Donnerstag, 31. Dezember 2015

... die er einst mit Susette Gontard gehört hatte ....

Der "wahnsinnige" Hölderlin
- Er sang oft das Lied "Mich fliehen alle Freuden"
- Wie konnte er nur!

Eine Fülle von Lebenszeugnissen kann belegen, dass der deutsche Philosoph und Dichter Friedrich Hölderlin (1770-1843) in seinen Altersjahren in Tübingen keineswegs - - - "wahnsinnig" war. Sondern einfach wie auch zuvor schon geistig weitaus gesünder und wacher als das ganze übrige damalige und heutige Deutschland zusammen genommen (1-5).

Abb: Hölderlins Wohnturm in Tübingen bis 1843
Zuerst sind die Lebenszeugnisse dafür von dem Franzosen Pierre Bertaux zusammen getragen worden (5). Später von anderen. Dabei hatte sein bester Freund Sinclair seinen Zeitgenossen schon ganz zu Anfang lapidar gesagt, dass es sich bei dieser - "Geisteskrankheit" nur um eine "angenommene Äußerungsart" handele. Um sich Ungemach vom Leibe zu halten. Hölderlin ließ seine Zeitgenossen also bei ihrem Glauben, förderte diesen Glauben durch oberflächliches, leichtes Verstellen. Und lebte weiter. Wie er es für seine Pflicht hielt. Er, der über den Freitod lange nachgedacht und ihn zu Ende gedacht hatte. Aber bis heute möchten sich viele über den Umstand hinweg täuschen, dass Hölderlin noch in diesen Jahren ein so geistig gesunder, rüstiger, lebendiger Mensch gewesen sein soll.

Hölderlin saß oft am Klavier und spielte

Hölderlin sah sich in jener Zeit weiterhin als Dichter und dichtete. Er zeigte volle Aufgeschlossenheit und Erschlossenheit dem Naturerleben gegenüber. Er hatte volle Aufmerksamkeit für die Schönheit von Menschen, für die Kunst. Er zeichnete auch selbst. Er hatte Aufmerksamkeit für die Musik, er spielte Klavier und sang dazu. Er hatte Humor. Und er hatte Verantwortungsbewusstsein. Für all diese Aspekte können reichen Zeugnisse angeführt werden. An dieser Stelle sollen einmal nur einige Zeugnisse für seine Beschäftigung mit der Musik angeführt werden. Christoph Schwab berichtet (1, S. 247):
Er saß am Klavier und spielte. ... Sein Spiel war sehr fertig und voll Melodie, ohne Noten. ... Einigemal, besonders, wenn er einen recht melodischen Passus ausgeführt hatte, sah er mich an. ... Es schien ihm zu gefallen, dass ich so gerührt war.
Er berichtet:
Mit kindischer Einfalt,
habe Hölderlins Auge auf ihm geruht. Wilhelm Waiblinger berichtet aus den Jahren 1827/28 (1, S. 148; 2, S. 330):
Hat er eine Zeitlang gespielt, ... so richtet sich sein Haupt empor ... und er beginnt zu singen. ... Er tats mit überschwenglichem Pathos.
Und der Schreiner Zimmer, bei dem Hölderlin in jenen Jahren wohnte, berichtete 1837 (1, S. 225):
Oder er sitzt am Spinett und musiziert vier Stunden lang, in einem Ton als wollte er den letzten Fetzen herunterspielen. Und immer dasselbe simple Lied, immer dieselbe Leier, dass einem im ganzen Hause Hören und Sehen vergeht. Man muss schon stark hobeln, sonst wird einem wüst im Kopf. Oft aber spielt er auch recht schön.
Der Besucher Diefenbach berichtet aus dem 1837 (2, S. 330):
Hölderlin war einst ein ausgezeichneter Musiker und Sänger.
Und Christoph Schwab (2, S. 461):
Gesang und Flötenspiel übte er vom Jahr 1817 an seltener, nahm es aber 1822 wieder mit Eifer für einige Zeit von Neuem auf.
"Eine seltsame Mischung von Freundlichkeit und Fremde"

Ebenso (2, S. 468):
Ein einfaches Thema, wie z. B. die Melodie: "Mich fliehen alle Freuden," variierte er unermüdlich.
Er
sah dann wieder mit einer seltsamen Mischung von Freundlichkeit und Fremde die Zuhörer an.
Mit mehr Fremde als Freundlichkeit hätte Hölderlin 1998 in das Magazin "Focus" geblickt, wo es hieß, „Mich fliehen alle Freuden“ sei eine Opernarie aus der Oper „Die schöne Müllerin“ von Giovanni Paisiello (1789) (4),
die er einst gemeinsam mit Susette Gontard gehört hatte. Der italienische Komponist war berühmt-berüchtigt für seine endlosen, schier unerträglichen Motiv-Wiederholungen, durch die, wie es damals hieß, "sogar der auf die Spitze getriebene Wahnsinn sich äußern könne".


Nun, davon, wie unsinnig eine solche Charakterisierung dieses Liedes ist, kann sich jeder heute leicht über Youtube überzeugen (z.B.: mit Klavierbegleitung oder mit Orchester) (s.a. Wiki). Leider gibt es gegenwärtig nur Aufnahmen mit dem italienischen Liedtext. In deutscher Übersetzung lautet dieser Liedtext schlicht (2, S. 467):
Mich fliehen alle Freuden,
ich sterb vor Ungeduld;
an allen meinen Leiden
ist nur die Liebe schuld.
Es quält und plagt mich immerhin,
ich weiß vor Angst nicht, wo ich bin;
wer hätte dies gedacht?
Die Liebe, ach, die Liebe
hat mich so weit gebracht,
hat mich so weit gebracht.
- Und es ist schon Wahnsinn, wenn man ein solches Lied beim Singen und Klavierspielen oft wiederholt und variiert? - - - Die spinnen, die Deutschen, die ihre größten Dichter so behandeln.

Der Beethoven war übrigens auch so verrückt, genau zu diesem Lied sechs Variationen zu schreiben (Yt.), zum Beispiel von Elly Ney interpretiert (Yt). Über Susette Gontard, die "Diotima" seiner Dichtungen, durch die er erst das geworden war, was er war, konnte sich der "wahnsinnige" Hölderlin zuweilen auch auslassen. J. G. Fischer berichtet darüber (2, S. 429):
"Ach," sprach er, "reden Sie mir nicht von Diotima, das war ein Wesen! und wissen Sie: dreizehn Söhne hat sie mir geboren, der eine ist Kaiser von Rußland, der andere König von Spanien, der dritte Sultan, der vierte Papst u. s. w. Und wissen Sie was dann?" Nun sprach er folgendes schwäbisch: "wisset se, wie'd Schwoba saget: Närret ist se worda, närret, närret, närret." Das sprach er so erregt, daß wir gingen, indem er uns mit tiefer Verbeugung an die Tür begleitete.
Nein, sie war nicht verrückt geworden. Sie war einfach nur gestorben an der unerfüllten und in jenen Zeiten unerfüllbaren Liebe zu ihm. 
______________________________________________________
  1. Wittkop, Gregor (Hrsg.): Hölderlin, der Pflegesohn. Texte und Dokumente 1806 - 1843 mit den neu entdeckten Nürtinger Pflegschaftsakten. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart 1993
  2. Hölderlin, Friedrich: Sämtliche Werke. 'Frankfurter Ausgabe', hrsg. v. D.E. Sattler u. M. Franz, Bd. 9: Dichtungen nach 1806. Mündliches. Verlag Roter Stern, Frankfurt/M. 1983
  3. Hölderlin, Friedrich: Sämtliche Werke. 'Stuttgarter Ausgabe', hrsg. v. ..., Bd. 1 - .., Kohlhammer-Verlag, Stuttgart u.a. 1968
  4. Pabst, Reinhard: Hölderlins Verrückung. Neueste Erkenntnisse über die Ausgrenzung eines Dichtergenies. In: Focus 49/1998, S. 142-146
  5. Bertaux, Pierre: Friedrich Hölderlin. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt/M. 1978

Samstag, 21. November 2015

"Das verächtlichste Geschöpf unter der Sonne ist der Mensch ohne Sehnsucht"

Weitere Lesefrüchte aus Peter Sloterdijk "Du musst dein Leben ändern"

Der Beitrag über das Buch von Peter Sloterdijk "Du musst dein Leben ändern" (2009) hier auf dem Blog (GA-j!, März 2015) sollte nur ein Einstieg in die Thematik sein. Dieser Einstieg soll nach Möglichkeit hier auf dem Blog nach und nach mit weiteren Beiträgen ergänzt werden.

2009 - Sloterdijk - Du mußt dein Leben ändern
Im Vorgriff auf solche Ergänzungen sollen in diesem Beitrag einmal nur ein paar Zitate, Lesefrüchte aus dem Buch gesammelt und zusammengestellt sein. Zunächst ganz ohne weiteren Kommentar und ohne weitere Erläuterung:

- S. 288: "aretologische Anthropologie (das heißt eine Theorie, die den Menschen als das zu Tugenden fähige Lebewesen porträtiert)"

- S. 289: "Aristoteles wie Thomas von Aquin war es um die Erklärung der Möglichkeit des 'Tüchtigen in uns' gegangen, wenn nicht sogar des 'Guten in uns'. Sie begriffen die Gewohnheit, sofern sie gute Gewohnheit ist, als eine verkörperte Disposition, die den Handelnden zu tugendhaften Handlungen bereit macht."

Die Erläuterung ist an dieser Stelle notwendig: Hier ist nicht vom "Gutmenschen" die Rede. Nein, hier ist von tüchtigen Menschen die Rede. Von Menschen, die sich nach der Decke strecken und sich in ihren Handlungen nicht in erster Linie nach den Meinungen anderer richten.

- S. 290: "Der Mensch als Artist der 'virtus' " (der Tugend) "tut das fast Unmögliche, das Beste, als sei es das Leichte, Spontane, Natürliche, das sich nahezu von selbst einstellt."

Was für ein schöner Satz!

- S. 291: "Menschsein als eine Artistik des Guten"

Solche Sätze haben das Potential, lange nachzuwirken.

- S. 293: "Nietzsches Programm, die Askesen zu 'positivieren' "

Welch schöner Gedanke! Das Christentum vom Kopf auf die Füße stellen! 

- S. 278: "Das verächtlichste Geschöpf unter der Sonne, (...) der Mensch ohne Sehnsucht"

- S. 279: Für Nietzsche gab es "Publikum" und "Freunde": "Zum Publikum gehört, wer fähig wäre zu fragen: Und was habe ich davon, wenn ich über mich hinausgehe?"

- S. 280: "Bedingungsloses Bekenntnis zum Primat der Vertikalen".

- S. 281: Habermas, "dessen Publikationen zur Theorie des kommunikativen Handelns ebenfalls wie Merkblätter zum Endausbau von Basislagern in ebenen Gegenden gelesen werden können".

Ein starkes Programm: Sloterdijk teilt die Denker der Vergangenheit und Gegenwart ein in "die verächtlichsten Geschöpfe unter der Sonne", die "Menschen ohne Sehnsucht" - z. B. Habermas, Wittgenstein, Heidegger (zumindest der Tendenz nach, zumindest in ihren Altersphasen). Und in Menschen, die sich bedingungslos "zum Primat der Vertikalen" bekennen. Zum Beispiel: Friedrich Nietzsche, Thomas von Aquin, Aristoteles. Ach, diese große Sehnsucht nach dem Vertikalen im "Delta der Beliebigkeit".

Samstag, 7. November 2015

Was denn? - Das "Zweite Deutsche Fernsehen" sagt Euch doch, was los ist ...

Klar und deutlich im Zweiten Deutschen Fernsehen benannt:
Der "große Plan": Das Chaos weltweit - Die Schuldigen des gegenwärtigen Menschheitsverbrechens und derjenigen seit 100 Jahren
Was wollt Ihr eigentlich noch mehr?

Alles - wirklich alles - was zur gegenwärtigen Flüchtlingskrise zu sagen ist, wird gesagt in "Die Anstalt" vom 20. Oktober 2015 in den zehn Minuten zwischen der 29. und 39. Sendeminute (Yt).


Im "Zweiten Deutschen Fernsehen" anlässlich einer der seltenen Gelegenheiten, bei denen man mit Genugtuung darauf zurück blickt, dass man seine GEZ-Gebühren bezahlt, und dass die von uns bezahlten Journalisten einfach ihrer Pflicht nachgehen. Weiter nichts.

- Ob das, was da gesagt wird, auch bei der Pegida in Dresden angekommen ist? Und ob jetzt endlich - alle gemeinsam: die Deutschen, die Syrer, ... - auf jene hinweisen, die eigentlich schuldig sind, anstatt sich in Talkshows gegenseitig metaphorisch - und auf den Straßen tatsächlich - die Schädel einzuschlagen, Autos und Häuser anzuzünden? Ob jetzt alle verstanden haben, wie die Losung lauten muss: Syrer und Deutsche - an einen Tisch und zusammen gegen den US-Faschismus! - ?

Ob sich - wie in der "Anstalt" gespielt - wenigstens die CSU in Bayern nun endlich um diese Dinge kümmert? Ob man merkt, dass die großen Medien außerhalb von "Die Anstalt" bei diesem Spiel aber trotzdem immer weiter mitmachen? (Aktualisierung 21.11.15: Nach den Terroranschlägen von Paris natürlich wieder einmal in gnadenloser Schonungslosigkeit vor Augen geführt: Als ob Verlautbarungen von Geheimdiensten - Geheimdiensten - und von denen angestellter Innenminister nicht zu hinterfragen wären. Das ist so lächerlich, dass einem die Worte fehlen. Als wären Journalisten unfähig, eins und eins zusammen zu zählen.)

