Donnerstag, 13. Juli 2017

"What is the enemy? - White supremacy!"

Vom naturalistischen Fehlschluß in naturwissenschaftsnahen politischen Erörterungen

Das Wichtigste in Kürze: Charles Murray (geb. 1943) (Wiki), Autor des Bestseller "Bell Curve" von 1994, in dem angeborene Intelligenzunterschiede zwischen aschkenasischen Juden, Ostasiaten, Europäern und Schwarzafrikaner behandelt werden in Bezug auf die soziale Schichtung in der mulitkulturellen Gesellschaft in den USA, sollte Anfang März an einer US-amerikanischen Elite-Universität, dem Middlebury College, einen Vortrag halten. Dieser wurde durch Studentenproteste verhindert. Die Vorfälle lösten in der amerikanischen Öffentlichkeit eine Erörterung aus darüber, was, wie, wo und warum rund um die von Charles Murray und andere aufgeworfenen Erkenntnisse der modernen Intelligenzforschung erörtert werden sollte. Ein wenig Fahrt aufgenommen hat die dortige öffentliche Erörterung der Fragen durch den Umstand, daß der bekannte Gotteswahn-Kritiker Sam Harris aus diesem Anlaß ein langes Interview mit Charles Murray führte. In Deutschland hat noch niemand (niemand!) auf diese aktuelle Erörterung in den USA hingewiesen, deshalb der folgende Blogbeitrag.

Der naturwissenschaftsnahe, rechtskonservative Thinktank "American Enterprise Institute" hat Studentengruppen an der einen oder anderen US-amerikanischen Universität. Nun gibt es das "Middlebury College" im US-Bundesstaat Vermont (Wiki) - gelegen etwa 300 Kilometer nördlich von Boston und 50 Kilometer südlich der kanadischen Grenze. Es gehört zu den Eliteuniversitäten der USA. Und dort hat eine solche Studentengruppe nun ein Mitglied des genannten Instituts, den schätzenswerten Autor Charles Murray (geb. 1943) (Wiki), gebeten, einen Vortag zu halten.

Von diesem Vortrag gibt es ein Video (1). Im Publikum ist aufgebrachte Stimmung, es läßt aber alle Vorredner von Charles Murray aussprechen. Als dann Charles Murray selbst an das Podium tritt, erhebt sich wohl etwa die Hälfte aller im Saal anwesenden Studierenden, kehrt ihm den Rücken zu und liest im Sprechchor einen Text ab. Am Schluß hämmert dieser Sprechchor sich selbst und den sonstigen Zuhörenden in oftmaliger Wiederholung den Satz ein: "What is the enemy? - White supremacy" (1; etwa ab Minute 23). Man fühlt sich an die Agitprop-Propaganda in kommunistischen Staaten erinnert. 

Und das ist natürlich ein hochgradig intellektuell differenzierter Debatten-Beitrag, würdig einer amerikanischen Elite-Universität.

Das Schlagwort "White supremacy" ist in Deutschland (noch) wenig gebräuchlich. Was mit ihm angesprochen sein soll, kann man auf Wikipedia nachlesen (Wiki). Es erfordert natürlich nur wenig intellektuellen Scharfsinn, sich klar zu machen, daß dieses Schlagwort den sogenannten "naturalistischen Fehlschluß" unterstellt, nämlich den vom Sein zum Sollen, also: Weil die aschkenasischen Juden angeborenermaßen das intelligenteste Volk der Erde sind, müssen sie auch über alle anderen Völker herrschen. Oder: Weil die Ostasiaten angeborenermaßen die zweit-intelligentesten Menschengruppe auf der Erde sind, müssen sie an der Herrschaft über alle anderen Völker mitbeteiligt werden. Oder: Weil die Weißen europäischer Herkunft angeborenermaßen die dritt-intelligenteste Menschengruppe sind - aber zugleich aufgrund der Geschichte die unverfrorenste von allen - muß sie über alle Völker herrschen. Oder: Weil die Schwarzafrikaner zu den angeborenermaßen weniger intelligenten Völkern gehören, müssen sie versklavt und beherrscht werden.

Das ist natürlich alles ganz und gar platt gedacht. Aber genau deshalb wird ja das Denken in solchen naturalistischen Fehlschlüssen von Religionsgesellschaften, Geheimgesellschaften, Geheimdiensten, Großbanken und sonstigen Hintergrundmächten seit gut hundert Jahren allerorten gefördert, wo es diesen dienlich erscheint, nämlich: um eine Beschäftigung mit den damit verbundenen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen aus humanem Geist heraus von vornherein in der bestmöglichen Weise zu diskreditieren.

