Montag, 25. Januar 2016

Sein Genom sequenzieren lassen für 130 Euro - eine gute Idee?

Eröterungen unter den Lesern dieses Blogs

Lange hat der Blog-Inhaber gewartet. Eigentlich viel zu lange. Aber vor zwei Tagen hat er endlich die Entscheidung getroffen und sich die Sequenzierung seines Genoms bestellt. Soweit übersehbar gibt es keine kostengünstigere Variante als die bei der Firma 23andme. Im Oktober kostete das Sequenzieren noch 200 Dollar, aktuell nur noch 100, so wie vor zwei Jahren schon einmal. Es kommen noch etwa 30 Euro Versand von den USA nach Europa dazu für das Spuck-Paket. Letzteres muss man zurück senden, also kommen dann womöglich noch einmal 30 Euro dazu (Aktualisierung, 18.2.16: nein, Rücksendung ist im Preis schon enthalten :) ). 

Es geht um die Gene dieses Menschen, Aufnahme 1966
Man hat lange gezögert. Aber es wird jetzt ein guter Zeitpunkt sein. Jedenfalls kann man schwer begeistert sein von den vielen Möglichkeiten, die die Sequenzierung des eigenen Genoms mit sich bringt. Man kann dann anhand seiner eigenen Gene die Fortschritte in der Forschung verfolgen und bei jeder neuen Forschungserkenntnis nachschauen, was das für die eigenen Gene bedeutet und damit für einen selbst und die nächsten genetischen Verwandten, die man hat, mit denen man bis zu der Hälfte seines Genoms teilt.

Es ist doch erstaunlich, dass die Nachricht, dass man das "Starterkit" bestellt hat, allerhand Reaktionen hervorgerufen hat. Diese sollen im folgenden einmal dokumentiert werden. Da der Blog-Inhaber ursprünglich falsch gesprochen hat von der "vollständigen Sequenzierung des eigenen Genoms" schrieb der Evolutionsbiologe Axel Meyer dazu ganz richtig als Kommentar:
23andme macht keine vollständige Sequenzierung, sondern screens 0,5 bis 1Mio SNPs. Trotzdem spannend und deren WWW-Seite ist sehr gut.
Das brachte einem das immer wieder lesenswerte Facebook-Profil von Axel Meyer in Erinnerung und man fand dort dann auch, was dann mit folgenden Worten auf dem eigenen Profil weiter geteilt wurde:
Sieh an, im Zweiten Deutschen Fernsehen wird alle Jubeljahre zur besten Sendezeit auch einmal etwas für "Die Andere Bildung" getan, die heutzutage ja viel eher die eigentliche Bildung ist, nämlich für die naturwissenschaftliche.
Und es wurde eine Gesprächsrunde bei Markus Lanz im ZDF vom 3. Dezember 2015 weiter geteilt, an der ab der 59. Sendeminute auch Axel Meyer sehr wertvoll zu Wort kam (ZDF Mediathek). Er ist dort über sein neues Buch über die Geschlechtsunterschiede zwischen Mann und Frau zu Wort gekommen, wozu von unserer Seite noch gesagt wurde:
Zum Thema Monogamie muss aber heute meines Erachtens immer hinzugefügt werden, dass seit Robin Dunbar bekannt ist, dass monogames Verhalten Intelligenz-Evolution gefördert hat.
Im Kommentar dazu schrieb Axel Meyer:
Lieber Herr Bading, ich erkläre, wie man 23andme- (personal genomics-)Ergebnisse interpretieren kann in meinem Buch,
wozu er dann den Amazon-Link gab. Da sollte man also auch einmal hineinschauen!

"Was versprichst Du Dir denn konkret davon, wenn Du Deine Gensequenz in Händen halten wirst?"