Die Fortsetzung des Zweiten Weltkrieges mit anderen Mitteln

Es sei hier noch wörtlich wiedergegeben das in der Anstalt gebrachte Interview mit dem amerikanischen General und vormaligen *demokratischen* Präsidentschaftskandidaten Wesley Clark (geb. 1944 unter dem Familiennamen Kanne) (engl.). /Kurz zu seinem Hintergrund: Er stammt väterlicherseits aus der jüdisch-russischen Familie Kanne/Kohen, also einer Rabbinerfamilie, mütterlicherseits von einer Methodistin englischer Herkunft. Weshalb sein Sohn sagte, die Heirat, aus der sein Vater 1944 hervorgegangen ist, sei "about as multicultural as you could've gotten in 1944". Da der biologische Vater 1948 starb, wurde Clark von seinem späteren Stiefvater adoptiert, wodurch er den Familiennamen Clark erhielt. Anlässlich seiner Heirat konvertierte Clark übrigens zum Katholizismus./

Das von "Die Anstalt" gebrachte Interview stammt aus dem März 2007 und wurde von einer Frau Amy Goodman geführt. Dieser erzählte also der gute Herr Clark (Yt.):
Ungefähr zehn Tage nach dem 11. September 2001 ging ich durchs Pentagon und ich sah Minister Rumsfeld und seinen Stellvertreter Wolfowitz. Ich ging die Treppe hinunter, um einige Leute der begleitenden Mannschaft zu begrüßen, die einmal für mich gearbeitet hatten und einer der Generäle rief mich an und sagte: "Sir, Sie müssen zu mir rein kommen und kurz mit mir sprechen!" Ich sagte, wir seien zu beschäftigt, doch er sagte: "Nein, nein," er sagte: "Wir haben die Entscheidung getroffen, Krieg im Irak zu führen!" Das war um den 20. September. Ich sagte: "Wir führen Krieg gegen den Irak? Warum?" Er sagte: "Ich weiß es nicht!"
Lachen des Publikums. Es sei hier wiederholt: Lachen des Publikums. Clark selbst lächelt einigermaßen süffisant. Und er erzählt weiter:
Er sagte: "Ich schätze, sie wissen einfach nicht, was sie sonst tun sollen!" Ich sagte: "Haben sie denn Informationen gesammelt, die Al Quaida mit Saddam Hussein in Verbindung bringen?" Er sagte: "Nein, nein! Da ist nichts Neues in dieser Richtung, sie haben einfach die Entscheidung getroffen, Krieg mit dem Irak zu führen!" Er sagte: "Ich schätze mal, es ist so, dass wir nicht wissen, was wir wegen der Terroristen machen sollen, aber wir haben ein gutes Militär und wir können Regierungen platt machen." Er sagte: "Ich schätze, wenn das einzige Werkzeug, das man hat, ein Hammer ist, dann sieht jedes Problem aus wie ein Nagel."
Angeregte Amüsiertheit im Publikum. Sie kommt dem Herrn Clark offenbar nicht unerwartet, er reagiert auf sie nicht konsterniert, sondern sagt weiter:
Ich kam einige Wochen später zurück, um ihn wieder zu sehen, als wir bereits Afghanistan bombardierten und ich sagte: "Wollen wir immer noch Krieg gegen den Irak führen?" Und er sagte: "Oh, es ist noch schlimmer als das." Er griff unter seinen Schreibtisch, nahm ein Papier hervor und sagte: "Ich habe das gerade von oben, vom Verteidigungsministerium bekommen und das ist ein Memorandum, das beschreibt, wie wir sieben Länder innerhalb von fünf Jahren ausschalten, angefangen mit dem Irak, dann Syrien, Libanon, Lybien, Somalia, Sudan und am Ende den Iran."
Dieser kurze Interview-Ausschnitt gehört also an zentrale Stelle in eine Neuauflage von "Kritik der zynischen Vernunft" von Peter Sloterdijk. Offenbar erwartet niemand, weder der Herr Clark, noch seine Interviewerin, noch das Publikum einen Aufstand, wenn so unverhohlen und öffentlich über solche Menschheitsverbrechen gesprochen wird. Was haben wir denn da gerade gehört? Wir haben Herrn Stalin zugehört dabei, wie er beschließt, Menschen umzubringen. Wir haben gerade Herrn Hitler und Herrn Goebbels bei einem Gespräch zugehört. Wir haben sie lachen gehört. Oder was? Sind derartige Entscheidungen etwa nicht mit Not und Elend, mit dem Opfer von zehntausenden von Menschenleben, mit dem Untergang von Staaten und Regierungen beschäftigt? Aber das Publikum lacht amüsiert. Man ist ja schon froh, dass da während des Interviews jemand in der deutschen Sendung "Die Anstalt" einigermaßen konterniert in die Kamera schaut. Dieser gute Herr Clark sagte auch (federaljack):
Wir haben die Untersuchungen zu 9/11 niemals beendet und die Frage, ob die Administration die Informationen missbraucht hat, die ihr vorlagen. Der Augenschein diesbezüglich ist mir ziemlich klar. Und zwar schon seit langer Zeit.
Solange keine deutsche Regierung, auch keine deutsche Landesregierung - wie von "Die Anstalt" angeregt - diese Dinge aufgreift und thematisiert, auch keine europäische Regierung, auch keine führenden Persönlichkeiten der Europäischen Union, solange die Medien über diese Dinge nicht pausenlos sprechen - so wie sie über andere Dinge - aha! - pausenlos sprechen: solange kann  man diese alle immer nur Lakaien der US-Regierung nennen. Es sind Regierungskriminelle, Kriminelle einer herrschenden Elite wie die US-Regierung selbst. Sie arbeiten Kriegsverbrechern und Kriegsverbrechen zu, sie arbeiten Menschheitsverbrechen zu. Und brüsten sich in den Westen von "Saubermännern", "Gutmenschen". Umkehrung aller Werte! Hier wird sie betrieben. Hier steht sie uns vor Augen. - Wollen wir das?

Duckmäuser und Lakaien der US-Regierung - weltweit

Und es geht ja noch weiter: Das, was die US-Regierung hier macht, ist doch nur die Fortsetzung ihres Eingreifens in zwei Weltkriege (1914 bis 1945) und unzählige Nachfolgekriege. So wie wir es hier auf dem Blog schon oft gesagt haben. Es drängt sich also doch überdeutlich und ganz zwanglos auf, dass die gegenwärtige Flüchtlingskrise in Europa die Fortsetzung des Zweiten Weltkrieges mit anderen Mitteln ist. Also, werden wir deutlich: die Vollendung des Morgenthau-Planes, nur um siebzig Jahre verzögert und mit etwas subtileren Mitteln, etwas subtileren als ursprünglich vorgesehen: "Germany must perish", Deutschland soll zerstört werden - und alle anderen großen, gewachsenen Völker der Nordhalbkugel mit ihm. Innerhalb der Eliten würde man so langfristig nicht denken und planen? Das blöde Volk, das so langfristig nicht denkt und nicht denken soll, soll ganz bestimmt in dem Glauben gehalten werden, dass Eliten so langfristig nicht denken und handeln würden. Das ist sicher.

Was soll dieses Hervorrufen von Regierungsumstürzen, Krieg und Chaos weltweit anderes sein als ein Werk von elitären Satanisten? Wir sind umstellt von Kulissen, die uns "gut" und "böse" zeigen nach deren Gutdünken. Und alle machen mit.

Dienstag, 27. Oktober 2015

Heute einmal ein Gemälde

Heute einmal ein Gemälde. "Der barmherzige Samariter". Von Vincent van Gogh.

Abb. 1: Vincent van Gogh - Der barmherzige Samariter
Warum? Weil wir schwach sind. Vollkommen hilflos sind. Weil der Einbruch des Göttlichen in unsere Welt uns schon so ungewohnt ist, dass dieser allein schon, für sich genommen, alles zerplatzen lässt. Alles zerplatzen lassen kann.

Ich weiß, jetzt kommen die Leute daher und werden sagen, ich würde "esoterisch" reden. Einen Dreck tue ich. Das Göttliche existiert. So wie die Liebe existiert. Und so wie Leben existiert. Und wenn wir uns dem Göttlichen hingeben, sind wir - heute - gefährdeter als jemals.

Man probiere es doch aus. Möge man doch sehen, ob man es hinkriegt! Nein, die meisten kriegen es nicht hin. Und weil sie das schon vorher wissen, probieren sie es erst gar nicht aus. Was? Na: Den Einbruch des Göttlichen in unsere Welt zuzulassen. Ihn anzunehmen, ihn zu hegen und zu pflegen.

Man tue es doch. Wenn wir irgendwo davon sehen oder hören, sollten wir uns gegenseitig davon berichten.

(Man glaube bloß nicht, dass das in irgendwelchen "Selbsterfahrungsseminaren" stattfinden würde. Merkt man denn nicht, wie Gott - das Göttliche - metaphorisch gesprochen über solche in ein schallendes Gelächter ausbricht?) (Eher schon scheinen die Inhalte der Bücher von Peter Sloterdijk zumindest nicht im Widerspruch zu stehen mit der hier gemeinten Zulassung des Einbruchs des Göttlichen in unsere Welt. Wenn er auch vielleicht die Spontaneität, sprich die notwendige Freiheit eines solchen Geschehens, den notwendigen "Spielraum" für dieses Geschehen vielleicht noch nirgendwo ausreichend herausgearbeitet hat.)

Derartige Dinge werden es sein, die künftig häufiger auch hier auf dem Blog erörtert werden soll(t)en. Wenn es denn möglich ist. Wenn also die Kraft dazu hinlangt.

Denn: "Das Politische" ist heute weit weg. Viel zu weit weg. Dort treffen doch - heute - nur noch, wohin man blickt, ganz ungöttliche, uninspirierte Gegensätze aufeinander. Dümmlichkeit trifft auf Dümmlichkeit, jeweils zumeist bodenlose. Und sie ziehen sich gegenseitig noch tiefer hinunter. In die Gottferne.

Abb. 2: A. Paul Weber - Flucht in die Liebe (1942)
Gibt es nicht dieses Bild von A. Paul Weber "Flucht in die Liebe" betitelt? Wo der Narr, der wir alle sind, der wir geworden sind, auf einer nächtlichen Brücke sitzt, vielleicht dem Canal grande in Venedig, von beiden Seiten von finsteren Gewalten bedroht? Und wo unter ihm, unter der Brücke ein Kahn daher kommt, gesteuert von einem jungen Mädchen? Oder von einer jungen Frau? Und in den er, der Narr, im letzten Augenblick hinein springen wird - bevor diese finsteren Gestalten und Gewalten ihn verschlingen? Eine andere Lösung gibt es nicht.

Noch nie hat es eine andere Lösung gegeben.

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Lasst sie nicht abreißen! - Die kulturelle und genetische Tradition

Begreift Euch als Erben!
Eine Lesehilfe zu Peter Sloterdijk's neuestem Buch "Die schrecklichen Kinder der Neuzeit" (2014)

Abb.: Peter Sloterdijk, 2009
Foto: Kurt Steinhausen (CC BY-SA 3.0 DE)
In einem Gespräch bemängelte Daniel, dass ein Buch wie "Die schrecklichen Kinder der Neuzeit" von Peter Sloterdijk es dem Leser nicht leicht genug machen würde, sich auf seinen Inhalt überhaupt nur einzulassen. Es würde zu oft eine zu schwierige, nicht leicht zugängliche Sprache verwendet, schon im Eingangssatz des Buches. Ja, warum sagt Sloterdijk nicht von Anfang an klar und deutlich, worum es ihm eigentlich geht? Warum verschlüsselt er sprachlich erst noch einmal das, was er gedanklich zu entschlüsseln sucht?

Auch ich musste erst lange in dem Buch lesen, bevor ich überhaupt glaubte, verstanden zu haben, worum es in dem Buch geht. Um einen Standpunkt zu gewinnen, an dem man sich "festhaken" kann, ab dem man seinem größeren Gedankengang überhaupt "folgen" kann. Und wenn man so über die Amazon-Rezensionen zu diesem Buch liest, hat man das Gefühl, dass die meisten Rezensenten noch nicht einmal den wesentlichsten Grundgedanken dieses Buches begriffen haben. Vielleicht reibt sich ja Sloterdijk dabei die Hände und ist froh darüber? Vielleicht will er gar nicht verstanden werden? Man weiß es nicht.

Nachdem man das ganze Buch aber einmal quer - und sich an der einen oder anderen Stelle fest - gelesen hat, nachdem man eine Nacht darüber geschlafen hat, ist einem - so möchte man meinen - der Ort jetzt einigermaßen klar, von dem ausgehend man die Lektüre angehen kann. Im folgenden soll versucht werden, diesen Ort zu benennen.

Worum geht es?

Es geht hier um das, um was es schon Konrad Lorenz in "Die acht Totsünden der zivilisierten Menschheit" ging. Nämlich um eine der schon von Konrad Lorenz benannten "acht Totsünden", um den Abbruch der Tradition, der Kontinuität. Dass die "Kinder der Neuzeit" sich des geistigen Erbes der Neuzeit, der Aufklärung, des Abendlandes gar nicht mehr vollumfänglich bewusst sind. Dass sie seine "Last" und seine Freuden nicht tragen wollen, sich diesen nicht verpflichtet sehen. Und das sowohl (!) auf genetischer wie (!) auf kultureller Ebene. Dass ihnen zunehmend mehr - - - "alles egal" wird.