Jedenfalls: Der Vortrag von Charles Murray mußte abgebrochen werden und an anderem Ort durchgeführt werden. Dabei scheint es zu Rangeleien gekommen sein, wobei Menschen verletzt wurden (Wiki). Übrigens hat Charles Murray in früheren Jahren auch schon ganz unbeanstandet Vorträge an deutschen Universitäten gehalten. Sein Buch "Human Accomplishment" läßt einen tiefen Blick werfen in die Tatsache, daß über 90 % aller kulturellen Errungenschaften der Menschheit 1. von Europäern, 2. von Männern hervorgebracht worden sind. Mit diesen Forschungen kann man sich wissenschaftlich seriös auseinandersetzen. Aber das geht natürlich nicht in Sprechchören.

Sam Harris führt ein Interview mit Charles Murray


Jedenfalls hat der ganze Vorgang nun in den USA eine Erörterung des Themas Meinungsfreiheit ausgelöst. Mehr oder weniger entscheidend ist aber, daß auch der Gotteswahn-Kritiker Sam Harris (geb. 1967) diesen Vorfall zum Anlaß genommen hat, um am 23. April 2017 mit Charles Murray ein über zweistündiges Interview zu führen (2).

Und dies hinwiederum führte dazu, daß die Erörterung nun auch ihren Weg in den angesehenen US-amerikanischen "National Review" gefunden hat (3, 4). Dort befürworten in zwei Artikeln Hochschullehrer, daß es keine Rede- und Forschungstabus zu diesem Thema geben dürfe. Immerhin! Will heißen: Der erste Artikel meint, das Thema könne gerne weiter in abseitigen Internetforen und -blogs (wie unserem) weiter diskutiert werden - aber bitteschön nicht in den großen Medien. Oder gar in Parteien, Verbänden und so weiter. Nun, hier wird offenbar nur das Faktum anerkannt, daß man eine Diskussion im Internet sowieso schwer verhindern kann! :) 

Aber auch gegen diese Nonchalance stellt sich der antwortende Artikel, der meint, das Thema müsse auch in den großen Medien offen behandelt werden (4).

An inhaltlichen Sachargumenten gibt es - soweit wir das übersehen - kaum neue, deshalb soll an dieser Stelle auf diese Erörterungen nur hingewiesen werden, ohne daß wir uns hier zunächst mit weiteren Einzelheiten befassen wollen. Das haben wir an früherer Stelle schon genügend getan hier auf dem Blog. (Etwa 2010 rund um die Debatte um das Buch von Thilo Sarrazin "Deutschland schafft sich ab".)

Als auffällig sei noch vermerkt, daß - soweit übersehbar - dies der erste deutschsprachige Blog ist, der auf diese Erörterungen in den USA überhaupt hinweist, von anderen deutschsprachigen Medien ganz abgesehen. Und das, obwohl es doch auch in Deutschland viele Sympathisanten von Sam Harris in der kirchenfreien Szene gibt. Als auffällig sei weiterhin vermerkt, daß die ganzen deutschen Rechtskonservativen rund um Pegida, Identitäre Bewegung und AfD natürlich hochgradig wichtigere Dinge zu tun haben, als sich mit solchen grundlegenden Verschiebungen im Welt- und Menschenbild überhaupt zu befassen. Dort möchte man die Menschen - offenbar - lieber dumm lassen, damit man "später" dann um so besser als Rechtspopulist naturalistische Fehlschlüsse predigen kann. Ohne Frage.

Denn der Autor dieser Zeilen weiß aus verschiedenen Äußerungen, die er selbst gehört hat oder die ihm mitgeteilt wurden, daß den führenden Politikern der AfD bekannt ist, daß das naturwissenschaftsnahe Argument das stärkste Argument in der politischen Debatte ist. Es gibt da ganz klar irgendwelche Hintergrund-Stichwortgeber, die diesen Politikern "beratend" zuraunen, daß das Argument zwar vorhanden ist und grundsätzlich benutzt werden kann, daß man es aber - vorerst - (aus welchen taktischen Gründen auch immer) noch nicht benutzen dürfe. Es wird das erkennbar am Denken, Handeln und an (vereinzelten) Äußerungen von solchen Politikern und Politikberatern wie Björn Höcke, Alexander Gauland oder Michael Klonovsky. Daß ein solches Bewußtsein und Denken zum Beispiel besonders prägnant bei Hans-Thomas Tillschneider (geb. 1978) vorliegt, ist uns von dritter Seite, von Seiten eines Leser dieses Blogs, sehr eindrucksvoll übermittelt worden. Wir wissen: Hans-Thomas Tillschneider ist sich der Kraft des naturwissenschaftsnahen Argumentes bewußt. Und benutzt es ganz bewußt nicht.