Die Nachricht wurde auch per Email herumgeschickt und hat doch interessierte Rückmeldungen aus dem Freundes-und Bekanntenkreis hervor gerufen (im folgenden Blau gefärbt). So wurde geschrieben:
Hallo Ingo, entscheidend ist aber doch, welche Gene angeschaltet werden und welche nicht. Alleine aus dem Vorhandensein kannst Du doch noch nicht ablesen, ob Du die oder jene Krankheit bekommen wirst. Kennst Du das Buch von Bruce Lipton: "Intelligente Zellen"? Er berichtet darin von den Forschungen über die Zellmembran: Deren Rolle ist wichtiger als die Gene selbst. (...) Was versprichst Du Dir denn konkret davon, wenn Du Deine Gensequenz in Händen halten wirst?
Antwort des Blog-Inhabers darauf (wobei zu bemerken ist, wie unten auch noch einmal gesagt wird, dass anstelle von "Genen" eigentlich genauer zu sagen wäre jeweils: "Steuerungssequenzen von Genen"):
Liebe ..., die Gene sind die Grundlage. Natürlich können sie unterschiedlich abgelesen werden. Aber auch das kann ich ja erst erforschen, wenn ich mich mit den Genen selbst ausreichend auskenne. Es gibt zum Beispiel Menschen, die haben Gene, aufgrund deren sie mit bestimmten Traumata besser umgehen können als andere Menschen, die von den selben Traumata einfach weniger betroffen sind. Aber das wird ja auch erst sichtbar, wenn Menschen solche Traumata erleben, die dazu führen, dass Gene neu, bzw. anders abgelesen werden als zuvor. Weiß ich aber, dass ich dieses oder jenes Gen habe, weiß ich wieder etwas mehr über mich selbst. Dann gehe ich vielleicht auch anders mit mir um. Oder mit meinen Kindern. Oder Eltern. Oder Geschwistern. (Denn die haben ja mit 50%iger Wahrscheinlichkeit dieselben Gene.)
Die Kenntnis meiner Gene kann einfach immer neu abgeglichen werden mit dem, was die Forschung heute schon über speziell diese Gene weiß. Und in jedem Monat kommt neues Wissen hinzu, das dann sofort erneut abgeglichen werden kann. Die Forschung weiß meistens zunächst nur Durchschnitts-Wahrscheinlichkeiten, die der Besitz eines Gens zur Folge hat. Wenn ich diese weiß, erst dann kann ich ja weiterfragen, ob dieses Ablesen der Gene vorteilhafter für mich ist oder jenes, bzw. ob überhaupt ein anderes Ablesen der Gene möglich ist, bzw. unter welchen Umständen.
Für all diese Fragen ist immer erst einmal die Kenntnis meiner Gene selbst die Grundlage. Wenn man sich mit diesen Fragen aufgrund seiner EIGENEN Gene beschäftigt (sich selbst und seine nahen Verwandten kennt man ja am besten), lernt man am besten den Umgang mit all den neuen Erkenntnissen in der Wissenschaft. Es ist das naturwissenschaftliche Volksbildung im wahrsten Sinne des Wortes. In zehn Jahren, sagte Axel Meyer im Dezember bei Markus Lanz, werden wir wahrscheinlich alle unser sequenziertes Genom auf der Krankenkassen-Karte haben, weil das Wissen darauf eben so viel Bedeutung für die unterschiedlichsten Bereiche hat. Wie sollte ich mich ernähren? Wie verstoffwechsele ich Medikamente? Wie reagiere ich auf bestimmte Behandlungsarten? 
Außerdem kann ich mit der Sequenzierung Ahnenforschung, Familienforschung betreiben.
Zum Beispiel kann es sein, dass es in der Familie eine Schilddrüsenmangel-Erkrankung gibt, was erst im 6. Lebensjahr, wenn ein Kind in der Schule immer müde ist, festgestellt wird. Wovon man aber, wenn man es dann weiß, oft auch weiß, dass man es schon viel früher hätte feststellen können. Denn diese Müdigkeit kann ja schon früher bei diesem Kind zu beobachten gewesen sein. Und die Eltern hätten dann vielleicht verständnisvoller auf diese Müdigkeit reagiert, wenn sie von den Ursachen gewusst hätten.
Wie einfach wäre es nun gewesen, wenn die Gene des Kindes gleich bei Geburt abgelesen worden wären und es wäre dort gleich festgestellt worden, dass diese Erkrankung vorliegt.
Überhaupt ist eigentlich immer schon von Anthropologen vor der Eheschließung eine erbgesundheitliche Beratung empfohlen und angeboten worden. Genau das ist mit dieser Sequenzierung besser und effektiver möglich als jemals zuvor. Und man kann sich gleich selbst beraten, da man ja den Bericht von der Firma erhält. Man kann seinen Datensatz auch auf verschiedenen Internetseiten hochladen und ihn dort mit anderen Menschen, die ihren Datensatz hochgeladen haben, vergleichen.
Zum Beispiel OpenSNP oder SNPedia.
Und man kann mit Menschen, die die gleichen Gene haben, diskutieren und sehen, ob man ähnliche oder andere Probleme hat aufgrund genau dieser Gene. Solche Diskussionen können dazu führen, dass man die Forschung auf völlig neue Wege bringen kann, indem man dieser neue Fragerichtungen geben kann aufgrund der eigenen Erfahrungen und der anderer, die ähnliche Erfahrungen haben.
Ich als Asthmatiker werde vielleicht lernen, ob ich eine genetische Neigung dazu habe, Asthma zu bekommen. Oder ob es die Tatsache war, dass meine Mutter während der Schwagerschaft in einem verqualmten Büro gearbeitet hat (was zur Veränderung der Genablesung geführt haben kann - aber der Ablesung welcher Gene?) usw.
Die Fülle dessen, was man mit diesem Wissen anfangen kann, werde ich Dir selbst erst sagen können, wenn ich in wenigen Monaten anfange, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Es gibt aber schon einige deutschsprachige Bücher, wo Menschen darüber geschrieben haben, welche Bedeutung die Ergebnisse für speziell sie selbst hatten. Sehr eindeutig kann oft ein bestimmtes Brustkrebsrisiko insbesondere bei aschkenasischen Juden festgelegt werden, aufgrund dessen es dann klug ist, sich besonders zu überlegen und besonders aufzupassen. All solche Fragen halt.
Das ist ja eben - da wir alle genetisch einzigartig sind - für jeden einzelnen wieder eine etwas andere Fragestellung. Aber da wir eben auch Gene mit anderen gemeinsam haben, werden wir durch Vergleich auch unsere Gemeinsamkeiten erkennen!
Unsere Gene sind der größte Schatz, den wir überhaupt mitbekommen haben. Neben unserer Kultur. Wir sollten diesen Schatz hüten. Und hüten können wir ihn am besten, um so besser wir ihn kennen. 
Naturwissenschaftliche Volksbildung im besten Sinne möglich

