Freitag, 18. November 2016

Gerwald Claus-Brunner - Er hatte starke innerparteiliche Gegner - Warum redet niemand über sie?

"Er meinte es ernst mit seinem Mandat. Er blieb seinen Zielen treu. Er hielt seine Zusagen ein."

Abb. 1: Gerwald Claus-Brunner 2011 (Wiki)
Der eines unnatürlichen Todes gestorbene Berliner Kommunalpolitiker Gerwald Claus-Brunner (1972-2016) (Wiki) hat von Seiten der Internetseite Berliner-Wassertisch.info, dessen Autor vermutlich Wolfgang Rebel ist, einen tadellosen Nachruf erhalten (1). Dieser Nachruf rüttelt einen ziemlich auf. In diesem Nachruf steht ein so entscheidender Satz wie der folgende: 
Ohne ihn (also ohne Gerwald Claus-Brunner) wäre die vollständige Rekommunalisierung (der Berliner Wasserbetriebe) vermutlich nicht geglückt.
- Warum wusste man das bisher nicht? In der Berichterstattung rund um den Tod von Gerwald Claus-Brunner stand darüber nichts. Auch auf seinem Wikipedia-Artikel steht bis heute darüber so gut wie gar nichts. Und es steht in dem Nachruf ein solcher Satz wie dieser:
Er hat mehr für die Stadt getan, als manche seiner Kollegen, die im Politbetrieb mehr Erfolg hatten und haben.
Warum wusste man auch darüber bisher nichts? Auch darüber findet man in der Berichterstattung rund um seinen Tod so gut wie nichts. Was ist hier los? Das heißt doch: Gerwald Claus-Brunner war ein kommunalpolitischer Faktor in Berlin. Das hat man in der gesamten Presseberichterstattung rund um seinen Tod nirgendwo lesen können. Dieser Umstand ist schon einmal hochgradig merkwürdig. Er sei deshalb im vorliegenden Beitrag auch ausführlicher dokumentiert. Um so schöner, wenn dieser Blog dabei auch einmal einen Seitenblick auf die verdienstvolle Arbeit des "Berliner Wassertisches" werfen kann. Zunächst soll der Nachruf von Wolfgang Rebel (Berliner-Wassertisch.info) hier fast vollständig zitiert werden (1):
Es ist uns ein Bedürfnis, seine politische Arbeit, soweit sie uns betraf, zu würdigen, weil sie in mancherlei Hinsicht herausragte. Wer unsere Pressemitteilungen und zuletzt unser Redemanuskript für den Piraten-Bundesparteitag im August gelesen hat, weiß, dass sein Beitrag für die Rekommunalisierung der Berliner Wasserbetriebe unersetzlich war. Zu diesem Herzensanliegen von uns und von der überwältigenden Mehrheit der Berliner Bürger haben sehr viele beigetragen – doch ohne ihn wäre die vollständige Rekommunalisierung vermutlich nicht geglückt. Die Wasserprivatisierung hatte die Berliner bekanntlich mehrere Hunderte Millionen Euro gekostet – insofern hat er mehr für die Stadt getan, als manche seiner Kollegen, die im Politbetrieb mehr Erfolg hatten und haben.  Es ist jedoch nicht nur die unersetzliche sachliche Unterstützung gewesen, für die wir ihm dankbar sind. Viel mehr noch hat es uns beeindruckt, dass Faxe einer der wenigen Politiker war, der es ernst meinte mit seinem Mandat. Elitärer Dünkel lag ihm fern. Faxe war angetreten, die Politik wieder bürgernaher zu machen und das tat er auch. Selbst als es ungemütlich wurde, als ihn seine Gegner mit einer Mitleidlosigkeit bekämpften, die auf den Nicht-Politiker monströs wirkte, als er auch in den Medien übermässig in die Schusslinie geriet, als er politisch mehr und mehr kaltgestellt wurde, blieb er seinen Zielen treu und hielt seine Zusagen ein. Eigenschaften, die uns menschlich sehr berührt haben und die wir nicht häufig angetroffen haben.
"Als ihn seine Gegner mit einer Mitleidlosigkeit bekämpften, die auf den Nicht-Politiker monströs wirkte ..." Woher kam dieser Haß? Etwa, weil einer aufrecht blieb? Geradlinig? Und darum auf das Handeln aller anderen schon allein deshalb ein "unbequemes" Licht warf? Jetzt versteht man auch, weshalb er als Leitwort auf seine Twitter-Seite geschrieben hatte "Battle without hounour and humanity". Wenn ein Politiker, der eines unnatürlichen Todes stirbt, von Freunden einen solchen Nachruf erhält, erhalten kann, kann es nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn die Polizei die Ermittlung der Todesumstände nach 48 Stunden einstellt und wenn in der Presseberichterstattung nach seinem Tod kein gutes Haar mehr an diesem Politiker gelassen wird, wenn sie jede Ausgewogenheit verliert. Noch nicht einmal die TAZ, die den politischen Lebensweg von Claus-Brunner bis zum Jahr 2012 mit viel Anteilnahme begleitete, unternimmt auch nur irgend etwas, um hier wieder etwas ins Gleichgewicht zu bringen. In den Medien hatte Gerwald Claus-Brunner ganz offensichtlich im Herbst 2016 keine Freunde mehr. Ein solcher Nachruf hebt sich viel zu deutlich aus den sonstigen Stellungnahmen und der Berichterstattung aus Anlass des Todes von Gerwald Claus-Brunner ab, als dass man nicht einen großen Verdacht in Richtung Parteilichkeit der Presseberichterstattung zu hegen gezwungen ist. Und genau damit hat es Wolfgang Rebel vom Berliner Wassertisch in einer zweiten Stellungnahme in dieser Sache auch zu tun.