Da nun bei dem vielen Taktieren des Führungspersonals der AfD auch sonst allzu deutlich durchscheint, daß hier viele gruppenevolutionäre Strategien verfolgt werden - - - nur keine deutschen - ist es nur zwangsläufig, daß dies auch und insbesondere bezüglich des Umgangs mit dem naturwissenschaftsnahen Menschen- und Völkerbild so geschieht. Es könnte ja Völker retten. Und wer will das schon.

________________________________________________
  1. DiGravio, Will: Students Protest Lecture By Dr. Charles Murray at Middlebury, 2.3.2017, https://www.youtube.com/watch?v=a6EASuhefeI
  2. Harris, Sam: Waking Up With Sam Harris #73 - Forbidden Knowledge (with Charles Murray). 23.4.2017, https://www.youtube.com/watch?v=Y1lEPQYQk8s
  3. McWorter, John: Stop Obsessing Over Race and IQ - It serves no purpose. In: National Review, 10.7.2017, http://www.nationalreview.com/article/449208/race-iq-debate-serves-no-purpose
  4. Anomaly, Jonathan; Boutwell, Brian: A Reply to John McWhorter - We shouldn’t obsess about race and IQ, but we should openly discuss it. In: National Review, 12. Juli 2017, http://www.nationalreview.com/article/449388/race-iq-dont-obsess-over-it-do-discuss-it

Mittwoch, 12. Juli 2017

"Herrn Badings Inquisitionsschriften" ...

Diskussionen rund um die Freimaurer-Symbolik am Völkerschlachtdenkmal von Leipzig
2011 bis heute

Wer sich zuvor schon einmal ein wenig auseinander gesetzt hatte mit dem Nachdenken des Ehepaares Erich und Mathilde Ludendorff darüber, ob dem 1927 eingeweihten Denkmal zur Schlacht bei Tannenberg Freimaurer-Symbolik zugrunde läge, der mußte aufhorchen in dem Augenblick, in dem der Öffentlichkeit bekannt wurde, daß das Völkerschlachtdenkmal von Leipzig voller Freimaurersymbolik ist, ja, daß es sogar 1913 am Abend vor der offiziellen Einweihung durch den deutschen Kaiser von mehreren hundert Freimaurern im Geheimen eingeweiht worden ist (Wiki, Freimaurer-Wiki).

Die Mutter des Autors dieses Blogs hatte eines Abends im Fernsehen eine Sendung gesehen, in der von dieser geheimen freimaurerischen Einweihung am Vorabend der offiziellen die Rede war. Der Blogautor recherchierte diesen Dingen hinterher (1-22) und fand, daß es zu dieser Thematik vor allem ein wichtiges Buch gibt, in dem die Freimaurer-Symbolik des Völkerschlacht-Denkmals und alle damit zusammenhängenden Fragen erörtert wird (3, 4).

Er besorgte es sich und schrieb dazu im November 2011 eine Rezension (15). Von dieser stellte er eine kürzere Fassung auch auf Amazon ein. Einer der beiden Autoren des rezensierten Buches - wohl Frank Heinrich - soll vor Wut an die Decke gegangen sein, als er diese Rezension las und soll sich um eine Löschung der Rezension auf Amazon bemüht haben. Vergeblich. Als nächstes war festzustellen, daß der ganze Verlag, in dem das Buch einstmals erschienen war, von der Bildfläche verschwand. Als nächstes war festzustellen, daß dieser Verlag dann plötzlich doch wieder da war (22).

Und nun stellen wir heute fest, daß auf der Internetseite dieses Verlages sich zum ersten mal auch eine - kleine, kurze - Stellungnahme zu unseren kritischen Beiträgen über die Freimaurer-Symbolik am Völkerschlachtdenkmal von Leipzig findet (23). Darauf soll im vorliegenden Beitrag kurz hingewiesen werden, die nur sehr kurze Stellungnahme soll hier ebenso kurz erörtert werden. Und wir warten dann noch, wann - zum Beispiel - der von uns sehr geschätzte Leipziger alternative Journalist Hagen Grell dieses Thema aufgreift.

