien zumute ist. Wir verlangen nur, dass sie nichts gegen den Staat unternehmen. Es wäre uns durchaus recht, wenn sie für das jeweils wechselnde Publikum eine jeweils wechselnde Nuance hätten.
"Eine jeweils wechselnde Nuance". Kommentar überflüssig. Parallelen zu heute sind natürlich leicht erkennbar. Wenn etwa der "nuancierte" "Cicero" als "konservative Zeitschrift bezeichnet wird. Aber das nur am Rande. Goebbels sagte weiter:
Der Vielgestaltigkeit der öffentlichen Meinungsbildung ist durchaus kein Hindernis entgegengesetzt. Es liegt nur an der Phantasie und Begabung des einzelnen Schriftleiters, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Wenn er es nicht kann, nicht will, und wenn er sich in den öden Lobeshymnen wohler und sicherer fühlt, als in einer aufrichtigen und charaktervollen Haltung, so ist das seine Sache.
Statt nun dazu zu klatschen wie all seine Kollegen, verließ Ehm Welk mitten in der Rede den Saal. Und schrieb:
"Herr Reichsminister, ein Wort, bitte!"
Sie haben, Herr Reichsminister Dr. Goebbels, sich kürzlich in einer großen Rede vor Presseleuten über die Presse beklagt: über ihre Gleichförmigkeit, ihre Langweiligkeit, über den Verzicht auf Kritik, über den Mangel an Mut. Und sie haben an jenem Abend etwas erlebt, das dem Verfasser des "Mucker-Briefes" sicher ein Schmunzeln entlockt hat: Sie erlebten, dass die von Ihnen nicht gerade Gestreichelten durch lauten Beifall die Berechtigung Ihrer Unzufriedenheit anerkannten. Glauben Sie aber bitte deshalb nicht, dass der Fall Presse nun wirklich, wie Sie annehmen, "für diese Generation hoffnungslos ist"!
Nun, auf Zynismus antwortet Ehm Welk hier mit Zynismus. Es muss darauf hingewiesen werden, denn sonst übersieht man es womöglich. Ehm Welk sagt ja der Sache nach: weil die Presse Goebbels Beifall geklatscht hat, könnte ihr Fall "für diese Generation hoffnungslos" sein. Und solchen Zynismus mochte der Herr Goebbels aber nun gar nicht. Ehm Welk weiter:
Er ist nicht hoffnungslos, weil uns die alte Erkenntnis vom Menschen sagt, dass der Mensch einmal jede neue Erscheinung gern vervielfältigt, ohne um die Gleichheit der Kräfte besorgt zu sein, welche die Erscheinung bedingen und bewegen: dass er zum andern aber auch bemüht ist, allen aus der gleichen Kraft wachsenden Erscheinungen das gleiche Gesicht zu geben. Für diesen Zweck vergewaltigt er eine Zeitlang sogar gern das Leben und die Natur. Bis die bunte Vielfältigkeit des Lebens sich als mächtiger erweist und auf Tausenden und Millionen von verschiedenen Gesichtern den einen mächtigen Lebenswillen und die eine geistige Kraft eines erwachenden Volkes offenbart. Und so darf ich von meinem Redaktionstisch aus die Gleichförmigkeit der Presse auch so sehen: Wir gaben der Grünen Post als der ersten großen deutschen Sonntagszeitung einen bestimmten Inhalt und eine bestimmte Gestalt. Einen Inhalt, der sich im Kampf für den großdeutschen Gedanken, in Heimat- und Tierliebe, in der Pflege des deutschen Brauchtums und deutscher Sitte kundtat. Wenn man heute in so vielen deutschen Ländern die von uns gefundene Form des Blattes bis in zufällige Einzelheiten kopiert und den Inhalt zu kopieren versucht und so eine traurige Gleichförmigkeit auch noch der Sonntagszeitungen in Deutschland schafft - Herr Reichsminister, sollen nun wir wieder eine neue Form suchen?
Das ist bös. Es waren nämlich von Mitgliedern der NSDAP Sonntagszeitungen gegründet worden, die in Konkurrenz zu der von Ehm Welk gestalteten standen, die auch die Auflagenzahl seiner Zeitung schnell senkten, weil Partei-nähere Presseerzeugnisse nun lieber gekauft wurden. Die aber die von ihm begründete Sonntagszeitung nur kopierten. Also die gleiche Erscheinung wie mit den Autobahnen und so vielem anderen mehr: das Dritte Reich schmückte sich mit vielen Federn, die gar nicht die seinen waren. Ehm Welk weiter:
Ein Zweites: Wenn man sieben Jahre lang für die Beseitigung der Kluft zwischen Stadt und Land gekämpft hat;  rücksichtslos war selbst gegen Kleinigkeiten, wie gegen das meist gedankenlos gebrauchte Wort "Bäuerlein"; wenn man die heimatliche Ackererde an den Schuhen noch über den Asphalt der Großstadt trug - Herr Reichsminister, dann empfand man es schon vor Ihrer Feststellung als öde Gleichförmigkeit, wenn nun jedes Blatt in jeder Nummer von "Blut und Scholle" redet und so tut, als wäre der stadtgeborene Mensch zweitrangig. Menschen, von deren Vorfahren väterlicher- und mütterlicherseits nie einer in der Stadt zur Welt kam, dürfen die literarischen Versuche, aus Bauern besondere Tugendhelden und Engel zu machen, schon belächeln; sie dürfen bei der Flut dieser bombastischen Schollen-Literatur an den Vergleich denken, den sie früher bei der Asphalt-Literatur mit einem landwirtschaftlichen Produkt zogen.
Auf welches landwirtschaftliche Produkt hier angespielt ist, dürfte klar sein. Nennen wir es: Mist. Und wir werden noch sehen, wie sehr sich die Nationalsozialisten von diesen Worten getroffen fühlten. Ehm Welk weiter: 
Tatsächlich kam mal ein Mann und offerierte: "Ich kann Ihnen alles liefern, was heute geht, alles so mit 'tum' und 'brauch'!" Können wir das Übel abstoppen? Es muss sich von selber totlaufen. Unsereins freilich ist gezwungen, in seinem Blatte liebgewordene Sachen abbremsen zu müssen. Zur Vermeidung der Gleichförmigkeit.
Ebenso ist es nun plötzlich mit dem Auslandsdeutschtum. Ihr Ministerium, Herr Reichsminister, weiß, wie sehr dieses Blatt sieben Jahre lang für Hunderttausende im Ausland die Brücke zur Heimat war. Aus welchem Grunde es ja auch in vielen Ländern verboten wurde. Schon damals, vor Jahren. Wenn nun heute für jedes Blatt das Auslandsdeutschtum Trumpf geworden ist, so wirkt das wohl nur dadurch eintönig, dass nicht der Atem der Heimat mittelbar durch Veröffentlichung deutscher Volks- und Landschaftsschilderungen übermittelt wird, sondern dass der propagandistische Wille oft zu plump und zu uniform sichtbar gemacht wird.
Sie sind, Herr Reichsminister, ein Freund des Witzes und der Ironie. Wer so arbeitet, wird nicht leicht gleichförmig. Unsere Grenzen sind da aber enger gezogen. Früher, da konnten wir z. B. diese geistige Übung gelegentlich auch an behördlichen Maßnahmen und behördlichen Personen erproben - Herr Reichsminister, bei aller Aufforderung von Ihnen: ich weiß nicht so recht - -
Vielleicht kenne ich Sie zu wenig. Aber das ist nicht meine Schuld. Sie gehen zwar immer wieder unters Volk, aber mit uns, den Angehörigen der Nichtparteipresse, kommen Sie nicht so in Berührung, denn mir scheint doch, wir sind alle ohne Unterschied für Sie die "alte Presse". Da ich aber auch nicht zu Ihnen kommen kann, denn Sie wohnen in einem großen Haus mit tausend Zimmern, da sitzen tausend Männer drin, und tausend Vorzimmer sind da, da sitzen wahrscheinlich schon zehntausen Menschen drin, schrieb ich das hier auf.
Es soll Ihnen eigentlich nur ganz respektvoll sagen, dass auch diesseits des Tores der Boden unseres Vaterlandes mit der gleichen innigen Liebe zum Volk betreut wird wie jenseits des Tores. Und dass es nicht immer Mangel an Mut ist, wenn man den eigenen Spaten weglegt und mit dem behördlich gelieferten gräbt. Das Entscheidende ist doch: das Saatgut!
Ehm Welk war ein völlig freier Mann, als er diesen Brief schrieb. Innerlich war er völlig frei. Man könnte ihm zum Vorwuf machen, dass er in den Mittelpunkt der Gedanken seines Briefes nicht irgendeine weltanschauliche Doktrin stellt, sondern seine Sonntagszeitung quasi als Angelpunkt der Welt ansieht. Aber das ist sein gutes Recht. Wer wollte ihm das abstreiten?

Abb. 2: Eine Titelseite von "Die Grünen Post" (als Beispiel, November 1932)
Und es musste natürlich kräftig "Doppeldenken" angeschaltet werden, wenn Ehm Welk selbst, ebenso Konrad Reich und so zahlreiche ihrer Leser in der DDR diese Worte aus dem Jahr 1934 irgendwann einmal erneut lasen. Hätte da nicht auch leicht ein Satz in den Sinn kommen können wie: "Herr DDR-Minister für Kultur, bei aller Aufforderung von Ihnen: ich weiß nicht so recht" - ? Dieser Satz schreit einem ja auf fast jeder zweiten Seite der Ehm Welk-Biographie von Konrad Reich entgegen. Wie mühsam es Konrad Reich oft hat, einzelne Stationen des Leben und Werkes von Ehm Welk in das ausreichend ausgewogene Licht der Parteidoktrin zu bringen.

Nun, damals, 1934 jedenfalls hatte Welk Joseph Goebbels schlicht "beim Wort genommen" und damit ganz schlicht aufgezeigt, dass Goebbels keineswegs so deutlich beim Wort hat genommen werden wollen. Was ja im Grunde schon vorher allen klar war hinsichtlich dieser Asphaltschnauze, auch Ehm Welk selbst. Aber es anhand der Reaktion von Goebbels noch einmal so drastisch ins Bild zu rücken, war doch sicher nicht ohne allen Sinn. Bravo, Ehm Welk! Man wünschte sich mehr von solchen Ehm Welk's heute, will heißen: in den Ullstein-Verlagen von heute ...


"Die Gleichförmigkeit in der deutschen Presse auflockern ..."

Im "Berliner Tagblatt" wird bereits 36 Stunden nach Veröffentlichung des Offenen Briefes von Ehm Welk festgehalten, was sich bis heute nicht ohne innere Komik liest (zit. n. 1, S. 215):
Die im Verlag Ullstein erscheinende Zeitung "Die Grüne Post" ist auf die Dauer von drei Monaten wegen des Artikels "Herr Reichsminister, ein Wort, bitte!" von Thomas Trimm (...) verboten worden. Hierzu wird von zuständiger Stelle erklärt, dass dieses Verbot notwendig war, um die Autorität der nationalsozialistischen Regierung zu wahren. (...) Der Artikel stellt eine einzige verantwortungslose Verunglimpfung der Absicht des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels dar, die Gleichförmigkeit in der deutschen Presse aufzulockern.
Andere Schriftleiter hätten in Artikeln zum Thema
ein aufrichtiges Ringen um die Probleme erkennen lassen.
Ein "aufrichtiges Ringen" um das Problem der "Charakterlosigkeit". Es ist alles so ein Witz und Hohn. Ehm Welk lässt diese Bande durch sein schlichtes Handeln so nackt da stehen. Der Rest war dann typisches Niedermachen mit billigen Argumenten "ad personam", immer wieder gerne und erfolgreich angewandt, auch heute:
Der Verfasser des Artikels ist zu feige, mit seinem wahren Namen an die Öffentlichkeit zu treten.
Das dürfte nicht stimmen, schließlich konnte man vom Inhalt des Artikels leicht darauf schließen, dass sein Autor der Schriftleiter der Zeitung selbst war, der als solcher auch im Impressum angegeben war. Und weiter:
Er gebraucht ein Pseudonym, das schon im Gleichklang der Anfangsbuchstaben an die üblen Zeiten der Peter Panter, Theobald Tiger usw. erinnert. (...) Durch gekünstelte Wortbildungen versucht er in diesem Artikel, nationalsozialistische Begriffe, die heute jedem deutschen Bauern heilig sind, zu verdrehen und lächerlich zu machen.
Wieder verhöhnen sich hier die Nationalsozialisten selbst. Dass auch "heilige Begriffe" zur Phrase verkommen können, scheint der Asphaltschnauze Goebbels und seinen Anhängern noch nicht einmal flüchtig bewusst geworden zu sein. Ja, dass schon in dieser Entgegnung selbst alles Phrase ist, nicht. Weiter:
Darüber hinaus wagt es dieser Mann, ein Ministerium, das stolz darauf ist, in besonderem Maße volkstümlich zu sein ...
- ja, volkstümlich sein, das wollen sie alle ... -
in der Öffentlichkeit dadurch herabzusetzen, dass er es so darstellt, als ob eine direkte Verbindung zwischen Volk und Ministerium nicht möglich sei.
"Sie feierten Lenin als den folgerichtigen Überwinder Tolstois"

Aber nein, nicht genug, am 15. Mai 1934 glaubte auch das NS-Parteiblatt "Die Brennessel" nachtreten zu müssen und seinem angegriffenen Minister beistehen zu müssen, indem es sich die Vergangenheit von Ehm Welk - sachlich scheinbar durchgehend richtig - vorknöpfte (zit. n. 1, S. 218):
Lassen Sie uns zurückdenken bis in das Jahr 1927, da Sie noch als zukunftsträchtiger Poet Moskaus am Theaterhimmel der Berliner Volksbühne strahlten. Dort starteten Sie Ihr Drama "Gewitter über Gottland", suchten das Land der Sowjets mit der Seele und mussten es doch erleben, dass Erwin Piscator Ihrem gesinnungsträchtigen Bilderbogen einige grandiose Einfälle aus seiner Klamaukkiste zusetzte. Entsinnen Sie sich? Es wurde ein Zahlabend-Gaudi. Noch sehe ich den kleinen Ostjuden Granach in der Maske Lenins, tragisch umwittert, an die Rampe marschieren. Es war bitter. Ihnen gefiel deshalb auch Ihr eigenes Stück nicht.
Über einen damaligen offenen Brief Ehm Welks an den biederen SPD-Vorstand der Volksbühne heißt es weiter:
Wenn Sie diesen offenen Brief aus dem Jahre 1927 aber noch einmal durchlesen, so werden Sie finden, dass Sie es trotz aller künstlerischen Einwände an einem Bekenntnis zur kommunistischen Weltanschauung nicht fehlen ließen. In dieser Hinsicht wollten Sie keinen Irrtum aufkommen lassen. Und so haben Sie es gehalten, bis Sie im Jahre 1929 Ihr zweites Stück in der "Volksbühne" zur Debatte stellten. Sie nannten es "Kreuzabnahme" und feierten Lenin als den folgerichtigen Überwinder Tolstois. Dann wurde es still um Sie.
Und dann wird Ehm Welk zum Vorwurf gemacht, dass er zwar "bereits 1928 für Blut und Scholle geschrieben" habe, aber dies - leider, leider! - nicht "im Zeichen des Hakenkreuzes" getan hätte. So kleingeistig kann Parteidoktrin machen:
Wer einst im Lager der Katze und Cohne Ullsteinsche Agrarpolitik betrieben hat, der darf nicht aufstehen und weltanschauliche Grundsätze des Nationalsozialismus als längst bekannte, stets vertriebene Artikel aus eigenen Lagerbeständen erklären. Das war nicht Mut, sondern Unverfrorenheit.
Man spürt noch durch diese Worte durch, wie punktgenau Ehm Welk die Heuchelei der Nazis getroffen hatte. Die "Brennessel" macht Ehm Welk im Jahr 1934 eine Vergangenheit zum Vorwurf, die vielen anderen Menschen zur gleichen Zeit nicht zum Vorwurf gemacht worden ist. Schließlich wurden damals ganze Rotfrontbanner-Züge in die SA eingegliedert und ähnliche Dinge mehr. Nun, auch nach dieser Angelegenheit wurde es still um Ehm Welk. - - - Und sein eigentliches Schaffen begann.

Weiteres über Ehm Welk vielleicht noch in einem zweiten Blogartikel. Die beiden in diesen Blogbeitrag eingebundenen Videos sollen übrigens Ehm Welk im Originalton zu Gehör bringen. In ihnen spricht er in den ersten eineinhalb Minuten jeweils selbst einige Worte bzw. liest sie vor. 

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  1. Reich, Konrad: Ehm Welk. Stationen eines Lebens. Hinstorff Verlag, Rostock 1976, 5. Aufl. 1983 (OA. 1967)
  2. Reich, Konrad: Ehm Welk. Der Heide von Kummerow. Die Zeit. Das Leben. Hinstorff Verlag, Rostock 2008

Sonntag, 17. August 2014

Schützte Heinrich Himmler die Zeugen Jehovas, WEIL sie Hitlers Untergang vorausgesagt haben?