Parteiordnungsverfahren von Benedict Ugarte Chacón gegen Sigrun Franzen (2013 bis 2015)


Am 18. September 2011 hatte die Piratenpartei in der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 8,9 Prozent der Stimmen erreicht und war damit in das erste Landesparlament in Deutschland eingezogen (Wiki). Sigrun Franzen vom Berliner Wassertisch berichtet über die Aktivitäten des engen Mitarbeiters des Piraten-Fraktionschefs Martin Delius, nämlich von Benedict Ugarte Chacón, da sie und damit Teile des Berliner Wassertisches von diesem "wissenschaftlichen Mitarbeiter" schwer angegriffen worden ist. Die folgenden Texte wurden wohl vor dem Oktober 2014 veröffentlicht, als man schon absah, dass die Piraten nicht mehr so wie früher in der Wählergunst standen. Sie schreibt (3):
Die Piraten haben sich vor der Abgeordnetenhauswahl für eine Rekommunalisierung der Wasserbetriebe und für eine Klage gegen die Wasserverträge ausgesprochen. Außerdem gab es eine Liquid-Feedback-Abstimmung der Parteibasis, bei der auch mehrere Abgeordnete für die Klage stimmten. Schließlich hat die Fraktion der Piratenpartei eine Organklage eingereicht, woraufhin der letzte verbliebene Wasserkonzern Veolia seine Beteiligung an den BWB zurückgegeben hat. (...)

Im Juli 2012 verbreitete Benedict Ugarte Chacón eine Email auf der Mailingliste des berliner-wassertisch.net, der am Mehringdamm tagt. Dort behauptete er, dass keine Fraktion des Abgeordnetenhauses vorhätte, eine solche Organklage einzureichen. Statt einer juristischen Aufarbeitung riet er zu Aktionen zivilen Ungehorsams zur Durchsetzung der Rekommunalisierung. Meiner Ansicht nach griff Ugarte Chacón damit der Entscheidung der Piratenfraktion in unzulässiger Weise vor und untergrub die Versuche des berliner-wassertisch.info, eine Klage gegen die Wasser­privatisierungs­verträge zusammen mit Mitgliedern der Piratenfraktion auf die Beine zu stellen (zudem war sein Aufruf zum „zivilen Ungehorsam“ geeignet, durch misslungene Aktionen den Ruf des Wassertischs in der Öffentlichkeit zu diskreditieren).