Ein Biologe schrieb zu diesen meinen Ausführungen dann ganz richtig:
Wir haben alle die gleichen Gene, aber unterschiedliche Allele (Genvarianten). Gene werden normalerweise auch irgendwann, irgendwo oder oft sogar konstitutiv abgelesen (exprimiert). Deswegen sind die Varianten von Belang. Genvarianten, deren zeitlich-räumliche Expressionsmuster und die entsprechende Steuerung sind ein sich überschneidendes und komplexes Thema.
Wohl wahr! Komplex. Und deshalb auch so spannend! Antwort der ersten Fragestellerin:
Lieber Ingo, das klingt alles sehr interessant, vor allem, wenn Du dann Deine Gene mit denen der Verwandtschaft und mit anderen Menschen mit demselben Krankheitsbild vergleichen kannst.
Ein weiterer Biologe schrieb:
Lieber Ingo, danke für den Vorschlag. Im Augenblick bin ich aber leider mit anderen Dingen beschäftigt und nur so nebenbei 130 € auszugeben, ist doch ein wenig viel. Es widerstrebt mir auch ein wenig, ausgerechnet einer amerikanischen Firma mein komplettes Erbgut zur Verfügung zu stellen. Unabhängig davon ist eine solche Analyse natürlich hochspannend.
Darauf die Antwort des Blog-Inhabers:
Es gibt offensichtlich keine andere Firma. Ich habe gesucht. Aber es gibt keine. Hat mir quasi auch Axel Meyer auf Facebook bestätigt. In seinem neuen Buch, sagt er, schreibt er auch, wie man diese 23andme-Daten auswerten kann. Er findet die Internetseite dieser Firma sehr gut, wie er schreibt. Das nur noch mal zur Info. Ich denke, das wird künftig noch preislich günstiger werden und es werden auch deutsche Firmen machen. Ich mache es jetzt, weil es bis dahin über 200 Euro gekostet hat und es viel Fluktuation gibt und weil man es jetzt aktuell noch mal ein wenig beschleunigen kann, wenn man mitmacht und darüber redet. Wie gesagt, eine andere Firma als 23andme gibt es nicht. Die isländische Firma DeCodeMe ist ja kaputt gemacht worden wirtschaftlich. Wobei man ein wenig das Gefühl hat, dass das bewusst gemacht worden ist. Was dann auch einmal erneut zeigen könnte, wie brisant das Thema ist. DeCodeMe hat mir viel besser gefallen, der Leiter war super. Aber auch diese Firma war - damals zumindest und meiner Erinnerung nach - teurer.
Und ein weiterer Biologe schrieb:
Hallo lieber Ingo, bekommst Du tatsächlich die gesamte Basensequenz Deines persönlichen Genoms!? …es wundert mich, dass das schon so günstig ist :-? Ist es denn mittlerweile auch möglich, andere Lebewesen so kostengünstig zu sequenzieren?
Da solche Rückmeldungen sogar von Biologen und naturwissenschaftlich Informierten kommen, zeigen sie doch, dass die Wissenschafts-Berichterstattung bislang noch nicht ihrer Aufgabe ausreichend nachgekommen ist. Offenbar. Antwort des Blog-Inhabers:
Also "vollständig" wie ich ursprünglich schrieb, nicht (das hatte Axel Meyer an meinen Worten zu kritisieren). Aber schon so, dass man vieles vergleichen kann mit anderen Menschen. Es gibt ja diverse Datenbanken, wo man das hochladen kann und wo man dann vergleichen kann und sich austauschen kann mit anderen. Auf den Seiten passiert viel, eine deutsche Seite boomt gerade und die bekommen Forschung jetzt auch finanziert: opensnp.org. Das ging auch durch die Presse. Das waren anfangs nur zwei deutsche Biostudenten wie Du und ich, ich habe die Anfänge miterlebt, weil die darüber auf den Wissenschaftsblogs berichteten. Und die sind schon jetzt dick im Geschäft drin. Dieser Vergleich und dieser Austausch, der da geboten wird, die halte ich alle für sehr wichtig. Ich komme mit manchen arbeitslosen Biologen ins Gespräch und ich sage allen: behaltet dieses Gebiet im Auge, denn hier besteht bald massenhafter Beratungsbedarf, den man als Biologe noch am ehesten decken kann. 
Andere Lebewesen, klar. Ich habe deutsche Firmen gefunden, die bieten Gensequenzierung für alles an, mit umfangreichen Rabatten. Aber nicht für Endverbraucher, wie mir schien, sondern derzeit noch nur für Forscher und Institute.
Antwort:
Hallo lieber Ingo, danke für die Klärung. Ich sehe es ähnlich: Eine solche Analyse ist natürlich hochspannend. Aber es widerstrebt mir sehr, ausgerechnet einer amerikanischen Firma mein komplettes Erbgut zur Verfügung zu stellen.
Antwort:
Dass es eine amerikanische Firma ist, wird nicht so entscheidend sein. Auch die muss Qualitätsstandards einhalten. Und da es sowieso am Sinnvollsten ist, wenn man seine Daten mit anderen austauscht, werde ich sie eh öffentlich machen. Vor allem erst mal bei OpenSNP. Und dann ist es egal, wer sie sequenziert hat.
So einmal der Stand der Diskussion in einem engeren Bekanntenkreis. Und die Rückmeldungen zeigen doch, dass darüber bislang viel zu wenig in der Öffentlichkeit gesprochen worden ist.

Freitag, 22. Januar 2016

Elitärer Satanismus im Ersten Deutschen Fernsehen

Sandra Maischberger nimmt sich des Themas rituelle Gewalt an Kindern an

Die gestrige einstündige Gesprächsrunde im ARD bei Sandra Maischberger (geb. 1966) über elitären Satanismus (Youtube, ARD Mediathek) darf ein Blog wie der vorliegende nicht unerwähnt und unbehandelt lassen.


Es bereitet sehr viel Genugtuung, Andreas Huckele an so prominenter Stelle im deutschen Fernsehen zu sehen. Er war die treibende Kraft, der die Jahrzehnte lange sexualisierte Gewalt, den Seelenmord, an der Vorzeige- und Eliteschule der Bundesrepublik Deutschland, der Odenwaldschule öffentlich gemacht hat. Erst vor kurzem ist diese Schule endlich - endlich - geschlossen worden. Und Andreas Huckele erhält auch das Schlusswort. Auch das bereitet Genugtuung. Und im Gegensatz zu fast allen anderen Gesprächspartnern verbreitet er in diesem Schlusswort keinesfalls Optimismus.

Diese Gesprächsrunde muss bei demjenigen, der sich - wie die regelmäßigen Leser dieses Blogs - mit der Thematik derselben gut auskennt, zwiespältige Gefühle zurück lassen. Man wird an die beiden Experten dieser Runde, an Julia von Weiler und Manfred Paulus zukünftig noch oft denken müssen. Es kann nicht sein, dass sie über die Thematik nicht alles wissen. So wie auch die Leser dieses Blogs. Und doch reden sie - augenscheinlich - nicht deutlich genug über - - - alles.

Vorschaubild
Höchst wertvoll und sozusagen erstmalig wird also eine Sendung lang über rituellen, elitären Satanismus gesprochen. Aber merkwürdig: ohne dass auch nur ein einziges mal das Wort Satanismus überhaupt nur fällt (soweit ich es mit bekommen habe). Wie ist das eigentlich möglich. Dabei sind fast alle notwendigen "Zutaten" genannt: Man sagt ja nicht mehr, dass das alles Einzeltäter sind. Das nicht. Es fällt auch der Begriff "rituell". Es wird die durch rituellen Satanismus hervorgerufene Krankheit benannt: "dissoziative Persönlichkeitsstörung". Es wird auch gesagt, dass es sich um übelst hochorganisierte Kriminalität handelt. Es wird auch deutlich, dass das bis in die obersten Spitzen von Staat und Kirchen und Wohltätigkeitsorganisationen gehen kann. Es wird auch von den Zeugenmorden im Fall Dutroux gesprochen. Es wird - andeutungsweise - davon gesprochen, dass die Eliten Belgiens darin involviert sind.

Andererseits aber wird nur ganz allgemein von "Gruppen" gesprochen. Nicht - soweit übersehbar - von elitären Sekten, von elitären Psychosekten. Und es wird auch an keiner Stelle davon gesprochen, dass diese Sekten von Ideologien getragen werden, sowie von Ritualen. Es wird nicht davon gesprochen, dass die eingesetzten Psychotechniken von Geheimdiensten zum "mind control" benutzt werden. Alles, alles wird immer nur angedeutet.