"Herrn Badings Inquisitionssschriften" ... 😉



Die genannte Stellungnahme (s. mdg-books) ist unter der Rubrik "Absonderliche Kommentare" eingeordnet. Ach, da wird uns das Herz doch warm. Es wird dort bislang zwar nur auf zwei "absonderliche Kommentare" eingegangen. Es ist aber noch auf zwei weiteren, noch leeren Seiten Platz für die Behandlung weiterer "absonderlicher Kommentare". Diese werden also noch erwartet. Auch das macht uns das Herz warm. Womöglich sind sie schon bekannt und man hat nur noch nicht Zeit gehabt, auf sie einzugehen.

Oder möchte vielleicht noch jemand einen "absonderlichen Kommentar" schreiben? Wir fänden das dringend notwendig. Schon damit die beiden beiden leeren Seiten nicht leer bleiben müssen.

Nun, unser "absonderlicher Kommentar" findet sich dort derzeit gleich als erster behandelt. Eine wirklich schöne Rubrik, unter der wir da eingeordnet werden. Und dann gleich an erster Stelle. Oho, oho, was sollen wir bloß von uns denken! Wir verstehen natürlich schon: Uns einfach nur unter der Rubrik "Presse" einzuordnen, wo so manche wohlwollende Rezension zitiert wird - oh je, das geht natürlich nicht.

Dennoch: Ohlala! Wir fühlen uns geehrt! Vielen Dank, Herr Heinrich. Warum eigentlich nicht gleich? Warum lassen Sie sich sechs Jahre Zeit dafür? Und versuchten anfangs - nur so hintenrum - (siehe oben) unsere Amazon-Rezension löschen zu lassen? (Sie widersprechen dieser Behauptung ja jedenfalls bislang nicht!) Da nun diese Stellungnahme nur so kurz ist, wird man zunächst einmal feststellen dürfen, welchen Behauptungen von unserer Seite sie alles nicht widerspricht. Ohlala, man darf doch meinen, daß das eine ganze Menge ist. Aber kein Widerspruch bedeutet natürlich keinesfalls (!!!) Zustimmung, wir wissen das schon, Herr Heinrich. Wir wissen das schon. Dennoch wollen wir es als bemerkenswert festhalten. Wenn es irgendetwas wirklich Krasses gegeben hätte unter unseren Behauptungen, das zu widerlegen Ihnen leicht und/oder wichtig wäre - sie hätten das doch sicherlich getan.

Ach, wir nehmen uns viel zu wichtig. Das wissen wir schon.

Denn im Grunde ist das ja alles nur "lächerlich" und "übel", was wir schreiben. Das muß man nicht alles im einzelnen widerlegen. Trotzdem steht da über die - - - "Inquisitionsschriften" des Ingo Bading - das ist doch eine ganz bemerkenswerte Kennzeichnung - nein, die müssen wir noch ein bisschen auf uns wirken lassen: Menschen, die ein Buch schreiben, dessen Titel seiner Gesamt-Aussage nach lauten könnte "Über Schlachtfelder, über Massenmorden hinweg zu Gott!" werfen uns mal eben "Inquisition" vor, weil wir einem solchen Gesamt-Tenor schlichtweg ziemlich kritisch gegenüber stehen. Also wenn das nicht wunderhübsch ist, was soll dann wunderhübsch sein? Da steht dann also (mdg-books):
Er macht aus uns beiden Autoren, Satansdiener, Satansjünger. Vergißt aber zu erwähnen, welchen Satan er meint. Meint er den jüdischen, christlichen oder gar den islamischen-muslimischen Satan? Darüber schweigt er sich aus.
Grins! Oh je, ganz fröhlich schweigen wir uns darüber aus. Na so was aber auch. Und warum? Weil es uns, ähm - - - egal ist, Herr Heinrich! Weil wir uns über solche "Unterschiede" noch nie Gedanken gemacht haben. Oh, wir sind schon schlimm. So undifferenziert zu arbeiten. Aber interessant, was Ihnen überhaupt wichtig erscheint, wenn Sie unsere Kritik lesen. Sie scheinen sich auch dann noch gar nicht aus Ihren okkulten "Wichtigkeiten" herauslösen zu können. Natürlich muß es für einen Okkultgläubigen wichtig sein, welchen Satan er anbetet. Ohne Frage. Für unsereinen: nein, nicht wichtig. Gotteswahn und Satanswahn - warum sollen uns da die Unterschiede groß interessieren?

Sie interessieren uns schon deshalb nicht, weil wir uns gar nicht erinnern können, daß das aus dem behandelten Buch oder den Verlagsaktivitäten irgendwie hervor ginge, welcher Satan nun ganz konkret verehrt würde. Unserer Erfahrung nach ist man doch in solchen Kreisen wie diesen da immer recht "synkretistisch". Sollte man da nicht der Meinung sein, daß man mit einer solchen Arbeitshypothese - es würde ein synkretistisch verstandener Satan verehrt - erst einmal arbeiten dürfte?