Auf unserem Google-Plus-Profil hatten wir schon im Februar dieses Jahres auf ein auf Youtube dankenswerter Weise endlich veröffentlichtes Video hingewiesen "Konrad Lorenz - Bemerkungen zu Kultur und Evolution (1977)" (Youtube) und dazu geschrieben:
Lorenz spricht hier von der Gefahr unserer Kultur, wie eine Kerzenflamme auszulöschen, weil die junge Generation - manipuliert wie sie ist - eine ganz andere und neue schaffen will. 
Das sind genau "die schrecklichen Kinder der Neuzeit", von denen Peter Sloterdijk spricht. Auch wenn er sich leider nicht immer so deutlich ausdrückt wie hier Konrad Lorenz. - - - Man möchte übrigens meinen, der Leser würde - heutzutage - nichts Verkehrtes tun, wenn er sich als das gegenwärtig bekannteste Gesicht eines "schrecklichen Kindes der Neuzeit" das Gesicht von Angela Merkel vor Augen hält. Denn wie wichtig sind ihr, der angeblich "konservativen" Politikerin, noch kulturelle und genetische Kontinuität in Deutschland? Und in Europa? Haben sie für sie noch irgendeinen Stellenwert? Oder zerbröselt dieser Stellenwert gerade unter unseren Händen? Und gerade durch die Politik dieser Frau? (Man fühlt sich fast an den "notwendigen" "grünen" Kriegsminister Joschka Fischer erinnert, damit Deutschland Krieg führen konnte ohne zu viel parteiinternen - und damit auch außerparlamentarischen - Widerstand hervorzurufen. Unter der - - - "hedonistischen Linken", sprich, der zu Tode amüsierten und verwöhnten. In gleichem Sinne ist heute eine "konservative" Bundeskanzlerin "notwendig", um die parteiinternen und außerparlamentarischen Widerstände in der billigsten Weise auf kleiner Flamme zu halten. Und die Medien "gaukeln" uns vor, als gäbe es "Debatten" unter den etablierten Politikern um diese Dinge. Ja, "Debatten" schon. Monate lang. Doch wie schön: Ändern tut sich nichts. Terrormanagement in Paris sei Dank.)

Leben muss "reich" genug aufgefasst sein
Sloterdijk stellt in der "Vorbemerkung" dar, dass die geistige und moralische Welt des christlichen, augustinischen Europas auf dem Gedanken der Erb-Sünde beruht. Dass "Erbe" also als Sünde angesehen wird. Was für ein ungeheuerlicher Gedanke. Und dass die Ursünde ein - - - unhintergehbares "Erbe" ist. Darüber wäre wohl noch viel zu sagen. Und Sloterdijk tut das auch. Er stellt dann dar (S. 20), dass Denker der Aufklärung wie Immanuel Kant oder Friedrich Schiller diesen Gedanken der Erbsünde ins Positive gewendet haben. Dass sie die "Vertreibung aus dem Paradies" des mythischen Denkens des Menschen als notwendige Voraussetzung angesehen haben, dass sie die Arbeit der Vernunft und die "Arbeit des Begriffs" auf sich genommen haben - wie das Hegel (als Schüler Hölderlins) formuliert hat. Nietzsche hat dann den Begriff der Ursünde - so Sloterdijk - ganz beiseite geschoben. Und dann kommt so ein Satz, der sicherlich anspielt auf den Grundgedanken des Buches von Sloterdijk überhaupt (S. 22):
An die Stelle der Erbsünde tritt bei den Menschen der Neuzeit die janusköpfige Entdeckung des realen Erbes als Last und Chance. (...) Wo große Lasten zu tragen sind, dürfen entsprechende Vorteile nicht fehlen.
Sloterdijk spricht von großen Lasten und das erinnert in vielem an Grundgedanken seines Buches "Du musst dein Leben ändern". Dort wird ja ebenfalls auf die Last und die Mühe hingewiesen, die es bedeutet, sein Leben umzustellen und zu ändern, sich zu "trainieren", um die notwendigen (natürlich kulturellen) Leistungen erbringen zu können. Der "Vorteil" des Glaubens an die Erbsünde ist das "Leben nach dem Tod", so Sloterdijk. Und als den größten Ausgleich gegenüber der Last des Erbes sieht Sloterdijk dann für den modernen Menschen, der an dieses Leben nach dem Tod nicht mehr glaubt:
Wer modern empfindet, stimmt ohne langes Nachdenken der Forderung zu, das Leben in der Immanenz sollte reich genug aufgefasst werden, um alles, was vormals in der Transzendenz unterzubringen war, in seinen eigenen noch längst nicht ausgemessenen Umfang aufzunehmen.
Ein sicherlich begeisternder, wertvoller Gedanke. Man kann auch sagen, dass er übereinstimmt mit der Philosophie Mathilde Ludendorffs. Auch sie stellt die Forderung auf, dass der "Triumph des Unsterblichkeitwillens" des Menschen darin besteht, dass dieser seine Erfüllung, seinen "Reichtum" findet nicht in einem Leben nach dem physischen Tod, sondern nur vor demselben.

Die Gefahr des Abbruchs der kulturellen und genetischen Tradition

Sloterdijk denkt einfach, so wurde schon angedeutet, die Fragestellungen und Gedanken von Konrad Lorenz in "Die acht Totsünden der zivilisierten Menschheit" und in "Der Abbau des Menschlichen" weiter. Vielleicht ganz ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Da eben in bestimmten kulturgeschichtlichen Situationen Menschen von ganz unterschiedlichen gedanklichen Ausgangspunkten und Lebenserfahrungen zu ähnlichen Ergebnissen im Nachdenken kommen. Die einen (M. Ludendorff) schon 1921 (sie sprach von der "Todesnot des Gottesbewusstseins auf unserem Planeten"), andere (K. Lorenz) 1970 - und noch einmal andere (Sloterdijk) 2014. Sloterdijk konstatiert für den modernen Menschen (S. 23f):
Eher möchte man glauben, die Erblichkeit als solche erscheine jetzt als ein Makel, gegen den die Modernen sich auflehnen. Sie weisen immer öfter zurück, was sie an alten Mitgiften bedrückt - ob es die Verklavung durch biologische Determinierungen ist ...
So muss man es nicht nennen. So hat es Konrad Lorenz in der Regel nicht benannt. An dieser Begriffsverwendung wird erkennbar, dass Sloterdijk sich mit unserem biologischen Erbe und dem Wissen um dieses noch nicht genügend beschäftigt hat. Aber in den weiteren Ausführungen wird deutlich, dass der Begriff "Versklavung" bei Sloterdijk so eng nicht gefasst ist und auch auf solche Bereiche angewandt wird, in denen die notwendigen Spielräume und Freiheit mit inbegriffen sind:
... oder die Prägungen durch Klasse, Schule, Kultur und Familie. Dass solche "Versklavungen" (...) zugleich positive Bedingungen konkreten, geglückten, bestimmten Lebens sein könnten, mögen die Agenten der Losreissung nicht gerne wahrhaben. (...) Wo immer das Interesse an Enterbung und Neubeginn aufflammt, stehen wir auf dem Boden der authentischen Moderne.
Sloterdijk ist also auch im Jahr 2014 noch - oder wieder - mit jenem Traditionsabbruch beschäftigt, der das erste mal im Zusammenhang mit der Studentenrevolte  von 1968 vielen Menschen bewusst wurde ("Der Muff von tausend Jahren unter den Talaren" etc.). Der den Menschen aber schon in den Umbruchsjahren 1914, 1918, 1933 und 1945 erfahrbar geworden war. Damit mag ein oder sogar der wesentlichste Ausgangspunkt genannt sein, von dem ausgehend man dieses Buch verstehen kann. Im letzten Satz des Buches nimmt Sloterdijk Bezug auf einen Satz der Mutter von Napoleon über ihren Sohn, der da lautete "Wenn das nur auf die Dauer gut geht" und schreibt:
Schon zur Zeit seiner Formulierung war der Ausspruch mehr ein Bannwort gegen nahendes Unheil als ein Zeugnis der Zuversicht. Den schrecklichen Kindern der Neuzeit vermittelt er den Wink, es könne nicht schaden, sich in der verlernten Kunst des Dauerns zu üben.
"Sich in der verlernten Kunst des Dauerns zu üben". Sprich: Kinder zu haben, Tradition weiter zu geben, Gene weiter zu geben, Kultur weiter zu geben, den kulturellen Zusammenhang eines Volkes, einer Sprachgemeinschaft, einer Kultur über die Generationen hinweg und über die Klassen und Schichten hinweg zu wahren. Also sich in der durch die 1968er Generation verlernten Kunst zu üben, kulturelle und genetische Traditionen und Kontinuitäten nicht abreißen zu lassen.

Das Kapitel 1 ist dann dem Satz der Madame Pompadour gewidmet nach der französischen Niederlage gegen Friedrich den Großen in der Schlacht bei Roßbach: "Nach uns die Sintflut". Auch sie wird als ein "schreckliches Kind der Neuzeit" aufgefasst. Besonders spannend mag man auch Ausführungen finden im flapsig betitelten Kapitel "Im Copy-Shop der Evolution". Man mag es schade finden, dass schon in dieser Begriffsverwendung das Wunder der Evolution - also der Immanenz - bei Sloterdijk oft etwas abgewertet klingt. Sei es jedoch drum. Er spricht hier auch von vielem, was in allen traditionellen Völkern der Weltgeschichte selbstverständlich war. Nämlich dass man in kulturellen und genetischen Erben fortleben wollte. Und wie dieser Wille im einzelnen zum Ausdruck gekommen ist.

Spannend sind auch die vielen Ausführungen in diesem Buch zum "Bastard-Problem". Also zu dem Problem von als "illegitim" empfundenen Erben. All das ist es sicherlich wert, dass man es sich - ausgehend von dem hier genannten Grundgedanken - noch einmal sehr genau anschaut.

Wirkungsgeschichte des Buches in Amazon-Rezensionen

Von der oben geäußerten Kritik an den Amazon-Rezensionen möchte man die von F. Grossmann ausnehmen. Wir befinden uns im "Delta", sagt er mit Sloterdijk, wo kulturelle Traditionen,
die sich einst aus – jeder nach seiner Art - quicklebendig dahin sprudelnden Bächen und Flüssen speisten, zu behäbig auslaufenden Gewässern werden, Sumpflandschaften entstehen lassen, bevor sie ganz im konturlosen ozeanischen Einerlei aufgehen.
Dagegen lehnt sich Sloterdijk auf. Indem er diesen Vorgang einfach erst einmal nur analysiert und benennt. Vor dem Hintergrund des großen geistigen Erbes des Abendlandes. Schön - und im Geist von Sloterdijk - formuliert. Zumindest ehrlich auch ein Peter Oberschelp:
Sloterdijks sprachverliebte Art der Vortrags wirkt kurzfristig belebend, dann aber bald ermüdend, so dass man nur in kurzen Schüben vorankommt. Am Ende fällt es schwer, sich über den Ertrag der Lektüre klar zu werden.
Aber auch bei Durchsicht dieser zum Teil sehr belesenen und intelligenten Amazon-Rezensionen möchte man meinen, dass man Sloterdijk erst dann mit dem größten Verständnis liest, lesen kann, wenn man ihn vor dem Hintergrund der Philosophie von Mathilde Ludendorff liest und vor dem Hintergrund der heutigen Erkenntnis in der Humangenetik, dass die Humanevolution bisher immer in Völkern stattgefunden hat.

Freilich auch in neuen Volkwerdungen  (Ethnogenesen) nach dem Untergang großer Völker und Kulturen, nach dem weiträumigen Abbruch von genetischer und kultureller Tradition (siehe Buchtitel wie "collapse of complex societies"). Die Evolution arbeitet mit beidem. Und es gilt möglicherweise, sehr genau zu prüfen, ob es gegenwärtig das Ziel der Evolution sein kann, die Völker des Abendlandes untergehen zu lassen, damit in dem dann leer werdenden Raum genetisch und kulturell gänzlich neue Völker entstehen können, Völker, die auch genetisch besser an die Herausforderung moderner Zeiten angepasst sind. Aber zumindest mir geht es so: Wenn ich Hölderlin lese, kann ich es nicht glauben, dass das das Ziel der Evolution ist.

Nichts von den Verheißungen, von den sicheren Erwartungen, die in der Dichtung Friedrich Hölderlins enthalten sind, ist bis heute in Erfüllung gegangen.

Montag, 12. Oktober 2015

Ein Wort zu Religionswissenschaftler Michael Blume

Mein Unglauben darüber, dass den heutigen Eliten und Meinungsführern ihr Ausschalten der Vernunft wirklich noch dauerhaft Spaß machen kann

Fantasie statt Verblödung! (2012)*)
Am 25. September 2015 veröffentlichte der von uns auf rein sachlicher Ebene so sehr geschätzte Religionswissenschaftler Michael Blume auf den Scilogs einen Blogartikel mit dem Titel "Führt (Verschwörungs-)Verbloggung auch zu Verblödung?"