Deshalb: Ja. Gut, die Sendung. Und andererseits: Verflucht noch mal. Warum wird immer noch alles nur - - - angedeutet?!!! Weitschweifig weiß der Polizeiexperte Manfred Paulus Verbrecher-Persönlichkeiten zu beschreiben. Anstatt zu sagen, dass diese Verbrecher zusammen gehalten werden durch Ideologien und in sektenartigen Strukturen, in Logen.

Man weiß also nicht so recht, was man in letzter Instanz zu dieser Sendung sagen soll. Soll man sie loben? Oder soll sie uns nur an den Gedanken gewöhnen, dass es elitären Satanismus gibt und dass man darüber - - - "diskutieren" kann. Sogar darüber diskutieren kann. Und sogar, ohne ein einziges mal das Wort Satanismus zu benutzen. Und sogar ohne zu erwähnen, dass zur Regierungszeit der "Angela Merkel Großbritanniens", zur Regierungszeit Margaret Thatcher's es einen Kinderschänderring im britischen Parlament gegeben hat. Dessen Strafverfolgung unter Mitwissen und mit Billigung der Regierung selbst ausgesetzt wurde. (So der damalige engste Vertraute Margaret Thatchers im britischen Fernsehen im letzten Jahr, diese Blog berichtete.)

Es muss doch endlich thematisiert werden, welche gesamtgesellschaftlichen Folgen es hat, wenn ausgerechnet die Eliten moderner, aufgeklärter Wissensgesellschaften in einem solchen Sumpf von Pädokriminalität befangen sind. Es muss doch endlich thematisiert werden, woher diese Sprüche kommen "Yes, we can" (Barak Obama), "Ja, wir schaffen das" (Angela Merkel), während genau diese aufgeklärten modernen Gesellschaften demographisch und evolutionär mit vollem, klarem Bewusstsein gegen die Wand gefahren werden. Und zwar exakt so wie das Leben von unschuldigen Kindern gemordet und zerstört wird von solchen - - - "Gruppen".

Montag, 11. Januar 2016

Außerhalb der Wissenschaft verblödet man

Ich muss mal etwas Frust ablassen - Hört gut zu, Ihr 20-jährigen Studenten!

Seit langem einmal wieder ein Videoblogging. Ob die Akustik gut ist, habe ich nicht beachtet. Ich habe, wie man hören kann, ganz andere Probleme!


In diesem Video will ich nämlich kurz dem Gedanken und der Erfahrung Ausdruck verleihen, dass man in gewöhnlicher beruflicher Tätigkeit verblödet. Und dass dieser Umstand einen großen Teil beiträgt zum gegenwärtigen Zustand unserer gesellschaftlichen Verhältnisse. In unserem Kulturleben, im öffentlichen Leben, in gesellschaftlichen und politischen Debatten spielt heutzutage das naturwissenschaftsnahe politische Argument so gut wie keine Rolle. 

Und wenn - zum Beispiel! - ein Björn Höcke einmal kurzzeitig ein solches Argument bringt, wird schnell wieder darüber geschwiegen. Es scheint sogar bis heute kaum einen Wissenschaftler zu geben, der sich zu den Thesen von Björn Höcke überhaupt nur geäußert hat.

Vorschaubild
Mich lässt dieser Zustand mit tiefstem Unbehagen zurück. Aber ich merke auch, wenn ich der Relevanz nachgehe, die die These von Björn Höcke für politische Debatten haben könnte, ich erst in einen Bereich komme, von dem ich für mich selbst sagen würde, dass er mich nicht verblödet. Weil ich zum ersten mal wieder wirklich kreativ, intensiv nachdenke.

Denn das Konzept, von dem Björn Höcke da ausging, die r-/K-Strategie von Philippe Rushton - wenn man für sich klären will, ob diese Theorie gut ist, plausibel ist, muss man tief einsteigen in wissenschaftliches Denken. Und man merkt dann erst, wie sehr man sonst im Alltag verblödet und verblödet ist, weil man merkt, dass man hierzu zum ersten mal wieder seit langem wirklich selbständig und kreativ denken muss.

Sonntag, 10. Januar 2016

Björn Höckes evolutionäres Denken

Mangelndes Vertrauen in die Aufklärungs- und Humanisierungsfähigkeit moderner Wissensgesellschaften
Oder: Warum die Öffentlichkeit ständig geistig und moralisch unterfordert wird

Die Rede des Thüringer AfD-Politikers Björn Höcke (geb. 1972) am 21. November 2015 in Schnellroda auf dem "Staatspolitischen Kongress" des dortigen "Instituts für Staatspolitik" von Götz Kubitschek (Yt.) treibt einen um. Es entstand zuerst - auch hier auf dem Blog - der Eindruck, der Höcke habe da etwas geistig nicht ganz richtig verdaut und rede Quatsch. Dementsprechend war der Tonfall des Artikels zum Thema, der hier am 24. Dezember auf dem Blog eingestellt worden ist, und der am 27. Dezember durch diesen vorliegenden - vollständig neu überarbeitet - ersetzt worden ist. Heute, am 10.1.2016, werden noch einmal wichtige Ergänzungen hinzugefügt. 


Denn man braucht einige Zeit, um zu einer einigermaßen abschließenden Bewertung zu kommen. Man muss insbesondere zunächst noch einmal einen gründlichen Blick werfen hinein in das Buch "Rasse, Evolution und Verhalten" von J. Philippe Rushton, auf das sich Höcke inhaltlich bezieht.

Björn Höcke ist - spätestens seit seinem Auftreten in einer Fernseh-Talkshow bei Günther Jauch - einer der bekanntesten rechtskonservativen Politiker Deutschlands. Wenn nicht der bekannteste und somit auch meist beobachtete und meist diskutierte. Und auch die Arbeit des Instituts für Staatspolitik, die hier auf dem Blog schon seit Jahren durchgängig kritisch begleitet wird (z.B.: 1 - 6), hat wohl noch nie so viel Aufmerksamkeit in der deutschen Öffentlichkeit erhalten wie durch diese Rede (z.B.: 8 - 12).

Aber was nun noch mehr ist: Sie hat Aufmerksamkeit erhalten, weil Björn Höcke in seiner Rede das getan hat, was dieses Institut seit Jahren verweigert zu tun. Er hat nämlich an einer Stelle einmal kurz politisch argumentiert im Rahmen eines naturwissenschaftsnahen Menschenbildes. Er hat also genau das getan, was hier auf dem Blog seit Jahren eingefordert wird.

Ob er das in der geschicktmöglichsten Weise getan hat, stehe dahin. Aber wir sind inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass er rein inhaltlich sachlich gar keinen Fehler begangen hat.

