Mittwoch, 15. März 2017

Die "Identitäre Bewegung" - Demotiviert, weil sie die Neocon-Linie ihrer Leitung nicht mitmachen will

"Ach, man will auch hier schon wieder nicht so wie die Geistlichkeit"

Die Verschwörungstheoretiker sind schuld an einer derzeitig festzustellenden "Lähmung im patriotischen Lager". So der Tenor eines neuen Video's, das der anonym betriebene Videokanal "wir selbst", der sich im Umfeld des "Instituts für Staatspolitik" (IfS) bewegt, herausgebracht hat (1). Diese These ist natürlich ein sehr leckeres Pralinchen. Das wollen wir uns hier auf dem Blog denn doch einmal nicht entgehen lassen. Das wollen wir uns gründlich auf der Zunge zergehen lassen. So etwas bekommen wir ja schließlich nicht alle Tage geboten! Jedes Wort ein neuer Gaumengenuss. Allerdings beschleicht es einen auch wieder einmal unheimlich. So wird also gearbeitet ....


Man kann den Tenor und die Inhalte dieses Video's gar nicht genug auf sich wirken lassen. In diesem Video ist so viel zum Ausdruck gebracht.

Müssen wir das noch im einzelnen analysieren, was hier zum Ausdruck kommt? Insbesondere: Wer hier spricht? Hat man Ohren - zu hören? - - -

Greifen wir doch einmal eines der vielen Pralinchen heraus, nämlich den "recht interessanten" Umstand, dass unter den sonstigen weitgehend nichtssagenden Fotos, die ständig eingeblendet werden, um die Gefühlslagen zu spiegeln, von denen gerade die Rede ist, in Minute 6'55 - während nun noch sehr allgemein von den "bösen", den ganz "bösen" "anderen" die Rede ist, nämlich von jenen, die das patriotische Lager "lähmen" (oh, hört doch bloß diesem einen Wort nach: "lähmen") - einmal ein Videokanal eingeblendet ist. Damit wird ein bisschen konkreter ein Hinweis gegeben, worauf der anonyme "wir selbst"-Sprecher wünscht,  seine Ausführungen bezogen zu sehen.

Uns fiel unter den vielen dabei eingeblendeten Video's eines mit dem Titel "Identitätere Bewegung - Karnevalscherz" ins Auge (2). Weiiiiiß ich jetzt auch nicht, warum! :) Aber es ist halt einfach 'ne klare Aussage, nicht wahr? Und so eine klare Ansage kann ja jemanden ... "lähmen", der sich als "wir selbst" identifiziert, nicht wahr? Und das kann man sich ja schon einmal ansehen, dieses Video. Ist ja auch erst einen Monat zuvor, am 7. Februar 2017, veröffentlicht worden ....


... Ja. Und dann versteht man es schon. Was an einem solchen Video schmerzen und wehtun kann. Es kann einem da nur noch unser immer wieder so notwendiger Wilhelm Busch in den Sinn kommen und man kann nur mit Jammermiene beklagen:
... Dieses plötzliche Ereignis
Tut ihm in der Seele leid.
Ach, man will auch hier schon wieder
Nicht so wie die Geistlichkeit.
Aber wirklich! Unglaublich. Da wird doch unser allseits beliebter, dieser so sympathische junge Mann mit Namen Martin Sellner, zu dem wir alle aufblicken - ab Minute 2'49 - in Zusammenhänge gestellt, in die wir ihn doch wirklich nicht gern gestellt sehen. Das muss uns natürlich wirklich alle schrecklich lähmen.

Aber, ach je. Ist das denn ein neuer Zusammenhang? Wer etwa die Zeitschrift "Sezession" des IfS der vielen letzten Jahre gelesen hat, weiß doch, dass all diese Zusammenhänge so schon immer bestanden haben. Sie ergeben sich schon aus der christ-katholischen Grundausrichtung in diesen Kreisen. Und so konnte ja schon 2006 etwa der damalige Papstberater Robert Spaemann in der Zeitschrift "Sezession" die These vertreten, dass es, was das jüdische Volk betrifft, nicht auf genetische Kontinuität ankäme, um sich in besonderer Weise mit ihm identifizieren zu können. Und auf diese Identifikation hinzuweisen, war der Zeitschrift "Sezession" eben wichtig. Und auch der allseits beliebte und ach so "kluge" Autor Gunnar Heinsohn hat mit seiner besonderen Verbundenheit mit Israel weder in einem "Sezession"-Interview, noch sonst besonders hinter dem Berge gehalten. (Mit dem hübschen Tenor: "Ich habe Bewunderung für Israel und bin an Deutschland gewöhnt." - Das ist so "Sezession-"Orginalton. Und darauf hinzuweisen, muss natürlich alle schrecklich lähmen. Denn: Wer hätte denn daran bislang größeren Anstoß genommen?

Nur noch mal einmal zwischengeschoben: Gegen eine besondere Identifikation eines Nichtjuden mit dem jüdischen Volk ist grundsätzlich nichts zu sagen. Jeder darf sich mit dem Volk "besonders" verbunden fühlen, das ihn am meisten zusagt. Nur merkwürdig, dass gerade in politischen und religiösen Führungskreisen es immer nur ein Volk ist, mit dem man sich besonders identifiziert. Warum zum Beispiel haben die Tschetschenen dort keine Lobby? Warum haben die Tuareg keine Lobby? Tschetschenien konnte vor den Augen der gesamten Weltöffentlichkeit zerbombt werden - niemand zuckte mit der Wimper. Kaum jemand zeigte Verbundenheit mit diesem Volk. Alle jubeln heute jenem zu, der mitverantwortlich war für die Bomben: Wladimir Putin.

Kevin MacDonald wird weiter ignoriert und mit ihm fast die gesamte Evolutionäre Anthropologie


Der Tenor des ersten Video's ist jedenfalls, es solle bloß "Ideologiekritik" betrieben werden, aber nur ja keine "Verschwörungstheorie". Als ginge nicht beides zugleich! Lächel. Als müsse nicht beides zugleich geschehen. Und von dem Bereich, wo beides zugleich geschieht, nämlich in der Evolutionären Anthropologie, bzw. in der Wissenschaft allgemein ist schon wieder einmal gar nicht die Rede. Aber hallo! Wir werden uns doch hüten, wir von der - Geistlichkeit. Wie schon seit Jahrzehnten nicht. Genau so wie es schon anhand des Wirkens von Alain de Benoist hier auf dem Blog aufgezeigt worden ist. Allerliebst. Und es merkt immer noch keiner? Immer noch nicht? Uns fällt dazu eigentlich nur noch ein:
Freut Euch des Lebens,
Großmutter wird mit der Sense rasiert.
Ein Satz, der letztlich aber auf beide hier behandelten Videokanäle anwendbar ist. In dem zweiten Video vom 7. Februar 2017, mit dessen Machern und politischer Einstellung man sonst auch wirklich nicht viel am Hut haben kann, werden aber nun Zusammenhänge auf den Punkt gebracht, auf die hier auf dem Blog schon seit vielen Jahren hingewiesen wird. Das muss auch - sinnvollerweise - gar nicht so emotional und aggressiv vorgetragen werden wie das in diesem Video geschieht. Schließlich ist das alles von dem US-amerikanischen Evolutionären Psychologen Kevin MacDonald schon sachlich-nüchtern gründlich analysiert worden. Im Umfeld des "Instituts für Staatspolitik" und des Ares-Verlages in Graz zum Beispiel wurde schon vor vielen Jahren auf die Veröffentlichungen des Kevin MacDonald über Judentum und Antisemitismus als gruppenevolutionäre Strategien aufmerksam gemacht. Man hat die Auseinandersetzung mit diesem Autor Kevin MacDonald aber in diesem Umfeld nie gesucht. Bzw.: Es ist offensichtlich, dass man ihr tunlichst und bis heute aus dem Weg geht. Denn auch hier will einer wieder einmal "nicht so wie die Geistlichkeit".

Die Folge einer solchen Nichtkonfrontation der Anhängerschaft mit dem Stand der Forschung sind dann solche Auseinandersetzungen wie die, die durch diese beiden Video's besonders prägnant charakterisiert werden.

Es wäre gut, wenn diese zur Wahrheit mutigen Videomacher zunächst einmal das Dritte Reich selbst einen "Karnevalscherz" nennen würden. Dann würden sie auch selbst glaubwürdiger herüber kommen. Hier auf dem Blog sind jedenfalls - zusammen mit Karlheinz Deschner ("Der Molloch") und vielen anderen - wirklich genug Anhaltspunkte gesammelt worden dafür, dass auch das Dritte Reich ein "Karnevalscherz" war. In meinem Buch "Hitler und die Astrologen" verwende ich sogar fast den gleichen Ausdruck. Aber wir freuen uns sehr, dass in dem Video von "Mut zur Wahrheit" auf den lächerlichen Umstand hingewiesen wird, dass von diesen "Konservativen Revolutionären" noch nicht einmal die ganze Frage der "Geschichtspolitik" rund ums Dritte Reich aufgerollt wird. Was nun wirklich alles über diese Gruppierung sagt, alles. Das ist so lächerlich und schreit so sehr zum Himmel, dass darüber kein Wort mehr verloren werden muss. Man befasste sich dort so lange mit Geschichtsrevisionismus, so lange man sich sicher sein konnte, dass er nicht zur gesellschaftlichen Anwendung kommen könne. In dem Augenblick, wo er das - mit der AfD - könne, bricht sofort das Schweigen der Lämmer aus. Oh, ihr Trantüten, ihr lächerlichen. Und lächerlich genug weiterhin, dass hier - offenbar - erst eine sehr starke Identifizierung mit einem sehr undifferenziert gsehenen Dritten Reich vorhanden sein muss, um von "wir selbst" überhaupt für würdig empfunden zu werden, als "Gegner" gekennzeichnet zu werden. Nicht wahr? Die Geistlichkeit und ihre Schliche!