Eine wirklich tolle Frage. Sie sei deshalb wiederholt: "Führt (Verschwörungs-)Verbloggung auch zu Verblödung?" Wir haben von unserer Seite dort kommentiert und das kann man ja dort auch nachlesen. Aber es ist doch weiterhin auch interessant zu beobachten, wie Michaels Schmerzgrenze im Laufe der Monate sich immer mehr verändert. Man sollte vielleicht einmal alle Kommentare von unserer Seite sammeln, die er im Verlauf der letzten Monate nicht freigeschalten hat. Wo es doch sowieso nur so selten Versuche gab, solche dort abzugeben. Vielleicht wird da ein Muster erkennbar. Es fühlt sich jedenfalls immer deutlicher exakt so an wie die Schmerzgrenze eines Götz Kubitschek und seiner Freunde auf Sezession.de.

Allerdings muss sich doch Michael nun wirklich nicht wundern, wenn man bei ihm kommentiert. Oder sehe ich das falsch? Wenn er Blogartikeln so flapsige Überschriften gibt wie "Führt (Verschwörungs-)Verbloggung auch zu Verblödung?" Hallo?!?! Hat er etwa Sorge, dass er auch verblöden könnte, wenn er mit diesen Verblödeten verblödete Gedanken austauscht? Ich weiß es nicht.

... Wo er doch vor einigen Monaten erst entdeckte hatte, dass Verschwörungstheorie treiben auch sinnvolles "cheater detection" sein kann. Er scheint da wohl doch noch kräftig innerlich hin und her zu schwanken, wie er mit diesem geistigen Bereich der - - - "Verschwörungstheorien" umgehen soll.

Aufgrund der vielen "Restriktionen" in den letzten Monaten auf seinem Blog hatte ich nun leise Zweifel angemeldet, ob man als Kommentator auf seinem Blog überhaupt noch willkommen ist. Michael meinte dazu aber:
Du bist hier immer willkommen, solange Du Dich nicht in wirren Verschwörungstheorien (Satanisten, Vatikan, Freimaurer etc.) und Ausfällen gegen Demokratinnen und Demokraten verlierst.
Na gut. Aber will man dann wirklich noch zu der Party dazu stoßen? Nachdem man von dem Hausherrn so begrüßt worden ist? ... Ähm ....

Trotzdem bin ich mal wieder eingetreten und habe mich rechtfertigend auf weitere Kommentare eingelassen. Nun, der letzte war Michael dann wieder einmal zu viel. Und ich habe kein Verständnis dafür, dass er ihn nicht freigeschalten hat, schließlich war er ganz und gar zur Sache. Und trotzdem konnte er ihn nicht - "aushalten" - ?

Rumpelstilzchen

Er hatte nämlich gemeint, dass die katholische Kirche und der Papst selbst von dem Internet profitieren würden. Im Gegensatz sogar zur evangelischen Kirche. Da hat sich offenbar etwas verändert. Vor einigen Jahren haben der Leiter des Benediktiner-Ordens und andere sich wütend den Staat herbei gewünscht gegen - - - "Facebook-Demokratie" ... Nun hatte ich zu Michaels diesbezüglicher Euphorie folgenden Kommentar geschrieben, der dann aber offenbar doch wieder seine Schmerzgrenze überschritt:
Na, ich hätte da ja für diesen Umstand eher ne Verschwörungstheorie auf Lager, ;)
.... erläutert anhand der Vorgänge rund um die einstmals kräftig anschwellende Facebook-Gruppe "Generation Giordano", die, als sie wirklich brisant wurde (damals, anlässlich des Papst-Besuches in Deutschland) "plötzlich" zerschlagen wurde, "plötzlich" von inneren Richtungskämpfen lahm gelegt wurde (brisant auch deshalb, weil es darin zu viele gab, die auf der Seite von Sarrazin standen). Wer da noch glaubt, das wäre der liebe Gott gewesen, der durch Eingriffe seine Kirche geschützt hätte, der berücksichtigt nicht, dass die katholische Kirche - unter anderem - eine der geldmächtigsten Organisationen der Gegenwart ist ...
Solange man also nicht katholischerseits verborgen in der Opposition herumarbeitet, um Opposition zu sabotierten, wie einstmals "Unterwerfung tut wohl"-Autor Klaus Berger (VOR seinem Outing hätte man die Behauptung, er arbeite verborgen für die katholische Kirche, natürlich auch lachend zur Verschwörungstheorie erklärt), wenn es also nicht Rumpelstilzchen wie Klaus Berger gibt, hat die katholische Kirche im Internet-Zeitalter sehr schlechte Karten, würde ich sagen. Wurde mir jüngst auch wieder hier deutlich: Eine neue App lässt die Kirchenaustrittszahlen in Norwegen in die Höhe schnellen:
http://www.patheos.com/.../in-norway-an-app-that-makes.../
Die Rumpelstilzchen sitzen ja auch breit unter den "Neuen Rechten" wie Du sicher auch wissen wirst und wie ich gerade erst wieder an dem Ex-(?)Katholiken und Putin-Freund Alain de Benoist aufzeigen konnte. Die "Neue Rechte", unter denen Du Dich ja inzwischen auch bewegst, war früher in Deutschland synonym mit kirchenfrei. Da ist meines Erachtens geschickt gearbeitet worden, damit das heute dort so ganz anders ist.
Und da vertrete ich ja eben die These, dass das Nichtbetreiben von Verschwörungstheorien zu Verblödung führt.
Das war also ein Kommentar voll und ganz zur Sache des von Michael im Blogbeitrag aufgeworfenen Themas. Aber diese schlichten Ausführungen waren ihm schon wieder zu viel. Man muss erst selbst eine Weile nachdenken, was genau einem da jetzt eigentlich zu viel sein konnte? Er rechtfertigt sein Nichtfreischalten dann damit, dass er ja gar kein Katholik sei. Hatte ich das behauptet? Hatte ich sagen wollen, er sei ein Rumpelstilzchen? Mitnichten hatte ich das sagen wollen. Noch nicht mal einen Gedanken daran hatte ich. Aber warum reagiert er dann so empfindlich? Und betont, dass er kein Katholik sei?

Kann man das langfristig durchhalten?

Angesichts solcher Vorgänge komme ich zu folgenden Gedanken: Einerseits fühlt sich das schmerzhaft an, dass man mit Michael nicht mehr so fröhlich reden kann wie früher. Andererseits fühlt sich das - zumindest für mich - auch so an, als ob er sich in seiner Position den vorgebrachten Argumenten gegenüber nicht stark genug fühlt. So wie das auch bei den Leuten von "Sezession" der Fall zu sein scheint. Ob man es hier überall schafft, die hochgezogenen Mauern, sprich, die Nicht-Kommunikation durchzuhalten? Für mich fühlt es sich nicht so an, als könnte man das schaffen. Zumindest nicht langfristig. - - -

Ich möchte aber aus diesem Anlass einmal ganz grundsätzlich fragen: Ist es die christliche Religion, ist es der Monotheismus wirklich Wert, dass man um ihrer Verteidigung willen so viele Mauern hoch zieht, so viel Nicht-Kommunikation betreibt, seinem freien Denken und Urteilen so viel Beschränkungen auferlegt? Fördern die christliche Religion, die gegenwärtige Politik wirklich die Humanevolution? 

Wer kann das noch glauben? Kann das Michael glauben? So dass er schon vergleichsweise zaghafte Infragestellungen eines solchen Glaubens nicht freischalten kann? Ich glaube, man steigert sich hier immer mehr in eine künstliche Haltung hinein. Die zumal auch den Agierenden bewusst ist und die ihnen bewusst sein muss.

Ist denn dort nicht einfach einmal nur das Bedürfnis da, frei zu sein? Einfach fröhlich zu agieren? Im Denken? Im Austausch von Gedanken? Und nicht durchstilisiert? Das Bedürfnis, nicht ständig nur sorgenvoll die Stirn in Falten zu legen oder krampfhaft vor das Mikrofon zu treten mit so außerordentlich hohlen Phrasen wie "Wir schaffen das". - ?

Soll dieses - vielleicht auch im eigenen Innern spürbare - Bedürfnis nach Freiheit einfach erstickt werden, zugedeckt werden durch massenhafte Zuwanderung, so dass sich solche Erörterungen schließlich von selbst erledigen angesichts der massiven und viel zu banalen Probleme, die solche merkwürdigen Zuwanderungen mit sich bringen? Lassen sich darauf denkende Menschen mit dem wissenschaftlichen Bewusstseinsstand des frühen 21. Jahrhunderts wirklich ein?

Ich, also: ich, ich glaube es nicht. Ich glaube es nicht. Und ich rufe einfach einmal wieder: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt! Es ist an der Zeit.
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*) Keine Kaufempfehlung. Ich fand nur es ist eine schöne bunte Illustration. Ich hab es noch nicht gelesen. Zumindest kommt in dem Titel noch nicht der Begriff Verblödung vor, sondern der schöne Begriff .... "Phantasie". ;)
Nachbemerkung: Wie verständlich geworden sein wird, ist Michael hier nur ein Aufhänger für mich für ein wesentlich allgemeineres Thema. Ich greife ihn hier heraus, weil ich ihn für einen der vergleichsweise gebildetsten Gesprächspartner halte mit dem vergleichsweise weitesten Horizont. Dieser Beitrag soll nicht dazu dienen, dass sich möglichst viele Menschen kritischerweise auf Michael "einschießen". Viel eher: Lest seine Bücher, ihr könnt viel aus ihnen lernen. Und wenn ihr genug gelernt habt aus ihnen: Denkt die Bücher weiter. Zieht noch andere Schlussfolgerungen aus ihnen als er. Aber lasst ihn ansonsten - bitte - in Ruhe. Macht ihn nicht zur "Zielscheibe" oder was auch immer. Es scheint nämlich auch eine der Strategien zu sein, Atheisten - oder wen immer - gegen Michael "aufzuhetzen". Das ist einfach nur Blödsinn. Meist sind die, die Michael kritisieren, wesentlich dümmer und mit engerem Horizont ausgestattet als er. (Auch für letzteren Umstand will ich hier nur - stellvertretend - den Leiter des "Humanistischen Pressedienstes" Frank Navissi [Nicks Bloghaus] nennen.)

Sonntag, 11. Oktober 2015

Alain de Benoist - Ein rechtskonservativer Hijacker

Ein zweiter, ergänzender Teil zu dem vor vier Tagen erschienenen Beitrag über Alain de Benoist

Benoist und ein Völkermörder (2014)
Menschen, die so leicht zu "entlarven" sind wie Alain de Benoist (siehe Teil 1), haben natürlich so ihre eigene Lebensproblematik. So sagt Benoist über sich (1, S. 336f):
Mir ist sogar vorgeworfen worden, ich hätte mich aus rein strategischen Gründen für eine Laufbahn als "Intellektueller" entschieden. (...) Diejenigen, die Spekulationen über das "Ungesagte" und über "heimliche Absichten" anstellen, haben nicht die geringste Ahnung davon, was geistige Arbeit ausmacht.
Das mag man durchaus als ein starkes Argument ansehen. In der Tat kann man kaum glauben, dass ein so breites geistiges Bemühen, ein solches Lebenswerk wie das Seinige allein oder vornehmlich aus dem Antrieb heraus unternommen worden sein soll, ganz gegenteilige "heimliche Absichten" damit verbunden zu haben.

Andererseits muss man sich aber auch sagen, dass er damit sicherlich nicht der einzige wäre. Wir haben schon viele solcher "Logen-Ideologen" und "Hijacker" hier auf dem Blog behandelt, die man ähnlich einordnen kann. Und immerhin kann - wird und muss - das geistige Interesse selbst eines solchen Ideologen und ideologischen Kulissenschiebers an sich ja auch echt sein. Aber ein solches kann dann eben auch "stilisiert" werden, indem man Dinge, die einen persönlich tatsächlich sehr interessieren, unveröffentlicht lässt, nicht mehr "in den Vordergrund rückt" und herunterspielt und dafür andere, von denen man weiß, dass sie eigentlich verquastet und mehr oder weniger sinnlos sind, bewusst mehr in den Vordergrund rückt. Benoist scheinen nun Sätze wie die folgenden flüssig aus der Feder zu fließen:
Ein Intellektueller, der das Gegenteil von dem sagt, was er denkt, verleugnet sich selber. (...) Sich einzubilden, ich könnte aus "strategischen" Gründen das Gegenteil von dem sagen, was ich denke, ist ungefähr so intelligent wie zu behaupten, Freud habe nicht an das Unbewusste geglaubt oder Marx sei in Wirklichkeit ein großer Fürsprecher des Kapitals gewesen!
Nun. Wir glauben, dass Benoist auch diese Worte unüberlegt ausgesprochen hat und schlichtweg selbst bei genauerer Überlegung an sie nicht glauben kann. Man kann diese Worte deshalb sehr - "interessant" finden. Interessant nämlich in Zeiten, in denen gerade - und das weiß doch auch der belesene Benoist - Freud und Marx 1998 durch Kevin MacDonald in "Eine Kultur der Kritik" die heimliche Verfolgung gruppenevolutionärer Strategien nachgewiesen wurde. Dieses Buch von Kevin MacDonald ist eben ein rundum entlarvendes für all die Dinge, die im geistigen Raum möglich sind in der Verfolgung verborgener gruppenevolutionärer Strategien. Ich denke deshalb, dass die gruppenevolutionäre Strategie, die hinter dem Agieren von Leuten wie Alain de Benoist steht, so schwer nun ebenfalls nicht zu durchschauen sein kann. Ähnlich wenig schwer eben wie derjenigen, die hinter dem Agieren von Leuten wie Freud oder Marx steht.