Warum war Heinrich Himmler ab 1943 von den Zeugen Jehovas begeistert?
Vorbemerkung vom 5. August 2015: Gerade erhalte ich - wie auch in den Kommentaren festgehalten - den mir sehr wertvoll erscheinenden Hinweis, dass es auch im Tagebuch des KZ-Lagerkommandanten Rudolf Höß Ausführungen über die Zeugen Jehovas gäbe. Und diese lassen sich leicht im Internet recherchieren, wieder - dankenswerterweise - auf der Internetseite von Manfred Gebhard. Und diese Ausführungen sollten gelesen werden, bevor der folgende Blogartikel gelesen wird. Denn sie ändern den ganzen Blick auf die hier behandelte Frage doch sehr. Man sieht erst durch diese Ausführungen in sehr überzeugender Weise, warum der Heinrich Himmler von diesen Zeugen Jehovas so fasziniert sein konnte. Auf die hier dargestellte "Vorgeschichte" seiner Faszination, wie sie sich in Sachsenhausen bei den dortigen Erschießungen von Zeugen Jehovas und bei sonstigen "Menschenversuchen" mit ihnen abspielte (die natürlich auch ein Hinweis sind auf das Menschenbild dieser KZ-Kommandanten), war ich bei Erarbeitung dieses Blogartikels gar nicht gestoßen. Heinrich Himmler brauchte also keineswegs die Prophetie der Zeugen Jehovas dafür, von ihnen fasziniert zu sein, was die Grundthese des vorliegenden Blogartikels war. Übrig wird aber bleiben, dass diese Prophethie ihm grade auch wegen der übrigen Faszination dann noch zusätzlich interessant erschienen sein könnte.
Die Zeugen Jehovas, auch "Ernste Bibelforscher" genannt, stellten keine unbedeutende Häftlingsgruppe in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches dar. Und Heinrich Himmler war spätestens ab Januar 1943 - auf Erfahrungsberichte seines Masseurs Felix Kersten und dessen Frau hin - nein, wie einleitend gesagt schon auf die Erfahrungsberichte seiner KZ-Kommandanten hin - von den Zeugen Jehovas und ihrem Fanatismus außerordentlich begeistert. Er wollte die Ostvölker nach dem Krieg, so schrieb er (s.u.) "pazifizieren", indem er dort das Missionieren der Buddhisten und der Zeugen Jehovas zulassen wollte. (Auch manchen Aspekten des Buddhismus brachte Himmler ja viel Sympathie entgegen.) Und so wie mit der Freilassung von Juden aus Konzentrationslagern wollte Himmler gegen Ende des Krieges auch mit der Freilassung von Zeugen Jehovas einen guten Eindruck schinden bei den westlichen Kriegsgegnern. All das geht aus Schriftdokumenten gut hervor, die im folgenden zitiert werden sollen.

Abb. 1: Kennzeichen der KZ-Häftlinge (wohl nach 1939/40) (BundesarchivWikiab)
Aber bei all dem erinnert man sich auch daran, dass sowohl die Zeugen Jehovas wie Heinrich Himmler an Prophetie glaubten, an Voraussagen. Und Heinrich Himmler und seine engere Umgebung spielten - wahrscheinlich schon ab 1941 - ein Doppelspiel gegenüber Hitler. Unter anderem weil Himmler nach seinem Astrologen Wilhelm Wulff das schlechte Horoskop von Hitler ab 1941 kannte. Das war ja auch für Rudolf Heß die Veranlassung für seinen England-Flug. Und das war auch einer der Gründe dafür, dass Himmler und seine engere Umgebung den militärischen Widerstand gegen Hitler gewähren ließ, der zum 20. Juli 1944 führte. Nicht nur in deutschen Widerstandsgruppen, auch in den Planungen der westlichen Geheimdienste (Allen Dulles in der Schweiz), mit denen mehrere Personen aus dem engsten Umfeld Himmlers in Verbindung standen, hatte man Heinrich Himmler vorgesehen als eine Art "Übergangsregierung" für den Fall eines erfolgreichen Attentats auf Hitler. Und Himmler wusste davon.

Wenn man bei Rudolf Höß liest, wie fasziniert Heinrich Himmler von dem unbedingten, unglaublich fanatischen Todesmut der Zeugen Jehovas war, fällt es einem noch viel leichter nachzuvollziehen, dass womöglich auch in den ganzen Zusammenhängen von Himmlers Interesse für Prophetien allgemein die Zeugen Jehovas eine größere Rolle in Himmlers Denken bekommen konnten. Denn auffälligerweise waren Himmler die Zeugen Jehovas so ans Herz gewachsen, dass er sich noch im Inferno des Jahres 1945, in das Millionen von Deutschen jenseits von Weichsel, Oder und Elbe gerieten, dass er sich noch am 19. April 1945 ausgerechnet um das Schicksal einer kleinen Gruppe derselben auf dem Gut des Ehepaares Kersten in Hartzwalde sehr speziell Sorgen machte. Und sich dieserhalben - über seinen Geheimdienstchef Walter Schellenberg - bei seinem Hofastrologen Wilhelm Wulff Ratschläge einholen ließ (s. Teil 4 [1941 - 1945]).

Dieser Umstand veranlasst zur Sichtung der vorhandenen Dokumente zum Verhältnis zwischen Himmler und den Zeugen Jehovas.

Das Ehepaar Kersten begeistert Himmler für die Zeugen Jehovas (1943)

Abb. 2: Rutherford (1939)
Der Autor Manfred Gebhard - dem wir dankbar sind dafür, dass er fast alle im folgenden zu bringenden Auskünfte im Internet frei zugänglich erhält - verweist auf das Vernehmungsprotokoll eines Wilhelm Schumann vom 11. 2. 1944 (Gebhard, S. 346f):
Nach der Aussage von Schumann kursierte in Zeugenkreisen die These, Himmler habe (durch den Einfluss von Kersten) seine Meinung zu den Zeugen geändert. Dabei sei „insbesondere zur Sprache gekommen, dass die IBV eine starke Kampfstellung gegen die Römische Hierarchie bezogen habe. Der Reichsminister habe darauf mit verschiedenen kompetenten Häftlingen der IBV eine Aussprache herbeigeführt und darauf entschieden, dass die Zeugen Jehovas nicht mehr misshandelt werden dürften."
Am 14. Januar 1945 hatte Heinrich Himmler in dem letzten seiner bisher bekannt gewordenen Schreiben zu den Zeugen Jehovas festgehalten (zit. n. Gebhard, S. 347) (Hervorhebung nicht im Original):
Im Rahmen der Aktion, Bibelforschern auf einzelnen Gütern in Isolierungsaufenthalt als kleine Kolonien ihre unbedingte Freiheit zu lassen, um gerade damit im Ausland politische Wirkung zu erzielen, wünsche ich, dass die Bibelforscher, die bei Frau Heydrich in Jungfern-Breschen sind, ebenfalls unter den gleichen Bedingungen wie die anderen mit Ortsbegrenzung Freigelassenen aus der Haft entlassen werden. … Es bleiben demnach 13 oder vielleicht auch nur 12. Damit kann auch jede Bewachung wegfallen. Die Entlassung muss in der üblichen feierlichen Form vor sich gehen.
Abb. 3: Rutherford "Wer wird die Welt regieren?" (1935)
Und ein halbes Jahr zuvor, ausgerechnet einen Tag nach dem Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler - das Himmler von seinem Astrologen Wulff vorausgesagt worden war - hat Himmler das folgende Schreiben versandfertig machen lassen, wovon "eine Abschrift in großer Maschinenschrift ohne den Punkt 6" "für den Führer angefertigt" wurde, und das seine Gedanken über die Pazifizierung der Ostvölker durch Buddhismus und Zeugen Jehovas enthält (zit. n. Manfred Gebhard):
Der Reichsführer SS
Feldkommandostelle, 21. 7. 44

Lieber Kaltenbrunner

Mehrere Vorgänge und Probleme haben mich in der letzten Zeit zu folgenden Erwägungen und zu den unten beschriebenen Absichten geführt:

Die Probleme sind das der Bibelforscher, die Kosakenfrage und in Berührung damit die Wlassow-Frage, sowie der Gesamtkomplex, wie wollen wir Russland wenn wir - was im Laufe der nächsten Jahre bestimmt erfolgen wird - große Flächen und Teile von ihm wieder erobern, dann beherrschen und befrieden?

1. Ich bin der Überzeugung, dass Stalin und auch sein Nachfolger, falls er bolschewistisch ist, vom Kolchos-System nicht abgehen kann … Wenn nun Stalin und der Bolschewismus vom Kolchossystem nicht abgehen können, wird jeder selbstständiger Bauer ein naturgegebener Feind von ihm sein …

2. Wir müssen vor dem deutschen Ostwall, den wir einmal errichten werden, entsprechend den großen Vorbildern der K.- und K.-Militärgrenze und dem russischen Vorbild der Kosakenbauern und Soldatenbewegung eine Ostwehrgrenze (mit?) einem Neukosakentum schaffen. Grund und Boden und volle selbständige Existenz und Freiheit wird es für die ukrainische und russische Bevölkerung nach unserem Statut nur an der Kosakengrenze geben.

Hier wird es volle Bauernhöfe geben mit der Bedingung, vom 16. bis zum 60. Lebensjahr Grenzsoldatendienst gegen den Osten zu leisten …

3. … Wir müssen aber noch mehr tun, um das Volk im Hinterland in eine friedliche und uns gegenüber waffenlose Form zu bringen. Jeder Gedanke, eine nationalsozialistische Form einzuführen, ist Wahnsinn. Eine Religion oder Weltanschauung müssen die Menschen haben. Die orthodoxe Kirche zu unterstützen und wieder aufleben zu lassen, wäre falsch, da sie immer wieder die Organisation der nationalen Sammlung sein wird. Die katholische Kirche hereinzulassen, wäre mindestens ebenso falsch; darüber zu sprechen erübrigt sich.

4. Es muß von uns jede Religionsform und Sekte unterstützt werden, die pazifizierend wirkt. Dabei kommt in Frage bei allen Turk-Völkern die Einführung der buddhistische Glaubenslehre, bei allen anderen Völkern die Lehre der Bibelforscher.

5. Die Bibelforscher haben, wie Ihnen wohl bekannt sein wird, folgende für uns unerhörte positive Eigenschaften: Mit Ausnahme des Kriegsdienstes und der Arbeit für den Krieg, des Einsatzes für irgendeine - wie sie es bezeichnen - "abbauende" Betätigung, sind sie schärfstens gegen die Juden und gegen die katholische Kirche und den Papst. Sie sind unerhört nüchtern, trinken und rauchen nicht, sind von unerhörtem Fleiß und großer Ehrlichkeit; halten das gegebene Wort, sind ausgezeichnete Viehzüchter und Landarbeiter, sind nicht auf Reichtum und Wohlhabenheit aus, weil ihnen das für das ewige Leben schadet. Insgesamt alles ideale Eigenschaften, wie überhaupt festzustellen ist, dass der Kern der überzeugten, idealistischen Bibelforscher ähnlich wie die Mennoniten beneidenswert gute Eigenschaften hat.

6. Aus diesem Grunde wünsche ich, dass die Bibelforscher in unseren Lagern durch Prüfungskommissionen aus von uns (als) bekannten Bibelforschern überprüft werden, damit alle diejenigen, die sich erst im Lager oder kurz vor ihrer Verhaftung aus Zweckmäßigkeitsgründen als Bibelforscher bekannt haben, ausgeschieden werden.

Dadurch werden alle Fälle von kommunistischer Ausnützung der Bibelforschereigenschaften oder von faulen sogenannten Bibelforschern, die ich da oder dort auf Bauernhöfen erlebt habe, z. B. in Fridolfing-Obb., nicht mehr vorkommen. Es ist damit auch die Möglichkeit gegeben, die echten Bibelforscher in den KL in allen Vertrauensstellungen, die einer geldlichen oder sonst materiellen Belastung ausgesetzt sind, zu verwenden und besonders gut zu behandeln. Damit wieder schaffen wir uns die Ausgangsbasis zum Einsatz dieser Bibelforscher in Russland in kommenden Zeiten und haben damit die Emissäre mit denen wir das russische Volk durch die Verbreitung der Bibelforscherlehre pazifizieren können.

Heil Hitler.
Ihr H. Himmler
Abb. 4: Rutherford (1937)
Wie sehr Himmler von den Zeugen Jehovas begeistert war, geht aber insbesondere hervor aus einem Brief vom 6. Januar 1943 (zit. n. 2) (Manfred Gebhard):
Der Reichsführer-SS
RF/Dr. I 37/43 Bd 5
Feld-Kommandostelle, 6. Januar 1943
G e h e i m!

Lieber P o h l!
Lieber Müller!

Anliegend ein Vorgang über die 10 Bibelforscherinnen, die auf dem Gut meines Arztes Kersten arbeiten. Ich. habe die Gelegenheit, dort die Frage der ernsten Bibelforscher von allen Seiten zu studieren. Mir wurde von Frau Kersten ein sehr guter Vorschlag gemacht. Sie sagte mir, dass sie noch nie ein so gutes, williges, treues und gehorsames Arbeitspersonal hatte wie diese 10 Frauen.

Aus Liebe und Güte tun diese Menschen sehr viel. Interessanterweise verdunkeln sie dort nicht deswegen, weil sie den Krieg unterstützen wollen, sondern deswegen, weil zwei unmündige Kinder da sind, denen dadurch etwas passieren konnte, und die noch nicht bekehrt seien. Jehova hätte ihnen aber den Auftrag gegeben, auf das Leben dieser Kinder aufzupassen. Sie halten, sich streng an ihr gegebenes Wort. Sie gaben alle Frau Kersten das Wort, mit keinem Menschen über ihre Bibelforscherlehre zu sprechen. Einzelne Fälle, wo lediglich Leute, die auf den Hof kamen und sie einmal fragten, was für eine Lehre das denn wäre, beweisen klar, dass sie ihr Wort halten. Sie sagten: "Wir haben versprochen, darüber nicht zu reden." -

Eine Ihnen zum Lesen gegebene Zeitung, wiesen die Frauen zurück, denn im Lager wäre verboten, Zeitungen zu lesen und sie hätten sich an diese Gebote zu halten, denn auch diese stammten von Jehova. -
Eine der Frauen bekam einmal RM 5.— Trinkgeld von einen Gast. Sie nahm das Geld an, um das Haus nicht zu blamieren, lieferte es aber bei Frau Kersten ab, weil der Besitz von Geld im Lager verboten wäre. Die Frauen übernehmen dort freiwillig jede Arbeit. Am Abend stricken sie; Sonntags sind sie ebenfalls in irgend einer Form tätig.

Im Sommer haben sie, bei 10-, 11- und 12-stündiger Arbeit, als Pilze im Walde zu finden waren, es sich nicht nehmen lassen, zwei Stunden früher aufzustehen, um Körbe voll Pilze zu sammeln. Insgesamt ergänzen diese Tatsachen mein Bild, das ich von diesen Bibelforschern habe.
Es sind unerhört fanatische, opferbereite und willige Menschen. Könnte man ihren Fanatismus für Deutschland einspannen oder insgesamt für die Nation im Kriege einen derartigen Fanatismus beim Volk erzeugen, so wären wir noch stärker als wir heute sind. Natürlich ist die Lehre dadurch, dass sie den Krieg ablehnt, derartig schädlich, dass wir sie nicht zulassen können, wenn wir nicht den größten Schaden für Deutschland haben wollen.

Interessant ist, dass sie Juden, Papst und katholische Kirche fanatisch ablehnen und bekämpfen.
Strafen verfangen bei ihnen gar nicht, da sie mit Begeisterung von jeder Strafe erzählen. Sie nehmen uns die Strafen nicht übel, da wir nach ihrer Ansicht von Jehova ja unsere Aufträge haben und sie durchführen müssen. Jede Strafe ist für sie ein Verdienst im Jenseits. Deshalb wird sich jeder echte Bibelforscher und jede echte Bibelforscherin, unter Hintansetzung aller persönlichen Gefühle - Liebe zu Frau und Kind oder Liebe zu Mann und Kind - ohne weiteres hinrichten lassen und ohne weiteres sterben. Jeder Dunkelarrest, jeder Hunger, jedes Frieren ist ein Verdienst; jede Strafe, jeder Schlag ist ein Vorzug bei Jehova.

Sollten in den Lagern mit den Bibelforschern oder Bibelforscherinnen wieder Schwierigkeiten auftreten, so verbiete ich, dass der Lagerkommandant eine Strafe ausspricht. Jeder Fall ist für die nächste Zeit mir unter kurzer Darstellung des Sachverhaltes zu melden. Ich beabsichtige in Zukunft bei einem solchen Fall das Gegenteil zu machen und der betr. Person zu sagen: Ich verbiete, dass Sie jetzt arbeiten. Sie sollen besseres Essen erhalten als die anderen und brauchen nichts zu tun.