Da Herr Ugarte Chacón zu diesem Zeitpunkt bereits Fraktions­mitarbeiter war, musste die Bürgerinitiative davon ausgehen, dass Bemühungen für das Klagevorhaben zwecklos sein müssten. Deshalb denke ich, dass die Parteimitglieder ein Recht darauf hatten zu erfahren, dass Benedict Ugarte Chacón in Bürgerinitiativen den tatsächlichen Meinungsbildungsprozess der Piraten falsch wiedergibt.
Sie schreibt dann weiter:
Diese Organklage wurde im April 2013 beim Verfassungsgericht Berlin von der Piratenfraktion eingereicht und richtete sich gegen die Beschneidung des Budgetrechts von Abgeordneten durch die Gewinngarantie in den Wasser-Privatisierungsverträgen von 1999. Damit bestand die letztmalige Chance, die mit der Teilprivatisierung verbundene und bis zuletzt zugunsten privater Wasserkonzerne weitergeführte Politik juristisch aufzuarbeiten. Auch hätte im Erfolgsfall versucht werden können, durch eine Rückabwicklung der Verträge den ehemaligen privaten Anteilseignern einen Teil der durch Preissmissbrauch erlangten Profite doch noch wieder abzunehmen.
Das konnte aber verhindert werden. Sigrun Franzen:
Letztlich führte die Klage zwar aus verschiedenen Gründen nicht zu dem gewünschten juristischen Erfolg vor dem Verfassungsgericht, aber es war sicherlich kein Zufall, dass der letzte verbliebene Anteilseigner der BWB, der Wasserkonzern Veolia, ausgerechnet in dem Monat, in dem die Klage beim Verfassungsgericht einging, seine Meinung geändert und seinen Rückzug aus den BWB bekannt gegeben hat. Die Organklage kann also als ein großer Erfolg der Berliner Piratenpartei bei der Rekommunalisierung der Wasserbetriebe betrachtet werden. Herr Ugarte Chacón hat zu diesem Erfolg sicherlich nicht beigetragen.
In einer privaten E-mail schrieb Sigrun Franzen damals,
dass ich der Ansicht bin, dass Ugarte Chacón die juristische Aufarbeitung der Teilprivatisierung der BWB behindert. (...) Ich behaupte in ihr nichts, was nicht schon vorher andernorts im Internet viel deutlicher veröffentlicht worden wäre. Der “Wasserpresseblog” hatte die journalistische Tätigkeit von Ugarte Chacón im Hinblick auf seine Wasserbericht­erstattung genauer unter die Lupe genommen. Er kam zu dem Schluss: “Herr Ugarte Chacón schreibt in seiner Berichterstattung systematisch gegen die juristische Überprüfung der Wasserverträge und die Rekommunalisierung durch Vertrags-Rückabwicklung an.” Zu seinen Mitteln stellten sie fest, dass Herr Ugarte Chacón in seinen „Artikeln seine Absichten nicht durch objektive Berichterstattung und argumentative Auseinandersetzung, sondern durch Missbrauch seiner journalistischen Tätigkeit, mittels Unterdrückung von Infor­matio­nen und falschen Tatsachen­behaup­tungen“ durchsetzt. Und weiter: „Dabei schreckt Herr Ugarte Chacón offensichtlich auch nicht davor zurück, andere Personen zu beleidigen oder zu verleumden.“  Herr Ugarte Chacón hat – seinen Angaben auf Twitter zufolge – die Aussagen des Wasserpresseblogs juristisch prüfen lassen. Offensichtlich erfolglos. Juristische Schritte wurden nie eingeleitet. (...)