"Absonderlicher Kommentar" 😉


Die 5. Auflage aus dem September 2015
Aber wenn Herrn Heinrich - oh je, warum fällt uns grade der Satz "Heinrich, mir graut's vor Dir" ein (Mensch, immer diese blindwütigen Assoziationen, typisch, typisch [Wiki]) - ausgerechnet diese Frage so wichtig ist, erkläre er uns doch zunächst einmal, welchen Satan er denn nun tatsächlich anbetet. Er könnten doch nun der Öffentlichkeit einfach einmal - sagen wir: Spaßes halber - mitteilen, welcher Satan denn das nun ist. Dem Wortlaut dieser Ausführungen wird ja doch wohl recht fröhlich entnommen werden dürfen, daß es ja offensichtlich irgendeiner sein muß. Oder irrt man sich schon wieder?! Ach je, man irrt sich gewiß. Wir tappen ja doch immer so im Dunkeln als Uneingeweihte. Es ist gräßlich!

Herr Heinrich widerspricht in seiner Stellungnahme im Grunde nur unserer Beobachtung, daß der Erzengel Michael ziemlich satanistische Züge und Eigenschaften aufweist. Das geschah, wenn man sich recht erinnert, in irgendeiner Logenrede, die auf dem Freimaurer-Wiki wiedergegeben wird, auch schon. Und das ist einem natürlich schon klar, daß man als Weißmagier keinesfalls als Schwarzmagier angesehen werden möchte, weder intern in okkulten Kreisen, noch viel mehr extern. Der Erzengel Michael ist der Gute, das wissen wir nun schon. Darüber kann sich ja dann die Leserschaft schon ihr eigenes Urteil bilden. Wir bleiben bei unserer Feststellung: Das Völkerschlachtdenkmal von Leipzig zelebriert nach der Interpretation von Herrn Heinrich den Gedanken: Über Schlachtfelder, über Massenmorden hinweg zu Gott.

Diesem Grundgedanken widerspricht Herr Heinrich auch nicht. Und das reicht im Grunde schon, um jenen Gotteswahn zu kennzeichnen, der hier vorliegt. Gotteswahn ist - soweit es Monotheismus angeht - immer zugleich Satanswahn. (Und auch Herr Heinrich spricht - interessanterweise! - nicht von der Möglichkeit eines nicht-monotheistischen Satans, auch das sei nebenbei festgehalten. So weit reicht sein Synkretismus jedenfalls offenbar nicht.)

Und so sei am Schluß einfach einmal nur ein Dank ausgesprochen, daß Herr Heinrich auf unsere kritische Stellungnahme auf seiner Internetseite hinweist und - scheinbar - nicht mehr dafür plädiert, daß unsere Stellungnahme gelöscht werden sollte von irgendwelchen Zensur-Ministerien. (Natürlich wissen wir nicht, was sich Herr Heinrich intern alles als Vorgehen gegenüber "Inquisitionsschriften" wünscht, das können wir uns ja nur ausmalen.) Wir wünschen uns nur, daß Herr Herr Heinrich und Herr Affeldt der Neuauflage ihres Buches einfach den Titel geben: "Über Schlachtfelder, über Massenmorden hinweg zu Gott! Hurra!" Das ist der richtige Buchtitel, mehr sagen wir nicht. Und das reicht uns. In Hamburg während des G20-Gipfels ist doch auch wieder fröhlich nach diesem Motto gehandelt worden von internen und externen - - -Kapuzenträgern.

Und wenn schon so schön zu Telefonanrufen aufgemuntert wird von Herrn Heinrich, dann gehen wir noch einen Schritt weiter und schlagen vor, daß wir die Inhalte dieses Buches einfach einmal auf einer Podiumsdiskussion in Leipzig über mehrere Stunden hinweg erörtern. Vielleicht finden wir ja zu einem Konsens, der Herrn Heinrich, uns und den Leipzigern gefällt! Auf jeden Fall scheinen die Standpunkte in der Tat im mündlichen Gespräch leichter zu klären sein. Private Telefongespräche mit Satansanbetern führt der Autor dieser Zeilen allerdings nur sehr ungern. Nichts für ungut.