Man lernt aus den Lebenserinnerungen von Alain de Benoist diesbezüglich dann auch sonst noch so manches, wenn man einfach genau liest. So scheint auch dieser - angeblich so nüchterne - Intellektuelle ganz auf der Linie eines Hermann Hesse etwa oder eines Ernst Jünger (oder eines Rudolf Heß, Karl Haushofer, Adolf Hitler ....) die Astrologie keineswegs als ein gänzlich sinnloses und verdummendes Unternehmen abzulehnen. Und vielleicht kommt man in diesem Bereich dann womöglich seinen eigentlichen Antrieben schon wesentlich näher - ??? So sagt er etwa zu seinem Geburtsdatum, dem 11. Dezember 1943 (1, S. 19):
Ja, an Alexander Solsheniziyns Geburtstag, und damit bin ich Schütze (Aszendent Krebs).
Zigarette im Mund - (2014)
Eine ganz sinnlose Aussage für Menschen, die jede Form von Esoterik ablehnen, wie auch Alain de Benoist ansonsten von sich den Eindruck zu erwecken versucht. Alain de Benoist sagt auch (1, S. 338):
Ideologisch gesprochen waren die Neuen Rechten niemals vollkommen homogen. (...) Auf religiöser Ebene zum Beispiel hat es neben einer heidnischen Mehrheit immer auch Christen, Atheisten, Traditionalisten, Spiritualisten, wissenschaftliche Positivisten gegeben.
Was uns hier als auffällig herausklingt, ist das Wort "heidnische Mehrheit". Denn damit kann er höchstens von dem heutigen Frankreich sprechen. Die heutige Neue Rechte in Deutschland fühlt sich ganz eindeutig in ihrer großen Mehrheit als zutiefst christlich an. Und man hat die ganzen Lebenserinnerungen von Benoist hindurch nicht das Gefühl, dass er gegen eine solche Rechristianisierung der Neuen Rechten, wie man sie seit den 1970er Jahren in Deutschland beobachten kann, irgend etwas zu sagen hätte oder sie ihm in irgend einer Weise Sorge machen würde. Dagegen spricht ja auch seine Freundschaft mit einem Alexander Dugin, der sich ideologisch auf das christlich-orthodoxe Russland vor der "westlichen" Aufklärung bezieht, was Benoist ebenfalls ganz offenbar nicht kritikwürdig findet, sondern dem gegenüber er offenbar große und weite Toleranz hat. Er, der doch zugleich der französischen Aufklärung so sehr verpflichtete! Er hat keine Sorgen, dass hier und anderwärts "bibelgläubige Fragestellungen zu sehr in den Vordergrund gerückt werden" ... - wie es scheint!

Man muss eben nur auf die Inhalte achten, um zu sehen, dass hier ganz klar und konsequent ganz bestimmte gruppenevolutionäre Strategien durchgehalten werden. Auch von Alain de Benoist.

Alain de Benoist ist "Revuist"

Benoist äußert sich auch dazu, dass es viele Frauen in seinem Leben gab und dass er gerne noch ein Buch über die Erotik, die Geschlechtsbeziehungen schreiben würde (1, S. 377-382). Ein eindeutiges Bekenntnis dazu, dass die Einehe, die Monogamie schon seit vorchristlichen Zeiten das Ideal unserer nordeuropäischen Kultur darstellt, fehlt bei ihm. Leider auch die Erkenntnis der letzten Jahre, der wir auf unserem Wissenschaftsblog Studium generale mehrere Beiträge gewidmet haben, dass es im Artvergleich schon unter den Säugetieren eine Beziehung gibt zwischen der Evolution von Intelligenz, Gehirngröße und monogamer Lebensweise (erforscht vor allem von dem verdienstvollen britischen Anthropologen Robin Dunbar), und dass Monogamie auch etwas mit der Evolution des Altruismus zu tun zu haben scheint. Das Buch von Alain de Benoist über Geschlechtsbeziehungen hingegen würde einmal erneut nicht "biologische Fragestellungen in den Vordergrund rücken", sondern anknüpfen, so sagt er, an Autoren wie: Siegmund Freud, Julius Evola, Hans Blüher, Otto Weininger, Wilhelm Reich. Es würde auch die Gemeinschaft vom Monte Verita behandeln! Womit man wieder einmal alle versammelt hätte! ;) Man weiß nicht so recht, ob man auf dieses Buch wirklich gespannt ist ...

Interessant mag auch sein, dass Benoist von Arbeitswut besessen ist. Er verzichtet seit Jahren und Jahrzehnten auf Rasieren (!), aufs Frühstücken (!), aufs Mittagessen (!), auf Urlaub (!), um anstelle dessen noch mehr arbeiten zu können (1, S. 383). Es muss also wirklich starke Antriebe in seinem Leben geben. Welche das nun wohl sind? Einiges von dem, was er da berichtet, kann man natürlich durchaus als vorbildlich ansehen. So berichtet er zum Beispiel über seine Arbeitsweise (1, S. 384):
Ich bin ein "Revuist", also jemand, der sich über den neuesten Forschungsstand in sämtlichen Bereichen, die als Themen für meine Zeitschriften in Frage kommen, auf dem laufenden zu halten versucht. Jeden Morgen bekomme ich über das Internet um die hundert "abstracts" von wissenschaftlichen Aufsätzen, die am Vortrag erschienen sind.
Nun, er behält auch hier die "biologischen Fragestellungen" klar im Auge, wie wir gesehen haben, "rückt sie aber" dennoch "nicht in den Vordergrund". Das muss einem im Grunde ganz merkwürdig erscheinen. Er berichtet interessanterweise auch das folgende (1, S. 388):
In den achtziger und neunziger Jahren nahm ich eine Geschichte der ideologischen Kontroversen in Angriff, die Darwins Lehren auslösten. Für dieses Projekt schrieb ich fast dreitausend Seiten Notizen, bevor ich es aufgab, weil mich die Breite des Themas überforderte!
Auch dieses wichtige Zitat sei einmal grün gefärbt. War es wirklich nur die "Breite des Themas", die ihn davon Abstand nehmen ließ, diese doch so interessante Fragestellung weiter zu verfolgen? Die der "Neuen Rechten" so viele neue Argumente in die Hand hätte geben können, die sie hätte bilden können, die sie hätte schlagkräftig machen können, anstatt sie zu verdummen mit langweiligen, hohlen, banalen Phrasen? Da haben wir es eben: Interessieren kann man sich für viel. Aber man veröffentlicht eben nicht alles! Da ist man dann plötzlich - - - "überfordert". Ein Benoist - überfordert? Das glaube ich nicht. Benoist besitzt, so wird weiter berichtet (1, S. 390),
mit 150.000 bis 200.000 Büchern die größte Privatbibliothek in Frankreich oder zumindest eine der wichtigsten.
Da ist doch von Überforderung wirklich nicht die Rede.

"Die betont Katholischen" unter den deutschen Konservativen - Karlheinz Weißmann weiß von ihnen ....

Aber es ist nun weiterhin wirklich mehr als auffallend, springt einem geradezu ins Gesicht, dass in dem ganzen Buch - soweit übersehbar - kein einziges mal der Grabert-Verlag in Tübingen genannt ist, in dem die Bücher von Alain de Benoist in den 1980er Jahren erschienen sind, ebenso offenbar kaum einer der damaligen deutschen Gesprächspartner Benoist's in diesem Umfeld. Und dementsprechend offenbar auch kein einziges mal das Thule-Seminar, mit dem Alain de Benoist zumindest am Anfang der 1980er Jahre in Deutschland eng zusammen gearbeitet hat. In seine Lebenserinnerungen hätte doch zumindest eine Erörterung der Gründe hineingehört, warum er diese Zusammenarbeit nicht mehr so intensiv fortgesetzt hat wie zuvor. Oder hätten diese Gründe nicht dargelegt werden können, ohne ihn noch mehr zu - - - "entlarven"? Will er mit Holocaust-Leugnern wie dem Grabert-Verlag möglichst nicht mehr als einem früheren Kooperationspartner genannt sein? Man weiß das alles nicht. Gibt es überhaupt in den Lebenserinnerungen von Benoist eine Distanzierung gegenüber der Holocaust-Leugnungs-Gesetzgebung in so vielen europäischen Staaten inzwischen? Auch diese findet man in ihnen nicht.

Und noch auffallender ist, wie Karlheinz Weißmann über all diese Gruppierungen und Richtungen (Grabert, Thule-Seminar, Biopolitik) in seinem Vorwort schweigt. Und womit doch seine Sätze über die damalige Bundesrepublik ganz und gar falsch werden, die da lauten (1, S. 8):
Es scheiterte bezeichnenderweise jeder Versuch, eine Organisation nach dem Muster des GRECE oder eine Zeitschrift nach dem Muster von "Nouvelle Ecole" beziehungsweise "Elements" zu gründen.
Wie darf so etwas redlicher Weise gesagt werden, ohne nicht zumindest andeutungsweise zu erklären, warum die Veröffentlichungen des Thule-Seminars und die wissenschaftliche Zeitschrift des Grabert-Verlages "Deutschland in Geschichte und Gegenwart" aus heutiger Sicht nicht als solche "Versuche" angesehen werden können, bzw. warum sie diesbezüglich als "gescheitert" zu erklären wären. Das ist ganz und gar unredlich, dieses Schweigen. Warum überhaupt? Warum glaubt man das nötig zu haben? Es ist doch einmal erneut lächerlich. Denn jeder kann die Biographie von Alain de Benoist auf Wikipedia auch diesbezüglich nachlesen. Und gegenüber diesem Schweigen muten die späteren Sätze Weißmanns über Benoist militante Aktivitäten in der "Algerie francaise" geradezu grotesk an, in denen es heißt (1, S. 11):
Es ist für seinen souveränen und milden Blick auf die eigene Vergangenheit typisch, dass er nichts leugnet und nichts kaschiert und betont, dass er die Zeit als militant nicht missen wolle.
Also sind die Aktivitäten in der "Algerie francaise" offenbar weniger diskreditierend als seine Verbindungen zu den deutschen "Holocaust-Leugnern" des Grabert-Verlages? Wenn er kein Problem hat, über diese zu reden, warum haben sowohl er wie Weißmann ein Problem damit, über seine Zusammenarbeit mit dem Grabert-Verlag zu sprechen? Die ganze Art, wie Karlheinz Weißmann über die - seines Erachtens - ungenügende deutsche Reaktion auf die Bestrebungen von Alain de Benoist Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre in Frankreich in diesem Vorwort spricht, ist im Grunde falsch. Und zwar falsch in der mehrfachen Bedeutung des schönen deutschen Wortes falsch. Sprich, es fühlt sich geradezu jesuitisch an. Und man versteht das schon. Schließlich hatte er doch schon zuvor geschrieben, dass 1979 nur Günther Zehm in der "Welt" (1, S. 8)
dazu aufforderte, die Ideen der "Nouvelle Droite" ernsthafter zu diskutieren. Selbst von Konservativen schien das zu viel verlangt.
So? Das schien zu viel verlangt? Das halte ich für eine bösartige Falschbehauptung. Das Thema Biopolitik ist in den 1970er Jahren bis weit in den wissenschaftlichen "Hauptstrom" hinaus behandelt worden, genauso wie das in der Sarrazin-Debatte des Jahre 2010 wieder geschah. Nur war das offenbar von Konservativen vom Schlage eines Karlheinz Weißmann oder eines Götz Kubitschek oder eines Dieter Stein - - - "zu viel verlangt"!!! Und zwar wiederum nicht von der Sache her, sondern doch offenbar: von ihren Absichten her. Und wir hören ja auch gleich weiter, welche Konservativen das waren, von denen derartiges "zu viel verlangt" war. Weißmann:
Die betont Katholischen unter ihnen hatten früh und ausgesprochen heftig reagiert auf das Neuheidentum, die Vorschläge zur Biopolitik und eine gewisse Unverfrorenheit beim Rückgriff auf klassizistische Ästhetik.
An dieser Stelle lassen wir bewusst einen krass denunzierenden Teilsatz des Zitates weg. Weißmann glaubte offenbar, ihn benutzen zu müssen, um diese Richtung so stark wie nur immer möglich zu diskreditieren und herabzusetzen und in das in nach-1945er Zeiten schlechtest denkbare Licht zu rücken bei seiner Leserschaft. Aber warum? Auch hier ist es dann plötzlich (!) mit dem "souveränen und milden Blick" zu Ende. Auch das ist - - - "jesuitisch". Und dass ein Benoist das mitmacht!? Weißmann jedenfalls weiter:
Lediglich im Umfeld der Zeitschrift "Criticon" gab es die prinzipielle Bereitschaft, Benoist ein Forum zu bieten.
Natürlich. Im Umfeld der Jesuiten-Zeitschrift "Criticon". Natürlich. Da ist man ja grundsätzlich immer bereit, "naturwissenschaftsnahen Katholizismus" zur Rettung der europäischen Völker zu vertreten, nämlich an jenem Sanktnimmerleinstag, an dem die europäischen Völker durch einen solchen - zugegeben merkwürdigen - Katholizismus gar nicht mehr würden gerettet werden können. Vorher nicht. Wobei einem wieder das Wort in den Sinn kommt davon, dass "Katholizismus jedem Nationalismus das Rückgrat bricht". (Von wem stammte es eigentlich? Wohl auch von einem Jesuitenpater.) Interessant auch die folgenden "entlarvenden" Worte Weißmanns über Benoist (1, S. 12):
Die erste Ausgabe der Nouvelle Ecole wurde im Herbst 1967 konzipiert, und bis heute sind mehr als fünfzig Nummern erschienen. Von der Aggressivität der früheren Zeiten ist nur gelegentlich noch etwas zu spüren, und auch in Benoists Erinnerung erscheint die Darstellung der damals verfochtenen Thesen - von der Generalkritik des christlichen Glaubens bis zur bleibenden Bedeutung der "dreiteiligen Ideologie" der Indoeuropäer - gelegentlich etwas zu irenisch.
Wir müssen nachschlagen, was irenisch heißt: friedfertig. :) Ja, diesen Eindruck hatten wir allerdings auch. Und bezeichnend erneut, dass Weißmann das brisanteste und aktuellste hier zu nennende Thema nicht nennt, nämlich das Thema Biopolitik. Weißmann weiter:
Denn ein guter Teil des Aufsehens, das die Nouvelle Droite in den siebziger Jahren erregte, ging auf die Verve zurück, mit der solche Vorstellungen von Benoist und seinen Leuten in Umlauf gebracht und mit einer Ikonographie verknüpft wurden, die mit dem notorischen Bezug auf das Deutsche und Germanische für weitere Irritationen sorgte.
"Irrationen" und "Überforderungen". Also Irritationen und Überforderungen - wie gesagt - für Konservative vom Schlage eines Weißmann ... Für die "betont Katholischen" unter ihnen.