Allgemeines Astroturfing und Schäfchentreiben am "rechten Rand"


Solche Video's wie diese beiden kommen also heraus, wenn man die gebildete nachwachsende Generation eines Landes über Jahre und Jahrzehnte hinweg verdummt, sie nicht über die Fortschritte in der Wissenschaft, insbesondere in der Evolutionären Anthropologie und auch in der Zeitgeschichte informiert und aufklärt, sondern stattdessen über Jahre und Jahrzehnte hinweg das Volk mit Phrasen abspeist. Phrasen, Phrasen, Phrasen. Wir haben all das hier auf dem Blog oft genug gekennzeichnet, es hängt uns zum Halse heraus. Zuletzt in unserem Artikel "Tapfer voran, AfD, mit Michael Klonovsky als informiertem Vordenker!" (GA-j!, 10.7.2016)

Im Umfeld der "Identitären Bewegung", des "Instituts für Staatspolitik"*) und der Partei "Alternative für Deutschland" spielt sich also gegenwärtig eine Auseinandersetzung ab zwischen zwei Lagern. Ein für allerhand Geistlichkeiten höchst sinnvolles, munteres Schäfchentreiben zwischen den ach so "seriösen" (!) "Rechtskonservativen" (4) und den ach so "unseriösen" (!) Stiefelträgern, den Neonazi's. Dabei sind beide in den meisten Aspekten nur Auswuchs von Astroturfing und - eben: Schäfchentreiben. Und warum dieses Schäfchentreiben? Um es nicht bemerkbar zu machen, dass der eigentlich sinnvolle, nennen wir ihn "dritte Weg" genau zwischen beiden mitten hindurch geht. Dass man die Globalisierungs-Mafia und organisierte Eliten-Kriminalität schon lange kritisieren kann, ohne dümmlich auf der "Neocon"-Linie, aber auch ohne auf einer Springestiefel-Linie zu fahren. Solange nur diese beiden Alternativen gesehen werden, sind alle glücklich und niemand nimmt - wirklich - Anstoß. Da bleibt allerhand Geistlichkeit dann ganz zufrieden und spricht nicht von "Lähmung". :) Ob nicht doch einmal eine junge Generation sich so viel Blödheit auf einmal nicht mehr zumuten will?

Orwell'sches Neusprech


Vielleicht noch einmal ein Hinweis auf einen Aspekt in dem Video von "wir selbst", nämlich auf das niedliche und hübsche Herumdrehen von Worten. Das sollte man sich doch auch auf der Zunge zergehen lassen. Den Begriff vom gesellschaftlichen "Selbstmordprogramm" benutzen wir hier auf dem Blog seit 2011 (GA-j!, 2/2011). Und ich kann mich als Autor nicht erinnern, diesen Ausdruck von irgendwo übernommen zu haben. Dieser Gedanke drängt sich auf, wenn man - irgendwann - auf die Thematik des Elitären Satanismus stößt. Aber interessant erscheint da jetzt, dass dieser Begriff nun von "wir selbst" umgedreht wird (!) und diese "Konservativen Revolutionäre" mal eben so schlankweg behaupten: Wer ihrer Linie nicht folgt, verfolgt ein Selbstmordprogramm. Das ist doch ein wunderhübsches Pralinchen, nicht wahr?

Wie soll man eine Benennung wie "wir selbst" eigentlich verstehen? Sollen wir Klartext sprechen? Sollen wir nicht sagen, dass dieser Videokanal nicht viel eher benannt werden sollte "wir Jesuiten"? Oh, oh, Verschwörungstheorie! Verschwörungstheorie! Unglaublich! Die "lähmt" doch! Zeter mordio. Aber es ist hier so viel Schwefel im Raum und so viel süßliche Heuchelei - wo kommen die her?

Es ist das alles eine Art Dejavu. Nachdem ich seit 2010 den Begriff "Verdummung" benutze (GA-j! 4/2010), durfte ich - glaube letztes Jahr - feststellen, dass es auch mein lieber - mit den Rechtskonservativen liebäugelnde Bloggerkollege und Monotheist Michael Blume - im Einklang mit Kirchenfürsten - verwendete - natürlich wiederum: gegen die "Verschwörungstheoretiker". Ja, wenn man wenigstens noch Einfälle hätte. Aber alles, alle Ausdrücke muss man von der Gegenseite nehmen, um diese Kennzeichnungen von sich selbst abzuwehren im Orwell'schen Neusprech. So natürlich auch vom Videokanal "wir Jesuiten". Dies alles einmal nur als einige wenige der vielen Pralinchen in diesem Video. Ist er übrigens nicht wunderhübsch, dieser leichte Pfarrerston? Ob der Sprecher mal nicht Theologie studiert? ;)

Abschließend noch das folgende. Man mag es erstaunlich finden, wie viel Mühe sich "wir selbst" resp. "wir Jesuiten" gibt. Zum Beispiel im Einfühlen in die Gefühlslagen der jungen, nachwachsenden Generation eines Volkes, die sieht, wie ihr alle weltgeschichtlichen Felle davon schwimmen. Das mag man wirklich erstaunlich finden. Und das verleitete uns auch im ersten Absatz davon zu sprechen, dass einem einmal wieder "unheimlich" werden könne, wenn man sieht wie gearbeitet wird. Immerhin: Hut ab, alle Achtung für diese Mühe im Einfühlen. Man hätte es ihm fast abgenommen.

Aber wer solches Astroturfing schon länger beobachtet - so wie wir - der weiß, dass man sich diese Mühe schon immer gegeben hat (s. z.B. Stud. Nat. 2011). Oh, man ist darin ganz schön gut. Da könnte man Geschichten erzählen! Geschichten über Geschichten. Man wird da richtig zu einem "Versteher" von Leuten, die einen echten gesellschaftlichen Aufbruch erstreben. Anders funktioniert ja auch Hijacking nicht. Für die Mühe jedenfalls gibt es schon einmal 100 Punkte.

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*) beide übrigens rechtskatholisch gestrickt, wie schon - wenn an nichts anderem - zu erkennen an einem solchen Begriff wie "Reconquista" (3). Der Begriff kommt nicht von uns. :)
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  1. wir selbst: Die Lähmung im patriotischen Lager. 6.3.2017, https://www.youtube.com/watch?v=pAAfWD2D8yM
  2. Mut zur Wahrheit: Identitäre Bewegung - Karnevalscherz. 7.2.2017, https://www.youtube.com/watch?v=wE5nKfhWd3U
  3. Alexander, Nikolai (Reconquista Germania): Paranoide Trojanophobie. 4.5.206, https://www.youtube.com/watch?v=vMAC6ur0OPU
  4. noch mehr Astroturfing übrigens wohl hier: wir selbst: Gegen die Lähmung: Aktivierende Videos - 12 Videos. Zuletzt am 07.03.2017 aktualisiert. https://www.youtube.com/playlist?list=PL1afRUzqEVPyx8h0Uwj1XQ5pOA9OnMoiH

Donnerstag, 9. März 2017

Die Piratenpartei - Bewusst brutal gegen die Wand gefahren?

Die zynisch-offenkundige Überflutung des Führungspersonals der Piratenpartei mit Maulwürfen und Hijackern aller Art

"In dieser Partei herrscht Krieg", wurde schon Ende 2013 auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei geäußert. Ist aus vielen damit verbundenen Erfahrungen zu schlussfolgern, dass die Piratenpartei eine Art "Spielwiese" darstellte, auf der Geheimdienste eine kleine Gruppe ihres politischen und geheimdienstlichen Nachwuchspersonals die ihnen beizubringende zynisch-offenkundige Brutalität und Abartigkeit ausprobieren ließ? 

Im Februar 2012 äußerte sich einmal Christoph Hörstel in einem Interview zu der Piratenpartei.


Diese Äußerung ist so bemerkenswert, dass sie hier auch verschriftlicht werden soll (Yt, ab 1:14:14):
Wir haben ja inzwischen auch eine Partei, die es aller Voraussicht nach in den Bundestag schafft. Das ist sozusagen die organisierte Wirrkopf-Partei, die Piraten. (...) Die Partei existiert seit vier Jahren und hat nichts zu sagen zu Afghanistan. Und natürlich haben diese sehr nett aussehenden und wirkenden Menschen nicht den Hauch einer blassen Ahnung von dem, was in Nah- und Mittelost gerade passiert. (...) Aber warum fragen die nicht? Warum holen sie sich nicht Experten, die bereit stünden? Immerhin, mit Professor Hanke reden sie offenbar. Und mit den Euro- und Europa-Sanierern, das tun sie. Aber das findet keinen Eingang in ihre Programmatik. Und das ist dann der Punkt, wo ich sage: Das ist ja eine Kunstpartei. Irgendwer hat die gefördert. Ein paar von denen habe ich kennen gelernt, aber das war der wohlmeinende Teil. Es gibt meiner Ansicht nach auch ein paar Leute mit ganz anderem Hintergrund. Und ich würde mich nicht wundern, um das so zu sagen, wenn da umgeleitete Gelder aus dem Verfassungsschutz eine Rolle spielen. Wir haben in Deutschland eine Geschichte für so etwas. Ich sag mal sozialliberaler Hochschulbund.
Er meint wohl den Sozialliberalen Hochschulverband (Wiki). Worauf Christoph Hörstel hier konkret anspielt, wird nicht ganz klar. Jedenfalls sei dieses Zitat mit Dank gebracht an Daniel Hermsdorf, der schon zur Zeit seines Erscheinens auf seinem Blog darauf verwies (filmdenken, 02/2012).

Totalitäre Meinungsmache durch den Berliner Klüngel

Abb.: 1 Mitgliederentwicklung der Piratenpartei Deutschland
Die Mitglieder-Entwicklung der Piratenpartei erlangte Ende des Jahres 2012 ihren Höhepunkt (s. Abb. 1). Danach gab es immer nur noch mehr Austritte als Eintritte. Und es stellt sich die Frage: Gab es denn nicht innerhalb der Piratenpartei auch schon einige Leute, die diese Entwicklungen so sahen und auch so benannten wie sie Christoph Hörstel benannte?