Volker Zastrow hatte in der FAZ noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen (10), woher Björn Höcke (- oder sein Redenschreiber) dieses Argument hatte. Nämlich aus einer Rezension, die mein langjähriger engster wissenschaftlicher Freund, mein ehemaliger Anthropologie-Kommilitone in Mainz, Andreas Vonderach, 2006 in der Zeitschrift "Sezession" verfasst hatte über das Buch von Philippe Rushton "Rasse, Evolution und Verhalten".

Ein abschließendes Urteil über den Menschen Björn Höcke soll hier nicht gegeben werden. Er verehrt Otto von Bismarck wie der Inhaber dieses Blogs. Das macht ihn sympathisch. Er ist Jahrgang 1972. Wenn man sein Agieren in Jauch-Talkshows, in Parlamentsreden, in Volksreden auf Marktplätzen etc. zur Kenntnis nimmt, muss man nicht unbedingt menschlich zu ihm hinfinden*). Er argumentiert aus einer Endzeit-Stimmung und Panikmache heraus, die nicht am Platz ist**), wenn man Vertrauen hat in die Vernunftfähigkeit des Menschen und darin, dass die Wissenschaft aufgeklärte Wissensgesellschaften mühelos von allen Abwegen abbringen kann, auf die sie sich begeben haben spätestens seit den letzten hundert Jahren.

Bis zur 28. Rede-Minute ist die genannte Rede von gar nicht so unwesentlichen rein tagespolitischen Sachargumenten bestimmt. Soweit übersehbar, ist in den deutschen Medien gegen diese Sachargumente auch nirgendwo ausgeprägter Widerspruch laut geworden. Höcke fordert hier einfach, dass sich die deutsche Regierung an die deutschen Gesetze halten soll. Schlichter kann man es gar nicht machen. Und eine solche Schlichtheit kann einem tatsächlich sympathisch sein.

Man möchte fast so weit gehen zu sagen, dass einem eine so gute Rede wie in diesen ersten 28 Minuten weder von Götz Kubitschek noch von anderen seiner engeren früheren oder jetzigen Mitstreiter bekannt ist. Man möchte höchstens kritisch fragen, warum auch Höcke einmal erneut nicht davon spricht, dass es die Politik der USA ist, die seit Jahrzehnten und vermehrt seit 9/11 das Chaos in die islamische Welt gebracht hat und damit auch die gegenwärtige "Flüchtlingskrise" ausgelöst hat. Wie das ja so deutlich im ZDF, nämlich in "Die Anstalt", sowie anderswo herausgearbeitet worden ist (siehe früherer Blogbeitrag). Ab der 28. Rede-Minute sagt Höcke dann folgendes (zit. n. A. Kemper):
Und an dieser Stelle ist es angeraten, meiner Meinung nach, mal die populationsökologische Brille aufzuziehen und den Blick noch etwas zu weiten. Der Bevölkerungsüberschuss Afrikas beträgt etwa 30 Millionen Menschen im Jahr. Solange wir bereits sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern. Die Länder Afrikas, sie brauchen die deutsche Grenze, die Länder Afrikas, sie brauchen die europäische Grenze, um zu einer ökologisch nachhaltigen Politik zu finden. Und die Länder Europas brauchen sie gegenüber Afrika und den arabischen Raum um so dringender, weil Europa phylogenetisch vollständig nachvollziehbar eine eigene Reproduktionsstrategie verfolgt. In Afrika herrscht nämlich die sogenannte Klein-r-Strategie vor, die auf eine möglichst hohe Wachstumsrate abzielt. Dort dominiert der sogenannte Ausbreitungstyp und in Europa verfolgt man überwiegend die Groß-K-Strategie, die die Kapazität des Lebensraums optimal ausnutzen möchte, hier lebt der Platzhaltertyp. Die Evolution hat Afrika und Europa vereinfacht gesagt zwei unterschiedliche Reproduktionsstrategien beschert. Sehr gut nachvollziehbar für jeden Biologen. Das Auseinanderfallen der afrikanischen und europäischen Geburtenraten wird gegenwärtig natürlich noch verstärkt durch den dekadenten Zeitgeist, der Europa fest im Griff hat. Kurz: im 21. Jahrhhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp. Und diese Erkenntnis, wenn diese Erkenntnis von irgendeinem der Altparteien-Politiker zur Kenntnis genommen worden ist, was ich wage zu bezweifeln, diese Erkenntnis die ruft nach einer grundsätzlichen Neuausrichtung der Asyl- und Einwanderungspolitik Deutschlands und Europas, liebe Freunde.
An diesem Zitat ist so gut wie gar nichts diskreditierend oder "Quatsch" oder Unsinn wie es im Artikel vom 24. Dezember auch hier auf dem Blog noch unterstellt wurde. Und man versteht nun wiederum gar nicht, warum Götz Kubitschek diese am 11. Dezember veröffentlichte Rede wenige Tage später verschämt wieder "privat" gestellt hat (s. Youtube), warum er einen früherer Blogbeitrag wieder aus dem Netz genommen hat und dazu am 14. Dezember (um 19.14 Uhr) schrieb (Sezession):
Wir haben Björn Höcke mit der Veröffentlichung seiner knapp einstündigen Rede, die er im Rahmen eines unserer Staatspolitischen Kongresse hielt, keinen guten Dienst erwiesen.
Was ist zu erläutern und zu ergänzen?

Warum macht hier auch nur irgendjemand irgendeinen Rückzieher anstatt einfach nur zu erläutern und zu ergänzen? Anstatt einfach nur dazu aufzufordern, den Philippe Rushton zu lesen? Man muss also unter anderem erläutern und ergänzen, was der Biologie-Student Servan Grüninger in der "Neuen Züricher Zeitung" dazu erläutert und ergänzt hat (NZZ-Campus, 15.12.15, erwähnt von Marcus Anhäuser):
Höcke bezieht sich bei seinen Ausführungen auf eine Theorie der beiden Ökologen Robert MacArthur und Edward Wilson, welche damit die Populationsdynamiken bei der Besiedlung von Inseln beschreiben wollten. Die (vereinfachte) Grundannahme: Eine Population wächst mit der Rate r, bis sie an ihre Kapazitätsgrenze K stösst.  Arthur und Wilson stellten nun die Hypothese auf, dass eine instabile Umwelt jene Arten bevorzuge, welche eine höhere Wachstumsrate r aufwiesen. Anders gesagt: Wenn Umweltkatastrophen häufig sind und damit stets das Risiko besteht, dass die Zahl der Individuen in kurzer Zeit stark dezimiert wird, dann sind jene Arten im Vorteil, welche ihre Population danach schnell vergrössern können, weil sie eine hohe Wachstumsrate aufweisen.   Wenn die Umweltbedingungen jedoch stabil sind, dann sind jene Arten im Vorteil, welche sich optimal an eben diese Bedingungen anpassen – und damit die Kapazitätsgrenze K ausweiten.
Auch Sven Grüninger hält dann fest:
Als grobe Daumenregel mögen die beschrieben Zusammenhänge eine gewisse Gültigkeit besitzen.
Es wäre noch einmal zu überprüfen, wie richtig es ist, zu dieser Theorie zu sagen, es handele sich um eine "mittlerweile veraltete Theorie zu Unterschieden im Fortpflanzungsverhalten zwischen verschiedenen Tierarten" (Pressemitteilung des Berl. Inst. f. emp. Integr.- u. Migr.forsch, 15.12.15 -> pdf, s.a.: W. Eberwein).