Damit sei einstweilen die Lektüre der Lebenserinnerungen von Alain de Benoist abgeschlossen. Es dürfte deutlich geworden sein, dass dieses Thema wahrhaft "saftig" ist, und dass zu demselben in diesen Lebenserinnerungen und in anderen Veröffentlichungen zur Geschichte der Biopolitik während des 20. Jahrhunderts noch allerhand Spannendes und "Entlarvendes" zu Tage gefördert werden könnte. Und zwar Dinge, die zum Untergang des Abendlandes in den wesentlichsten geistigen Bereichen beitragen, da sie das Ausspielen der stärksten volkserhaltenden Argumente blockieren und "in den Hintergrund rücken". Wenn man aus dieser Erkenntnis heraus die Verve eines Benoist glaubt, verstehen zu können, hätte man ja womöglich recht viel verstanden ... - ? Seine Freundschaft mit einem Alexander Dugin jedenfalls ist im Grunde der beste Beweis, ebenfalls die engen Verbindungen zwischen dem allseits verehrten Julius Evola - - - und dem Satanismus, der doch in der heutigen Neuen Rechten sehr gerne, fröhlich und "ergebnisoffen" thematisiert wird (6).
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  1. de Benoist, Alain: Mein Leben. Wege eines Denkens. Junge Freiheit Verlag, Berlin 2014
  2. Bading, Ingo: "Eine Milliarde Katholiken gegen 200 Ludendorffer - viel Spaß in der Bataille" - "Voran, Soldaten Christi" - "Im Namen des Kreuzes Kriegsdienste tun". Auf: GA-j!, 28. Juli 2015, http://studgenpol.blogspot.de/2015/07/eine-milliarden-katholiken-gegen-200.html
  3. Gurjanow, Pawel: http://notbremse.livejournal.com/29747.html
  4. http://anton-shekhovtsov.blogspot.de/2013/08/aleksandr-dugin-and-west-european-new.html
  5. http://www.sezession.de/46621/alain-de-benoists-mein-leben-erschienen-ein-ideengeschichtliches-kurzportrait.html
  6. Hakl, Hans Thomas: Einige zusätzliche Bemerkungen zum Fragenkomplex Julius Evola und Aleister Crowley. Nachwort von: Pasi, Marco: Aleister Crowley und die Versuchung der Politik. Ares-Verlag, Graz 2006 (zugleich Mailand, Univ. degli Studi, Diss. 1993/1994), S. 277ff

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Alain de Benoist - Er hat "biologische Fragestellungen" "allzu sehr in den Vordergrund gerückt"

Früher, liebe Freunde, früher! Heute weiß er es besser!

Zigarette im Mund - (Erschienen 2014)
"Die üblichen Verfahrensweisen" werden im folgenden Beitrag gegenüber dem französischen, rechtskonservativen Vordenker Alain de Benoist (geb. 1943) angewandt. Um die Worte seines deutschen, rechtskonservativen Kollegen Karlheinz Weißmann zu benutzen. Nämlich jene, so Weißmann,
"die ihn im Zweifel zu 'entlarven' suchen, indem man ein zehn, zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig Jahre altes Zitat ausgräbt."
Nun, alte Zitate werden wir bei dieser "üblichen Verfahrensweise" gar nicht ausgraben. Denn das ist gar nicht notwendig. Benoist hat es uns inzwischen zum Glück wesentlich leichter gemacht. Er ließ im letzten Jahr seine Lebenserinnerungen erscheinen (1). Aus deren "entlarvendem" Vorwort übrigens stammen auch die gerade zitierten, "entlarvenden" Worte von Karlheinz Weißmann. Wieso kann "Entlarvung" eigentlich unter rechtskonservativen Vordenkern überhaupt ein so großes Thema sein ...?

Oder fragen wir jetzt etwas gar zu naiv, lieber Leser? - Aber gut: Was soll denn da eigentlich nun bei einem Alain de Benoist zu - - - "entlarven" sein?

Ein Zigarettenstummel im Mund und ein entsprechender Blick und Gesichtsausdruck (Abb. 1) - Büchermacher wussten offenbar ebenfalls schon letztes Jahr, wie gut eine solche Fotografie und die darin sich ausdrückende Haltung zu Freunden Alain de Benoist's passt wie - - - Alexander Dugin, dem einflussreichen russischen Politikberater und Imperialisten, dem elitären, europaweiten Netzwerker, dem Verherrlicher von okkulten, geheimen Männerorden. Was muss bei solchen Männerfreundschaften - bei solchen Männerfreundschaften - eigentlich noch "entlarvt" werden? Buchtitel: "Was ist der Eurasianismus? Ein Gespräch zwischen Alain de Benoist und Alexander Dugin". Was der Eurasianismus ist? Der Imperialismus der USA wird ersetzt durch den Imperialismus Russlands. Mit nur noch ein paar mehr Journalistenmorden. Noch Fragen?

Doch uns geht es hier um etwas viel Grundlegenderes als um solche mehr tagespolitischen Fragen. Und hierzu ist in das Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen, dass Alain de Benoist - was man bislang kaum hatte mitbekommen können - sehr genau weiß (!) um die grundlegende naturalistische Wende im Menschenbild, um den Paradigmenwechsel in und durch die Evolutionäre Anthropologie, um die Erkenntnisse bezüglich "jüngster Humanevolution", um die neue Wissenschaft von der evolutionären Entstehung und Entwicklung von Rassen und Völker auf genetischer Ebene, die sich seit dem Jahr 2000, seit der vollständigen Sequenzierung des menschlichen Genoms entwickelt. Also um alles das, was auch schon 2006/2007 in den Kommentaren auf dem politischen Tagebuch von Götz Kubitschek aus der Leserschaft heraus (von Andreas Vonderach und anderen) (2) und natürlich auch anderswo (hier auf den Blogs zum Beispiel) sinnvollerweise in den Vordergrund volkserhaltender Argumentation gestellt worden war. Um vieles von dem, was dann auch Thilo Sarrazin mit seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" 2010 in den Vordergrund der Argumentation rückte.

Benoist weiß also, dass der Fortschritt in der Humanevolution und Kulturgeschichte bislang - nach neuestem Forschungsstand - immer in und durch Völker stattgefunden hat, noch bis in die letzten Jahrhunderte hinein, und dass uns deshalb unsere ethnische und rassische Herkunft ins Genom geschrieben ist und dieses darum tief verwoben ist mit der Kultur, die von diesen Genomen herausgebildet wurde. Dass sich das also nicht nur auf unsere körperlichen, sondern auch auf unsere seelischen Merkmale bezieht. Und damit auch auf die Merkmale unserer ganzen Kultur als Volk, als Abendland.

Benoist sagt das nämlich mehr als deutlich in seinen Lebenserinnerungen. Wenn auch in etwas für deutsche Leser gewundenen Formulierungen, die ggfs. auch einer schlechten Übersetzung aus dem Französischen geschuldet sein mögen. Benoist sagt also (1, S. 223f):
"Rassen gibt es sehr wohl. (...) Die jüngsten Erkenntnisse der Molekularbiologie und der Populationsgenetik lassen daran keinen Zweifel. (...) Entgegen der noch vor wenigen Jahrzehnten vertretenen Theorie, derzufolge die menschliche Evolution vor fünfzig- bis vierzigtausend Jahren endete, ..."
was noch Konrad Lorenz und seine ganze Forschergeneration für plausibel hielt und was auch noch die erste Generation der Soziobiologen der 1980er Jahre für plausibel hielt!
"... wissen wir heute, dass unsere Gattung sich weiter entwickelt (Wissenschaftler haben zahlreiche Beispiele für eine positive Weiterentwicklung aus jüngster Zeit nachgewiesen). (...) Die Allele bestimmter Formenvielfalt sind mit signifikant unterschiedlicher Häufigkeit innerhalb der geographischen Gruppen anzutreffen, was wiederum ihre Gruppierung anhand der genetischen Zusammensetzung und die Rückverfolgung der Mutationen an ihrem Genom ermöglicht. Die Rassen (...) sind Bevölkerungen, die sich voneinander durch die relative Häufigkeit bestimmter Bestandteile ihrer jeweiligen Genpools unterscheiden. Unter Berücksichtigung dieser relativen Häufigkeit polymorphischer Faktoren ('Snips', Mikrosatelliten usw.) wird es möglich, Licht in die Frage nach dem Ursprung der Völker zu bringen und ihre 'ethnische Geschichte' über die Jahrhunderte hinweg zurückzuverfolgen."
Was für Jahrhundert-Erkenntnisse sind mit diesen wenigen Sätzen zum Ausdruck gebracht. Dieser Umstand kann gar nicht genug hervorgehoben werden. Und er ist hier auf dem Blog auch schon oft genug hervorgehoben worden. Diese wenigen Sätze sind deshalb auch die wichtigsten Sätze der 400-Seiten langen Lebenserinnerungen von Alain de Benoist. Das Verdienst dieser Sätze ist, dass - soweit übersehbar - wenige intellektuelle Vordenker zumal in Deutschland - bekannt sind, die diese Erkenntnisse so klar und deutlich auf den Punkt gebracht haben. Auch Thilo Sarrazin hat darüber so grundlegend nicht gesprochen. Ein so soziobiologisch vorgebildeter Autor wie Frank Schirrmacher hat nur gleich an den von Sarrazin verwendeten Fußnoten erkannt, wohin auch bei Sarrazin die Reise geht. Aber warum sind eigentlich nur so wenige Vordenker und Autoren in Deutschland bekannt, die diesen Umstand so klar und deutlich wie nur immer möglich in den Vordergrund der Argumentation stellen?

Diese Sätze enthalten den Paradigmenwechsel, der auch schon von Charles Murray vor 15 Jahren ganz genau als solcher benannt und gekennzeichnet worden ist. Später von Steven Pinker und vielen anderen Autoren. Diese Sätze enthalten eine ganz entscheidende Auf- statt Abwertung jenes naturalistischen (naturwissenschaftsnahen) Menschenbildes, das schon in den 1970er Jahren vorlag. Und all das weiß doch Benoist auch - und wissen doch auch die verborgenen "Thinktanks", Denkergruppen, die ihm - sicherlich - zuarbeiten. Er weiß es - und dennoch "versteckt" er diese Erkenntnis in seinen Lebenserinnerungen richtiggehend. Denn die restlichen 399 Seiten handeln ja gar nicht von diesem Thema. Obwohl sie es könnten - aufgrund der Biographie von Alain de Benoist!

Benoist hingegen spielt diese Erkenntnis in seinen weiteren Ausführungen dann ständig herunter und verharmlost sie. Warum tut er das? Weil die von ihm vertretene Ideologie nur dann gleichgeschaltet werden kann mit solchen Ideologien wie denen eines Alexander Dugin? Aber nicht doch, wer wird so etwas glauben wollen ... Die Biologie erst der letzten zehn Jahre gibt also Benoist und uns allen die stärksten Argumente in die Hand, die es jemals gab, um sich für die Erhaltung gewachsener Völker auf dieser Erde und insbesondere der Nordhalbkugel einzusetzen. Und dennoch stellt ein Alain de Benoist diese Argumente dann nicht in den Vordergrund seines Wirkens. Genauso wie wir das schon bei seinen deutschen Kollegen Götz Kubitschek, Karlheinz Weißmann, Dieter Stein und wie sie alle heißen mögen zur Genüge zu beobachten Gelegenheit hatten. - Warum?

Worum geht es ihnen denn dann? Etwa doch nicht um die Erhaltung gewachsener Völker auf der Nordhalbkugel ... ? Ist das der Sachverhalt, der mit "üblichen Verfahrensweisen" an dieser Stelle zu - - - "entlarven" ist?