Denn während dieser Zeit ruht nämlich nach dem Glauben dieser gutmütigen Irren jedes Verdienst, im Gegenteil, es werden frühere Verdienste von Jehova abgezogen (seine Buchführung muss eine phantastische sein).

Nun zu dem Vorschlag:

Ich ersuche, den Einsatz der Bibelforscher und Bibelforscherinnen in der Richtung zu lenken, dass sie alle in Arbeiten kommen - In der Landwirtschaft z.B. - , bei denen als Bit  /??? - unverständliche Stelle/ Krieg und allen ihren Tollpunkten nichts zu tun haben. Hierbei kann man sie bei richtigem Einsatz ohne Aufsicht lassen; sie werden nie weglaufen. Man kann ihnen selbständige Aufträge geben, sie werden die besten Verwalter und Arbeiter sein.

Nur noch eine Verwendung und dies ist, wie oben erwähnt, der Vorschlag von Frau Kersten:
Nehmen wir doch die Bibelforscherinnen als Personal in unsere Lebensbornheime, nicht als Pflegerinnen, aber als Köchinnen, Hausmädchen, Wäscherinnen und für derartige Aufgaben. Auch als Hausmeister, wo wir da und dort noch Männer haben, können kräftige Bibelforscherinnen genommen werden. Ich bin überzeugt, dass wir in den wenigsten Fällen mit ihnen Kummer haben werden.
Auch mit sonstigen Vorschlägen wie Abstellung einzelner Bibelforscherinnen, in kinderreiche Haushalte bin ich sehr einverstanden. Geeignete Bibelforscherinnen, die das Können dafür haben, bitte ich einzeln herauszusuchen und mir zu melden. Ich werde sie dann auf entsprechende Haushalte kinderreicher SS-Familien persönlich verteilen.

In solchem Haushalt dürften sie dann allerdings keine Sträflingskleidung tragen, sondern einen anderen Anzug, und man müßte den dortigen Aufenthalt, ähnlich wie für die freigelassenen und internierten Bibelforscherinnen in Harzwalde, gestalten.

Bei allen diesen für solche Aufgaben abgestellten Halbfreigelassenen wollen wir schriftliches Abschwören oder sonstige Unterschriften vermeiden und lediglich die Verpflichtung auf Handschlag vornehmen.

Ich ersuche um Vorschläge für die Durchführung und Bericht.

Heil Hitler!
gez. Himmler
F. d. R.
SS-Obersturmführer
Im Juni 1943 sandte ein Bauer und Grundstücksnachbar von Heinrich Himmler in Schliersee eine Anfrage an Himmler um Arbeitskräfte. Daraufhin bot ihm Himmler einen Zeugen Jehovas an. Diesen lehnte der Bauer zunächst ab. Schließlich stimmte er im Juli 1944 doch zu und erhielt ihn von Oktober 1944 bis Mai 1945 (Wiki).

Kaltenbrunner löckt wider den Stachel von Himmlers Begeisterung

Abb. 5: Wachtturm-Druckerei, Bern (1944)
Es sieht nun aber so aus, als habe Kaltenbrunner versucht, etwas wider den Stachel zu löcken gegenüber der Begeisterung von Himmler. So jedenfalls liest sich sein Schreiben vom 15. Juli 1943 (zit. n. Manfred Gebhard):
Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD
IV B2 - 486/423
Berlin SW 11, den 15. Juli 1943
Prinz-Albrecht-Strasse 8
An den Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei
z. Zt. Feld-Kommandostelle
Betrifft: Entlassung von Bibelforscherinnen, die in SS-Haushalten oder anderen Arbeitsstellen zur Arbeitsleistung eingesetzt sind
Bezug: Befehl vom 6. 1. 1943 - RF/Dr. I 37/43 (...)

Im Zusammenhang mit dem Gesamtkomplex der IBV bitte ich noch auf eine allgemeine Feststellung hinweisen zu dürfen. Je länger der Krieg mit all seinen seelischen Belastungen für die einzelnen Volksgenossen dauert, um so mehr tauchen in allen Teilen des Reiches schriftlich fixierte und insbesondere durch Mundpropaganda verbreitete sog. Weissagungen und Prophezeiungen auf, die an Hand einer phantasiereichen Auslegung einzelner Bibelstellen bestimmte Prognosen über Dauer und Ausgang des Krieges stellen und Ausführungen über den Krieg als Vorboten des Weltendes und des Gerichts über den sogenannten Antichristen enthalten, defaitistisch und zersetzend wirken und leider, besonders auf dem Lande, nicht ohne Eindruck auf eine ganze Reihe von Volksgenossen bleiben.

Bekanntlich wird ja nach der Bibel der Antichrist, der jeweils auf den Führer gedeutet wird, durch einen Krieg von Gott selbst vernichtet, der dann auf den Trümmern dieser Weltordnung eine neue, unter seiner persönlichen Führung erstehen lassen will. Wenn es auch nicht immer gelingt, die Hersteller solcher „Prophezeiungen" im einzelnen zu ermitteln, so steht nach deren Art und Inhalt doch fest, dass die Urheber der Flugblätter und Gerüchte unter den Bibelforschern und verwandten sektiererischen Richtungen zu suchen sind.

Infolge ihrer exklusiven Verwurzelung im Alten Testament mit seinen Weissagungen ist das Prophezeien gerade über Dauer und Ende der gegenwärtigen Weltordnung die hauptsächlichste Beschäftigung aller IBVer und ist ihr Zentraldogma schlechthin. Keine andere religiöse Gemeinschaft ist für solche Gedankengänge so empfindlich und verbreitet sie mit solchen Fanatismus wie die Angehörigen der IBV. (...)

Ich bitte um Entscheidung F. d. R. d. A.
gez. Dr. Kaltenbrunner
gez. Unterschrift SS-Hauptscharführer
Abb. 6: J. F. Rutherford "Seine Rache" (1934)
Ähnlich auch ein weiteres Schreiben (zit. n. Manfred Gebhard) (Hervorh. n. i. Orig.):
„Schlesiersee, den 14. 8. 1944.

In der Anlage wird der vom Amtschef VII befohlene Bericht über die Vereinigung Ernster Bibelforscher vorgelegt.

Rutherford selbst wurde 1918 mit 27 Brüdern wegen Spionage zu 20 Jahren Gefängnis in Amerika verurteilt, aber 1919 begnadigt.

Nach 1933 kamen die Bibelforscher in einem scharfen Gegensatz zum nationalsozialistischen Staat. Am 13. Sept. 1934 wurde der Watch Tower Bible and Tract Society der Druck und die Verbreitung von Bibeln und anderen unbedenklichen Schriften zugestanden. Da sich aber die Bibelforscher weigerten, auf Grund der pazifistischen Einstellung den Wehrdienst auszuüben, erfolgten in den Jahren 1936/37 große Aktionen des SD und der Geheimen Staatspolizei, die … belastendes Material zutage förderten. Trotzdem musste immer wieder festgestellt werden, dass die Bibelforscher illegal weiter zusammenarbeiteten.

Die Gesamtzahlen waren:

1913 46 000
1924 65 123
1925 90 434
1926 89 278

Die Verteilung auf die Länder ergab 1926 folgendes Bild:

Vereinigte Staaten 31 238
Deutschland 22 535
England 9 640
Kanada 4 735
Rumänien 3 842
Schweiz 1 694
Australien 1 335
Finnland 1 290
Schweden 1 234
Polen und Galizien 1 049

Unter den deutschen Bezirken ist besonders der Bezirk Dresden zahlenmäßig sehr stark hervorgetreten. Die Entwicklung.

1916 111
1919 230
1924 1 104
1925 1 309
1926 1 430
Die Tatsache nun, dass solche Warnungen Himmler nicht davon abgebracht haben, von den Zeugen Jehovas begeistert zu sein, scheinen doch ein sehr deutlicher Hinweis darauf zu sein, dass er den Zeugen Jehovas auch in Punkten ihrer Prophetie - gemeinsam mit dem Ehepaar Kersten?, jedenfalls im Einklang mit dem Hitler-Horoskop von Wilhelm Wulff - recht gab.

Das "Schwarzbuch Wachtturm-Gesellschaft" (2011)

Abb. 7: Rutherford (1938)
Soweit das, was über das Verhältnis Himmlers zu den Zeugen Jehovas bis dato bekannt ist. Wenn die "Zeugen Jehovas" - wie oben zitiert - in Adolf Hitler den "Antichristen" gesehen haben, war es zunächst kein "Wunder", dass sie im Dritten Reich verfolgt worden sind. Ein Wunder ist eher, dass Heinrich Himmler fähig war, seine Meinung ihnen gegenüber so deutlich zu ändern.

Nachfolgend noch einige allgemeinere Daten und Erläuterungen zu den Zeugen Jehovas zunächst im Dritten Reich und dann überhaupt. Innerhalb der deutschen Konzentrationslager stellten sie sogar eine vergleichsweise bedeutende Häftlingsgruppe dar, dass sie in diesen ein eigenes Abzeichen erhielten, nämlich ein lila Dreieck (s. Abb. 1). Sie bildeten damit eine eigene Gruppe neben den politischen Häftlingen (rotes Dreieck), den Berufsverbrechern (grünes Dreieck), den Emigranten (blaues Dreieck), den Homosexuellen (rosa Dreieck) und den "Arbeitsscheuen" (schwarzes Dreieck).

1933 lebten 25.000 bis 30.000 Zeugen Jehovas in Deutschland. In Konzentrationslagern inhaftiert waren in Deutschland allgemein Ende 1938 etwa 60.000 Menschen, zu Beginn des Krieges 1939 nur noch 21.000, im April 1943 203.000, August 1944 524.000 (Wiki). Von 1933 bis 1945 waren 11.300 deutsche und ausländische Zeugen Jehovas in Konzentrationslagern inhaftiert (Wiki).

Das aktuelle, im Netz frei zugängliche "Schwarzbuch Wachtturmgesellschaft", erschienen 2011 (3), bestätigt vieles von den soeben genannten Behauptungen. Der Gründer der Zeugen Jehovas, Charles T. Russel (1852-1916), behauptete zunächst, dass Jesus Christus im Jahre 1874 zurückkehren werde. Später wurde dies auf das Jahr 1878 verlegt. Und zwar mit folgender Argumentation in seiner Schrift "Der Stein ist im Rollen" des Jahres 1917 (zit. n. 3, S. 28f):
Die verschiedenen Zeit-Weissagungen, wiewohl sie das zweite Kommen Christi nicht erwähnen, zeigen klar und deutlich, dass seine Gegenwart im Jahre 1874 beginnen würde. (...) Das Gesetz und die Propheten bestätigen dieses Datum als den Zeitpunkt des unsichtbaren Kommens des Herrn. (...) Israels Verwerfung von der Gnade dauert, wie wir aus der Schrift zeigen werden, gerade solang wie ihre Gnadenzeit. Vom Tode Jakobs bis zum Tode Jesu sind 1845 Jahre. (...) 1845 Jahre vom Tod Jakobs enden mit Christi Tod im Jahre 33 n. Chr.; und 1845 Jahre seit 33 nach Chr. enden mit dem Jahre 1878 n. Chr..
Abb. 8: Rutherford - "Prophezeiung" (1929)
Nach dem Jahr 1878 korrigierte, bzw. "präzisierte" Russel seine biblische Prophetie. Der Autor Will schreibt (3, S. 29):
Zum Erstaunen seiner Anhänger, die sich selbst als neues, von Gott auserwähltes Volk wähnten, verkündete er nunmehr, dass der Segen Gottes zunächst nicht der ganzen Menschheit zuteil werden, sondern nur seinem auserwählten Volk, den Juden, zugute kommen werde.
Und so heißt es in "Der Stein ist im Rollen" (1917) (zit. n. 3, S. 30):
Können wir nun seit dem Jahre 1878 irgendetwas wahrnehmen, das die Rückkehr der göttlichen Gnade zum Hebräervolk andeutete? Gewiss.

Im gleichen Jahre wurde der Berliner Kongress abgehalten unter dem Vorsitz von Lord Beaconsfield, Vertreter der britischen Regierung und Jude von Geburt. Da wurde das Wort erfüllt: "Da werden 10 Männer aus allerlei Sprachen der Nationen den Rockzipfel eines jüdischen Mannes ergreifen und sagen: Wir wollen mit dir gehen". Sach. 8,23. (...) (Die lieben Leser dieses Schriftchens wird es interessieren zu vernehmen, dass Pastor Russell schon vor besagter Berlin-Konferenz und wohl 20 Jahre vor der Entstehung der Zionisten-Bewegung durch Vorträge und Druckschriften das Eintreten dieser Bewegung verkündete).
Und ebenfalls in dieser Veröffentlichung des Jahres 1917 (zit. n. 3, S. 31):
Von Tag zu Tag mehren sich die Beweise der Erfüllung dieser Weissagungen, jedoch so stufenweise, dass die Welt gar nicht wahrnimmt, was geschieht. Bald werden die Tore Palästinas zum allgemeinen Empfang der Juden geöffnet werden und es wird weder an Menschen, noch an Geld fehlen, um diese jetzige Wüste blühen zu machen. Gottes Segen wird über dieses Land und Volk zurückkehren, wie Gottes Wort es verheißt.
Und ebenso in dieser Schrift (zit. n. 3, S. 32):
Und mit dem Ende des Jahres 1914 wird, was Gott Babylon nennt, und was die Menschen Christentum nennen, verschwunden sein, wie schon aus der Weissagung gezeigt wurde.
Von den damaligen Regenten der Welt behauptete Russell in einer Veröffentlichung des Jahres 1914 (zit. n. 3, S. 33):
dass ihr Herrschaftslehen mit dem Jahr 1914 gänzlich abgelaufen sein wird, und dass alles um diese Zeit über den Haufen geworfen und Christi Königreich völlig hergestellt sein werde .... dürfen wir die Einsetzung der irdischen Regenten (des himmlischen Königreichs, Anm. der Verfasser) im Okt. 1914 erwarten.
Der "Wachtturm" vom September 1951 schrieb (zit. n. 3, S. 34):
Die zu Jehovas Volk gehörten, begriffen diese Wahrheiten vom Jahre 1922 an und freuten sich sehr. Sie kamen aus der Finsternis, der falschen Religion, heraus und lernten Jehovas Vorsätze kennen. ... Es gab noch sehr viel Arbeit für Gottes Gesalbte zu tun, ehe ihr Lauf auf Erden beendet war.

Dann wurde im Jahre 1925 zum ersten Mal gesehen und verstanden, dass das Königreich im Jahre 1914 tatsächlich geboren, dass es Tatsache geworden war.

Es galt, nicht länger zu proklamieren, dass die Zeit für das Königreich gekommen und der Tag, da Satans Welt enden müsse, hier sei, sondern das Königreich war gekommen und herrschte vom Himmel aus, und bereits war ein Krieg im Himmel ausgefochten worden. Der Wachtturm vom 15. April 1925 veröffentlichte diese Kunde.
Noch mehr Angaben über all das findet man sicher über Google-Bücher-Suche mit den Stichwörtern "Rutherford Prophezeiung". Gegebenenfalls werden wir hier dazu noch einiges nachtragen. Obwohl die Religionsgemeinschaften christlicher Fundamentalisten zumeist eine überdurchschnittliche Geburtenrate aufweisen, gilt dies auffälligerweise für die "Zeugen Jehovas" - zumindest heute - nicht. Das wird in vielen religionsdemographischen Studien deutlich.