Im folgenden sollen einige Recherche-Ergebnisse dazu zusammen gestellt werden. So wurde schon Ende Juni 2011 in der TAZ über interne Vorgänge innerhalb der Piratenpartei berichtet (TAZ) (1):
Simon Lange, ehemaliger Sprecher der Bundespartei, erzählt von Passwörtern privater Computer, die auf Mitgliederversammlungen parteiintern ausgespäht worden seien, von persönlichen Diffamierungskampagnen, einem Strafantrag wegen Beleidigung. "Hier gibt es eine Aggressivität, die teilweise schon strafrechtlich relevant ist", sagt Lange.
Und am 13. Februar 2013 wird ein Braunschweiger Pirat namens Dennis Plagge folgendermaßen zitiert (RBB-Online) (2):
Ich bin seit 2009 bei der Piratenpartei. Eine bestimmte Gruppe, insbesondere im Landesverband Berlin, arbeitet mit Methoden, die unseren Grundsätzen massiv widerspricht. Das ist definitiv eine Art Klüngel. Und es gibt auch Hinterzimmerpolitik, ja. Es wird totalitär Meinung gemacht.
Es wurde in diesem Zusammenhang auf den häufig sehr rüden Ton von Christopher Lauer hingewiesen. Es wurde berichtet, dass Alexander Morlang seinen Parteikollegen Simon Lange schlichtweg physisch in den Rücken getreten habe. In einer Stellungnahme dazu redet sich dann der Bundesvorsitzende Horst Schlemmer - oh, Entschuldigung, nein, er heißt: Bernd Schlömer, bekennender Katholik und Mitarbeiter des Bundesverteidigungsministeriums - heraus. Er hat dazu schlichtweg "nichts Konkretes" zu sagen, außer - - - "politische Sprechblasen".

"In dieser Partei herrscht Krieg" (Ende 2013)

Der genannte Dennis Plagge hat dann auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei Deutschlands in Bremen am 30.11. und 1.12.2013 eine Rede zu seiner Kandidatur für das Amt des Bundesvorsitzenden gehalten. Darin hat er etwas gesagt, durch das wir erst auf ihn aufmerksam geworden sind. Was er da sagte, sei ebenfalls einmal verschriftlicht (Yt):
Wo Streit ist, gibt es Gründe. Diese werden aber meist verschwiegen. Stattdessen wird Streit zur Parole ernannt. Worum es hier wirklich geht, sind Interessendurchsetzungen mit undemokratischen, ja, faschistoiden Methoden, Klüngelgruppen, Bedürfnisse, Selbstbestätigung und Angst. Die Wahrheit ist, dass sich seit 2009 Klüngel in der Partei gebildet haben, die ihre Interessen durchzusetzen versuchen. Und das hat wenig mit Ideologie und Flügel zu tun, sondern mit Selbstbestätigung. Wir alle haben den Wunsch, erfolgreich zu sein und in Parlamente einzuziehen. Die Bedingung lautet fünf Prozent. Deshalb ist uns Außendarstellung und Medienwahrnehmung statt Überzeugung mit dem Erfolg seit 2010 immer wichtiger geworden - unbewusst, wie Gift. Einige haben erkannt, dieses Bedürfnis anderer für sich zu nutzen, um persönliche Interessen durchzusetzen. Diese Gruppen haben gelernt, Stimmungs-Kampagnen gezielt einzusetzen, um die für sie Richtigen oder Falschen zu pushen oder zu diskreditieren. Medienberichte garantieren Listenplätze, wem man einen Makel andichtet, macht man unfehlbar. Diese Form von Gewalt und Manipulation findet man überall, nicht nur in Berlin. In Berlin gibt es aber einen Klüngel, der besonders menschenverachtend agiert und großen Einfluss auf die Bundespartei hat. Sie sehen sich als Elitepiraten, nannten sich teilweise selbst Sys-Piraten. Und deren Gesetz lautet: Sprich nicht über die Gruppe. Wer mitmacht, wird belohnt, wer nicht, bestraft. Mir gegenüber wurde gesagt: "Wer das nicht aushält, ist halt zu schwach. Kann ja jeder eine andere Gruppe gründen." Was hier in dieser Partei geschieht, ist systematisch Unterdrückung, Mobbing, Isolation durch Kontaktsperren, systematische Störung (?), sprachliche sowohl wie technische Manipulation, Hausverbot und Ausgrenzung. In dieser Partei herrscht Krieg.  .... Narzissmus, Kriegsführung und der Desinformation .... Möglichkeit, einen Bundesvorstand zu wählen, der ...
Nur wenige Zeit nach dieser Äußerung schon war die Piratenpartei in der politischen Bedeutungslosigkeit versunken. Dem Redner wurde am Ende seiner Ausführungen - mit "Dankeschön" und unter teilweise höhnischem und jubelndem Gelächter aus dem Publikum - das Mikrophon abgeschaltet. Allerdings ist es diesem Wortlaut nach nicht auszuschließen, dass Dennis Plagge selbst eine Zeit lang zu diesem Berliner Klüngel der "Elitepiraten" gehört hat. Als Journalist ist er ja auch sonst sehr intensiv mit Geheimdienst-Themen befasst (3). Und hätte ihm sonst überhaupt gesagt werden können, dass er eine eigene Gruppe gründen könne, wenn er es in (oder mit?) der von ihm umschriebenen Gruppe nicht aushalte?

2014 kandidierte Dennis Plagge noch einmal für den Bundesvorsitz und aus diesem Anlass sagte er im Juni 2014 unter anderem (Kompass, 23.6.2014):
Innerparteiliche “Peergroups” beeinflussen mich nicht und ich bin auch in der Lage, Druck, „Shitstorms“, Angeboten oder Drohungen Stand zu halten. (...) Die Sachebene und die persönliche Ebene trenne ich sehr stark. Alles Andere wäre ja der selbe Filz, den ich auch selbst in der Vergangenheit kritisiert habe (übrigens nicht als erster in Berlin). (...) Es kann nicht sein, dass einige in der Piratenpartei meinen, dass sie aufgrund der „Peergroup“, oder eines Mandats mehr Rechte genießen als andere Piraten. (...) Mein Lieblingsvorstand setzt sich aus Piraten zusammen, die (...) insbesondere nicht unter dem Einfluss der aggressiven “Berliner Linie” stehen (...), die die Partei an den Abgrund geführt hat. (...) Ich habe durch meine Aufgaben als Bundesbeauftragter in Berlin und im Bund natürlich sehr früh tiefe Einblicke in Bereiche gehabt, die den meisten Mitgliedern so nicht zur Verfügung standen und dabei eben auch viele Schlüsselpunkte miterlebt, die am Anfang dieser jahrelangen Entwicklung standen. Das ist keine Spekulation sondern Wissen, das man erlebt, gehört und gesehen hat. Es ist natürlich einfach, Unterredungen im kleinen Kreis zu dementieren, auch wenn man die vielfachen Blüten dieser Entwicklungen heute überall sehen kann. Was ich dazu leisten kann, ist, dieses Wissen in den Dienst der Partei zu stellen und bei den Lösungen dieser Probleme anzuwenden. (...) Wenn man Liquid Feedback (LF) an den ursprünglichen Zielen und Versprechen misst, ist es faktisch gescheitert. (...) Nicht zuletzt markiert LF den Anfangspunkt, an dem undemokratische Methoden zur Interessendurchsetzung in der Partei Einzug gehalten haben. Das hat alles massiven Schaden für die Partei und ihre Mitglieder bedeutet.
An keiner Stelle gibt es auch in diesem Interview nur ansatzweise eine Andeutung darüber, dass "Klüngel"-Bildung tiefergehende Ursachen haben kann, dass Geheimdienste, Logen und Orden aus dem Hintergrund auch hier wieder einmal ihre Spielchen spielen könnten. Es erscheint einem geradezu auffällig, wie noch einer der wohl deutlichsten Kritiker des "Berliner Klüngels" um solche Mutmaßungen einen großen Bogen macht, obwohl sie doch nun wirklich mehr als naheliegend sind. Schon Christoph Hörstel hatte sie ja deutlich genug angesprochen.

Die Piratenpartei - Eine "Spielwiese" der Geheimdienste?

Was konnte mit den beschriebenen Vorgängen alles an Einzelvorgängen, Beobachtungen und Erlebnissen verbunden sein? Nachdem wir mehrere Blogbeiträge über Gerwald Claus-Brunner veröffentlicht hatten, haben wir durch Zuschriften aus der Leserschaft in den letzten Wochen darüber noch allerhand an Eindrücken erfahren können. So zum Beispiel: Es konnten einflussreichere Parteimitglieder so denken und sich so verhalten und Symbole zeigen wie das ein Satanist tun würde, der Mitglied der „Fraternitas Saturnis“ ist.

Es konnten andere Parteikollegen damit prahlen, dass sie Angehörige einflussreicher Logen sind, dass sie in der Vergangenheit Kapitalbetrug begangen haben, dass sie Staatsführer in nordafrikanischen Staaten beraten würden und weitere Dinge auf dieser Linie mehr, auf die sich solche Leute etwas einbilden mögen und womit sie zugleich glauben mögen, andere, Nichtsahnende einerseits sowohl beeindrucken wie andererseits einschüchtern und zugleich für sich und ihre Ziele „vereinnahmen“ zu können.

Es konnte ein anderes Parteimitglied hinwiederum - sagen wir vom Typus „Pirat LB“ (4) - eine Art Sonderstatus innehaben, eine Art Welpenstatus genießen und fröhlich und unbefangen „Kompromate“ sammeln wie das offen benannt wurde, es konnte filmen, fotografieren, sich in anderer Leute Computer, Handy's und Internet-Account's einhacken und behaupten, belastende Geheimdienst-Dokumente über andere Parteimitglieder zu besitzen und zugleich mit all diesen Tätigkeiten drohen und einschüchtern. Und dies alles, während wiederum andere Parteimitglieder diesem Verhalten gegenüber beschwichtigen mochten mit dem merkwürdigen Argument, man müsse junge Parteikollegen doch vor „den Fängen der Pädophilen-Gruppe“ bewahren und dürfe sie deshalb nicht zu streng verurteilen.