Seine schrägen Mittel hat Ugarte Chacón eingesetzt, um seine eigenen politische Interessen durchzusetzen. Ugarte Chacón hat bereits, bevor er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Piratenpartei wurde, versucht, die juristische Aufarbeitung der Wasserverträge zu behindern. Diese Absicht hat er aus der Piratenfraktion heraus weiterverfolgt, als die Fraktion schon längst die Organklage beschlossen hatte. Damit hat er meiner Ansicht nach eindeutig die Interessen der Piratenpartei verletzt. Ob er sich damit qualifiziert hat, die Aufklärung im BER-Ausschuss zu befördern, wage ich zu bezweifeln.

Wenn die Piraten bei der nächsten Wahl nicht ins Abgeordnetenhaus gewählt werden, dann liegt dies meiner Meinung nach auch daran, dass Leute wie Ugarte Chacón das Ansehen der Partei schädigen und die Fraktion nicht in der Lage oder willens ist, wirksam gegen solche Aktivitäten vorzugehen.
Durch die beiden erwähnten Mails fühlte sich Benedict Ugarte Chacón von Sigrun Franzen "verleumdet" und konnte es sogar erreichen, dass der Vorstand der damaligen Berliner Piraten im September 2013 ein "Parteiordnungsverfahren" gegen Sigrun Franzen einleitete. Um sich gegen dieses zu wehren, richtete Sigrun Franzen ihre Internetseite ein. Auf dieser schreibt sie auf der Titelseite:
Auf der Landesmitgliederversammlung der Piratenpartei am 3. Oktober 2015 wurde die Ordnungs­maß­nahme zurückgenommen. Der Justiziar des Bundesvorstandes Christian Reidel sagte dazu öffentlich, dass dieses Verfahren „… kompletter Murks von vorn bis hinten“ war. Ganz herzlich möchte ich mich beim Bundesvorstand und beim Landesvorstand, die die Ordnungsmaßnahme überprüft und zurückgenommen haben, und bei allen anderen bedanken, die mich in dieser Angelegenheit unterstützt haben.
Im Zusammenhang mit ihrer Dokumentation bringt sie auch das folgende Zitat, das manches Licht auf die Aktivitäten dieses Ugarte Chancon zu werfen scheint (4):
Zur Person von Ugarte Chancon ließe sich noch einiges sagen, zum Beispiel zu seiner unrühmlichen Schlüsselrolle beim Untergang des Sparkassen-Volksbegehrens. Fest steht: Jede Bewegung hat ihre Spitzel, Maulwürfe und Intriganten und die Piraten wären gut beraten, genau hinzusehen, wen sie sich in ihre Reihen holen bzw. wer aus welchen Gründen welche Personen einschleust.
Warum wird all dies an dieser Stelle so ausführlich dokumentiert?

Fraktionsausschlussverfahren gegen Gerwald Claus-Brunner (Januar 2016)


Nun, Gerwald Claus-Brunner wies auf diese Internetseite von Sigrun Franzen vor dem Oktober 2014 auf Twitter hin mit den Worten:
Es darf gelesen werden: sigrun-franzen.de Text spricht für sich alleine.
Abb. 2: Wolfgang Rebel 2015 (Yt bzw. Yt)
Und dieser simple Twitter-Beitrag wurde ihm von Teilen der Piratenfraktion so sehr zum Vorwurf gemacht (2), dass er Bestandteil des Vorwurfskatalogs wurde, mit Hilfe dessen Gerwald Claus-Brunner aus der Fraktion ausgeschlossen werden sollte. Und hieran wird erkennbar, welcher massiven Feindschaft Gerwald Claus-Brunner innerhalb seiner eigenen Fraktion gegenüberstand. Und das womöglich hinter dieser Feindschaft nicht nur persönliche Animositäten standen. Dies illustriert also ein wenig die Worte des eingangs zitierten Nachrufs. Berliner-Wassertisch.info schreibt (2):
Der Antrag wurde im Januar dieses Jahres (2016) wegen fraktionsschädigenden Verhaltens gestellt. Angeblich seien der „Frieden und die Abläufe“ der Piratenfraktion erheblich gestört worden. Da ein Fraktionsausschluss ein gravierendes Instrument ist, das nur selten angewandt wird, müssten dort also sehr gravierende Verstöße benannt sein. Was findet man dort tatsächlich? (...)