Wenn wir weiterlesen, bekommen wir nur drei Seiten später die schon im Zungenschlag entscheidende, sprich "entlarvende" (!) Frage an Benoist zu lesen, gestellt offensichtlich aus dem Umfeld der ihm zuarbeitenden Thinktanks (1, S. 226):
"Haben Sie in Ihren Veröffentlichungen aus den frühen siebziger Jahren biologische Fragestellungen nicht allzusehr in den Vordergrund gerückt?"
Dazu muss man wissen, dass die Lebenserinnerungen von Benoist in der Form eines Interviews verfasst sind. Diesen Satz, diese Frage kann man sich gar nicht oft genug auf der Zunge zergehen lassen. Formuliert, wohlgemerkt, nachdem drei Seiten zuvor erst die Brisanz der biologischen Fragestellungen von heute herausgestellt worden war. Also noch einmal:
"Haben Sie in Ihren Veröffentlichungen aus den frühen siebziger Jahren biologische Fragestellungen nicht allzusehr in den Vordergrund gerückt?"
Wir merken: Wir kommen den zu "entlarvenden" Umständen näher. Genauso möchte man jedenfalls in diesen Kreisen heute Alain de Benoist gesehen wissen! Als einen, der in "den frühen siebziger Jahren biologische Fragestellungen allzu sehr in den Vordergrund gerückt" hatte. Und das zu einer Zeit, in der es noch viel mehr Gründe gibt, biologische Fragestellungen in den Vordergrund zu rücken. In der es in den genannten Kreisen nur so gut wie niemand tut in Deutschland außer dem rechtskonservativen Schamblatt Andreas Vonderach, dem einzigen Nichtchristen unter den heutigen namhafteren, deutschen rechtskonservativen Vordenkern. Zu einer Zeit, in der es schon gar nicht ein Alain de Benoist tut, trotz all seiner Arbeitswut (1, S. 384). Zumindest nicht auf mehr als einer von 400 Seiten.

Erschienen 2014
Und genau so möchte ihn ja auch Karlheinz Weißmann sehen, wie sein Vorwort zu den Lebenserinnerungen nur allzu deutlich macht. Und ja doch! Ja, er hat sie "allzusehr in den Vordergrund gerückt". Damals! Aber freilich! Damals. Heute nicht mehr! Alain de Benoist ist "klüger" geworden, "weiser". Wer wird denn heute noch - oh je, oh je: ein "biologistisches" Weltbild in den Vordergrund rücken? Sind wir nicht alle klüger geworden? Alain de Benoist auf jeden Fall. Er hat ja jetzt solche Freunde wie - - - Alexander Dugin. Und findet imperialistische Ideologien toll wie "Eurasianismus".

In den 1970er Jahren waren übrigens die biologischen Fragestellungen, die da auch von Alain de Benoist "allzu sehr in den Vordergrund gerückt worden" waren, unter dem Stichwort "Biopolitik" behandelt worden. Ein Stichwort, das in den Lebenserinnerungen von Benoist wohlweißlich kein einziges mal fällt. Und ganz gewiss wird man im Rahmen der Themenstellungen des damaligen nichtchristlichen (!) Umfeldes von Alain de Benoist in Deutschland und in Frankreich viele Ausführungen von Benoist finden können, die seine heutige Haltung in diesen Fragen - - - "entlarven" können. Aber gewiss doch, Karlheinz Weißmann!! Gewiß! Wer hat diese "entlarvenden" Zitate denn alle einmal zusammen gestellt? Wir würden sie gerne lesen und an ihnen lernen. Wie christliche Lobby arbeitet, die eine naturalistische Wende im Menschen- und Völkerbild mindestens so fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Denn damals handelte es sich ja einfach nur um die Sarrazin-Debatte der 1970er Jahre! Um jene Debatte, die, als sie 2010 ihre Neuauflage erlebte (angestoßen von dem Nichtchristen Thilo Sarrazin!) von den deutschen und französischen rechtskonservativen "Vordenkern", Karlheinz Weißmann eingeschlossen, keineswegs inhaltlich besonders ausgeprägt geführt wurde, bzw. in der keineswegs der Sieg der Positionen der 1970er Jahre herausgestellt wurde. Nein, auch Benoist antwortet auf diese Frage viel mehr - - - "entlarvend": Damals
"sicherlich mehr als in meinem späteren Leben."
Brauchen wir denn noch anderes zu seiner - - - "Entlarvung"? Und Benoist meint dann, das wäre ja "natürlich", dass er in den 1970er Jahren "biologische Fragestellungen mehr in den Vordergrund gerückt" hätte als heute. Denn damals sei ja so viel Neues in der Biologie geschehen! Drei mal laut gelacht! In einer Jahrhundert-Wissenschaft wie der Biologie geschieht ein Jahrzehnt lang einmal sehr viel Neues und dann hört es auf? Für wie blöd werden hier Leser verkauft? Das lasst Ihr Euch antun, ihr deutschen Rechtskonservativen? Ihr an der Erhaltung gewachsener Völker interessierten Menschen in der ganzen Welt?

Das also soll ein Argument sein, das ihn selbst, Benoist, überzeugen würde? Da heute ja nicht mehr so viel Neues in der Biologie geschehen würde? Oder wird nicht viel eher ein Schuh daraus, wenn man sagen würde: weil heute noch so viel mehr Neues und so viel mehr Brisantes in der Biologie geschieht? Weil durch das, was heute geschieht, alle überkommenen Weltbilder ad acta gelegt werden können? Christentum, nicht-naturalistische konservative Revolution, Okkultismus, Männerbünde usw.? Dürfen wir fragen?

Das sollte er also selber glauben, wo er doch selbst zuvor gerade erst gesagt hatte, was heute Neues geschieht in Bezug auf biologische Fragestellungen? Was für ein absurdes und sinnloses Gerede. Wie richtig und wichtig war das, was er damals tat. Er erzählt in seinen Erinnerungen - leider viel zu kurz, darüber vielmehr hätte er 400 Seiten schreiben können: von Jacques Monod, von Konrad Lorenz, von Irenäus Eibl-Eibesfeldt, von Robert Ardrey, von Ernst Mayr, von Richard Dawkins. Später von Adolf Portmann (1, S. 229). Aber dann heißt es so lächerlich weiter (1, S. 228):
"Eine rein biologische Herangehensweise an gesellschaftliche Phänomene hat mir nie besonders eingeleuchtet."
Was soll dieser blöde Spruch? Benoist selbst weiß, wie blöd er ist. Und um was für einen Allgemeinplatz es sich hier handelt. Wer hören will, hört aber hier schon, wohin er will. Nämlich wie er es dann auch gleich ausdrücklich sagt, er will zum: "Primat des sozio-historischen Elements in den menschlichen Gesellschaften"! Denn dieser Primat ist ja allen Ideologen, die so gerne manipulieren wollen, immer so wichtig. Für ihre ideologischen Kulissenschiebereien. Und dafür, dass sie mit diesen Schiebereien und den "dringenden Erörterungen" dieser Schiebereien zehntausend Seiten von Tagungsbänden füllen.

Und diesen "Primat" stellt Benoist denn auch gegen den widerlichen - angeblich!, so meint auch Benoist - von der Soziobiologie vertretenen "biologisch determinierten Reduktionismus". Zwischen beidem - Biologie und Kultur - das Gegensätzliche statt des Ergänzenden zu betonen, tut nur derjenige - seit vielen Jahrzehnten -, der es mit der menschlichen Biologie in der Tat nicht gut meint und der Erkenntnisse über sie lieber auf einer von 400 Seiten versteckt als sie auf 400 Seiten herauszustellen und - - - "in den Vordergrund zu rücken". Nimm also das, Andreas Vonderach. So redet der "Vordenker", der doch sonst nicht so dumm ist, über den "biologisch determinierten Reduktionismus" der Soziobiologie, die er dadurch ganz unnötigerweise herabsetzt, indem er in einen Jargon verfällt, den er in den 1970er Jahren sicherlich selbst abgelehnt hat und gegenüber dem er sich damals verwahrt hätte. Wer muss da wen eigentlich noch - "entlarven"? Benoist ist Ideologe. Sonst würde er so nicht reden. Was sonst? Und dann folgt die Frage (1, S. 231):
"Trotzdem haben Sie Arbeiten zum Intelligenzquotienten und der Erblichkeit von Intelligenz große Bedeutung zugemessen?"
Wohlgemerkt: Diese Frage ist in Vergangenheitsform formuliert, und zwar 2014, vier Jahre nach der Sarrazin-Debatte in Deutschland, zu der man von einem Alain de Benoist und seinen Anhängern herzlich wenig inhaltliche Debatten-Beiträge vernommen hatte! In der nur die Sarrazin-Gegner an die biopolitischen Debatten der 1970er Jahre - flüchtig - erinnerten. Weshalb man ja damals immer so verstört war. (Gut verdient hat Götz Kubitschek freilich am Verkauf von "Deutschland schafft sich ab", das fand er dann schon ganz gut ... Inhaltlich die von diesem Buch angstossene Debatte weiter führen - bis heute: Fehlanzeige!) Benoist referiert dann einiges, inhaltlich ganz Richtige zur Intelligenzforschung "von Francis Galton bis Robert Plomin". Es ist immer so wohltuend, von einem politischen Vordenker einfach einmal nur zu wissen, dass er überhaupt solche Namen kennt! Und einzuordnen weiß. Aber er sagt dann, man höre:
"Allerdings ist es eine Sache, sich für den IQ zu interessieren, und eine völlig andere, ihm eine zentrale Rolle bei der Bewertung oder gar Wertschätzung von Menschen zuzumessen."
Tja, nimm auch wiederum das, Andreas Vonderach. Dies und auch die weiteren Ausführungen dazu setzen auf die Dümmlichkeit und Uninformiertheit der Leserschaft. Natürlich können intelligente Menschen langweilig oder gar böse sein und weniger intelligente Menschen sehr viel weniger langweilig und weniger böse und so weiter, was uns Benoist da alles sagt. Aber das ist alles nicht der Punkt, weshalb die Intelligenz zentral ist zur Bewertung politischer Vorgänge und Geburtenraten. Benoist weiß das. Er verdummt hier einfach die Leserschaft. Und da es nicht besonders geistreich ist, hier die eigentlichen Zusammenhänge noch einmal zu erläutern, sei darauf an dieser Stelle auch verzichtet. Aber es sei festgehalten, dass Benoist tatsächlich heute seine alten biopolitischen Ansätze verrät in einer Zeit, in der sie aktueller und fester gegründet sind als jemals. Kann es etwas Befremdlicheres geben? Mir fällt nichts ein.

Er ist ein guter Freund von Alexander Dugin (3, 4), des Mitwissers und Mitakteurs in russisch-orthodoxer, okkult-satanistischer, weltweit vernetzter Hintergrundpolitik, eines Verehrers von Alexandre Saint-Yves d'Alveydre, der Madame Blavatsky Frankreichs. Das ist eine der Kernaussagen Alexandre Saint-Yves d'Alveydre's:
"As part of this concept of government Alexandre Saint-Yves d'Alveydre, gave an important role to secret societies or, more precisely, esoteric societies, which are composed of oracles and who safeguarded the government from behind the scenes. He saw the Rosicrucians as having fulfilled this role in medieval Europe and was involved with a number of Freemason and other groups who claimed descent from the Knights Templars."
Natürlich! Solche Dinge passen alle nicht zu einer naturalistischen Wende im Menschen- und Völkerbild. Wir wollen uns schon schön davor hüten. Und diese Wende möglichst verschweigen! Schon 1992 traf sich Benoist mit diesem ekelhaften Dugin in Moskau, jenem Dugin, der die Völkermord-Politik Putins rechtfertigt - und was nicht noch alles. Es gibt allerhand Videos auf Youtube, wo sie miteinander reden (auf Französisch).

Alain de Benoist war außerdem ein guter Freund von Louis Pauwels, wie man in seinen Lebenserinnerungen erfährt, der wiederum ein Verehrer des russischen Magiers Gurdiew war und - auch damit - ein Mitwisser und Mitrauner über die okkulten und satanistischen Hintergründe des Dritten Reiches und sonstiger Politik.

Alain de Benoist hat Julius Evola mit Zustimmung gelesen, ebenfalls ein Mitwisser der okkulten und satanistischen Hintergründe des Dritten Reiches, der wohl ganz ähnlich gesinnt war wie Louis Pauwels, Alexandre Saint-Yves d'Alveydre und Alexander Dugin. Immer geht es darum: Geheime Männerorden als das innerste Wesen jeder Staatlichkeit.

Und das ist der angeblich so "deutsch" (!) denkende "Vordenker" der französischen "Neuen Rechten", Alain de Benoist.

Warum noch 2014 keine Distanz zu Dugin, der doch wirklich keine gute Presse mehr hat und haben kann in Mitteleuropa nach der Art wie er sich ständig unmöglich macht? "Muss" das denn sein? Nun, es stellt sich ja immer dringender die Frage, wer den "mitteleuropäischen Raum" in Besitz nehmen wird, nachdem das deutsche Volk durch Zuwanderung noch weiter destabilisiert und zersetzt wird und willfährig gemacht wird den willigen Vollstreckern der Neuen Weltordnung und als Sklaven derselben. Und da bleibt natürlich die östlich-esoterische Dugin-Weltmacht im Spiel ...

Wer solche Freunde hat, kann eigentlich immer nur vorläufig "biologische Fragestellungen allzu sehr in den Vordergrund rücken". Wahrscheinlich hat das Alain de Benoist schon in den 1970er Jahren nur gemacht, um sich einen Namen verschaffen zu können unter Rechtskonservativen, und um mit diesem gewonnenen Namen dann stillschweigend und kaum bemerkt ihre wesentlichsten Anliegen zu verraten.