____________________________________________

  1. Affeldt, Rolf; Heinrich, Frank: Das Völkerschlachtdenkmal gibt sein Geheimnis preis. Nouvelle Alliance, Leipzig 1993
  2. Hans-Dieter Schmid: Völkerschlachtdenkmal, Völkerschlachtgedenken und deutsche Freimaurerei im Jubiläumsjahr 1913. In: Marlis Buchholz u. a. (Hrsg.): Nationalsozialismus und Region. Festschrift für Herbert Obenaus, Bielefeld 1996, S. 355-379
  3. Affeldt, Rolf; Heinrich, Frank: Testament der Freimaurer. Das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig. Helikon Joggers, Bartsch & Sippenauer, Leizpig 1999
  4. Affeldt, Rolf; Heinrich, Frank: Testament der Freimaurer. Das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig. MdG-Verlag, Leipzig 2000 (4. Aufl.) 2009 (224 S.); auch auf englisch: MdG-Verlag 2008
  5. Förster, Otto W.; Hempel, Günter Martin: Leipzig und die Freimaurer. Eine Kulturgeschichte. Taurus Verlag 2007 (Amazon)
  6. Ludwig, Karin; Erler, Michael: Tempel, Logen, Rituale. Die Geheimnisse der Freimaurer. Dokumentarfilm, Deutschland 2008. 44 Minuten. Ein Film der Neuen Mediopolis Filmproduktion GmbH Leipzig im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks. Ausgestrahlt auf: ARD, 20.8.200823.30 UhrPhoenix, 10.2.2009Schweizer Fernsehen, 7. und 9.6.20093Sat, 9. Juli 2009, 20.15 Uhr3Sat, 17.7.2011MDR, 12.6.2011Phoenix, 26.11.2011 (Google VideoVeoh)
  7. Süß, Alexander: Leipziger Freimaurer in Wort und Stein. Der Einfluss der Logen auf das Völkerschlachtdenkmal und die Verlagsstadt. Salier Verla, Leipzig 2009 (siehe Rezension von Ralf Julke)
  8. Heinrich, Frank: Architekt Clemens Thieme. MdG Verlag, Leipzig 2009 (90 S.)
  9. Erler, Michael: Das Geheimnis des Völkerschlachtdenkmals. (In der Reihe: Mitteldeutsche Wahrzeichen.) Dokumentarfilm, Deutschland, 30 Min. (Moderator: Axel Bulthaupt) MDR, 15.11.2011, 20.45 Uhr (Interview mit Frank Heinrich).
  10. Ullrich, Jens: Das Völkerschlachtdenkmal und die Freimaurer. Logenbrueder.de, 2005
  11. Treffpunkt Leipzig: Auf den Spuren der geheimnisvollen Freimaurer.
  12. Bading, Ingo: Schreckensmale okkulter Priesterdiktatur - Die Schlachtendenkmäler von Leipzig und Tannenberg - Freimaurerziele 1813, 1913 und 1927 - Sturz von Kaiser und Reich, Zwingherrschaft über die Völker Europas durch Aufhetzung zu Krieg und Völkermord. Auf: GA-j!, 27. November 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/11/schreckensmale-okkulter.html
  13. Bading, Ingo: Über Schlachtfelder zu Gott: Das okkult-satanistische Völkerschlachtdenkmal in Leipzig Der Reigen der okkult-freimaurerisch-anthroposophisch-satanistischen Veröffentlichungen des MdG-Verlages rund um das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. GA-j!, 28. November 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/11/uber-schlachtfelder-zu-gott-das-okkult.html
  14. Bading, Ingo: Kriegerdenkmäler als Freimaurerdenkmäler - das Beispiel Tannenberg (1927) "Mit den besten Empfehlungen" - der "Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland". GA-j!, 9. Dezember 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/12/kriegerdenkmaler-als.html
  15. Bading, Ingo: Die Freimaurer und die SS: "Todesmutige Männer in schwarzen Uniformen" Kriegsverherrlichung und Satanismus in Leipzig. GA-j!, 9. Dezember 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/12/die-freimaurer-und-die-ss-todesmutige.html
  16. Bading, Ingo: Oktogonale Kriegerdenkmäler in Deutschland und England - mit geheimem Hintersinn?, GA-j!, 22. Dezember 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/12/oktogonale-kriegerdenkmaler-in.html
  17. Bading, Ingo: "Freimaurer müssen Front machen gegen Staaten und Regierungen, die dem großen Menschheitsziel entgegenlaufen" "Sind gepanzerte Fäuste notwendig?" - Offenbar weitere Erläuterungen zum Freimaurerdenkmal in Leipzig in einem angekündigten Reprint aus dem Jahr 1927. GA-j!, 31. Dezember 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/12/freimaurer-mussen-front-machen-gegen.html
  18. Bading, Ingo: Husch, husch - zurück in die Höhlen ... Wohin ist er verschwunden, der "MdG-Verlag", jener anthroposophische, satanismusnahe Freimaurer-Verlag in Leipzig? - Oder: "Wo sind all die Indianer hin? ..." GA-j!, 8. Januar 2013, http://studgenpol.blogspot.de/2013/01/husch-husch-zuruck-in-die-hohlen.html
  19. Bading, Ingo: "Ende der Sperre: Nie" - Auf dem öffentlichen Internetforum der deutschen Freimaurer Weil wir - "geschickt zusammengestellt" - gegen die Freimaurer ... "hetzen" Aber: Wird wirklich nach den Prinzipien offener Gesellschaften gehandelt auf dem öffentlichen Internet-Forum der "Vereinigte Großlogen in Deutschland"? GA-j!, 27. Juni 2013, http://studgenpol.blogspot.de/2013/06/ende-der-sperre-nie-auf-dem.html
  20. Bading, Ingo: Hundert Jahre Völkerschlachtdenkmal - ein Grund zum Feiern? Ein Völkerschlachtdenkmal-Verherrlicher und Freimaurer "geht vor Wut an die Decke ..." - Unser Blog hatte ihn doch nur gründlich gelesen und rezensiert .... Auf: GA-j!, 18. Oktober 2013, http://studgenpol.blogspot.de/2013/10/hundert-jahre-volkerschlachtdenkmal-ein.html
  21. Bading, Ingo: "Mein Denkmal ist ein anderes ..." Nochmals zum Völkerschlachtdenkmal von Leipzig. GA-j!, 3. November 2013, http://studgenpol.blogspot.de/2013/11/mein-denkmal-ist-ein-anderes.html
  22. Bading, Ingo: Totgesagte leben länger Der MdG-Verlag in Leipzig ist wieder da und - bewirbt weiter den "umstrittenen" Freimaurerkoloß daselbst. GA-j!, 15. Februar 2016, http://studgenpol.blogspot.de/2016/02/totgesagte-leben-langer.html
  23. Heinrich, Frank: Absonderliche Kommentare von Herrn Ingo Bading. Ohne Datum, http://www.mdg-books.com/presse-seite2.html [12.7.17]