Bei der auf dem Blog des Piratenmitglieds (Sigrun Franzen) mit abgehandelten juristischen Aufarbeitung der Wasser-Privatisierung machten auch vier der Antragsteller (Delius, Herberg, Höfinghoff, Weiß) keine gute Figur. Genau genommen wurde bei dem Antrag 
auf Fraktionsausschluß von Gerwald Claus-Brunner
also weniger über ,psychologisch-auffällige‘ Tweets Gerwald Claus-Brunners, sondern über die juristische Aufarbeitung der Wasserprivatisierung seitens der Piraten und Ex-Piratenfraktionäre abgestimmt.
Was aber geschah parallel zum Antrag auf Fraktionsausschluss von Gerwald Claus-Brunner? Nun, jene, die ihn betrieben, seilten sich zu jener Zeit gerade von der Piratenpartei ab:
Im Hinterzimmer liefen bereits die Verhandlungen von drei Piraten-Abgeordneten (Delius, Höfinghoff, Weiß) und mehreren Fraktionsmitarbeitern (u.a. die beiden Fraktionsmitarbeiter, um die es in dem Antrag ging) mit dem Linken-Parteichef Klaus Lederer (die Ankündigung erfolgte mit einem großen Interview im Tagesspiegel).
Es wurde damals angebahnt, was inzwischen geschehen ist, nämlich dass sie zur Linkspartei wechselten. Da man die erforderliche Stimmenanzahl zum Fraktionsausschluss allerdings nicht erreichte, blieb Gerwald Claus-Brunner in der Fraktion, musste aber übelstes Mobbing über Twitter aushalten, das auch zitiert wird (2). Er wird da von Ugarte Chacón, bzw. dessen Umfeld - Stephan Urbach - ohne Umschweife mit dem A-Wort bedacht (2):
Gerwald Claus-Brunner hatte nach unseren Informationen gegen Urbach wegen dieses Tweets Anzeige erstattet.
Es wird dann gefragt (2):
Ist es wirklich glaubhaft, dass es den Abgeordneten und Mitarbeitern mit dem Ausschluss-Antrag gegen Gerwald Claus-Brunner um den „Frieden“ in der Piratenfraktion ging? (...) War es nicht eher der Versuch einiger der Antragsteller, die eigene politische Arbeit zu rechtfertigen und gleichzeitig der ungeliebten Fraktion zusätzlichen Schaden zuzufügen? (...) Tatsache ist aber auch, dass sie damit ihren Fraktionskollegen Gerwald Claus-Brunner öffentlich vorgeführt und persönlich stark getroffen haben. Einen Einblick in den begleitenden Twitter-Shitstorm gab der Tweet von Stephan Urbach. Welchen Psychostress ein solcher Vorgang bei dem Betroffenen auslöst, kann man sich kaum vorstellen. Wir würden dieses Vorgehen als politisch motiviertes Mobbing bezeichnen. Es war nicht der einzige Vorfall, der unter diese Rubrik fällt.