Okkultismus-Kritiker Rehwaldt über die "Zeugen Jehovas"(1939)

Abschließend noch, was der Okkultismus- und Wahrsager-Kritiker Hermann Rehwaldt 1939 über die Zeugen Jehovas zusammen getragen hat. Er schreibt über Hellseher (2, S. 10):
Einige solcher "Hellseher" haben (...) um sich eine große und meist zahlungsfähige Gemeinde gesammelt, die blind an den betreffenden "Meister" und Propheten glaubte.
Als Beispiel nennt er dann unter anderem
"Russell (von den Bibelforschern)".
Rutherford - "Begünstigtes Volk" (1936)
An späterer Stelle schreibt er (S. 93f) (Hervorh. n. i. Orig.):
Nach Russel und Rutherford, den beiden Propheten der "Ernsten Bibelforscher", verbirgt sich z.B. unter dem wenig anziehenen Symbol der "großen Hure" die römische Kirche, deren Entwicklung der Verfasser der Offenbarung auf diese Weise vorausgesehen habe. Nach ihren Berechnungen leben wir heute am Vorabend der "letzten Tage" und kurz vor dem Anbruch des tausendjährigen Reiches nach Wiederkunft des Jesus von Nazareth als obersten Richters und Feldherrn der himmlischen Heerscharen. Zuvor werden sich die Völker der verderbten Menschheit gegenseitig und im Innern zerfleischen, in Hungersnöten ihre eigenen Kinder und Verwandten verspeisen, und wie die liebevollen Bilder der Apokalypse noch sind. Heerscharen des Antichrists, d. h. all die Ungerechten und Verworfenen, die weder an Jesus von Nazareth noch an die Prophezeiungen der Zeugen Jehovas glauben, auf der einen Seite und die vereinigten Engelheere des Himmels mit den - verhältnismäßig wenigen - Gerechten, d. h. Angehörigen der Sekte der ernsten Bibelforscher auf der anderen stehen werden. (...) Das Laster und der Unglaube werden auf scheußliche Weise untergehen. Strahlend wird dann das tausendjährige Reich anheben, nachdem die verstorbenen und verwesten Toten leiblich auferstanden sind und eine Zentralregierung in Jerusalem im Auftrage des "Königs Christus" eingesetzt werden wird. Die Bibelforscher nehmen also die biblischen Worte ziemlich genau und errechnen sich an Hand namentlich des alten Testaments die Daten der zu erwartenden Ereignisse. Dass sie nebenbei wirtschaftlich kommunistischen Ideen huldigen, tut nichts zur Sache und ist übrigens bei ihrer konsequent christlichen Grundeinstellung nur zu verständlich. (...) Immerhin enthüllen die Deutungen der Apokalypse durch die Internationalen ernsten Bibelforscher, deren Organisation nach Lady Queenborough (Edith Starr-Miller [1887-1933] "Occult Theocrasy", 1933) unmittelbar von dem jüdischen Freimaurerorden Bnai Brith geleitet wird, die Pläne
Edith Starr-Miller mit zwei ihrer Töchter (1924)
solcher Freimaurerorden. Edith Starr-Miller (1887-1933) war laut Wikipedia Mormonen-Gegnerin und "Verschwörungstheoretikerin". Sie wurde 1921 die zweite Frau des britischen Faschisten Baron Qeenborough, ließ sich von diesem aber 1932 wegen "Quälerei" wieder scheiden. 1933 starb sie mit nur 45 Jahren. Und ihr Buch "Occult Theocrazy" wurde 1933 aus dem Nachlass herausgegeben. Dass es da Internetseiten gibt, auf denen ein Mordverdacht geäußert wird, ist naheliegend. Auf dem englischen Wikipedia heißt es über ihr Buch:
Edith's observations were outlined in her posthumously published Occult Theocrasy, and added to the discussion of the secret societies and their conspiracies. Her information was drawn from existing sources, including the works of Dr. Karl Hacks and Léo Taxil (...) (1854 - 1907), Taxil's supporter Abel Clarin de la Rive (1855 - 1914), Samuel Paul Rosen (1840 - 1907), theosophist Alice Bailey (1880 - 1949), Nesta Helen Webster (1876 - 1960), and esotericist Christina M. Stoddard, who wrote under the pseudonym "Inquire Within".
Vielleicht kein uninteressantes Buch. - Nach diesem Einschub aber weiter mit dem Rehwaldt-Zitat (S. 93f):
Ob mit "Hermageddon" der (...) abgeblasene Weltkrieg 1932 oder der nunmehr auf 1941 festgesetzte gemeint ist, kann uns gleichgültig bleiben. Die heutige blutige Hetze (...) gegen die "totalen" Staaten, namentlich aber gegen Deutschland, die, bald ansteigend, bald abflauend, systematisch besonders in Nordamerika betrieben wird, findet hier, in der okkulten christlichen Sekte ihre "prophetische" Unterstützung. Adolf Hitler wird darin gleich "Antichrist" gesetzt, das "Ende der Zeit" in den nächsten Jahren erwartet und die "Gerechten" mit Hilfe der Suggestion auf die "letzte Schlacht" vorbereitet.

In Russels "Das vollendete Geheimnis", einer Schrift der Wachtturm Bibel- und Traktatgesel., werden an Hand der "Offenbarung" folgende Daten errechnet: 1914 - Ende der Nationen; 1980 - Vertreibung der Gojim aus Palästina. 
Auf ähnlicher Linie wie die zitierte Behauptung von Edith Starr-Miller scheint die Aussage einer 1936 mit Imprimatur der katholischen Kirche erschienenen Schrift "Zeugen Jehovas - Pioniere für ein jüdisches Weltreich" zu sein, verfasst von einem Wiener Antisemiten (Garbe, S. 276): Briefe amerikanischer Freimaurer würden die Lenkung der Bibelforscher durch "das Judentum" beweisen.

Auch seine Begeisterung für die Zeugen Jehovas und ihre etwaig mildere Behandlung nützten Heinrich Himmler nichts. Sowohl in der "Regierung Dönitz" war er nach dem Tod Hitlers nicht willkommen, ebenso wenig wie nach seiner Gefangennahme bei dem Westalliierten. Es scheint begründete Zweifel zu geben, ob er sich dort wirklich selbst das Leben genommen hat. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen in der Führungsetage des Dritten Reiches ein Doppelspiel gespielt zu haben scheinen und dann dennoch nicht "geschützt" wurden oder werden konnten von jenen, in derem Sinne sie dieses Doppelspiel gespielt haben.

Allgemeinere Überlegungen

Es scheint sich nach und nach immer deutlicher herauszuschälen, dass die ariosophischen Logen, aus denen heraus und in deren Umfeld die NS-Bewegung entstand und groß wurde, und die auch zur logenideologischen Rechtfertigung der Massenmorde und der Untermenschen-Theorie nützlich waren, aus der Sicht der (theosophischen) O.T.O.-Logen (der Aleister Crowley, Theodor Reuss, Herbert Fritsche und so weiter) nur "Opfer" darstellten, "Logenproletariat", das - wie Himmler und trotz der Zuarbeit solcher Leute wie Himmlers - wenig Anspruch auf Schutz und Überleben hatte. In dem Sinne von "Der Mohr hat seine Pflicht getan, der Mohr kann gehen." - Wohl nur jene mit Doppelmitgliedschaften und höheren Logenrängen als Heinrich Himmler, Albrecht und Karl Haushofer, Wolfram von Sievers, ja, als sogar Canaris scheinen in das "Schutzprogramm" aufgenommen worden zu sein, das sie über die Umbruchjahre von 1945 herüberrettete. Beispiele: Friedrich Hielscher, Wilhelm Wulff, Werner Best, Reinhard Gehlen, Hans Speidel - und wie sie alle hießen.

Da auch heute wieder allerorten völkische, ariosophische Logen aus dem Boden sprießen - einem sicherlich von Geheimdiensten und "Verfassungsschützern" mit Steuergeldern gut gedüngten Boden - können diese genannten Erfahrungen der Jahre um 1945 den Menschen eigentlich nicht deutlich genug vor Augen geführt werden. Auch die Geschehnisse rund um die thüringische NSU und die Sabotage ihrer Aufdeckung liegen doch auf dieser Linie. Auch hier hatte der Mohr seine Pflicht getan und konnte gehen. - - - Wann hat es mit all diesem Wahnsinn und all diesen Verbrechen ein Ende? Fast alle staatlichen Verantwortlichen für die NSU-Verbrechen und der Sabotage ihrer Verhinderung und Aufklärung sitzen heute noch in den Ministerien und Ämtern - und in den zugehörigen Logen.
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  1. Bading, Ingo: Die Schicksalsgläubigkeit des Adolf Hitler. Aufsatz in fünf Teilen. GA-j! Juli/August 2012
  2. Rehwaldt, Hermann: Weissagungen. Ludendorffs Verlag, München (August) 1939
  3. Cook, Will (Südafrika): Schwarzbuch Wachtturmgesellschaft. Der verborgene Januskopf. Lulu Enterprises, Raleigh, NC (USA) 2011 (Google Bücher)
  4. Gebhard, Manfred: Geschichte der Zeugen Jehovas. Mit Schwerpunkt der deutschen Geschichte. Books on Demand, Berlin 1999 (Google Bücher); siehe auch: http://www.manfred-gebhard.de/ZurIndexseite.htm [18.8.2012]; siehe auch das Kapitel "Späte Himmlerpläne" (freies pdf) [18.8.2012]
  5. Rutherford, John F.: Prophezeiung. Eine Verständlichmachung und Klarlegung zahlreicher Bibelgeheimnisse; Die Lichtblitze" Jehovas und D. Gegenwartsereignisse sind d. Schlüssel zu Verborgenem u. Offenbaren den Menschen ewiggült. Wahrheiten. Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft. 1929, 1930 (354 S.) (Google Bücher)
  6. Garbe, Detlef: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im"Dritten Reich". (Google Bücher)

Samstag, 9. August 2014

Ashdown-Forst - Ein "hohes O.T.O.-Ritual" in Großbritannien 1940?

Spielte der britische Geheimdienst Rudolf Hess eine einflussreiche, deutschfreundliche O.T.O.-Gruppe in Großbritannien vor?

Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung des vorigen, der vor allem die Fleming-Biographie von Donald McCormick (1993) ausgewertete. In diesem Beitrag sind nun alle weiteren wichtigen und zugänglichen Quellen und Berichte ausgewertet worden, die es zu dem schon im letzten Beitrag behandelten "hohen Ritual" im Ashdown Forst Anfang 1940 zu geben scheint. Und zwar insbesondere die Hauptquelle, nämlich ein Bericht von jemandem, der sich Amado Crowley nannte. Für eine abschließende Beurteilung der Zuverlässigkeit all dieser Berichte erscheint es noch zu früh. Eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik muss man aber doch für mehr als geboten halten, da ja immer klarer wird, welche Rolle Pädokriminalität in den britischen Eliten seit vielen Jahrzehnten spielt.

Am Neujahrstag 1941 schrieb Aleister Crowley in sein Tagebuch1:
Habe eine Zeremonie durchgeführt nach so langer Zeit der Abstinenz. Es ging ganz gut. P.S. Zu gut! Es gab drei Feuerunfälle!
Niemand scheint bislang so recht zu wissen, worauf sich dieser Tagebuch-Eintrag bezieht. Es gibt aber Berichte, nach denen Aleister Crowley in den Anfangsmonaten 1940 (oder in den Anfangsmonaten 1941 - oder zu beiden Gelegenheiten?) ein „hohes Ritual“ im „Ashdown Forest“ geleitet haben soll im Auftrag des britischen Geheimdienstes und unter Billigung des Vatikandiplomaten Angelo Roncalli (des späteren Papstes), bei Anwesenheit von Winston Churchill, Karl Haushofer, Bilderberg-Gründer Josef Retinger, dem Astrologen Louis de Wohl, dem Geheimdienstchef Admiral Godfrey, seinem Sekretär Ian Fleming, zahlreichen (sonstigen) Mitgliedern des O.T.O. und des britischen Geheimdienstes, Angehörigen des britischen Königshauses und des Parlamentes. Und zwar um einerseits Adolf Hitler mit okkulten Mitteln davon abzuhalten, das Unternehmen Seelöwe durchzuführen, also die Eroberung Englands, und um aber andererseits einen einzelnen, nämlich Rudolf Hess zu seinem Flug nach England zu verleiten.

Der Ashdown-Forst ist ein Wald- und Heidegebiet von landschaftlicher Schönheit 50 Kilometer südlich von London. Schon das Wissen darum, dass diese genannten Personen überhaupt an okkulten Ritualen teilgenommen haben sollen, wäre ja nicht unbedeutend. Hier kommen aber noch dazu der Zeitpunkt, die Teilnehmerauswahl und die Zielsetzung. Man muss sich doch sagen: Wenn so etwas ernsthaft betrieben worden sein sollte und konnte, dann wird man noch vieles andere für möglich halten müssen rund um den Zweiten Weltkrieg und seine geheimpolitischen und okkulten Hintergründe.

Zeugenberichte von diesem Ritual haben gegeben 1991 ein „Magier“ und Okkultlehrer, der unter dem Namen Amado Crowley (1930-2010)2 wirkte und schrieb. (Sein bürgerlicher Name soll aber ein anderer gewesen sein.). Außerdem in der Folgezeit zwischen 1991 und 1993 der vormalige Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes Cecil Williamson (1909-1999)3. In ihre Darstellungen übernommen haben diese Berichte Autoren wie der Ian Fleming-Freund und nicht unbedeutende Geheimdienst-Historiker Donald McCormick (1993)4, die Spionage-Kolumne des „Sunday Telegraph“ (1993)5, der Crowley-Biograph Richard B. Spence (2008)6, der Okkultautor und -historiker Michael Howard (2009)7, sowie Autoren wie Dave Evans (2010)8, David McCann (2011)9 und Nigel Graddon (2013)10 (ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Außerdem wurden seither viele Fragen rund um dieses Ritual und die Glaubwürdigkeit der Berichte über dasselbe auf diversen Internetforen und -blogs erörtert, unter anderem auf den Foren der „Aleister Crowley Society”11.

Abb. 1: Aleister Crowley, wohl um 1940 herum
Der Heß-Flug – Beginn der „Götterdämmerung“

„Operation Mistelzweig“ soll zumindest ein Teil jener Aktion des britischen Geheimdienstes genannt worden sein, die darauf zielte, Rudolf Heß nach England zu locken. Zunächst einmal fragt es sich, warum das „Herüberlocken“ von Rudolf Heß nach England überhaupt ein so wichtiges Geschehen gewesen sein soll für den britischen Geheimdienst und britische Regierungskreise, so dass sie – dafür? - sogar an einem „hohen Ritual“ unter der Leitung von Aleister Crowley teilgenommen haben sollen. Und warum das Herüberlocken von Rudolf Heß – auch ganz abgesehen von diesem Ritual - mit einem so vergleichsweise großen Aufwand von Seiten des britischen Geheimdienstes verfolgt worden ist.

Wenn man sich mit der Außenpolitik Großbritanniens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschäftigt, drängt sich sehr bald der Eindruck auf, dass es in dieser niemals wirklich einflussreiche deutschfreundliche politische Kräfte gegeben hat. George Orwell beobachtete in den 1930er Jahren, dass es in Großbritannien gar keinen echt konservativen Intellektuellen mehr gab. Und als linksstehender Intellektueller war man per se antifaschistisch eingestellt in der damaligen Stalin-freundlichen „Pink Decade“ Großbritanniens und der USA.

Es drängt sich deshalb der Eindruck auf, dass das einzige, was wirklich „inszeniert“ werden musste, um eine europaweite „Strategie der Spannung“ wirklich fahren zu können (ohne die hintergrundpolitische Kräfte ja nicht auskommen), immer wieder nur die „Appeasementpolitik“ gegenüber Deutschland und den anderen Achsenmächten gewesen ist. Denn die „Strategie der Spannung“ konnte ja nach 1932 nur wirksam verfolgt werden, wenn man in Deutschland einen faschistischen Diktator an die Macht brachte und Deutschland zunächst einmal wieder militärisch stark werden ließ.

Auffallenderweise fand der stärkste Ausdruck der gesamten Appeasementpolitik der 1930er Jahre – nämlich die „Peace in our time“-Berchtesgaden-Reise von Neville Chamberlain - ausgerechnet in dem Augenblick statt, in dem der militärische deutsche Widerstand unmittelbar vor seinem Militärputsch gegen Hitler rund um Berlin bereitstand (General von Witzleben). Diese Reise fiel also den innerdeutschen Gegnern Hitlers geradezu „punktgenau“ in den Rücken. Dabei an Zufall zu glauben erscheint beim heuten Kenntnisstand reichlich naiv.

Der ganze Heß-Flug und dass der britische Geheimdienst und seine zahlreichen deutschen Helfer um diesen Flug einen so umfangreichen „Zinnober“ getrieben haben, auch astrologischen und okkulten „Zinnober“, sowie dass Hess dann Jahrzehnte lang - wie ihm schon 1923 von einer Astrologin vorausgesagt worden war – in einem „großen einsamen Haus“ leben musste, und dass es seit 1945 insbesondere immer wieder Rudolf Hess ist, der von vielen (bekanntermaßen zumeist Geheimdienst-gesteuerten) deutschen Neonazi-Gruppen „zelebriert“ wird, all das deutet darauf hin, dass der Ordo Templi Orientis (O.T.O.) oder ähnliche okkult-satanistisch Freimaurer-Gruppen dem Leben und Sterben von Rudolf Hess eine vergleichsweise umfangreiche auch okkult-symbolische Bedeutung gegeben haben.

Der entscheidende Grund für all das wird darin liegen, dass der Heß-Flug den Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges „bombensicher“ machte und damit die endgültige Unmöglichkeit von solchen Dingen wie einem Unternehmen Seelöwe, einer Eroberung Englands durch Hitler. Dass dieser Flug dem „schlauen“, vorsichtigen und zögerlichen „Fuchs“ Josef Stalin jede Möglichkeit nahm, noch im letzten Augenblick vor Ausbruch des Krieges - oder auch in den vielen Jahren des die Sowjetunion erschöpfenden Krieges bis 1945 - zu einer Übereinkunft mit Hitler kommen zu können. Für solch einen Fall hätte man britischerseits immer das „Ass“ Rudolf Heß im Ärmel gehabt, um mit ihm einem etwaigen erneuten Übereinkommen Stalins mit Hitler zuvorkommen zu können.

Rudolf Heß bewirkte also - ohne es zu ahnen – genau das Gegenteil dessen, was er mit seinem Flug hatte erreichen wollen. Er war der Garant des Bündnisses der Westmächte mit der Sowjetunion, er war der Kitt dieses Bündnisses. Und genau so haben es ja Satanisten auch am liebsten. Die Absichten der von ihnen geleiteten gutgläubigen Menschen in der Wirkung in ihr Gegenteil zu verkehren.