Und der ahnungslose Dummbürger bleibt zurück und fragt sich: Nicht verurteilen? Wegen einer Pädophilengruppe? Eine Pädophilengruppe im Umfeld der Piratenpartei? - - -

Ein solcher junge Parteikollege kann dann also - wenn man es recht versteht - Pädophilen-Gruppen beschwichtigen dadurch dass er kriminell tätig ist und "Kompromate" sammelt. Hätte man damit dann nicht eine klare Vorstellung von der Art dieser Pädophilen-Gruppe? Nämlich dass sie junge Leute einer Satanisten-Ausbildung unterwirft? Und hätte man dann nicht weiter klare Vorstellungen davon, was jene tun, die hier beschwichtigen und entschuldigen? Nämlich dass sie Mitwisser sind?

Ein weiteres Parteimitglied mag von Praktikanten im Deutschen Bundestag Dokumente erhalten, deren Namen „nicht geschwärzt“ sind, die also ebenfalls fröhlich als „Kompromate“ gesammelt werden.

Auch auf dem Gebiet des Geschlechtslebens ist man tätig - wie dies auch sonst aus Geheimdiensten bekannt und üblich ist, und woran man bei solchen Dingen wieder einmal erinnert wird.

So benutzte der britische Geheimdienst Männer, um Verhältnisse mit Frauen einzugehen. Das britische Fliegerass des Zweiten Weltkrieges, der spätere Schriftsteller Roald Dahl (1916-1990) (Wiki), wurde beispielsweise dazu eingesetzt, politisch einflussreiche Frauen der „America First“-Bewegung nach 1941 zu verführen und sie damit im Sinne der Kriegsinteressen Großbritanniens unter Beobachtung zu halten und zu „kontrollieren“ - wenn nicht gar politisch ganz zu „neutralisieren“.

Ähnlich ist bekannt, dass das "Ministerium für Staatssicherheit der DDR" mitunter gerne einmal eigene Mitarbeiter ein Verhältnis mit unter Beobachtung stehenden Frauen eingehen ließ. Das konnte bis hin zur Heirat gehen. Ebenso kann im Internet leicht recherchiert werden, dass in den freiprotestantischen Gemeinden der USA wiederholt die Erfahrung gemacht wurde, dass sich Jesuiten als Freiprotestanten ausgegeben haben und in angesehene Pfarrersfamilien der Gemeinden eingeheiratet haben.

Übrigens machte ja letztlich in irgendwie ähnlich gelagerter Weise jüngst innerhalb der Berliner CDU die Nachwuchspolitikerin Jenna Behrends (geb. 1990) Erfahrungen, die einer gewissen typischen Art des Verhaltens von Männer-Cliquen gegenüber einzelnen, einflussreicher werdenden Frauen nahe kommt (6).

Oder es mag eine Gruppierung geben, die eine Kandidaten-Vorauswahl vornimmt für die Aufstellung von Parteilisten zu Landtags- und Bundestagswahlen und die arbeitet wie ein Recruiting-Büro.

Psychosekte Piratenpartei

Es mag Parteimitglieder geben, die unter Alkoholeinfluss erzählen, dass sie V-Männer des Verfassungsschutzes seien.

Andere Parteimitglieder haben viel mehr Mailinglisten abonniert, als ein einzelner jemals allein lesen und auswerten könnte. 

Und in Verbindung mit solchen und vielen weiteren Erfahrungen und Erlebnissen, Einzelbeobachtungen schält sich dann ein Bild heraus des Wesens dessen, was da mitunter „Berliner Klüngel“ innerhalb der Piratenpartei genannt wird. Etwas, das sich auf unsichtbare Weise gegenseitig zuarbeitet. Alles Merkmale der Arten von Aktivitäten, die im Umfeld der Spitze der Berliner Piratenpartei zwischen 2010 und 2016 entfaltet worden sind zur Durchsetzung ihrer Machtposition und zum Erhalt derselben. Aber zu welchem Zweck? Wurde nicht geradezu jedes Anliegen der „Piratenpartei“ dabei nach außen hin diskreditiert und mit voller Wucht gegen die Wand gefahren? Und ohne dass nachher irgendwo ein größeres Bedauern der Beteiligten zu hören gewesen wäre darüber - ? Stattdessen stahl man sich danach stillschweigend davon, räumte sang- und klanglos die Abgeordnetenbüros ... - ?

Fast die Hälfte der Zugehörigen zu diesem Klüngel konnten auf manche näherstehenden Beobachter den Eindruck machen, als hätten sie eine Persönlichkeitsstörung, als agierten sie gespalten. Einmal agieren sie offen, herzlich, menschlich-warm-entgegenkommend, wie authentische und aufrechte Demokraten. Und ein andermal wieder können sie plötzlich kalt, unbeherrscht, brutal sein, austicken, ausfällig werden, beleidigen. Nicht nur Gerwald Claus-Brunner machte auf Beobachter, die mit ihm in Kontakt kamen, einen solchen gespaltenen Eindruck. Aber auch er gehörte offenbar letztlich zu einem solchen Typ Mensch ... Das wird uns nicht nur durch Aussagen bestätigt, die man in der Presse lesen kann, sondern auch durch Menschen, mit denen wir uns über ihn unterhalten haben und die ihn persönlich kannten.

Wenn er wirklich so gespalten war in seinem Verhalten wie zahlreiche weitere seiner führenden Parteikollegen, dann würde man manches, was aus seinem Leben berichtet wird, besser einordnen und verstehen können. So etwa der offenbar recht gut und zuverlässig - und nicht nur durch Presseveröffentlichungen - bezeugte Umstand, dass Gerwald Claus-Brunner auf seinem persönlichen Computer in seiner Wohnung Videos und Fotos gespeichert hatte, die mit Geheimkameras gemacht worden waren, die eingebaut waren in den Wohnungen anderer Parteimitglieder, so zum Beispiel in Duschen und WC-Räumen.

Auch der Umstand, dass Gerwald Claus-Brunner, obwohl er von nahestehenden Freunden dazu aufgefordert worden war, ermuntert worden war und ihm Unterstützung zugesichert worden war, sich dann doch nicht mit letzter Konsequenz gegen die Machenschaften des Berliner Klüngels gestellt hat, wie es seine Freunde ihm eigentlich ansonsten zugetraut hatten. 

Man erfährt, dass auch sonst Druck aufgebaut wurde gegenüber einzelnen Parteimitgliedern, dass sogar mit Schlafentzug gearbeitet wurde.

Man erfährt, dass einige sich zurück zogen, weil sie dem Druck psychisch nicht mehr gewachsen waren. Andere taten das auch, tauchten aber einige Monate später wieder auf - völlig gewandelt. So als wären sie gehirngewaschen, so als hätten sie eine Persönlichkeitsänderung durchgemacht. So als handele es sich bei der Piratenpartei insgesamt um eine Psychosekte.

Indem man von solchen und vielen weiteren, persönlichen Erfahrungen erfährt, beginnt man zu ahnen, dass das äußerlich wahrnehmbare politische Geschehen rund um eine Partei wie die Piratenpartei nur ein Oberflächen-Geschehen ist, nur die Spitze eines Eisberges ist, dem ein wenigstens gleich vielfältiges, komplexes Geschehen im Untergrund zugrunde liegt, das für viele Beteiligte viel entscheidender ist als das Vordergrund-Geschehen. Und das sie zumindest zeitweise auch viel stärker persönlich vereinnahmt als jenes. Es konnte dies so intensiv sein, dass die sensibelsten Menschen diesbezüglich der Piratenpartei am frühesten den Rücken gekehrt haben.

In diesem Geschehen ging es darum, am Machterhalt einer bestimmten Gruppierung zu arbeiten, es ging darum, missliebige Parteigenossen, die diesen Machterhalt gefährden können, ihres Einflusses und Ansehens zu berauben. Es ging darum, dass die Anliegen der Partei gehijackt und gegen die Wand gefahren wurden, dass dazu Parteimitglieder auf Linie gebracht wurden, dass sich Parteimitglieder den Zielen der herrschenden Gruppe unterordneten oder sich ihr zumindest nicht in den Weg stellten.

Das Geschehen mutet geradezu so an, als ob es zugleich als „säkulares“ Übungs- und Bewährungsfeld für noch unerfahrenere, altersmäßig jüngere Satanisten und ihre Mitläufer dienen würde, als ob schweigende Mitwisser auf dieses ihr Mitwissen festgenagelt werden sollten. Wer einmal kooperiert, kooperiert immer, so mag diesbezüglich die Erfahrung und Methodik von Hintergrundmächten sein. Und auf solche bewährten Methoden mag man setzen. Ekeltraining halt. Wer nicht kooperiert, wird an den Rand gedrängt. Oder erfährt Schlimmeres.

Die Kettenhunde der Hölle sind losgelassen

Ein Geschehen, in dem die Kettenhunde der Hölle losgelassen sind, und dem sich die einzelnen unterwerfen und von dem sie vordergründig profitieren, weil sie es von Kindesbeinen an nicht anders gewohnt zu sein scheinen, weil es ihnen zur zweiten Natur geworden ist. Und weil sie oft noch nicht einmal den Schimmer einer Ahnung haben, dass man auch anders leben könnte. Dieser letztere Umstand gerät völlig aus dem Blickfeld, und zwar um so mehr, um so mehr auch die Kultur der Mehrheitsgesellschaft, der dumpfen und dummen Masse sich immer mehr der in solchen Untergründen gepflegten "Kultur" anpasst, etwa in der Musikkultur, etwa in der ständigen Berieselung mit Krimis und Kriegsfilmen aller Art, mit Brutalitäten und Ausfälligkeiten aller Art, etwa in Nachrichtensendungen und politischen Diskussionen, sowie in der sonstigen dummblöden Fernseh-„Unterhaltung“. Etwa in der allseits propagierten Wahllosigkeit auf dem Gebiet des Geschlechtslebens. Überall geht es doch auch nur darum, wer übertrifft wen an Zynismus, wer betrügt wen am Besten, wer taktiert am Besten, wer ist der Schlaueste im Spiel, wer blendet am besten. Machtspielchen, Einschüchterungen, coole Sprüchchen, Drohungen, zynisches Verharmlosen oder gerne auch einmal vorgeschobenes Besorgtsein. Wohin man blickt.