"Politisch motiviertes Mobbing". Und es ist da schon hochgradig auffällig, dass in der großen Presse über "alles" rund um Gerwald Claus-Brunner berichtet wird, nicht aber über den Umstand, dass er gerade in den Monaten zuvor erst ein Opfer von "politisch motiviertem Mobbing" seiner eigenen Fraktion geworden war! Dass auch, soweit übersehbar, die TAZ darüber nichts berichtete, zeigt, dass sie längst auf seiten der innerparteilichen Gegner von Gerwald Claus-Brunner stand und steht. Man spürt es förmlich: Wenn hier nicht irgend ein großer Elefant im Raum steht, ohne dass jemand ihn zu sehen gewillt ist, wo denn dann? Ist wirklich alles über die Hintergründe dieser beiden Todesfälle bekannt? Über die Presseberichterstattung wird sicherlich ganz richtig gesagt (2):
Wer diesen Antrag (auf Fraktionsausschluss) als Hauptbeleg für eine vermeintliche grundsätzliche Unzurechnungsfähigkeit für ihn (Gerwald Claus-Brunner) verwendet, setzt unserer Ansicht nach eine Parteiintrige fort. Diese Zeilen sollen Gerwald Claus-Brunner nicht zum Heiligen stilisieren. Die Umstände seines Todes und der weiteren Person haben uns in mehr als einer Hinsicht erschüttert und sind nicht zu entschuldigen.
Wir wollen aber doch festhalten: Zu den Umständen seines Todes hat die Polizei nach 48 Stunden alle Ermittlungen eingestellt. Man kann auch sagen, dass dann weiterhin die Unschuldsvermutung gelten muss. Claus-Brunner ist vor keinem Gericht dieser Welt zum Mörder verurteilt worden. Das ganze Geschehen erinnert viel mehr an die Todesfälle in einer anderen einstmaligen Oppositionspartei, die auf Linie zu bringen war, nämlich an die Todesfälle von Gert Bastian und Petra Kelly. Auch diese hatten innerparteiliche Gegner. Und hinter diesen standen starke politische Interessen (Atomlobby, Waffenlobby, etc.). Auch die Hintergründe ihres Todes sind abschließend nie geklärt worden. Auch hier gab und gibt es meinungsstarke Vorverurteilungen, etwa durch eine Alice Schwarzer .... Aber ganz richtig gilt weiterhin (2):
Es ist offensichtlich, dass hier ein Mensch im Ausnahmezustand gehandelt hat. Den Versuch, ausgehend von dieser Tat aus sein gesamtes politisches Wirken zu diskreditieren und zu pathologisieren, betrachten wir – gelinde ausgedrückt – als Fehlgriff.
Dem kann zugestimmt werden. Die ungeklärten Umstände des Todes eines Menschen können niemals sein gesamtes vorheriges Leben diskreditieren, zumal wenn in diesem Leben wertvolle Dinge geschehen sind. Dass man aber darauf innerhalb der Presseberichterstattung schamlos spekulierte, sagt über diesen Fall eigentlich schon alles.