Nach kabbalistischem Zahlenaberglauben war das Jahr 1941 das günstigste für den Beginn eines Weltkrieges (siehe die Ausstellung des Jüdischen Museums mit dem Titel "10 plus 5 gleich Gott"). Und „eigentlich“ begann ja der Zweite Weltkrieg auch erst mit dem deutsch-sowjetischen Krieg und mit dem lang vorbereiteten Kriegseintritt der USA einige Monate später. Die „Blitzkriege“ vorher waren ja im Grunde genommen immer noch Ausdruck von „Appeasementpolitik“. Sie hatten ja alle deshalb gar keine großen Verluste mit sich gebracht.

Alle Hinweise deuten darauf hin, dass Josef Stalin von 1941 bis 1945 der Tatsache, dass Rudolf Heß in England war, immer große Bedeutung zugemessen hat.

Der Heß-Flug war also keinesfalls eine Randerscheinung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Er stellte einen der wichtigsten Garanten dar dafür, dass der minutiös geplante Ablauf desselben nicht „durcheinander“ geriet.

Amado Crowley berichtet

„Operation Mistelzweig“, der Name, mit dem das Herüberlocken von Rudolf Heß nach Großbritannien benannt wurde, bezieht sich auf die Sage vom Tod des strahlenden germanischen Gottes Balder durch einen Mistelzweig, der der Göttersage nach nichts weniger als den Auftakt der Götterdämmerung „Ragnarök“ bildete. Also sehr passend und sehr im satanistischen Sinne, wenn man damit eine Operation zur Absicherung des Ausbruchs des deutsch-sowjetischen Krieges benennen will. Schon vom Namen her bezieht sich eine Gruppierung innerhalb des britischen Geheimdienstes auf die Tötung eines strahlenden Gottes. Es impliziert finstere, dunkle, „gottfeindliche“ Gedanken. Da Rudolf Heß vom Typ her eher dunkel war und keine strahlende „Baldur-Gestalt“ - ebenso die meisten anderen Naziführer -, drängt sich auf, dass in der Figur des Baldur bei dieser Namensgebung letztlich doch noch am ehesten an das deutsche Volk insgesamt gedacht worden ist, an die ihm zugesprochenen guten Eigenschaften und an jene Götterdämmerung, die ihm und dem russischen Volk zugedacht worden war.

Abb. 2: Die "Erinnerungen" des "Amado Crowley" (1991)
Amado Crowley (1930–2010) behauptete von sich selbst, nicht nur geistiger Erbe von Aleister Crowley zu sein, sondern auch der sehr bewußt von Aleister Crowley gezeugte leiblicher Sohn desselben. Die letztere Behauptung wird oft und mit guten Argumenten bezweifelt12.

Sein Buch liest sich aber ungewöhnlich spannend. Schreiben und erzählen kann der Amado Crowley, das steht außer Frage. Man kann sein Buch kaum aus der Hand legen, ohne es zu Ende gelesen zu haben. Natürlich liegt das auch an dem außergewöhnlichen Inhalt der 26 Kapitel. Außerdem ist die Erzählperspektive ungewöhnlich. Aleister Crowley habe sich mit seinem Sohn Amado sieben Jahre lang sehr intensiv befasst, und zwar von seinem siebten bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr, also von 1937 bis 1944. 1944 habe er ihn in einer Zeremonie eingeweiht (Kapitel 22 und 23) und danach ganz bewusst nie wieder gesehen. Also alles hübsch im okkulten Siebenjahres-Rhythmus.

Was von all diesen Geschichten stimmt oder nicht, soll an dieser Stelle nicht weiter interessieren. Von den 26 Kapiteln sind hier eigentlich nur die vier Kapitel 16 bis 19 von Bedeutung rund um das „hohe Ritual“ im Ashdown-Forst.

Aber auch in diesen vier Kapiteln bekommt man bei vielem bald den Eindruck: Das ist eigentlich alles zu gut erzählt, um wahr zu sein. Es sind auch zu viele lächerliche Einzelheiten falsch.

1. spricht Amado Crowley ständig vom „Nazi High Command“, in dem Okkultgläubige tätig seien, auf die die Arbeit des Aleister Crowley im britischen Geheimdienst ausgerichtet gewesen sei. Aber was soll das sein? Für das deutsche „Oberkommando der Wehrmacht“ wird im Englischen der Begriff „Armed Forces High Command“ benutzt, für das deutsche „Oberkommando des Heeres“ „High Command of the Army“. Ist der Begriff „Nazi High Command“ ein gebräuchlicher in Großbritannien, auch sonst? Jedenfalls zeigt man mit seiner Verwendung, dass man sich für die Problematik des Spannungsverhältnisses zwischen Partei und Wehrmacht und Drittem Reich, die bis 1945 andauerte, nicht zu interessieren scheint. Aus dem ganzen Zusammenhang geht hervor, dass Amado Crowley gar nicht die führenden Wehrmachtgeneräle meint (abgesehen vielleicht von Wilhelm Canaris und ähnlichen Leuten), sondern die politische Führung des Dritten Reiches, zu der insbesondere Rudolf Heß gehörte. Aber warum drückt er sich dann so oft so ungenau aus?

2. Im Jahr 1940 soll man in England schon davon gewusst haben, dass in deutschen Konzentrationslagern Menschen zu Seife verarbeitet worden seien und Aleister Crowley soll das für Scherze gegenüber dem Vatikandiplomat Angelo Roncalli (dem nachmaligen Papst) verwendet haben (S. 119) - ?

3. Wenn Amado Crowley 1930 geboren wurde, war er 1940 zehn Jahre alt. Mit zehn Jahren merkt man sich doch all die vielen politischen Details und Anzüglichkeiten in den Gesprächen, die er schildert, gar nicht. Das ist eigentlich einer der unglaubwürdigsten Punkte. Auch dass ein zehnjähriger Junge überhaupt bei all diesen Geheimbesprechungen dabei gewesen sein soll, sogar eine Geheimhaltungs-Erklärung unterschrieben haben soll.

4. Da es eine langjährige Zusammenarbeit zwischen Crowley und dem britischen Geheimdienst gab seit dem Ersten Weltkrieg, was Amado Crowley auch weiß und mit Literaturangaben belegt, muten die weiten Strecken der Schilderung des Zögerns von Aleister Crowley im Jahr 1940, für den britischen Geheimdienst zu arbeiten, und die geschilderte „Überzeugungsarbeit“ von Admiral Godfrey und seiner Kollegen diesbezüglich absurd und unglaubwürdig an. Zumal ja, wie Amado Crowley an anderer Stelle betont, Aleister Crowley mit Ian Fleming immer im herzlichsten Freundschaftsverhältnis und Einverständnis gestanden sein soll.

5. Sollte ein Treffen des Admirals Godfrey mit Aleister Crowley wirklich in London tief unter der Erde stattgefunden haben müssen (S. 110ff)? Warum? Sollte die Örtlichkeit der von ihm geschilderten umfangreichen unterirdischen Anlagen dann nicht wenigstens heute genauer angegeben werden können, als Amado Crowley das in seinem Text tut?

Und auf dieser Linie könnte man sicherlich noch vieles weitere nennen. Auch andere haben das ja schon getan13. Dennoch ist Amado Crowley natürlich ein „Experte“ auf dem Gebiet des Okkultismus und der okkult-satanistischen Geheimgesellschaften. Er kennt sich in ihrer Geschichte halbwegs aus. Und man mag seine „Erinnerungen“ deshalb lesen als eine nicht ganz unwahrscheinliche „Interpretation“ von Dingen, die in England in jener Zeit geschehen sein könnten und vielleicht auch irgendwie so geschehen sind. Zumal zumindest auch ein zweiter, nämlich Cecil Williamson wie wir noch sehen werden, Zeuge des von Amado Crowley geschilderten Kernereignisses, des „hohen Rituals“ im Ashdown-Forst gewesen sein will. Auch die Tatsache, dass der Bericht um die Ereignisse rund um das „hohe Ritual“ von Donald McCormick und anderen Autoren ohne Einschränkung und oft ganz ohne kritische Erörterung ernst genommen wird, deutet darauf hin, dass sie vielleicht noch weitere Hinweise für die Glaubwürdigkeit des Amado Crowley hinsichtlich des Kernereignisses seines Berichtes haben, die sie nicht nennen. (Ich halte es z. B. für sehr wahrscheinlich, dass auch Donald McCormick Mitglied des O.T.O. oder ähnlicher Organisationen war.)

Denn ein bisschen wundert man sich schon, dass Donald McCormick sich auf Amado Crowley bezieht ohne den leisesten kritischen Unterton seinem Bericht gegenüber anzudeuten. Es zeigt das einmal erneut, dass Donald McCormick vielfach etwas betrieben zu haben scheint, was in die Richtung dessen geht, was man gerne einmal mit „anthroposophische Geschichtsschreibung" bezeichnen könnte. Für diese mag es ja oft reichen, dass geschichtliche Ereignisse im okkulten Sinne „wahr“ und „bezeugt“ sind (etwa durch Wiedergeburt und Fernwahrnehmung etc.) und dass man die Verifikationsprozesse der üblichen Geschichtswissenschaft gerne einmal nicht gar so wichtig nimmt. So ähnlich arbeiten ja auch Autoren wie Trevor Ravenscroft, Jaques Bergier und andere mehr.

Bis auf weiteres gehen wir im folgenden davon aus, dass die Schilderung des Kernereignisses, des „hohen Rituals“ im Ashdown-Forst den Tatsachen entspricht, auch die geschilderte elitäre Teilnehmer-Zusammensetzung. Dass aber viele gar zu lächerlichen Details der Rahmenerzählung desselben erfunden sind. Amado Crowley beginnt die genannten vier Kapitel mit den Worten (eig. Übersetzung)14:
Anfang 1940, einige Monate, nachdem der Krieg begonnen hatte, kamen außergewöhnliche Männer zu Crowley. Einer war klein, einer war groß und der dritte war ziemlich dick. (…) Zuerst sprach der Dicke. „Herr Crowley, Sie müssen von mir gehört haben. Mein Name ist Louis de Wohl, der Astrologe.“ „Nein,“ sagte Crowley, der Menschen immer so gerne ihre Illusionen raubte. „Ich fürchte, da klingeln keine Glocken bei mir .“
Und auf dieser Linie wird das fröhliche Zögern und Nichternstnehmen von Geheimagenten durch Aleister Crowley dann durchgehend geschildert.
„Diese Männer kommen von einem bestimmten Ministerium,“
soll der Astrologe Louis de Wohl dann weiter geraunt haben:
„Sie sind ein Experte für Okkultismus,“ lächelte der große Mann. „Für deutschen Okkultismus,“ ergänzte der Kleine mit einem Grinsen. „Meine Kollegen verweisen auf die Verbindung zwischen dem „Order of the Golden Dawn“ und gewissen deutschen Gesellschaften.“ Der große Mann beobachtete Crowley genau: „Man weiß alles über die Spengler-Papiere: die berühmten handgeschriebenen, verschlüsselten Dokumente, die so einen großen Einfluss auf die inneren Lehren des Ordens der Goldenen Morgendämmerung hatten.
„Man ist sich seit langem darüber einig, dass diese Papiere eine Fälschung darstellen,“ blaffte mein Vater. „Sicher,“ stimmte der andere zu. „Aber eine Täuschung durchgeführt für einen bestimmten Zweck durch enge Freunde des Kaisers! Das nennt man dann langfristige Planung, Herr Crowley. Ebenso wie der Besuch, den Sie 1912 von Herrn Theodor Reuss bekamen. Wenn ich recht unterrichtet bin, machte er Sie zum Leiter des O.T.O. in England? Aber nicht als eine autonome Gruppe, Herr Crowley? Sondern als Empfänger von Anweisungen aus dem Hauptquartier in … äh … Nürnberg, wenn ich nicht irre.“ Er lächelte entwaffnend aber, wie Aleister später eingestehen musste - seine Hausaufgaben hatte er gemacht.
„Offensichtlich,“ fuhr der andere fort, „war die Absicht, die Söhne einflussreicher Familien zu rekrutieren, sogar Staatsmänner. Männer, die eines Tages in hohe Stellungen gelangen könnten. Wenn sie zur selben Zeit in hohe Ränge einer geheimen Gesellschaft gelangt sind mit Verbindungen nach Deutschland …? Ähm, etwa kein Grund, alles auf Strich und Komma zu überprüfen?“
Aleister blickte ihn an, als wäre er ein akuter Fall von etwas Unheilbarem. „Sie sagen das alles mit dem Gusto eines John Buchan15. Das kann doch nur bedeuten, dass sie Mitarbeiter des Geheimdienstes sind.“
Nun, Amado Crowley benutzt eigentlich in diesem Bericht zunächst nur Dinge, die jeder über die Geschichte des O.T.O. wissen kann. Wodurch sein Bericht ein bisschen „billig“ wird. Noch dazu, wenn er an manchen Stellen Literaturangaben gibt, was eigentlich bei authentischen Erinnerungen nicht nötig sein sollte.

Abb. 3: Aleister Crowley's Unterschrift
Kurz und gut: Aleister Crowley soll sich nach dieser Erzählung nach langem Hin und Her für die Kriegszeit erneut für den Geheimdienst verpflichtet haben und eine Erklärung unterschrieben haben, keine Dienstgeheimnisse zu verraten16. Admiral Godfrey erläutert Crowley dann die Pläne folgendermaßen (S. 112f):
Unsere Hinterzimmer-Jungen haben einen ziemlich teuflischen Plan ausgeheckt. Hitler, wie Sie zweifellos wissen, ist bestätigter Weise Kunde von allen Dingen, die wir Briten dem Jahrmarkt vorbehalten oder der Goldenen Meile von Blackpool17. (…) Es scheint, dass der Führer niemals handelt, niemals irgend etwas Wichtiges tut, ohne zunächst den Rat seines Lieblingsastrologen einzuholen. (…) Wir wissen alles über Sie und die Gruppen, denen sie angehört haben. Zum Beispiel: die keltische Kirche, die spanischen Royalisten und wir dürfen nicht vergessen The Hermetic Order of the Golden Dawn. Ah! (…) Jemand fand es bemerkenswert zu notieren, dass ein Aspirant im Zelator-Grad den Nazi-Gruß erlernen muss.
Darauf habe Crowley geantwortet:
Nur eine druidische Geste für den Gruß des Gottes der Sonne.
Das Hakenkreuz sei ja auch ein Symbol für die Sonne, habe Godfrey darauf geantwortet:
Wie auch immer, es ist seltsam, dass so viele okkulte Orden deutsche Verzweigungen haben, finden Sie nicht auch?
Seltsam ist daran gar nichts - bei okkulten Orden, die aus der Freimaurerei oder aus tibetisch-indischer Theosophie hervorgehen. All das klingt von Seiten des Amado Crowley schon wie reichlich naives Geschichtenerzählen. Aleister Crowley habe sich verteidigt (!) (als hätte er das nötig ... oder wäre auch nur sinnvoll) mit den Worten:
Sie dürfen das nicht durcheinander bringen mit denen vom Ordo Novi Templi, dem Orden der Neutempler. Das ist eine extrem rassistische Bewegung, die ihren Anfang in Österreich nahm.
Godfrey:
Wo Adolf Hitler geboren wurde. (…) Natürlich kann es als eine Reihe von seltsamen Zufällen hinweg erklärt werden. (…) Sie und ich, wir wissen, dass es sich anders verhält, nicht wahr?
Auch Winston Churchill sei mit von der Partie gewesen bei diesem Plan wird dann mitgeteilt. Ja, die erste Initiative überhaupt sei von ihm ausgegangen. Und Godfrey fährt fort (S. 114f):
Wir haben schon von dem Hakenkreuz und dem Druiden-Gruß gesprochen. (…) Es gibt viele andere arische Symbole, die Runenzeichen der Waffen SS zum Beispiel. Indem man all dies zusammen nimmt, taucht der Gedanke auf – oder die Interpretation könnte gemacht werden – von einem geplanten Versuch, die Macht der Finsternis einzubeziehen oder zu beschwören. (…) Die kalte Brutalität ist nicht nur ein Kriegsgerücht. Die sexuellen Exzesse aller Art sind mehr als eine vage Geschichte. Sogar das Ermorden von Babies!18 Gott weiß, ich bin kein Experte, aber viel von diesen Obszönitäten scheinen eine enge Verbindung zu haben mit einer gewissen Kategorie von okkultem Ritual. (…) Die Spitzen des Nazi-Oberkommandos (…) - viele von ihnen, wenn nicht die Mehrheit sind tief verstrickt in Magie und Okkultismus. Einige von ihnen sind treue Parteigenossen von Anfang an, aber eine Anzahl von ihnen waren zuvor schon sehr viel länger Mitglieder geheimer Gesellschaften. Nun, eine Anzahl von diesen Organisationen hatten Verbindungen mit oder hatten ähnliche Ursprünge wie der Order of the Golden Dawn. Der Name Aleister Crowley hat großes Ansehen in diesen Kreisen, man könnte sogar sagen, er wird in einigen Fällen verehrt. Nun, jedes Mitglied des Oberkommandos ist untersucht worden. Jedes hat einen eigenen Geschmack und Neigung, wenn es um okkulte Lehren und die Praxis der Magie geht. Balder – Sie haben richtig geraten – das ist unser Deckname für ihn – Balder bevorzugt geheime Lehren, die Ihren eigenen ziemlich ähneln. Sie werden deshalb am besten wissen, wie man ihn beeinflussen kann und er wird noch mehr beeindruckt sein, wenn er erfährt, dass Sie involviert sind.
Mit Balder ist Rudolf Heß gemeint. Übergangslos wird dann davon berichtet, wie man zwei „deutsche“ Offiziere, einen „Professor“ und einen „Doktor“ am berühmten britischen Militärflughafen „R.A.F. Tangmere“ abgeholt habe. Dies war ein für die damalige Verteidigung Englands wichtiger, ja, legendärer Militärflughafen. Dieser soll also - von Lissabon kommend - direkt angeflogen worden sein. Amado Crowley (S. 116):
Viele Jahre später bekam ich heraus, dass der "Professor" Karl Haushofer, eine bedeutende Figur in deutschen okkulten Kreisen, und der "Doktor" Joseph Retinger war, der hohe Ämter in der deutschen Freimaurerei inne hatte und der sich später den polnischen Streitkräften im Westen anschloss.
Józef Retinger (1888-1960) wurde in Krakau geboren und war, soweit übersehbar Pole und nicht Deutscher. Er lebte seit 1911 in England, zum Teil in Mexiko. Er war bis Juli 1943 Berater des Generals Sikorski und begründete im Oktober 1942 die transatlantische Bilderberg-Konferenz. 1944 nahm er per Fallschirmabsprung im besetzten Polen Verbindung auf zu den dortigen polnischen Widerstandsgruppen (alles nach Wikipedia). Wie ausgerechnet dieser Mensch dazu gekommen sein soll, als „deutscher Offizier“ und „Verräter“ - zusammen mit Karl Haushofer (1869-1946) - von Deutschland über Lissabon nach England zu fliegen, bleibt mehr als rätselhaft. Dass er an dem Ritual teilgenommen hat, scheint nicht unplausibel.