Als Resümee solcher Erfahrungen und Beobachtungen schreibt uns ein Beobachter etwas so treffend Beobachtetes und so allgemeingültig Formuliertes, dass man diese Worte fast klassische nennen kann und auf vieles anwenden kann:
Wenn man die Öffentliche Meinung bezüglich einer sozialen oder politischen Gruppierung, Bewegung/Netzwerk und natürlich auch einer Partei oder Parteiströmung beeinflussen, wandeln oder zumindest Kritisches kontrollieren - bzw./oder nicht gewünschte Themen "verbrennen" möchte, klappt das am Besten, indem man sich (seine Gruppe)
1. selbst als Anhänger dieser Themen ausgibt und sich innerhalb der Bewegung bis in entsprechende Positionen engagiert, um sich dann
a) entweder so daneben zu benehmen (psychopathisch, rassistisch, antisemitisch, dumm, extrem o.ä.), dass man damit die Bewegung komplett lächerlich macht und am Thema Interessierte verprellt und abschreckt oder indem man
b) entsprechendes Programm/Projekt durch verdeckte Sabotage gezielt gegen die Wand fährt oder indem man
c) als Auffangbecken für Kritiker fungiert, um dann gezielt diese Szene zu schwächen, von den betreffenden Themen abzulenken und in gewünschte Bahnen zu lenken.
2. Gleichzeitig ist man so in der besten Position, um nicht manipulierbare Kritiker/Gruppen ausspionieren, erpressen, bestechen oder gezielt demontieren zu können. Diese Methode ist eigentlich uralt. Aus der ehemaligen DDR sind entsprechende Zersetzungsmaßnahmen durch die Stasi inzwischen gut dokumentiert. Angesichts der heute zur Verfügung stehenden Mittel und Techniken war die Stasi jedoch rückblickend in Sachen Effektivität Kinderkram... Und alles, was funktioniert, wird leider auch getan ...
An all solchen Beobachtungen und Erfahrungen wird übrigens auch erkennbar, dass die Piraten-Partei von der Gegenseite aus für eine Zeit lang durchaus als eine gefährliche Sache erachten worden sein muss anfangs. Welche Anliegen wurden als "gefährlich" erachtet? Dazu gehört sicherlich die Forderung nach dem "bedingungslosen Grundeinkommen". Das scheinen die Eliten zu fürchten. Sie brauchen schlecht bezahlte Menschenmassen, die für ihr geringes Gehalt gehetzte 40-Stunden-Wochen haben und dabei nicht zur Besinnung kommen über das Leben, das sie eigentlich führen.

In diesem ganzen Zusammenhang wird dann am Schluss auch das Bild von Gerwald Claus-Brunner differenzierter, wie schon angedeutet. Fast schon genau auf der Linie, auf der er im letzten Beitrag zu ihm hier auf dem Blog schon Eindrücke gesammelt worden waren.

Im Zusammenhang mit seiner Person erfährt man außerdem noch, dass er selbst oder einer seiner Brüder mit zwölf Jahren nach England ins Internat gegeben worden ist. Der Grund war, dass dieser Sohn zu Hause so viele Schwierigkeiten gemacht hatte. Wer sich mit elitärer Kriminalität beschäftigt hat, weiß, dass Internate ein wichtiger Baustein in diesem System darstellen, da hier junge Menschen - fern ihres Elternhauses - so "geformt" werden können, wie es die Elite braucht und wünscht.
_________________________________________________________

  1. Bergt, Svenja: Wahl 2011 - Klarmachen zum Kentern. TAZ, 1.7.2011, http://www.taz.de/!5117332/
  2. Marx, Iris: Das Piratenschiff geht unter - Eine Partei in der Krise. RBB-Online, 13.2.2013, http://www.rbb-online.de/klartext/ueber_den_tag_hinaus/landespolitik_berlin/das_piratenschiff_geht_unter_eine_partei_in_krise.html
  3. Plagge, Dennis: Ex-NSA-Chef Hayden „We kill people based on metadata“ entschlüsselt. In 2 Teilen, auf: Tarnkappe-Info, 26.6.2015, https://tarnkappe.info/aussage-von-ex-nsa-chef-kill-people-based-metadata-entschluesselt/
  4. Knake, Dennis: Piratenbengel sucht Aufmerksamkeit. Auf Nachrichten-Polizei, 15. Dez. 2011. http://www.nachrichtenpolizei.de/2011/12/15/piratenbengel-sucht-aufmerksamkeit/
  5. Im Zusammenhang mit letzterer wird dann raunend von einem Gay-Dating-Portal wie „Planet Romeo“ („Erasys“) gesprochen. - Ganz allgemein hat in den parteiinternen Erörterungen der Piratenpartei das Thema Pädophilie übrigens mehrfach eine nicht geringe Rolle gespielt (vgl. z.B.: http://netzwerkb.org/2012/03/16/warum-die-piratenpartei-fur-padokriminelle-interessant-ist/)
  6. Behrends, Jenna: Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will. EDITION F, 23.9.2016, https://editionf.com/sexismus-parteien-jenna-behrends

Mittwoch, 1. März 2017

Die kalte Ratio und die vernunftmäßige Aufklärung können die modernen Gesellschaften allein nicht retten

Die nichtrationale Seite der Wirklichkeit und ihre Erfahrung über das "Werterleben" muss nach und nach in den Mittelpunkt aller Bemühungen innerhalb der alternativen Öffentlichkeit gestellt werden. Über ihr Wesen muss nach und nach intensiver nachgedacht werden als bisher, es muss endlich der Anfang damit gemacht werden, dass sie und ihr Wesen und ihre Ausdrucksformen erörtert werden.

In den letzten Tagen hatten wir einen Austausch mit einem befreundeten Blogger innerhalb der alternativen Öffentlichkeit. Aus diesem Austausch sollen im folgenden die wesentlicheren Gedanken gebracht werden, die in ihm von unserer Seite aus vorgebracht wurden. Oftmals fällt es leichter, in Rede und Widerrede die eigentlich wichtigen Dinge zu erörtern, als nur aus der eigenen inneren Kontemplation und Besinnung heraus.
/ Zu unserem Artikel hier ist noch gestern gleich auch eine Antwort veröffentlicht worden (Filmdenken). Dazu im abschließenden Abschnitt dieses Artikels noch einige Ausführungen./

Fangen wir also an:

Es ist eine klare Unterscheidung zu treffen zwischen Vernunft-Erkenntnissen, wie sie in der Wissenschaft im Allgemeinen und auch im Alltags- und Berufsleben im Vordergrund stehen auf der einen Seite und dem seelischen Erleben und der daraus gewonnen "Gotterkenntnis" wie das durch die Philosophie benannt wird (Mathilde Ludendorff) auf der anderen Seite. Man kann der Meinung sein, dass es unübersehbar ist, dass unser Volk oder die Völker der Nordhalbkugel so klug, intelligent und aufgeklärt sein mögen wie immer sie wollen und wie immer man das wünschen mag: Wenn nicht der moralische Wille vorhanden ist, als moderne Wissensgesellschaft zu überleben, wenn nicht der aus dem seelischen Erleben geborene Zorn vorhanden ist, wenn nicht die sittliche Reife vorhanden ist - und das sind alles Dinge, die nicht vornehmlich in der Vernunft wurzeln und geboren werden, sondern eben im seelischen Erleben - wenn wir nicht jeder von uns eine einheitliche, in sich geschlossene Persönlichkeit werden, eine unbeugsame, dann wird alle noch so wertvolle, bloß rationale Aufklärung nichts helfen.

Die kalte Ratio allein kann nicht die Retterin moderner Gesellschaften sein


"Volksschöpfung" wie Erich Ludendorff das genannt hat, besteht immer aus zwei Dingen: 1. aus der Vernunft-Erkenntnis, der Aufklärung, 2. aus der "Gott-Erkenntnis", dem Schaffen einer Einheit im kulturellen, weltanschaulichen Bereich, dort wo Moral geformt wird, wo die sittliche Haltung von Einzelmenschen und ganzen Völkern geformt werden. Und auf letzteres zielte Erich Ludendorff, zielten beide Ludendorffs vor allem und in letzter Instanz. Sie waren um die Zahl der Anhänger und Abonnenten nicht in erster Linie besorgt. Sie waren darum besorgt, dass die inhaltliche Linie tadellos ist. Das war die erste Priorität. Soweit man sehen kann, sehen sich heute noch die meisten politischen Aufklärer bislang nicht in erster Linie als ein "moral entrepreneur" (wie das in der Wissenschaft einmal benannt wurde) oder anders ausgedrückt als ein Kulturrevolutionär.

Abb.: Der moderne Mensch in seiner Angefochtenheit
Vincent van Gogh, Selbstbildnis, Paris 1887
Aber die meisten großen politischen Bewegungen der Vergangenheit waren zugleich kulturelle Bewegungen, haben die moralischen Grundlagen der Gesellschaft geändert oder versucht, das zu tun. Hierfür gibt es innerhalb der alternativen Öffentlichkeit soweit übersehbar, nur wenige Ansätze, nur wenig "Gespür", dass hier ein weites Feld des Nachdenkens, der Erörterung überhaupt offen steht. Und hier steht wie ein alternativloser Monolith im Raum der gewonnene Stand der Philosophie im 20. Jahrhundert (Mathilde Ludendorff), der alles das bietet, was fehlt.