Man kann es auch bemerkenswert finden, wie sehr in den Erinnerungen von Alain de Benoist darauf Wert gelegt wird aufzuzeigen, dass dieser - schon seinem Familiennamen nach - aus einer uralten europäischen Adelsfamilie von "Glaubensstreitern" stammt (1, S. 19-29)*). Diese haben nicht für das Neuheidentum gestritten (was Alain de Benoist ebenfalls vordergründig "allzu sehr in den Vordergrund rückte" in den 1970er Jahren). Nein, nein, diese haben für das "christliche Europa" gestritten, genauer gesagt für das katholische. Und es ist doch bemerkenswert, dass diese Herkunft so breit ausgeführt wird in diesen Erinnerungen. Die natürlich auch ihre notwendigen Hintertüren haben. Benoist kann immer sagen, er habe ja diese Erinnerungen gar nicht schreiben wollen, schon gar nicht so ausführlich, er habe ja nur Fragen beantwortet.  "Geschickt" wird man eben schon sein müssen, wenn man in solchen Zusammenhängen wie er agiert und aus solchen Zusammenhängen heraus, und dabei dann ständig unter dem Damoklesschwert der Entlarvung lebt.

Vertreter der Biopolitik der 1970er Jahre

In den 1970er Jahren fing er einmal an als dezidierter nichtchristlicher, neuheidnischer und der Biopolitik verpflichteter "Vordenker". Heute hört man von all solchen Dingen kaum noch etwas unter den rechristianisierten "Neuen Rechten" - und dementsprechend auch nicht von Alain de Benoist. Alexander Dugin ist ja wichtiger! Und wenn man nun in den im letzten Jahr auf Deutsch erschienenen Lebenserinnerungen von Benoist liest (1), erfährt man auch einiges Neue darüber, warum man heute so wenig darüber hört. Schon Karlheinz Weißmann ist es ein Anliegen, genau dieses Warum der heutigen Art der Weltanschauung von Benoist im Vorwort zu erläutern:
"Wie es überhaupt zur Entstehung dieser Weltanschauung kam, erläutert Benoist vor allem im zweiten Teil seiner Erinnerungen. Da geht es (...) um die Einsicht, dass man sich im 20. Jahrhundert nicht einfach auf Tradition oder Dogma berufen kann, wenn man eine rechte Position begründen will, um die positivistische Kehre, als er Psychologie, Soziologie, Verhaltensforschung und den Logischen Empirismus entdeckte und für einige Zeit hoffte, hier so etwa wie eine objektive Basis für sein Vorstellungsgefüge gefunden zu haben."
Er "hoffte" hier also, eine "objektive Basis" gefunden zu haben. Sprich: Er hat sie dort nicht gefunden! Nimm also auch das, Andreas Vonderach. Hinter den meisten hier genannten Begriffen (Positivismus, Psychologie, Soziologie, Logischer Empirismus, Verhaltensforschung sowieso) verbergen sich die "biologischen Fragestellungen", die er damals "allzusehr in den Vordergrund rückte" in der "Hoffnung", hier eine "objektive Basis für sein Vorstellungsgefüge gefunden zu haben". Trügerische "Hoffnung"! Nur: "für einige Zeit". "Für einige Zeit"! Kommt das eigentlich häufiger vor, dass jemand, der die Naturwissenschaft zur Grundlage seines Weltbildes gewählt hat, davon dann wieder abweicht? Oder wird nicht viel eher zu sagen sein müssen: Wer diese Grundlage wählt und sie dann doch wieder verläßt - hat der das dann jemals wirklich ernst gemeint mit dieser Grundlage - ?

Nimm also auch das, Andreas Vonderach, wenn Du glaubst, unter den Führenden der heutigen Neuen Rechten würde es Leute geben, die wirklich auf der Grundlage Deines Weltbildes stehen würden. "Nur für einige Zeit"! Bestenfalls "für einige Zeit"! Wir sollten es klarer ausdrücken: Es geht hier um die Erkenntnisse der Naturwissenschaft, um das naturalistische, naturwissenschaftsnahe Menschenbild, zu dem es heute gar keine Alternative gibt, auch wenn man das gerne hätte in "neurechten", sprich christlichen und okkulten Kreisen. Weißmann weiß sogar, dass es Menschen gibt - wer eigentlich, die würde man tatsächlich gerne kennen lernen - die Alain de Benoist zu "entlarven" wünschen mit Verweis auf seine früheren, naturwissenschaftsnahen weltanschaulichen Grundlagen, von denen er sich heute so weit entfernt hat:
"Das alles lag noch vor dem Bezug auf die Konservative Revolution und Mohlers 'Nominalismus', aber man kann daran schon erkennen, (...) dass die üblichen Verfahrensweisen, die ihn im Zweifel zu 'entlarven' suchen, indem man ein zehn, zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig Jahre altes Zitat ausgräbt, ganz und gar an der Sache vorbeigehen."
Wir zitierten das ja schon. Hier also der Zusammenhang, in dem diese Worte filene. Aber ja doch! Ganz und gar vorbei gehen sie an der Sache, lieber Herr Weißmann, und wie Recht Sie haben, wenn Sie weiter schreiben:
"Denn wenn Benoist sich als 'engagierter Intellektueller' bezeichnet, heißt das vor allem, dass er nicht stehengeblieben ist, dass er seine Positionen von früher zwar nicht mehr für richtig hält, aber auch keine Notwendigkeit einer Rechtfertigung sieht."
Er hält sie nicht mehr für richtig! Also wird sie auch Karlheinz Weißmann nicht ("mehr" -?) für richtig halten! Das ist doch schon eine ganz schön große Distanzierung. Diese hätte ich nicht vorgenommen, wenn ich mir - was doch Weißmann immer so ein Anliegen ist - "alle Türen" wollte "offen halten". Die Auseinandersetzung mit diesen biologischen Fragestellungen könnte auch den rechtskonservativen Vordenkern noch einmal aufgedrängt werden durch den "Zug der Zeit". Und dann würden sie ja erneut - oh je, oh je: "entlarvt". Scheinbar hat man da keine Sorgen. Die Dummheit des Pöbels wird das alles schon - "vergessen". Und dann schreibt Weißmann die treffenden Worte, die um so mehr zutreffen, als er sie nicht als zutreffend erklärt:
"Umgekehrt darf man daraus nicht schlussfolgern, dass Benoist ein politischer Romantiker im Sinne Carl Schmitts ist, der von wechselnden Eindrücken und Interessen einmal hierhin, einmal dorthin getrieben wird."
Nein, nein, wer würde denn derartiges schlußfolgern! Wir halten hier nur fest, dass Weißmann den weltanschaulichen Weg von Benoist verteidigt und rechtfertigt. Nicht bedauert. Dabei benennt er dann doch auch ganz konkret als "Kontinuität" im wechselnden Denken von Benoist:
"Prinzipiell"
also: prinzipiell!
"sind alle Kulturen und ihre Träger - Völker und Rassen - gleichrangig, sie garantieren die kulturelle und genetische Vielfalt, deren Notwendigkeit und Schönheit nur die Universalisten bestreiten."
Sie bestreiten sie nicht nur, sie versuchen sie, seit Jahrhunderten zu zerstören. Das ist etwas ganz anderes. Da Karlheinz Weißmann "katholischer Protestant" ist, gehört er - natürlich - zu diesen Universalisten dazu und es ist nur Augenwischerei, wenn er einen anderen Eindruck von sich erweckt oder auch wenn Alain de Benoist einen anderen Eindruck von sich erweckt. Auch Ernst Jünger, Friedrich Hielscher, Armin Mohler sind Universalisten. Ebenso natürlich Alexander Dugin. Auch wenn sie sich mitunter anders darstellen oder - mehr noch - wahrnehmen lassen. Und merkwürdig, nach Weißmann weist auch Alain de Benoist - wie Armin Mohler! -
"die fast manische Neigung zum Bibliographieren"
auf. Wer - eigentlich - nichts zu sagen hat, bzw. nichts sagen will: bibliographiert. Im stillen Kämmerlein. Der weiß viel vom Eigentlichen, redet aber nur vom Unwesentlichen.

Tja, so einfach kann man Benoist also "entlarven". Und schön, dass uns Karlheinz Weißmann sagt, dass wir nicht die ersten sind. Mit den anderen ungenannten Entlaren müsste man gegebenenfalls gut zusammen arbeiten können. Meldet Euch doch bitte!

Zusammenfassung: Der französische rechtskonservative Vordenker Alain de Benoist, auf den sich in Deutschland viele geistig beziehen, hat seine Naturwissenschafts-Nähe der 1970er Jahre aufgegeben, um sich gleichzuschalten mit elitären Ideologen, Männerbündlern und Okkultisten wie Alexander Dugin. Benoist arbeitet wie ein typischer rechtskonservativer Hijacker. Er ist ein Autor, der sich mit naturwissenschaftsnahen Beiträgen und Interviews in den 1970er Jahren das Vertrauen seiner Leserschaft gewonnen hat. Der aber seitdem weiter publiziert, ohne wirklich etwas zum Positiven verändern und retten zu wollen. Sondern der die Menschen mit seinen Büchern, Aufsätzen und Interviews nur "beschäftigt". Der seinen Anhängern geistige und politische Betriebsamkeit, Aktionismus vorgaukelt. Vielleicht kann man auch sagen, dass er in vielen Aspekten der "Jürgen Habermas der Rechtskonservativen" ist. Was er anfasst, zerbröselt unter seinen Händen zum nihilistischen Nichts - wie bei Jürgen Habermas. Auch Jürgen Habermas hat in den 1970er Jahren das interdiszplinäre Gespräch mit der Naturwissenschaft gesucht, um es - Zeit seines Lebens - weitaus mehr zu sabotieren als voranzutreiben. Wie alle notwendigen gesellschaftlichen Gespräche. In keiner Weise anders: Alain de Benoist.

Die "üblichen Verfahrensweisen" gehen also "ganz und gar an der Sache vorbei", Karlheinz Weißmann. Gewiß!

- Und übrigens: Von der ganzen hier erörterten Problematik findet sich nichts auf der Rezension derselben Lebenserinnerungen von Alain de Benoist auf der Seite Sezession.de (5). Auch dort "beschäftigt" man den Leser - so wie dies Benoist selbst tut auf seinen vielen hundert Seiten. ....

- Zu diesem Beitrag wurde wenige Tage später noch veröffentlicht ... ---> eine Fortsetzung.

_________________________________________________

*) Benoist stammt mütterlicherseits von Arbeitern und Bauern der Bretagne und der Normandie ab. Väterlicherseits ist die Familie Benoist eine "recht alte aristokratische Familie, die zum belgischen Adel gehört". Er ist blond, was man auf Fotos gar nicht so deutlich sieht. Aufgewachsen ist er in Paris als Einzelkind eines wohlhabenden Vaters, der im Parfümhandel tätig war. Schon sein Großvater war in ehelichen Dingen als der "Unbeständige" bekannt. Der Stammvater der Familie Benoist war ein Italiener, "der um 880 unter der Herrschaft von Papst Johannes VIII. an der Spitze einer römischen Legion einen Feldzug gegen sarazenische Piraten anführte, die in Apulien gelandet waren." Ein "guter Kragen", "guter Hals" hat ihn dabei vor einem ansonsten tödlichen Krummschwerthieb geschützt, wovon der Familienname Bonicolli(us) (ital.), Goethals (niederländ.) und Benoist (franz.) abgeleitet ist, alles Familiennamen, die Vorfahren von Benoist im Laufe der Jahrhunderte in gut katholischen Staatsdiensten in Italien, Flandern und Frankreich getragen haben. - - - Benoist schreibt über seine Jugend (1, S. 28f): "Zunächst besuchte ich eine Schule (...), die von einem christlichen Orden betrieben wurde, dessen Angehörige wir umgangssprachlich 'Frere quatre bras' - 'Vierarmige Brüder' nannten. (...) Mehrere Jahre lang hatte ich (...) Unterricht in (...) einer katholischen Schule, wo ich Abt Denaux als Beichtvater hatte." Dass er auch sonst "im katholischen Glauben aufgewachsen" ist, wird breit erörtert (1, S. 62f), Taufe, Erstkommunion, Gottesdienste. Er gibt aber an, sich von diesem Glauben dann schon früh mit Zweifeln abgewendet zu haben. Er gibt auch an (1, S. 43): "Meine Kindheit (...), ich habe sie nicht als eine glückliche Zeit in Erinnerung." Darin gab es auch kurzzeitig Erfahrung mit katholischen Pfadfindern.
_______________________________________________
  1. de Benoist, Alain: Mein Leben. Wege eines Denkens. Junge Freiheit Verlag, Berlin 2014
  2. Bading, Ingo: "Eine Milliarde Katholiken gegen 200 Ludendorffer - viel Spaß in der Bataille" - "Voran, Soldaten Christi" - "Im Namen des Kreuzes Kriegsdienste tun". Auf: GA-j!, 28. Juli 2015, http://studgenpol.blogspot.de/2015/07/eine-milliarden-katholiken-gegen-200.html
  3. Gurjanow, Pawel: http://notbremse.livejournal.com/29747.html
  4. http://anton-shekhovtsov.blogspot.de/2013/08/aleksandr-dugin-and-west-european-new.html
  5. http://www.sezession.de/46621/alain-de-benoists-mein-leben-erschienen-ein-ideengeschichtliches-kurzportrait.html
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