Spektakulär bliebe dann eigentlich nur noch die Teilnahme von Karl Haushofer. Zahlreiche Haushofer-Freunde und -Biographen betreiben ja seit 1945 eine auffallende Verharmlosung und nehmen Karl und Albrecht Haushofer fast davor in Schutz, für Hitler gearbeitet zu haben und Heß zu seinem England-Flug veranlasst zu haben. Angesichts solcher auffälliger Verharmlosungen und der auffälligen Tatsache, dass sie durchgewunken werden (was doch so vielen anderen Verharmlosungen niemals ermöglicht wurde) möchte man dann doch allerhand mehr hinter dem Wirken des Karl Haushofer vermuten. Und das ist ja hier auf dem Blog auch schon ausgeführt worden. Im Grunde ist das Wirken des Karl Haushofer gut in Parallele zu setzen zu dem des Wilhelm Canaris. Beide waren einerseits Kriegstreiber und sollen andererseits Hitler gestürzt haben wollen. - Jedenfalls lässt Amado Crowley die Besucher sagen (S. 118):
„Wir sind als Verräter gekommen und das ist schwer. (…) Wir sprechen im Namen von vielen anderen, die wollen, dass Weiß (Großbritannien) gewinnt.“
Und schließlich soll er gesagt haben:
„Zeit für die Fee, ihren Zauberstab zu rühren.“ Dies war das einzige mal, dass ich sah, dass Crowley seine Faust gebrauchte, um einen Kinnhaken zu verteilen.
Ob nun der gute Aleister Crowley dem 52-jährigen Josef Retinger oder 71-jährigen Karl Haushofer einen Kinnhaken verpasst haben soll, verrät Amado nicht ... Aber wir wollen einmal nicht so genau sein, unter hochgestellten O.T.O.-Brüdern scheint ja auch noch ganz anderer Körperkontakt üblich gewesen sein.

Abb. 4: Angelo Roncalli, um 1940
Illuminat Angelo Roncalli

Vom Militärflughafen „R.A.F. Tangmere“ aus habe man die Kathedrale in Arundel aufgesucht, eine Bischofskirche (20 Autominuten entfernt), wo man einen Bischof und Angehörigen des diplomatischen Korps des Vatikans getroffen habe. Churchill hätte zuvor mit dem damaligen apostolischen Nuntius in Großbritannien gesprochen (dies wäre damals der Erzbischof von Liverpool, William Godfrey, gewesen). Amado Crowley (S. 120):
Die katholische Kirche hatte Personal, das Zugang hatte, ja sogar Kontakt hatte zu Menschen, die im Nazi-Oberkommando tätig waren. Es wäre sehr sehr hilfreich, wenn wir die Kirche überzeugen könnten … nicht uns zu helfen, aber … uns gewisse Einrichtungen zu bieten.
Welche Einrichtungen nun genau, sagt Amado Crowley nicht und warum dazu Kontakt zum Nazi-Oberkommando notwendig gewesen sei, den der britische Geheimdienst ja sicher auch ohne den Vatikan hatte. Immerhin hat sowohl Wilhelm Canaris wie auch die Gestapo stramme und treue Katholiken unter den einflussreicheren Mitarbeitern genannt. (Es sei nur der Onkel des Lügenbarons von und zu Guttenberg genannt, der ebenfalls schon in Familienkreisen als jemand galt, der begabt dafür sei, "Lügenteppiche zu weben".)

Dass der eigentlichen Zweck der Zusammenarbeit eher okkulter Art war, deutet Amado Crowley dann nur an. Da es um rituelle Magie gegangen sei, hätte dem Bischof gegenüber mit großem Nachdruck betont werden müssen, dass die britische Regierung nicht selbst an Magie glauben würde, sondern dass nur gewisse hochrangige Mitglieder der Nazi-Partei das tun würden, was in diesem Zusammenhang der entscheidende Punkt wäre. So weit es sie selbst anginge, würde für sie jede Handlung, die ausgeführt würde, leer und bedeutungslos sein. Aber es würden Wege gefunden werden, dass ausgewählte „Zielpersonen“ von dem Ritual erfahren würden. (Von Churchill selbst ist ja das Zitat überliefert, dass in Bezug auf das Herüberlocken von Rudolf Heß „Mummenschranz die Parole“ sei, was immerhin sehr gut zu dieser Darstellung von Amado Crowley passen würde.) Dass es bezüglich des Kriegsverlaufes übrigens immer eine Abstimmung gegeben hat zwischen den westlichen Staatsmännern und der katholischen Kirche, geht ja auch gut hervor aus den intensiven Gesprächen, die der Kardinal Spellman wenig später mit dem US-Präsidenten Roosevelt hatte.

Mit welchem Bischof Aleister Crowley, Admiral Godfrey, Karl Haushofer und Józef Retinger unterhandelt haben sollen, wird dann wenig später erläutert. Dem ganzen Zusammentreffen wird nämlich noch inhaltsschwere, magisch-symbolische Bedeutung gegeben, etwa in diesen Ausführungen (eig. Übersetz.) (S. 122):
Crowley nahm die Hand (des Bischofs) in eine der seinen, aber statt sie zu seinen Lippen zu führen, studierte er den Ring wie ein Juwelier. Er zog dann seine andere Hand hinter seinem Rücken hervor. Auf seinem Finger glänzte ein noch größerer und eindrucksvollerer Ring. Er blickte fest in die Augen des Bischofs. „Tauschen wir?“, fragte er er schalkhaft.
Amado Crowley weiter (S. 122)19:
... The Bishop laughed and even clapped his hands together in applause. “So then it is true, Mr. Crowley: you are a joker!” “In my games, My Lord, a very important card. But being so other-worldly, you may not have realised.”
With that, rather impudently, Aleister bestowed an occult blessing. (Deutsch: Mit diesem fast unverschämten Handeln erhielt Aleister einen okkulten Segen.) The bishop's face was wreathed in a huge smile as he clapped his hands on my father's shoulders. “Oh, Mr. Crowley,” he mussed (er zauste ihn) with a slight sigh. “I think you would be surprised at how much I do realise.”
To everyone's shock he bestowed a different occult blessing on the speechless magician and embraced him. This may bewilder readers today as much as it bewildered us then. The Bishop's name was Angelo Roncalli and help is provided by a book from a reliable Catholic source. In “The Broken Cross”, Piers Compton states that Roncalli became a member of the Illuminati sect whilst he was on diplomatic service in Turkey. He later became the Patriarch of Venice, being given the red hat while on a visit to France by President Auriol. In 1958 he was elected Pope John XXIII. on his pectoral cross (Brustkreuz) he even bore the sign of the Illuminati - the all-seeing eye in the corner of the triangle.
Piers Compton, I should add, is the former editor of the Roman Catholic newspaper, “The Universe”.
Angelo Roncalli (1881-1963) wurde 1958 zum Papst gewählt als Nachfolger von Pius XII.. Von 1934 bis 1944 war er Apostolischer Delegat in Istanbul, ab 22. Dezember 1944 in Frankreich. Seit die sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen innerhalb der katholischen Kirche, sowie ihre Jahrzehnte und Jahrhunderte lange Vertuschung durch die Kirchenoberen bekannt geworden ist, erhält das erwähnte Buch von Pries Compton20 neue Aufmerksamkeit von Seiten der Leserschaft auf Amazon. In der im Internet weit verbreiteten These von der Unterwanderung der katholischen Kirche durch Freimaurer wird immer wieder auf Angelo Roncalli verwiesen.

Immerhin könnte man sich das Einverständnis dieses feisten Priesters mit einem Amado Crowley bildlich recht gut vorstellen ...

Das Ritual selbst

Das „hohe Ritual“ beschreibt Amado Crowley dann im unmittelbaren Anschluss an die zuvor zitierten Worte folgendermaßen (S. 123f)21:
It was Pythagoras, I think, who said he could tilt the earth if given a long enough lever and a fulcrum. What Aleister Crowley did as regards the subsequent history of the world was every bit as momentous.
The high ritual took place at a spot in Ashdown Forest, Sussex. I must not say where exactly. Despite all the security, word did get out but in a twisted version, and ever since, the locals have been pestered by weird people. Crackpots come, even some [neo-]Nazis, apparently to suck up any magical energy that might still linger. It was Gerald Gardner (about whom, more later) who shifted the story to the New Forest. That would have been further away from the target we were aiming at, and along the wrong Nexus, vis-à-vis Germany. The ceremony itself was long and complex. I have lost a great many of the details mainly because certain items were so dazzling and prominent. For instance, I have a very vivid memory of a dummy, dressed in Nazi uniform, being sat on a throne-like chair. I had to sit with my back to this, and a large mirror was raised in front of me. The result was I could see my own face quite close, and the dummy’s face over my right shoulder.
Most of the people there wore occult robes of one sort or another. At Crowley’s orders, even the contingent of soldiers had them over their customary battle-dress. I say robes, but in most cases they were mere lengths of sheeting. Each of them had a runic symbol cut out of coloured felt and stitched to their breast. The mass of people moved around the dummy and me in two circles. The outer one turned deosyl (mit dem Uhrzeiger) and the inner went widdershins (gegen den Uhrzeiger). This movement wasn’t just a regular, monotonous rotation either. At certain moments, or at given signals, they wove in and out of each other. It reminded me of the furry-dance I had seen in Cornwall22, or the figure dances in the film of ‘Gone With the Wind’23. It was all timed with great precision, and each time the dancers stopped, and faced inward, the runes on their robes spelled a different set of messages which were all aimed at the dummy.
Aleister explained that the gist (Kernaussage) was quite close to the short phrases I had to yell out, each time the dancing stopped. They were not in English or German but they signified things like: You are the one appointed, and You are the hero armed in gold. There was a lot more like this, but all of it in a similar vein. Strange names and weird titles cropped up from time to time and I recall how irritated my father got when I had difficulty with the word “Thule”.
Auch das Wort „Thule“ hat also eine Rolle gespielt. Die tiefere Sinngebung all dessen war ja von Amado Crowley schon weiter oben angedeutet worden und wurde von ihm auch später noch etwas genauer erläutert. Der ariosophische, Astrologie-gläubige „Thule-Orden“ des Rudolf von Sebottendorf, aus dem die NSDAP hervorgegangen war, wäre also von Aleister Crowley im Jahr 1940 keineswegs vergessen worden. Amado Crowley schreibt weiter unter der Zwischenüberschrift „Der Vogel fliegt“ (eig. Übersetz.) (S. 124)24:
Auf dem Höhepunkt der Zeremonie, wurden der Figur vogelähnliche Flügel angeheftet. Sie wurde dann auf die Spitze eines Kirchturmes hochgezogen, dort angezündet und dann in der genauen Richtung auf eine bestimmte Örtlichkeit in Deutschland hin entlang eines Seilbahnkabels vom Stapel gelassen. Sie lief natürlich nur einige hundert Meter und verlor über ihren Weg hinweg brennende Teile. Eine Gruppe von RAF-Feuerwehrleuten war angewiesen, ihrem Weg zu folgen und jedes Feuer zu löschen, das die Figur auslöste. Sie kam nicht bis zu dem Baum, an dem wir das Seil verankert hatten. „Nicht weit genug und ein bisschen zu schlapp,“ erklärte Aleister boshaft. Sie fiel auf einen schmalen Fußweg und verursachte kleine Brände. Sie wurden schnell gelöscht und nur drei oder vier kleine Bäume wurden angeschwärzt. Der Flugweg war (…) geplant, so dass sie nirgendwo in Berührung mit abgelegenen Häusern oder Gebäuden kam.
Alle waren zuvor schon auf Geheimhaltung eingeschworen worden und wurden es danach erneut.
Dennoch hätte es seither immer wieder Gerüchte um dieses Ritual gegeben. Der britische Geheimdienst habe Aleister Crowley danach sogleich wieder fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel (S. 126f). Über den Heß-Flug schreibt Amado dann, wobei er glaubt, die Überzeugung von Heß wiederzugeben (S. 127):
Er war Balder und Hitler war der böse Dämon, Loki.
So hat Heß doch offenbar niemals über Hitler gedacht. Aber wie auch immer. Wie ein typischer Okkultgläubiger, der an die Wirkung des von ihm beschriebenen hohen Rituals glaubt, schreibt Amado Crowley dann:
Hitler reinigte nach dem Heßflug ganz Deutschland von Magiern und Sehern. Er begann den Krieg ohne magische Unterstützung zu führen, der er bis dahin so viel Wert zugesprochen hatte. Er wagte es noch nicht einmal mehr, sich auf seine eigenen psychischen Kräfte zu verlassen. Während er also bis dahin Dinge im Voraus wusste und Entscheidungen mit erstaunlicher Erfolgssicherheit traf, machte er nun Fehler. Die verdrängten Energien beeinflussten sein Denken und seine Kriegsführung begann völlig fehlerhaft zu werden. Tatsächlich war das der Beginn des Endes.
Dann kommt er noch einmal auf das hohe Ritual zu sprechen (S. 127f):
Vielleicht waren es auch nur sechzig oder siebzig Teilnehmer. Die „Marx Brothers“25 waren da – der Kleine, der Große und der Fette – ebenso wie Gerald Gardner. Ebenso war Maxwell Knight da, eine führende Person im britischen Geheimdienst, von der viele glauben, dass er das Modell für „M“ in Ian Fleming's „James Bond“-Büchern war26. Er hatte sehr direkt mit der Operation zu tun, doch, was noch wichtiger ist, er hatte ein tiefgehendes, persönliches Interesse am Okkultismus und war unglaublich aufgeregt, der sich entfaltenden Szenerie des Rituals beizuwohnen. Jahre später, als all die Spionage-Skandale ausbrachen27, fragte ich mich oft, ob es da nicht eine Verbindung gäbe. Schließlich erforschten die Russen trotz ihres militanten Atheismus Psychokinese und eine Kraft, die sie „Bioplasma“ nannten.
Dass über das „hohe Ritual“ des Jahres 1940 bis 1993 niemand öffentlich gesprochen hatte, bringt Amado Crowley mit den ungeklärten Todesumständen von Rudolf Heß in Zusammenhang, der im Gefängnis viele Aufzeichnungen gemacht habe. Dem möchte man natürlich nicht alle Plausibilität absprechen. Er schreibt außerdem (S. 129):
Meiner Meinung nach gibt es nichts in meinem Bericht, das Aleister Crowley's Reputation retten könnte. Diese Operation Mistletoe zeigt ihn in keinem besseren Licht, denn er scheint darin ein bisschen so etwas wie ein abgeneigter Held zu sein und ein wenig geldgierig ebenfalls.
Nämlich weil er sich für all das gut hätte bezahlen lassen. Aber die führenden Personen sowohl des Ersten wie des Zweiten Weltkrieges wie Winston Churchill, Eisenhower, de Gaulle wären alle nicht besser gewesen wie Aleister Crowley, so Amado Crowley. Natürlich ein kleiner, womöglich unbewusster Scherz des Amado Crowley, dessen Schrift ansonsten sicher keine Aleister Crowley besonders kritisch gegenüberstehende Schrift genannt werden kann (um das mindeste zu sagen). Und so vermutet er denn auch, dass über die Operation Mistletoe seither deshalb so viel geschwiegen würde, weil man Aleister Crowley nicht so viele Verdienste hätte zusprechen wollen. Er setzt dann raunend fort:
Aber die Gründe für das Schweigen sind viel komplexer und ernster. Crowley kannte sie. Er bekam seine Information von den beiden „guten“ Deutschen, die er in Tangmere getroffen hatte. Es waren diese geheimen Auskünfte, die ihn davon überzeugten, alles „echt“ durchzuführen und nicht nur als bedeutungslose Äußerlichkeiten.
Was für verschwurbeltes okkultes Denken hinter diesen Sätzen stecken könnte, geht mir gerade noch nicht auf. Womöglich ist es nur Naivität. Ich gehe davon aus - und so schildert es Amado Crowley doch auch -, dass alle Teilnehmer das Ritual ernst genommen haben und es zugleich gerne "Mummenschranz" zu nennen geneigt waren. Denn bloß um Rudolf Heß davon zu überzeugen, dass es in England deutschfreundliche O.T.O.-Gruppen gäbe, dazu hätte Haushofer nicht an einem solchen Ritual teilnehmen brauchen. Hätte es  Hess etwa zu seinem Englandflug motiviert werden sollen durch die Erzählung, dass während des Rituals seine eigene Figur verbrannt worden sei? - - -