Man mag zum Beispiel die isländischen Sagas des Mittelalters lesen (1). Sie gehören zur Weltliteratur (Wiki). Und in ihnen findet man viele Aspekte des Menschentypus der Zukunft. Der vormittelalterliche Mensch, der nicht so in sich gespalten war wie der mittelalterliche Mensch, der in sich geschlossene, einheitliche Mensch, der aus einer großen Einheit, aus einem großen, in sich geschlossenen moralischen Wollen heraus gehandelt hat. Da wollte Erich Ludendorff hin. Und diesbezüglich ist alles bloße "Vernünfteln" ziemlich zweitrangig. Es ist gar nicht einfach, diese Einheit im Menschlichen wieder zugewinnen. Aber Vernunft-Konstruktionen helfen bei einer solchen Art von Volksschöpfung für sich genommen nicht weiter.

Nun kann man den Begriff "sittliche Reife" ja gerne auch einen "abstrakten Begriff" nennen. Aber will man etwa sagen, dass das Wesen der Kultur durch die Vernunft zu erfassen ist? Also das Wesen des Schönen (was ist das: schön?), das Wesen des Wahren, das Wesen des Guten? Das Wesen, der Gehalt von auf das Wesentliche gerichteter Liebe und von entsprechendem Hass? Kommt man dem Wesen des Wahren zum Beispiel schon allein mit der Forderung nahe und schöpft es vollständig aus, wenn man sagt, es dürfe nicht gelogen werden?

Man mag philosophisch keine großen Interessen haben. Man könnte aber der Meinung sein, dass jemand, dem es so angelegen ist, der Welt und der Menschheit zu einem besseren Zustand zu verhelfen - wie das für viele Autoren in der alternativen Öffentlichkeit gelten mag -, dass sie sich doch wenigstens ein annähernd richtiges Bild davon verschaffen sollten, was - zum Beispiel - einem Immanuel Kant Anliegen war, als er "Die Kritik der reinen Vernunft" schrieb und was den Philosophen des Deutschen Idealismus Anliegen war. Ging es dem Philosophen Fichte in seinen "Reden an die deutsche Nation" bloß um einen "abstrakten Begriff" von Sittlichkeit und Moral und Charakter? Hat er nur "aus dem Bauch heraus" argumentiert?

Gibt es nichts Wesentliches und Wertvolles, was durch die Vernunft nicht erfasst werden kann?


Gibt es nichts Wesentliches und Wertvolles, was durch die Vernunft nicht erfasst werden kann? All das halte ich für grundlegende Fragen. Ebenso zum Beispiel die Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Wer hat auf solche Fragen eine Antwort? Und kann die Antwort auf solche Fragen wesenhaft eine Vernunft-Antwort sein?

In der derzeit am besten bewerteten Amazon-Rezension zu Rüdiger Safranski's Schiller-Biographie heißt es:
Schillers Werke sind nämlich keineswegs von vorgestern, sondern sie haben nach wie vor eine hohe Aktualität und jeder, der sich in irgendeiner Form künstlerisch betätigt, sollte seine Kunstphilosophie kennen. Nicht umsonst heißt es in Schillers letztem vollendeten Werk, dem szenischen Gedicht "Die Huldigung der Künste":
Mich hält kein Band, mich fesselt keine Schranke,
Frei schwing ich mich durch alle Räume fort,
Mein unermeßlich Reich ist der Gedanke,
Und mein geflügelt Werkzeug ist das Wort,
vor allem aber "der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt" (Über die ästhetische Erziehung des Menschen)." 
Und mit diesem Zitat soll gesagt sein: Das niedrige intellektuelle Niveau der heutigen Deutschen beklagen und einen deutschen Dichter und Denker wie Friedrich Schiller als "unmodern" bezeichnen, das passt keineswegs zusammen. Niemand wird Deutschland retten können, niemand, der sich nicht zu Friedrich Schiller in seiner ganzen Bandbreite bekennt. Ich halte es für Niveaulosigkeit sondergleichen, Dichter und Denker des 19. Jahrhunderts als solche und nur weil sie solche sind, schon abzuwerten. Was ist denn das für eine Ehrfurchtslosigkeit vor den großen kulturellen Überlieferungen unseres Volkes? Dafür habe ich keinerlei Verständnis und sage mit Schiller:
Der Künstler ist zwar der Sohn seiner Zeit, aber schlimm für ihn, wenn er zugleich ihr Zögling oder gar noch ihr Günstling ist. Eine wohltätige Gottheit reiße den Säugling bei Zeiten von seiner Mutter Brust, nähre ihn mit der Milch eines bessern Alters und lasse ihn unter fernem griechischen Himmel zur Mündigkeit reifen. Wenn er dann Mann geworden ist, so kehre er, eine fremde Gestalt, in sein Jahrhundert zurück; aber nicht, um es mit seiner Erscheinung zu erfreuen, sondern furchtbar wie Agamemnons Sohn, um es zu reinigen.
Also, kulturelles deutsche Bildungsideal ist es, seinem Jahrhundert fremd zu sein. Weil man um bessere Jahrhunderte weiß. Warum soll eine solche These in irgendeiner Form "unmodern" sein oder unpassend in welchem Diskurs auch immer? Was soll das!? Auf dem 19. Jahrhundert oder überhaupt auf irgendeinem Jahrhundert was dessen geistige, kulturelle Leistungen betrifft, herumzureiten - ?

Sind die deutschen Dichter und Philosophen des 19. Jahrhunderts - "unmodern"?


Könnte es sein, dass sich mancher Mitautor in der alternativen Öffentlichkeit, wenn man ihn auf Herz und Nieren prüft, als ein kulturloser Barbar herausstellt? Kulturlosigkeit durch die akademische "Kultur der Kritik" des 20. Jahrhunderts (um einmal einen Buchtitel von Kevin MacDonald zu zitieren)? Auf vielen Blogs findet man allein nur den Namen Friedrich Schiller kein einziges mal genannt. Aber sehr häufig Namen der "westlichen" Popkultur des 20. Jahrhunderts (in der Regel der Zeit nach 1945). Und jetzt werden einem diese vielen Blogautoren sicher auch erklären (können), warum es so viel wertvoller und wesentlicher ist, sich mit Personen der Popkultur oder Schauspielern zu beschäftigen als mit Friedrich Schiller. Aber dann kann man dazu nur noch eines sagen: Dann handelt man wie ein kulturloser Barbar.

Es sollte einen wundern, wenn man dann der erste wäre, der darauf überhaupt nur aufmerksam wird. Aber einer muss ja mal die Aufmerksamkeit auf alle diese Dinge richten.

Es ist ganz unglaublich, welche Antworten man mitunter auf die oben gestellten Fragen erhält, etwa auf die Frage danach, ob es etwas gibt, das nicht durch die Ratio erfasst werden könne. Solche Antworten können mitunter so grotesk platt, ungebildet und geschichtslos geurteilt klingen, dass es geradezu kracht. Aber man versteht schon. Die parawissenschaftlichen Propagandalehren der "Kultur der Kritik" des 20. Jahrhunderts entstanden ja sicherlich aus dem Bemühen und der Tendenz heraus, den modernen Medienkonsum jeder Kultur zu berauben. Und dann kommt barbarische Kulturlosigkeit dabei heraus.

Ihr Autoren der alternativen Öffentlichkeit! Zieht Euch doch einmal etwas an. Beschäftigt Euch doch nicht immer nur mit - Krimis. Sei es ausgedachten oder Krimis der Wirklichkeit. Ohne Kultur stehen wir ganz nackt da. Goethe findet man auf einem dieser Blogs einmal erwähnt in dem Tenor, dass man sich auf Goethe und Fußball einigen könne als Minimalkonsens einer Gesellschaft. Sonst fällt der Name Goethe in vielen Jahren nicht ein einziges mal. Da stehen also Goethe und Fußball auf einer Ebene. Auch auf unserem eigenen Blog hier fallen solche Namen verzweifelt wenig. Und man kann doch zu der Meinung kommen, dass hier etwas übel im Argen liegt. Und dass einem das spät genug auffällt.

Meine Frage ist nicht, was heute Zustand ist und was heute - aufgrund von Machtverhältnissen und aus manipulativer Absicht heraus - für Kinos, Theater und für die Musikbeschallung der Massen produziert wird. Sondern wo der Bereich ist, aus dem heraus eine Erneuerung einer Gesellschaft allein bewerkstelligt werden kann. Und ich sage und behaupte und verteidige, dass dieser Bereich im Wesentlichen ein Bereich jenseits der Ratio ist, und dass es als Kulturrevolutionär notwendig ist, sich zu befähigen, über diesen Bereich Aussagen zu treffen. Die Ratio allein rettet uns nicht. Weil der Mensch nicht allein von der Ratio lebt. Weil der Mensch überall dort, wo er zutiefst Mensch ist, eben nicht die Ratio in den Vordergrund stellt.

Ein Sonnenuntergang ist durch Vernunft und Vernünfteln nicht adäquat zu erfassen. Mit Hilfe der Ratio kann der Naturwissenschaftler nur erklären, wie er physisch entsteht (Brechung von Lichtstrahlen durch Luftschichten, etc.). Über den ästhetischen Gehalt eines Sonnenuntergangs hat er mit dieser nüchternen ,rationalen Erklärung noch gar nichts gesagt. Gar nichts. In einem frühen Blogbeitrag zitierten wir einmal ein Nietzsche-Zitat (das von Peter Sloterdijk gebracht worden war):
"Das verächtlichste Geschöpf unter der Sonne ist der Mensch ohne Sehnsucht."
Sehnsucht ist kein rationales Konzept. Und zu einem Konzept wie Sehnsucht weiß vermutlich keiner der vielen, von manchem zitierten Theoretiker der Postmoderne und der "Kultur der Kritik" irgendetwas Gehaltvolles zu sagen, wenn es über Dinge wie "Bedürfnisbefriedigung" und "Sehnsüchte der Massen" hinausgehen sollte. Um nur einmal einen Aspekt zu nennen.