Überlegungen zur Plausibilität von Rushtons Theorie

(Ergänzung, 10.1.2016) Soweit meine Wahrnehmung geht, ist diese Theorie - vor allem auch in ihrer Anwendung auf die Humanevolution - bis heute in der Wissenschaft gar nicht zu Ende diskutiert und erörtert worden. Ich selbst hatte mich bis dato niemals genauer mit ihr beschäftigt, da ich andere Themen in der Anthropologie wichtiger fand. Am 28.12.15 schrieb ich als Kommentar zu einem Blogbeitrag von Marcus Annhäuser auf den Scienceblogs (mit dem schönen Titel "Liebe Biologen, #Höcke wäre Eure Chance gewesen"):
Björn Höcke hat inhaltlich, soweit ich sehe, ziemlich korrekt – wenn auch für ein allgemeines Verständnis viel zu kurz – wiedergegeben, worüber Philippe Rushton ein ganzes Buch geschrieben hat. Wenn man sagen will, dass Höcke Blödsinn geredet hat, muss man also darlegen, dass Rushton’s Buch Blödsinn ist. Der englischsprachige Wikipedia-Artikel zu Rushton gibt aber ein widersprüchliches Bild zu dieser Frage:
https://en.wikipedia.org/wiki/J._Philippe_Rushton
Ich glaube, die meisten, die ein schnelles Urteil haben zu dieser Frage, machen es sich zu einfach. (Ging mir auch selbst so.) Höcke stellt EINE biologische Theorie dar. Alle mir bislang bekannten Kritiken zu diesen Höcke-Aussagen (auch die hier im Artikel genannten) sind mir noch nicht überzeugend genug. Sie sollten zum Beispiel auch den Paradigmenwechsel beachten, der jüngst erst wieder in der FAS ausführlich behandelt wurde:
http://www.faz.net/aktuell/wissen/mensch-gene/gibt-es-menschliche-rassen-13917542.html
Wenn zum Beispiel ein Edward O. Wilson seinen Kollegen Rushton gegen politisch motivierte Kritik in Schutz nimmt, heißt das, dass man es sich in diesem Fall nicht zu leicht machen darf.
Nur weil etwas ins eigene Weltbild nicht passt, ist es nicht per se falsch oder unmoralisch.
Ich sehe auch nicht, dass es eine ausdrückliche oder unterschwellige Abwertung von Afrikanern per se wäre, wenn Rushton der Sache nach richtig läge. Wer das behauptet, sagt, dass unterschiedliche Lebensstile und Begabungsprofile weltweit zu beWERTEN wären, nämlich als höherwertig oder minderwertig zu bewerten wären. Das wäre meines Erachtens ein naturalistischer Fehlschluss.
In der Natur, so wissen wir, herrscht VIELFALT. Und wir genießen diese. Deshalb sollten wir auch die der Lebensweise unserer Vorfahren in Afrika näherstehende Lebensweise dort heute Lebenden mit Respekt und Hochachtung begegnen. Auch wenn sie durch die Theorien Rushton’s besser einzuordnen wäre als ohne diese.
Würde man dies tun, wäre es leichter, unemotional in eine solche Debatte einzutreten.
Wenn ich jetzt noch weiter darüber nachdenke, halte ich die Theorie von Rushton doch zunächst einmal für nahe liegend und plausibel. Allerdings würde ich nicht sagen, dass in Afrika instabilere Umweltbedingungen vorherrschen als in Europa (noch dazu in der Eiszeit!). Nein, ich würde sagen, dass das in Afrika vorliegende, der r-Strategie näher stehende demographische Regime, die der r-Strategie näher stehende Bevölkerungsweise, Reproduktionsstrategie größtenteils ein "Relikt" der Humanevolution darstellen werden.

Denn demographische Instabilitäten waren vor allem für jene Vorfahren-Gruppe aller Menschen auf der Erde weltweit zu überstehen, die vor 250.000 bis 200.000 Jahren in Ostafrika den evolutionären Übergang zum "anatomisch modernen Menschen" durchlief in einem inzwischen von der Humangenetik gut erforschten populationsgenetischen Flaschenhals. Als diese Vorfahrengruppe also über viele tausend oder zehntausend Jahre hinweg kurz vor dem Aussterben stand. (Zu jener Zeit evoluierten in Europa und Asien übrigens die Neandertaler und standen dabei keineswegs so stark vor dem Aussterben.) In einer solchen Situation wie damals in Ostafrika wird eine der r-Strategie näherstehende Bevölkerungsweise evolutionsstabiler gewesen sein als eine der K-Strategie nahe stehende. Also werden alle Menschen heute weltweit eher von jenen Gruppen damals in Ostafrika abstammen, die damals eine der r-Strategie näher stehende Bevölkerungsweise lebten, als von jenen Gruppen, die damals eine der K-Strategie näher stehende Bevölkerungsweise lebten. (Man muss ja für jene Zeiträume nicht nur Prozesse der Individual- und Verwandtenselektion, sondern auch Gruppenselektion annehmen.)