Dienstag, 4. Juli 2017

"Landgraf, werde hart"

Von der Weisheit einer deutschen Sage des Mittelalters

Es gibt deutsche Sagen, deren Inhalt überzeitlichen Charakter hat, und die sehr direkt in die Seele von Menschen greifen können, die noch heute leben und zum Handeln aufgefordert sind. Zu diesen Sagen gehört jene vom "Hart geschmiedeten Landgraf". 

Abb. 1: Landgraf Ludwig II. der Eiserne (1128-1172)
Grabstein in Eisenach
Fotograf: Wolfgang Sauber (Wiki)

Diese Sage ist sehr kurz. Sie soll im folgenden vollständig wiedergegeben werden (1). Denn es mag ja durchaus viele geben, die das Wort "Landgraf, werde hart" schon einmal irgendwo gehört haben. Aber kennt man auch die Geschichte dazu? Die Sage handelt interessanterweise gar nicht einmal von einer Sagengestalt, sondern von einer historischen Gestalt der deutschen Geschichte, nämlich dem Landgrafen von Thüringen, Ludwig II., dem Eisernen (1128-1172) (Wiki). Dieser war mit der Schwester Jutta des deutschen Kaisers Friedrich Barbarossa verheiratet. So lautet sie:

Der hart geschmiedete Landgraf

Zu Ruhla im Thüringerwald liegt eine uralte Schmiede, und sprichwörtlich pflegte man von langen Zeiten her einen strengen, unbiegsamen Mann zu bezeichnen: er ist in der Ruhla hart geschmiedet worden.