Außerdem noch ein weiterer Gedankengang. Seit 2012 war öffentlich bekannt, da in der TAZ darüber berichtet worden ist, dass Gerwald Claus-Brunner Überlebender sexueller Gewalt in seiner Kindheit war, also Überlebender von versuchtem Seelenmord. Wenn die Todesumstände der beiden "Piraten" also tatsächlich so stattgefunden haben, wie offiziell dargestellt, dann sind diese einzuordnen in Folgeerscheinungen dieses versuchten Seelenmordes. Warum ist auch das in der Presseberichterstattung nicht geschehen? Warum lässt man es der Bild-Zeitung durchgehen, wenn sie in krass das bis zu seinem Lebensende stattfindende "politisch motivierte Mobbing" gegen Gerwald Claus-Brunner fortsetzt und von "Gruselvideos" des "Mörderpiraten" spricht? Ist das nicht eine Ungeheuerlichkeit?

Zwei Nachrufe von Freunden


In einem lesenwerten, weil sehr berührenden Nachruf vom 19. September 2016 von seiten einer Leipziger Parteifreundin heißt es (5):
Faxe hat für uns alle fünf Jahre dieses riesige Abenteuer Abgeordnetenhaus durchgehalten, obwohl es ihm Partei, Fraktion und andere Abgeordnete vom ersten Tag an nicht nur nicht leicht, sondern denkbar schwer gemacht haben. Was er dafür vernachlässigt hat, war sein Privatleben, genauer gesagt: den Wuschelkopf. Der Wuschelkopf war, so habe ich Faxe immer verstanden, seine große Liebe. Die, das hat Faxe immer am meisten zu schaffen gemacht, irgendeiner obskuren Sekte anheimgefallen war, ...
- es handelt sich, wie im folgenden Blogbeitrag noch genauer erläutert wird, um die Anhänger der indischen Näherin Mata Amritanandamayi (geb. 1953), die nach der Ordensregel der Ramakrishna-Mönche leben, und über die 2013 die früheste, erste Anhängerin, die Australierin Gail Tredwell, ihr Erinnerungsbuch "Holy Hell" veröffentlicht hat. In diesem berichtet sie von Gewalt, sexueller Gewalt und schamloser Bereicherung an Spendengeldern in Millionenhöhe. Alles sicherlich genug Gründe, dass Gerwald Claus-Brunner die Anhängerschaft an einen solchen Mönchsorden "zu schaffen machte". Und auch unter Kenntnisnahme dieser Umstände konnte die Polizei nach 48 Stunden ihre Ermittlungsbemühungen zu den Hintergründen des Todes eines Anhängers dieses indischen Mönchsordens beenden?
... während sich Faxe für uns im Abgeordnetenhaus abstrampelte und doch so viel lieber seine Kraft eingesetzt hätte, um den Wuschelkopf aus den Fängen dieser Sekte zu befreien. Die Sorge um ihn verleitete Faxe in den letzten Monaten dazu, seine Kandidatur und seine Zeit im Abgeordnetenhaus zu bereuen, weil er das Gefühl hatte, dort unerwünscht zu sein, nichts zu bewirken und gleichzeitig glaubte, den Wuschelkopf retten zu können, wenn er nur mehr Zeit für ihn und weniger Zeit für die Politik verwendet hätte. Daß selbst ein seelenloser Stahlbolzen gegen eine Sekte machtlos ist – das hat Faxe mir nicht geglaubt.
Gerwald Claus-Brunner nannte sich selbst gern "seelenloser Stahlbolzen", was zeigt, womit sich ein Überlebender versuchten Seelenmordes innerlich auseinanderzusetzen hat. "Lily" Gabelmann weiter:
Daß jemand so eigenständiges, eigensinniges und eigenwilliges wie Faxe mir vertraute, mir Dinge anvertraute – es macht mich stolz. Ich habe nie als selbstverständlich empfunden, daß er zu mir so viel Vertrauen faßte, daß wir uns über Themen abseits der Politik unterhalten konnten. Umso mehr erschütterte mich, wenn nachts das Handy klingelte und ein weinender Faxe sich alle Sorgen um den Wuschelkopf von der Seele redete. Faxe, unerschütterlicher Fels in der Piraten-Brandung – er konnte einen ganz schön hilflos machen. (...)