"Das verächtlichste Geschöpf unter der Sonne ist der Mensch ohne Sehnsucht"


Und in der Tat: es gibt unter den Philosophen und Denkern des 20. Jahrhunderts nur wenige, die gültig über die nichtrationale Seite der Wirklichkeit sprechen können. Deshalb ist über diese wenigen zu sprechen. Man hört sich ja gerne Alternativen zu diesen wenigen an. Es sind eben nur wenige bekannt. Wenn man weitere kennen lernen könnte, würde man sich darüber freuen. Dieter Henrich ist mit all seinen Hölderlin-Deutungen nicht schlecht. Sigrid Hunke ist mit "Europas andere Religion" nicht schlecht. Es gibt vieles, was den Stand der Philosophie des 20. Jahrhunderts, wie er durch Mathilde Ludendorff repräsentiert wird, ergänzt. Ersetzen kann diesen Stand kein weiterer Autor. Das möchten wir hier postulieren, nachdem wir uns lange genug im Reiche des Geistes umgetan haben.

Wer Kulturlosigkeit benennt und kritisiert, muss Alternativen kennen und benennen. Warum sonst alles nur zynisch benennen und kritisieren? Das wird mit der Zeit dumm und dumpf. Man will doch irgendwo hin mit seiner Kritik. Man will doch durch Kritik Platz schaffen für Besseres. Also muss das Bessere auch positiv benannt werden. Und ich will auch exakt den Grund nennen, warum es benannt werden muss: Weil wir ohne Wurzeln im Metaphysischen ständig weiter manipuliert werden und manipulierbar bleiben. Weil damit die Manipulation begann. Dass man uns aus dem Metaphysischen heraus riss. 

Wenn ich einen Weg aufzeigen will weg von der Manipulation, muss ich einen Weg aufzeigen hin zum Metaphysischen. Dort allein ist jene Kraft, die zu vielen Arten von Aushalten und Durchhalten befähigt, die den notwendigen "langen Atem" verleiht. Denn mit schnellen Erfolgen rechnete doch (und auch das nur bis vor wenigen Monaten) nur noch ein Björn Höcke. Um dieses langen Atems willen forderte General Ludendorff 1935 von der Wehrmacht-Generalität nicht: "Kritisiert die herrschenden Verhältnisse, lernt sie durchschauen". Das war ihm sowieso selbstverständlich. Nein, er richtete den Blick ins Positive, er forderte: "Machet des Volkes Seele stark". Also: Lasst seine Sehnsucht wachsen, wahr, wahrhaftig zu sein, nicht in diesem erstickenden Meer der Lüge zu leben, lehrt es Sehnsucht nach Reinheit, nach Wahrheit, nach Schönheit.


Aber dazu ist erstes Erfordernis anzuerkennen die Tatsache: All diese so wertvollen Eigenschaften sind nichtrational, werden durch den Versuch rationalen Erfassens entwürdigt, entweiht. Kritisieren und "entzaubern" können inzwischen Tausende von Autoren in der alternativen Öffentlichkeit. Und sie bewirken: Nichts. Es wird Zeit, den Blick ins Positive zu richten und zu fragen: Welchem positiven Gehalt muss man sich denn zuwenden, wenn das Negative in seiner ganzen Nacktheit und Bloßheit vor aller Augen stehen soll, damit es sich von selbst erledigt und niemand mehr großartige Analysen verfassen muss, die doch immer nur eines sagen, nämlich dass Lüge Lüge ist und Böses böse ist.

Das Wesen der Kunst und des Künstlerischen ist das Absichtslose. Das Wesentliche dessen, was die meisten analysieren in der alternativen Öffentlichkeit oder meinen analysieren zu müssen, ist das Manipulative. Oder unterstellt man etwa, Gestalten und Schauspieler der Popkultur wären durch reinen Zufall oder ohne Absicht zu dem geworden, was man von ihnen behaupten und unterstellen kann? Warum soll man sich dauernd und stetig, Jahre lang mit den irrwitzig gewordenen Absichten, Manipulations-Absichten irgendwelcher Spinner und Verbrecher beschäftigen - - - anstatt sich gleich dem Wesen der Kultur hinzuwenden, das nämlich darin besteht, nicht mit der Absicht herüberzukommen zu manipulieren.

"Man spürt die Absicht und ist verstimmt"


Daher ja auch kommt der schöne Satz "Man spürt die Absicht und ist verstimmt." Und auf wie viele Gelegenheiten ist er anwendbar.

Alles Menschliche, was nicht Kunst, was nicht Kultur ist (im Sinne der Deutung wie sie in der Philosophie des 20. Jahrhunderts gegeben worden ist - aber auch wie es das Kulturbewusstsein des Bildungsbürgertums des 19. Jahrhunderts sowieso schon ausgemacht hat), ist für die Erfüllung des menschlichen Lebens wertlos, wenn nicht sogar kontraproduktiv. Es lenkt von den wesentlichen Dingen ja erst ab.

Indem man sie noch großartig kritisiert, lenkt man ein weiteres mal die Aufmerksamkeit seiner Leserschaft auf Wertloses, anstatt sie gleich auf Wertvolles, Wertbehaftetes hinzulenken. Die meisten Figuren der Popkultur, der nach 1945 "lizensierten" und vom CIA geförderten Kultur können einen doch nur anekeln. Die zugrunde liegende Konstellation "Krimi" selbst zum Beispiel schon kann einen doch nur anekeln. Der Krimi ist doch übrigens ein "Kultur"-Produkt Englands des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wenn man das recht in Erinnerung hat. Der besserwisserische Gestus in fast allen Krimis kann einen doch nur anwidern. Der besserwisserische Gestus von Krimiautoren ebenfalls. Das ist doch die kulturlose Barbarei Englands, gegen die sich schon Heinrich Heine gewehrt hat, gegen die sich die Deutschen seit 1914 wehren.

Noch niemals hat irgend jemand behauptet, dass ein Krimi - in schriftlicher oder filmischer Form - etwas kulturell Wertvolles darstellen würde. Oder etwa doch? Krimis sprechen die Bedürfnisse nach "Sensation" beim "Konsumenten" an. Das Anliegen eines Friedrich Schiller in "Die ästhetische Erziehung des Menschen" ist ein gänzlich anderes. Ja, er hat auch "Der Geisterseher" geschrieben. Aber in dem Augenblick, in dem er merkte, dass das Interesse des Publikums am Fortgang der Geschichte ein anderes war, als er, Schiller, es selbst an der Fortentwicklung seiner Geschichte hatte, in dem Augenblick war ihm diese ganze Sache verleidet, hat er das Werk abgebrochen, ist es Fragment geblieben. Wie sehr möchte man so vielen Krimi-Autoren wünschen, dass sie diese künstlerische und menschliche Reife eines Friedrich Schiller auch besessen hätten oder besitzen würden und irgendwann einmal aufhören würden, "Fragmente" übrig lassen würden und sich dann auf Wertvolles konzentrieren würden.

Schiller hat sich über das Wesen von Kultur und Kunst Gedanken gemacht. Er war Kultur- und Kunstphilosoph, er war nicht ein Vertreter der so seichten, billigen "Kultur der Kritik" wie sie im 20. Jahrhundert so unglaubliche Ausmaße angenommen hat. Dabei war ihm das Theater "als moralische Anstalt" wichtig. Die moderne "Kultur der Kritik" ist doch eigentlich nur Kultur- und Kunstphilosophie entkleidet jedes Metaphysik-Bezuges, indem - zum Beispiel - gesagt wird: alle Medien und alle transportierten Inhalte sind gleichwertig. Sind sie nicht! :) Oh Gott, sie sind nicht gleichwertig! Hallo! Sie sind es nicht!!!

Vor 1945 wusste das jeder Mensch, der sich nur ein bisschen mit Kultur beschäftigt hat (und er hat das bestimmt nicht in Hitler- oder Goebbels-Reden gelernt). Und heute will man mit großartigen Bemühungen dartun, dass nicht alles gleichwertig ist, was in der Medienwelt geschieht, arbeitet aber einen starken, unhintergehbaren Kulturbegriff gar nicht heraus, der es erlauben würde, Kultur und Kunst von bloß manipulativer Medienwelt zu unterscheiden, von bloß manipulierbaren Konsumenten zu unterscheiden.

Damit bleibt alles manipulativ, auch nach der vorgelegten Analyse. Denn man hat ja nicht das Wesen dessen benannt, was nichtmanipulativ ist.


Wo fängt jenes Wesen der Kultur an, das nicht manipulativ und manipulierbar ist?


Wer hat sich eigentlich schon einmal mit dem Philosophen Wilhelm Dilthey beschäftigt? Er war der erste oder einer der ersten, der die grundlegend unterschiedlichen Herangehensweisen zwischen Geistes- und Naturwissenschaft herausgearbeitet hat. Auch bei ihm wird man feststellen, dass für ihn die nichtrationale Seite der Wirklichkeit im Zentrum des Erkenntnisanspruchs der Geisteswissenschaften steht. Aber wahrscheinlich ist er auch - - - "veraltet", seit die manipulierten und manipulativen parawissenschaftlichen akademischen Diskurse der "Kultur der Kritik" sich wie Gedanken-Viren ausgebreitet haben.

Dass in den letzten 100 Jahren in der Kunstphilosophie bleibende Neuerkenntnisse erlangt worden wären, womit will man das aufzeigen und begründen? Ist man von moderner Kunst- und Kunstphilosophie wirklich befriedigt? Ich merke, dass viele durch geschichtslose, parawissenschaftliche, akademische Diskurse im Umfeld der "Kultur der Kritik" heute viel zu sehr selbst umerzogen und manipuliert sind, um offen zu sein für die große Kunstphilosophie, die das antike Griechenland und die insbesondere Deutschland seit Johann Joachim Winckelmann hervorgebracht haben, und die man sich auch von Rüdiger Safranski referieren lassen kann, die der von uns verehrte Professor Rudolf Malter in Mainz referieren konnte, und an der man als wurzelloser und geschichtsloser Parawissenschaftler der "Kultur der Kritik" scheinbar keinen Anteil mehr nehmen kann oder will.