Seit 200.000 Jahren und mit der Ausbreitung des anatomisch modernen Menschen nach Nordafrika und über alle anderen Kontinente der Erde hinweg ist ja wie wir heute wissen auch die Intelligenz-Evolution und  die Evolution des angeborenen sonstigen Begabungs- und Neigungsspektrums weitergegangen. Und dafür können ja durchaus - wie Rushton sagt - Bevölkerungsweisen sinnvoll sein, die eher der K-Strategie nahe stehen. (Ergänzung Ende)

Wir stammen alle aus Afrika

Wir stammen alle aus Afrika. Und sollten schon deshalb alle große Hochachtung und großen Respekt haben vor der Lebensweise unserer Vorfahren in Afrika. Die sich dort höchstwahrscheinlich bis heute länger gehalten hat und anders weiterentwickelt hat als in Europa oder Nordasien, wo - nach vielen Daten, die uns heute vorliegen - sich die "jüngste" Humanevolution in den letzten 40.000 Jahren noch einmal beschleunigt hat. Siehe zuletzt den großen Bericht in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (8, 9).

Rassismus wird aus all dem erst, wenn man anfängt, Ängste zu schüren und "andere" Reproduktionsstrategien, Lebensweisen und Begabunsgprofile tendenziell abzuwerten, um dafür die "eigenen", lokalen tendenziell aufzuwerten und zu "höherwertigen" zu erklären. Es entspräche niemals dem Menschenbild der Aufklärung, einen Menschen, der angeborenermaßen weniger intelligent ist als ein anderer per se zu einem minderwertigen Menschen zu erklären. Bekanntermaßen können sehr intelligente Menschen sehr minderwertig handeln. Und tun dies viel zu oft wie hier auf dem Blog in vielen Beiträgen dargelegt. Ob Björn Höcke nun zu solchen Wertungen neigt und sie unterschwellig oder überschwellig durch seine Rhetorik fördert - was keineswegs ausgeschlossen werden kann, da auch das eine angeborene Verhaltensneigung aller Menschen ist und unterbewusst immer und bei jedem stattfindet - müsste noch einmal gesondert untersucht werden.

Vorbauen kann man solchen genannten unwissenschaftlichen Verwertungen von Wissenschaft nur, indem man Gesellschaften geistig und moralisch nicht unterfordert, sondern sie mit den neuesten Entwicklungen in den evolutionären Wissenschaften stetig und ständig Schritt halten lässt und sie sich entlang derselben weiterentwickeln lässt, indem man die Entwicklungen in der Wissenschaft ständig neu erklärt, erläutert, erörtert und schließlich einordnet in das zum Glück moderne, humane, aufgeklärte, würdige Menschen- und Weltbild, das - zumindest dem offiziellen Anspruch nach - heute vorherrscht und vertreten wird.

Warum distanziert man sich, anstatt zu erläutern und zu ergänzen?

Warum distanzierte sich nun aber sogar Björn Höcke selbst von seiner eigenen Rede, anstatt die evolutionsbiologischen Grundlagen seines Nachdenkens darin noch einmal ausführlicher zu erläutern? Am 13. Dezember schrieb er um 15.24 Uhr auf seiner Facebook-Seite:
Ich bedaure, wenn meine Aussagen am 21. November zu Fehldeutungen geführt haben. Ich vertrete das christliche Menschenbild und die Würde jedes Menschen ist für mich unantastbar. Es ging mir darum, deutlich zu machen, dass sich Europa meiner Meinung nach vor einer Einwanderung, die es selbst überfordern würde, durch geschlossene Grenzen schützen muss.
Laut Stiftung Weltbevölkerung wird sich die Zahl der Menschen in Afrika von heute 1,2 Milliarden auf 4,4 Milliarden im Jahr 2100 vervierfachen. Das hat vielfache Ursachen: kulturelle, ökonomische, medizinische und soziologische, die man auch nicht aus dem Blick verlieren darf. Gerade als Politiker muss man auch die großen Entwicklungen im Blick behalten und darf sie nicht aus Sorge vor Missverständnissen oder Fehlinterpretationen verschweigen. Die Überforderung durch die Zuwanderung ist bereits jetzt in deutschen Kommunen sichtbar.
Ich habe Achtung vor jedem Menschen und seiner unveräußerlichen Würde. Unabhängig davon muss es einen offenen politischen Diskurs um die richtige Asylpolitik geben können. Ich habe niemals meine Meinung absolut gesetzt, nehme mir aber das Recht, Diskussionen anzustoßen und fordere eine offene Debatte über alle relevanten Politikfelder.
Und man versteht noch weniger, warum die einstmals und vielleicht noch jetzt so Lucke-freundlichen, davor Kubitschek-freundlichen Dieter Stein und Karlheinz Weißmann von der "Jungen Freiheit" diese Rede einmal erneut zum Anlass nahmen, das Agieren von Björn Höcke und von Götz Kubitschek als im höchsten Maße der Sache abträglich zu charakterisieren (siehe z.B.: 11). Dagegen verteidigte sich Kubitschek dann. Aber wiederum vergleichsweise wenig überzeugend und überhaupt niemals auf irgendeine Sachdebatte eingehend. Auch sonst beantwortete er so manche kritische und verwunderte Frage langjähriger Leser, an der erkennbar wird, dass er auf mancherlei Unzufriedenheiten und Unverständnis reagieren muss. Aber ob sich solche Kritiker mit dem Agieren des Kubitschek zufrieden geben? Ob sie sich damit zufrieden geben, dass auch das Institut für Staatspolitik in einer solchen brisanten Debatte die Öffentlichkeit geistig unterfordert, statt ihre Geistigkeit offensiv herauszufordern?

Höcke in Schnellroda
Keiner der hier Genannten und Beteiligten tut es, nämlich: Die notwendige Debatte rund um ein naturwissenschaftsnahes Menschenbild nun wirklich gründlich zu führen und die Öffentlichkeit aufzuklären und zu bilden. Schlichtweg: Naturwissenschaftliche Bildung zu verbreiten. Am ehesten tut dies noch Karlheinz Weißmann mit seinem Verweis auf den schon genannten langen Artikel in der FAS zur Bedeutung der Evolution und Genetik für menschliche Rassen und Völker (11).

Über Jahrtausende evoluierte Verhaltens- und Begabungsunterschiede auf den drei Kontinenten

Hier auf dem Blog wurden solche sich schon lange anbahnenden und andeutenden Entwicklungen, solche geistigen Unterforderungen schon am 15. August dieses Jahres klar benannt als "Verblödung auf der Internetseite Sezession" (4). Und schon am 12. Juli dieses Jahres war hier auf dem Blog mit Bezug auf die diesbezügliche Öffentlichkeitsarbeit des "Instituts für Staatspolitik" die Rede von einem "Skandal der allerersten Güte" (1). An diesem Urteil kann auch heute nichts geändert werden. Vielmehr bestätigen die jüngsten Geschehnisse alle diese Einschätzungen vollständig. Wo ist souveränes, sicheres Verhalten erkennbar? Das damals als Skandal kritisierte Schweigen über das wissenschaftsnahe Menschenbild von heute hat das "Institut für Staatspolitik" also erstmals - mit Björn Höcke - gebrochen. Und es macht - wie er selbst - gleich danach dann wieder einen Rückzieher. Anstatt die Debatte zu führen. Was soll das?