Landgraf Ludwig zu Thüringen und Hessen war anfänglich ein gar milder und weicher Herr, demütig gegen jedermann; da huben seine Junkern und Edelinge an stolz zu werden, verschmähten ihn und seine Gebote; aber die Untertanen drückten und schatzten sie aller Enden. Es trug sich nun ein Mal zu, daß der Landgraf jagen ritt auf dem Walde, und traf ein Wild an; dem folgte er nach so lange, daß er sich verirrte, und ward benächtiget. Da gewahrte er eines Feuers durch die Bäume, richtete sich danach und kam in die Ruhla, zu einem Hammer oder Waldschmiede. Der Fürst war mit schlechten Kleidern angetan, hatte sein Jagdhorn umhängen. Der Schmied frug: wer er wäre? "Des Landgrafen Jäger." Da sprach der Schmied: "Pfui des Landgrafen! wer ihn nennet, sollte alle Mal das Maul wischen, des barmherzigen Herrn!" Ludwig schwieg, und der Schmied sagte zuletzt: "Herbergen will ich dich heut; in der Schuppen da findest du Heu, magst dich mit deinem Pferde behelfen; aber um deines Herrn willen will ich dich nicht beherbergen." Der Landgraf ging beiseit, konnte nicht schlafen. Die ganze Nacht aber arbeitete der Schmied, und wenn er so mit dem großen Hammer das Eisen zusammen schlug, sprach er bei jedem Schlag: "Landgraf werde hart, Landgraf werde hart, wie dies Eisen!" und schalt ihn, und sprach weiter: "Du böser, unseliger Herr! was taugst du den armen Leuten zu leben? siehst du nicht, wie deine Räte das Volk plagen und mären dir im Munde?" Und erzählte also die liebe lange Nacht, was die Beamten für Untugend mit den armen Untertanen übeten. Klagten dann die Untertanen, so wäre niemand, der ihnen Hülf täte; denn der Herr nähme es nicht an, die Ritterschaft spottete seiner hinterrücks, nennten ihn Landgraf Metz, und hielten ihn gar unwert. Unser Fürst und seine Jäger treiben die Wölfe ins Garn, und die Amtleute die roten Füchse (die Goldmünzen) in ihre Beutel. Mit solchen und andern Worten redete der Schmied die ganze lange Nacht zu dem Schmiedegesellen; und wenn die Hammerschläge kamen, schalt er den Herrn, und hieß ihn hart werden wie das Eisen. Das trieb er an bis zum Morgen; aber der Landgraf fassete alles zu Ohren und Herzen, und ward seit der Zeit scharf und ernsthaftig in seinem Gemüt, begunnte die Widerspenstigen zwingen und zum Gehorsam bringen. Das wollten etliche nicht leiden, sondern bunden sich zusammen, und unterstunden sich gegen ihren Herrn zu wehren.

Diese Sage ist erstaunlicherweise schon 300 Jahre nach dem Tod des Landgrafen aufgeschrieben worden. Wir erfahren (Wiki):
Während Ludwigs Herrschaft wurde die Bevölkerung Thüringens vom Adel häufig tyrannisiert und drangsaliert. Daraufhin begann er gegen diese Zustände hart einzugreifen, was ihm schließlich auch seinen Beinamen einbrachte. Um diese Taten Ludwigs rankt sich auch eine Sage, die 1421 von Johannes Rothe aufgezeichnet wurde. Danach habe der Landgraf eines Abends unerkannt in einer Schmiede in Ruhla ein Nachtlager gefunden. Der Schmied habe auf seinen Landesherrn und die Zustände im Land heftig geflucht und schließlich gerufen: „Landgraf, werde hart!“ Diese Worte hätten den Landgrafen schließlich bewogen, gegen das Raubrittertum einzuschreiten. Der Sage nach soll er die Missetäter vor einen Pflug gespannt und einen Acker umgraben lassen haben.
Es ist das eine Sage, die eine Charakterschwächen der Deutschen aufs Korn nimmt, die gerade in heutigen Zeiten einmal wieder besonders stark ausgeprägt ist: ihre Gutmütigkeit. 

Abb. 2: Postkarte aus dem Jahr 1912

Im Grunde muß doch heute fast jeder Deutsche zum Schmied in Ruhla in die Schule gehen. Es ist dort eine Lehrzeit von nicht weniger als zehn Jahren zu veranschlagen. Man bringe sich eine gute Freundin mit - so wie Jutta, die Schwester des Kaisers -, um diese schwere Lehr- und Leidenszeit emotional gut durchzuhalten und um dabei Mensch zu bleiben (3).

_____________________________________________
  1. Der hart geschmiedete Landgraf. In: Heinz Rölleke: Das große Deutsche Sagenbuch. Albatros-Verlag 2001, http://gutenberg.spiegel.de/buch/sagen-aus-th-58/26
  2. Jutta Assel; Georg Jäger: Sagenmotive auf Postkarten - Eine Dokumentation. Der Schmied von Ruhla oder: Landgraf werde hart! und Der Edelacker. Eingestellt: Januar 2015, http://www.goethezeitportal.de/wissen/illustrationen/legenden-maerchen-und-sagenmotive/der-edelacker.html
  3. Ludendorff, Mathilde: Vom tiefen Leid gottnaher Menschenliebe. In: diess.: Von der Moral des Lebens. Verlag Hohe Warte, Pähl 1977, S. 108-115
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