Bei vielen Äußerungen von Menschen in der alternativen Öffentlichkeit spürt man dann auch eine gewisse Abwertung des Kulturellen heraus in dem Sinne, dass es sich ja hier "nur" um - - - "Schöngeistiges" handeln würde. Die großen Künstler haben sich gegen diese Abwertung alle gewehrt. Sie hätten sich nicht für die Kunst, für die Kultur eingesetzt, wenn es "nur" etwas Abseitiges, "Schöngeistiges" wäre, was mit dem Lebensalltag, mit dem politischen Machtverhältnissen nichts zu tun hätte.

Die Kunst und die Kultur stehen mit dem gesamten Leben eines Volkes in allertiefstem Zusammenhang. Wenn sie es nicht tun, dann wäre das eben schon ein Zeichen dafür, dass es sich nicht um echteste Kunst oder Kultur handelt, sondern eben um Scheinkunst, um Machwerke. Scheinkunst und Machwerke freilich können "abseits" stehen. Sie werden von seelisch lebendigen Menschen nicht vermisst.

Es ist dem modernen, seelenlosen Menschen von heute schwer zu vermitteln, dass etwas so wenig Greifbares, "Handfestes" wie die Kunst und die Kultur etwas Wichtigeres sein soll, als die Politik, das Politische, das Wirtschaftliche. Es ist aber schlichtweg so. Zu sagen, eines Menschen Kulturverständnis wäre "19. Jahrhundert", tut einem Menschen, der zugleich tief im naturwissenschafltichen Wissen der Gegenwart verwurzelt ist, nicht weh. Was hätte das 20. Jahrhundert an Kulturellem zu bieten, was das 19. Jahrhundert aufwiegen würde? Was soll man da nennen? Der Expressionismus in der Malerei und Dichtung, auch noch die Neue Sachlichkeit. Aber was danach kommt, spricht in der Regel wenige an außer kleine exklusive Zirkel. Wer will denn - zum Beispiel - Zwölftonmusik hören?

Es ist also die Rede von Dingen, die ein reiches Innenleben erschließen. Diese sind unabhängig von "teuren" Musik- und Theateraufführungen. Bei so etwas handelt es sich nicht per se um etwas Elitäres. Die Lebensreformbewegung der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts bemühte sich vielfältig um "Kunst fürs Volk", auch die Arbeiterbewegung tat das, auch die Nazis taten das, viele Verlage taten das, bspw. Reclam, Diederichs. Die Namen sind im Grunde Legion. Und so lange ist das alles auch noch gar nicht her. Interessant allerdings, dass man an alles das heute erst wieder erinnern muss.

Es ist also verstärkt zu fragen nach heutiger Kultur, die reiches Innenleben erschließt. Nach solcher, die mich ernst macht, mich erschüttert, Katharsis bewirkt. Solche Dinge müssen Menschen doch wichtig sein, die gesellschaftlichen Wandel zum Besseren wollen.

Aber unser Zeitalter ist das Zeitalter des schrankenlosen Nihilismus, des Materialismus, des Atheismus. Das ist die kunst- und sinnfernste Zeit, die überhaupt nur denkbar ist. Es ist doch vermessen, ihr zu unterstellen, dass sie kulturell ähnlich fruchtbar wäre oder sein könne wie frühere Jahrzehnte und Jahrhunderte. Das geht doch gar nicht.

Niemand ist dazu aufgefordert worden, mit überkommenen, abgelebten Formen letztlich mittelalterlicher Religiosität zugleich auch das Kulturbewusstsein des Abendlandes - wie es sich bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - unter den kulturbewussten Menschen herausgebildet hatte, über Bord zu werfen. Warum also tun wir es? Warum setzen wir diese lebendige Tradition nicht fort?

Einiges zu Daniels Antwort auf diesen Artikel


Soweit war dieser Artikel gestern veröffentlicht worden. Der Medienwissenschaftler Dr. Daniel Hermsdorf - mit ihm war die Auseinandersetzung geführt worden - hat auch gleich auf diesen Blogbeitrag geantwortet (Filmdenken). In der Antwort fragt er:
Sherlock Holmes, Poe, „Der Name der Rose“, „The Manchurian Candidate“, die Großstadt-Bilder von Chandler und Hammett, Einzelwerke von Dürrenmatt oder Walser, soziologische Studien von Maj Sjöwall / Per Wahlöö – alles vollkommen wertlos?
Hierzu antworte ich: "Der Name der Rose" definitiv. Diesen Roman habe ich quergelesen, freilich nicht aus kulturellem Interesse (warum auch?), sondern weil man bei seinem Autor viel hintergrundpolitisches Wissen vermuten muss. Kulturell ist dieser Roman gänzlich wertlos. Man ist geradezu erstaunt, dass das vielen Lesern nicht gleich auf den ersten Blick auffällt. Im Grunde bestätigt mich auch der Wikipedia-Artikel zu diesem Roman (Wiki), auf dem es heißt:
Zahlreiche Merkmale teilt "Der Name der Rose" auch mit Trivialromanen. So sind die Hauptfiguren stark typisiert, es findet eine klare Trennung in gute und böse Figuren statt, zahlreiche Klischees und Stereotype werden aufgerufen. Dieses Vorgehen kann als Pastiche verstanden werden, und damit als bewusste Auseinandersetzung mit der Rolle von Trivialität in der Literatur. Dieses Stilmittel ist ebenfalls typisch für viele postmoderne Romane; Stereotype werden bewusst aufgerufen, um sie klar als Stereotype auszustellen und sie gerade dadurch zu hinterfragen.
Ja, ja, das "Hinterfragen"!!! Schmunzel. Mehr bleibt den Denkern und "Künstlern" der "Postmoderne" doch nicht mehr. Dürrenmatt's "Besuch der alten Dame" hat mich schon in der Schule abgestoßen. Auch "Manchurian Candidate" ist mir grob als Schlüsselroman aus hintergrundpolitischen Zusammenhängen bekannt, kann mich nicht erinnern, dass auch das ein Roman wäre, der einen innerlich erheben würde, innerlich befreien würde, stark machen würde, Katharsis bewirken würde. Martin Walsers Text "Ich vertraue" schätze ich. Aber ich glaube, dass es Gründe gibt für die Ahnung, dass der Großteil seiner Werke keinen bleibenden kulturellen Wert enthält. Die anderen genannten Autoren habe ich nie gelesen, vielleicht mag Sherlock Holmes noch einen vergnüglichen Aspekt haben - ?

Auf Wikipedia lese ich gerade, dass "Der Name der Rose" auf einer Liste der 100 besten Bücher des 20. Jahrhunderts steht (Wiki). Auf ihr steht zum Beispiel auch "1984" von George Orwell. So sehr ich diesen Roman als rationalen Aufklärungsroman, der die Vernunft in wertvollster Weise anspricht, schätze, so wenig ist dieser Roman echte Kultur, also Ausdruck von Gotterleben, der damit ein solches auch hinwiederum wecken könnte. Ich freue mich, dass sich auf dieser Liste Jack London befindet und einige andere Autoren.

Aber als Autoren der 1920er bis 1970er Jahre, denen man bleibenden Gehalt zusprechen möchte, die deshalb ja auch schon mitunter auf unseren Blogs behandelt wurden, weil sie uns heute noch in dem hier behandelten Sinne viel geben können, können neben Rainer Maria Rilke auch etwa genannt werden: Agnes Miegel, Josef Weinheber, Karl Springenschmid, Edwin Erich Dwinger, Romain Rolland (etwa sein "Beethoven"), Gustav G. Engelkes (s. St.gr.). Was die bildende Kunst betrifft, so wird man die drei Bände des Grabert-Verlages "Kunst in Deutschland 1933 bis 1945" als repräsentative Zusammenstellung bleibenden, kulturell wertvollen Gehalts dessen anführen können, was in dem im Buchtitel genannten Zeitraum geschaffen wurde. Natürlich gehören dazu auch ein Großteil jener Künstler, die in dieser Zeit von den Nazis als "Entartete Kunst" an den Pranger gestellt wurden.

Ansonsten lese ich aus der Stellungnahme von Daniel, dass er sich oft persönlich angesprochen und kritisiert fühlt. Das kann nicht ausbleiben. Es ging mir aber - zumindest in diesem meinen Blogartikel - darum, eine allgemeinere Position darzustellen unabhängig von jener noch etwas individuelleren Gelagertheit, die bei Daniel vorliegen mag. Deshalb hätte ich es auch besser gefunden, wenn er ähnlich allgemein geantwortet hätte.

Und vor allem hätte ich es besser gefunden, wenn er stärker auf meine Kernproblematik eingegangen wäre: Welche Bedeutung spielt seiner Meinung nach der Bereich des Nichtrationalen, der Bereich der Werterlebnisse im öffentlichen Diskurs? Und welche Rolle sollte er spielen, wie sollte man auf diesen Bereich zugehen?

Insgesamt ist zu sagen: Es ging mir vor allem darum, einen Standpunkt erst einmal zu formulieren, sozusagen ins "Unreine" hinein. Und es sollte dazu sicher noch angemerkt werden, dass eine argumentativ dichtere und gültigere Darstellung dieses Standpunktes in Buchform schon vorgelegt worden ist (2).

___________________________________________
  1. Sammlung Thule, Altnordische Dichtung und Prosa, Bde.1-24, herausgegeben von Felix Niedner und Gustav Neckel, Jena, 1912–1930, Bd. 10 Fünf Geschichten aus dem westlichen Nordland (Walter Heinrich Vogt, Frank Fischer)
  2. Leupold, Hermin (d.i. Gerold Adam): Philosophische Erkenntnis in ihrer Beziehung zur Naturwissenschaft. Die Deutsche Volkshochschule, Bühnsdorf 2001, 2014
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