Unser letztes Beinahe-Treffen fand (nicht) statt, als er den Wuschelkopf zu einem seiner Sekten-Seminare nach Leipzig begleitete und mich um ein Kaffeetrinken bat. Als ich mitbekam, daß er gar nicht allein hier war, sondern sich für mich eine Stunde abknappsen wollte, sagte ich ihm, er solle doch lieber Zeit mit dem Wuschelkopf verbringen, die ihm doch so wichtig war. Ich sagte ihm, wir würden uns schon demnächst noch mal irgendwie sehen.
Eine Amma-Regionalgruppe in Leipzig ist auf der Internetseite derzeit nicht verzeichnet (Amma). Um was für ein Seminar es sich gehandelt hat, wäre noch einmal zu eruieren. - Ein anderes Parteimitglied schreibt (6):
Faxe war für mich immer der Prototyp eines Piraten.
Unangepaßt.
Nervig.
Und immer mit guten Argumenten in sachlichen Diskussionen.
Er hat gemacht.
Nicht geredet.
Ein Faxe, ein Wort.
Immer verläßlich.
Er hat mit den Menschen geredet.
Nicht über sie.
Er hatte Argumente.
Er war keine begnadete Labertasche wie z.B. Christopher Lauer.
Aber er hat auch mehr als heiße Luft produziert.
Er hat – immer charmant – politische Gegner mit Fakten auflaufen lassen.
Nicht mit Witzchen.
Und er ist sich immer treu geblieben. Und den Piraten. Der Idee hinter den Piraten. Ganz egal, was „Parteifreunde“ oder „Fraktionskollegen“ ihm antaten. Er war Faxe, er ist Pirat. (...) Und allen Hatern und Mobbern, die Faxe weder als Mensch noch als Politiker sahen – spart Euch Eure verlogenen Beileidsbekundungen, Eure geheuchelte Betroffenheit!
Vielleicht lebte Gerwald Claus-Brunner - als Überlebender versuchten Seelenmordes in seiner Kindheit - ein Leben, in dem er immer nur verlieren konnte. Wenn man es aus dieser Perspektive betrachtet, hat er in seinem Leben viel erreicht. Der Autor dieser Zeilen hat das Gefühl, dass er erst nachdem er sich von der Berichterstattung der großen Medien in diesem Fall abgewendet hat, und nachdem er den vorliegenden Blogbeitrag zusammen gestellt hat, die angemessene Perspektive auf das Leben von Gerwald Claus-Brunner gewonnen hat. Und damit bleibt die Frage: Was hat die große Presse zu vertuschen, wenn sie über ihn nicht ausgewogen berichten kann?
___________________________________________
  1. Rebel, Wolfgang (vermutlich): Gerwald Claus-Brunner ist gestorben. Statt eines Nachrufes. Auf: Berliner Wassertisch - Wasser gehört in BürgerInnenhand, Berlin, 19.09.2016, http://berliner-wassertisch.info/statt-eines-nachrufs_gerwald_claus-brunner/
  2. Rebel, Wolfgang (vermutlich): Offener Brief an den Tagesspiegel zur Berichterstattung im Fall Gerwald Claus-Brunner. Auf: Berliner Wassertisch, 22. September 2016, http://berliner-wassertisch.info/offener_brief_tagesspiegel_berichterstattung_claus-brunner/
  3. Franzen, Sigrun: Stellungnahme zum Parteiordnungsverfahren, das im September 2013 von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Dr. Benedict Ugarte Chacón gegen Sigrun Franzen in die Wege geleitet wurde. Vor Oktober 2014. Auf: Sigrun-Franzen.de, http://sigrun-franzen.de/gegenstand-des-ordnungsverfahrens/, http://sigrun-franzen.de/hintergrund/, http://sigrun-franzen.de/fazit/, http://sigrun-franzen.de/
  4. Wassertisch setzt Desinformationspolitik durch gezielte Falschinformationen fort. http://berliner-wasserbuerger.de/?page_id=2009 
  5. Ute Elisabeth 'Lily' Gabelmann (Stadträtin für die Piraten in Leipzig): Seasons in the Sun (Ein persönlicher Nachruf), 19. September 2016, http://stadtraetin.piraten-leipzig.de/2016/09/19/seasons-in-the-sun-ein-persoenlicher-nachruf/, http://stadtraetin.piraten-leipzig.de/2016/09/21/programming-note/
  6. Jochen Schmidberger (Ulm): Faxe. 19. September 2016, https://piratlaser.wordpress.com/2016/09/19/faxe/

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich bin ein Mitarbeiter des im Zusammenhang mit Hr.Brunner genannten Betriebes. Schaue bitte auf die ehemaligen Eigentümer dieses Betriebes !!

Diesen wurde das leistungslose Einkommen genommen. In der Zeit der Holding waren die BWB ein Tummelplatz gewisser Logenbrüder die auf Kosten des Betriebes in einem extremen Luxus lebten. Teuerste Fahrzeuge und Partys wurden vom Berliner Wassergebührenzahler bezahlt.

Sein inszenierter Tod ist als Zeichen zu sehen.

Ingo Bading hat gesagt…

Dankeschön. Ihre Auskunft bewerte ich geradezu als Schlüsselinformation. Sie war Auslöser eines weiteren Blogartikels:

http://studgenpol.blogspot.de/2016/11/gerwald-claus-brunner-starb-er-als-ein.html

Alle weiteren Informationen, die Ihre Aussagen konkretisieren oder die Fehldeutungen meinerseits aufzeigen, sind - natürlich - willkommen.

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