Amado weiter (S. 130):
Aber wo sind all die schweigenden Zeugen? Warum rückte niemand damit heraus? Denis Wheatley, ein früherer Mitarbeiter des Geheimdienstes und ein Mitarbeiter von Aleister Crowley (…). Ian Fleming war ebenfalls da (…). Nicht zu vergessen Tom Driberg, der Labour-Abgeordnete, und Admiral John Godfrey. Aber einige von euch sind immer noch am Leben. Frühere Bürgerwehr-Angehörige, frühere Soldaten, sogar Freunde von Aleister Crowley. (…) Wie lange wollt ihr alle vorgeben, dass nichts geschehen sei? (…) Ihr werdet wohl ziemlich eingeschüchtert worden sein in der Nacht des Rituals, nicht wahr? Und wenn ihr schon eingeschüchtert wurdet, mein Gott - ihr ward erschrocken.
Etwas geschah, womit ihr nicht gerechnet hattet, was ihr nicht geahnt hattet. Es gab da eine bestimmte Gruppe, nicht wahr? Und ihre Mitglieder waren nicht nur interessiert daran, Hitler die Quellen seiner geheimen Kraft zu entziehen. Sie beabsichtigten, sie zu stehlen und für sich selbst zu benutzen.
Na so was aber auch. Da spricht wieder ganz der okkultgläubige, aber zugleich offenbar auch naive, nicht besonders tief in elitäre Okkultpolitik eingeweihte Amado Crowley. Klar ist doch von vornherein, dass nur wenige von den einflußreicheren Teilnehmer bessere Ziele verfolgt haben können, als die Nazis – ob mit oder ohne unterstellte okkulte Kräfte. Als jemand, der sich selbst für weißmagisch-okkultgläubig hält, kann man sich natürlich nur schwer vorstellen, dass weiße Magie so ohne weiteres auch in schwarze Magie umgedreht werden könnte? Und tut dann "erschrocken" …?

Auch Amado Crowley gibt sich dann nämlich im weiteren reichlich erschrocken und eingeschüchtert. Und will von dem vielen, was er noch mehr über diese Hintergründe weiß, nur weniges andeuten. Ein David McCann berichtet – ebenfalls nach Amado Crowley – über dieses Ritual28:
Amado Crowley, Crowley’s son (…) He also claims very prominent members of society attended and participated in the ritual, among who were members of the royal family and the British government of the day, including the then Prime Minister Winston Churchill. (…)
Two crowds of troops and other prominent members of society moved in circles; one outer and one inner circle, one began to slowly move in the direction of the sun, whilst the other move against it, thus forming two spinning circles going in opposite directions, then with linked arms they fasten the pace of the spin and proceeded to go around faster and faster, and whilst doing so chanting out-loud. The high Priest and Priestess would stand on the outer and inner border of the circle of the linked armed dancers, who would in turn flail-whip the participants with the cat o’ nine (Peitsche, neunschwänzige Katze), to make them step in a more frenzied (wilder) manner, so as to elevate the energy from within side the circle.
The circle is normally done so in skyclad tradition, [nude]29, and once the dance reaches its climax, the priestess would motion the dancers, who would then fall to the ground, and as they did so, she would then funnel the cone for its enhanced energy and power. (…) It was all timed with great precision by Crowley, using a combination of astrological, astronomy, and referring to the latitude and longitude degrees and measurements - each and every time the crowd came to a sudden stop, and faced inwards, - the runes stitched onto the robes then spelt a different set of messages aimed towards the mannequin of Rudolph Hess.
In zwei Briefen an den Ian Fleming-Biographen Donald McCormick hat Amado Crowley seine Erinnerungen an die „Operation Mistelzweig“ noch erläutert. Er berichtete (eig. Übersetz.)30:
Ich stelle mir vor, dass es eine Handvoll solcher Leute wie (Ian) Fleming und Dennis Wheatley bedurfte, um die Aufmerksamkeit von Admiral Godfrey auf Aleister Crowley zu lenken. Ebenso ist es mein Eindruck, dass Fleming in der frühen Phase der Vermittler war zwischen London und Lissabon. Er traf die Vereinbarungen über den Besuch der beiden Deutschen.
McCormick schreibt weiter:
Crowley war schon viele Jahre zuvor ein Mitglied des Ordens zur Goldenen Dämmerung geworden und viele führende Nazis waren ebenso Mitglieder dieses okkulten Ordens. Crowley's Sohn berichtet, dass „wir darauf vorbereitet wurden, zwei deutsche Offiziere zu treffen mit den Decknamen 'Kestrel' und 'Sea Eagle'. Die ganze Sache war zwischen der rumänischen Botschaft in London und ihrem Gegenstück in Lissabon vereinbart worden und alles war streng geheim.“ (…) Die okkulten Rituale fanden statt im Ashdown Forest in Sussex.
Weiter McComick:
Das ist bezeugt von Amado Crowley, der es beschreibt als ein „hohes Ritual“. (…) Amado Crowley sagt, dass „Ian Fleming persönlich bei der 'Feuerwerks-Aufführung' (wie Aleister Crowley die Zeremonie im Ashdown Forst nannte) anwesend war und er war sehr aufgeregt. Ich persönlich glaube, dass er sich sehr sicher war, dass der ganze bizarre Vorgang Wirkung haben würde. Ob das nun nahelegt, dass er selbst ein Okkultist war, vielleicht ein Anhänger von Aleister Crowley, kann ich nur vermuten.
All diese Angaben wurden von – nicht bekannter Seite31 - folgendermaßen wiedergegeben und zum Teil auch noch konkretisiert, bzw. erläutert:
... These rituals had something to do with the fact that many leading Nazis were members of the Order of the Golden Dawn - an occult secret society. Occultism was the driving force behind many of the Nazi Party's organisations. The SS were brainwashed and indoctrinated using occult ceremonies. Two German SS officers, codenamed: “Kestrel” and “Sea Eagle” were contacted through the the Romanian Mission in London. They attended the rituals in Ashdown Forest, and no doubt reported back to Rudolf Hess that the Order of the Golden Dawn was alive and well amongst prominent members of British society, and that they were waiting to take power once peace was established. Hess was convinced that his plan to bring peace with Britain could lead to greater things. Perhaps even Britain joining Germany in Hitler's Armaggedon-like struggle against Soviet Russia.
Hier werden Haushofer und Retinger gar zu SS-Offizieren. Oder32:
According to Hess Biographer (?) Leonard Ingrams, Hess was lured to Britain by MI6. Ingrams believes that Heß' capture was part of Operation Mistletoe, in which English Pacifists were double-crossed into exploiting the pro-German sentiment quietly bubbling beneath certain U.K. power centres.
Und das soll ausgerechnet über die rumänische Botschaft in London geschehen sein, zu der ja schon der Astrologe der NS-Führung Karl Ernst Krafft – unter Anleitung seiner SS-Vorgesetzten – Kontakt hielt (siehe andernorts hier auf dem Blog). Gut bezeugt ist, dass Ian Fleming im Mai 1941 in Lissabon war, um von dort weiter in die USA zu fliegen. Aber er soll auch sonst häufiger dort gewesen sein. Denn vom Spielcasino in Lissabon soll er ja die Anregungen erhalten haben, die er dann in seinem ersten James Bond-Trivialroman „Casino Royale“ verarbeitete.

Vom Flughafen Lissabon aus gab es Fluglinien nach London, Berlin und New York. In Lissabon befand sich deshalb während des Zweiten Weltkrieges die wichtigste Außenstelle („Kriegsorganisation“) des „Amtes Abwehr“ unter Wilhelm Canaris innerhalb eines neutralen Staates33. Über Lissabon liefen viele Verbindungen von Deutschland in die Feindländer hinein und umgekehrt. (Die zweit wichtigste Außenstelle war Madrid, wo sich ja Wilhelm Canaris sehr häufig aufhielt.)
Abb. 5: Cecil Williamson - Gründer des "Hexerei-Museums"
Cecil Williamson berichtet

An der Westküste Englands gibt es das „Museum of Witchcraft“34, ein Museum, das der Geschichte und Gegenwart von Hexerei, Magie und Okkultismus gewidmet ist. Es wurde begründet von dem O.T.O.-Mitglied und britischen Geheimagenten Cecil Williamson (1909-1999)35, der vor 1939 im Auftrag des britischen Geheimdienstes und unter dem Vorwand, „Folklore-Forschung“ zu betreiben, die deutschen regierungsnahen okkulten Kreise ausspähte, bzw. die Zusammenarbeit mit ihnen koordinierte - zusammen mit zahlreichen anderen Kollegen und Mitgliedern des O.T.O., die parallel arbeiteten, Ian Fleming etwa. Sein Museum ging also unmittelbar hervor aus Agententätigkeit vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und während desselben in England. Dabei will er auch, wie er bald nach der Veröffentlichung des Berichtes von Amado Crowley äußerte, an dem „hohen Ritual“ im Ashdown-Forst teilgenmmen haben, womit es dann zumindest einen zweiten Zeugen desselben gäbe. O.T.O.-Mitglied Williamson war zusammen mit O.T.O.-Mitglied Gerald Gardner dann auch der Begründer der „Wicca“-Bewegung, die sich als eine „Wiederbegründung“ des Standes der vorchristlichen, heidnischen Hexer begreift, und von der Amado Crowley aufzuzeigen versucht, dass ihre Ursprünge im Wesentlichen auf den Ideen und Anregungen von Aleister Crowley beruhen36.

Das Museum stellt die volkstümlichen, sowie vor- und nichtchristlichen Traditionen von Hexerei, Magie und Okkultismus in den Vordergrund. Aber es wird sehr schnell deutlich, dass die okkulten Gruppen im britische Geheimdienst der 1930er und 1940er Jahren an diese etwaig damals noch vorhandenen volkstümlichen Traditionen nur angeknüpft haben, sie und ihre Erforschung – ähnlich wie das "SS-Ahnenerbe" unter Heinrich Himmler – nur ausgenutzt haben, zur verharmlosenden Tarnung benutzt haben, um den Logen- und O.T.O.-Okkultismus und -Satanismus des britischen Geheimdienstes, der britischen Regierungs- und Oberschichtkreise ähnlich zu verbergen und zugleich zu popularisieren, wie sich hinter solchen Dingen der Satanismus der SS verbarg.

Und im Zusammenspiel zwischen dem Okkultismus dieser Gruppen des britischen Geheimdienstes rund um Winston Churchill, Admiral Godfrey, Aleister Crowley und anderen und ähnlicher Gruppen im SS-Ahnenerbe unter Heinrich Himmler, also im Zusammenspiel der britischen mit den deutschen Satanistengruppen scheint dann allerhand Einfluss auf die Außenpolitik bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges genommen worden zu sein und dann auch auf den Kriegsablauf selbst.

Jedenfalls hat sich Cecil Williamson über das hohe Ritual im Ashdown Forst und über Aleister Crowley zwischen 1991 und 1994 in der Zeitschrift „Talking Stick - Magickal Journal“ geäußert37.

Abb. 6: Michael Howard - "Occult Conspiracy" (1997)
Michael Howard

Der Okkultautor und -historiker Michael Howard38, seit 1975 Herausgeber der Okkult-Zeitschrift „The Cauldron“ ist39 und auch regelmäßiger Autor des „Talking Stick“, hatte Kontakt mit Cecil Williamson. Und da die Zeitschrift „Talking Stick“ schwer erhältlich ist, scheinen einstweilen seine Bücher und Aufsätze einer der direkteste Zugänge zu den Äußerungen von Cecil Williamson zu sein. 1997 schrieb Michael Howard in einem Aufsatz über das schon genannte O.T.O.-Mitglied Gerald Gardner und über das Ritual im Ashdown Forest40:
Williamson, who served in the British Secret Service as a consultant on the occult during the war, says the ritual was a propaganda exercise held because it was known senior members of the German High Command dabbled in the occult and believed in astrology.
Aleister Crowley's son, Amado, who also participated in the ceremony, has independently claimed that it was part of the larger plot by British Intelligence to lure Rudolf Hess to Britain on his ill-fated peace mission. The Hess plot had been masterminded by Lt-Commander Ian Fleming of Naval Intelligence, with a little help from the thriller writer Dennis Wheatley and Crowley. (…) The Ashdown ritual took place in the spring of 194141. It involved forty Canadian soldiers as 'extras', wearing Army blankets embroidered with occult symbols, a magick mirror and a dummy of Adolf Hitler42. Amado Crowley claims that Fleming was actually present at this occult-'pantomime when twelve occultists and his father chanted “Rudolf Hess, Rudolf Hess, fly from Berlin to Britain” (Ian Fleming's Lure for Rudolf Hess by Mandrake in The Sunday Telegraph [4.7.93])43. (…)
Sometime between Gardner's return to England from the Far East in 1936 and 1947 he met Aleister Crowley. The timing of this momentous historic event is unclear. The accepted Wiccan version is that the two men were introduced in March 1946 by Arnold Crowther, husband of Patricia Crowther and High Priest of the Sheffield coven. Crowley at this time was living in a private hotel called, evocatively, Netherwood, just outside Hastings in East Sussex. Other sources have claimed that the two men knew each other as early as 1936 or 1938. Francis King mentions a date of 1943 or 1944 (1971:12). Whatever the date, Gardner purchased from Crowley, for about £300 according to their mutual friend Gerald Yorke, an Ordo Templis Orientis (OTO) charter. This authorised Gardner to found and run an OTO lodge. (…) Williamson has informed us that in fact Gardner paid Crowley £25 a time for a course of instruction. One day Gardner turned up for the next installment and Crowley began to cross-examine him on the previous documents he had supplied. Gardner, a typical Gemini, had only glanced at them and could not answer the questions. Apparently, Crowley became very angry and the two men parted on bad terms. Williamson also claims that it was Gerald Yorke who introduced them, presumably at an earlier date then 1946. (Personal communication 23.2.97)
Gardner (…) did include extracts from Crowley's Gnostic Mass and The Book of the law in his Wiccan rites. He did display the OTO charter in the witchcraft museum on the Isle of Man.
All das heißt ja, dass auch Cecil Williamson - wie schon erwähnt - Mitglied des O.T.O. war. 2009 schreibt Michael Howard44:
Cecil Williamson, Gardner's business partner in the 1950s, claimed that he had based his story of the Lammas45 ritual on a wartime military exercise called “Operation Mistletoe” performed in Ashdown Forest in Sussex by the British Security Service MI5. A ritual was organized by Williamson on a private estate in the forest between Surrey and Sussex. He did not talk about this in public until 1992, because he had signed the Official Secrets Act during his wartime work with MI6 (the Secret Inteligence Service), PWE (the Political Warfare Executive), and the SOE (Special Operations Executive). Williamson told me he had been recruited into MI6 in 1938 by a family friend, Major Edward „Ted“ Maltby, who belonged to a magical lodge run by Christine Hartley and her magical partner Colonel Charles Seymour, who also worked for MI6 and became head of the Dutch section of SOE.
Major Maltby recruited Williamson because of his occult knowledge to travel to Germany as an undercover agent posing as a folklorist to gather information on the occult interests of Nazi Party members and investigate possible links with British magical groups. When war broke out Williamson was employed by the PWE to run secret radio stations broadcasting black propaganda and disinformation to the German U-boats operating in the Atlantic and the North Sea. Several static and mobile radio transmitters, secretly supplied by the Americans, were established across southern England and were under his command. He also worked as an undercover agent behind the lines in occupied France for the SOE.
Originally Williamson was sent to Ashown Forest, which was under the control of a Canadian Army unit, to locate a site for a radio transmitter. Shortly after he arrived, a message came from a brigadier in MI5, informing him they were “getting together a whole group of people to have a sort of pantomime set-up whereby the wizards of England [sic] were going to curse Hitler and the Nazi regime” (Williamson, Winter 1992). It had to bear near the south coast of England because at the time two high-ranking officials from the Vatican were visiting the Duke of Norfolk at his family home at Arundel Castle in Hampshire. MI5 knew these officials had contacts with the German High Command and they would be leaked details of the ritual. It was believed that those in the Nazi leadership who were interested in the occult would be intimidated by the idea that powerful magicians were working against them.
Hier mutieren Haushofer und Retinger selbst zu hochrangigen Diplomaten des Vatikans, die auch noch Zugang zum deutschen Oberkommando gehabt haben sollen. Weiter:
Williamson persuaded the owner of a private estate in Ashdown Forest to let him use the land for the operation. About forty Canadian soldiers were recruited and were dressed up in robes made from gray army blankets decorated with magical symbols from the “Key of Solomon”46. Occultists and witches from the south coast were also invited to attend and a phony cursing ritual was then performed at a church on the estate. A dummy representing Hitler was raised in a cradle to the top of its tower, set on fire and then lowered to the ground on a rope. Unfortunately when it hit the ground the blazing image set fire to some bushes and the local fire brigade had to be called to extinguish the flames. Williamson said that he told Gerald Gardner about this ritual and he then invented the story of a similar one performed by the New Forest Coven.
(…) Independent evidence for the Lammas ritual was provided by the novelist Louis Umfraville Wilkinson (aka Louis Marlow). He had been a friend of Aleister Crowley, contributed to his magazine “The Equinox”, was one of his executors, and officiated at his funeral service in December 1947 ...
2012 oder 2013 schreibt Michael Howard47:
Another occultist who was supposed to have been involved in or connected to the Hess affair was the late Cecil Hugh Williamson, the founder of the Museum of Witchcraft and Magic at Castletown on the Isle of the Man48 that is now located in Boscastle in North Cornwall. Williamson had been recruited into MI6 in 1938 by a family friend Major Edward Maltby, who coincidentally was the brother-in-law of the famous occultist Dion Fortune. (...)
The major was in charge of a section of SIS set up to deal with the unusual threat posed by esoteric and magical groups in Germany and occultists in the Nazi Party. Williamson agreed to work for Six as an undercover agent and before the war made several trips to Germany posing as a folklorist to collect information. Cecil told this writer that he believed the intelligence he collected on at least two thousands Nazi Party members interested or involved in the occult and astrology helped Ian Fleming’s NID operation to trap Rudolf Hess.
Ein Dave Evans schreibt 201049:
The ritual, held in Ashdown Forest, involved a large number of soldiers dressed in ad hoc magical robes, and either a burning dummy in Nazi uniform or a symbolic model aeroplane which flew down on a cable stretched from a church tower to a nearby tree, accompanied by considerable pyrotechnics and much ritual chanting. (In some versions of the tale, two German SS officers, codenamed ‘Kestrel’ and ‘Sea Eagle’, had been somehow duped into attending the Ashdown Forest ritual and reported back to Hess that the Order of the Golden Dawn was alive and well and waiting to take power once peace was established).
Cecil Williamson (a former intelligence officer and subsequently the first owner of the Museum of Witchcraft) also describes this ritual in what appears to be confirmatory detail.50
Ein Vince Albanov schreibt 201451:
Another governmental scheme Williamson was involved with was the now famous “Witches Ritual”. This was aimed at Hitler and the Nazi high command to prevent the invasion of England. It now transpires that this was an elaborate hoax to fool and worry Hitler who supposedly believed in witchcraft and the powers of the occult. The Witches Ritual took place in Ashdown Forest (30 miles south of London) and employed the services of Aleister Crowley and his stepson Amado. “Secret Agent 666” by Richard Spence argues that Crowley, in his own unconventional way, was a patriotic Englishman who endured years of public vilification in part to mask his role as a secret agent.
Damit sind die wesentlichsten, zunächst zugänglichen Berichte über dieses Ritual im Ashdown Forst referiert. Es scheint das alles doch nicht gar so unbedeutend zu sein, so dass es sicher sinnvoll ist, dass man sich auch von deutscher Seite aus mit all diesen Dingen beschäftigt. Was seit 1991, also 23 Jahre lang nicht geschehen ist!