Der Rushton versuchte also mit der auch von Björn Höcke herangezogenen Theorie, all die heute noch viel genauer als damals bekannten angeborenen Verhaltens- und Begabungsunterschiede zwischen den drei Menschenrassen in Afrika, Asien und Europa zu erklären. Sich auf die Erforschung dieser Unterschiede zu beziehen und auf Theoriebildung rund um diese Forschungen, dagegen ist überhaupt nichts zu sagen. Es muss das halt einfach nur gründlich erläutert werden. Das ist einer modernen Wissensgesellschaft würdig.

Björn Höcke hat sogar mit den Begriffen "Ausbreitungstyp" und "Platzhaltertyp" letztlich recht. Er sagt damit nicht, dass sich nicht auch Europäer weltweit demographisch ausbreiten könnten (wie sie das ja über viele Jahrhunderte viel mehr - und anders! - getan haben als Afrikaner). Sondern es wird damit gesagt: die Ausbreitungs-Art ist eine andere. Sprich: Die demographische Ausbreitung der Europäer hat bislang Wohlstand mit in die Länder gebracht, in die sie sich demographisch ausgebreitet haben oder in denen sie sich lange Zeit demographisch evolutionsstabil erhalten haben (einhergehend natürlich mit der bekannten Umweltzerstörung etc. pp.).

Die demographische Ausbreitung der Bantu-Afrikaner, der wir auf unserem Wissenschaftsblog "Studium generale" viel Aufmerksamkeit gewidmet haben in den letzten Jahren, brachte den Lebensstandard bäuerlicher, sesshafter Gesellschaften in das ganze subsaharische Afrika und ersetzte jeweils die Lebensweise der zuvor dort lebenden Jäger und Sammler.

Indem man solche Sachverhalte feststellt, können sie nur mit Respekt und Hochachtung vor Menschen afrikanischer Abstammung verbunden sein. Sie sind Menschen wie wir. Über die letzten Jahrtausende haben sich die Vorfahren von Menschen afrikanischer Abstammung einfach anders evoluiert als unsere eigenen Vorfahren. Dafür können sie nichts und dafür können wir nichts. Wir können nur alle verantwortungsbewusst und menschenwürdig mit uns jeweiligen bisherigen Endprodukten der Evolution umgehen, auf die Eigenschaften dieser Endprodukte reagieren und angemessene Antworten auf das geben, was die Wissenschaft gegenwärtig darüber herausbekommt, dass der Mensch als das soziale Wesen, das er ist, bis heute immer in Gruppen und Völkern evoluiert ist. Und dass es höchstwahrscheinlich viel Sinn macht, wenn er dies auch weiterhin tut. Allerdings nicht dadurch, dass er andere Völker abwertet, sondern dass er ihnen mit Respekt und Hochachtung entgegentritt.

____________________________________________________
*) Ergänzung 10.1.16: Es gibt aber ein Interview von Judith Noll von Salve.tv mit Björn Höcke, das am 18.2.2015 ausgestrahlt worden ist, in dem er einfach menschlich sehr sympathisch herüber kommt.
**) Ergänzung 10.1.16: Äääähm ...., ganz ehrlich: Die Vorgänge in der Silvesternacht 2015 am Hauptbahnhof in Köln haben sogar diesbezüglich Björn Höcke in vollem Umfang bestätigt. Leider. Ich werde jedenfalls zukünftig zurückhaltender sein beim Kritisieren von Björn Höcke. Und kritisiere da dann doch lieber andere Politiker.

________________________________________________________________
Die erste Version dieses Artikels wurde am 24.12.15 veröffentlicht und deckte sich in ihrem herablassenden Tenor noch nicht mit dem jetzt vorliegenden Artikel, der am 27.12.15 zuerst veröffentlicht wurde und am 10.1.16 noch einmal um ein wichtiges Argument erweitert wurde.
____________________________________________________
  1. Bading, Ingo: Ein Skandal der allerersten Güte. Das "Institut für Staatspolitik" in Schnellroda und sein geistig überaus schmalspuriges Auftreten. Auf: GA-j!, 12. Juli 2015
  2. Bading, Ingo: Rettet naturwissenschaftsnaher Katholizismus die europäischen Völker? Entwicklungen auf dem Internetblog "Projekt Ernstfall". GA-j!, 23. Juli 2015
  3. Bading, Ingo: "Eine Milliarde Katholiken gegen 200 Ludendorffer - viel Spaß in der Bataille". GA-j!, 28. Juli 2015
  4. Bading, Ingo: Verblödung auf der Internetseite Sezession. Katholische Rechtskonservative seit über 40 Jahren: "Gehe zurück auf Los und fange bei Null an". GA-j!, 15. August 2015
  5. Bading, Ingo: Alain de Benoist - Er hat "biologische Fragestellungen" "allzu sehr in den Vordergrund gestellt. GA-j!, 7.10.2015 
  6. Bading, Ingo: Alain de Benoist - Ein rechtskonservativer Hijacker. GA-j!, 11.10.2015
  7. Bading, Ingo: Lasst sie nicht abreißen! - Die kulturelle und genetische Tradition. Begreift Euch als Erben! Eine Lesehilfe zu Peter Sloterdijk's neuestem Buch "Die schrecklichen Kinder der Neuzeit" (2014). GA-j!, 15. Oktober 2015
  8. Albrecht, Jörg: Das Fremde und das Vertraute. In: FAS, 17.11.2015
  9. von Rauchhaupt, Ulf: Lewontins Fehlschluß. In: FAS, 17.11.2015
  10. Zastrow, Volker: Neue Rechte - Höckes Rassetheorie. In: FAZ, 20.12.2015
  11. „Sonst endet die AfD als ‘Lega Ost’“ - Interview mit Karlheinz Weißmann. In: Junge Freiheit, 21.12.2015
  12. Hermsdorf, Daniel: Volksverhetzung durch angebliche #Rassismus-Kritik? Filmdenken, 21.12.2015
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Beliebte Posts

Social Bookmarking

Bookmark and Share

Follower

Regelmäßige Leser dieses Blogs

Wichtige Bücher