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1Original: „Used ceremonial after so long abstinence. It went very well. P.S. Too well! Started three fire accidents!”
2Crowley, Amado: The Secrets of Aleister Crowley. Diamond Books, Leatherhead 1991
3Diverse Interviews mit Cecil Williamson in der Zeitschrift „Talking Stick - Magickal Journal - A Modern Anthology of Paganism and the Occult“, hrsg. v. Amanda Prouten und Caroline Robertson, Krayzee Klub, London („Scarce Typhonian magick journal“), insbesondere „An Interview with Cecil Williamson“ in Talking Stick 14 (1994), 33 (zit. etwa in Ronald Hutton's „Triumph of the Moon“[1999]). Siehe auch Nr. 9/1992 (Cecil Williamson on Aleister Crowley) oder Nr. 24/1997. Der selten angebotene Band 1 der Zeitschrift umfasst u.a. folgende Heftnummern: Nr. 1 (Summer 1990), Nr. 2 (Samhain 1990), Nr. 3 (Spring 1991), Nr. 4, Nr. 5 (Winter 1991), Hefte 6-7/1992, Nr. 8 (Winter 1993), … Nr. 13 (Winter 1993), 14/1994, … Nr. 22 (Summer 1996), … 24-26/1997. Regelmäßiger Autor der Zeitschrift war auch Michael Howard. Ab 1998 folgt Band 2, s. http://www.midianbooks.co.uk/oldbooks_core.html [30.7.14] und andere Seiten
4McCormick, Donald: 17F - The life of Ian Fleming. Peter Owen, London 1993
5„Mandrake“ (eine Spionage-Kolumne, hrsg. von dem Journalisten Tim Walker): Ian Fleming's Lure for Rudolf Hess. In: The Sunday Telegraph, 4.7.1993 (zit. n. M. Howard)
6Spence, Richard B.: Secret Agent 666. Aleister Crowley, British Intelligence and the Occult. Feral House, 2008
7Howard, Michael: Modern Wicca. A History from Gerald Gardner to the Present. Llewwllyn Publications, Woodbury, Minnesota USA 2009, S. 39
8Evans, Dave; Sutton, David: The Magical Battle of Britain. Fighting Hitler's Nazis with occult ritual. Fortean Times, September 2010
9McCann, David: Trapped in a Masonic World. JayFKay Publishing, Middlesex 2011
10Graddon, Nigel: Otto Rahn and the Quest for the Grail. The Amazing Life of the Real Indiana Jones. Adventures Unlimited Press, 2013
11http://www.lashtal.com/forum/
12„Mal“: The man behind Amado Crowley, Forums of The Aleister Crowley Society, 6. Oktober 2012, http://www.lashtal.com/forum/index.php?topic=5849.0 [29.7.14]
13„Mal“: The man behind Amado Crowley, Forums of The Aleister Crowley Society, 6. Oktober 2012, http://www.lashtal.com/forum/index.php?topic=5849.0 [29.7.14]
14Crowley, Amado: The Secrets of Aleister Crowley. Diamond Books, Great Bookham, Leatherhead 1991, S. 105f
15Bezieht sich wohl auf den vielfach ausgezeichneten schottisch-kanadischen Agentenroman-Autor John Buchan (1875-1940) (I.B.).
16Das Crowley-Klischee darf nicht fehlen, dass er unterschrieben habe in der Art, dass das „A“ an einen männlichen Penis erinnerte (siehe Abb.) ...
17Vergnügungsviertel an der Westküste Englands mit vielen Angeboten aus dem okkulten Bereich, http://en.wikipedia.org/wiki/Golden_Mile_(Blackpool) [7.8.14]
18Auch das ist entweder wieder reichlich entsprechend des klischeehaften britischen Nazibildes geschrieben oder an Trevor Ravenscroft angelehnt.
19zit. auch n. Barter, Jamie auf „Forums of The Aleister Crowley Society“, 3.2.14, http://www.lashtal.com/forum/index.php?topic=6544.0 [29.7.14]
20Compton, Piers: The broken cross: The hidden hand in the Vatican. N. Spearman, 1983
21Zum Teil auch zit. bei Barter, Jamie auf „Forums of The Aleister Crowley Society“, 3.2.14, http://www.lashtal.com/forum/index.php?topic=6544.0 [29.7.14]
22eine Art traditioneller Maitanz oder -umzug, s. diverse Videos im Netz, bzw. http://en.wikipedia.org/wiki/Furry_Dance [2.8.14] (I.B.)
23Tanzszene in „Vom Winde verweht“ (1939), siehe Videos im Netz (https://www.youtube.com/watch?v=P4c5AoqUIZU [2..8.14])
24so auch behandelt von: McCann, David: Trapped in a Masonic World. JayFKay Publishing, Middlesex 2011, http://m.friendfeed-media.com/d00495e5f7afc74daa5a6a521aada39c9c52315e [29.7.14]; s. a.: ders.: Operation Mistletoe - Hilter, Churchhill, Crowley, the Queen and 007's creator Ian Fleming. 2. März 2013, http://kentfreedommovement.com/profiles/blogs/operation-mistletoe-hilter-churchhill-crowley-the-queen-and-007-s [29.7.14]
25Bezieht sich auf eine US-amerikanische Komikergruppe: http://de.wikipedia.org/wiki/Marx_Brothers [8.8.14]
26Ein zum Faschismus neigender, antisemitischer Homosexueller, wie das auf dem englischen Wikipedia wiedergegebene Urteil seiner eigenen geschiedenen Frau lautet. Er beschäftigte bevorzugt Frauen als Agenten, wie es dort auch heißt, was ja ebenfalls gut zu den James Bond-Romanen und zu diversen Biographien von britischen Geheimdienstagenten der damaligen Zeit passt.
27Maxwell Knight entlarvte viele kommunistische Maulwürfe im Dienst der britischen Regierung.
28McCann, David: Trapped in a Masonic World. JayFKay Publishing, Middlesex 2011, http://m.friendfeed-media.com/d00495e5f7afc74daa5a6a521aada39c9c52315e [29.7.14]; s. a.: ders.: Operation Mistletoe - Hilter, Churchhill, Crowley, the Queen and 007's creator Ian Fleming. 2. März 2013, http://kentfreedommovement.com/profiles/blogs/operation-mistletoe-hilter-churchhill-crowley-the-queen-and-007-s [29.7.14]
29„clad“ heißt zu deutsch „bekleidet”, „skyclad“ steht für „nur vom Himmel bekleidet”. lt. Wikip. (s. „Skyclad (band)“) “a pagan/wiccan term for ritual nudity, in which rituals are performed with the participants metaphorically clad only by the sky“.
30zit. n. McCormick, Donald: 17F - The life of Ian Fleming. Peter Owen, London 1993, S. 29
31zit. n. Yithian: The Hess Conspiracy (feat. I. Fleming and A. Crowley), 27.01.2004, http://www.forteantimes.com/forum/viewtopic.php?p=324265&sid=394c5b277af09937be88a08910a5e308 [12..7.14]
32Jerry E. Smith,George Piccard: Secrets of the Holy Lance. The Spear of Destiny in History & Legend. Adventure Unlimited 2005, S. 243 (GB)
33Bryden, John: Fighting to Lose. How the German Secret Intelligence Service Helped the Allies win the Second World War. Dundurn, Toronto 2014, S. 57; Weber, Ronald: The Lisbon Route. Entry and Escape in Nazi Europe. Government Institutes, 2011; Klappentext: „The Lisbon Route tells of the extraordinary World War II transformation of Portugal's tranquil port city into the great escape hatch of Nazi Europe. Royalty, celebrities, diplomats, fleeing troops, and ordinary citizens desperately slogged their way across France and Spain to reach the neutral nation. As well as offering freedom from war, Lisbon provided spies, smugglers, relief workers, military figures, and adventurers with an avenue into the conflict and its opportunities. Yet an ever-present shadow behind the gaiety was the fragile nature of Portuguese neutrality.“
34http://en.wikipedia.org/wiki/Museum_of_Witchcraft [30.7.14]
35http://en.wikipedia.org/wiki/Cecil_Williamson [12.7.14]
36Ausgerechnet 1942 übrigens entstand der erste Band des Romans „Der Herr der Ringe“ des überzeugten Katholiken J. R. R. Tolkien. Dieser Roman erschien dann 1954 im Druck, also in der Zeit, in der auch die James Bond-Trivialromane erschienen. Und womöglich sollte seine „Öffentlichkeitsarbeit“ nur eine andere Zielgruppe ansprechen als die des Ian Fleming?
37Diverse Interviews mit Cecil Williamson in der Zeitschrift „Talking Stick - Magickal Journal - A Modern Anthology of Paganism and the Occult“, hrsg. v. Amanda Prouten und Caroline Robertson, Krayzee Klub, London („Scarce Typhonian magick journal“), insbesondere „An Interview with Cecil Williamson“ in Talking Stick 14 (1994), 33 (zit. etwa in Ronald Hutton's „Triumph of the Moon“[1999]). Siehe auch Nr. 9/1992 (Cecil Williamson on Aleister Crowley) oder Nr. 24/1997. Der selten angebotene Band 1 der Zeitschrift umfasst u.a. folgende Heftnummern: Nr. 1 (Summer 1990), Nr. 2 (Samhain 1990), Nr. 3 (Spring 1991), Nr. 4, Nr. 5 (Winter 1991), Hefte 6-7/1992, Nr. 8 (Winter 1993), … Nr. 13 (Winter 1993), 14/1994, … Nr. 22 (Summer 1996), … 24-26/1997. Regelmäßiger Autor der Zeitschrift war auch Michael Howard. Ab 1998 folgt Band 2 (s. http://www.midianbooks.co.uk/oldbooks_core.html [30.7.14] und andere Internetseiten).
38Daniel: Michael Howard. 13.6.2014, http://skylightpress.wordpress.com/2014/06/13/michael-howard-on-skylight-press/ [30.7.14]
39The Cauldron – Witchcraft, Paganism and Folklore. http://www.the-cauldron.org.uk [30.7.14]
40Howard, Mike: Gerald Gardner - The Man, the Myth & the Magick. o.D. [etwa 1997], http://www.thewica.co.uk/MH2.htm [12.7.14]
41Amado Crowley sprach vom Frühjahr 1940. Womöglich gab es ja auch eine Wiederholung im Frühjahr 1941. Aber einstweilen halten wir an dem Termin Frühjahr 1940 fest. (I.B.)
42Amado Crowley spricht von einem „Dummy of Rudolf Heß“. Michael Howard scheint manches nicht so genau zu nehmen. Oder Cecil Williamson hatte andere Erinnerungen.(I.B.)
43„Mandrake“ ist eine Spionage-Kolumne des „The Sunday Telegraph“, herausgegeben von dem Journalisten Tim Walker; leider ist der hier genannte Artikel im Internet offenbar nicht mehr zugänglich. (I.B.)
44Howard, Michael: Modern Wicca. A History from Gerald Gardner to the Present. Llewwllyn Publications, Woodbury, Minnesota USA 2009, S. 39
45Der 1. August ist in englischsprachigen Ländern der „Lammas-Tag“, der Tag der Weizenernte, der „ersten Frucht“, siehe engl. Wikip..
46Eine Magie-Schrift aus der Renaissance, die Anweisungen zur Teufelsaustreibung und ähnlichem enthält, s. http://en.wikipedia.org/wiki/Key_of_Solomon [2.8.14]
47Howard, Michael: The Occult War. Secret Agents, Magicians and Hitler. In: The Cauldron, o. D. [etwa 2012], http://www.the-cauldron.org.uk/thecauldron_down.html, bzw. http://www.the-cauldron.org.uk/Resources/Occult%20Wara.pdf [12.7.14]
48Die „Isle of Man“ liegt im Meer zwischen England und Irland (I.B.).
49Evans, Dave; Sutton, David: The Magical Battle of Britain. Fighting Hitler's Nazis with occult ritual. Fortean Times, September 2010, http://www.forteantimes.com/features/articles/4435/the_magical_battle_of_britain.html [29.7.14]
50Als kritische Ergänzung folgen noch die Ausführungen: „But in previous correspondence with Gerald Yorke (one of Crowley’s literary compilers and later the Dalai Lama’s emissary to Britain) Williamson remarks that he’d never met Crowley. Therefore, if Williamson was at Ashdown Forest then Crowley couldn’t have been; and if Williamson was not there, how can he claim to give a firsthand account? (Fußnote: Cecil Williamson: Letter to Gerald Yorke, 7-8-1952, Warburg Institute, London. Yorke Collection, Folder YC1EE2.)”
51Albanov, Vince: Rudolf Hess versus Cecil Williamson. 7. Mai 2014, http://www.examiner.com/article/rudolf-hess-versus-cecil-williamson [12.7.14]
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